Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/2/203
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Lese- und Schreibschule für Kinder. Man erfährt beiläufig aus einem
bischöflichen Schreiben, daß am Ende des funfzehnten Jahrhunderts
in diesem Nonnenkloster im Lesen und Schreiben Unterricht ertheilt
ward. Der Lehrer war zu der Zeit ein in Kiel als Vicar angestellter
Cleriker Namens Nicolaus Heitmann. Der Bischof Eggert von Schleswig
richtete im Jahre 1494 ein Schreiben[1] aus Flensburg
an den Rath zu Kiel mit dem Ersuchen, dem Priester Heitmann zu
erlauben, noch ein Jahr lang im Schleswiger Jungfrauenkloster zu
unterrichten; wobei ausdrücklich von den Kindern die Rede ist,
denen Unterricht zu geben war. Eine interessante Notiz ergiebt sich
nebenher aus einem Artikel im Sachsenspiegel (I, 24), worin
aufgezählt wird, was in einer Erbmasse zur Frauen-Gerade gehörte.
Danach gehörten aber zum speciell weiblichen Geräthe auch die
Andachtsbücher und alle Bücher, welche Frauen zu lesen pflegen
(saltere unde alle böke de to godes deneste höret, de vrowen
pleget to lesene). Hieraus geht unstreitig hervor, daß schon
zu Anfange des dreizehnten Jahrhunderts die norddeutschen Frauen
durchweg haben lesekundig sein müssen und daß sie in christlichen
Erbauungsbüchern zu lesen pflegten. Zugleich müssen sie der
lateinischen Kirchensprache mächtig gewesen sein. Der
Sachsenspiegel ist bekanntlich auch für die Sachsen in
Nordalbingien verfaßt, wo er noch heutiges Tages als gemeines
Landrecht Geltung hat. In Lübeck, als dort noch im Jahre 1502 das
Nonnenkloster zu S. Annen gegründet ward, wurde von den Bürgern
darauf Rücksicht genommen, daß ihre Töchter in diesem Kloster eine
gute Schule und zweckmäßigere Erziehung finden sollten. In Hamburg
werden Mädchenschulen vor der Reformation öfter erwähnt, es waren
aber Privatanstalten.
Aus Dithmarschen, dem republikanischen Gemeinwesen freier Landleute, welches mit den Hansestädten, zunächst Lübeck und Hamburg, stets in der genauesten Verbindung stand, tritt schon lange vor der Stiftung des Dominicanerklosters zur Marien-Aue in Meldorf ein Geistlicher als theologischer Schriftsteller auf, der in lateinischer Sprache ein Andachtsbuch verfaßte[2]: Arnold von Meldorp,
