Steinhauer

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Steinhauer bei Anfertigung geradliniger Stücke
Quelle: Verb. van Ambachten (1694) Joh. u. Casp. Luiken

Inhaltsverzeichnis

Handwerker

Steine bilden an vielen Orten in der Erde ganze Lagen, welche durch geringe Schichten von Tonerden getrennt sind. Hier handelte es sich um Sedimentgestein. An der Erdoberfläche ist dann das in Bänken oder Schichten liegende Gestein als Steibruch erkennbar und kann hier von den Steinhauern oder Steinbrechern im Tagebau direkt abgebaut und losgebrochen werden. In manchen Gegenden müssen diese Lagen aber auch durch Abgrabungen erschlossen werden. In ländlichen Gegenden wird diese Arbeit auch im Nebenerwerb ausgeführt. [1]

Beschreibung

Unter Steinhauer verstand man im 18. Jahrhundert eine Tätigkeit in einem Steinbruch, daher auch die Bezeichnung als Steinbrecher, lapicida (lat.). Er hatte im Rahmen seiner Arbeit vor Ort die gewonnen Steine zu Werkstücken, Schnittsteinen oder Quadern zu behauen um ihnen eine regelmäßige Form (geradlinig begrenzte Stücke) zu geben, meist für Bauzwecke, Keller-, Gewölbe- oder Brunnenbau. Damit wurde der Transport zum Einsatzort erst ermöglicht oder zumindest erleichtert und anfallende Schutt verblieb am Gewinnungsort. [2]

Keller aus gebrochenen Sandsteinen der Haardausläufer
an der Loemühle in Marl (Westfalen)

Eigenbehörige als Steinhauer im Nebenerwerb

„Anno 1694 den 28. April hat Jürgen im Mersche sive Huer Aleff und Trine Teveß, künftiger Eheleute, ihr Lebenlang den g.ten Kotten gewunnen und ...daß Sie .... für die übrige acht Rt in dem Lenckeler Haart Steine brechen solle und wolle.“ [3]

"Pro 1771 den 23. Nov. gab Sondag an, daß er von Herrn Curator darzu bestellt wäre, zu der im Jahr 1774 vorgenommenen Reparatur der Kornmühle an der Sickingmühle Steine zu brechen, welche er, Sondag, denn auch getan und dafür 3 Rt die von Herrn Curator auch accordiert wären, haben müßte." [4]

Bei den Steinbrüchen handelte es sich um Sandstein, welcher am Fuße der Sandausläufer der Haard, am Rande der Lippeaue in „Steinkuhlen“ (Steenkuhlen) gebrochen wurde. Daraus entstanden zum Beispiel Grundmauern für Fachwerkaufbauten und Keller der Wassermühlen.

Steinhauer als Familienname

Zur besseren Unterscheidung sonst gleichnamiger Familien in einer Bauerschaft oder in einem Kirchsprengel, konnte auch die Tätigkeit eines Kötters im Nebenerwerb zum vererblichen Familiennamen werden:

Steinmetz

Im 19. Jahrhundert verstand man unter einen Steinmetz oder lokal auch kurz "Metzler", dann eher einen Maurer, welcher die von dem steinbrechenden Steinhauer gewonnenen Steine zur weiteren Verarbeitung bearbeitete, um sie zum Hausbau und zu andern Bedürfnissen einzusetzen. ref>Quelle: Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart</ref>

Steinhauer im frühen Straßenbau

Unter Napoleon gewann der Bau von überörtlichen Heerstraßen zur Erschließung der Infrastruktur hohe Bedeutung. In seiner Zeit wurde u.a. die kaiserliche Heerstraße der ersten Klasse von Paris nach Hamburg, über Wesel, Münster, Osnabrück und [Bremen] angelegt. Die Unterlage für diese Straßen bildeten Bruchsteine, auf denen 2 Schichten geschlagener Steine aufgebracht wurden. Hier ergab sich ein breites Tätigkeitsfeld für lokale und regionale Steinhauer nicht nur in den Steinbrüchen. Diese Arbeiten bedurften einer entsprechenden Vorplanung duirch die Franzosen.

Steinbrüche entlang der Heerstraßen

Die damals durch Napoleon angelegten Heerstraßen im Oberemsdepartement wurden für das Jahr 1812 erfasst, ebenso die Zahl der Arbeiter und die erforderlichen Arbeiten im Umfeld, bis hin zu den erforderlichen. Entwässerungen. Aufgeschrieben wurden aber auch die regionalen Steinbrüche zur Gewinnung der Bruchsteine für den Straßenbau.

Die wichtigsten Steinbrüche zum Abbau tonartiger Sandsteine waren die Steinbrüche bei Edinghausen, Hadderberg (Kanton Osnabrück), am Piesberg, von Penteregge (Kanton Bramsche), am Scharberg (Kanton Iburg), am Darumerberge (Kanton Melle), die neuen Steinbrüche zwischen Iburg und Oesede mit Kalksandstein, die Steinbrüche am Schinkelberge mit Basaltgestein, während die bei Ibbenbüren und die am Hüggel bei Hagen im Teutoburgerwald Mühlsteine lieferten.[5]

Weiterführung in Preußen

Das französische System des Straßenbaus wurde auch bei den überregionalen Staats- und Kreisstraßen in Westfalen beibehalten und weiter entwickelt, Damit hatten die Steinhauer zubächst ein zusätzliches berufliches Standbein erhalten.

Literatur

  • Gottgetreu, Physische und chemische Beschaffenheit der Baumaterialien (3. Aufl., Berl. 1880, 2 Bde.)
  • H. Koch, Die natürlichen Bausteine Deutschlands (das. 1892)
  • Herrmann, Steinbruchindustrie und Steinbruchgeologie (das. 1899)
  • Ringleb, Lehrbuch des Steinschnittes (2. Aufl., Stuttg. 1883)
  • Wehrle, Projektive Abhandlung über Steinschnitt (Zürich 1880)
  • Krauth und Sales Meyer, Die Bau- und Kunstarbeiten des Steinhauers (Leipz. 1896, 2 Bde.)
  • Schwartze, Die Steinvearbeitung und ihre neuesten Fortschritte (Berl. 1898)
  • Th. Müller, Der Steinmetz in der Schule und in der Praxis (2. Aufl., Leipz. 1906)
  • Seipp, Die Wetterbeständigkeit der natürlichen Bausteine (Jena 1900)
  • Spiegel, Der Steinrechner für das Baugewerbe (2. Aufl., Halle 1899)

Zeitschrift

  •  »Der deutsche Steinbildhauer, Steinmetz und Steinbruchbesitzer« (Münch., seit 1885).

Fußnoten

  1. Quelle: Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
  2. Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
  3. Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Haus Ostendorf Akten, Lagerbuch 1629-1748
  4. Quelle: Stratmann, Bodo: Gewinn- und Versterbbuch des Hauses Ostendorf 1653-1663 (2017)
  5. Quelle: Statistisches Jahrbuch des Oberems-Departements für das Jahr 1812

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