Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/1/043
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Grundlage. In sehr alten Zeiten ist freilich von Friesen-Königen
die Rede. Rabbod ist ein solcher im 8. Jahrhundert; auf Helgoland
soll sein Sitz gewesen sein und er mag auch eine Herrschaft über
unsre Nordfriesen gehabt haben. Seit Karl d. Gr. Zeiten ist aber
von keinem Königthum mehr eine Spur; die Sage von den großen
Freiheiten, die eben er den Friesen gegeben haben sollte, pflanzte
sich fort auch bei unsern Nordfriesen. Der sogenannte
Freiheitsbrief Karls ist übrigens offenbar unächt .[1] Als zu
Karls Zeiten die Eidergränze 811 festgestellt wurde, war jedenfalls
das nähere Band mit den südlicheren Stammgenossen, die dem Reiche
angehörten, gelöst für unsre Nordfriesen, die nun ihren
geschichtlichen Weg für sich zu gehen hatten. Das ihnen benachbarte
Dänische Reich war es, mit welchem sie in Berührung kamen. Die
Könige desselben unterließen es nicht, sie in Abhängigkeit zu
bringen. Eine beiläufige Notiz in den Fränkischen Jahrbüchern
belehrt uns, daß Harald und Reginfried 813 gegen sie gezogen waren.
Die Fränkischen Gesandten trafen diese Könige nicht zu Hause. „Sie
waren nach Westerfolda mit ihrem Heer gezogen, einer Gegend, welche
die äußerste ihres Reiches, nach Nordwesten belegen ist und in
nördlicher Richtung hin Brittanien gegenüber liegt, weil Fürsten
und Volk es verweigert hatten, ihnen unterthan zu sein. Nach ihrer
Bezwingung kehrten sie zurück.“ Bemerkenswerth ist, daß hier auch
von Fürsten oder Häuptlingen der Friesen die Rede ist, sowie daß es
aus der ganzen Fassung scheinen will, als sei dieser, damals
gelungene Versuch nicht der erste gewesen, da die Friesen als
bereits dem Reiche Haralds und Reginfrieds angehörig bezeichnet
werden. Wie lange die Abhängigkeit gedauert, ist schwer zu sagen;
allein die Geschichte der nächsten Jahrhunderte führt immer wieder
vor Augen, daß die Friesen einen Tribut bezahlten (und darauf war
es wohl hauptsächlich abgesehen), wenn sie von den Königen dazu
gezwungen wurden, sonst aber die Zahlung einstellten. Im übrigen
wurde in ihre inneren Angelegenheiten wohl wenig eingegriffen. Nur
Eine Einrichtung, die dauernd gewesen ist, hat offenbar Dänischen
Ursprung, die Hardeseintheilung. Eine Zerfällung in kleine, zum
Theil
- ↑ diesen Freiheitsbrief unter andern bei Heimreich, Falks Ausgabe S. 129-133.
