Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/3/034
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Autorität zu gewinnen, gegen Hoffmann zu wirken. Prawest stellte in
diesem Briefe, der aufbehalten ist, sich als dem Evangelium ergeben
dar, nannte sich Luthers Mitbruder in Christo, machte ihn darauf
aufmerksam, daß ihm die Schuld für mancherlei Irrlehren aufgebürdet
würde, die sich erhoben hätten, und wies besonders auf Hoffmann
hin, erbat sich auch Luthers Anweisung für sein Verhalten Hoffmann
gegenüber. Luther gab den Rath, es möge bei der Obrigkeit dahin
gewirkt werden, daß dem Schwärmer das Predigen verboten würde. Das
war es, was Wilhelm Prawest gewünscht hatte, und nun ließ er die
Maske fallen. Er machte verletzende Verse gegen Luther, dem nun
auch die Augen aufgingen, und der, wie er 1528 Sonnabend nach
Jubilate dem Bürger Conrad Wulff zu Kiel meldet, einen harten Brief
an Wilhelm Prawest schrieb: „Ick hebbe juwen Parrhern eyuen hardenn
Breff gescrevenn, vmme syner Lögenn wyllen, dar myt he my bedragenn
hefft.“ Luther meint, er werde diesen zweiten Brief nicht so
umhertragen, wie den ersten. Auch an den Bürgermeister Paul Hengen
schrieb er selbigen Tages: „also de yck van dem Parrher scheutlych
bedragenn nycht anderß gewetenn hebbe, denn alßo were he de beste
vuße Fründt“. Ueber Melchior Hoffmann urtheilt Luther in diesem
Briefe, er verfahre zu unbesonnen, obgleich er es wohl gut gemeint
haben möge.[1] Wilhelm Prawest zog sich nach Bordesholm
zurück; Melchior Hoffmann blieb noch in Kiel, ging aber in seinen
abweichenden Ansichten und Behauptungen immer weiter. Es war
besonders die Abendmahlslehre, hinsichtlich welcher er sich schroff
ausließ. Eberhard von Weidensee verfaßte, dazu vom Prinzen
Christian aufgefordert, eine Gegenschrift: „Een Underricht na der
hilligen Schrift. Melchior Hoffmann's Sendbref, darin he shrivt,
dat he uich bekennen kunne dat en Stück livelyken Brodes syn Gott
sy, belangende. Hadersleben. 1529“. Er wollte blos von einer
geistlichen Genießung wissen, und soll selbst beim König darum
angehalten haben, daß er wegen seiner Lehre vom Abendmahl möchte
gehört werden. So kam es denn zu einem Colloquium, welches in der
That von der öffentlichen Meinung gefordert wurde, und 1529 im
Franciscaner-Kloster zu Flensburg angestellt ward. Es war
- ↑ Die Briefe Luthers an den Bürgermeister und an den Bürger Wulff bei Krafft a. a. O. p. 447 und 448. Den letzten Brief an Prawest bei Muhlius, Diss. Hist. theol., p. 149 und 150.
