Stift Freckenhorst

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Inhaltsverzeichnis

Adelige Stifter des Hochstiftes Münster

Name

Offizielle Bezeichnung 1776: Das hochadelige, kaiserliche, freiweltliche Stift St. Bonifatius zu Freckenhorst

Lage

Kurzgeschichte

Die Anlage eines Klosters in Freckenhorst geht nach der Überlieferung auf den durch eine Fuldaer Quelle gesicherten sächsischen Edelherren Everward und seine mutmaßliche Gemahlin Geva zurück. Die Gründung erfolgte um 856. Damals stattete Bischof Liutbert von Münster das Stift mit Reliquien aus, darunter einer Reliquie des hl. Bonifatius.

Klosterregel

Im 9. Jahrhundert war es noch üblich, daß Klostergründungen sich eine eigene Regel geben konnten. Als Rom die Unterwerfung aller Klöster unter eine kirchlich anerkannte Regel forderte, wurde wohl im 13. Jahrhundert (<1240) aus dem Kloster ein Stift und aus den Nonnen wurden Kanonissen, die wahrscheinlich Teile der Augustinerregel übernahmen.

Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass bisweilen eine Äbtissin mehreren Häusern gleichzeitig vorstand, so in Westfalen neben Freckenhorst den Stiften Borghorst, Metelen, Nottuln, Essen und Vreden.

Kreuzverehrung

Im 14. und 15. Jhr. wurde die Kreuzverehrung in Freckenhorst sehr populär. Der Kreuzkult und die Kreuzverehrung gilt in der Sippe der Grafen von Kappenberg als Tradition. Sie und ihre Erben sorgten für die Ausbreitung des von Bernhard von Clairvaux (+1153) gestifteten Zisterzienser Ordens und insbesondere die Ausbreitung des von Norbert (+1134) - Sohn des Grafen Heribert von Gennep, - Subdiakon am adeligen Stift Xanten, in Prèmontrè bei Laon (Lon in Belgien, im Herrschaftsgebiet der Kappenberger Ahnen) gegründenten Ordens der Prämonstratenser, so u.a. in Kappenberg, Knechststeden und Flaesheim. Aber zunächst hatten er und seine Mitkanoniker 1121 im Benediktiner Kloster Laon die Regel des hl. Augustinus (Priestergenossenschaftsregel) angenommen.

Adeliges freiweltliches Stift

1473 verfielen Angehörige des Stiftes der Exkommunikation aufgrund eines Streites zwischen Äbtissin Bonizeth von Isenburg und dem Konvent um materielle Rechte. Diese tiefgreifende innere Entwicklung des Klosters kennzeichnet schließlich die im Jahre 1495 erfolgte Umwandlung in ein adeliges freiweltliches Stift. Papst Alexander VI. hatte dazu seine Zustimmung erteilt. Die Stiftung bewahrte bis zur Aufhebung ihren adeligen Charakter; die Äbtissinnen stammten bis 1688 aus edelfreiem Geschlecht. Die als erste Äbtissin angesprochene Thiathildis, angeblich eine Nichte des Stifterehepaares, gelangte in den Ruf der Heiligkeit. An ihrem Todestage (30.Jan.) fanden bis zur Reformation besondere Feierlichkeiten statt. 1669 ließ Bischof Christoph Bernhard von Galen ihre Gebeine erheben und in einen neuen silbernen Schrein umbetten.

Lagerbuch Amt Sassenberg 1769

Lagerbuch des Fürstbistums Münster 1769, Hausstatistik nach Hofgrößen, Pferdezahlen im Stift Freckenhorst

  • Anmerkung zur Tabelle:
    • 1) = Freye Häuser
    • 2) = Schatzbare Häuser
    • 3) = Summe der Häuser
    • 4) = Darinnen befinden sich
    • 5) = Einfache Schatzung
Städte
Kirchspiele
Bauerschaften
u.freye Häuser
1)
Klöster
u. Adelige
1)
geistl.,
priv.
2)
Vollerben
2)
½ Erben
2)
¼ Erben
2)
Kötter
2)
Brinksitzer
3)
Effectiv
3)
reduc. in
Vollerben
4)
Vorspann-
pferde,
Stück
4)
Stallung
f. Pferde
Stück
5)
Rtlr
5)
fl.
5)
Pf.
Wigbold
Freckenhorst
Stift u.
Dependanz
weltlicher
adel. Damen
1 24 . . . . . 25 25 . 30 . . .

Bei der Schatzung 1769 zählt 1 Reichstaler 28 Schillinge und 1 Schilling 12 Pfennig.

Äbtissin

  • 19.11.1629 Äbtissin Agnes zu Limborg.
  • 1776 Francisca Lucia, des hochadlichen Kayserlich-freyweltlichen Stiftes Freckenhorst Äbtissin, auch Archidiaconissa daselbst, gebohrene Freyinne von Korff zu Haerkotten und Störmede.

Reformation

Da schon vor 1473 das Gewicht der Entwicklung zu sehr auf die Vergrößerung des Besitzes und den Erhalt der kaiserlichen Freiheiten gelegte wurde, trat das religiöse Leben immer mehr in den Hintergrund. So fand die reformatorische Lehre über die Mauern hinweg Eingang in das Stiftsleben, dies erbrachte einen weiterer tiefen Einschnitt.

Zum Protestantismus neigende oder offen dafür eintretende Äbtissinnen ließen manche altkirchlichen Gebräuche einschlafen. Vorübergehend fanden Wiedertäufer hier eine schützende Stätte. Erst Anfang 17. Jh. gelang es aber dem katholischen Bekenntnis, sich wieder die Alleinherrschaft im Konvent zu verschaffen.

Stiftskirche St. Bonifatius

Von der Bedeutung des Stifts im Mittelalter zeugt die Stiftskirche, deren wesentliche Bauteile dem 11. und 12. Jh. entstammen. Von der im Süden an sie anschließenden Klosteranlage steht noch ein Teil des Kreuzgangs aus dem 13. Jh. An seiner Stelle lag ein karolingischer Kreuzgang mit den Stiftsgebäuden, von denen Teile 1967 ausgegraben wurden. In dem freien Raum zwischen Kreuzgang und Kirche wurde ein Baumsargfriedhof des 10. Jh. festgestellt. Die Kirche birgt einen Taufstein aus der 1. Hälfte 19. Jh., dessen Inschrift die Weihe der Kirche für 1129 - nach einem Brand im Jahre 1116 - bezeugt, ferner das Grabmal der Geva aus der 2. Hälfte 12. Jh. (?) in der Krypta mit der ältesten niederdeutschen Inschrift.

Kollegiatskirche

St. Bonifatius war als Stiftskirche zur Kollegiatkirche erhoben worden, deren Kapitel wahrscheinlich noch heute rechtlich besteht. Mittlerweile wurde sie auch Pfarrkirche (rk.) der zur Minderstadt angewachsenen Stiftssiedlung.

Archidiakonat Freckenhorst

Francisca Lucia, des hochadlichen Kayserlich-freyweltlichen Stiftes Freckenhorst Äbtissin, auch Archidiaconissa daselbst, gebohrene Freyinne von Korff zu Haerkotten und Störmede. (1776)

Dechant

  • Herr Henrich Godfried Cluesmann (1776).

Canonici, Kapitulares

  • Herr Gerh. Wilh. Zurstrassen, Senior (1776)
  • Alexander Leuchtermann (1776)
  • Antom Joseph Zumbrinck (1776)
  • Franz Adolph Dieckhoff (1776)
  • Henrich Joseph Nieneker (1776)
  • Joh. Henrich Dumme (1776)

Vicarien

  • Herr Theodor Anton Cree (1776)
  • Frid. Christian Koch (1776)
  • Aloysius Middendorf (1776)
  • Theodor Hermann Schmitz (1776)

Petrikapelle

Die im Westen vor der Kirche stehende Petrikapelle, deren Mauerwerk z. T. auf das 10./11. Jh. zurückgeht, soll nach der Überlieferung die erste Kirche in Freckenhorst gewesen sein. (Ihr Patrozinium könnte wie das Bonifatiuspatrozinium der Stiftskirche auf Fulda zurückgehen, dem Everward einen Teil seines Besitzes zuwandte.)

Neue Abtei

Dem 18. Jh. entstammen die neue Abtei (1740; 1840 in Besitz der von Merveldt übergegangen), eine Damenkurie und an der Nordseite 2 Kanonikate. –

Versorgungsanstalt

Der preussische König Friedrich Wilhelm III. bestimmte 1805, nachdem Freckenhorst zwei Jahre vorher an Preussen gefallen war, das Stift als Versorgungsanstalt für adlige Damen aller Konfessionen.

Aufhebung

Die Franzosen befahlen 1811 die Aufhebung des Stiftes, diese erfolgte dann endgültig 1812.

Stadtrecht

Eine vor der Stiftsfreiheit entstandene geschlossene Siedlung, deren Bewohner 1308 cives genannt werden, wird seit dem 14. Jh. teiIs als Dorf, teils überwiegend als Wigbold bezeichnet. Durch das 1332 bezeugte abteiliche Wigboldgericht aus dem Kirchspiel ausgesondert, besaß die Siedlung eine bescheidene Selbstverwaltung; erst 1782 wurde ein eigenes Siegel geschaffen. Nach der preußischen. Besitzergreifung von 1802 galt Freckenhorst als Stadt.

Vogtei

  • Die Schutzherrschaft übten anfangs die Edelherren von Freckenhorst aus, dann der seit 1170 in Rheda wohnende Widukind, der vermutlich derselben Familie entstammt. Nach seinem Tode (1190/91) kam die Vogtei an Bernhard von der Lippe und 1365 als Annex der Herrschaft Rheda an die Grafen von Tecklenburg.

Äbtissinnen

  • 1501 Äbtissin des Stiftes Freckenhorst, geb. Maria Tochter zu Tecklenburg
  • 10.02.1776 Äbtissin Clara Franziska Antonetla von Westerholt.
  • 1776 Francisca Lucia, des hochadlichen Kayserlich-freyweltlichen Stiftes Freckenhorst Äbtissin, auch Archidiaconissa daselbst, gebohrene Freyinne von Korff zu Haerkotten und Störmede.

Chanonissen

  • Anna Josina von Nehem vom Haus Sundermühlen, Seniorin (1776)
  • Ludovica von Nagel vom Haus Vornholz (1776)
  • Wilhelmina Antonetta von Haxthausen vom Haus Apenburg (1776)
  • Isabella von Schilder vom Haus Himmighausen (1776)
  • Maria Theresia von der Reck vom Haus Drensteinfurt (1776)
  • Maria Antonetta Edele von Eltz vom Haus Rubenbach (1776)
  • Maria Eleonora von Wrede vom Haus Melschede (1776)
  • Maria Theresia von Brencken vom Haus Erbherrenburg (1776)
  • Rosina Freyinne Korff, genannt Schmising vom Haus Tatenhausen (1776)
  • Maria Francisca von Ketteler vom Haus Haerkotten (1776)
  • Anna Bernardina Freyinne Korff, genannt Schmising zu Tatenhausen (1776)
  • Maria Antonetta von Schorlemmer vom Haus Heringhausen (1776)
  • Ludowica von Korff vom Haus Surhausen (1776)
  • Maria Clara Freyinne Droste zu Vischering, vom Haus Darfeld (1776)
  • Agnes von Ketteler vom Haus Haerkotten (1776)
  • Theresia Ludovica von Haxthausen vom Haus Apenburg (1776)
  • Ferdinandina Bernardina von Schorlemmer vom Haus Heringhausen (1776)

Besitzwechsel

  • 1802 Infolge des Lünneviller Friedens und der Reichs-Deputationsverhandlungen in Regensburg, kam das Stift Freckenhorst und der größte Teil des (Fürstbistums Münster am 03.08.1802 (gemäß königlichen Patents vom 06.06. ejus anno) als nunmehriges Erbfürstentum Münster in Königlich Preußischen Besitz.

Grundbesitz

Über den reichen Grundbesitz des Stifts gibt zuerst die als altsächsische Sprachdenkmal berühmte Freckenhorster Heberolle (11. Jh.) Auskunft. 1345 kam Heidemühle vom Stift Freckenhorst im Tausch an den Bischof von Münster. Bischof von Münster.

Kirchspiel Westkirchen

1501 Dezember 14 (des gudens dag na sünte lücijen der hilligen Jungfer und meiceloische dagh (Wekeloisen- oder Weichlucientag)) Die Äbtissin des Stiftes Freckenhorst, geb. Maria Tochter zu Tecklenburg, gewährt dem Heinrich von Langen und seinen Erben das Recht, alle Jahre zwischen Martini und Weihnachten mit 200 Gulden das Gut Lüttike Holtorp im Kirchspiel Westkirchen, Bauerschaft Holtorp, wiederkaufen zu können. Die Äbtissin hängt ihr Siegel an.

  • Orig., Pgt., Siegel stark beschädigt. Rückseite: Der Frau Abbadissin zu Freckenhorst gegebener Brief und Siegel, daß Heinrich von Langen für verkauftes Erbe in den Kirchspiel Westkerken alle Jahre könne wiederlösen 1502.

Eigenbehörige

Trotz mancher, im späteren Mittelalter und in der Neuzeit erlittenen Verluste besaß das Stift bei der Aufhebung noch immer über 250 Bauernhöfe.

Archive

  • Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (bis 2008 Staatsarchiv Münster)
    • A 134 I Stift Freckenhorst – Urkunden. Umfang: 1560 Urkunden 1085-1807
    • A 134 II Stift Freckenhorst – Akten. 580 Akten (151 Kartons) 1332-1814
      • Inhalt: Abteiarchiv 1332-1814: Angelegenheiten der Äbtissinnen u. Stiftsdamen, Kanonikal-, Diakonal- u. Subdiakonalpräbenden, Vikarien, Dechanei u. Pastorat in Freckenhorst, Stiftungen, Kirchensachen u. -diener, Armensachen, Schulen, Friedhof, Petrikapelle, Pastorate u. Vikarien in Westkirchen, Vellern u. Hoetmar, Archidiakonatssachen, Jurisdiktion, Wig-bold Freckenhorst, Marken, Jagd, Fischerei, eigenhörige Höfe u. zugehörige Verwaltung, Testamente u. Exekutorien, Prozesse, Protokolle u. Register, Besitznahme des Stifts durch preußische u. französische Behörden. Kapitelsarchiv 1467-1811 (150): Eigenhörige Höfe u. Besitzungen, Rechnungen, Kapitalien, Gerichtssachen, Kapitelsprotokolle.
    • A 134 III Stift Freckenhorst, Kapitel – Akten
    • Gutsbetriebe, Bestand Vellinghausen und Heidemühle. Darin: 1345 kam Heidemühle vom Stift Freckenhorst im Tausch an den Bischof von Münster.
    • Aufschwörungstafeln. Darin Aufschwörungen des Stiftes Freckenhorst (Adelsnachweise).
  • Zentralarchiv Kreis Warendorf, Bestand Stadt Freckenhorst, darin Bestand A: Stift, Wigbold und Ksp. Freckenhorst 253 Urkunden 1348-1818; 603 Akten 1556-1926.
  • Archiv Abbenburg (Brakel), Bestand A Altes Archiv, Darin Stift Freckenhorst (1764-1844). Findliste und Findbuch P 165/1
  • Archiv Assen (Lippetal), Bestand Pb Familienpräbanden. Darin Freckenhorst. Findbuch P 11/9
  • Archiv Egelborg (Legden), Bestand Grevinghoff (Beelen). Darin Lehen des Stiftes Freckenhorst. Findbuch P 53/8
  • Archiv Harkotten II (Korff, Stadt Sassenberg), Bestand Harkotten II, Darin: Beziehungen zum Stift Freckenhorst. Findbücher P 74/3 und 74/4
  • Archiv Lembeck (Dorsten), Bestand Wolbeck Wo. Darin: Ankauf von Ländereien des Stiftes Freckenhorst (1836). Findbuch P 104 /12
  • Archiv Melschede (Sundern). Darin Pfründe im Stift Freckenhorst. Findbücher P 113 – 113/4
  • Archiv Vornholz (Ennigerloh), Bestand Haus Dieck (Westkirchen). Darin Freckenhorster Lehen.
  • Archiv Wenne, Bestand Wenne. Darin Präbenden im Stift Freckenhorst.
  • Archiv Harkotten I (Ketteler, Stadt Sassenberg), Bestand Haus Harkotten I, Darin Nachlaß der Äbtissin Franziska von Ketteler (1175-1835)

Literatur

  • E. Friedlaender (Bearb.), Die Heberegister des Klosters Freckenhorst, nebst Stiftungsurkunde, Pfründeordnung und Hofrecht. 1872.
  • W. Kohl (Bearb.), Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst (Germania Sacra NF 10, Bistum Münster, 3). 1975.
  • Kirche und Stift Freckenhorst 1979.
  • J. H. Schulte: Geschichtliche Mittheilungen über das Stift Freckenhorst, 1890, Digitalisat der ULB Münster

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