Wien/Emigranten

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Hierarchie

Regional > Österreich > Wien > Emigranten (Einwanderer)


Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Informationen

Tschechen und Slowaken

Auswanderung begann 1770, massiv ab 1880, 1900 waren 518.000 Personen mit tschechisch/slowakischer Heimatrecht in Wien. 71% aus überwiegend tschechischen Sprachgebieten und 27% aus überwiegend deutschsprachigen Gebieten.

250 bis 300.000 im Jahr 1900 (ohne Saisonarbeiter). Die meisten aus dem südl. Gebieten Tschechiens/Slowakei. Ab 1918 starke Rückwanderung (ca. 150.000) auch wegen schlechter Lebensmittelsituation in Wien. 1948 wurden die ‚Sudetendeutschen’ ausgewiesen/vertrieben. 1968 Einmarsch der Warschauer Paktstaaten: 162.000 kamen nach Österreich, 129.000 davon kehren später wieder zurück.

Etwa 27% der Wiener hatten 1965 einen ‚tschechischen’ Familiennamen.

Am 1. Platz war NOVAK, 2. Platz SVOBODA, 3. Platz DVORAK, 4. Platz NOVOTNY (alle in unterschiedlichsten Schreibvarianten).


Beruf und Arbeit

Starker Anstieg tschechischer Lehrlinge z.B. Tischler, Schlosser, Schneider und Taglöhnern und Dienstmädchen. Z.B. waren 1864 59% aller Tischlerlehrlinge Tschechen. Bekannt waren die ‚Ziegelböhm’ - das waren Saisonarbeiter der Wiener Ziegeleien.

Spezielle Beruftbilder vor 1918 waren: Rastlbinder = Reparierte löchriges Blechgeschirr und zerbrochenes Ton-/Porzellangeschirr (mit Draht). Glas- oder Kochlöffel- oder Holzwaren-Kråwåt = aus der Gegend von Trentschin, in Wirklichkeit kein Kråwåt (= Kroate) sondern ein Slowake. Verkaufte als wandernder Kleinwarenhändler (Krämer) Glas-, Haushalts- oder Spielwaren. Zwiefl- Kråwåt = Zwiebel-Kroate, verkaufte Zwiebel, wohnten bevorzugt im Bezirk Alservorstadt (8. Bezirk).


Harnakinen / Iglauer Ammen aus Mähren

Waren wegen ihrer besonderen Tracht bekannt.


Die Ungarn (Magyaren)

Ungarn bestand damals aus Slowakei, Burgenland, Kroatien und Teile Rumäniens. 1919 Revolution mit nachfolgenden Horthy-Regime - viele flüchteten nach Wien. Nach dem Aufstand 1956 flüchteten 180.432, es blieben davon 18.000 in Österreich. Die restlichen Ungarn gingen in andere Asylländer. Nach dem 2. Weltkrieg flüchteten 1944 deutschsprachige Ungarn nach Wien.


Statistik

  • 1857 waren 10.000 Ungarn in Wien
  • 1910 waren 155.519 Ungarn in Wien
  • 1980 waren ca. 500.000 Ungarn in Wien


Berufe: Zischmenmacher (Schnüre, Knöpfe, Stiefel)

Polen

Nach dem 2. Weltkrieg flüchteten 1944 deutschsprachige Polen nach Wien.

1980 politische Krise (mit Ausnahmezustand) bewegte viele Polen zur Ausreise. Als einziges kommunistisches Land ermöglichte es seinen Staatsbürgern auch die legale Ausreise (offiziell als ‚Urlaub’) in den ‚Westen’. Viele Akademiker verließen, unzufrieden mit der politischen und wirtschaftlichen Situation, das Land.


Italiener

  • Figurini: italienischer Verkäufer kleiner Gipsfiguren.
  • Katzelmacher: Zinngießer


Traditionelle Berufe in Wien:

  • Rauchfangkehrer: im 18. und 19. Jht.
  • Bauarbeiter, ua. bei der Donauregulierung
  • Salamierzeuger/-verkäufer: aus dem Frial stammend
  • Scheren- und Messerschleifer: aus dem Rendenatal
  • Speiseeiserzeuger: aus Trentino und Belluno

Sinti, Roma, Lovara, Arlije und Jenische

Lovara

Lovara (bedeutet Pferdehändler) gehören zu der Gruppe der walachischen Roma die bis ins 19. Jht. Im Gebiet der Walachei und Moldau aufhielt. Heute (1980) sind noch viele als Teppich- und Autohändler tätig.


Sinti/Arlije/Kalerasch

Sinti ebenso wie Arlije gehören zu den nichtwalachischen Zigeunern, die aus ihrer griechischen Zwischenheimat unter türkischen Druck nach Mittel- und Westeuropa kam.

Die Arlije und Kalerasch (bedeutet Kesselflicker) sind eine Minderheit der Arbeitsmigranten aus Ex-Jugoslawien. Sie bezeichnen sich selbst nicht als Zigeuner. Ähnliches gilt für die burgenländischen Roma. Typische Berufe waren früher Kesselflicker, Siebmacher, Korbflechter und Scherenschleifer. Heute dürften es bevorzugt Handelsberufe sein.

Eine ‚Zigeunersammelstelle’ der Nazi's gab es 1938-1945 in Wien 21; Siedlung Bruckhaufen.

Weitere Info unter: http://www.gfbv.it/3dossier/oevz/repoevz.html

Jenische

Auch die "weissen Zigeuner" genannt. Sie haben im Vergleich zu den Roma/Sinti eine hellere Hautfarbe, was auch zu der Vermutung eines keltischen Ursprungs führte.

Die Jenischen sind eine wandernde ethnisch-soziale Gruppe ungeklärter Herkunft. Teile der jenischen Sprache weisen auf eine sehr lange eigene, in Europa verwurzelte Geschichte hin. Dass es überhaupt zu Vergleichen und Verwechslungen mit Roma kam, lag daran, dass Jenische (früher durchwegs, heute nur noch teilweise) ein nomadisierendes Leben führen und als Randgruppe der Gesellschaft oftmals in ähnlichen Berufen (wie Scherenschleifer, Korbflechter und Gaukler) tätig waren. In Österreich schätzt man (2001) das etwa 35.000 Jenische vorwiegend in Tirol, im Mühlviertel, Waldviertel und im Burgenland sowie 3.500 als ganzjährig Fahrende leben.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Jenische

Chinesen

Wohnten vor dem 1. Weltkrieg in der Trubelgasse im sogenannten Fasanviertel (Wien 3; nahe dem Arsenal). In der 1. Republik waren geschätzte 600 Personen in Breitensee (14. Bezirk). Trafen sich dort im Cafe Bohmann, später im Vereinslokal in der Tiefendorferstraße Wien 14;. 1938 flohen fast alle. 1947 waren wieder 57 Personen anwesend. Verlegten sich auf Chinarestaurants und importierten Interieur und Zutaten.


Kroaten

Aus dem Burgenland und angrenzenden ungarischen Gemeinden, aus Kroatien und Bosnien. Während der Öst.-Ungar Monarchie gab es noch Siedlungen im Marchfeld (nördl. Niederösterreich). 1980 waren etwa 5.000 Personen aus dem Burgenland und angrenzenden ungarischen Gemeinden in Wien. Aus Ex-Jugoslawien etwa 6.000 Personen.


Slowenen

1910 ca. 1.100 Personen, 1980 ca. 1.027 Personen. Berufe: Lederer, Gerber


Bulgaren

Beruf: Gärtner (Gemüse). Kauften in Simmering und Kaiserebersdorf (Wien 11;) Grundstücke, sowie im Seewinkel, Wr. Neustadt, Graz, Linz, Salzburg. 1910 waren 410 Personen in Wien. Machten Paprika, Frühzwiebel und Speiseporee in Wien bekannt. Hatten ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem mitgebracht (Ägyptisches System).

In der NS-Zeit gab es in der Lobau (Wien 22;) eine Kolonie bulgarischer Bauarbeiter.


Schweizer

Beruf: Uhrmacher

Josef II. importierte 1789 Schweizer Uhrmacher nach Wien, ca. 200 Personen. Wohnten im Piaristenkloster - heute Ziegelofengasse Wien 5; Zweck war die Preise für Taschenuhren zu reduzieren. 1801 wurde die Kolonie politisch aufgelöst.


Bosnier

Bosnien wurde von Öst.-Ungarn 1878 besetzt. Beruf: Straßenhändler mit Feuerzeug, Pfeifenspitzen, Uhren, Uhrketten und Messer. Der ‚Bosniak’ auch ‚Hadschiloja’ genannt. 1910 waren 181 Personen sowie 2.000 Soldaten in Wien.


Gotscheer

Gehört zur vorwiegend slowenischer Provinz Krain. Ein Drittel sprach Deutsch. Beruf: Händler mit Südfrüchten und Süßwaren. 1910 waren 1.116 Personen in Wien. Kaiser Maximilian I. siedelte ca. 1509 300 Familien aus Franken und Thüringen in der Gegend von Hozhevje an.


US-Amerikaner

1900 waren ca. 1.000 Personen in Wien. 1961 waren es 2.089 Personen.


Ukrainer

1910 waren 1.432 personen in Wien. Nach Auflösung des selbstständigen Staates durch die Rote Armee (Sowjetunion) flüchteten 1920 ca. 5.000 Personen nach Wien.


Schwaben

Zur Zeit der ersten Habsburger kamen viele ‚Schwaben’ nach Wien. Unter diesem Sammelbegriff waren aber oft Auswanderer aus Baden, Württemberg, Alsace, Lorraine, Rheinland, Westfalen, Bayern, aber auch ‚echte’ Schwaben gemeint.

1949 flohen aus der Bacska ca. 1.200 Personen.


Filipinos

1981 waren 981 Personen aus den Philipinen in Wien. 1990: ca. 2.500 Personen. 1973 Abkommen mit philipinischen Arbeitsministerium. Treffen sich Sonntags in der Jesuitenkirche (Wien 1;) zur Messe.


Griechen/Türken/Armenier/Aromuner

Arumunisch ist eine Sprache ähnlich klassischen Latein. Aromuner lebten in Albanien, Mazedonien, Griechenland und Rumänien. In Wien bezeichnete man die Aramunier als ‚Griechen’. Beruf: Kaufleute, Handel mit dem Orient im 16.-19. Jht.


Griechen

Im 1. Bezirk gab es ein Griechenviertel beim Fleischmarkt im 1. Bezirk. Im 3. Bezirk Ungargasse Nr. 37 gibt es noch eine ehemalige ‚Karawanserei’ zu sehen.


Ägypter/Inder/Pakistani

Beruf: Zeitungskolporteure (Zeitungsvertrieb auf der Straße und in öffentlichen Lokalen). 1980 waren es ca. 1.500 Personen.


Türken und Ex-Jugoslawen

Ab 1965 beginnende Arbeitsmigranten. 1980 waren 62.000 Jugoslawen und 22.000 Türken in Wien ansäßig. Auch Kurden kamen aus politischen Gründen. Ihre Zahl beträgt etwa 4% der türkischen Migranten.


Franzosen

Kamen Ende des 18. Jht. nach Wien


Russen

Wegen zaristischer und judenfeindlicher Politik in ihrer Heimat waren 4.100 Personen 1910 in Wien ansässig.


Deutsche

1933 kamen politisch und rassistisch Bedrohte nach Wien und Österreich.


Holländer (Niederländer)

Im 3. Bezirk lebten die ‚Notten’ (= Genossen) seit dem 14. Jht.. Später endstand ein Dorf namens Nottendorf, wurde dann nach Erdberg (heute: 3. Bezirk ‚Landstraße’) eingemeindet. Beruf: viele Gärtner


Deutschsprachige Minderheiten

Zur Zeit der ersten Habsburger kamen viele ‚Schwaben’ nach Wien. Unter diesem Sammelbegriff waren aber oft Auswanderer aus Baden, Württemberg, Alsace, Lorraine, Rheinland, Westfalen, Bayern, aber auch ‚echte’ Schwaben gemeint.

Nach dem 2. Weltkrieg flüchteten 1944 deutschsprachige Polen, Rumänen, Tschechen, Ungarn, Siebenbürger und Ex-Jugoslawier nach Wien. Zirka 300.000 kamen nach Österreich. Bis 1954 wurden 90.000 Personen eingebürgert.

Ausländische Kriegsgefangene im 2. Weltkrieg

1938 wurden 100.000 Österreicher nach Deutschland zum Zwangsdienst verpflichtet. 1941 waren 50.000 Ausländer in Wien und Niederösterreich dienstverpflichtet. Die größte Gruppe waren polnische und sowjetische Kriegsgefangene.

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