Schlesisches Namenbuch/E-Book

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Schlesisches Namenbuch
Autor(en):Hans Bahlow
Herausgeber:Historische Kommission für Schlesien
Titel:Schlesisches Namenbuch
in:Quellen und Darstellungen zur schlesischen Geschichte 3
Verlag:Holzner Verlag
Druck:Buchdruckerei Georg Graßer, Würzburg
Ort:Kitzingen/Main
Jahr:1953
Umfang: 149 Seiten
Beilage(n):Kartenskizze
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QUELLEN UND DARSTELLUNGEN

zur schlesischen Geschichte


Herausgegeben von der Historischen Kommission für Schlesien


Dritter Band       [GWR 1]




SCHLESISCHES

NAMENBUCH


von

HANS BAHLOW



Mit einer Kartenskizze


(Stempelschatten)




HOLZNER (Verlagssignet) VERLAG

KITZINGEN / MAIN

1953


Schriftleitung: Prof. Dr. Herbert Schlenger, Marburg a. d. Lahn






Gedruckt mit Unterstützung des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates e. V.

Marburg a. d. Lahn






Druck: Buchdruckerei Georg Graßer, Würzburg




DEM ANDENKEN MEINER ELTERN


D. Dr. Ferd. Bahlow St. Peter-Paul, Liegnitz

Marie Bahlow geb. Weinholtz



Vorwort

Wenn sich mit diesem Buche endlich die Hoffnung erfüllt, Ergebnisse langjähriger Quellenforschung der Öffentlichkeit übergeben zu können, so gebührt der Dank hierfür dem J. G. Herder-Forschungsrat, Marburg a. d. Lahn, und der Historischen Kommission für Schlesien, deren erster Vorsitzender, Herr Univ.-Prof. Dr. Herbert Schlenger (Marburg a. d. Lahn, früher Breslau) verständnisvoll und mit unermüdlicher Tatkraft den Weg zum Druck geebnet hat.

Als ich vor nunmehr 16 Jahren an die Ausarbeitung des Buches ging, sollte es ein Gemeinschaftswerk eröffnen, das als erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung der deutschen Namenwelt in 12 landschaftlichen Bänden und zugleich als 2. Auflage meines Deutschen Namenbuches von 1933 gedacht war. Die Deutsche Akademie (unter Prof. Dr. Theodor Frings) hatte die Herausgabe übernommen, als der Ausgang des Zweiten Weltkrieges die Durchführung des Planes unmöglich machte. Daß das (sicherheitshalber photokopierte) Manuskript die Fährnisse des Bombenkrieges überstand und ich selber nach Heimkehr aus längerer Kriegsgefangenschaft mich dem Werke wieder widmen konnte, erfüllt mich mit Dank und Genugtuung, – mit Dank auch gegen meine langjährige Wirkungsstätte, die an Urkundenwerken reiche Universitäts-Bibliothek Rostock. Von einigen Ergänzungen abgesehen, hat die Arbeit der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock als Habilitationsschrift vorgelegen; ich danke daher auch Herrn Prof. Dr. Teuchert und dem Slawisten Herrn Prof. Dr. Schneeweis für ihre freundliche Anteilnahme. Zu danken habe ich auch Herrn Univ.-Prof. Dr. L. Petry (Mainz) für freundliche Hinweise, meinem Bruder, Bibl.-Rat Dr. Helmut Bahlow (früher Breslau) für sachkundige Hilfe bei der Benutzung Breslauer Archive, sowie meinem Sohne stud. theol. Henning Bahlow für treffsichere Urteile bei der Deutung schwieriger Übernamen.

Die Wurzeln meiner Arbeit freilich reichen weiter zurück, in die frühe Jugend- und Gymnasiastenzeit und in die Liegnitzer Bibliotheks- und Archiv-Atmosphäre, aus der meine ersten Liegnitzer Namenstudien erwuchsen. Denn was man von Jugend auf mit der Heimatluft einatmet, befähigt mitunter zu intuitivem Erfassen, wo Erkenntnisdrang und Leidenschaft allein nicht hinreichen. War doch der zu bewältigende Stoff so voller Probleme – ich denke besonders an unerkannte deutsch-slawische Lautsubstitutionen, Ablauterscheinungen und mundartliche Eigenheiten –, daß ein Landesfremder der Aufgabe nicht gewachsen gewesen wäre. Man schlage nur einmal unter Friebe, Liebig, Fechner, Hielscher, Peßler, Plischke, Gottwald, Jochmann, Lachmann, Purschke oder Püschel nach, um zu erkennen, daß hier weder mit Wörterbüchern und Ortslexika, noch mit der Weisheit der Philologen, auch nicht der Slawisten etwas anzufangen war.

Es sind das Musterbeispiele für das hier erstmals konsequent durchgeführte landschaftliche Forschungsprinzip, wie ich es auf den Internationalen Kongressen für Namenforschung in Paris (1938) und Uppsala (1952) in Vorträgen über die deutschen "Namenlandschaften" herausgestellt habe – ein Ausdruck, der (1938 von mir geprägt) inzwischen in die Forschung Eingang gefunden hat. Mit den Orts- und Zahlenangaben hinter jedem Namen, die aus den Adreßbüchern der dreißiger Jahre gewonnen sind, habe ich die geschichtlich gewordene geographische Verteilung der schlesischen Namenwelt, wie sie vor 1945 bestand, festgehalten. Sie werden dem Bevölkerungshistoriker willkommene Unterlagen

liefern, während für die Binnenwanderung auch auf die Karte am Schluß verwiesen sei. Für die Namenforschung selber sind jene Angaben als methodisches Kriterium von größtem Wert, insofern sie bei auffallender lokaler Häufung eines Namens das entscheidende Wort bei seiner Deutung zu sprechen haben.

Im übrigen habe ich mich tendenzlos um die Ergründung der Wahrheit bemüht, niemand zuliebe und niemand zuleide und hoffe gerade dadurch Schlesien den größten Dienst erwiesen zu haben. Gibt es doch kaum ein treueres Spiegelbild von dem Anteil des Deutschtums an der Erschließung des schlesischen Raumes für den abendländischen Kulturkreis und von der deutsch-slawischen Symbiose. Eindrucksvoll ist schon ein Blick auf die stattliche Gruppe der altgermanischen Rufnamen mittel- und oberdeutscher Herkunft. Selbst bei den Fremdnamen, wo slawischer Einfluß sich bemerkbar macht, weil es sich meist um kirchliche, also international gebräuchliche Heiligennamen handelt, ordnen sich die Mischformen völlig organisch in die deutschmundartlich geprägte Namenwelt ein als Zeugen für die vorherrschend deutschstämmige Bevölkerung, die sie schuf. Die Berufsnamen vollends sind fast ausnahmslos deutsche Gewerbebezeichnungen, ein lebensvolles Abbild der damals aufblühenden Städtekultur. In den sog. Übernamen spiegelt sich die Vorstellungs- und Gefühlswelt einer deutschen Bevölkerung nicht anders als in den westelbischen Mutterlanden. Und von dem Fortklingen deutscher Spielmannslieder künden die Namen aus Heldensage und Volksdichtung, die heute zu den bekanntesten schlesischen Familiennamen zählen.

Es ist, als erwüchse den Namen, die uns täglich begleiten, aus all dem heute eine neue Funktion: wenn die Erinnerung an die Heimat mit der Zeit auch zu verblassen, ihre Mundart zu verklingen droht, – die Namen bleiben, denn sie vererben sich.

Ich schließe mit einem Dank an den wagemutigen Verleger, Herrn H. O. Holzner, und an die Druckerei, die über dem schwierigen Satz nicht verzagt hat.


Hamburg, Germanisches Seminar, im Juni 1953

  Dr. Hans Bahlow

Lehrbeauftragter für Handschriften- u. Namenkunde
(Bibl.-Rat u. Stellvertr. d. Dir., Univ.-Bibl. Rostock).

Inhaltsverzeichnis

  Seite
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Schrifttum 10
Quellenverzeichnis 12
Benutzte Adreßbücher 13
Abkürzungen 14
Einleitung: Die schlesische Namenlandschaft 1532
Namenbuch (alphabetisch in vier Gruppen)
I. Familiennamen aus Taufnamen
 
a) altdeutsche
3354
b) kirchliche und slawische
5577
II. Herkunftsnamen
78101
III. Berufsnamen
102120
IV. Übernamen
121142
Alphabetisches Namenverzeichnis 143148
Kartenskizze: Die schlesischen Heimatorte der Liegnitzer Bürger vor 1400 Karte

Schrifttum

(in Auswahl)[GWR 2]

  • Arndt, W., Die Personennamen der dt. Schauspiele des MA.'s. (Germ. Abh. 23), Brsl. 1904.
  • Bacmeister, A., Alte Familiennamen, in seinen „Germanistischen Kleinigkeiten“, Stuttg. 1870.
  • Bach, A., Deutsche Namenkunde, Bd. 1.2 Hdlbg. 1952.
  • Bahlow, H., Deutsches Namenbuch. Ein Führer durch Deutschlands FN. Neumünster 1933. Vgl. L. Berthold, Hess. Bl. f. Volkskde. 32, 1933.
    • Namenlandschaften und Erbnamenforschung. (Forschungen und Fortschritte, 1938).
    • Namenlandschaften. (Beiträge z. Namenforschung 1951/52, S. 92–102).
    • Die dt. Namenlandschaften und ihre Gestaltungskräfte. (4. Int. Kongr. f. N.forschung, Uppsala 1952). 1953.
    • Studien z. ältesten Geschichte d. Liegnitzer FN (Jenaer Diss. 1923) Liegnitz 1926 (Mitt. d. Geschichts- u. Altertums-Vereins z. L., Bd. 10, 102–162).
    • Beiträge z. Geschichte d. dt. FN (Schlesien betr., „Teuthonista“ 3,1926, 33–38).
    • Die dt. Heldensage im Spiegel unserer FN. „Der Sammler“ Beil. z. München-Augsburger Abendztg. 1926, Nr. 206).
    • Der Zug nach dem Osten ... (Teuthonista 9, 1933).
    • Die Stralsunder Bürgernamen um 1300 (Balt. Studien. NF. 36, 1934).
  • Brechenmacher, J. K., Deutsches Namenbuch. Stuttg. 1928.
    • Deutsche Sippennamen. 5 Bdch. Görlitz 1936.
  • Bronisch P., Die slaw. FN. der Niederlausitz. Bautzen 1867.
  • Bücher, K., Die Berufe der Stadt Frankfurt a. M. im MA., Lpz. 1914.
  • Burdach, Vom Mittelalter zur Reformation. Bd. 9. (Von H. Bindewald).
  • Führlich E., FN. tschech. Herkunft ... in d. Sudetenl. (Suddt. Z. f. Volkskd. 7, 1934).
  • Geschichte Schlesiens. Hrsg. v. d. Hist. Kommission f. Schl. Bd. 1. Brsl. 1938.
  • Götze, A., Mittelb. Berufsnamen (Volkskdl. Gaben. John Meier z. 70. Geb. Bln. 1934).
    • Spuren alter Hörigkeit in heutigen FN. (Germanica. Festschr. f. E. Sievers. Halle 1924/25).
  • Gräbisch, F., Die Glatzer Taufnamen im MA. (Mitteil. d. Schles. Ges. f. Volkskunde 35, 1935, S. 125–187).
  • Gottschald, M., Deutsche Namenkunde. 2. Aufl. Mchn. 1942.
  • Grotefend, Die Handwerksnamen (Korresp.-Bl. d. Gesamtvereins ... 1911, 81–98).
  • Hampe, K., Der Zug nach dem Osten. (ANüG) Lpz. 1921.
  • Hegi, F., Gesellennamen. (Z. f. deut. Wortf. 15, 1914, 243–246).
  • Heintze-Cascorbi, Die dt. Familiennamen. 7. Aufl. Halle 1933. = H.C.
  • Heyne, M., Deutsche Hausaltertümer. 3 Bde. Lpz. 1899 ff..
    • Das altdeutsche Handwerk. Straßb. 1908.
  • Jecht, R., Beitr. z. Görlitzer Namenkde. (Neues Lausitz. Magazin 68, 1892, S. 1–49).
  • Jecht, H., Studien z. gesellschaftl. Struktur der mittelalterl. Städte (Vjschr. f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 19, 1926).
  • Jelinek, F., Mhd. Wörterbuch f. Böhmen ... Hdlbg. 1911. (Germ. Bibl. I, 4, 3).
  • Jungandreas, W., Zur Geschichte d. schles. Mundart im MA. Brsl. 1937.
    • Beiträge z. Geschichte d. Besiedlung Schlesiens. Brsl.1928.
  • Kegel, E., Die Verbreitung der mhd. erzählenden Literatur ... auf Grund von Personennamen, Halle 1905.
  • Keyser, E., Deutsches Städtebuch. 1 ff. Stuttg. 1939 ff.
    • Bevölkerungsgeschichte Dtschlds., 3. Aufl., Lpz. 1943.
  • Klarmann, J. L., Zur Geschichte der dt. FN., 2. Aufl. Lichtenfels 1927.
  • Knie, J. G., Übersicht der Dörfer, Flecken u. Städte d. Prov. Schlesien2. Brsl. 1845.
  • Kötzschke, R. und W. Ebert, Geschichte der ostdt. Kolonisation. Lpz. 1937.
  • Kötzschke, R. u. a., Kulturräume u. Kulturströmungen im md. Osten. Halle 1936.
  • Klose, M., Grünberger FN. Progr. Grünberg 1912/1914.
  • Kretschmer, P., Wortgeographie der hochdt. Umgangssprache. Gött. 1918.
  • Kriegk, G. L., Deutsches Bürgertum im MA. NF. Frkf. a. M. 1871 (S. 199 ff.).
  • Linnartz, K., Unsere Familiennamen. Bonn, Bln. 1936/39.
  • Markgraf, H., Die Straßen Breslaus ... Brsl. 1896.
  • Meiche, Altmeißner Bürgernamen (Meißnisch-sächsische Forschungen. 1929).
  • Miklosich, F., Die Bildung d. slaw. Pers.-N. (Wiener Denkschr. 10, 1860). = Mikl.
  • Mucke, E., Die niedersorb. FN. Prag 1928.
  • Nied, E., Fränkische FN. Hdlbg. 1933. = Nied 1.
    • Südwestdeutsche FN. Freiburg 1938. = Nied 2.
  • Österley, H., Histor.-geogr. Wörterbuch des MA. Gotha 1883.
  • Ondrusch, K., Die FN. in Neustadt/O.S. 2 Progr. N. 1894, Sagan 1899.
  • Opel, B., Die Satznamen, (Masch.-Diss.) Erlangen 1951.
  • Peuckert, W. E., Schlesien. 2. A. Hbg. 1950.
  • Partsch, J., Schlesien. Landeskunde. 1. 2. Brsl. 1896–1911.
  • Petersen, P., Mittelbare Berufsnamen. (Gießener Beitr. z. dt. Philol. 83, 1944).
  • Pfeiffer, G., Das Breslauer Patriziat. Brsl. 1929.
  • Pfitzner, J., Besiedlungs-Gesch. des Breslauer Bistumlandes. Reichenberg 1927.
  • Reichert, H., Die dt. Familiennamen nach Breslauer Quellen. Brsl. 1908. = Rcht.
  • Rudolph, H., Ortslexikon von Deutschland. Bd. 1. 2. Weimar 1868.
  • Schröder, Edw., Deutsche Namenkunde. Gött. 1938. 2. Aufl. 1944.
  • Schultz, A., Deutsches Leben im 14./15. Jh. Prag 1892.
  • Schwarz, E., Deutsche Namenforschung. Bd. 1 (Personennamen). Gött. 1949.
  • Socin, A., Mittelhochdt. Namenbuch. Basel 1903. = Soc.
  • Stark, F., Die Kosenamen der Germanen. Wien 1868.
  • Stübler, Über Lausitzer Familiennamen. Bautzen 1917.
  • Trathnigg, G., Gesellennamen. (Z. f. Mdaf. 12, 1936, 98 ff.).
  • Volckmann, E., Alte Gewerbe und Gewerbegassen. Würzburg 1921.
  • Weinhold, K., Die Verbreitung u. Herkunft d. Deutschen i. Schlesien. Stuttg. 1887.
  • Wernicke, E., Vor- und Zunamen aus mittelalterl. Dichtungen in schles. Urkunden. (Anzeiger f. Kde. d. dt. Vorzeit 1881, S. 78 f.).
  • Wörterbuch, Schlesisches. Von Th. Siebs u. W. Jungandreas. (Soweit erschienen). Brsl. 1935 ff.
  • Zeschau, W. v., Die Germanisierung des ... Glatzer Landes (Vj.-Schrift d. Grafschaft Glatz, 7, 1 ff. 1887/88).
  • Zobel, A., Schlesische Bauernsippen. Die Verbreitung ihrer Namen v. d. 30jähr. Kriege (Schles. Heimat 1939, S. 77 ff.).
  • Zum Winkel, A., Die Stadt Liegnitz im MA. (Mittlg. d. Gesch.-Ver. Liegnitz 2, 1908).


Quellenverzeichnis

a) gedruckte Quellen

  • Codex dipl. Silesiae. 1 ff. Brsl. 1857 ff. (bes. Bd. 4: Meitzen, A., Urkunden schles. Dörfer. 1863). = Cod.
  • Codex dipl. Lusatiae superioris. 1 ff. Görlitz 1851 ff.
  • Codex dipl. Saxoniae regiae. 1 ff. Lpz. 1882 ff.
  • Tschoppe und Stenzel, Urkundensammlung z. Geschichte d. Ursprungs d. Städte in Schlesien ... Hbg. 1832.
  • Korn, G., Schles. Urkunden z. Geschichte des Gewerberechts. Brsl. 1867.
  • Volkmer und Hohaus, Gesch.qu. der Grafschaft Glatz. 5 Bde. Habelschw. 1883–91.
  • Korn, G., Breslauer Urkundenbuch. Brsl. 1870.
  • Schirrmacher, Urkundenbuch d. Stadt Liegnitz. Lg. 1867.
  • Die Urkundenbücher der Lausitz und der Mark, bes. von Lübbenau; desgl. die von Obersachsen (bes. von Freiberg), von Thüringen und Hessen; von Böhmen und Mähren; von Bayern (Monumenta Boica bes.).
  • Bitschens Zinsbuch (der Stadt Liegnitz). Hrsg. v. Zum Winkel u. Th. Schönborn (Mitteil. des Geschichts- u. Altertums-Ver. Lg, Bd. 13, 1932, S. 102 ff.).
  • Bitschens Geschoßbuch (d. Stadt Liegnitz). Hrsg. v. Zum Winkel (Mitteil. 7, 194 ff.).
  • Die Görlitzer Bürgerrechtslisten. Hrsg. v. E. Wentscher. Görlitz 1928.
  • Burdach-Bindewald, Dt. Texte aus schles. Kanzleien. Bln. 1935/36.
  • Grünhagen und Markgraf, Lehns- und Besitzurkunden Schl.'s. Leipzig 1881/83.

b) ungedruckte Quellen

Die einschlägigen handschriftlichen Quellen des Liegnitzer Stadtarchivs (vgl. meine Studien, Mitteil. 10, S. 103 f.) und des Breslauer Staatsarchivs, insbes. die Land- und Lehnsbücher des Fürstentums Schweidnitz-Jauer. Für die Liegnitzer Fürstentumsquellen vgl. die Bearbeitung durch E. Tschersich „Beiträge z. Gesch. d. Landkreises Liegnitz bis z. Mitte d. 16. Jahrh.“ (Mitteil. 11, 1928, S. 205 ff.). Ferner vgl. das Namenregister zum Alt-Liegnitzer Stadt- und Bürgerbuch (1517–1618) von E. Tschersich (Mitt. 14, 1934, S. 189 ff.).

Benutzte Adreßbücher

Beuthen = Be Liegnitz = Lg
Breslau = B Neisse = Nss[GWR 3]
Brieg = Bg Neurode = Nd
Bunzlau = Bzl Neusalz = Nz
Freystadt = Fry Neustadt = Nst
Glatz = Gl Öls = Ö
Glogau = Gg Oppeln = Op
Görlitz = Gö Ratibor = R
Grünberg = Gr Reinerz = Rz
Habelschwerdt = Hsw Sagan = Sg
Haynau = Hy Schweidnitz = Sw
Hirschberg = Hi Trebnitz = Tr
Landeck = Ld


Die anhängenden kleinen Zahlen beziehen sich auf die Häufigkeit der Namen, also (Lg [33]) = 33 mal in Liegnitz, (Gö [20]) = 20 mal in Görlitz vorkommend, und so fort.[GWR 4]

ergänzte Adressbücher[GWR 5]

??? = G = Gleiwitz (43)
??? = Sgl (43, 48, 72)
??? = T = Tarnowitz (56, 57)

Abkürzungen

N. = Name
TN. = Taufname
PN. = Personenname
FN. = Familienname
ÜN. = Übername
Herk.N. = Herkunftsname
ON. = Ortsname
ÖN. = Örtlichkeitsname
KF. = Kurz- oder Koseform
Hl.Name = Heiligenname
dt. = deutsch
altdt. = altdeutsch
obd. = oberdeutsch
md. = mitteldeutsch
ostmd. = ostmitteldeutsch
mhd. = mittelhochdeutsch
schles. = schlesisch
slaw. = slawisch
wend. = wendisch
sorb. = sorbisch
poln. = polnisch
tschech. = tschechisch
böhm. = böhmisch
bair. = bairisch
thür. = thüringisch
mdal. = mundartlich
Mda. = Mundart
metronym(isch) = vom Mutternamen
patronym. = vom Vaternamen
zsgz. = zusammengezogen
ebd. = ebenda
ew lies eu
aw lies au
w lies u
iu lies ü
cz = (t)z, bzw. tsch
Hrsg. = Herausgeber

Jh. = Jahrhundert
MA. = Mittelalter
Bl. = Blatt
Reg. = Regesten z. schles. Gesch.
Ztschr. = Zeitschrift des Vereins für schles. Gesch.
Cod. = Codex (dipl. Silesiae)
Urk. = Urkunden
UB. = Urkundenbuch
Schöpp. = Schöppenbuch
KiBch. = Kirchenbuch
Ldbch. = Landbuch
Bbch. = Blutbuch (Liegnitz)
GB. = Liegnitzer Geschoßbuch
Mitt. = Mitteilungen d. Geschichts- u. Altert.-Vereins z. Liegnitz
Wb. = Wörterbuch
DWb. = Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm.
Teuth. = Teuthonista. Ztschr. f. dt. Mundartforschung.
GGQ. = Glatzer Gesch.-Quellen
Bacm. = Bacmeister, s. Schrifttum-Verz.
Fm2. = Förstemann, Altdt. Namenbuch. 2. Auflage.
Bw. = Bahlow, s. Schrifttum-Verz.
Jecht, s. Schrifttum-Verz.
HC. = Heintze-Cascorbi, s. Schrifttum-Verz.
Mikl. = Miklosich, s. Schrifttum-Verz.
Rcht. = Reichert, s. Schrifttum-Verz.
Soc. = Socin, s. Schrifttum-Verz.
Tschersich s. Quellen-Verz.
Brsl. = Breslau
Lg. = Liegnitz


ergänzte Abkürzungen[GWR 6]

Abkürzung Bedeutung Seiten
Abl.  ??? 38
ahd. Althochdeutsch 50,51
alemann. alemannisch 41
allg. allgemein 21
altd. altdeutsch 51
altgerm. altgermanisch 42,46
altslaw. altslawisch 45
amtl. amtlich 48
Aufl. Auflage 23
bes. besonders 40,45,46
betr. betreffend
Bez. Bezirk 67
Brgmstr. Bürgermeister 53
dgl. dergleichen, desgleichen 15,25,27
dergl. dergleichen 29
desgl. desgleichen 28,29,30,34
d.h. das heißt 15,21
d.i. das ist 20,21,23,26,29,31,36,40
d.s. das sind 20
fem. feminin 41
fränk. fränkisch 39
gebirgsschles. gebirgsschlesisch 49
gen. genannt 47
germ. germanisch 38,39,45
gespr. gesprochen 19
Ggd. Gegend 47
Grafsch. Grafschaft 38,40
heil. heilig 34,37
hess. hessisch 38,45,46
hl. heilig 21,44
HlN. Heiligenname 67
Jg. Jahrgang
jüd. jüdisch 20
Kap. Kapitel 23
kath. katholisch 39
Kb. Kirchenbuch 45
KiBchn.  ??? 53
kirchl. kirchlich 45
Kr. Kreis 37,39,47
lat. lateinisch
lausitz. lausitzisch 39
masc. masculin 41
mda. mundartlich 47
mhd. mittelhochdeutsch 41
mundartl. mundartlich 39,40,41,42,46,47
N.buch Namen(s)buch 45
Ndrbay. niederbayrisch 48
neiderl. neiderländisch 60
NF.  ??? 68
oberschl. oberschlesisch 49
oberschles. oberschlesisch 38,42
OS. Oberschlesien 40,41,42
O/S.  ??? 53
patr. patronymisch 40,41
patron. patronymisch 38
Ratm.  ??? 47
Ratsrechn. Ratsrechnung 44
rhein. rheinisch 38
russ. russisch 42
Schl. schlesisch 49
Schles. Wb. Schelsische Wörterbuch 47
sogen. sogenannt
Sp. Spalte 52,53
süddt. süddeutsch 40
südfränk. südfränkisch 46
südöstl. südöstlich 22
Stadtb. Stadtbuch 44
TV  ??? 68
u.a. und andere 29,34,40
u.ä. und ähnlich 20,40
u.a.m. und andere mehr
u.ö. und öfter 35,36,38,39,40,42,47,53,65
u.ö.ebd. und öfter ebenda 50,51,52
Unterfrk. unterfränkisch 48
urkdl. urkundlich 45,46,50
urspr. ursprünglich 41
usw. und so weiter 16,23,25,26,28,30,31,32
u.v.a. und verschiedene andere 27,39
vgl. vergleiche 17,18,19,20,22,29,30,34,38,39,46,51
viell. vielleicht 47
VN. Vorname 41
weibl. weiblich 37,39,43
westfäl. westfälisch 41
Württ. Württenberg 48
z.B. zum Beispiel 25,29,34
z.T. zum Teil 20,21,29

Die schlesische Namenlandschaft.

Es dürfte kaum eine deutsche Landschaft geben, deren Namenwelt so ausgeprägte Eigenheiten und so starke Abwandlungen ihrer Formen aufweist wie Schlesien. Deutsches Volkstum und deutsche Sprache haben hier inmitten der slawischen Umwelt so mannigfache Sonderformen hervorgebracht, daß ihr Verständnis sich nur dem erschließt, der unvoreingenommen in dem Ringen dieser beiden Kräfte, der vordringenden Mundarten der deutschen Siedler und der Nachhut des weichenden oder sich anpassenden Slawentums die Ursprünge jener bunten Erscheinungen zu erkennen vermag. Welche Fülle von Problemen bis heute ihrer Lösung harrte, wird daraus deutlich, daß gerade die bekanntesten bodenständigen Familiennamen in ihrem Wesen völlig dunkel waren. Die Kraft, mit der die deutsche Sprache des hohen Mittelalters fremdes Wortgut einzudeutschen vermochte, spricht beispielsweise aus den uns geläufigen Namenformen Hielscher, Liebig, Jochmann, Kittel, Starke und dgl. Wer könnte in ihnen noch den Angehörigen der Elisabeth, des Libomir, des Johannes, des Christian oder auch den Altmann oder Richter erkennen? Und ähnlich sehen wir die Gestaltungskraft der deutschen Mundart ständig am Werke: sie schuf den Albrecht zum Ulbrich und Opitz um, den Gottfried zum Geppert, den Wi(g)nand zum Weinhold, den Thomas zum Dehmel, den Clemens zum Klammt, - sie ließ durch ihre Zauberkraft den Sohn der Grete zum Grüttner, den der Ottilie zum Ilgner und Tilgner werden, verwandelte den Spörer (Sporenmacher) in einen Speer, den Krakauer in Krocker, den Zuwanderer aus Hohburg oder Hochberg in Hubrich und so fort.

Kapitel I: Die einstigen Taufnamen.

Das Bild der heutigen Familiennamen dieser Gruppe ist ein getreues Spiegelbild der Rufnamenwelt des 14. und 15. Jahrhunderts, d.h. der großen Auseinandersetzung zwischen den altererbten, langsam im Schwinden begriffenen germanischen Personennamen und den in stetem Vordringen befindlichen kirchlichen Heiligennamen in deutschem oder slawischem Gewande, hin und wieder durchsetzt auch von rein slawischen „Findlingen“.

1) Die altdeutschen Rufnamen.

Der von den deutschen Kolonisten aus dem Mutterlande, d.h. vornehmlich aus den mitteldeutschen (thüringischen, fränkisch-hessischen) und oberdeutschen (bairisch-österreichischen) Stammesgebieten mitgebrachte Rufnamenschatz belief sich z.B. in Alt-Liegnitz um 1350 auf etwa 50 Vollnamen, die Sproßformen nicht gerechnet. Wieviele in den vorhergehenden Jahrzehnten verdrängt worden waren, ergibt sich aus der gleichzeitig doppelt so großen Zahl der Erbnamen dieser Gruppe, unter denen sie nun fortleben durften.

An der Spitze der deutschen Rufnamen Schlesiens marschierten die Kaisernamen des deutschen Mittelalters: Heinrich und Konrad (Hinz und Kunz!), an die nebst vielen anderen Sproßnamen vor allem Heintze und Kuhnert (Kühne, Kuhnt) erinnern. Es folgen mit größerem Abstand Dietrich, Albrecht und Hermann, deren Vertreter unkenntlich als Thiel (Tietze), Opitz und Menzel unter uns weilen. Wie alle beliebten Namen verdanken auch

diese drei ihre Blüte bestimmten historischen und literarischen Gestalten: Dietrich von Bern (Theoderich der Große), aus dessen Sagenkreis auch Vasold, Ecke, Runze, Tyrold, Sindram, Laurin und Nibelung auftauchen, dann Adalbert von Prag, dem Heiligen, und dem berühmten Landgrafen Hermann von Thüringen, dem Schirmherrn unserer mittelhochdeutschen Dichter und Schwiegervater der allverehrten heiligen Elisabeth.

Der literarische Ursprung heutiger Familiennamen ist im einzelnen noch wenig bekannt. Was man auf Schlesiens Ritterburgen, in Ministerialen- und Patrizierkreisen, eifrig las, die Werke unserer großen Epiker wie auch die späteren Legendendichtungen, das färbte auch die Namengebung dieser höfischen Schichten: Iwan und Gawan (Walwan), Tristram und Isolde, Wigalous und Ene(y)de, Gelfrad und Wolfhart, Alexius und Sander und dergleichen mehr sind uns in schlesischen Urkunden überliefert. Dem Volke aber waren die Stoffe der Helden- und Spielmannsdichtung vertrauter, und davon zeugt noch heute unsere Namenwelt. Der Heldensang der Nibelungen klingt nach in schles. Seidel und Riedel (Siegfried und Rüdiger), in Günther, Giernth und Geißler (Giselher), den königlichen Brüdern, auch in Wohlfahrt und Gelfert (Wolfhart und Gelfrat). Als germanische Personennamen entpuppen sich auch Geppert, Hilbrich und Weinhold, mundartlich völlig umfrisiert aus Gottfried, (Meier) Helmbrecht und Wi(g)nand und ähnlich die kontrahierten Arlt, Seibt und Weigt aus Arnold, Si(g)bot und Wigand. Auch einige sehr alte Koseformen, um 1350 schon nicht mehr gebräuchlich, leben weiter in Göbel, Hertel, Reichel, Völkel, Weigel(t), Thamm und Ernst. Über das Schicksal der altdeutschen Frauennamen handelt der Anhang „Metronymika“, über weitere Sproßformen von Männernamen der Anhang „Patronymika“.

2) Die kirchlichen Heiligennamen.

Ein gänzlich anderes Gepräge böte Schlesiens Namenlandschaft heute, wenn der Prozeß der Familiennamenbildung ein oder zwei Menschenalter später begonnen hätte. Wir hätten dann fast nur die Namenwelt der Kirche vor uns. Schon um 1400 betragen die Heiligennamen, gemessen an der Zahl der Namenträger, fast das Fünffache der altdeutschen, während zu Beginn des entscheidenden 14. Jahrhunderts sich beide Gruppen noch die Waage hielten (Vgl. Bahlow, Studien S. 116). Es überragen hier nun alle anderen: Johannes (das ist der Täufer), der weitaus häufigste Rufname des Mittelalters, und Nikolaus als Patron der Kaufleute und Reisenden; mit etwas Abstand folgen die Apostel Petrus und Jakobus, während Paulus von Petrus stark beschattet wurde. Bezeichnend ist nun für die Weiterbildung der kirchlichen Namenwelt in Schlesien die Beteiligung von vier Sprachen: der deutschen Mundart und der drei slawischen Dialekte des Wendischen, Tschechischen und Polnischen. Eine ungeheuer bunte Menge Sproßformen ist das Ergebnis. Namen rein deutscher Lautgestalt wie Hensel, Nickel, Jäckel usw. wechseln mit regelrechten Mischformen, die ohne Vorgang dastehen und sich jeder Deutung mitunter hartnäckig widersetzen. In Hentschel, John und Hanke vor allem lebt Johannes fort, daneben auch in Jeschke, Jänisch, Jochmann und in vielen anderen; in Nitsche und Klose: Nikolaus. Besonders fruchtbar hat sich Petrus erwiesen: Pätzold und Pietsch sind seine Hauptvertreter, dazu die Mischform Peschel (Pischel, Pöschel), deutsch-tschechisch Pechmann, deutsch-polnisch Posselt, oberschlesisch Peschke, Perschke, Persig, mundartlich glätzisch Patzelt, Patzler neben Peßler. Ähnlich versteckt lebt auch Jakobus in Joppich, Jockisch, Kube, Kubisch (Gubisch), Kupke usw., während Paulus bescheidener mit Paschke und oberschlesisch. Pawel (Pabel) vertreten ist, wahrscheinlich auch mit Pallaske.

Thomas der Apostel hat sich über Thömel in Dehmel verwandelt, der Gründer des Franziskaner-Ordens in Frenzel und Franzke, Apostel Andreas in Anders und polnisch Jander, Bartholomäus in Barthel und besonders Bartsch, nebst tschech.-deutsch Bachmann, der hl. Gallus in tschech.-deutsch Habel (vgl. Habelschwerdt!), Clemens in Klemmt, Klammt, Kliemt – auch Klich und Klette (Klatte) sind nichts anderes –, und eben so geheimnisvoll Christian in Kirsch und Kittel. Des hl. Georg Verehrung spiegelt sich auffallend bunt in böhmisch Gierke (Jirke), Görke, lausitzisch Hirche, Tschirch, auch Tschierschke, Tschersich u.ä. Formen, zumal der Name des Böhmenkönigs Georg v. Podiebrad, gewöhnlich Girzik, als dynastische Stütze wirkte. In Wenzel und Stenzel haben wir die eingedeutschten Namen des böhmischen und des polnischen Nationalheiligen: Wenceslaus und Stanislaus, auch in den Kurzformen Wach und Stach.

Der Anteil des Slawischen an der Gestaltung der Namenlandschaft ist je nach der Gegend verschieden stark und zeigt im einzelnen die mannigfachsten Schattierungen. Zu unterscheiden sind grundsätzlich die Reste der alten wendischen, tschechischen und polnischen Taufnamenwelt und die slawischen Formgebung der nichtslawischen Namen, sowohl der deutschen wie vor allem der Heiligennamen. Jene Reste begegnen uns urkundlich nur wie Findlinge in der vom Deutschtum überfluteten Landschaft: so neiderländisch Brunzel und Fechner als Sproßformen von Bronislaw und Wenceslaw, glätzisch-oberschlesisch Radewagen und Schirdewagen, die über Radewahn und Schirdewahn auf Radowan und Srdowan zurückgehen, wozu sich Rathmann (Rademan) als eingedeutschte Form gesellt. Lehrreich als Beispiel völliger Eindeutschung (Volksetymologie) ist Feige, die Koseform Vojke von Vojslaw (Vojczeslav), zu dessen Sproßformen Woicz(i)ech (wie der hl. Adalbert ursprünglich hieß) die Familiennamen Woitzik (oberschlesisch) und Foitzik (niederschlesisch) gehören. Der hier zutagetretende Lautersatz (Lautsubstitution) von slawisch (polnisch) w durch f in deutschem Munde begegnet auch in Fröbel neben oberschlesisch Wrobel (Sperling), in Flach und Fluche neben oberschlesisch Wlok (der Welsche, Italiener) und wird methodisch wichtig als Schlüssel für Formen wie Fengler neben Wengler (Köhler), Fenger neben Wenger (Ungar) und Fendler neben Wendler.

Mühl ist in schlesischen Namen immer slawisch milu „lieb“, an deutsch die Mühle angelehnt, so Mühlbrett, Mühlan, Mühlichen statt Milobrat mit seinen Sproßformen Milan und Milochan, und Mücke steht für Micka, der Koseform von Nikolaus. Lieb- ist (besonders in der Lausitz) oft das gleichbedeutende altslawische ljub, das sich in wendisch-tschechisch lib und polnisch lub gespalten hat; hierher gehört das Musterbeispiel für die deutsche Sprachkraft jener Zeit: Liebig, das sich urkundlich über Libing auf Libnik (Ljubnik), Sproßform von Libomir und Liboslaw, zurückverfolgen läßt. Ähnlich entpuppt sich Littmann als slawisch-deutsche Mischform von Litobor, bzw. Litomir und Litoslaw (lit, -ljut = Leute, Volk); und Sieber, sekundär auch Siebert, täuscht deutsches Si(g)bert vor statt slawisch Sebor (alt stets Sebir), was aus dem Fehlen der Diphthongierung und des Dentals im Auslaut einwandfrei hervorgeht. Für Leuschner und Tscheuschner vgl. den Anhang „Metronymika“. Von den beliebten mit slav („berühmt“), dem Volksnamen der Slawen, gebildeten Patronymika sind Stanislav als Stenzel und Wenceslav als Wenzel schon genannt. Trotz gleicher Bildungsweise ungleich schwerer zu erkennen sind Bunzel – gewöhnlich mundartliche Form von Bunzlau (= Ort des Boleslav) – vom häufigen Piastennamen Boleslav, zu dessen Koseformen Bolko, auch Polke und Pulke gehören, dann neiderländisch Brunzel von Bronislav; Prenzel (nebst Princke) von Pribislav und Tz(sch)aschel von Caslaw; mit k-Suffix dagegen: Di(e)rschke von Dirslav, Raschke von Radslav, Wirsig, Werschek u. ä. von Wirchoslav; Woitzik,

Foitzik (siehe oben) von Woiczeslav; Laske von Ladislav (d.i. Wladislav). Als Schlüssel zum Verständnis einer ganzen Reihe schlesischer Familiennamen mit der deutschen Endung -mann ist wichtig die im Slawischen, vor allem im Tschechischen gebräuchliche Kurzform-Bildung auf ch, gewöhnlich als -ach (mundartl. -och) und -ech erscheinend: Lach(mann) von Ladislaw, Bach(mann) von Bartholomäus, Pechmann von Petrus, Klich(e) von Kliment, Jachmann (Jochmann) von Johannes, Stach von Stanislaw, Mach von Matthias, Wach(e) und Fach(e) von Waclav, der tschechischen Form von Wenceslav, so daß auch Fech in Fechner (vgl. Mach und Machner) hierdurch seine Deutung fände.

Während das ch-Suffix aufs Slawische beschränkt bleibt, wurde ein anderes Diminutiv-Suffix slawischer Herkunft auch von den Deutschen übernommen: das äußerst beliebte -usch, bzw. -isch. So wurde Bartholomäus zu Bartusch, heute Bartsch, Jacobus zu Jakusch und Jockisch (neben deutschem Jäckel), Johannes zu Hanusch, Janusch, heute Hä(h)nisch, Jä(h)nisch neben deutschen Hähnel, Jähnel, Heinrich zu Heinusch, Rein(h)old zu Reinsch, Rentsch, Rönsch, Thiel zu Thielusch heute Thielsch und Thielsch(n)er. Besonders lebenskräftig erwies sich -usch in Sproßformen weiblicher Namen, den sogenannten metronymischen Bildungen.

Anhang 1: Die Metronymika.

(Frauennamen als Familiennamen.)

Daß der Sohn auch nach der Mutter benannt wurde, kam im ausgehenden Mittelalter häufiger vor, als gemeinhin bekannt sein dürfte. Heißt doch schon im Nibelungenliede Siegfried „das Siglinde kind“, und von dem Mystiker Heinrich Seuse ist uns ausdrücklich bezeugt, daß er nach seiner frommen Mutter Suse zubenannt wurde. Entsprechendes gilt aber auch für den Gatten, der den Rufnamen seiner Frau oder auch seiner Schwiegermutter (!) als Beinamen erhielt.[1] Beispiele sind aus allen deutschen Landen zu finden; nirgends aber ist diese Erscheinung so zur Blüte gelangt wie in Schlesien. Mit der Tatsache, daß es sich gewöhnlich um angesehenere Familien handelt, ist zugleich die Erklärung gegeben: der Anlaß zu dieser Benennungsweise liegt in der dominierenden Stellung oder persönlichen Wertschätzung der betreffenden Frau oder der Familie, aus der sie stammt, und so fällt von den Metronymika ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung des Mittelalters zur weiblichen Stammfolge bzw. auf die gesellschaftliche Rolle der Frau.

Hin und wieder mag auch in der Witwenschaft der Anlaß zu suchen sein, doch werden solche Fälle gewöhnlich durch den Zusatz „der witewen“ gekennzeichnet.

Gebildet sind die Namen alle mit der sonst auch patronymischen Ableitungssilbe -er, die stets die Zugehörigkeit zu einer Person ausdrückt (vgl. Reichert S. 63 und 65). Sie tritt entweder an den schwachen Genitiv auf -en wie Jutten (von Jutta) oder an die Koseformen auf -usch und -isch wie Alusch (= Adelheid) und so ergeben sich die Ausgänge -ner (Jüttner) und -scher (Alischer), bisweilen

beide kombiniert zu -schner (Alschner). Zur Kategorie der -ner-Formen gehören ferner Eitner von Agathe (gespr. Agte, Ayte), Ilgner und Tilgner von Ottilie, Leuschner von Lusche (das ist Lucia, auch oberdeutsch als Luscha bezeugt, obwohl in Breslau einmal für Gertrud), sowie Tscheuschner von Czusche; Soffner und Suffner von Sophie, Grüttner von Grite = Margarete, vgl. Tüllner neben Tillner, Hillner von Hille = Hildegund, zu letzterer auch ohne n: Hiller, wie Güttler von Gütel (= Guta), und Irmler von Irmel (= Irmentrud).[2] Zur Kategorie der -scher-Formen zählen außer Al(i)scher: Hielscher von Elisabeth, Irmischer von Irmentrud und Kintscher (Küntscher) von Kunigunde. Ganz selten sind die kombinierten Formen Alschner, Hielschner und Gierschner (von Gerusch = Gertrud). Die vielen Metronymika sind mit ein Grund dafür, daß gerade in Schlesien die Namen auf ner besonders zahlreich sind; die beiden anderen Quellen sind die Ortsnamen (Langner: Langenau) und die Berufsnamen (Brückner, Exner), sowie die Patronymika.

Anhang 2: Die Patronymika.

Seltener sind die -ner Ableitungen von männlichen Personennamen. Sie beschränken sich hier auf slawische Kosenamen, wobei das n aus dem beliebten Suffix -an erklärbar ist oder aus der schwachen Deklinierung analog den Metronymika. Am bekanntesten und zugleich rätselhaftesten dürften Methner (Mettner) und Fechner sein, das eine als Sohn oder Angehöriger des Martin, das andere als Sohn des Wenzeslaus. Weiter haben wir Jenkner und Jeschner von Johannes, Kassner von Lukas, Kittner (und Kirschner?) von Christian, Klettner von Klemens, Machner von Matthias, Pelkner von Sventopelk und andere; dazu auch Gutschner von deutschem Gutsche (das ist Gottschalk) und Thielschner von Thielusch analog dem metronymischen Hielschner. Dem stehen die -er-Ableitungen von den deutschen Koseformen auf -el, also als -ler-Formen, gegenüber: Händler und Henseler von Johannes; Hampler von Hampel, Hempel, das ist Heimprecht; Härtler von Härtel, das ist Hartwig, Hartmann; Menzler von Hermann, Micheler von Michael, Brendler von Hildebrand, Seidler von Siegfried, dazu die Mischform Kittler und Kitschler von Christian, Fechler und Fachler als Spielarten von Fechner (siehe oben). Und schließlich reine -er-Bildungen wie Tschentschner von Vinzenz, Thielscher und Tilker von Dietrich, Peßler und Patzler von Petrus.

Eine Besonderheit der schlesisch-obersächsischen Namenlandschaft stellt auch das Suffix -old dar. Es ist das altdeutsche Namenwort -wald (zu „walten“ gehörig), das infolge seiner Häufigkeit als zweites Namenglied bereits in mittelhochdeutscher Zeit zu farbloser Endsilbe verblaßte. Als solche begegnet es in den Sproßformen Pätzold und Posselt von Peter, Kitschelt von Christian, Hensolt von Hensel und in den obersächsischen Hitschold von Heinrich, wozu sich altschlesisch Heintschuld stellt; Wätzold von Watzlaw (= Wenzeslaus); bezeugt ist auch Fickuld (= Friedrich).

Das gleiche wie für -old gilt auch für -mann. Nur in Hermann fühlte man es noch als vollgültiges zweites Namenwort und konnte daher die Koseform Menzel (Hermenzel) von ihm bilden. Auch Hartmann und Trautmann sind sehr alte Bildungen. Sonst aber tritt das -mann stets als Suffix an Koseformen, ohne den Sinn des Namens abzuwandeln. Neben den rein deutschen Sproßformen Hampelmann, Heinzelmann, Seidelmann, Thielmann und Tietzmann

stehen die kirchlichen Namen: Hamann (= Hannemann) und Hentschelmann, Kloßmann und Nitschmann, Petermann und Pietschmann, Aßmann (Erasmus) und Zachmann (Zacharias). Aber auch die rein slawischen Koseformen bemächtigen sich vielfach dieser Endung und nehmen damit ein deutsches Gesicht an: so Bachmann von Bartholomäus, Jach- und Jochmann von Johannes, Pechmann von Petrus, Jockschmann von Jakob, Kittelmann von Christian, Kuschmann (Kuß-, Kutsch-) von Markus, Lachmann von Ladislaw, Littmann von Litomir, Rathmann von Radewan.

Direkt von altdeutschen Vollnamen unter Wegfall des zweiten Namengliedes sind abgeleitet die Familiennamen Volkmann (von Volkmar), Erdmann (von Ertmar), Gießmann (von Goswin), Guttmann (von Gutvvin), Wachsmann (von Wachsmut), eine Entwicklung, die sich an Hand der entsprechenden Ortsnamen wie Gießmannsdorf = Goswinsdorf anschaulich verfolgen läßt.

Eine schlesische Spezialität ist ferner die Gruppe Bertermann, Gundermann und Sündermann für altdeutsch Bertram, Gundram, Sindram, deren zweiter Bestandteil -ram = Rabe (nämlich Wodans) als ungewöhnlich empfunden wurde.

Kapitel II. Die Herkunftsnamen.

In ihnen spiegelt sich im allgemeinen wie im einzelnen die durch die Jahrhunderte dauernde große Ostbewegung deutscher Kolonisten, die Wiederinbesitznahme altgermanischen Bodens, aber auch die teilweise volkliche Verschmelzung mit den eingesessenen oder zugewanderten Polen, Böhmen und Wenden.

Sie kommt zunächst zum Ausdruck in den Stammesnamen, aus deren zahlenmäßiger Stärke sich zugleich ein Bild vom Anteil der alten deutschen Mutterlande ergibt. An der Spitze marschieren die Beier (ey) und Franke (selten jüd. Fränkel), es folgen die Reimann (die Rheinländer), dann mit Abstand die Dö(h)ring (die Thüringer) und die Meißner (auch Meichsner, d.s. die Obersachsen); den Schluß bildet die kleine Gruppe der Hess(e), Schwab(e) (Schwob), Sachs(e) und Friese. Hinzu tritt auf der anderen Seite die fremdvölkische Beimischung: Pohl, oberschlesischer Pollack, ist hier bei weitem der häufigste Name; er erinnert an die vordeutschen Zustände und Beziehungen des schlesischen Landes zu Polen, während Böhm (jünger Tschäche, Czech), das etwa halb so stark vertreten ist, die darauf folgende Epoche Schlesiens unter der böhmischen Krone im 14. Jh. widerspiegelt; vereinzeltes Me(h)rländer weist auf das früher nicht unbedeutende Markgraftum Mähren hin.

Der Name Deutsch(mann) (Deutschländer) kann seinen Ursprung nur in verhältnismäßig geschlossener fremdvölkischer Umgebung haben. – Während die genannten Slawenstämme nicht unwesentlich am Werden des schlesischen Stammes und Stammescharakters beteiligt waren, sind die sonst noch bezeugten Preuß, Unger (polnisch Wenger, im deutschen Munde Fenger) und Fluche (Flach) ziemlich unbedeutend an Zahl und dürften z.T. nicht auf direkte Herkunft aus dem betr. Lande, sondern auf Handelsbeziehungen dorthin deuten, so nachweislich bei Preußen; auch zu Ungarn sind die politischen und wirtschaftlichen Bindungen zeitweise (im 15. Jh. unter König Matthias Corvinus) beachtlich gewesen. Hinter dem Fluche oder Flach (d.i. Wallache) sind die italienischen Bergarbeiter, Händler und Wanderhirten des 15. Jh. verborgen (vgl. die schlesischen „Walenbücher“ und ON. Wallachisch-Meseritsch (Mähren). Der Schlesier selbst erscheint als Schlesi(n)ger, oberschlesisch Schlensog u.ä.

Die allgemeinen landschaftlichen Herkunftsnamen finden ihre nähere Bestimmung durch die einzelnen Ortsnamen. Außerhalb Schlesiens gehören sie im wesentlichen der ostmitteldeutschen Zone, d.h. vor allem Obersachsen und Ostthüringen an, so etwa Grimm (von Grimma), Geyer, Gleisberg, Hubrich (d.i. Hohburg) Leißner, Schirmer (von Schirma), Zwicker(t) von Zwickau), Tauchert und Tauchmann (von Taucha bei Leipzig), Teuchert (von Teuchern), Stolpe(r) und Stolpmann (von Stolpen bei Dresden); Häsler (Heßler) von Häseler und Heßlar in Thüringen, Dreißig (von Droyssig, Saalfeld in Thüringen) u.a.m. Nach Böhmen, besonders dem nördlichen Teil, weisen Kade und Kadisch (von Kaaden), Körber, Leip(ner) (von Böhmisch-Leipa). Nixdorf, Greulich, Grätzer, Gabel und Gäbler; nach Oberösterreich zweifellos: Krems, Kremser und Enzmann (Land ob der Enns) neben allg. Österreich, nach dem Osten: Krock, bzw. Krocker (von Krakau). Es ist durch anderwärtigie Untersuchungen[3] heute erwiesen, daß die örtlich bestimmten Herkunftsnamen die beste Grundlage darstellen für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte einer Landschaft; sie ist nur möglich auf Grund der im Mittelalter noch viel zahlreicher bezeugten Herkunftsnamen.

Als Ergebnis wäre dann nicht nur ein Überblick über den Zuzug aus den verschiedenen deutschen Landschaften zu buchen, sondern ebenso ein Bild von der wichtigen Binnenwanderung innerhalb Schlesiens, dem Zuge vom Lande in die Stadt und auch wieder von einer Stadt zur anderen. Die Erkenntnis, daß von allen Namengruppen die Gruppe der Herkunftsnamen im allgemeinen die umfangreichste ist,[4] bestätigt sich auch in unserem Falle. Es dürfte nur wenige Orte in Schlesien geben, die nicht in Familiennamen wiederzufinden sind. Die bunte Fülle der Erscheinungen läßt sich am besten ordnen und verstehen, wenn wir uns die Gesetze ihrer Bildungsweise vergegenwärtigen. Drei Arten lassen sich unterscheiden: 1. einfache Kürzung des Ortsnamens, 2. Anfügung der Endung -er und 3. Anfügung von -mann, jedoch fast nur bei einsilbigen Namen.

Bei der einfachen Kürzung handelt es sich um die seit alters bezeugte mundartliche Form der vielen Namen auf -au (teils slawischen, teils deutschen Ursprungs): so Bunzel für Bunzlau, Breßel (noch heute Braßel) für Breslau, Deichsel (Dächsel) für Deichslau oder Gloge für Glogau, Sprotte für Sprottau, Bank(e) für Bankau, Grottke für Grottkau, Koischke für Koischkau, Hayn für Haynau (und Großenhain), Krock für Krakau; z.T. liegen auch die obersächsisch-lausitzischen Namen auf -a: so Grimm(e) für Grimma zu Grunde. Beliebter aber war die -er-Ableitung. Sie tritt nicht immer rein in Erscheinung, wie in Heider (aus Heidau), Gloger (aus Glogau), oder Krocker (aus Krakau), sondern meist als -ner, -ler oder -ert, je nachdem der Stamm des Ortsnamens auf n oder l ausging oder das schlesische sekundäre t antrat. So haben wir neben Breßel den Breßler, neben Deichsel den Deichsler, von Modlau den Modler, von Schüttlau den Schüttler. Die zahlreichen -ner-Formen, sind bedingt durch die Häufigkeit der schlesischen Ortsnamen auf -enau, bzw. -en wie Langenau (Langner) und Wiesen (Wiesner). Zuwachs erhielten sie auch durch bloße Analogiebildungen wie Glogner neben Gloger, Neisner neben Neißer oder Schwerdtner von Schwerta (Oberlausitz). Wie Langner sind gebildet Rösner (von Rosenau), z.T. auch Reichner (von Reichenau), Wildner

(von Wildenau), Weidner (von Weidenau), Lindner (von Lindenau), Eichner (von Eichenau) u.a. Diese letzteren von Baumarten hergeleiteten Namen gehen aber in der Regel auf Örtlichkeitsbezeichnungen zurück, wie Büchner, Birkner, Fichtner; dem deutschen Lindner entspricht dem Wortsinn nach das slawische Leipner (lipa-Linde). Die Häufigkeit der Erle in der slawischen Form olša und den damit gebildeten Ortsnamen Olešna, heute Ölsen, Ölsa, Öls erinnert an die vielen kleinen Wasserläufe und feuchten Niederungen der schlesischen Landschaft. Der rühmlichst bekannte Familienname Elsner (entrundet aus Ölsner, wie Exner aus Öchsner) hat hier seinen Ursprung. Slawischen Wortstammes sind auch Schleupner und Steudner sowie die auf Sagan und Lauban weisenden Sagner und Laubner.

Die dritte Erscheinungsweise der Endung -er als -ert, für Schlesien geradezu charakteristisch, ist noch in heutiger Mundart anzutreffen (vgl. Blüchert, Blauert)[5].

Dies sekundäre t stammt erst aus dem 16. Jh. und findet sich nicht nur bei Herkunftsnamen (Steiner(t) von Steinau), sondern ebenso bei Berufs- und Übernamen (Weinert = Wagner, Kleinert = der Kleine). Wie Steiner(t) sind gebildet: Gruner(t) von Grunau, Hartert von Hart(h)au, -a (volkssprachlich: von der Harte!), Bie(h)ler(t) von Bielau, Berner(t) von Berna, Zwicker(t) von Zwickau, Weichert von Weichau, Teichert und Tauchert von Teicha(u) und Taucha. An kurze, vor allem einsilbige Ortsnamen klammert sich gern das man-Suffix, das sonst in Nordwestdeutschland zu Hause ist [6]. Tinz(mann) und Tanzmann stammen aus den Dörfern Tinz und Tanz in Niederschlesien, Enzmann aus Enz bzw. von dem Flusse Enns in Oberösterreich. Tauer(mann) aus Tauer bei Breslau, Tauchmann und Teichmann aus Taucha und Teicha(u); letzterer auch der am Teiche wohnende. Auch Wohnstätten- und Örtlichkeits- (Flur- u. Fluß-) namen zeigen dies man nicht selten; Endemann (auch Mende = am Ende) ist der am Ende der Ortschaft oder der Straße Wohnende, Bor(r)mann neben Born(e)mann der am Brunnen, Bruchmann, der am Bruche (Sumpfe), Pfützner, -i-, Fitzner! Lindemann (wie Lindner), der unter Linden, Hellmann (Hallmann) der in der Hölle (mhd. helle), einer verbreiteten Flurbezeichnung, Lochmann, der im Loche (nachweislich Hausname in Alt-Breslau), Grundmann (neben Gründer) der im Grunde, einem tiefen, schmalen Tale, im Gegensatz zum Bergmann (neben Berger), der auf Bergeshöhe wohnt. Der Viehweg und die Überscha(a)r haben zwei markante Wohnstättennamen beigesteuert: Fiebig und Überschär; Niedenzu und Niedenführ weisen auf den Tieferwohnenden hin.

Auch Schlesiens Hauptverkehrsader ist mit Oder(mann) (vgl. Oderwald) vertreten; Reimann (vom Rhein) war unter den Stammesnamen schon genannt. Von den übrigen schlesischen Flüssen sind der Queis und die Görlitzer Neiße, die Katzbach und die schnelle Deichsel in Familiennamen wiederzufinden: Queis(s)er, Neißer, Katzbach (14. Jh.), Deichsel, -ssler, Dechsel.

Bergnamen sind seltener: Riesenberger enthält noch den alten Namen der Schneekoppe (heute nur allgemein noch Riesengebirge), Kienast, Landskron und Zeisbrich sind zugleich Burgennamen. Rehorn (tschechisch = Gebirge) ist der Name der südöstl. Fortsetzung des Riesengebirges auf böhmischer Seite. Bei Steinberg hat man die Wahl zwischen mehreren Berg- und Ortsnamen Schlesiens.

Innerhalb der Herkunftsnamen verdienen besondere Betrachtung die auf -brich; es sind alles Ortsnamen auf -berg und nicht zu verwechseln mit den altdeutschen Personennamen auf -brecht (-brich), mit denen sie also äußerlich zusammenfallen (wie Ulbrich = Albrecht, Hilbrich = Helmbrecht). Für die Erklärung dieses Lautwandels (berg – bèrig – berig – brig), der sich auch sonst in Mitteldeutschland bis heute belegen läßt, vgl. Behaghel, Geschichte der deutschen Sprache, 5. Aufl. (1928) § 125. Hierher gehören nun die schlesischen Familiennamen Fellbrich (neben Fellenberg), Hilzbrich neben Hilsberg, Hubrich(t), -brecht neben Ho(h)berg, Herbrich(t), -brig (neben Herberg, -er), Steinbrich (neben Steinberg), Süßbrich, Weis(s)brich, Weitzbrich und Zeisbrich (neben Zeisberg, -er), ja sogar Vorbrich (neben Vorwerk). Andererseits fehlt diese Entwicklung heute, offenbar infolge schriftsprachlicher Rückbildung, bei Goldberg (mundartl. heute Gulprich), Löwenberg (mundartl. Lammrich), als FN. stets Lemberg!), Hirschberg (alt Hirsbrich), Grünberg (alt Grunenberg) u.a.

Wie die vielen berg-Namen gehören auch die -wald (-walde, -waldau) -Namen in der Mehrzahl dem bewaldeten Bergland oder seinen Ausläufern zur schlesischen Ebene hin an. Unter ihnen fallen durch Entstellung auf: Mehwald, Krautwald und Kiesewalter; es handelt sich um die mundartliche Form von Maiwaldau (alt Meienwalde) bei Hirschberg, um Krautenwalde bei Bad Landeck und um Kiesewald im Riesengebirge, welch letzteres sich durch die Parallele Lewalter = Lewald erhärten läßt. (Von Gottschald, Deutsche Namenkunde natürlich fälschlich als altgermanische Personennamen erklärt). Beim Studium dieser Namengruppe läßt sich am deutlichsten erkennen, daß alle heutigen wald-Namen geographischen Ursprungs sind. Das wald der altgermanischen Personennamen ist stets zu -old gewandelt, nur Ewald und Oswald haben infolge ihrer frühen Heiligsprechung den archaischen Lautstand bewahrt. Einen Sonderfall stellt schlesisch Gottwald dar; hierüber Näheres im Namenbuch.

Kapitel III. Die Berufsnamen.

Erwachsen aus den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen des späten Mittelalters und sprachlich geformt durch Wortschatz und Mundart der Siedlerstämme, vermitteln uns die Berufsnamen ein anschauliches Bild der aufblühenden städtischen Kultur, der dörflichen Gemeindeverfassung und der einst gültigen Wortgeographie. Es empfiehlt sich daher, zwischen dem bäuerlichen und dem bürgerlichen Lebenskreise zu unterscheiden; denn erst durch Einordnung in ihre Ursprungsbereiche und Lebensräume werden viele dieser Namen, die uns sonst nur isoliert begegnen, wieder zu sinnvollen Gebilden.

Voranstehen mag das alteingesessene, vom Wald- und Wasserreichtum des Landes begünstigte Urgewerbe mit dem Zedler (d.i. Zeidler) als Vertreter der Waldbienenzucht, die wie die Fischerei schon in slawischer Zeit nachweisbar ist. Für die Bedeutung des Fischfangs (neben Fischer stehen Fischel und slawisch Riebke) sei auf die entsprechenden Übernamen (Kap. IV) verwiesen, wie Gründel, Lachs, Peisker usw.; das gleiche gilt für den Vogelfang in den Vogelweiden, an den der Vogel und viele Vogelnamen erinnern, wie Kolmeuse[GWR 7] und Goldamer, Zeisig und Fröbel (slawisch Wrobel = Sperling).

Die Namen aus dem bäuerlichen Bereich spiegeln deutlich die alte Gliederung der Dorfbewohnerschaft in Vollbauern und landwirtschaftliche Hilfskräfte. Erstere sind die häufigen Gebauer (mit dem Ton auf der

zweiten Silbe!), polemisiert Gburek, und die Hübener, an die Einteilung der Ackerflur in Hufen erinnernd. Im Gebirgsschlesischen erinnert der Exner (Öchsner) als mit Ochsen pflügender Bauer an seine süddeutsche Herkunft. Auf Hilfsarbeiten beim Bauern waren angewiesen der Gärtner und der Heusler, denn sie besaßen nur Häuschen und Garten. Der Tagelöhner, der zur Miete wohnt, lebt in Mittmann fort, der Saisonarbeiter in Drescher, der Hirte in Schafhirt und Ziegert (dem Ziegenhirt). – Für den Vorsteher der Dorfgemeinde, der zugleich das Richteramt innehatte, ist neben allg. schles. Scholz (mhd. schultheiß) landschaftlich Richter verbreitet: Südoberschlesien, Nordmähren, Lausitz, Sachsen, – man denke an Ludwig Richter und Jean Paul (Friedrich Richter). Inhaber eines Lehngutes, besonders in der Lausitz, war der Lehmann, Verwalter eines Landgutes der Hoffmann (nächst Scholz und Müller der häufigste Berufsname in Schlesien), dem im Westen und Süden der Meyer (Maier) entspricht. Der Name Müller hat (ähnlich wie Schmidt) durch das Aufkommen städtischer Mühlen starken Zuwachs erhalten (siehe unten). Dem Kretschmer, dem Dorfgastwirt, begegnen wir bald auch als städtischem Neubürger: Nitsche schuworcht der kretschemer gewest ist czum Neuwendorff (1387 Liegnitz). Seltener ist der deutsche Ausdruck Wirth, während das norddeutsche Synonym Krüger, der Krugwirt, aus der Niederlausitz und der Mark in die Grünberger und Saganer Gegend herüberreicht.

Der Kretschmer – in Alt-Breslau sind um 1375 rund 50 bezeugt – leitet zu den städtischen Gewerben über. Mit ihm vertreten Breuer und Melzer das schlesische Braugewerbe, dem der Höpfner (Heppner) als Hopfenbauer oder -händler sein Erzeugnis ins Hopfenhaus lieferte; auch mit Hoppe und Hopfstock ist er gemeint. Die Bier- und Weinfässer (bütten) lieferte der Büttner (entrundet Bittner, so entlang der böhmischen Grenze). Ergiebige Tonvorkommen waren schon früh der Töpferei förderlich, wovon noch heute die Bunzlauer Tonwaren und Topfmärkte zeugen; der md. Töpfer oder Tepper (daher zerteppern = zerschlagen) hat den obd. Hafner nicht aufkommen lassen, in Böhmen sogar nach Süden zurückgedrängt. Es würde den Rahmen dieser Übersicht sprengen, wollte man auch alle bürgerlichen Familiennamen dieser Art systematisch zu einer Gesamtschau mittelalterlichen Gewerbelebens gruppieren; sind es doch ihrer noch über hundert. Auch würden trotzdem noch zahlreiche Spezialgewerbe fehlen (wie noldenvesseler = Drechsler von Nadelbüchsen), die mit den Wandlungen des Wirtschaftslebens verschwunden sind, aber anschauliche Zeugen der weitgehenden Arbeitsteilung wären, ganz zu schweigen von den „mittelbaren“ Berufsnamen oder Berufsübernamen (auch in Satzform), die dem Bilde erst recht Farbe und Plastik verleihen würden. Darum nur ein paar Streiflichter auf die kulturellen Verhältnisse jener Zeit.

Begegnen wir dem Trippmacher oder Trippner, so tauchen vor uns die ungepflasterten Straßen auf, die oft nur mit hölzernen Stelzschuhen (trippen) passierbar waren; feste Straßendecken (brücken) und Steinwege, für die der Brückner oder Steinbesetzer zu sorgen hatte, waren selten (in Breslau noch bis in die Gegenwart Schuh- und Schmiedebrücke). Auch Dachziegel kannte man nur bei öffentlichen Gebäuden und Patrizierhäusern; der Schindler war also wegen der hölzernen Schindeln noch unentbehrlich. Das gleiche gilt von Ziegelbauten; das Normale waren Fachwerkhäuser aus Lehm, wovon der Leymvürer und der (heute obd.) Kleiber zeugen, während die Arbeit in der Ziegelei anschaulich wird durch Czigelstricher und Czigelczeler, heute nur noch Ziegler und Zähler! Auch die Seltenheit des Gläser erinnert an die Frühzeit des Glases und die in Privathäusern noch wenig gebräuchlichen Glasfenster.

Das Pulver war noch nicht erfunden: Bögner und Pfylsmit, Tartschner und Glitschensmit, Sarwurchter und Platener sorgten für die zeitgemäße Waffenausrüstung der Bürgerwehr, der Spörer (heute Speer) für die Berittenen, die Weppener und Renner. An Eßgerät kannte man nur den (hölzernen oder silbernen) Löffel, den der Leffler als Verwandter des Dreßler herstellte; woraus sich wieder für Gabler als einzig mögliche Deutung die als Herkunftsname ergibt.

Nicht wenige Sondergewerbe leben als Namen nur noch unter ihrer übergeordneten Zunft- oder Gruppenbezeichnung fort: so lynen- und wollenweber nur als Weber, gewand- und tuchscherer als Scheer, garnzüger, snarmecher und snurer als Seiler, wys- und rotgerwer als Gerber, frawentaschner als Teschner, rot-, gel-, kalt-, klein-, huf- und kupfersmid als Schmidt, und selbst in Schreiber steckt nicht nur der höchste städtische Beamte, der Stadtschreiber, sondern auch all die kleinen Schreiberlein, die sich wohlhabende Gewerbe als Buch- oder Rechnungsführer hielten: krom- und mölschriber, weyn- und grüczenschriber, quart- und köchenschriber und dgl. sind bezeugt. Auch die Häufigkeit der Müller ist mitbedingt durch die Vielzahl der städtischen Mühlen: Gassenmölner, Planken- und Scherfmölner usw. Und so dürfte auch der Voigt nicht nur die Würde des Lokators (des advocatus) aus der ersten Besiedlungszeit oder des gestrengen Stadt- und Landvogtes verkörpern, auch kleinere Verwaltungs- und Aufsichtsbeamte genossen schließlich diesen Titel, so z.B. der crawtvoyt; mitunter dürfte auch nur das Dienstverhältnis zu dem Titelträger darin zum Ausdruck kommen, wie bei Bischof, Herzog usw.; denn verschiedentlich führen schon damals auch schlichte Berufe wie vurman, kramer usw. diesen sozial gehobenen Namen.

Nicht selten dringt man auch in dieser Namengruppe erst von der Mundart her zu ihrem Verständnis vor. Während bei Voigt Mischung von Mundart und Schriftsprache vorliegt – denn das g hat erst der neuzeitliche Amtsschreiber in das mundartliche Voit wieder eingefügt –, haben wir reine Mundartformen in Speer statt spörer (Sporenmacher), in Exner statt Öchsner, in Heptner statt Höpfner, in Gellner statt Göldner (Goldgewinner), in Nellner statt Nöldener (Nadelschmied), in Zedler statt Zeidler, in Wehner neben Weiner(t) statt Wagner, in Priefer(t) statt Prüfer, in Sprenger neben Springer, aber auch in (glätzisch) Kaller(t) statt Keller (Kellner) und Kastner statt Kestner sowie in Fender neben Pfender und in Hettmann neben Hauptmann.

Wortgeographisch gesehen, hat sich in den Berufsnamen der mitteldeutsche Wortschatz mit ostfränkischem Kern niedergeschlagen, also Töpfer (Tepper), nicht obd. Hafner, während im 14. Jh. vereinzelt noch die Auseinandersetzung mit oberdeutschen Elementen sichtbar wird, so wenn obd. pfragener (pfreyner = Lebensmittelhändler) noch neben md. hökener bzw. hocke begegnet oder obd. kleiber neben mouwerer oder wenn obd. Spengler (und Flaschner) noch das jüngere md. Klempner vertritt. Auch selczer (salczer), bader, nether und andere haben sich als FN. nur im obd. Sprachbereich gehalten, desgl. vürer im Sinne von Händler, der seine Ware „führt“, wie weysenvürer, ysenvürer usw. (heut nur noch in Kornführer), während vurman zu einem schlesischen Leitnamen geworden ist, – schon Johann Fischart im 16. Jh. wußte, „daß alle Schlesier Fuhrmann heißen“.

Während man heute in Schlesien zum „Stellmacher“ schickt, war bis ins 17. Jh. noch Wagener in der kontrahierten Form Weiner gebräuchlich: FN. Weinert, entrundet Wehner(t); auch Schirrmacher gehört hierher. Brettschneider steht schles.-ostmd. für den obd. Holzmüller und ndd. Sager,

Tischer (in archaischer Form) für west- und südwestdt. Schreiner, ndd. Kistenmacher und Snitker, Schubert (schuworht „Schuhwirker“) für süddt. Sauter und Sütterlin, ndd. Schomaker; oder md. Schröter neben Schneider.

Im Schlachthof hantierte als Kollege des Fleischer der Slechtinger (zu mhd. slechtigen = schlachten), urkundlich mit Slichting identisch (Reichert, S. 67)! Gegenüber allgemeinschlesischem Becker wird entlang der böhmischen Grenze mit Beck der Anteil obd. Siedler sichtbar, ähnlich wie im nördlichen Schlesien, dem Neiderland, mit Krüger der Einfluß des niederdeutsch-märkischen gegenüber dem heimischen Kretschmer.

Aus nicht mehr geläufigem rostewscher (d. i. Pferdehändler) ist volksetymologisch ein Roßdeutscher geworden.

Umlaut hat für den Paukenschläger (mhd. puker) die schles. Form Peukker(t) geschaffen, das dann zu Peickert entrundet wurde: Päuker, Pfeiffer und Fiedler bildeten das Trio der Stadtmusikanten. Auch Teub(n)er entspricht obd. Taub(n)er.

Am allgemeinen Bedeutungswandel liegt es, wenn im FN. Kauffmann noch der Großkaufmann, insbesondere der Tuchbranche, fortlebt, der als vornehmer Patrizier auf den Einzelhandel herabsah, wie ihn Kramer, Hocke, Käufler, Mentler (Trödler) usw. vertraten.

Kapitel IV. Die Übernamen.

Für das Verständnis des mittelalterlichen Menschen läßt sich kaum eine reicher fließende Quelle denken: seine treffsichere Beobachtungsgabe und ungeschminkte Derbheit, sein Humor und seine Spottlust, kurzum seine Vorstellungswelt und Umwelt haben sich hier in allen möglichen Schattierungen verewigt. Zu dem Sinngehalt dieser Namen vordringen, heißt: ihren Sitz im Leben, ihren eigentlichen Anlaß ermitteln. Denn im Unterschied zu unseren modernen, zufallsgeborenen Spitznamen sind sie Produkte einer gemeinschaftsgebundenen Zeit, die nur durch Einordnung in die zugehörigen Lebensbereiche Plastik und Farbe gewinnen. – Sie lassen sich gliedern in Übernamen nach der körperlichen Erscheinung, nach Wesensart und Lebensweise, nach der Kleidung, der täglichen Beschäftigung, dem Verhältnis zur Umwelt in verwandtschaftlicher oder sozialer Hinsicht und nicht zuletzt nach der Wohnstätte. Auch sie lassen sich im allgemeinen dem bürgerlichen oder dem bäuerlichen Lebenskreise als typisch zuordnen.

Leider ist nur ein Bruchteil dieser vielhundertfachen Namenbildungen in Gestalt von Familiennamen auf uns gekommen. Viele waren durch ihre Seltenheit oder Einmaligkeit, durch unschönen Inhalt oder schwerfällige Satzform von vornherein dem Untergang geweiht; oft starben sie schon mit ihrem persönlichen Träger dahin; besonders Satznamen, die in der Gesellentaufe empfangen, deutlich die Luft der Zunftstuben atmen: einen Tuesgerne und Lernesbas, einen Knüllemel und Trit in die schüssel, einen Hor im arze und Rutsche uf die Kethe, einen Stig in himel oder „Gott bescher czwir also vil“ dürfte man heute vergebens suchen. Doch haben allgemeinere Bildungen überlandschaftlicher Art die Jahrhunderte überdauert: so Snydenwind und Morneweg für den Fahrenden oder Landstreicher, Klingensporn für den Reitersmann, Räumschüssel für den Plünderer, Scheuenpflug (entstellt Scheibenpflug) für den entlaufenen Bauernsohn usw.; bekannt sind schlesisch Morgenbesser und Achtnig (statt Achtsinnicht, für den Unbekümmerten).

Geschwunden sind auch umständliche präpositionale Gebilde wie Hensil mit den liben awgen, mit dem scharlachsmunde, mit der einen hand, mit der

smaln hochvart (= Hoffahrt), mit der husvrowe und dgl., wenn sie nicht rechtzeitig Umformung oder Kürzung erfuhren: so etwa mit dem barte = Barth, mit dem dumen = Daum, mit der schrammen = Schramm, uf der stelczen = Stelzner, mit der ebentewer = Ebentheuer, mit der tuben = Teubner usw. oder bei Wohnstättennamen: by dem borne = Bormann, by dem viwege = Fiebig(er), am ende = Mende u.v.a. Bei Körperteilnamen wie Drydumen und Eilffinger mag die obszöne Bedeutung ihren Untergang beschleunigt haben. – Die Farbbezeichnungen meinen fast durchweg die Haarfarbe, eines der ältesten Unterscheidungsmerkmale für Personen gleichen Rufnamens; Grün und Blau beziehen sich deshalb auf die Kleidung (Grünrock, Blauhose). Vier schlesische Herzöge namens Konrad sind überliefert als K. der Wyße, K. der Swarze, K. der Rote und K. der Kale. Vier Mitglieder einer Breslauer Familie namens Hering (= Heringshändler) unterschied man als Heinrich der wyße Hering, der blinde H., der kale H., der geslagene H.

Auch der Zusatz Jung(e) – in Jungandreas, Junghans, Jungenitsche meint nicht einen Jugendlichen schlechthin, sondern den Sohn zum Unterschied vom gleichnamigen (!) Vater oder sonstigen Verwandten, hat also geradezu patronymischen Sinn wie unser junior. Zu ähnlicher Unterscheidung diente auch Groß- und Klein-, urkundlich jedenfalls für gleichnamige (!) Brüder; für großen Wuchs dagegen gebrauchte man vorzugsweise Lang(e)-, im Gegensatz zu Kurze-, also: der lange Hensil, lange Nitsche, und diese volkstümliche Sprechform lebt in FN. wie Langhans, Langdietrich (so schon im 14. Jh.) fort. Mit der Umstellung des Adjektivs unter schriftsprachlichem (lat.) Einfluß (vgl. Karolus Magnus) drang die „starke“ Adjektivform vor, so daß wir heute als schlesische Besonderheit zahlreich er-Formen haben wie: Langer, Großer, Kleiner, Kahler, Rother, Schwarzer, Brauner, Gruner, Stiller, Kluger, Karger, Rauer usw. Daß diese Erscheinung nicht vokativischen Ursprungs sein kann, ergibt sich schon aus ihrer Beschränkung auf Schlesien (nebst seinem Hinterland Böhmen), wo die er-Form in der Grafschaft Glatz und in Oberschlesien auffallend überwiegt, während die schwache e-Form in Niederschlesien vorherrscht! Das ist nur zu verstehen, wenn man die gleichlautenden Herkunftsnamen auf (obd.) -er daneben hält: von den Ortsnamen Grunau (gesprochen Grune), Braunau (Braune), Schönau (Schöne), Großau (Große) usw. bildete man schon im 14. Jh. die mundartlichen Formen Gruner (statt Grunauer), Brauner, Schöner, Großer usw., urkundlich auch Steiner statt Steinauer. Dies allgemeine Nebeneinander von e- und er-Formen (auch innerhalb der Herkunftsnamen wie Heide – Heider, Gloge – Gloger) mußte durch Systemzwang zu Analogiebildungen führen, wie sie uns in den Eigenschaftsnamen auf -er vorliegen. Von einer „starken“ Adjektivform kann man also nur bedingt sprechen. Vergleichen läßt sich hierzu die analoge Erscheinung bei den schlesischen Metronymika auf -ner, die durch Anlehnung an die zahlreichen Herkunftsnamen auf -ner wie Langner, Elsner usw. zu einem schlesischen Spezifikum geworden sind.

Durch Antritt eines sekundären -t, eines gleichfalls schlesischen Elementes, das wir schon bei den Herkunfts- und Berufsnamen beobachten konnten (vgl. Steinert und Peuckert), erhalten wir seit dem 16. Jh. die Nebenformen Grunert, Kahlert, Kleinert, Rothert usw.[7] Auch diese Erscheinung beruht auf Analogiewirkung, insofern das geschichtlich gewordene Nebeneinander von echten ert- und er-Bildungen Unsicherheit im Sprachgefühl zur Folge hatte.

Unter den bodenständigen Vertretern von „Wesensart und Lebensweise“ dürften Wunderlich, Stiller und Ohnesorge am bekanntesten sein. Zum Frühauf gesellte sich einst Sloflang und Langenacht, zum Feierabend: Vil erbeit. Weiter verbreitet sind Blumentritt und Rosentret(er), die inhaltlich etwa den Senftleben und Ohnesorge, den Freudenreich und Freudensprung entsprechen; sagt doch noch Luther (von seinem Wappen): ein Christenherz „auf Rosen geht“ ...

In Thüringen beheimatet sind die sogen. „Un-Menschen“, wie man sie launig genannt hat[8]: die Unruh und Unverricht, Unglaube und Ungerath(en), entstellt Ungrad(e), woneben einst auch Unbedocht und Unvorgessen, Ungestüme und Umbereyt begegnen.

Durch auffallend gleichen Anlaut verraten sich Knauer, Knauth und Knothe, Knebel, Knospe, Knoll und Knorr als auch inhaltlich zusammengehörige Gruppe: es sind typische, durch die Fastnachtsspiele, durch Luther und auch sonst bezeugte Bauernnamen, aus deren Kn- sinnfällig das Knorrige oder Grobe bäuerlichen Wesens herauszuhören ist.

Spielmanns- und Dichternamen, wie sie die ruhelos „Fahrenden“ aus Geltungsbedürfnis sich selber beizulegen pflegten, haben wir noch in Hellfeuer (= Höllenfeuer) und Irrgang, zu denen Alt-Breslau auch Vrowinlop, Fridank und Tanhuser beisteuert.

An die zahlreichen Fehden des Mittelalters und die üblichen Pilgerfahrten erinnern die unkenntlich gewordenen Herforth (Herfert, = Teilnehmer an einer Heerfahrt) und Merforth (Merfert, desgl. an einer Meerfahrt), auch Römer als Name des Rompilgers, wie anderwärts Kumsteller als Pilger nach Santiago di Compostella. Romfahrten galten auch als Bußstrafen für Totschlag und ähnliche Verbrechen.

Wie weit hinter den Namen von Kleidungsstücken Kleidergecken und Modenarren stecken, läßt sich nicht immer entscheiden. „Kleiderordnungen“ bezeugen zur Genüge den Luxus auf diesem Gebiet und die Farbenfreudigkeit des Mittelalters, besonders des 15. Jh., kündigt sich schon im 14. Jh. an mit Gelhose und Blohose, Gelmil und Rotermil, Grünrock und Rotrock; Blohut, Hengelhut, Rotkögel (= Kapuze) usw. Auch Pfobinczail (= Pfauenschwanz), Sydenswancz und Fedir in dem hute sind so zu verstehen. Die typische Bauerntracht dagegen ist vertreten mit Bundschuh, bekannt als Feldzeichen aus den Bauernaufständen, sowie mit Sturreketil (= Steifkittel), Grorok, Keppil, Slappe (heute Schlappe) und Czippil (heute Zippel) nebst Breitzippil und Kögilczippil (= Kapuzenzipfel). Weit häufiger aber dürften bei dieser Gruppe

Berufsübernamen[9]

vorliegen. Ihr Geheimnis, das uns erst den Schlüssel zu ihrem Verständnis liefert, besteht darin, daß an die Stelle der eigentlichen Berufsbezeichnungen die Attribute der einzelnen Berufe oder Gewerbe treten, also vor allem: Werkzeug, Erzeugnis und Handelsware; ja mitunter sogar die typischen Arbeitsgeräusche und Begleiterscheinungen, so daß z.B. Pinkepank und Funke, Hinkepink und Zinzerlinz sich grundsätzlich auf den Schmied beziehen. Nur mit dieser

Erkenntnis gewinnen wir Zugang zu dem Sinngehalt zahlreicher Beinamen, die früher als Produkte der Laune oder Willkür galten. Dank urkundlicher Zeugnisse wissen wir heute, daß man den Bäcker gern Striezel und Fladen, oder Sauerteig und Hefenbauch nannte und es daher ganz abwegig ist, in solchen Nahrungsmittelnamen Lieblingsspeisen des Urahns zu erblicken. Da nun jedes Gewerbe eine Vielzahl solcher Namen hervorgebracht hat, färbt sich durch sie das Bild einstigen Gewerbelebens ungemein bunt, zumal wenn wir die untergegangenen Namen mit hinzunehmen. Mit Knüllemel und Klunkirteik fällt unser Blick in die Backstube, bei Monstriczel und Vesperbrot in den Bäckerladen, bei Wurst und Schmalz, Rindfleisch und Vleysch im huse in den Fleischerladen, und so ist Dünnbier und Birsak nicht der Säufer, sondern der Brauer oder Schankwirt, Pfankuchin und Leckentwirl der Koch, Vilstich und Sibenjopil der Schneider, desgl. Beinlich und Tappert (Beweis im Namenbuch); Viltaschen und Anetasche der Täschner, Czwevachbewtil der Beutler, Runge der Wagner, Weyrauch der Priester usw. Da wird es auch nicht schwer fallen, in Rauhut den Hutmacher, in Böseverkil den Viehhändler oder in Bittirpfyl und Schnurrpfeil den Bogenschützen oder Pfeilschmied zu erkennen oder Klapper (Lehnspferd) und Celder (Paßgänger) richtig einzuordnen. Auch über den Sinn der Siebenzahl in Übernamen wie Siebenwirt u.a. gibt es keinen Zweifel mehr, seitdem uns in Alt-Schweidnitz ein Bäckermeister Sebinströczil und anderwärts Jakob Sibenschuh der Schumacher urkundlich bezeugt ist. So entpuppen sich also in Alt-Breslau Sebinjopil als Schneider (wie andernorts Sibenrock und Simrock), Sebinvel als Fellhändler, Sebinczege als Ziegenhirt, Sebinquart als Zöllner.

Anschaulich ersteht der bäuerliche Lebenskreis mit Misthufen und Krewil (krauel = Mistgabel); Flegel (nebst Swenkinflegil und Schewenflegil), Gerste und Haberstuppel, Vowlkorn und Rübeseckil, Dönnehirse und Moh(n)haupt, Blümel und Hauesblümel, Keseundbrot und Keseindertaschen.

Erst wenn man bedenkt, welche Rolle das Zins- und Abgabenwesen im Zeitalter der Leibeigenschaft und des Feudalsystems spielte, wird der Sinn solcher Namen greifbar, die sich auf regelmäßige Abgaben oder Frondienste von Hörigen oder Lehnsbauern beziehen: vor allem die Münznamen wie Schilling und Heller (Haller, auch Dryheller und Achtczenheller), Dreilich und Vierdich, Virczigmark und Hundertmark; dann Zeitnamen wie Herbst und Pfingsten als Terminbegriffe. Selbst Sommer und Winter, Freitag, Sonntag usw. sind aus zeitlich gebundener Beschäftigung erklärbar; sind uns doch Sonntags- und Winterbäcker oder Winterhocke u. dergl. bezeugt. – Licht fällt von hier auch auf Standesbezeichnungen wie Bischof, Herzog, Graf, Markgraf, zumal sie uns nicht selten als Namen von Bauern überliefert sind, also auf ihr Dienstverhältnis zum Grundherrn, zum weltlichen oder geistlichen, weisen; hin und wieder mögen sich auch uneheliche Nachkommen dahinter verbergen, so nachweislich im Falle eines württembergischen Vogtes Heinzmann Marggraf (1371), der als markgräflicher Bastard das Wappen der Markgrafen von Rötteln führen durfte. Bei König läßt sich z.B. an Musikantenkönige denken: ein Wernher Pfifer von Altzei wird 1393 urkundlich „in unserm lande ... übir alle farnde lüte zu künge gemacht“ (Nied 2, S. 69). Auf dienstliches (oder auch verwandtschaftliches) Verhältnis zu einem Edelfräulein deutet der Name Jungfer, vgl. den Juncvrowendiner (neben Juncvroweczucht) in Alt-Breslau und Gotfridus der iuncvrowensun (1200 ca., Bacmeister 29).

Abschließend sind bei den „Übernamen“ noch die Wohnstättennamen kurz zu erwähnen, die ihres geographischen Inhalts und ihrer Formbildung wegen schon bei den Herkunftsnamen mitbehandelt sind, aber z.T. hierher gehören,

soweit sie auf Wohn- und Lebensverhältnisse Licht werfen. Es handelt sich in Schlesien um Flur- und Gassennamen, ländliche Gegenden und städtische Bezirke, selten um Hausnamen. Dornpusch und Siedorn, Röhricht und Elsner (Erle!), Anger und Veldishalb, Niedenzu und Niedenführ, Ende(mann) und Mende (d.i. am ende) entstammen dem ländlichen Wohnbereich, desgl. Berger (of dem berge) und Grundmann, dem städtischen anderseits Fiebig (by dem viwege, – jede Stadt und jedes Dorf hatten ihre gemeinsame Viehtrift) und Bormann (by dem borne); an die winkligen Gassen erinnert Winkler (in dem winkel). Wuchsen Flurstücke ins Weichbild der Stadt, konnten sie zu Gassen- und Hausbenennung dienen: so helle (Hölle, = öde Gegend); wer „in der helle“ wohnte, wie z.B. Michael Scholz in Görlitz um 1300, konnte alsbald Hellmann oder Hallmann heißen. Die südwestdeutsche Hausnamensitte dagegen ist Schlesien unbekannt. Vgl. Adler, Kokentril usw.

Kapitel V. Verbreitung und Häufigkeit der einzelnen Namen.

Wie sich aus den verschiedenen Siedlermundarten zwar das Gesamtschlesische entwickelt hat und doch keine vollkommene Einheit darstellt, so zeigt auch das Bild der schlesischen Namenwelt eine im allgemeinen zwar einheitlich schlesische Prägung, aber darüber hinaus auch unverkennbare landschaftliche Sonderzüge, und zum Teil so auffallende Unterschiede in der Verteilung des gleichen Namenschatzes, daß eine Sonderbetrachtung dieser Erscheinungen und Klärung ihrer Ursachen unerläßlich ist. Mag auch manches Rätsel ungelöst bleiben, so dürfte dies Kapitel doch das Reizvollste von allen sein, weil es in vielen Fällen erst zum rechten Verständnis der Namen führt.

Beginnen wir mit einem eindrucksvollen Beispiel, das zugleich die Methode der bisherigen „Namenforschung“ schlagend widerlegt. Der Name Krautwald, bekannt durch den Liegnitzer Reformator Valentin Krautwald, begegnet von Haus aus nur in der Neißer Gegend, wo auch der eben Genannte vorher Domherr war[10]. Ganz in der Nähe aber (und nur dort) liegt die Ortschaft „Krautenwalde“, ohne Zweifel der namengebende Ort. Was einem Dogma zuliebe ein halbes Jahrhundert und länger galt – die Herleitung vom germanischen Rufnamen Hrodwald –, erledigt sich endgültig durch die landschaftliche Forschungsweise. Dasselbe gilt für Me(h)wald, Möhwald, Maiwald, drei durch die Mundart abgewandelte Formen ein und desselben Namens, des alten Ortsnamens Meyenwalde, heute Maiwaldau, gelegen bei Schönau an der Katzbach, also halbwegs zwischen Hirschberg und Liegnitz, den heutigen Verbreitungszentren. Auch dieser Fall beleuchtet grell die Spielerei der Namenbücher, die zu zwei längst verklungenen altgermanischen Rufnamen, Magwald und Modowald ihre Zuflucht nehmen. Wir lernen hier zugleich ein Gesetz der Binnenwanderung kennen, das auch für andere Landschaften nachweislich Gültigkeit besitzt: der Zug vom Lande in die Stadt erfolgt im allgemeinen nach dem nächst gelegenen kulturellen oder wirtschaftlichen Mittelpunkt, in dessen Ausstrahlungsbereich die Ortschaften der näheren und weiteren Umgebung liegen.

Weitere Beispiele hierfür sind u.a. die Görlitzer Namen Schwerdtner, Rot(h)enburger und Queißner, die Glogauer Niedergesäß und Herbrich, der Glatzer Reichner (von Reichenau in der Grafschaft), die Liegnitzer Hain (v. Haynau) und Berner (von Berna b. Lauban), der Schweidnitzer Zeisbrich von der nahen Zeisburg. In anderen Namengruppen sind für solche Erscheinungen die Ursachen ähnlicher Art, so wenn der Liegnitzer Familienname Thamm (nebst dem Ortsnamen Tammendorf), auf einen in Adels- und Patrizierkreisen jener Gegend einst

beliebten Rufnamen zurückgeht, oder der Taufname Volkmer nebst Koseform Völkel sich stark in der Grafschaft kristallisiert hat. In der Lokalisierung bestimmter Namensformen offenbart sich in der Regel das Wirken der Mundart, so wenn Olbrich(t) statt Ulbrich (d.i. Albrecht) ausschließlich dem Glatzer Lande angehört und alle a- statt e-Formen schlesischer Namen ebendort beheimatet sind (darüber weiter unten!).

Aufs Ganze gesehen, zeichnen sich außer der allgemeinen Gliederung in Nieder- und Oberschlesien, als Sondergutlandschaften ab: das Neiderland, die Lausitz und die Grafschaft Glatz.

Das abseits der einstigen west-östlichen Hauptverkehrsader gelegene Neiderland hat als Restgebiet aus polnischer Zeit einzelne Sondernamen und mundartliche Sonderformen bewahrt wie Brunzel, die eingedeutschte Koseform vom polnischen Personennamen Bronislaw oder das undurchsichtige Räbiger (Reibiger), den seltenen Glogauer Personennamen Rampold, Ramputh, den stets mißdeuteten Fechner, eine slawische Koseform von Wenzeslaw, ferner die slawischen Personennamen Zeuke (Zeuge), Reschke (Röschke, Roschke), Tschernack, Stritzke, Kirschke, Woithe, das slawisch-deutsche Jachmann (= Johannes), statt niederschlesisch-lausitzisch Jochmann, die typische ei- (statt i)-Form: Heilscher statt Hielscher, und seltenere Namen wie Fellenberg (Fellbrich), Herbrich (Herberger), Ast usw. Wendrich (für Heinrich) und Stark(e) (für Altmann) teilt es mit der Oberlausitz, desgleichen den Krüger (statt Kretschmer), der von der Mark herüberreicht.

In der Lausitz, vor allem der nach Sachsen übergreifenden Oberlausitz, dem alten Markgraftum, erinnern die vielen Wünsche (d.i. Windische und Abarten) an die einstige Wendenzeit. Auch Jochmann (für Johannes) und Jack(i)sch (für Jakob) sind hier zu Hause, und das unerklärliche in Görlitz konzentrierte Hirche, im Mittelalter gänzlich fehlend, gehört wahrscheinlich als Georg in diesen Zusammenhang. Hier ist auch die Heimat der Dehmel nebst der Vollform Thomas, der vielen Lehmann (= Lehnsmann) und der Wirth (für Kretschmer). Zahlreicher als anderswo sind hier auch die Gründer (neben Grundmann), die Talbewohner im Gegensatz zu den gleichfalls häufigen Berger (Bergmann). Die Grafschaft Glatz, von Bergen umschlossen, und als Grenzvorposten nach Böhmen hineinragend, war für das Aufkommen von Sondergut wie geschaffen. Die Stehr (Hermann Stehr!) und Nentwig, die Zenke(r) und Prause, die Völkel (nebst Volkmer) und Olbrich(t), die Meichsner (-x-), Weigang, Hauck und Kintscher sind echte Grafschafter Namen, und all die schlesischen a-Formen statt der normalen e-Formen wie Patzelt, Hampel, Hannig, Klammt, Klatte und Klapper und viele andere zeugen von dem besonderen, nach Süden weisenden Charakter der dortigen Mundart. Die Nähe Böhmens tut sich in Habel, der tschechischen Koseform (Havel) von Gallus, kund (vgl. Ortsname Habelschwerdt!).

Andere Namen wieder stellen die Verbindung der Grafschaft mit dem Nordwesten und Südosten her; so ist an den Exner (Öchsner) auch das Gebirgsschlesische (bis hin nach Görlitz) stark beteiligt, während die stark flektierten Langer, die süddeutschen Beck und die gerundeten Gröger, die slawischen Rathmann und Wanke auch dem Oberschlesischen gemeinsam sind.

Mit Oberschlesien berühren wir ein Gebiet, dem nur eine Sonderuntersuchung voll gerecht werden könnte. Der heute weithin slawische Eindruck seiner Namenwelt beruht nach Ausweis der urkundlichen Quellen in vielen Fällen auf der Verpolung alter deutscher Namen seit dem 15./16. Jahrhundert, als auch die deutsche Sprache auf weiten Strecken wieder weichen mußte. So steckt in Kroll das deutsche König, in Gburek das deutsche Gebauer, in Nowack deutsches

Neumann, in Malik deutsches Kleiner(t), während in anderen Namen wie in Wittek nur die Endung slawisch frisiert ist (statt Wittig, Witche). Freilich ist auch der fremde Namenbestand dem deutschen Ohr und Auge unverkennbar: so Pelka als Koseform von Swentopelka (Swantopolk), Dirschka (Dierschke) als Koseform von Dirslav. Gewöhnlich handelt es sich jedoch um slawische Koseformen von bekannten kirchlichen Heiligennamen wie Peschke und Purschke von Peter, Proksch von Prokop, Mi(t)schke und Micka von Nikolaus, Lach(e) und Loch(e) von Ladislaw, Stach von Stanislav, Kittel von Christian, Klimek von Clemens, Paschek (Paschka) von Paul, Fi(e)tzek von Vinzenz, Larisch von Laurentius usw.

Aus dem Bereich der Übernamen: Bulla (Cebulla), Skowronnek und Sobotta, der Herkunftsnamen: Schlensog (Schlesinger). Durch Besonderheiten innerhalb von Oberschlesien fällt das Gebiet von Neiße-Neustadt auf: Hoheisel, Hosemann und Heisig sind nur hier vertreten und nur von hier aus erklärbar.

Gemeinsam ist dem Oberschlesischen und Glätzischen die starke Form der Eigenschaftsnamen Brauner, Rother, Langer, Kluger, Weiser, Schwarzer, Kahlert (mit Ausnahme von Großer! und Seeliger) im Unterschied von niederschlesisch-lausitzisch Braun, Rothe, Lange, Kluge, Weise, Schwarz, Kahl u.a.

Zum Abschluß noch ein Blick auf jene sprachlich bedingten landschaftlichen Unterschiede, in denen teils die Mundart, teils die einst slawische Grundlage offenbar wird. Beides ist in dem Nebeneinander von W- und F-Formen gleicher Namen zu erkennen, wobei die ursprünglichen W-Formen in Oberschlesien zu Hause, die eingedeutschten F-Formen aber auf Niederschlesien beschränkt sind.

Familiennamen aus Taufnamen

a) altdeutsche

Alscher (Liegnitz [10] Schweidnitz [5]), selten Alischer, Altscher, Alschner.

„Angehöriger einer Adelheid“. Gebildet aus der schlesischen Koseform Alusch (mit der beliebten slawischen Endung -usch) und dem bekannten Suffix -er, das die Zugehörigkeit ausdrückt. Der Angehörige ist gewöhnlich der Gatte oder der Sohn, seltener der Schwiegersohn oder Neffe. Gleiche Bildungsweise zeigen Hielscher, Thielscher (Thielschner), Irmischer und andere. Die heilige A. war die Gemahlin Kaiser Ottos d. Gr. († 999). – Belege: Aluscha begina 1309 Freiberg (UB 1,46 ff.). Alusch Kogilinne 1349 Br. = Adilheid Hannos Kogils Frau 1345; Alusch Anesorgynne 1384 Liegnitz = Aleyd, Frau des Petir Ansorge 1383; Joh. (genannt) Alushen 1305/1330 Görlitz; Augustin der Aluschyn 1413 Neisse; Hannus Alusch 1413 Liegnitz; Lorencz Alischer 1434 Görlitz. Vgl. Henil Adelheid 1361 Glatz; Niclos Alheit, Bauer 1415 Kr. Glogau (Cod. 24).


Arlt (Görlitz [86] Liegnitz [36] Grünberg [24] Oppeln [16] Beuthen [15]; Glatz[0] Neustadt [0] Ratibor [0]), selten Arlitt.

Erst seit dem 16. Jahrhundert auftretende mundartliche Form von Arnold, dessen schwere Endsilbe durch Umspringen des l zu -lot (Arlot) und schließlich zu -let (Arlet) sich wandelte, wie auch Humblot aus Humbold und Berlt (fränkisch) aus Bertold. Vgl. auch FN. Frommleth neben Frommelt (Fromold). Auch in Ortsnamen nachweisbar: Arlstein, alt Arnoldstein; Arnitzgrün b. Falkenau: 1542 Arlesgrün, 1370 Arnoltzgrün (Sudet. Ortsname H. 4,13). – Belege: Arnold oder Arlot Nicklaus (Niclas) 1571 Liegnitz (Tschersich, Mitt. 14,248). Hans Arnold, auch Arlot 1608 Liegnitz (Tschersich, Mitt. 14,207). Martin Arlott u. George Arlett, Bauern v. Striegau 1586/96 (Stadtarch. Br. B 83, Bl. 65b). KF. ist (im 14. Jh.): Noldil von Krwczeburc 1338 = Arnold de Cruczeburg 1340 Breslau (Rcht. 12); Arnold Nöldil, Bürgermeister 1356 Sagan (Cod. 4,298); Hannus Noldil 1382 Liegnitz.


Berndt (Görlitz [60] Liegnitz [40] Hirschberg [22] Glatz [12] Sagan [9] Schweidnitz [7] Öls [6] Beuthen [11])

Der altdeutsche TN. Bernhard, lautlich mit der niederdeutschen Namensform gleich, aber als lausitzisch-neiderländischer Name auf die wendische Form Bernat zurückgehend, wie Kuhnt auf wend. Kunat = Kunrad. (Vgl. Bronisch S. 179). Beliebt geworden als Heiligenname durch Bernhard v. Clairvaux († 1153), Begründer des Cisterzienserordens (Bernhardiner!). Vgl. auch Herzog B. von Schweidnitz (1324). – Belege: Bernt Alisscher 1494/95 Görlitz; Bernt Kose 1519/20 Görlitz; Bernhard Bernt 1500/01 Görlitz; Peter Berndt 1546 Liegnitz.


Bernhard(t) (Liegnitz [8] Görlitz [6] Hirschberg [6] Schweidnitz [6] Glatz [5] Neustadt [15] Oppeln [9]). Siehe unter Berndt!

Belege: Bernhardus pincerna 1354 Liegnitz; Bernhard v. der Kaczbach 1352 ebd.; Bernhard von Walthersdorf 1398 Glatz; Hannus Bernhard 1400 Görlitz; Nickel B. 1412 Glatz.


Bert(h)elmann (Görlitz [9]), KF. von Berthold(t) (Görlitz [25] Freystadt [12] Grünberg [5] Glatz [5] Liegnitz [5] Hirschberg [5]).

Altdeutscher TN. (bercht „glänzend“, old = walt „waltend, herrschend“) verbreitet durch den volkstümlichsten Prediger des Mittelalters, den Franziskaner Berthold v. Regensburg, († 1272). Vgl. die schles. ON. Berthelsdorf, Bertholdsdorf, Berzdorf. – Belege: Hanns Bertelmann 1483/84 Görlitz; Georg B. 1567 ebd. Vgl. Brigida Bertel 1547 Liegnitz; Bertoldus de Erfort 1287 Breslau; Bertolt der berkman 1346/47 Glatz; Heyno Bertoldi 1346 Liegnitz; Petsche Bertold 1372 Liegnitz.

Bertermann (Hirschberg [6] Liegnitz [2]), KF. von Bertram (Görlitz [4] Liegnitz [4] Hirschberg [2]).

Bemerkenswert durch die Bildungsweise: wie Gundermann von Gundram und Sindermann (Sündermann) von Sindram, unter Verwertung des Anlauts r vom zweiten Gliede (ram = Rabe). – Belege: Berteram von Yleburg 1369 Breslau. Vredrich Bertram 1405 Görlitz.


Berwig (Görlitz).

In Altschlesien häufiger als heute. ber = Bär, wig = Kampf. – Belege: Berwicus advocatus de Legnicz 1255 (Urk. Öls); Berwich der Cale 1308 Görlitz; Petir Berbig 1350 Görlitz (Jecht 27); Hensil Berwig 1372 ca. Liegnitz; Greger Berbigk 1575 Görlitz; Heinrich Berwig 1415 Grünberg/Freystadt (Cod. 24, 171).


Brendel (Liegnitz [23] Görlitz [22] Hirschberg [11] Schweidnitz [5] Neusalz [3] Sagan [4]), Brendler (Görlitz [13] Liegnitz, Neusalz [4]).

Offenbar aus Oberfranken zugewanderter Name (KF. von Hildebrand), da weder dieser Taufname noch seine KF. in Schlesien gebräuchlich waren. Brendler ist patronymische Bildung wie Henseler, Menzler usw. Vgl. Nied 2, S. 13. – Belege: Heynusch Brendil 1354, Hannos Br. sein Sohn: Alt-Breslau (Rcht. 146); Ambrosius Brendel 1473 Görlitz; Nicze Brendil 1380 Görlitz; dominus Joh. Brendyl 1395 Görlitz; Brendeler Mates von Ostras 1420/21 Görlitz; Bartisch brendil 1491 Liegnitz.


Burghardt (Liegnitz [38] Görlitz [17] Hirschberg [11] Schweidnitz [12], Oppeln [7] Beuthen [7] usw.), Burkhard(t) (Görlitz [9] Liegnitz [3] Bunzlau [8] Öls [3]), Burkert (Görlitz [18] Hirschberg [11] Schweidnitz [12] Neustadt [15] Liegnitz [5]).

Altdt. Taufname, besonders alemannisch, daher in der Schweiz oft FN. In Schlesien erst im 15. Jahrh. als TN. üblich! Durch den heil. Burkhard († 754) und das alemannische Herzogshaus beliebt geworden. – Belege: Burkhardus pellifex 1289 Breslau; Burchard Wole 1412/13 Görlitz; meister Burghard Hoendorff der goltsmyd 1424 Liegnitz; Burghard Heynke 1491 Liegnitz; Hannus Burchart 1361/62 Glatz; Pawel Burghard 1435/36 Görlitz; Hanke Burchard 1377 Liegnitz.


Bürgel (Liegnitz [17] Hirschberg [5] Schweidnitz [6] Görlitz [3], OS [0]!)

Könnte an und für sich KF. mit l-Suffix von Burghard sein (siehe dies!), ist aber als TN. nicht belegt. Ein Städtchen B. liegt östlich Jena. Mhd. bürgel ist der Bürge. – Beleg: Hans Bürigel von Retzenstein 1559 Görlitz.


Demuth (Liegnitz [10] Görlitz [12] Hirschberg [15] Ratibor [6])

Ein Metronymikon: es ist der im Mittelalter nicht unbeliebte Frauenname Diemute = Demut; z.B. bei den mhd. Volksdichtern Neidhart von Reuenthal und Konrad von Kilchberg, auch die KF. Müte im 14. Jh. Öfter bei Socin S. 52. – Belege: Bertold topfer, Demut s. Frau 1346 Breslau; Demut teilerynne 1429 Liegnitz; Jeronimus Demut de Sweidnicz 1455 (Cod. 4, 61).


Dittmann (Görlitz [16] Liegnitz [7] Beuthen [9] Hirschberg [4]).

Aus dem altdt. TN. Dietmar mundgerecht umgeformt, wie auch in den schles. ON. Dittmannsdorf, Kr. Waldenburg (1372 Ditmarsdorf) und Kr. Neustadt (1464 desgl.). Vgl. auch Erdmann = Ertmar! – Belege: Ditmar(us) scabinus 1254 Breslau, Dythmar, Sohn des Dythmar Fleischawer 1367 Glatz; Ditmar czymmirman 1347 Breslau, Ditmarus vitricus ecclesie S. Petri 1333 Liegnitz; als FN.: Heynke Ditmar 1382 Liegnitz; Peter Dittman 1438 Liegnitz; Jörg Ditman 1494/95 Görlitz; Simon Tidtman 1546 Liegnitz. Mhd. ie wird md. = schles. : i wie in Dittrich, Mittmann u.a. Vgl. auch unter Thieme!


Dittrich (Görlitz [40] Liegnitz [27] Sagan [14] Hirschberg [16] Glatz [7] Oppeln [6] Beuthen [12] Öls [4] Neustadt [2]), Dietrich (Görlitz [20] Liegnitz [16] Sagan [3] Neustadt [0]!), nebst KF. Ti(e)tze, Ti(e)tzmann (siehe diese!).

Im mittelalterlichen Schlesien einer der beliebtesten deutschen Taufnamen: in Breslau, Liegnitz und Görlitz an dritter Stelle (nach Heinrich und Konrad), vgl. Bw, Diss. S. 116 und 106. Daher auch Ti(e)tze als FN. zahlreich: z.B. 58 mal in Liegnitz. Die Beliebtheit hat namentlich in der Verbreitung der Dietrichsage (Dietrich von Bern!) ihren Grund, vgl. Bw, Die dt. Heldensage im Spiegel der

dt. FN. („Der Sammler“, Augsburg 1926 Nr. 206). Vgl. auch unter Thiel! Vgl. die mehrfachen schles. ON. Dittersdorf, -bach (alt Diterichs -). – Belege: Herman Diterich 1384 Liegnitz (Schöpp., 27a); Diterich breuwer 1384 Liegnitz (Schöpp., 26a); Diterich Sydenswancz 1382 Liegnitz (Schöpp., 8b); Diterich mit der ebenteuwer 1388 Liegnitz (Schöpp., 18b). Auf poln. Lautung beruht Wiedersich!


Eberlein, KF. von Eberhard: Ebert (Liegnitz [11] Görlitz [8] Hirschberg [9] u. ö.).

Mundartlich auch Abert (Liegnitz), wie Abersdorf mundartlich für Ebersdorf b./Glatz. – Belege: Ebirlin colorator 1389 Görlitz; Joh. Eberlini 1320/21 Schweidnitz; Abirlin Hak 1386 Breslau; Ebirlinus de Tribelwicz 1341 Liegnitz; Ebirhardus textor 1339 Schweidnitz; Aberhardus Seppinrad: Alt-Breslau, vgl. Joh. Abersbach 1387 ebd. Merten Ebert 1568 Görlitz.


Eckel(t) (Liegnitz [9]), KF. von Eckehard: Eckert (Liegnitz [37] Görlitz [27] Grünberg [21] Hirschberg [9] Öls [8] Beuthen [13]).

Altgermanisch Agihard: Agi „Schwertspitze, Schwert“, hard „kühn“. Lieblingsname des deutschen Mittelalters: der treue Eckehart der Harlungensage! Um 1400 in Schlesien nicht mehr gebräuchlich. Vgl. auch den Ortsnamen Eckersdorf bei Glatz. – Belege: Eckel 1346 Breslau; Eckel Schefer 1359 Glatz; Hannus Eckel 1380 Liegnitz; Fabian E. (Liegnitz, 16. Jh.); Bartel Eckelt 1555 Görlitz; Eckhardi 1320 Liegnitz; Nitsche Eckehard 1372 Liegnitz; Hanman Eckehart (Alt-Breslau); Symon Eckhart 1452 Görlitz.


Ehrentraut (Görlitz [13])

Entstellt aus dem altdt. weiblichen TN. Irmintrud, der in Altschlesien nicht unbeliebt war. Vgl. unter Irmler und Irm(i)scher! Das männliche Seitenstück dazu ist Ehrenfried (= Ernfrid = Irminfrid). Ähnlich: Ermen-, Erben-, Ehrmanntraut. – Belege: Irmiltrud weberynne 1384 Liegnitz; Irmetrut auch in Breslau; Jörg Irmentraut 1554 Görlitz; Vgl. auch Socin S. 57. Matz Ermtrautt (Irmetrautt) 1560 Reichenberg.


Elbel (Görlitz [2] Schweidnitz [1]).

KF. von Albrecht. Gebräuchlich im 14. Jh., auch in den Fastnachtsspielen des 15. Jh. (Vgl. W. Arndt, Die Personennamen der dt. Schauspiele des Mittelalters, Breslau 1904, S. 58). – Belege: Elbil heftiler 1352 Breslau; Elbil (der) kleynsmyd 1372/83 Liegnitz; Jone Elbil 1376 Görlitz; Albrecht Elbel kursener 1368 Glatz; Albertus Felsberg dictus Elbil, pellifex 1408 Breslau. (Mon. Germ. Francisc. S. 103); George Elbel 1495/1506 (Landbuch Schweidnitz).


Engelbrecht (selten), Engelbrecher (Liegnitz [6]).

Altgermanischer Taufname; Die Form mit Dentalabwurf und -er-Ableitung ist obd.-schlesisch. Vgl. FN. Erkenbrecht, Erkenbrecher! In Schlesien nur als FN. belegt: Engilbrecht messerer 1349 Breslau; Pauwel Engilbrecht 1381/88 Liegnitz; Hanns Engelbrecht 1461/62 Görlitz; Heyncze Engelbrecht 1463 Schweidnitz.


Engelmann (Görlitz [11] Liegnitz [6] Neusalz [8] Schweidnitz Hirschberg [5], Oppeln [3])

KF. mit -mann = Erweiterung von den altdt. Taufnamen Engelbrecht, Engelhard, -mar usw. – Gunther Engilman sutor 1348 Liegnitz.


Engel (Liegnitz [22] Görlitz [17] Oppeln [8] Schweidnitz Hirschberg [6] Ratibor; Neustadt [0]).

Als weiblicher TN., Kürzung von Engeltrud, ist Engil in Alt-Liegnitz vor 1350 bezeugt, sonst jedoch in Schlesien kaum. Vgl. schon altgermanisch Angila (Förstemann 108). Es dürfte hauptsächlich Übername sein. FN.: Hanco Engil 1369/73; Petir Engil 1387 ff. Liegnitz; auch Alt-Breslau nur FN. Taufname: Engel, Gündeds hawsvrawe 1333 Glatz.


Erdmann[GWR 8] (Görlitz [8] Liegnitz [4] Sagan [4] Grünberg [3] Neusalz [3] Beuthen [5] Hirschberg [2])

KF. zu dem im Mittelalter nicht unbeliebten altdt. TN. Ertmar (ert = Erde, mar = berühmt). Auch die Orte Erdmannsdorf (Schlesien und Sachsen) hießen ursprünglich Ertmarsdorf. – Belege: Nicclos Ertmar 1369/73 Liegnitz; Peter Ertman und Jacob Ertman 1381 Linderode Kr. Sorau. Auch in Alt-Breslau: FN. Ertman und Ertmansdorf.

Ermlich (Liegnitz [14] Bunzlau Hirschberg).

Da erst 1560 in Liegnitz ein Hanss Ermlich begegnet, vorher aber mehrmals der FN.: Ermelrich, d.i. der altdt. TN. Ermenrich, so dürfte Entstellung hieraus vorliegen. Ebenso vielleicht auch Ermrich (Hirschberg [5]). – Belege: Nicclos Ermelrich 1369/73 Liegnitz; Peter Ermylrich 1405/06 Görlitz u.ö.; auch Breslau. Aus der Sage vom Ostgotenkönig Ermenrich.


Ernst (Liegnitz [42] Görlitz [16] Grünberg [14] Hirschberg [6] Öls [5] Glatz [3] Neustadt [5] Oppeln [4] Beuthen [6])

Althochdeutsch ernust, mhd. ern(e)st „Ernst“, ursprünglich der ernsthafte Kampf, vgl. ags. eornost „Zweikampf“. Beliebt seit dem 12. Jh. durch Sage und Lied vom Herzog Ernst, dessen Freundestreue und tragischem Geschick. In Schlesien nur als FN. – Belege: Schon 1255 in Liegnitz: Ernestus (als Einzelname) zusammen mit Sifridus, diesen beiden Lokatoren übergibt Herzog Boleslaus das Dorf Crotoziz (Kroitsch) zur Aussetzung nach deutschem Rechte (UB. Liegnitz S. 5). Als FN.: Johannes Ernst 1339 Liegnitz; auch in Breslau (Rcht. S. 52).


Fasolt (Görlitz [3]), Faselt (Görlitz [5]).

Sagengestalt aus dem mhd. Eckenliede, wo Eckes Bruder, ein Sturmriese (Winddämon) so heißt. Vgl. dazu Ecke von Radeberg 1389 Görlitz (Jecht 4). Auch die Unholdin des Eckenliedes, Runze, begegnet in Liegnitz und Breslau: Hensil Runcze 1369 Liegnitz. – Belege: Pex Vasold 1348/49 Liegnitz; FN. Vasold auch in Breslau (Rcht. 145), Nickel Faseld 1475/76 Görlitz.


Fritsche (Görlitz [49] Liegnitz [45] Hirschberg [9] usw., Oppeln [12] Beuthen [8]) KF. von Friedrich (Görlitz [81] Liegnitz [48] Hirschberg [29] Grünberg Oppeln [11] Beuthen [23]).

Einer der ältesten dt. TN., beliebt besonders seit den Heldenkaisern aus dem Staufergeschlecht: Friedrich I. (Barbarossa) und Friedrich II. – Belege: Fritsche Wyse 1372 Liegnitz; Jekil Fritsche 1372 Liegnitz.


Friemel(t) (Görlitz [12] Haynau [4] Öls [4])

Entrundet aus Frömel(t) (Görlitz [5]), auch Fröhmelt, Frümelt d.i. der altdt. TN. Vromold, Frumold (mhd. vrum, vrom, „wacker, tüchtig“). Vgl. Fm² 546. – Belege: Frymold (zum) Stertz(e) 14. Jh. (Cod. 9); Herbord Vrumold ca. 1325 Görlitz; Vgl. Nicclos Vromel 1391 Liegnitz; Nicolaus Fromelini 1375 (Cod. 9); Michel Frümeltt 1560 Reichenberger Urbar. Bei Socin S. 140: Reinboldus dictus Frumolt 1261.


Gebhardt (Görlitz [12] Grünberg [6] Liegnitz [4] Hirschberg [8] Oppeln [4])

In Thüringen beheimateter, in Schlesien nicht gerade häufiger Ruf- und FN. – Belege: Gebhardus castellanus Glogoviensis 1208 (Urk. Öls); Gebbehardus cerdo 1298 Breslau; Gebhardus de Lapide 1264 Liegnitz (UB.); Gebhard der kannengisser 1384 (1372) Liegnitz. Als FN. schon 1421 in Görlitz: Jorge Gebehart (Wtschr. 21) u.ö. ebd.; 1488 in Glatz 2 Brüder Hans Gephart und Pawel Gephart (Richter zu Gepharczdorf).


Geis(s)ler (Görlitz [67] Liegnitz [54] Hirschberg [34] Bunzlau [15] Grünberg [11] Neustadt [67] Beuthen [7])

Der jüngste der drei Burgunderkönige des Nibelungenliedes: Giselher, um 1300 noch gebräuchlicher TN., später seltener. Erinnert wie die Namen seiner älteren Brüder, Gunther (FN. Günther) und Gernot (FN. Gernoth, Giernoth), an das Fortleben der Nibelungensage im Volke. – Belege: Gislerus de Gorlicz 1266, Gislerus de Olauia, dominus 1321 Liegnitz; Gyeseler Smalcztasche 1329/30 Glatz; Gysilher Colner 1306 (Cod. 4. 4). Als FN.: Symon Gyseler hewbtman zu Haynow 1435 = S. Geiselher (Geizeler) 1423 Liegnitz (Schöpp. 36a und b); Niclos Geyzeler, Richter 1408/09 Gegend Glatz; Thomas Geiseler 1451/52 Görlitz, u.ö. ebd.

Gelfert (Liegnitz [4] Neusalz [5]), Gelfort (Freystadt [4] Sagan [4])

Der bayrische Markgraf Gelfrat, der die Nibelungen auf ihrem Zuge durch Bayern überfällt. Der Name stammt nachweislich aus der Nibelungensage (schon 1140 in Mainz ein Gelfradus sacerdos, vgl. Socin S. 569 und 17) und ist offenbar durch Vermittlung höherer Stände zum FN. geworden, da meist beim Adel belegt. So begegnet in einer Liegnitzer Urkunde des 14 Jh. ein vornehmes Brüderpaar Gunther und Gelfrat. Desgl. ferner: Gelfradus de Hugewicz miles 1290 neben Guntherus de Huguwicz 1240; Gelfradus de Rechinberg miles 1312 (Urk. Öls 152); Gelfradus de Stercza 1330 ff. (Cod. 10) = Gelfrid von der Stercz (Burdach, Bd. 9.); Gelfrid Luckaw, Kanonikus 1408 Breslau (Cod 36, 1 Nr. 101); Gelfridus de Wiltberg, iudex prov. Lus. 1375 (UB. Dobrilugk S. 156). Als FN.: Petczsch Gelfrid, Nickel Gelfrid 1467 Grabig/Sorau (Cod. 24).


Geppert (Liegnitz [9] Görlitz [7] Brieg [14] Beuthen [10] Oppeln [12]), Göppert (Liegnitz [9]), Göpfert (Liegnitz [5]).

Hat nichts mit Gebhard zu tun, sondern ist, wie auch die schles. ON. Geppersdorf bezeugen, seit dem 14. Jh. aus dem altdt. TN. Gotfrid entstanden, und zwar durch Assimilation (tf = pf: Gopfrid), Umlaut und Metathese (Göpfert) und ostmd.-schles. Lautwandel pf = pp (Göppert). Die Entwicklung ist im 16. Jh. abgeschlossen. Der TN. Gottfried ist schon im 15. Jh. nicht mehr gebräuchlich, 1371 schon FN. – Belege: Gotfridus Plessil 1336 Breslau (Cod. 4, 8). Als FN.: Kunczil Gotfrid 1371 Glatz; Hannus Gopfrid 1427/28 Görlitz; Jocob Gophert yn dem Ratin 1477 Wünschelbg.; (Paul Gapfredt 1475 Glatz); Bartel Göppert 1544 Görlitz; Bastian Geppert 1546 Liegnitz. Als ON: Geppersdorf Kr. Strehlen heißt 1316 villa Gotfridi; G. Kr. Löwenberg 1532: Goppersdorf. Vgl. auch Jocoff Gopfridsdorff 1470/71 Görlitz; Hannus der Goetfridynne 1381 (Cod. 2, 178).


Gerlach (Görlitz [15] Liegnitz [14] Grünberg [7] Neusalz [5] Oppeln [5]), Görlach, Girlach, Gerlich (Oppeln [4] Brieg [4]), Görlich (Neustadt [31] Oppeln [10] Beuthen [16] Ratibor), Girlich; Gerling.

Im Mittelalter rheinfränkisch-hessischer TN., aber nicht populär; nicht zuletzt nach dem Vorbild des heil. Einsiedlers Gerlach (Kult in den Rhein- und Niederlanden). – Belege: Gerlacus, Schöffe. 1306 Liegnitz.; Gerlacus plebanus 1339 Ratibor; Girlach Czetsche 1384 Liegnitz; Petir Girlach 1372/84 Liegnitz; Meister Heintz Gerlach 1476 Görlitz; Wolfgang Girlach 1505/06 Görlitz; Georgius Görloch 1558 Glatz; Peczolt Gerling 1381 Sorau Land.


Gierth (Brieg [17] Görlitz [7] Oppeln [3]), Gerth (Görlitz [2])

Zsgz. aus Gerhard, einem der beliebtesten TN. des deutschen MA's, besonders am Niederrhein; gefördert durch viele Heilige dieses Namens und literarisch durch die mhd. Erzählung vom „Guten Gerhard“ (von Köln) von Rudolf v. Ems. – Belege: Mertin Girharth 1508 Liegnitz; Hans Gyherth 1547 Liegnitz; Merten Gieret von Buntzlaw 1535 Görlitz; Georgius Gyrth 1547 Liegnitz; herr Melcher Gyrde burgermeister 1562 Liegnitz; Hans Giredt (Girdman) 1561/64 Liegnitz.


Giersch (Görlitz [7] Liegnitz [5]); Gi(e)rschner (Beuthen), Gürschner (Görlitz).

Die Urform ist Gerusch, KF. mit slaw. -usch-Suffix von Gertrud, einem der beliebtesten weibl. Heiligennamen altdt. Herkunft. Zur metronymischen -ner-Bildung vgl. unter Alsch(n)er und Hielsch(n)er! – Belege: Gerusch Bakovenynne, Sohn: Hanco B. 1381 Liegnitz (Schöpp., 14a) = Girdrud, Hanco Bakovens mutir 1382 Liegnitz (13b). Als FN.: Caspar Gerusch 1435 Liegnitz; Hanns Girisch 1491 Liegnitz (38a); Bartisch Gerisscher 1453 Liegnitz; Jakob Gierschner oder Giersch 1568 Liegnitz (Stadtbuch).


Gießmann (Liegnitz [7] Görlitz [2]).

KF. bzw. Schleifform vom altdt. TN. Goswin (Fm². 620), wie auch die ältere Form der schlesischen ON. Gies(s)mannsdorf, nämlich Goswinsdorf (so noch im 14. Jh.) beweist. Die gleiche Entwicklung zeigt FN. Guttmann = Gutwin. – Belege:

Her Guswyn 1324 (Grafsch. Glatz); Jacob Goswin 1389 Löwenberg; Seiffrid Göswin, Brgrmstr. v. Görlitz 1436 ff. (Vgl. FN. Göswein!); Michel Gösman 1433 Liegnitz (Schöpp., 34a); Hans Gyssman 1571 Liegnitz (KiBch. 3).


Girbig (Bunzlau [6]), Gürbig (Bunzlau [2])

Der altdt. TN. Ger-wig (Speerkämpfer), mit Übergang von rw zu rb wie in Farbe aus mhd. varwe. – Belege: Nicclos Girwig 1397 Liegnitz; Merten Girbig 1539 Görlitz; Lorentz Girbiger 1536 Görlitz. Vgl. auch ON. Girbigsdorf bei Görlitz (so schon 1386).


Girndt, Girnth, Gerndt, Gernth (Grünberg [10] Görlitz [4]), Gürnth (Grünberg [10] Öls [2]), Gerntke (Breslau [3]), Gürntke (Neusalz, Glogau), Gernotke. Kontraktionsformen von Gernoth (Öls [9] Liegnitz), Giernoth (Liegnitz [5]).

Ein Nachklang der Nibelungensage in Schlesien! Die königlichen Brüder Gunther, Gernot und Giselher erfreuten sich hier alle drei als Taufpaten ziemlicher Beliebtheit (vgl. Günther und Geisler!). ger = Speer, (h)not = schwingen (Edw. Schröder). – Belege: Tyme Girnid 1412 Ratmann: Gr/Fry (Cod. 24); Gregorius Girnth 1529 = Gr. Gyrnott 1535 = Gr. Gernoth 1544 ebd. (Cod. 24, S. 198/199)!


Göbel (Liegnitz [33] Görlitz [28] Bunzlau [9] Hirschberg [10] Brieg [11] Neustadt [19] Oppeln [8] Beuthen [7]).

Das Rätsel dieses ziemlich häufigen, mit den Kolonisten des Mittelalters offenbar vom Niederrhein nach Schlesien verpflanzten Namens besteht darin, daß er wohl als TN. mehrfach belegt ist, aber die zugehörige Vollform nirgends faßbar ist. Und doch muß der germ. PN. Godebrecht oder Godebold zugrundeliegen, die beide am Niederrhein bezeugt sind, letzterer auch in Ostmitteldeutschland. Ausnahmsweise findet er sich in einer rhein. Urkunde auch für Gottfried. Vgl. auch unter Gottwald! – Belege: Gobele de Colonia 13. Jh. (Stark S. 142); Goblo, Gobelo 1291 neben Godebert im Hess. UB. (S. 397, 405); Gebrüder Goblo und Werner, Kaufleute Breslau 1281, Goblo (de Lubec) consul 1286 ff. Breslau (Rcht. 42); Gobilo de Zirnicia 1339 (Oberschles.) Cod. 2, 31; Gobelo de Treveris (= Trier!) 1372 Ottmachau (Cod. 9). Als FN.: Petir Gobil, Bruder: Cunrad Gobil 1369 ff. Liegnitz; Hannus Göbel 1422 Görlitz (u.ö. ebd.). In Alt-Breslau auch die patron. Abl. Gobeler (Rcht. 52, 66). Vgl. Gebel!


Gottschling (Liegnitz [17] Görlitz [12] Hirschberg [3] Brieg [5]), Gottschlich (Glatz [7] Görlitz [8] Beuthen [7]), Gottschalk (Oppeln [12] Beuthen [4] Liegnitz [7]).

Aus dem altdt. TN. Gotesskalk („Gottesknecht“), der mit seiner genitivischen Bildungsweise deutlich einer jüngeren, christlichen Schicht angehört (Soc. 211), wurde in Schlesien Gottschlich wie aus Marschalk: Marschlich (FN. in Breslau) infolge der Schwere der 2. Silbe; vgl. auch Arnold = Arlot, Arlt; Frommelt = Frommleth, Humbold = Humblot. Volksetymologisch entstand schließlich durch Anlehnung an „schlingen“ Gottschling. Die KF. siehe unter Gutsche! – Belege: Gotchalcus et Gotchalchus filius fratris sui de Claz 1252 Glatz (GQu. II 15). Als FN.: Wernhenus Gotthschalk(inne) 1317 Liegnitz (UB. S. 39); Peter Gotschalk 1446/47 Görlitz. Auch in Liegnitzer Stadtbüchern von 1517–1618 lautet der Name noch immer Got(t)schalk. (Mitt. 14).


Gottwald (Landeck [20] Glatz [7] Hirschberg [21] Görlitz [19] Liegnitz [13] Bunzlau [7] Beuthen [9] Oppeln [5])

So durchsichtig und einfach der Name aussieht – man könnte ihn für pietistischen Ursprungs halten, wenn er nicht älter wäre –, so kompliziert ist sein Ursprung. Denn die urkundlichen Schreibformen lauten vor 1400 immer: Got(e)wold, Got(e)bold, ja sogar Gotefold! Der seltene altdt. TN. Godovald (Fm². Sp. 685) kommt nicht in Frage, da seit dem 9. Jh. nicht mehr belegt; er müßte im übrigen Godolt lauten (so a. 821). Es ist vielmehr der ostfränkisch-thüringische Name Gotebold (Fm². 677), im 12./13. Jh. beim Adel beliebt (Gotebold, Graf v. Henneberg

u.v.a., vgl. Dobenecker, Regesta dipl. Thuringiae Bd. 2). Die bilabiale Spirans w für mhd. b begegnet noch in heutiger Mundart: lausitz., gebirgsschles. und besonders glätzisch, wozu die Häufigkeit des N. in der Grafschaft stimmt! (Vgl. E. Korkisch in: Dt. Volksforschg. 1, 1939, wo auch ein Wenczl Liboldt: Liwold 1538 Zwittau.) – Belege: Gotboldus de Waldow 1349, (UB. Liegnitz. Nr. 159). Als FN.: Peter Gotbolt und Pecolt Gotbolt, Brüder 1329 Schweidnitz; Gunczil Gotefold gebur 1358 Steine bei Glatz; Hannos Gottewold(is) 1381 Sorau Land; Hannus Gotwold 1393 Glatz.; Gotwald(ynne) 1409 Glatz; Gottwalt, Bäcker 1465 Freiburg. Vgl. in Alt-Breslau: FN. Kottheboldus (Rcht. 52). Nic. Gotwald, Johanniter 1403 (Brieg).


Günther (Liegnitz [63] Görlitz [58] Grünberg [8] Hirschberg [16] Brieg [8] Öls oft, Oppeln [10] Neisse Ratibor Beuthen [8]) nebst KF. Günzel (Görlitz [23] Liegnitz [13]; Oppeln [0]!), Ginzel.

Der umgelautete germ. PN. Gunther (vgl. Nibelungensage!) – Belege: Gunther mwgerer, Anne s. Frau = Gunczil mwirir, Anna s. Frau 1360 (Rcht. S. 13). Die KF. Gunczil häufig belegt, vgl. Rcht., Bw. usw. – Belege: Guncelinus filius Guncelini 1307 Breslau; Gunczelinus Grecz faber 1352 Liegnitz; Hannus Gunczil 1412 Görlitz; Lorencz Gunczil 1448/49 Görlitz; Hensil Gunther 1421/22 Görlitz; Ffrenczil Gunter 1444/45 Görlitz, u.ö. ebd.; Heynrich Gunther 1372 Liegnitz; her Gunther prabist 1409/22 Liegnitz. Vgl. auch Gunczold (Gunczil) genant von Feltheim 1427 (Cod. Sax. I, B. 4).


Gundermann: aus altgermanischem Gund(e)ram, wie Sindermann aus Sindram. Vgl. dies! Schon Name eines Burgunderkönigs, Enkel Chlodwigs. Noch im 13. Jh. fränk. nicht selten in vornehmeren Kreisen; bei Großvater und Enkel (!) in Breslau 1348: Kath. Gundrams tochtir, Hannus Gundram und Gundram ihre Söhne!


Gutsche (Grünberg [41] Glogau [12] Neusalz [9] Sagan [7] Görlitz [11] Liegnitz [14] Brieg [8]), auch Gutsch, Gutscher (Liegnitz [4]), Gutschner (Brieg [2]), Gutschke (Liegnitz [4]), Gutschker (Liegnitz [2]).

KF. von Gotschalk (siehe unter Gottschling!) Auffallend ist die Häufigkeit im Neiderland! Vgl. daher den FN. Kutsche nebst Kutscher, Kutschke und Kutschker! Auch Gubisch neben Kubisch! Auch im ON. Gutschdorf steckt Gottschalksdorf. – Belege: Guczcze Predil (unser Getreuer) 1388 Liegnitz (UB. Nr. 343). Gotsche vnd Hannos Schoff gebrudere von Greyffensteyne, ir fetter Hannosz Gotsche offinn Kynaste 1449 (UB. Liegnitz Nr. 746), das schles. Grafengeschlecht der Schaffgotsch! Christoff Schoff, Gottzsche genanndt 1596 Görlitz; Henczil Gocze (Goczin) 1350 Görlitz (Jecht S. 12); Olbrecht Gocze der goltsmet 1380 Görlitz; Lorencz Gotsche 1456/57 Görlitz.


Güttler (Görlitz [9] Liegnitz [9] Glatz [8] Oppeln [13]), Gittler (Bunzlau), Güttel (Oppeln Neustadt Liegnitz), Gittel

Der weibl. TN. Gutil und die -er-Ableitung Guteler sind für das 14. Jh. in Breslau und anderwärts bezeugt; es sind Sproßformen von altdt. Guta „die Gute“. Socin (55) belegt für Alt-Basel mehrere Gute, Förstemann (660) aus germ. Zeit Godila. – Belege: Juncfrowe Gutil hern Joh. von dem prws swestir 1349 Breslau (Rcht. 33); ebd. FN. Guteler (S. 58, 66). Gutelin uxor Rulen de Eczilsdorf 1422 (Cod. dipl. Sax. I, B. 4). Als FN.: Gristoff Gutel 1454/55 Görlitz; Baltazar Güttel 1520 ff. Liegnitz; Gregor Gueteler 1389 Görlitz; vgl. Petrus Gutler 1384 Sillein (Weinelt S. 100); Fabianus Gutler 1423 (Güttler 1429) ebd. (S. 104/105).


Guttmann (Liegnitz [6] Oppeln [5] Beuthen [18] Ratibor Neisse Görlitz) ist KF. zu Gut(t)wein (Liegnitz [4] Görlitz [8]), wie Gießmann zu Goswin. Vgl. ON. Guttmannsdorf (Kr. Reichenbach) = Gutw(e)insdorf. – Belege: Guthwinus (Gud(e)winus) miles dictus de Tristewitz cum filiis Volzch et Guthwino (!) 1285/98 (UB. Kl. Dobrilugk S. 89 und 63). Cunczo Gutwyn 1381 Liegnitz; Jocoff Gutmann 1426 Görlitz; Caspar Guttmann 1547 Liegnitz.


Hampel (Liegnitz [26] Görlitz [24] Bunzlau [11] Hirschberg [9] Öls [12] Trebnitz [4] Oppeln [11] Neustadt [18] Ratibor [7] Beuthen [22]) seltener Hempel, Himpel; ohne l-Suffix: Hampe, Hempe, Himpe. Patronymisch = Hampler.

Die e-Formen sind nicht, wie man bisher annahm, Umlautformen; vielmehr sind die a-Formen die jüngeren, auf dem mundartl. Wandel von e zu a beruhend

und vor dem 15. Jh. nicht belegbar. Der Name geht zurück auf den süddt. Taufnamen Heimpel, KF. zu altdt. Heimprecht (Fm. 732: heim „Heim“, bercht „berühmt, glänzend“), FN. Hemprich, Hamprecht. Zum Lautwandel ei = e (i) vgl, Heinke(l) - Henke(l) - Hinke(l). – Belege: Hempil Nunenvoyt 1369 Görlitz; Hempil Jungenitsche 1383 Liegnitz; Hempil Geyze = Hempe G. 1372 Liegnitz; Paul Hempel 1495/96 Görlitz; Frantze Hampil 1422 Goldberg. Nickel Hympel 1486/87 Görlitz. Patr.: Hempeler 1381 Sorau Land. Vgl. die FN. Hampelmann und Hempelmann.


Harbig(-ich) (Landeck [9] Glatz [6] Liegnitz [4] Görlitz [2] Hirschberg [2] Neisse), mundartliche Form von Herbig (Görlitz [11]), d.i. Herwig (Görlitz [6] Liegnitz [2]).

Altdt. TN. (Socin 145), bekannt durch die Gudrunsage (Gudruns Verlobter). (Fm². Sp. 781). Die mundartl. a-Form ist glätzisch. – Belege: Herwyg, Bruder Heinrichs des statsschribers 1352 Breslau; Niclas Herwig 1427 Liegnitz.


Härtel(t) (Liegnitz [42] Görlitz [35] Hirschberg [12] Öls [4] Oppeln [5] Ratibor [4]), seltener Hertel(t) (Görlitz [10] Liegnitz [2] Beuthen [5]), mundartl. Hartelt (Neisse), patron. Härtler, Hertler (Görlitz).

KF. mit l-Suffix von den altdt. TN. Hertwig, Hartlib, Hartman, Hartung, die für Schlesien bezeugt sind. – Belege: Hertil von Glogow 1345, Hertil s. Sohn 1348 Breslau (Rcht. 13); Hertlo (Hertlinus) garnczuger 1342/43 Liegnitz; Joh. Hertlini calcifex 1349 Liegnitz; Hertil 1359 = Hartung 1351 (Grafsch. Glatz); Petir Hertil 1372 ff. Valten Hertel von Moys 1530 Görlitz.


Hartlieb (Liegnitz [5])

Der altdt. TN. Hartlib (hart = kühn) zählt in Schlesien zu den ältesten. - Belege: Hartlip pellifex 1299 consul Breslau (Rcht. 13); Hartlib v. Münsterberg 1311 Neisse; Harthlibus de Lemberg 1317 Liegnitz; Hartlib koler 1360 = Hartman k. 1357 = Hartusch k. 1356 Breslau (Rcht. 13). Nitsche Hartlib 1372/86 Liegnitz, Joh. H. Abt 1408 Breslau (Cod. 4, 42); Hanke Hartlip 1332 ff. Ratsherr in Breslau, Kinder: Hannos, Hartlip (!), Katharina usw. (Rcht. 45), vgl. den gleichen Fall unter Helbig!


Hartmann (Görlitz [111] Liegnitz [48] Hirschberg [24] Öls [12] Beuthen [13] Oppeln [11]).

Seit alters beliebte KF. von den altdt. Namen mit Hart- (hart = kühn), wie Hartlib, Hertwig, Hartung u.a. (vgl. Socin S. 20 und Rcht. S. 24 unten). – Belege:[GWR 9] Hartman koler 1357 = Hartlib k. 1360 = Hartusch k. 1356 Breslau (Rcht. 13); Ticze Hartman 1369/72 Liegnitz; Hannus H. 1422 Liegnitz; Nickel H. 1452 Görlitz, u.ö. ebd.


Hartwig (Glatz [17] Hirschberg [7] Liegnitz [6] Görlitz [14] Grünberg [4] Neisse Beuthen [7]), mit i-Umlaut Hertwig (Görlitz [9] Liegnitz [9] Neisse), Härtwig (Grünberg [7]).

Auch Hattwig, -wich (Glatz [8] Liegnitz [5]) wie kattause statt Kartause (1566 Liegnitz). Als TN. schles. selten, nebst KF. Hertel (heute bes. thür.), vgl. Hertil v. Glogaw (1345 Breslau), Hertil s. Sohn. – Belege: Artwicus 1252 Breslau (Rcht. 42); Hertwicus de Nostiz 1289 (Cod. 4, 320). Als FN.: Hannus und Jocob Hertwig (1389) 1410 Liegnitz; Pauwel H. 1431/32 Görlitz. Auch in ON.: Fricze von Hertwigswalde, Goldberger Bürger.


Hau(c)k (Glatz [16] Landeck [12] Habelschwerdt [8]), Hau(c)ke (Görlitz [12] Liegnitz [6] Neisse Beuthen [11]).

Besonders in der Grafschaft Glatz verbreitet. Es ist der altdt. TN. Hug, KF. von Hugibert u.ä. (Fm². Sp. 922. Socin 24), Beiname der Franken. Vgl. Wodans Raben „Hugin“ (Gedanke) und „Munin“ (Gedächtnis). – Belege: Her Huge von Donyrstein, Burggraf zu Glatz 1351 ff.; vgl. dazu den ON. Hugisdorf, heute Hausdorf/Glatz und das adlige Geschlecht von Hug(e)wicz = Haugwitz (Grafschaft). Hannes Hauk (1400 Habelschwerdt), Lorencz Hawg (1440 Habelschwerdt) = L. Hewg (1437 Habelschwerdt); Nicklas Hewke (1407 Glatz); Wilhelm Haug (1512/13 Görlitz).


Heidrich (Görlitz [41] Liegnitz [26] Bunzlau [8] Hirschberg [17] Neustadt [7] Beuthen [5]), in obd. Form Heidenreich (OS: Beuthen [9] Oppeln [7] Neisse oft, Neustadt [5]), mda. Hädrich (Glatz).

Altdt. Taufname Heidanrich, aber einer jüngeren Schicht angehörend, wie der

Einfluß des Christentums zeigt: über die Heiden herrschend. Vgl. Soc. 210. Von Fm. fälschlich zu haid „Art und Weise, Schönheit“ gestellt (Sp. 726). – Belege: Heydenricus de Molheym 1321 (Rcht. 13); Heidenreich Stosch(e) 1354 Neisse. Als FN.: Mathis Heidenrich (1372) 1397 Liegnitz; Heydereich 15. Jh. Glatz.; Peter Heiderich 1453 Görlitz; Vitus Heydenreich 1494 Görlitz.


Heisig (nur OS: Neisse oft, Neustadt 1 Spalte! Beuthen [11] RB oft), Heising.

Vermutlich Ableitung von Heise, der KF. von Heid(e)rich (siehe dies). Auffallend ist die Häufigkeit in Neustadt, wo man an tschech. Einfluß denken könnte. – Belege: Heyso apothecarius 1287 Reg. Nr. 2042 (Rcht. 14); Hensil Heyze (z = s) 1381 ff. Liegnitz; Hannos Heyze und Heinrich Heyze in Alt-Breslau (Burdach Bd. 9); Urban Hesing 1427/28 Görlitz, mit mundartl. e.


Helbig (Grünberg [40] Neusalz [18] Sagan [13] Görlitz [24] Liegnitz [18] Bunzlau [14], Hirschberg [5] (ä), OS-[00]!) mit Tonerhöhung Hilbig (Görlitz [24] Liegnitz [6] Hirschberg [7] Neurode [6] Neisse), urspr. Hel(l)wig (Liegnitz [10] Görlitz [7] Grünberg [3]); selten Hillwig, Hilbich, Hälbig, Helbing. Mundartl. Halbig.

Zugrunde liegt Heilwig, das seit alters vorwiegend als Frauenname gebraucht wurde („heil, gesund“ und wih = heilig, geweiht, bzw. wig = Kampf). Vgl. Förstemann Sp. 729: Heilwic(h) öfter, 11. Jh.; auch Socin S. 56: Heilwigis, Helwigis öfter als fem. im 13. Jh., aber auch als masc.: Helwigus, Helwicus, Helwich, gegen 1300 im Elsaß, ebd. S. 22, 144, 597. Als FN. dürfte auch metronymischer Ursprung vorliegen: Ruedi fro Heilwig (= der Frau H.) Bauer i. Breisgau, Wernli Froheilwig ebd. (Socin S. 144). Der Wandel von lw zu lb wie in mhd. swalbe = nhd. Schwalbe. Ein Martin Helwig ist der Schöpfer der ersten Karte Schlesiens im 16. Jh. Siehe auch Hel(l)mich! – Belege: Helwig de Boleslawicz 1264 Breslau; Helwicus de Molnsdorf 1357 (Cod. 4, 24); Helwig, Sohn des Nickil Mertin 1357 Breslau; beachtenswert ist Helwyg und Hannus, Söhne des Hentschil Helwyg von Lemberg 1375 Liegnitz, wo sich der VN. des Sohnes mit dem Zunamen des Vaters deckt (vgl. hierüber ausführlich Reichert S. 45–47). Das fem. Heilwig (14. Jh.) in Breslau bzw. Brieg (Rcht. 33), fem. Helwig 1310 u.ö. in Görlitz (Jecht S. 7). Als FN. ferner Hannus Helbig 1427 Görlitz; Michil Hilbing 1458 Görlitz; Pe. Helwig 1383 Freiburg. Patr.: Hanns Helwiger 1468 Görlitz; Christoff Hilbiger 1496 Görlitz.


Hel(l)mich (Liegnitz [14]] Glatz [10] Sagan [5] Görlitz [3] Ratibor [6] Neisse), Halmich (Landeck [2]).

Im Mittelalter in Schlesien nicht vorkommend, so daß man spätere Zuwanderung aus Niederdeutschland annehmen könnte, wo Helmich westfälisch und holsteinisch als Schleifform für Helmwich bezeugt ist wie Hartich für Hartwich (z.B. Helmich v. Horst = Helmwich v. Horst 1257/58 Westfäl. UB 3, Bahlow Stralsund S. 7). Doch macht der Name bodenständigen Eindruck, weshalb eine jüngere Nebenform von Helwig vorliegen wird, zumal Gottschald (Dt. Namenkunde² 940, S. 272) Helmick als prussische N.-Form von Helwig anführt (mit welcher Gewähr?). Vgl. dazu die Formen Helbig – Halbig und ihr Verbreitungsgebiet. Vgl. auch die Belege unter Helbig!


Herden (Liegnitz [4] Görlitz [3] Glatz [2] Neurode [12] Oppeln [6]), Herdan (Liegnitz [1]).

Die Erklärung liefert der Name des Breslauer Ratsherrn Herdegen (1266), der auch Herden genannt wird; -degen ist zu -dein (-den) kontrahiert, wie in Herdein 1291 Leubus, Herdeynus 1311 Erfurt, Herdeinus (Herdenus) 1277 in Bayern (Mon. Boica). Ferner Herdenus 1282 Bautzen, Herden 1305 Neiße, Herden wagner 1328 Schweidnitz, s. Bruder: Syboto W.; Herdan schuwurcht 1348 Breslau, Herdan von Luterbach 1416 Görlitz. Der Name Herdegen ist fränkisch-thüringischer Herkunft; fehlt bei Socin, also im alemann. Raum. Vgl. auch Hirdan pellifex 1368 Friedberg/Hessen = Herdung p. 1361 ebd. Als FN.: Petsche Herdan 1383 Liegnitz, Michil Herdan 1388 Görlitz. Die Variante -an statt -en verleitet Maiklosich (Nr. 91), an tschech. hrdan = grdan zu

denken, eine unberechtigte Konstruktion, trotz des FN. Girdan 1380 ff. in Liegnitz. Das Dorf Herdain, heute Stadtteil von Breslau, ist nach seinem Gründer benannt, einem Breslauer Ratsherrn des 13. Jh. aus dem Geschlecht der Herd(eg)en (Hefftner S. 16), vordem hieß es Goy (Rcht 93).


Hilbrich(t) (Görlitz [7] Liegnitz [6]), -brig (Görlitz [5]), Helbrecht (Görlitz).

Bisher fälschlich von Hildebrecht abgeleitet; zugrunde liegt vielmehr der in Schlesien mehrfach bezeugte altdt. TN. Helmbrecht (Fm. 809), zerdehnt Hellenbrecht, gekürzt Helbrecht, in mundartl. Form schließlich Hilbrich, wie auch Hellwig (aus Heilwig) über Helbig zu Hilbig geworden ist. Im deutschen Schrifttum ist der Name bekannt durch die älteste deutsche Dorfgeschichte, den „Meier Helmbrecht“ von Werner dem Gärtner (um 1250). Die beiden Ortsnamen Helmbrechts in Oberfranken und der Oberpfalz deuten auf die Heimat des Namens hin. – Belege: Hellenbrechtus scabinus 1254 = Helbert 1255 (Reg. 903, Rcht. 14). Als FN.: Arnoldus Hellenbrecht 1349 Liegnitz; Augustin Hellenbrecht 1520/25 Görlitz.


Hildebrand(t) (Görlitz [84] Liegnitz [4] Hirschberg [5] Neustadt [7] Ratibor Neisse Beuthen [8]), Hillebrand (Neisse, Neustadt).

Altgerm. Taufname: der berühmte Held der Hildebrandsage und des Nibelungenliedes. Die KF. siehe unter Brendel! Als TN. in Alt-Schlesien ganz selten. – Belege: Hildebrandus monetarius 1306–10 Breslau; Petsche Hildebrand 1383 Liegnitz; Steffan H. 1416 Glatz; Martin Hillebrandt 1464/65 Görlitz.


Hilger (Görlitz [9] Liegnitz [4] Bunzlau [3] Hirschberg [4] Neisse), Hilger-, Hellgermann, selten Hilliger (Görlitz [3]).

Altdt. Taufname Hild(e)ger (hild = Kampf, ger = Speer), im Rheinland beheimatet. In Schlesien nur als Familienname vorkommend, also Zuwanderer! Bemerkenswert ist der Antritt von -man an den Vollnamen! – Belege: Henlinus Hildeger 1352 Glatz; Adam Hildiger = A. Hilliger 1453 Liegnitz.


Hiller (Görlitz [38] Liegnitz [25] Hirschberg [7] Glatz [11] Neisse, Neustadt [8] Öls [11] Oppeln [10] Beuthen [7]), Hillert (Görlitz). Hillner (Neisse, Neustadt).

Beides er-Ableitungen vom Frauennamen Hille (Görlitz [7] Liegnitz [6]) und seinem Genitiv Hillen, der KF. von Hildegund. Die Beliebtheit des Namens im MA. geht auf die Sage von Walther und Hildegund zurück! Beweisend ist die Form Vornhiller (1313): vorn entstellt aus vro(uwe)n, also „Sohn (oder Mann) der Frau Hille“. Das oberschl. Hylla (Oppeln [20]), Hill (Oppeln [16] Beuthen [4]) scheint Polonisierung zu sein. – Belege: Hildegunde, Frau des Hensil Wras 1361 Breslau (Rcht. 33); Hildegund um 1305 Görlitz (Jecht 7); Hille, Fr. des Ticze vitryber 1345 Breslau; Hille gleserinne, Heinke gleser ihr Sohn 1346 Breslau; Hille und Heilwig, Schwestern des Tilusch vom Brige 14. Jh. Breslau (Rcht. 33); Hille 1357 Glatz (Gräbisch 155); Hilla Becherinna um 1310 Görlitz (Jecht 27); Mertin der Hille 1381 Sorau Land; Herman Hillen 1381 ebd.; Niczcze Hillen schultheysin son von Segerdorf 1364 (Liegnitz UB. S. 166); Heinke Hillen hat ufgereicht derselben Hillen syner elichen Husvrowen 1346 Breslau; Hermanus Hille 1362 Brieg (Cod. 9, 32), Lorencz Hille czu Kosdaw 1417 Liegnitz; Thomas gen. Vornhiller 1313 in Massow Krossen (Cod. XVI); Merten Hyller 1547 Liegnitz; Nicclos Hylner 1397 Liegnitz; FN. Hil(l)ner öfter 15. Jh. Görlitz; Andreas Hillner 1540 Liegnitz; Andreas Hilner (Helner), Scholz zu Paulau 1531/33 (Cod. 9: Brieg).


Irmler (Grünberg [34] Görlitz [4]), Irm(i)scher, Irmisch.

Irmel und Irmusch waren KF. von Irmentrud (siehe unter Ehrentraut!). – Belege: Irmiltrud Weberynne 1384 Liegnitz; Irmetrut herbordinne 1350 Breslau; Nicklos v. Crampicz und vrowe Irmyl 1370 (Cod. 4, 207); Peter Polen, Irmil s. Frau 1346 Breslau; Irmusch 1352 Breslau (Rcht. 33). Als FN.: Hannus Irmeler 1415/16 Görlitz (u.ö); Hedwig Irmeler 1428 Liegnitz (UB); Joh. Irmler plebanus 1558 Glatz. Vgl. auch Rcht. S. 66. Zu Irm(i)scher vgl. Al(i)scher, Hielscher usw.

Iwan(d) (Görlitz Liegnitz Beuthen [5]).

Das Vorkommen in OS. und der Russe Yban 1395 (Rcht 19) lassen zwar an die russ. Form Iwan für Johann denken, doch deuten die alten Belege zusammen mit dem ebenfalls bezeugten Gawein auf Ursprung aus der höfischen Artusritterepik (Hartmann v. Aue: Iwein!) Die Form (-an) ist die Wolframsche (vgl. Kegel S. 44 ff.!) Vor allem das vornehme Brüderpaar: Ivanus et Waliwanus fratres de Provin 1296, Cod. 10, S. 50 (Walwan = Gawein, vgl. Kegel S. 114 ff.). Als FN. ca. 1372 in Liegnitz: Nicclos Ywan (GB I 1a); Dominus (!) Iwan 1301 Breslau (Cod. 3, 5). Ferner Ritter Gawinus (de) Abscacz 1332 (UB. Liegnitz) Nr. 97); Hannos Gawen, hewbtman von Liegnitz 1396/1409 (Stadtbuch I). Vgl. auch Jungandreas: Festschr. f. Th. Siebs 1933. Gawinus Eustachii, Kastellan in Liegnitz 1351 (UB. Liegnitz Nr. 180).


Kintscher (Glatz [9] Sgl[GWR 10] [7] Neisse Görlitz [6]), Küntscher (Görlitz).

Die Formen Künischer 1756 in Glatz(!) und Könuscher nebst Konusch in Alt-Breslau (Rcht. 33, 59) führen zurück auf den beliebtesten weibl. TN. deutscher Abkunft: Kunigunde, den N. von Heiligen und Fürstinnen, dessen KF. Künne ebenfalls als FN. fortlebt (Görlitz [5]), entrundet Kinne (Neisse oft, Beuthen [4]). In Liegnitz z.B. sind von 1350–1399 27 Kunigunde nachweisbar gegenüber 14 Hedwig, 9 Gertrud und 5 Adelheid. Zur Form vgl. Alscher, Hielscher usw. – Belege: Kunegunde von dem Tincze 1347 Breslau = Cunne von dem Tincze 1348 (Rcht. 33); Cunne von bancz 1352 Breslau = Kynne (y = ü) von bancz 1369 (Rcht. 33); Petir schryber, Frau: Cunne bzw. Könusch 1384 Liegnitz (Bw, Diss. 114). Peter mit der Kunne neben Peter mit der Kethe 1393 Görlitz; Heynke Waynknecht, Frau: Konusch 1371 Breslau (Rcht 33). FN. Konuscher in Alt-Breslau (Rcht 59).


Konrad (Liegnitz [19] Görlitz [6] Hg [3]), Conrad (Görlitz [30] Liegnitz [33] Sagan [15] Schweidnitz, Hirschberg [19]).

Der altdeutsche Taufname Kuonrat (kühn im Rate), im ganzen Mittelalter beliebt. „Der früheste Träger (dieses Fürstennamens), der uns geläufig ist, war der fränkische König Konrad I; von ihm übernehmen ihn zunächst der stammverwandte Salier (Konrad II.) und dann die Staufer (Konrad III. und IV. und Konradin), die ihm Fortleben und weiteste Verbreitung über Fürsten und Volk sicherten“. (Edw. Schröder, Dt. Namenkunde, 1938, S. 76).
In Schlesien gab es vier Herzöge dieses Namens, die man unterschied als: Konrad der Wysse, der Swarcze, der Rote, der Kale. Vgl. auch unter: Kuhnert, Kühn, Kunze, Kunick, Kühnel.


Kühn (Görlitz [96] Liegnitz [46] Hirschberg [23] Oppeln [6] Beuthen [10] Neustadt [0!]).

KF. zum altdt. TN. Konrad (Kunrad), im 14. Jh. beliebt, im 15. Jh. schon außer Gebrauch. Das Adjektiv „kühn“ kommt nur ausnahmsweise in Betracht, vgl. das unter Feige Gesagte. – Belege für Cune (Cüne) und Cuneman (heute Kühnemann) = Cunrad siehe bei Rcht. S. 14/15 und bei Bw, Diss. S. 106 und 108. Seit dem 15. Jh. nur noch als FN.: Peter Kune von Jenkensdorff 1417/18 Görlitz; Hannus K. v. J. 1421/22 Görlitz; Martin K. v. J. 1421/22 Görlitz; Veczencz Küne 1431/32 Görlitz; Herman Küne 1397 Liegnitz. Als TN. ferner: Küne Gleczer 1356 Sagan (Cod. 4, 298), Küne Wychow ebd.


Kühnel (Görlitz [19] Liegnitz [11] Öls [8] Ratibor Neisse Beuthen [7]), -t, Kiehnelt. KF. mit l-Suffix von Konrad, vgl. Kühn! – Beleg: Cünel Czegenwürgel = Cuncze Cz. 1363 Glatz.


Ku(h)nert (Liegnitz [27] Görlitz [21] Sagan [18] Grünberg [7] Hirschberg [10] Öls [14] Brieg [12] Beuthen [20] Oppeln [12] Ratibor [13] Neisse oft, Neustadt [14]), selten Kunath, Kunoth, Kurnoth, daraus zsgz. häufiger Kuhnt (Görlitz [33] Liegnitz [11] Hirschberg [15]), Kunth (G[GWR 11] [3]), mit Dentalverlust Kuhn (Görlitz [8] Liegnitz Ratibor [7] Hirschberg [4]).

Entstellt aus Cunad, der wendischen Form des altdt. TN. Konrad (Kunrad), vgl. FN. Berndt « Bernad = Bernhard. Vgl. daneben die schles. ON. Kuhnau, Kuhna,

Kunern. – Belege: Cunad Hezler Bürgermstr. Liegnitz 1339 = Cunrad H. 1342; Cunot Linke = Cunad Lynke 1388 Liegnitz; Cunot Vuchsil 1361 Breslau = Cuncze V. 1368 = Conrat V. 1369. Kunnot ist bes. im Landregister Sorau 1381 häufiger TN. Seit 15. Jh. nur noch FN.: Petir Kunet 1491 Liegnitz; Hannus Kunat 1417/18 Görlitz; Bartusch Kunat 1429 (Cod. 4, 47); Paul Cunet 1479/80 Görlitz; Jacob Kundt 1569 Görlitz; Jacob Kunert 1532 Liegnitz; Matz Kunhardt(!) 1546 Liegnitz.


Kunze (Görlitz [43] Liegnitz [20] Öls [9] Neisse oft, Neustadt [20] Oppeln [13] Beuthen [19]), selten -tz-, -z; mit l-Suffix: Künzel (Görlitz [11] Liegnitz [6] Grünberg [6]), Kin(t)zel (Liegnitz [5] Grünberg [9] Neurode [7]).

KF. zu Konrad, seit dem 15. Jh. nur noch als FN. Näheres Kap. I 1 und unter Konrad! – Belege: Cunczil an der ecke 1345 Breslau (Rcht. 15); Kunczlinus sartor 1357 ebd. Cunczlinus pictor 1345 Liegnitz = ? Cunadus p. ebd. (Bbch. S. 9 u. 31); Cuncze von Cracow der mouwerer 1388 = Meister Cunrad v. C. d. m. 1383 = Conrad m. 1390 Liegnitz (Stadtb. I, 31a, 22b, 33a); Cuncze (der) birschroter = ? Cun(r)ad b. 1369/86 Liegnitz; Cuncz(el) sartor 1348/51 Liegnitz. Als FN.: Niclas Cunczel 1404 (Cod. 2, 185); Nicclos Cunczil 1369/83 Liegnitz.


Lamprecht (Liegnitz [5] Görlitz [2] Beuthen [5]), -prich, -pert.

Altdeutsch Land-berht („Land“ und berühmt, glänzend).
Einer der verehrtesten Heiligen des Mittelalters (Lambertus von Maastricht, † 705); Näheres bei Linnartz S. 74. In Schlesien selten, schon im 14. Jh. nur als FN. (!), also zugewandert. – Belege: Lampertus de villa Sifridi (Seifersdorf b. Liegnitz) 1288 (UB. Liegnitz S. 12). Lamprecht der vorspreche 1387 Liegnitz; Nickel Lamprecht 1439/40 Görlitz; auch in Breslau nur als FN. (Rcht. 53). Im 16. Jh.: Lampricht Scheyman = Lampert Schewman 1547 Liegnitz.


Laurin (Hirschberg [1]).

In diesem seltenen FN. des schlesischen Gebirges lebt der Zwergkönig des mhd. Gedichtes „Laurin“ (oder „der kleine Rosengarten“) aus der Tiroler Dietrichsage fort, so wie sich auch alte Belege für Rosengarten finden. In Görlitz 1408: Lauryn ... yn dem marstal (Ratsrechn. S. 564); 1427: Laurein (vgl. auch Cod. dipl. Lus. II u. IV.); auch in Alt-Breslau Lauryn, Laureyn (Rcht 145). Weitere Belege bei Wernicke, für Mitteldeutschland bei Kegel S. 129. Ferner: Clemens Rosengarthen 1438 Vikar in Liegnitz (UB. S. 480); Cunrad vom R. 1387 thür. Ritter (Kegel S. 128).


Leupold (Görlitz [5] Hirschberg [5] Liegnitz), -olt, -elt; Leipelt (Habelschwerdt, Neisse).

Altdt. Liutbald („volkskühn“), in Altschlesien mehrfach in der Form Lupuld (Lupolt), diphthongiert Lewpold. Vgl. den hl. Leopold (Luitpold), Markgraf von Österreich († 1136) und ebd. Landespatron! (K. Linnartz S. 76). – Belege: Lupoldus viceiudex 1272 Matzkirch (Cod. 2); Lupoldus consul 1321 Ratibor (ebd.); Lupuld Arczt der gultsmyd 1397/1406 Liegnitz; Lewpold Zontag 1325 Glatz. Als FN.: Cunczel Lupold 1363 Glatz; Hensil Lewpuld 1369/72 Liegnitz; Peter Lewpold 1417 Görlitz.


Leutloff (Grünberg [11] Sagan [8] Liegnitz [8]), Leitloff.

Altdt. Liut(w)olf, schon im 14. Jh. mit Metathese olf = lof: Lwtelof als FN. in Alt-Breslau (Rcht. 54). – Belege: Der Schweidnitzer Erbvogt Lütke (Lewtke) 1371 (1373) heißt auch Lutolf.


Ludwig (Liegnitz [62] Görlitz [46] Hirschberg [16] Glatz [15] Habelschwerdt [11] Landeck [8] Öls [11] Neustadt [18] Ratibor Oppeln [10] Beuthen [21]), seltener Ludewig (Görlitz [11] Liegnitz [9] Hirschberg [9]).

Fränkischer Königsname, auch schles. Herzogsname. Vgl. die vielen ON. Ludwigsdorf in Schlesien. – Belege: Ludwicus de Rademincz 1280 Liegnitz; Lodwig von Polkinhayn 1360 Breslau. Als FN.: Elze Ludwyginne 1372 Liegnitz; Niclos Ludwig 1408 Görlitz; Marcus Lodwig ader Schultz fleisscher 1503 Görlitz.

Meffert (Liegnitz [4] Görlitz [3]), Mäffert (Görlitz [3]), Maffert (Görlitz [1] Oppeln [1]).

Ausgangsform ist der hess. TN. Mechtfrid, ohne Umlaut Machtfrid, dessen Entwicklungsstufen sich in hess. Urkunden vom 8.–13. Jh. verfolgen lassen: Mach(t)frid, Maffrit bzw. Mehtfridus, Meffridus, Meffrit (vgl. Cod. dipl. Fuldensis und Tradit. Fuldenses, von Dronke). Noch 1463 Meffridus Montebuer (Kölner Matrikel). Die heutige Verbreitung (Niederschlesien, Lausitz) entspricht den alten Belegen: Petir Mefferit 1381 Sorau; FN. Meffrid vor 1400 Breslau (Rcht. 54); Paul Meffert 1572 Liegnitz (Kb. 3); Melchior Meffart 1570 ebd.
Maffert ist jüngere mundartl. Form, vgl. Klammt für Klemmt, Hampel für Hempel usw. Vgl. auch die ON. Meffersdorf, Kr. Lauban und Maffersdorf in Böhmen (2 Orte), dessen urkdl. Formen im „Sudetendt. Ortsnamenbuch“ H. 1, S. 36 verzeichnet sind.


Menzel (Görlitz [129] Liegnitz [75] Hirschberg [60] Sagan [26] Neusalz [14] Öls [13] Glatz [7] Neurode [9] Neustadt [7] Ratibor [5] Beuthen [22]); Patr.: Menzler (Neustadt [8] Ratibor [4] Oppeln [2] Liegnitz [2]), Menzelmann (Neisse).

Einer der häufigsten und markantesten FN. Schlesiens, im 14. Jh. beliebte KF. vom altdt. TN. Herman (bei den Tschechen auch Heiligenname!). Mit dem 15. Jh. kommen Voll- und Kurzform außer Gebrauch, die kirchl. Fremdnamen dringen vor. Zu Menzler vgl. Seidler, Michler, Hensler u. a. – Belege: Hermenczil (!) 1363/65 Breslau = Hermenchin = Hermanchin ebd. (Rcht. S. 14); Johannes Hermenczil 1344 Liegnitz (Bbch. 30); Nycolaus Hermenczil pistor 1349 Liegnitz (UB.).
Menczlinus Steinochsil 1328 (Cod. 22); Mencil Altpulser 1328 Schweidnitz; Mencelin von Lantbewe 1324 (Cod. 18); Menczil habelust 1351 Breslau (Rcht. 14); Menczil Meynloch vor 1400 Schweidnitz; Menczil Keyser vor 1400 Striegau; noch 1426 Menczil meyssener (Liegnitz, Schöpp., 38b).


Merbt, Mirbt: Adelsn. Marbod. – Belege: Merbot v. Hugewicz 1369; Merboto v. Czedelicz 1439; Merbot Peschen 1380 Breslau.


Nentwig, Nentwich (Glatz [21] Neurode [5] Landeck [4] Schweidnitz [13] Liegnitz [5] Görlitz [7] Neisse Oppeln [5] Beuthen [5]).

Altdt. TN. (nand = kühn, wig = Kampf), in Schlesien nur als FN. (seit dem 16. Jh.) belegt, besonders gebirgsschlesisch (Grafschaft Glatz!). Aus dem Südwesten (Elsaß) bringt Socin, Mhd. N.buch 29, mehrfach Belege für den TN.: Nantwigus, Ritter 1186; Nentwigus, Bauer usw. – Belege: George Nentwig 1534 Liegnitz. Der Name ist jüngere Umkehrung von Wignand (siehe Weinhold)!


Nieblich (Breslau), Niebling (Breslau), Neblich (Ratibor [4]), Näbelung (Sagan [1]).

„Sohn des Nebels, der nebligen Unterwelt“. Nibelung ist seit dem 8. Jh. als TN. bezeugt, verbreitet durch die germ. Heldensage, wo er der erbliche Beiname für den Besitzer des Nibelungenhortes ist, in der deutschen Sage also für die Burgunderkönige. Zahlreiche Belege, bes. aus seinem Heimatgebiet am Oberrhein, aus d. 12./13. Jh. hat Socin S. 568–570 beigebracht. – Belege: Nitsche Nebelung der botener 1381 Liegnitz, Jacob Nebelung 1438 Liegnitz; Valten Niebli(n)g 1558 Liegnitz, u. a. (Tschersich).


Obst (Görlitz [22] Liegnitz [22] Sagan [6] Schweidnitz oft, Glatz [4] Hirschberg [3] Neisse Ratibor Oppeln [9] Beuthen [7] Öls [4]).

Wahrscheinlich kontrahierte Form von Opitz (Siehe dieses!). Mhd. obisser (Alt-Breslau) „Obsthändler“ und der slaw. TN. Obislav sind zu selten, als daß sie in Betracht kommen könnten. Für die mundartliche Verkürzung zweisilbiger Wörter vgl. man folgende Beispiele: Vgl. ON. Babst in Mecklenburg: 1120 Babic, 1254 villa Babece, 1319 Babitze (altslaw. baba) patron. „die Nachkommen des oder der Baba“ (Kühnel S. 22). ON. Tschirbitz/Liegnitz: mdal. Tschirbs!

Opitz (Görlitz [40] Hirschberg [38] Liegnitz [27] Glatz [5] Neustadt [0]! Oppeln [7] Beuthen [3]), Opatz (Breslau [8] Beuthen [4]), wahrscheinlich auch Obst (siehe dies!).

Die ostmd.-schles. KF. von dem altdt. TN. Albrecht, der dem heiligen Adalbert (Prag) seine außerordentliche Beliebtheit verdankte, lautete Apecz, mdartl. Opecz, wohl unter slaw. Einfluß geformt; in Thüringen-Obersachsen ist dafür die Form Apel häufiger. Urkdl. Beweise mehrfach bei Bahlow, Diss. S. 108, bei Jecht S. 3 u. 12, bei Rcht. S. 12. Hier nur folgende Beispiele: Albertus monetarius um 1298 Görlitz = Apecz der muncemeister genant, um 1315 ebd. Albertus Pistor = Apecz P. 1297/1311 Dresden; Albrecht Berngeri 1310 ca. = Apecz Bernger, Görlitz (Jecht 12); Apecz von Bancz = Opecz v. B. 1345 Breslau; Opez Tribilwiz 1314 Liegnitz. Noch 1445 in Glatz: Opitz Czirnaw, 1443 in Liegnitz: Opitcz Heyn. Als FN.: Hanco Apecz 1381 = H. Opecz 1383 Liegnitz. Vgl. auch Ulbrich! (Vgl. b. Stark S. 145: „Gariperga ... filia olim Alberti, Albizo vocati“ (a. 1024) ebd.: Opizo = Otbertus (marchio, filius Otberti II.) a. 1053.


Örtel (Liegnitz [5] Görlitz [3]), Örtelt, Ertel, Ertelt (Liegnitz [5]).

KF. zu den altdt. TN. Ortlib, Ortolf u. ä., die Reichert z. B. für Alt-Breslau belegt, auch Jecht für Alt-Görlitz; nicht gerade häufig, eigentlich oberdeutscher Herkunft (vgl. z. B. Urk.-Buch ob der Enns, 13. Jh.). – Belege Ortel et Nicolaus frater suus 1365 Breslau; parvus Ortelo 1316 Schweidnitz; Ortilinus colorator 1338 Görlitz; Ortolf 1365 Görlitz; Niclas Ortel 1410 Glatz.


Oswald, Osswald (Breslau Görlitz [4] Grünberg [3]), Ostwald (Görlitz).

Altgermanischer TN., aber durch den Kult des heiligen Oswald seit dem 14. Jh. erst verbreitet. Vgl. Nied. S. 72 f., Soc. 44. Vgl. auch die mhd. Spielmannsdichtung St. Oswald und den Minnesänger Oswald von Wolkenstein, geb 1367. – Belege: Oswald Herold, Kreuziger der Ordens St. Johannis 1412 Glatz; Oswald, Sohn Osprands 1412 Glatz; Oswaldus consul 1303–17 Ratibor (Cod. 2, S. 249); Paul Oswalt 1422 Habelschwerdt; Peter Oswald 1532/33 Liegnitz; Oswald messirir 1360 Breslau.


Otto (Görlitz [68] Liegnitz [32] Neurode [12] Neisse Ratibor [10] Oppeln [13] Beuthen [8] Neusalz [5]), Otte (Liegnitz [11] Görlitz [8] Glatz [9] Neisse oft, Neustadt oft, Oppeln [4] Beuthen [5]).

Altdt. Kaisername, bes. seit Otto dem Großen beliebt; dann auch durch den Pommernapostel Bischof Otto von Bamberg nach Ostdeutschland verbreitet, in den Bistümern Meißen und Breslau durch die Benediktiner. Die volkstümliche Form lautete stets Otte. – Belege: Otte heftiler 1345 Breslau; Ottil sniczer 1348 Breslau; Ot Doring 1343 Görlitz (Jecht 5); Ottel paternoster 1372 (1380) Liegnitz. Als FN.: Heinman Otte 1328 = Heinmannus Ottonis 1320 = Henricus Ottonis 1330 Liegnitz (UB.); Michel Otte 1397 Liegnitz; Andreas Ottonis de Nysa 1388 Breslau. Johannes Otto (Ottonis) v. Münsterberg, 1. Rektor in Leipzig 1409.


Rampold, Rampoldt (Breslau Glogau Görlitz), Ramputh (Glogau) KF. Rempel (Görlitz [2]).

Letzter Nachklang des einst beim ostmitteldeutsch-böhmischen Adel beliebten Taufnamens Ramvold, Ranfold der schon im 8. und 9. Jh. südfränk. und hess. begegnet (Soc. 188. Fm. 873 f.), eigentl. Ramwalt, sekundäre Umkehrung von Waltram (-raban, Fm. 1508) wie Ramwolf von Wolfram, Rambert von Bertram; denn in „echten“ Bildungen steht der Wodansrabe nur als Grundwort! – Belege: Ramuoldus, Abt um 1000; Ramboldus de Rodestok 1328; Ramboldus de Crisowe 1269 (UB. Dobrilugk S. 52); Ramvoldus de Eunowe 1245 (Cod. dipl. Sax. 2, 3) = Ramboldus de E. 1245 (Cod. d. Lus. 1); Ranvoldus (Ramvoldus) de Nimans, Burggraf 1289 (1299) (v. Zeschau S. 202); Ramvolt Romolcowicz 1294; Ranwoldus 1301 Glogau (Cod. 16); Ranfolt Stosche 1353 Glatz; Ramuoldus de Rosicz 1385 Breslau; Ranfolt (ebd.); Ranfold de Gerhardstorf 1380 Görlitz; vgl. Herzog Rampold! Ranfeld Brockholz 1444 Liegnitz UB. Als FN.: Frixco Ramvold

1339 Schweidnitz; Ulmannus dictus Rampolt de Ronberch 1330 (Cod. dipl. Moraviae 6, 301); Matis Ramfuld 1456 Glogau (Cod. 28). KF.: Rempil Ratold 1387 Glatz = Rampel Radolth 1388 ebd. (a mda. für e, vgl. Hampel statt Hempel); Rempil v. Nymancz = Ramfold v. N., um 1350 (v. Zeschau S. 309). Conradus Rempil 1347 Breslau, Nickil R. ebd. (Rcht. 147); Maternus Rempel 1387 Breslau (Cod. 3).


Reichel (Glatz [10] Neurode [14] Habelschwerdt [7] Neustadt [16] Ratibor [30] Beuthen [14], Görlitz [14] Liegnitz [5]), Reichelt (Liegnitz [49] Görlitz [29] Neustadt [6] Ratibor [2] Beuthen [11]).

KF. mit l-Suffix (Fm. 1257: Richilo) vom altdt. TN. Richolf, der in Altschlesien mehrfach begegnet (rich „mächtig“ und (w)olf), seltener vom TN. Richart. Man beachte die geographische Verteilung des sekundären t in Niederschlesien und der Oberlausitz im Gegensatz zur Grafschaft Glatz und zu Oberschlesien. – Belege: Rychil vurman 1347 Breslau; viell. = Richart v. 1356 Breslau (Rcht. 15); Richel(in) der Weber 1327 ff. Liegnitz; Henczil, Wenczil und Reichel, Kinder des Nicolaus Schonhals 1401 Breslau (UB. Liegnitz S. 273); Hensil Rychel 1369/72 Liegnitz; Nickil Richil, Richil sein Bruder 1350 Breslau (Rcht. 46); Henricus Richolf 1308/28 Liegnitz; Nitsche Rychulff 1383 Liegnitz; Close Reychloff zu Wiltschicz 1406 nebst Hannus Reychloff (UB. Liegnitz. S. 272 ff).


Reichert (Brieg [19] Neustadt [6] Liegnitz [6] Görlitz [6])

Der altdt. TN. Richard (rich = mächtig, hard = kühn) ist in Altschlesien nicht allzu häufig. Vereinzelt dürfte Reichel (Richel) als KF. dazu gehören: da Richard vurman 1356 Breslau offenbar identisch mit Rychil vurman 1347 Breslau (Rcht. 15). Richart von Gobin 1372 Breslau (Cod. 4,32); Hantsch Richard 1372 Liegnitz; Fridrich Reychart 1456 (Cod. 4,11).


Reinhold (Görlitz [24] Bunzlau [14] Liegnitz [7]), seltener Reinelt, Renelt (mundartl.) nebst KF. Reinsch (Görlitz [20] Liegnitz [16] Sagan [3] Brieg [4] Beuthen [5] Neisse), selten Reinholdisch, Reinholdosch, Reinholdusch; mundartl. Rentsch, Rönsch, Röntsch, (Rönisch, Röhnisch (alle: Görlitz [23] Bunzlau [7] Sagan [5]), Renisch (Sagan [7]), Rentschke (Glogau, Neisse).

Altdt. PN. Regin-wald (Ragin, Regin = Rat; walt-: walten). Vollform und Kurzformen am häufigsten in der Oberlausitz; dort auch die ö-Formen heimisch, vgl. dazu die ö-Formen von Bähnsch (= Benedikt): Bön(i)sch, Böhn(i)sch. – Belege: her Reynold Kaczbach der prister 1380 Liegnitz (= Rynold K., thumherr 1409 Liegnitz); Reinold v. Grimme 1333 Sagan; Reinolt von der Olsin 1348 Breslau; Ernst Reinoldt 1532 Glatz; Reynzko 1292 Ggd. Schweidnitz. (Cod. 7); Reyncz koch lanifex 1372 Breslau; Reinczk slechtinger 1355 Breslau; Rencz wisgerwer 1367 Breslau; Rencz Schof (d. i. Rentsch Schaff, vgl. Knothe, Adel 471 f.) 1401 (1391) Görlitz; Enderlein Reynsch 1445 Görlitz, u. ö. ebd.; FN. Reyntsch 1383, 1388 Liegnitz; Potan Reyntcz, Ratm. 1388 Freystadt.


Reiprich (Breslau Schweidnitz Görlitz [1] Glatz [1]), Reipricht (Breslau), Reibrich (Brieg), Reuprich, Reupricht (Glogau Brieg); Reipert (Öls Breslau), Reipprich (Neusalz), Reupert.

Schon im 14. Jh. begegnet in Schlesien der Taufname Reiprecht und bald darauf auch der gleichlautende FN.; auch der ON. Reppersdorf Kr. Jauer heißt 1371 noch Reiprechtsdorff. Die volle Form dieses altdt. Namens ist Reimprecht (Reinprecht), zsgz. aus Ragin-(Regin-)percht; in Österreich beheimatet. Die vereinzelte i-(y-)Form alter Belege beruht auf der sog. „umgekehrten Schreibung“ (vgl. hierzu Bahlow, Teuth. 3, 33 ff.), gesprochen wurde jedenfalls der Diphthong ei, wie auch aus den Belegen unten hervorgeht; vgl. auch Rynold Kaczbach 1409 Liegnitz = her Reynold k. d. prister 1380 Liegnitz. Von diesem Sachverhalt weiß freilich das Schles. Wb., das ein Reichbert konstruiert, nichts. – Belege: Ripert Unvogil 1311 Schweidnitz (Cod. 16); Heinrich und Ripert gen. Bolz 1318, Ripresdorf (Cod. 18); Reiprech bolcze 1393 Breslau (Rcht. 15); ON. Reiprechtsdorff 1371 (= Reppersdorf Kr. Jauer). Reynprecht von Eberstorff 1451 (UB. Liegnitz, S. 450) = Reymbrecht von Ebirsdorf (ebd. 452) = Rymprecht (ebd. 452), „oberster cammerer in Österreich“ (ebd. 457). Als FN.: Heyncze (Hencze) Ryprecht 1406, 1418, 1420 Liegnitz; Zacharias Reiprecht 1558 = „mit Sacharia Reibrigen“ 1556, (Schles. Wb. 3,372); auch Matcz Reybergk 1526 Liegnitz (15a), da -berg mundartl. -brich (= Mattis Reiprecht 1520 ca. Schweidnitz).

Renger (Görlitz [7] Sagan [2), Rengers (Sagan [1])

Als TN. in Schlesien nicht begegnend, aber mehrmals in schlesischen ON. enthalten, also als Lokatorname auf die frühe Siedlungszeit hinweisend: Rengersdorf 1) Kr. Glatz (alt Reyngirsdorph), 2) Kr. Rothenburg/Gö, 3) Kr. Lauban, 4) Kr. Sagan; (vgl. Schles. Wb. 484) vgl. auch R-dorf/Ndrbay., R-brunn (Unterfrk.), ON. Rengers/Württ. Der TN. Reinger (d. i. Regin-, Raginger) ist nur in frühen obd. Quellen des 12. Jh. und ganz selten (in sozial gehobenen Kreisen) belegbar, so am Oberrhein: Reingerus de Hasenburch 1141, Rengerus de Granfontana 1136 (Soc. S. 31). Auch als FN. erst spät: Nickel Renger 1461/62 Görlitz; vgl. Urban von Rengirsdorf 1400 Görlitz.


Renker (Breslau) ist noch seltenere Nbf., vgl. ON. Renkertshausen neben Rengersbrunn in Unterfranken.

Lautlich vgl. Weinhold, Grammatik 212. Am Oberrhein steht a. 1288 Renker einmal für Re(i)nher! (Soc. S. 31). FN.: (Siffrid) Renker 1303 Erbvogt v. Löwenberg (Cod. 16); Hannos R. = H. Renkel 1390/92 Breslau; Henricus Renkeri 1391 (Cod. 4).


Rudolph (Görlitz [58] Liegnitz [30] Grünberg [9] Sagan [7] Neisse Neustadt Beuthen [7] Oppeln [4]), selten Rudolf (Beuthen [13] Oppeln [6] usw.).

Alter Herzogs- und Königsname, am beliebtesten auf alemannischem Boden; dann durch König Rudolf von Habsburg († 1291) in Österreich, Böhmen und Ostmitteldeutschland verbreitet; schles. und sächs. Herzogsname. Auch die mehrfachen ON. Rudelsdorf in Schlesien, Böhmen, Sachsen lauteten amtl. ursprünglich Rudolfsdorf; bei Rudolphswaldau (Kr. Waldenburg) hat die Amtsstube die Mundartform Rudilswalde (so 1399) verdrängt. Die ON. zeugen von Lokatoren dieses Namens, volkstümlich ist er in Schlesien nie gewesen, schon im 14. Jh. kaum noch anzutreffen; deshalb auch keine heimische KF. dazu! Denn Rüdel (= Riedel) gehört zu Rüdiger! Die Häufigkeit des FN.'s in Görlitz muß auf die sächs. Kurfürsten R. (15. Jh.) zurückgehen. – Belege: Rudolf Truchtlip 1331 Breslau (Rcht. 15); Rudolphus, Abt v. Leubus 1311 (UB. Liegnitz, S. 23), Rudeloff herczog in Slezien 1446 (Cod. 4, 304). Als FN.: Johannes Rudolphi 1414 Görlitz; Lorencz Rudolff 1462 Görlitz; Hans Rudolff 1537 Görlitz; Rudolf 14. Jh. Breslau; Liwing Rudolf 1311 Neisse.


Rücker (Liegnitz [9] Görlitz [7] Glatz [7] Hirschberg [16), Rückert (Görlitz [16] Liegnitz [4] Sagan [5] Hirschberg [1]).

Hinter diesem Namen verbirgt sich der Markgraf Rüdiger des Nibelungenliedes, wie aus urkundlichen Belegen hervorgeht; vgl. mein Deutsches Namenbuch S. 39 und Nied, Fränk. FN. Zu dem sekundären t vgl.: Die Ahnen des Dichters Friedrich Rückert schrieben sich noch Rücker. Die Form selber ist nicht in Schlesien entstanden, sondern hessischen Ursprungs, wie auch der ON. Rückers (Grafschaft Glatz) dem hessischen ON. Rückers (1160 Rutchares) b. Fulda entspricht! Im Kr. Fulda auch ein Rückersberg: 980 Ruotgeresberg! Vgl. hierüber Jungandreas, Besiedlung S. 145. Zu vergleichen sind auch die schles. ON. Rückersdorf Kr. Sprottau und bei Friedland (Böhmen), und Ritterswalde/Neisse (1301 Rukerswalde). Vgl. Sudet. ON. 3,45! – Belege: Jacobus Rukerus 1319 Habelschwerdt = J. Rüker 1335 Glatz; Peschke Rucker 1343 Glatz; Joh. Rücker 1363 Niedersteine/Glatz; Nicolaus Rücker 1375 Glatz; Michel Rucker 1533 Görlitz.


Rüdiger (Liegnitz [6] Grünberg [8] Görlitz [11] Sagan [9] Bunzlau [4], sonst selten); Riediger (Liegnitz [6] Sagan [5] Görlitz [4]), Rüdinger; zsgz. Rüger selten (Hirschberg [10]), meist Rieger (Görlitz [20] Liegnitz [13] Hirschberg [11] Sagan [7] Glatz [4] Reinerz [4], Ratibor = Neisse = Neustadt oft! Beuthen [14]). KF. Riedel (Liegnitz [59] Görlitz [51] Sagan [27] Glatz [16] Sgl[GWR 10] [17] Neurode [9] Hirschberg [10] Ratibor oft, Beuthen [31).

Die Häufigkeit und starke Verbreitung der Koseform Riedel (mit schles. Entrundung) zeugt von der einstigen Beliebtheit des Taufnamens und somit auch des „edlen Markgrafen“ Rüdeger aus der Nibelungensage, für deren Verbreitung in Schlesien auch sonst genügend Zeugnisse vorliegen, vgl. unter Geisler, Günther, Gelfert, Seidel (Seifert) usw. Auch in den mehrfachen ON. Riegersdorf

und Röhrsdorf in Schlesien steckt Rüdeger, wobei bemerkenswert ist, daß die i-Formen oberschles., die ö-Formen gebirgsschles. (von Löwenberg bis Hirschberg) sind. – Die seltsame (mdal.) Nebenform Rediger im Namen des Breslauer Patriziers Thomas R. (16. Jh.) scheint heute ausgestorben; bezeugt ist sie nur vereinzelt seit 1408: Rydiger von Hugwicz 1397 = Rudiger v. Haugwicz 1403 = Rediger v. Hugwicz 1408 (Glatzer GeschQu. II, 12. 29.), Nicolaus Rhedinger 1573 = Niclas Rudinger 1556 Breslau (Codex 11) und Vincens Rudinger 1457 = V. Rhediger 1494 (Schl. Wb. Sp. 325); auch Hans Redinger, ein tuchmacher 1577 Görlitz. Sonst immer ü und i wie in Hans Rühdiger von Rengersdorff 1595 Görlitz; Hans Ridiger 1566 Liegnitz. – Blütezeit des Taufnamens, im Volke stets Rüdel, ist mit dem 15. Jh. fast schon vorbei; seitdem nur noch als FN. (Riedel) anzutreffen. – Belege: Rudlo Steinkeler 1344 = Rudger St. 1359 Breslau (Codex 11); Rudel uffm salczmarckte 1349/60 Breslau; Rudiger Blumenaw 1383 Liegnitz; Rudger Megerlin 1318 ff. Liegnitz; Rudil Schonhals in Alt-Breslau (Rcht. 63); Rudel Hofman 1366 Glatz; Rudyl Epffeler 1367 Glatz. Entrundet schon (selten) 1438 Liegnitz: Hannus Ridel (UB. Nr. 646); Bennedix Ridel 1561 Liegnitz; Paul Rüger (v. Striegau) 1581 Görlitz.


Seibt (Görlitz [52] Liegnitz [16] Hirschberg [7]).

Der altgermanische TN. Sigiboto lautete in mhd. Zeit Sibot, beheimatet besonders in Thüringen. Durch Diphthongierung und Kontraktion wurde dies zu Seibot, Seibet, Seibt. – Belege: Siboto de nobili familia Ovium, Ritter, 1242 Hirschberg (Codex 7,1); Siboto de Zindal 1289 Breslau (Rcht. 15); Jone Sybothonis 1317 Liegnitz; Hentschil Sybot 1372 Liegnitz; Nickel Sybot 1368 Glatz; Walther Goblonis, Frau: Anna (Sybotinne) = Walther Sybothen (!) 14. Jh. Breslau (Rcht. 151); N. Seybot 1448 Glatz; Caspar Seybeth 1566 Görlitz. ON. Seitendorf (5mal in Schl.), alt Sibotendorf!


Seidel, Seidelmann, Seidler siehe Seiffert!


Seifert, Seiffert (Liegnitz [48] Görlitz [82] Sagan [27] Beuthen [21] nebst KF. Seidel (Liegnitz [87] Görlitz [142] Sagan [16] Beuthen [43] Ratibor [18]), Seidelmann (Rengersdf./Glatz [12]) Patr. Seidler[GWR 12] (Görlitz [2] Liegnitz Beuthen [2]). Selten Seydler.

Die gewaltige Verbreitung dieses Namens, besonders der Koseform Seidel, im östlichen Mitteldeutschland spiegelt die Beliebtheit der Nibelungensage im 14. Jh. lebendig wieder. Vgl. auch unter Riedel, Geisler usw. Der TN. Siegfrid, in mhd. Form Sivrit wurde mit r-Umstellung zu Sivert, dann diphthongiert zu Seiffert, im 16. Jh. z. T. zu Seifart. Daß Seidel (alt Sidel) die KF. dazu ist, hat man lange Zeit nicht erkannt. Vgl. auch die schles. ON. Seifersdorf! – Belege: Sifridus 1255 (UB. Liegnitz); Syffert scultetus de Bretinhan 1319 Schweidnitz; Seiffrit Trithalbe 1328 Schweidnitz; Her Syfrid der Nunnenprobist 1383 Liegnitz; Syffart Peczschen 1470 Lübben. Als FN.: Petrus Sifrid 1349 Liegnitz; Ursula Seyffarth 1547 Liegnitz. Syffrid wemmener 1345 = Sydil wemener 1351 in Breslau (Rcht. 15); Siffridus Brockotindorff = Sydil(man) Br. 1328/46 Liegnitz. FN. Sydeler 1385 Liegnitz; Nicclos seydeler 1431 Liegnitz; Petrus Sydeler (vor 1347 Görlitz); vgl. die Patr. Hensler, Menzler usw. Sydelmannus notarius in Breslau 1300; Sydelmannus de Keczer 1313 Ratibor; Nitsche Sydilman 1397 Liegnitz. Vgl. auch den Hannus Crymhilt 1360 Glatz.


Siegel[GWR 13] (Görlitz [7] Schweidnitz [5] Neisse Beuthen [7] Breslau). KF. von Siegmund, Siegemund (Görlitz [18] Sagan [8] Schweidnitz [4] Hirschberg [4] Bunzlau [3] Öls [4] Beuthen [14] Oppeln [6] Ratibor).

Kaiser Sigismund (geb. 1368) scheint namengebend gewirkt zu haben, denn der N. kommt erst gegen 1400 in Mode, in Breslau erstmalig 1377 (Rcht. 15). Die KF. ist in der Grafschaft Glatz zu Hause. – Belege: Segil Botteling = Sigismund Botteling 1412 Glatz; Segil Snyder und Segel Subort 1435 Neurode/Glatz; Sigmund (Segmund Koschwicz 1397 Liegnitz; Sigmund Phansmit 1409 Görlitz; Sigismund Atcze 1451 Dompropst Liegnitz (Urkundenbuch S. 451). Vgl. auch Linnartz 116.

Siegert (Hirschberg [23] Liegnitz [16] Görlitz [7] Sagan [6] Schweidnitz [5] Öls [10] Beuthen [6]).

Sigihard ist einer der frühesten schles. Namen, auch im ON. Siegersdorf Kr. Freystadt (u. b. Kohlfurt) enthalten (1295 villa Segehardi, 14. Jh. Segersdorf). Die urkdl. Schreibweise mit e zeugt von der Kürze des i; deshalb auch keine Diphthongierung. – Belege: Segehardus de Bunnwitz 1311 Zittau (Cod. Lus. 1); Segehard Belic (Bielitz) 1368 (Cod. 36,1 Nr. 42); Segehart Kopplowky 1401 O/S (Cod. 6,22). Als FN.: Joh. Sighardi 1421 Oppeln (Cod. 6,48); Nickel Segehard 1455/56 Görlitz; Hanns Segart 1440/41 Görlitz; Hans Sigart 1538 Görlitz.


Sindermann (Schweidnitz [4] Neurode [5] Neisse Liegnitz Görlitz), Sündermann (Schweidnitz [3] Sagan [4] Liegnitz).

Entstellt aus altdt. Sindram wie Gundermann aus Gundram, Bertermann aus Bertram, Pilgirman (1519 Cod. 4,167) aus Pilgeram (vgl. Pilgerim Woynewicz foit 1412 (Cod. 4,152). Sindram ist Sagengestalt um Dietrich von Bern (Soc. 570). – Belege: Heynke Synderam faber 1372 Liegnitz; FN. Sinderam und Syndeman (!) Alt-Breslau (Rcht. 55); Sindram 1415 Neisse.


Thamm (Liegnitz [24] Görlitz [11] Glogau [3] Landeck [5] Neisse Neustadt [4] Oppeln [3]).

Als KF. zu Dankmar schon im 10. Jh. bezeugt (Tammo = Tankmarus in Thietmars Merseburger Chronik; nach Stark, die Kosenamen der Germanen S. 115). Ahd. dank „Gedanke, Geist“, mar „berühmt“. In Altschles. vorzugsweise bei Patriziern und Adligen in Gebrauch. Auch ein ON. Tammendorf Kr. Liegnitz, nach dem sich ein Liegnitzer Ratsgeschlecht des 14. Jh. nannte. – Belege: Thammo de Probisthayn 1327 Liegnitz; Thammo Meynwald 1367 Liegnitz; Tamme vlosser 1363 Breslau; Tamme vom Lazan 1410 Liegnitz; Hannus Tamme 1383 Liegnitz; Otto T. 1386 Breslau; Gunther Thamme 1432/33 Görlitz.


Thiem, Thieme (Görlitz [15] Liegnitz [3] Sagan [3], Oberschlesien = [00]!), selten Thiemt (Görlitz Liegnitz Schweidnitz).

Als KF. zu Dietmar („Volk“, „berühmt“) a. 1017 bezeugt: Thiemo = Thietmarus, Bischof v. Merseburg (Stark S. 112). In Schlesien auch mehrere Orte Thiemendorf. – Belege: Thime von der Olsin 1346 Breslau; Tyme (der) melczer 1369/97 Liegnitz; Mertin Tyme 1474/75 Görlitz; Daniel Thime 1484/85 Görlitz, u. ö. ebd.


Thiel (Liegnitz [68] Görlitz [35] Sagan [9] Glatz [6] Öls [6] Neisse Neustadt [13] Ratibor [10] Oppeln [7] Beuthen [25]).

Thiele (Görlitz [36] Liegnitz [3] Sagan [7] Oppeln [4]), Thiel(e)mann (Görlitz [6] Liegnitz [2]), T(h)illmann (Liegnitz [7] Neustadt [8]), mit usch-Suffix: Tielsch, Thielsch (Liegnitz [7] Görlitz [3] Ratibor [2]), Tilsch; Patr.: Tielscher, Thielscher (Brieg [8] Liegnitz Görlitz), Thilscher, T(h)ielschner (Breslau); mit k-Suffix: Tilke (Görlitz Liegnitz), Patr. Tilker (Görlitz). Sehr alte, ursprünglich niedersächs.-ostfälische KF. von Dietrich; so heißt z. B. 1343 ein Göttinger Ratsherr Thidericus Pust in de bussen auch Tile P. (Schiller-Lübben 4, 543). Vgl. Till Eulenspiegel! Auch die Breslauer beckenloer Tilo, Jordan und Heinrich sind aus Ostfalen zugewandert, genant von Gandirsem? (Rcht. S. 110 f.). – Belege: Thilo de Legniz 1288 (Cod. 4,4); Tilo filius advocati Tilonis quondam hereditarii 1314/39 Liegnitz (UB. S. 29, 74, 83); Tylo predicator ad St. Petrum 1362 Liegnitz (UB. S. 159); Tilman swarcze 1327 = Thilo niger 1327 consul Breslau (Rcht. 15), vgl. Tilo Swarcze 1341 Liegnitz (Bbch. 5); Tilusch boydan 1346 Breslau (Rcht. 15); Tilusch carnifex 1349 Liegnitz (Bbch. 36); Tilke von Zidelicz 1336 (Cod. 4, 6); Tylke Regil 1391 Liegnitz (Stdbch. I 36a). Als FN.: Hentschil Tile (Thile) 1369/72 Liegnitz; Hannus T. 1428/29 Görlitz; Jekil Tile (Tylonis) 1363 Schweidnitz; Nic. Tylman(ni) 1386/87 Oppeln (Cod. 1,45 f.); Tilke und Tilusch als FN. in Breslau (Rcht. 51). Vgl. auch Dietrich oder Tile Abescatsch 1421 Liegnitz.


Titze, Tietze (Liegnitz [59] Görlitz [33] Sagan [17] Öls [17] Neisse [16]), selten Tietz, Tietzmann.

Die schles. KF. von Dietrich (vgl. unter Dittrich!). – Belege: Ticzco 1316 Liegnitz (UB. S. 35); Ticzko clericus Lignicensis 1350 (UB. S. 122); Ticz(co) Mertschicz 1344; 1348 Liegnitz = Theodricus M. 1349 ebd. (Bbch. 8; 11; 37); Ticze lynenweber 1383 Liegnitz;

Ticze von Northowsen 1369/72 Liegnitz; Tyczeman v. Hoberg 1392 Görlitz; Nickil Tycze 1411 Liegnitz; Matis Titze 1482/83 Görlitz; Cunne ticzmanynne 1381 Liegnitz.


Trautmann (Görlitz [38] Liegnitz [8] Hirschberg [5] Schweidnitz [9] Neisse Neustadt [5] Ratibor [4] Oppeln [4]), mit Umlaut Treutmann (nur Görlitz [5]).

Altdt. TN. Trutman („traut, lieb“), jüngerer Schicht, in Oberdeutschland zu Hause. Vgl. Waltherus dictus Trutman 1288 Basel (Soc. 37 u. 170); Arnoldus dictus T. 1291 Oberrh. (Stark S. 151). Auch im ON. Trautmannsdorf in Niederösterreich und Steiermark. In Schlesien nur als FN. belegt: Martinus Trawtman, prior in Trebnicz (Mon. Lubensia 57.); Hannus Trautman 1456 Wünschelburg; Lorencz Trautman 1450/51 Görlitz; Nickel Treutman 1440/41 Görlitz; Merten Treutman 1566 Liegnitz.


Trautwein (Liegnitz [5] Breslau), Trutwin (!) (Liegnitz [3] Breslau).

„Trauter Freund“. Ein Bauer Trutwin 1300 im Elsaß (Soc.). – Belege: Truthwin, Augustinerabt in Sagan; FN. Trutwin in Alt-Breslau; Henczil Trutewyn 1381 Sorau Land; Niclos Trewthwin 1420/21 Görlitz; Thomas Trütwein 1431/32 Görlitz.


Ulbrich (Görlitz [33] Liegnitz oft, Hirschberg [11] Trebnitz[6] Öls [6] Ratibor [6] Beuthen [9]), selten Ulbricht, in der Grafschaft Olbrich, Olbricht (Glatz [22] Neurode [16]); selten Albrecht, Albrich.

Die schles. Form von Albrecht (altd. Adal-berht), schon im 14. Jh. vereinzelt als Ulbrecht bezeugt. Seine Verbreitung verdankt der Name dem (heil.) Erzbischof Adalbert von Magdeburg 968, dem Posen unterstand oder – mindestens ebenso wahrscheinlich – dem Preußenmissionar, dem heiligen Adalbert von Prag († 997); seine Grabstätte in Prag. Die slaw. (poln.) Entsprechung ist Woyczech (Mikl. Nr. 44), s. unter Woithe! Die Koseform s. unter Opitz und Elbel! – Belege: Alberich Ruwe 1319 Schweidnitz; Albericus leshornus 1307 Breslau = Albertus l. 1308 Breslau (Rcht. 12); Olbrich Strachen 1398 Breslau; Olbrecht (Trebnitz) Cod. 4,295; syme mageczogen Ulbrecht 1379 = Albrecht Gryfstete zuchtmeyster 1386 Görlitz (Cod. Lus. III); Ulbrecht Uschilnik von der Elgot 1422; Ulbrecht Geisseler 1482 (Lehnsurkdn. S. 457). Als FN.: Pawil Ulbrecht 1477 Wünschelburg, Merten Ulbrich(t) 1546 Liegnitz. Vgl. auch den schles. ON. Ulbersdorf (= Albrechtsdorf)!


Ulke (Liegnitz [8] Hirschberg [9] Ratibor [10], Beuthen [0]!), Ulich, Uhlich; Ulisch.

KF. mit slaw. k-Suffix bzw. -isch-Suffix von Ulrich (= Odal-rich). – Belege für Ula = Ulusch bei Bahlow, Diss. S. 109; für Ull = Ulrich bei Rcht. S. 16. Ferner: Ulich von Czeschaw 1381 Sorau Land; Caspar Ulich tischer 1559 Görlitz. Zur Form Ulich vgl. ON. Ullrichsberg b. Roßwein (alt auch Ullichberg) und Heynich v. Rechinberg 1364 (UB. Liegnitz).


Ullrich (Görlitz ? Liegnitz [16] Hirschberg [9] Glatz [8] Beuthen [6] Ratibor) nebst KF. Ullmann (Görlitz [6] Liegnitz [12] Sagan [5] Breslau [6] Beuthen [6]).

Der altdeutsche TN. (ahd.) Uodalrich = Odalrich („Erbgut“ und „mächtig“), in Süddeutschland äußerst volkstümlich durch den heil. U., Bischof von Augsburg († 973). – Belege: Her Ulrich um 1300 Breslau (Regesten 2608); Ulrich kannengiesser 1349 Breslau; Ulrich (Ull) plethener 1363 Breslau; Ulrich Swab 1372 Liegnitz (GB. I 9b); Ulrich Megner schleiffer 1546 Görlitz; Johannes Ulrici 1333/41 Liegnitz (UB.); Jekil Ulrich 1384 Liegnitz; Michel Ulrich 1426/27 Görlitz; Bartil Ulrich 1449/50 Görlitz u. ö. ebd.! Ulman Wayner 1372 Glatz; Ulman v. Marus (Burdach Bd. 9); Ulman Leritcz 1337 Wohlau (Cod. 29); Ulmannus de Swidenicz 1315 Breslau; Hanns Ulman 1449/50 Görlitz u. ö. ebd.; (Hensil) Uleman 1385 ca. Schweidnitz.


Völkel (Görlitz [11] Breslau oft, Glatz [6] Neurode [7] Neustadt [9] Liegnitz [4] Hirschberg [4] Neisse), Fölkel, Velkel, Felkel.

KF. mit l-Suffix vom altdt. PN. Volkmar; nebst dieser Vollform besonders im Glatzer Land einst beliebt; vgl. die Belege und die andere KF. Volkmann! v. Zeschau (S. 324) weist auf die uralte Grimmaische Familie Völkel hin. – Belege: Volkil Jerlingi consul 1332 Glatz; Marg. Sparbyryn, deren Vater: Velkil 1350/51

Glatz.; Volkil 1333 Liegnitz, auch in Alt-Breslau als FN. (Rcht. S. 52); Felkel Klingeler 1373 Glatz; Velkil vurman 1367 Breslau (Rcht. 13); Nickel Folkel 1437/38 Görlitz; Caspar Folkel 1502/03 Görlitz.


Volkmann (Liegnitz [8] Glatz [4] Schweidnitz [3] Görlitz [1]!), selten Vollmann.

KF. zum altdt. TN. Volkmar; vgl. auch Völkel; der ON. Volkmannsdorf bei Neiße hieß 1371 Wolkmarstorf, 1379 Fulkmari villa. FN. Volman neben Vol(c)mer in Breslau (Rcht. 52). Hans Fulckman 1547 Liegnitz.


Volkmer (Glatz [28] Landeck [22] Neurode [8] Schweidnitz [9] Neisse, Liegnitz [8] Hirschberg [3]).

Beliebter altdt. TN.; Volkmar, oft auch in den KF. Völkel und Volkmann, siehe diese. Verbreitet in der Grafschaft Glatz, deren Geschichtsquellen auch von einem Volkmer herausgegeben sind. Der unten genannte Vogt von Liegnitz namens Volkmar war wahrscheinlich der Lokator der Stadt (vgl. H. v. Lösch in „Liegnitz 700 Jahre eine Stadt deutschen Rechts“ (1943) S. 18). – Belege: Volkmarus advocatus de Legnicz (vor 1241), Totenbuch Kloster Leubus. Nicol. Volckmar 1588 Görlitz; FN. Vol(c)mer auch in Breslau. (Rcht. 52).


Walter (Görlitz [139] Liegnitz [118] Sagan [26] Neusalz 1 Sp., Grünberg 1 1/2 Sp., Glatz [6] Neurode [8] Öls [13] Trebnitz [7] Ratibor [7] Beuthen [30) selten Walther;

Einer der beliebtesten altdt. Taufnamen (= Walt-hari), bekannt auch aus der Heldensage (Walther u. Hildegunde) und als Name des Minnesängers Walther von der Vogelweide. In Schlesien nicht allzu häufig. – Belege: Walter Sulreman 1389 Görlitz; Walther ber 1353/65 = Weltir ber 1370 Breslau (Rcht. 16); Waltherus de Koschwicz 1348 Liegnitz; Hensil Walther 1372 Liegnitz; Hentschil W. 1383 Liegnitz; Peter Walther 1388/89 Görlitz, und ö. ebd.


Warmuth (Liegnitz [21] Sagan [9] Glatz [3]), zsgz. Warmt, Warmbt, Warmdt, Wärmpt.

Obwohl Förstemanns Altdt. Namenbuch Warmut und Warmund belegt, hat sich in Schlesien die -mut-Form erst aus der nicht geläufigen mund-Form entwickelt. Bedeutung etwa: „wehrhafter Schützer“. Auch die Umlautformen begegnen heute: Wermund (Beuthen [2] Breslau), -muth (Breslau). Als Lokatorname auch in schles. ON.: Warmunthau Kr. Cosel, Warmuntowitz Kr. Grünberg-Strehlitz. Vgl. Warmund im „Oswald“, Spielmannsgedicht! – Belege: Warmund 1228 (Mitt. Liegnitz. 11, 221); Pasco Warmundi 1288/89 (Cod. l, 18.19.). Als FN.: Burgold Warmut 1398 Breslau (Rcht. 48); Niclas W. 1437 Liegnitz; Eberhart und Nicolaus Warmuth 1467 (Urk. Öls).


Weigel, Weigelt (Liegnitz [23] Bunzlau [8] Görlitz [8] Sagan [12] Glogau [10] Glatz [7] Schweidnitz [18] Öls [6] Beuthen [7]).

Beliebte schles.-ostmd. KF. von Wi(g)nand („kampfeskühn“), das mit der Partizipbildung Wigand („Kämpfer“) zusammenfiel. Die andere Entwicklungslinie über Winand = Winold = Weinhold, siehe unter Weinhold! Die Gleichung Wigel = Wigand belegt Stark, Die Kosenamen der Germanen, S. 56 aus d.  J. 1046 und 1388. – Belege: Wyglo textor 1342 Liegnitz; Wigil de Petirsdorf 1397 Breslau; Wygil (Weigil) Zachinkirch(e) 1398 (1416) Schweidnitz. Als FN.: Hannus Wygil 1369/72 Liegnitz; Heincze Weygel 1476/77 Görlitz; Georg Weigelt 1576 Görlitz. Vgl. unter Weigt!


Hierher gehören auch die Sproßformen:


Weigang (Glatz [9] Habelschwerdt [6] Breslau) aus Weigand (Wigand) entstellt, erstmalig 1520/25 Görlitz: Hans Weygang Knappe von Grünberg.


Weigmann (Liegnitz [8] Görlitz [3] Sagan [3] Brieg [3] Schweidnitz [2] Neisse) aus Wigman.

– Belege: Wikman (aus Wigman) 1287–1315 (auch W. von Swidenicz) Breslau (Rcht. 42); Anne Wygmanynne 1372 Liegnitz; Hans Weigman 1542 Görlitz; Augustinus Weigmann 1434 Liegnitz (UB. S. 380).

Weigt (Liegnitz [11] Glogau [11] Görlitz [7] Neusalz [7] Trebnitz [5] Beuthen [2]), Weicht (Beuthen [5] Öls [2]).

Offenbar aus altdt. Wigand („Kämpfer“), diphtongiert Weigand, zsgz. Darauf deutet auch der ON. Weigsdorf (Bez. Friedland/Böhmen), der aus Wygandisdorf (so 1381) über Wigisdorf (1399) bzw. Weigansdorf (1433), Weigsdorf (1463) entstanden ist. (Sudet. ON. 3, 49/50). Die KF. Wigel siehe unter Weigel! – Belege: Wygand von Büchleins 1328 Glatz. (Cod. 22); Wigandus pabulator 1322 (UB. Liegnitz 47); Nitsche Wygand 1372 Liegnitz.


Weinhold (Görlitz [33] Liegnitz [13] Bunzlau [7] Hirschberg [9] Schweidnitz [4] Beuthen [5] Oppeln [5]).

Durch mehrfachen Lautwandel aus dem fast in ganz Deutschland verbreitet gewesenen TN. Winand, d. i. Wig-nand (kampfeskühn), hervorgegangen; und zwar über Winald (Dissimilation des zweiten n, da 2 n in nebentoniger Silbe (vgl. Nickel Gernold 1462 Görlitz, = Gernand), Winold (Verdunkelung des a zu o vor l), Weinold (Diphthongierung), Weinhold (wie Reinhold = Reinwald, -old). Den Nachweis habe ich Teuthonista 3 (1926), 38 erbracht, hier ein paar Gleichungen aus ndd. Urkunden: Wynold Baggele, Brgmst. v. Rostock um 1400 = Wynholdus B. = Wynand Baggel 1400, 1399, 1393 (Meckl. UB. 24, 23, 22); Winandus de Revele, Ratsherr in Bremen 1388, = Wyneld de R. 1391 (Carstens, Beitr. S. 39); Winandus Droghehorn 1370 = Winoldus D. 1328 Stralsund. In Pommern lautet der Name Weinholz, infolge Verhochdeutschung der als holt „Holz“ aufgefaßten Endsilbe (nachweisbar an Stargarder KiBchn.). – Schlesische Belege: Winandus Winandi 1325 Breslau (Cod. 11); Wynandus 1327 Liegnitz (UB. 55); Winandus de Novo foro 1333 Liegnitz; Winandus Drydumen 1349 Liegnitz; Hannus Wynandi 1364 Liegnitz; Heyncze Wynand 1372 Liegnitz; Wignandus de Herstein 1253 (Freiberg UB. 1, 12); Wignandus de Nonewitz 1235 (UB. Dobrilugk S. 23); Thomas Wynolt 1434 Liegnitz.


Weinrich (Hirschberg): Wynrich 1324 Liegnitz; 1372 FN. ebd.; Winrich melczer 1359 Breslau.


Werner (Görlitz [97] Liegnitz [89] Sagan [23] Hirschberg [31] Trebnitz [10] Beuthen [42]).

Altdt. Warinher, mit Umlaut Werinher (wehrhaft im Heer); trotz seiner Beliebtheit in Schlesien fast ohne KF. geblieben, nur ganz selten findet sich Wernusch (mit slaw. Suffix), z. B. 1369 in Breslau, als FN. heute in Brieg [2]: Wernisch, und ebenso Wernike. – Belege: Wernerus comes 1228, Wernerus castellanus de Cosli 1234, Wernerus miles (Cod. 1, 174). Wernherus scultetus de Schonfeld 1358 = Wernusch von schonvelt 1369 (Rcht. 16); Wernco Hytvelt 1393 (Rcht. 16); Wernke von Weyschnitz 1456 (Cod. 1, 174). Als FN.: relicta Johannis Wernheri 1348 Liegnitz (StP. 8 b; Hannus Wysewernher 1381 ff. Liegnitz; Andris Werner 1432/33 Görlitz (u. ö.).


Wittig (Liegnitz [24] Görlitz [17] Sagan [20] Hirschberg [16] Neurode [16](!), in O/S. dafür Wittek, Witteck (Beuthen [24] Oppeln [17] Ratibor 1 1/2,Sp., Neisse, Neustadt).

Auch Wittich, Wittche, Wittke; Wittker, Wittiger. Gestalt aus der dt. Heldensage, insbesondere um Dietrich v. Bern. – Belege: Witche von Proczkinhayn 1345 (Rcht. 16); Witigo (Wytko) Boemus miles 1341 ff. (Cod. 10); Witche (der) schenke 1383 ff. Liegnitz; Witche Kobnigk 1420 Breslau (Cod. 4,46); Sigmund Wittich 1460/61 Görlitz.


Wohlfart, Wohlfarth (Breslau [10] Haynau [4] Brieg [3] Liegnitz [2]).

Umgedeutet aus Wolfhart („wolfskühn“); es ist der Name des Nibelungenrecken, der als Neffe Hildebrands durch Giselhers Schwert fällt, und seine Beliebtheit ist bis ins 15. Jh. in den schles. Adels- und Ritterkreisen feststellbar, womit seine literarische Grundlage erwiesen ist. – Belege: Wolfhardus Kopacz miles 1293 (Cod. 10, S. 42); Wolfardus notarius civitatis de Sylna (Sillein) 1357; Wolffhart von Rachenaw 1413 ff. Glatz/Neiße (vgl. Glocran (!) von R. 1418 ebd.); Wolfhart (de) Stercze 1422 (Cod. 10, S. 275), vgl. Gelfradus(!) de Stercza 1330 ff.; Wolffhart vom Reyne 1450 (Cod. 10, S. 309); Wolfhart v. Czedelicz, Hauptmann zu Glatz

(14. Jh.). Als FN.: Hannus Wolffhard 1383 Liegnitz; Wolfart paternostir 1371 Breslau; Stephan Wolfhard alias Sponsbruck 1398 Breslau; Johan Wolfhart sporer 1371 Breslau.


Wolf (Liegnitz [66] Sagan [32] Trebnitz [11] Beuthen 1/2 Sp.), Wolff (Liegnitz [22] Sagan [6] Trebnitz [4] Beuthen 1/3 Sp.), selten Wölfel (Schweidnitz, Hirschberg Görlitz).

Z. T. als Übername „der Wolf“, z. T. auch als KF. zu Wolfhard, Wolfram u. ä. zu deuten. Als TN. in Schlesien allerdings erst spät nachweisbar, s. unten die Belege! Nitsche Wolf(f) 1372/89 Liegnitz; Michil wolff 1397 Liegnitz; Wolf Zenebus, Ritter 1424 Glatz; Hannus Wolff 1422/23 Görlitz; Mattis Wulff 1445/46 Görlitz; Wolfel, Richter v. Kunigshain 1324 (Glatz); Tilo Wolfil institor 1348 Liegnitz (UB.); Hannos Wölvil 1381 Sorau Land; Wolfil ysingretil 1356 Breslau; Wolff Mitzel 1546 Liegnitz; Wolfco de Falkinhayn 1327 Liegnitz (UB.); Wolff Clement gerber 1513/14 Görlitz. Vgl. Wolffgang Geyer 1491 Liegnitz; Wolffgang Rudil 1491 Liegnitz.


Wolfram (Breslau [7] Sagan [4] Görlitz [3] Hirschberg [2]), entstellt Wohlfromm.

Altdt. TN., enthaltend Wolf und Rabe (hraban = ram), also die dem Wodan heiligen Tiere. Sein berühmtester Träger war Wolfram von Eschenbach, der höfische Ependichter um 1200. Vgl. Wolf, Wölfel. – Belege: Wolfram in dem Weydecht 1423 Glatz; Wolvram Czeterwange 1332 Glatz; Wolframus (Wolveramus) sutor 1316 Breslau; Alex Wolffram 1467/68 Görlitz; Joachim Wolfram von Newmberg am Queisz 1534 Görlitz.

I. Familiennamen aus Taufnamen

b) kirchliche und slawische.

Adam (Görlitz [30] Liegnitz [19] Ratibor [20] Beuthen [8] u. ö.), oberschles. auch oft Adamek, Adameck u. ä.

Als kirchl. Taufname bei den slaw. Völkern häufiger als sonst; als alttestamentl. N. erst durch die Reformation in Mode gekommen (für Görlitz z. B. vgl. Wentscher, für Liegnitz z. B. das Register zum Stadtbuch 1517–1618 von Tschersich (Mitteil. 14, 1934). – Belege: Adam de Waczinrode 1351 Breslau; Adam Adasch! 1404 Glatz. Als FN.: Nicclos Adam 1383 Liegnitz; Bartke u. Hannos gebrüder Adam gen. 1417 (Cod. 4); Melchior Adam 1556 Liegnitz.


Anders (Liegnitz [69] Hirschberg [25] usw., überall oft).

Der Apostel und Heilige Andreas; im Volksmunde auf der Stammsilbe betont: Andres, dann mit Metathese (Umspringen) des r: Anders, so schon im 14. Jh. bezeugt: Andirs von der Wede 1372 (Cod. 4,32). In poln. Form: Jander (s. dies!). Andreas 1306 Liegnitz; Andres 1346 Breslau; Andreas de Syffidisdorff 1380 Liegnitz; Andris Jeschke 1397 Liegnitz; Hempe Andreas 1380 Liegnitz; Katharina Anders 1547 Liegnitz; Hanke Andres 1425 Liegnitz. Nebenher lief auch die Endbetonung: Andris Jeschke 1397 = Andrebis Jeske 1386 Liegnitz = Andreas J. 1384 (Bw. 109 f.).


Aßmann (Görlitz oft, Liegnitz [12] Öls [5] Beuthen [3]), selten Asmus (Liegnitz [2]).

KF. von Erasmus, ein Hl.N., der seit dem 15. Jh. Mode wurde; berühmtester Träger: Erasmus von Rotterdam. Der hl. E. zählte zu den 14 Nothelfern. – Belege: Erasmus Lorencz godin Bruders Sohn 1367 Breslau; Asman Freiberger 1446/47 Görlitz; Asman Lange 1520/25 Görlitz; Erassmus Wincke 1565 = Assmus W. 1565 = Asman W. 1567 Liegnitz (KiBch. 3, St. Peter Paul). Als FN.: Petir Asman 1491 Liegnitz.


Aust (Liegnitz [6] Neustadt oft, Ratibor [7] Beuthen [7]), Austen, zsgz. aus Augustin.

Vereinzelt Austmann (Oppeln [1]). Der N. des heil. Augustinus, berühmten Kirchenvaters († 430), wurde als TN. im 15. Jh. üblich. – Belege: Augustinus 1363; Austein 1386 Breslau; Austyn Bertold 1426 Liegnitz; Augustin Knebil = Austin K. 1453 Liegnitz; Austen Meissner 1491 Liegnitz. Als FN.: Jacobus Augustini 1356 Liegnitz; Peter Austen ca. 1522 Görlitz.


Bachmann (Görlitz [10] Liegnitz [11] Beuthen [8]), Pachmann, auch ohne die deutsche Endung -mann:

Bach (Görlitz [4] Grünberg [7] Glatz [3] Schweidnitz), urspr. Bache (Glatz [7] Schweidnitz), auch Pach, Pache (Görlitz [7] Sp [9] Neustadt [3] Neisse Ratibor), Pach (Oppeln [5] Beuthen [5]) d. i. die tschech. KF. von Hl.-N. Bartholomäus, wie Stach von Stanislaus, Pech und Pechmann von Peter, Jach(e) u. Jachmann von Johannes u. a. In der Bedeutung „der am Bache Wohnende“ müßte er süd- oder westdeutscher Einwanderer sein. Vgl. auch Rcht. S. 57. – Belege: Hensil Bache 1369 ca. Liegnitz; Hanns Bache 1484 Görlitz; auch in Alt-Breslau (Rcht. 57); Vgl. auch die FN. Bachnik (Rcht. 57); Pachni(c)ke (Neisse); Bachura, Pachura.


Bänisch, Bähnisch, Benisch, Behnisch, gewöhnlich Bänsch, Bähnsch (Liegnitz [12] u. ö.); Bensch (Beuthen [16]); laus. Bönisch, Böhnisch, Bönsch, Böhnsch.

Im 15. Jh. KF. mit slaw. Suffix -isch vom N. des heil. Benedikt (lat. benedictus = der Gesegnete), des Stifters des Benediktinerordens und Vaters des abendländischen Mönchtums († 543). Als FN. schles. Bendix, Benedix (Liegnitz [15] Hirschberg [3]), der Form nach seit d. 16. Jh. bezeugt: Bennedix Ridel 1561 Liegnitz, Benedix Herman vom Soraw

1564 Görlitz. – Belege: Benissch Falkinhayn 1438 = Benedictus F. 1435 Liegnitz; Benusch Vreudinrych 1368 Breslau; Noch 1538 Benisch Leisscke. Als FN.: Jacob Benissch 1438 Liegnitz. Die oberschles. (slaw.) KF. ist Bieneck (Oppeln [18] Beuthen [18] Brieg [6]), auch Bienick u. ä.


Bartsch (Liegnitz [44] Görlitz [30] T[GWR 14] [19] u. ö., Beuthen [6]).

KF. vom Hl.N. Bartholomäus, mit -usch, -isch-Suffix. Daneben war die reine deutsche KF. Barthel, wenn auch seltener, gebräuchlich (Schweidnitz [15] Görlitz [14] Liegnitz [12] T [11]). Vgl. auch die tschech. KF. Bach! - Belege: Barthus Wolf 1370 = Bartilmeus W: 1370 Breslau (Rcht. 16); Bartil Hasseler 1368 Breslau, Bartel Forstenberg 1532 Liegnitz; Bartisch Lyndener 1491 Liegnitz; Bartusch Pirchala 1547 Liegnitz; Bartsch Lemberg 1495/96 Görlitz. Als FN.: Hanns Bartusch 1461 Görlitz; Jorg Bartsch 1507/08 Görlitz; Jorge Bartel 1484/85 Görlitz.


Blaschke (Görlitz [6] Liegnitz [5] Ratibor), Plaschke (Liegnitz [6]), Blasche (Görlitz [6] Öls [7]).

Eingedeutschte slaw. KF. (vgl. Blasek Öls [8], Blasig Öls [1]) zum Hl.N. Blasius, als TN. im 16. Jh. beliebt.
Blasius Heyne 1505/06 Görlitz; Blasius Giller 1563 Liegnitz = Blasiann G. 1561 ebd. Blasius (TN.) 1352 Breslau; Bloschko polonus de Knegnicz 1354 Liegnitz; Plaschke (FN.) 1335 Liegnitz. Blasig als TN. in dörflichen Schöppenbüchern der Oberlausitz 1450 ff. Blaschko Schulcz von Sirdenik 1456 (Cod. 4, 161); Bloschke Bartke 1420 Breslau (Cod. 4, 46).


Brosig (Neustadt [12] Glatz [9] Schweidnitz [3] Ratibor [4]).

Slaw. KF. Brozek (so in Glatz [4]) vom Hl.N. Ambrosius (berühmter Bischof von Mailand). In Schlesien bekannt durch den Liegnitzer Stadtschreiber Ambrosius Bitschen, 15. Jh. - Belege: Brosig als bäuerl. TN. in d. Oberlausitz 1450 ff.; Brosius Lindener 1546 Liegnitz. Als FN.: Broske, Alt-Breslau. Vgl. unter Proske!


Brunzel (Grünberg [12] Freystadt [2]), Bronzel (Beuthen [4]).

Die Verbreitung nur im Neiderland und Oberschlesien entspricht der slaw. Herkunft: KF. mit mdal. u von Bronislav (Mikl. Nr. 17), selten, aber noch heute gebräuchlich, vgl. Bronislawa Smolka 1932 Ratibor. - Belege: comes Bronizlaus subdapifer 1257 (Cod. 4, 319); Bronislaus Buzewoy miles 1313 ff. (UB. Liegnitz); Bruniczlaw de Goltberg 1371 Breslau (Rcht. 19); Brunzlaus (12. Jh., Hochstift Meißen); Hannus Prunczel 1446 Neurode. Vgl. ON. Prontzendorf Kr. Steinau: 1452 Brunczelndorff, u. ON. Brunzelwaldau Kr. Freystadt.


Dehmel (Liegnitz [20] Görlitz [12] Bunzlau [7] Neusalz [6] Hirschberg [7] Brieg [7] Oppeln [7]).

Nebenformen: De(h)melt, Demel, Dähmel, Dämelt, Thämel(t), Döhmel. Die starke mundartl. Färbung läßt nur schwer erkennen, daß es sich um die KF. von Thomas handelt, nämlich Thömel. Vgl. ON. Demling b./Ingolstadt = Tömlingen 1323, desgl. Demeldorf in Bayern. Siehe auch Thomas, Domke. - Belege: Thomil Beyr 1375 Breslau; Temil winczeppe 1373 Breslau; Tomel des koniges bote 1419 Görlitz; Thomel Hertwig 1440 ff. (Freiberg UB. 3, 243); Töml auch i. d. Steiermark (15. Jh), Nied S. 44. Als FN.: Matis Thomel 1456 (Cod. 4, 161); Thomas Thömel, Wittich sonst, Liegnitz 1546; Caspar Dömel von Belmsdorf 1542/43 Görlitz.


Dirschke, Dierschke (Breslau), Dirschka (Ratibor 3/4 Sp.!), Dierke, Dirska.

Oberschl. KF. Dirsek bzw. Dirska zum slaw. TN. Dirslaw (Mitt. Liegnitz VII 185; vgl. auch Mikl. unter drug). - Belege: Dirsco (= Dirske Mrokot), Hofrichter 1339/51 Liegnitz; Dirsco tabernator in Domslaw 1451 = Dirschko der Cretschmer von Dompsil 1452 = Dirslaus de Dompsil 1456 (Cod. 4, 59, 62). Vgl. ON. Dirschkowitz Kr. Leobschütz u. Dürschwitz Kr. Liegnitz (1341 Dirskewicz).


Dominik, Domnik, Domnick, Dommnich (vor allem oberschlesisch).

Der heil. Dominicus, Stifter des Dominikanerordens der Predigermönche († 1221). – Belege: Dominicus Dominici 1361 Breslau; über die Alt-Breslauer Familie Dominik

vgl. Rcht. 45; her Dominyk von Beckern der prister 1384 Liegnitz. Dompnig Rönberg 1491 Liegnitz; Hannus Domenig von Breslaw 1425 Görlitz; Hans Dompnig 1491 Liegnitz.


Dlugosch, Dlugos (Ratibor zahlr., Beuthen [15] Oppeln, Breslau, Liegnitz [9] Neustadt [0]!).

Oberschl. FN. KF. vom slaw. TN. Dlugomil (dlugu „lang“, milu „lieb“), vgl. Mikl. Nr. 112.


Donat, Donath (Görlitz [18] Liegnitz [5] Neusalz [4] Schweidnitz Hirschberg [2]).

Der heil. Donatus, Bischof u. Märtyrer unter Julian um 350 n. Chr. Vor allem in der Oberlausitz verbreitet. - Belege: Donat Czideler 1409/10 Görlitz; Donet Ratold 1400 Grünberg; Donat John 1528 Görlitz; Donat Eger noldener 1558 Görlitz. Als FN.: Hannus Donat carnifex 1407/08 Görlitz; Urban Donat 1515/16 Görlitz.


Eitner (Liegnitz [8] Görlitz [5]), Eidtner (Görlitz [3]).

Gehört als „metronymische Ableitung“ zur Gruppe der Alschner, Jüttner, Leuschner usw. Zugrunde liegt der Hl.N. Agatha (griech. = die Gute), also „Angehöriger der Agathe“; man sprach mit deutscher Betonung der ersten Silbe Ag(e)te, zsgz. Aite, geschr. Ayte (vgl. Agthe noch in Otto Ludwigs Novelle „Maria“). Belege a. d. 14. Jh., siehe bei Bahlow S. 115 u. Rcht. S. 34. - Belege f. d. metronym. Form: Opecz der Ayten 1388 Liegnitz; Pawil Eythener 1415 Liegnitz; Aytener 1451 ebd.; Merten Eythener 1491 ebd.; Hans Eyttener ca. 1470 Görlitz (Jecht 17). Vgl. auch Joh. u. Peter, Söhne der Agathe, Bauern 1333 Bernsdorf/Lausitz; Georg Aithe 1564 Görlitz.


Fabig, Fabich (Grünberg [8] Haynau [6] Görlitz [4] Liegnitz [4] Brieg [3]), Fabisch (Beuthen [8] T[GWR 14] [5] Liegnitz [3] Görlitz [2]). KF. von Fabian (Görlitz [8] Liegnitz [5] Sagan [5] Brieg [9] Oppeln [8] Beuthen [15]).

Mehr in Oberschlesien verbreitet. Der heil. Fabianus war Märtyrer unter Kaiser Decius, gest. um 250. - Belege: Fabian oczke 1385 Breslau; Fabian Eckel, Pfr. um 1524 Liegnitz. Als FN.: Anna Fabian 1547 Liegnitz.


Fechner (Grünberg [30] Sagan [24] Neusalz [16] Liegnitz [19] Görlitz [10] Schweidnitz [4]), Fechler (Liegnitz [8] Neusalz [3] Grünberg [1])

Als Handwerksbezeichnung für den Hersteller von Pelzwerk (mhd. vech „bunt“), also als Kürschnername, nirgends nachweisbar, obwohl alle Namenbücher und auch Volckmann S. 56 davon fabeln. Die Bodenständigkeit speziell im Neiderland (und der Lausitz) sowie das n der Endung -ner weisen vielmehr eindeutig auf slaw. Herkunft, und zwar von e. PN. Es bietet sich nur die KF. Vech (Vach) von Venczlaw bzw. Vaclav (worauf neben A. Mayer auch E. Führlich S. 46 als Slawist hinweist). Die Bildungsweise (patronymisch) ist die gleiche wie die von Machner = Mache = Matthias, Jeschner = Jesche (Jasche) = Johannes u. a. Vgl. auch unter Wenzel die KF. Fach(e) u. Wache! Zur l-Form Fechler vgl. Facheler 1395 Görlitz. Ferner: Wachna Beme 1397 Glatz. - Belege: Michael Vechneri 1385 consul in Prag (Schubert, Reg. S. 79); Lorencz Fechener 1499 Freystadt, Melchior F. 1507 ebd., Heinr. F. de Spottauia 1457 (Cod. 24); David Fechtner aus Lüben 1571 (Glatz Gesch.qu. 3); Daniel Vechner um 1600 (Trotzendorfschule, Goldberg). - Zum Ablaut vgl. Jech(t): Jach(a)! (Vgl. auch Pech! Pecho und Pech, um 1400 TN.!)


Feige (Liegnitz [23] Görlitz [19] Sagan [5] Hirschberg [26] Neurode [12] Glatz [3] Öls [12] Oppeln [10] Beuthen [5]).

Daß hier nicht mhd. veige „unglücklich“ vorliegt, darauf deutet schon die Häufigkeit des N., dann aber auch die Variante Feike (Schweidnitz [3] Reinerz) bzw. Faika (Ratibor). Durch Vergleich mit den Parallelen Teuke-Teike (Oppeln)-Teige (Neusalz [7] Grünberg [4] Sagan [4]) sowie Zeuke-Zeik-Zeuge (Neusalz Grünberg Neustadt) im neiderländischen Reliktgebiet ergibt sich als Ursprung: Woik(e) vom slaw. voj „Mann“ (vgl. Woiwode) mit den Varianten Foik, Voike, Voige, Foige - mit Wandel von w zu f in deutschem Munde. Woike
ist aber = Woitke (s. u.!) und dies = Woiczech (= Albrecht), KF. von Woi(ce)slaw u. ä. - Belege: Woyke vischer 1356 = Woytke vischer 1367 Breslau (Rcht. 20); Woytke vurman 1359 = Woyczech vurman 1356 Breslau (ebd.); Woyslau Koch 1371. Vgl. ON. Woigwitz, 1353 Woykewicz (Damroth S. 86), Als FN.: Peter Feyge 1490/93 Görlitz. Vgl. im übrigen das identische Foitzik, Woitzik!


Fietze (Görlitz [15] Liegnitz [9] Grünberg [6]), Fietz (Neustadt [20] Beuthen [5]),

mit slaw. k-Suffix: Fitzek, Fietzek (Beuthen [21] Oppeln [8]), Fitzke (Oppeln [4]), Vietzke.

Kurz- und Koseform vom Hl.N. Vincentius gespr. Viecens (auch FN.: Reinerz [16]). Nicht unbeliebt, da des Märtyrers Haupt nach der Legende in Breslau ruht (St. Vinzenzstift!). Die Bildung von der zweiten Silbe siehe unter Tschensch! - Belege: Feczencz sponsbrucke 1407 Breslau = Vincentius sp. ebd.; Vincencius Springinsgut 1384 Liegnitz; Veczencz Bantsch 1397 Liegnitz; Vicencz der furman 1416 Görlitz; noch 1559 Liegnitz: Vicencz Mende; Vieczegk Skorasz 1594 (Cod. 4, 282). Vitze Junckfer 1545 Liegnitz.


Foitzik (Ratibor [1] Sp.!, Beuthen [22] Oppeln [5] Liegnitz [7] Görlitz [1]), Woitzik (Oppeln [15] Ratibor [3] Beuthen [20]).

Oberschlesische Koseform Woycz(i)ech von Woyslaw (s. unter Feige!), gleichbedeutend mit Albrecht, insofern der heil. Adalbert (v. Prag) urspr. Woyczech hieß. Vgl. auch unter Wuttke! ON. Woitsdorf/Liegnitz, alt Woyczechsdorf. - Belege: dominus Woycech Rinbabe 1295 (Cod. 4, 198); Woycech de Czepancowicz 1344 ca. (Cod. 4, 12); Woyczich von Schildern 1372 ca. Liegnitz. (GB l 2b); Woyczech vurman 1356 Breslau (Rcht. S. 20); Woytczlaff, Propst des Klosters Czarnowanz 1431 (Cod. 1,175). Als FN.: Nickel Woyczig 1453 Liegnitz.


Frenzel (Görlitz [35] Liegnitz [19] Grünberg [5] Brieg [7] Oppeln [7] Beuthen [8]), Franzke (Ratibor [9] Neustadt [8] Oppeln [3] Brieg [6]).

KF. von Franz (Görlitz [27] Liegnitz [16] Grünberg [10] Hirschberg [11] Öls [6] Oppeln [7] Beuthen [5]), d. i. der heil. Franziskus von Assisi, der Stifter des Franziskanerordens († 1226). - Belege: TN. Frenczil, Frenczelin in Breslau (Rcht. S. 17); Lorencz Frenczel 1520/25 Görlitz; Franczco sagittarius 1349 Liegnitz; Franczke geringehand 1378 Liegnitz; Peter Franczke 1498 Schweidnitz.


Frieb, Friebe, Frieben, Friebner, Friebel, Freybe, Freibusch.

Lauter bisher unerkannte Sproßformen des slaw. Adels- und Fürstennamens Pribislaw, den auch der Böhmenkönig Ottokar II. ursprünglich trug; enthalten in zahlreichen ON. Beweisend sind die Parallelformen mit P (oberschlesisch): Pri(e)be, Priebke, Pribek, Pribil, Priebisch, Preib(i)sch, und derselbe Lautersatz (deutsch F für slaw. P, B) in den ON. Fribus b./Plauen und Frühbuss b./Eger (alt Pribuzy) gegenüber Pribus, Priebisch (Lausitz, Neiderland), vgl. FN. Friebös; desgl. im ON. Friesnitz (Thüringen alt Breznica) gegenüber Priesnitz (Thüringen, Sachsen, Böhmen) und Briesnitz (Schlesien). Über den Wandel Prib zu Prim siehe unter Primke und Prenzel (urkdl.: ego Premisl qui et Odockarus rex Boemorum). Vgl. auch Friemel(t), Frimmel - Prim(m)el! Vgl. Fibel - Bibel!


Gärtig (Grünberg [2] Sagan [2] Görlitz [2] Liegnitz [6]), Gertig (Grünberg), Gertich (Beuthen).

Auf slaw. Ursprung weisen die Formen Gärtke, Jartke. Vermutlich KF. mit Umlaut zu Jaroslaw, Jaromir; vgl. FN. Wäntig von Wenceslaw.


Girke (Görlitz [9] Grünberg [7] Liegnitz [4] Beuthen [00]!), auch Gierke, Görke

d. i. der heil. Georg, tschechisch Jirek (Mikl. Nr. 63). Vgl. auch unter Tschiersch, Tschersich usw. - Belege: Girig Fritzer (a. Mähren) 1533 Görlitz; Girczik von Cunstadt 1556 Glatz; Girke Grunbergkh 1631 Glatz; Baltazar Girke 1491 Liegnitz.


Gröger (Glatz [16] Neustadt [17] Liegnitz [14] Görlitz [8] Beuthen [13] Oppeln [5]). Grieger (Görlitz [5] Liegnitz [4] Beuthen [5]), Grüger (Neurode [5]), selten Gregor, Grögor.

Der Hl.N. Gregorius. Besonders entlang der böhm. Grenze verbreitet (Grafschaft Glatz), wo schon 1458 die gerundete ö-Form: Gröger Smid (Wünschelburg).
- Belege: Greger Moller 1420/21 Görlitz; Gröger Smid 1458 (s. o.!); Greger Seydel 1514/15 Görlitz. Als FN.: Hans Gregor 1451 Görlitz; Matz Greger 1532 Liegnitz = Matheus Griger 1558/64 Liegnitz.


Grüttner (Liegnitz [15] Görlitz [11] Hirschberg [5]), selten Grittner.

Die i-Form ist die ältere; sie führt zum Ursprung des Namens: Grite, d. i. Grete = Margarete. Es liegt also eine der beliebten schlesischen metronymischen Bildungen vor, vgl. Jüttner, Eitner usw. Über die Entrundung von mhd. e zu i siehe Jungandreas, Besiedlg. S. 68. Zur Rundung i = ü vgl. Girbig = Gürbig, Girnth = Gürnth und schles. Gebürge (= Gebirge), auch Hüllner neben Hillner. – Belege: Grite (Grita) als TN. 1284 in Reichenbach, 1310 in Neiße, 1336 in Reichenberg, 1349 in Breslau; Grite = Margarethe 1355/58 in Breslau (Rcht. 34/35); Gritte (Feit: Mitt. Schles. Ges. Volkskde. 13/14); Grite von Brunswic = Margrit brunswyginne in Breslau (Rcht. 157). Als FN.: Joh. Grite 1337 in Reichenberg/Böhmen. Ulman Gretener 1382 Freiberg/Sachsen; Henczil Gryetener, Paul Gr. und Peter Gr., 3 Brüder ebd. 1383 (UB Bd. 3, S. 273); N. u. Kune Gritener, Brüder ebd. 1431; Jorge Gritener von der Gane 1448 ebd. Georg Gritenclauss, Matr. Erfurt.


Habel (Neustadt [18] Habelschwerdt [5] Liegnitz [6] Görlitz [10] Beuthen [5]), Habelt.

D. i. Hawel, die tschech. Form von Gallus (vgl. St. Gallen!), besonders in der Grafschaft Glatz zu Hause, wo auch der Ort Habelschwerdt (d. i. Hawelswerd) liegt. - Belege: Gallus de Cladzco 1253 (Glatzer Gesch.qu. II, 15); Gallus von Lemberg; Joh.-Prior Glatz 14. Jh.; Wenczlaw, Hawls zon 1380 Glatz; Habel, Sohn des Wachna, Beme 1397 Glatz; Hannus Hawil von Nicclosdorff 1389 Liegnitz; Petir Hawel 1381/85 Liegnitz; Jancko Habil 1472 Glatz. Vgl. auch Gabel (poln. Gawel).


Hänel, Hähnel, Hänelt, Hähnelt (Görlitz [24] Liegnitz [18] Sagan [21]); Hanel, Hahnel (Neustadt [13]), Hanelt, Hahnelt mit Gleitlaut d: Händel, Hähndel (Liegnitz [8] Beuthen [6]), patron. Händler (Görlitz [9] Beuthen [8]), wie Seidler von Seidel u. a. Vgl. auch Jä(h)ndel! KF. mit l-Suffix von Johannes, dem beliebtesten TN. des Mittelalters. - Belege: Die Glatzer Schöppen Hennil Homut u. Henil Herwst 1377 heißen in lat. Urk. 1376 Johannes H. und Johannes H; Henlin günczil 1362 = Hensil g. 1360 in Breslau. Als FN.: Matis Henel 1497 Görlitz; Nikel Hendel 1427/28 Görlitz.


Hamann (Görlitz [28] Liegnitz [21] Hirschberg [5]; Neustadt[0] Öls[0]!)

Assimiliert aus Han(e)mann, d. i. Johannes, wie Heymann aus Heyn(e)mann, Lehmann aus Lenmann. Also zu unterscheiden von niederdt. Hamann = Havemann = Hofmann. - Belege: Hanman de Gint 1372 Breslau = Hanman Gynth 1383 Liegnitz = Hannos de Gint 1356 Breslau; Hannus Haneman von Retschmerdorff 1399 Liegnitz; Hans Hamann von Kunigshain 1590 Görlitz.


Hänsch, Hänisch (Görlitz [45] Liegnitz [13]), Hansch, Hanisch (Görlitz [22] Liegnitz [9] Hirschberg [8] Neusalz [7] Neustadt [10] Ratibor [8] Neisse).

KF. von Johannes mit slaw. Suffix -isch. Hans Hanisch 1546 Liegnitz; Sebastian Hänysch 1519 Görlitz.


Hanke (Görlitz [41] Liegnitz [32] Sagan [17] Hirschberg [19] Neustadt [32] Neisse oft, Ratibor, Beuthen [31), Handke (Görlitz [17] Liegnitz [27] Sagan [14] Öls [6]), Hantke (OS: Beuthen, Oppeln Neisse, Ratibor, Öls).

Häufige KF. zu dem beliebtesten Vornamen des MA.: Johannes, gebildet von der Tonsilbe mit slaw. k-Suffix. - Belege: Hanke Cranch, Hofrichter = Hannus Cr. (Lg UB S. 499); Hanke Weller 1380 Liegnitz; Hanco Polkewicz und Hannus P. abwechselnd für dieselbe Person 1372 ff. Liegnitz. (Stbch. I 1a, 2a, 2b); Hanke Bwdessin 1346 ff. = Joh. B. in Breslau (Rcht. S. 17); Hanke de Hart 1364 Breslau = Hensil von der Hart 1350 ebd. (Rcht. 17); Hannos und Hanke, Söhne der Hese Peter cromerinne 1357 Breslau (Rcht. 17/18); Steffan Hancke 1464 Görlitz, u. ö. ebd.

Haschke (Görlitz [7] Neisse, Breslau oft).

Slaw. KF. von Johannes, auch: Haschek, Hasse(c)k, Haske. Vgl. auch Jaschke! – Belege: Haschke Tesschener 1423 Liegnitz.


Hennig (Görlitz [43] Liegnitz [12] Grünberg [9] Glatz [7] Neusalz [6] Sagan [6] Hirschberg [8] Trebnitz [5]), urspr. Henning (Görlitz), patron. Henniger (Glogau); oberschles. (polonisiert): Hennek (Oppeln [1] Sp., Ratibor, Neisse), Henneg. Vgl. Johenning (Hirschberg [1])!

KF. zu Johannes, dem beliebtesten TN. des MA. Auffallend ist das ing-Suffix, das sonst nur im Niederdeutschen begegnet; in Altschlesien als Rufname in dieser Form selten. – Belege: Henningus Muhlheym 1300 Breslau; H. pistor 1316 Breslau; H. Winter 1349/60 Breslau; Henning Ome 1361 Kochern/Ohlau; Hennyg Eczil 1379 Görlitz = Johannes E. 1352 ebd. (Cod. Lus. III.). Als FN.: Nitsche Hennyng 1389 Liegnitz; Pauel Hennig 1421/22 Görlitz.


Hannig (Liegnitz [14] Görlitz [6] Glatz [6] Habelschwerdt [6] Neisse, Neustadt [11] Öls [6] Ratibor, Beuthen [7]), Hannich.

Mundartliche Form von Hennig, bes. in der Grafschaft Glatz: Ober- und Nieder-Hannsdorf b/Glatz hieß urspr. Hennigsdorf. – Belege (erst vom 16. Jh. an): Jako Hannig (Hennig) 1599 Liegnitz (Tschersich).


Hensel, Hänsel (Görlitz [41] Liegnitz [20] Hirschberg [4]), mdal. Hansel (Neisse).

Patron. Hens(e)ler (Liegnitz, Görlitz, Glogau), Hänsler (Görlitz); Hensolt (Liegnitz, Görlitz). Beliebte dt. KF. von Johannes. – Belege: Hensil mit den liben owgen 1369/72 Liegnitz = Hannus m. d. liben awgen 1385 ebd.; Hensil von der Hart 1350 = Hannos de H. (Rcht. 17); Henssel sive Johannes dictus Salomon 1341 Liegnitz; Jocoff Hensill 1425 Görlitz. Noch häufiger aber war die eigentlich schles. KF.:


Henschel, Hentschel (Görlitz [75] Liegnitz [47] Hirschberg [17] Öls [17]), Henschelmann, Hentschelmann (Glogau), gebildet mit l-Suffix von der Form Hantsch. – Belege: Hentschil de Tannenberg 1347 Liegnitz; Henczil pechman 1369 Breslau = Hensil p. ebd. (Rcht. 17); Hentschil stellemecher von Haynaw 1382 Liegnitz = Hensil st. v. H. 1383 ebd.; Hentschil Grofeendirlyn 1424 Liegnitz = Hantsche Grünberg. 1411 ebd.; Hantsch(co) Rychart 1372/81 Liegnitz.


Henschke, Hentschke (Görlitz [15] Liegnitz [3]), Hanschke, Hantschke (Görlitz [3] Liegnitz [4]).

Desgl. KF. mit k-Suffix von Johannes. – Belege: Hancz von Zarow 1349 Breslau (Rcht. 17); Hantsch(co) Richard 1372/81 Liegnitz; Hantsch (Hancz) Rycholff = Hannus Reycholff 1367 ff. Liegnitz; Hantsche Grofeendirlyn 1411 Liegnitz = Hentschil Gr. 1424 ebd.; Caspar Hantschcz 1427 Görlitz, u. ö. ebd.


Hielscher (Görlitz [18] Liegnitz [16] Sagan [5] Hirschberg [16] Öls [4] Neustadt [0!] Oppeln [7] Beuthen [7]), auch Hilschen (Oppeln [6] Beuthen [2] Glatz [3]), selten Hiltscher, Hieltscher, neiderl. Heilscher.

Dieser typisch schlesische, bisher nicht enträtselte Name geht zurück auf den weibl. Taufnamen Helusch, Hilusch: Helusch di lange Cristaninne = Hylusch Cristanynne 1344 Glatz, ebd. eine Nonne Hele 1362; Mertin Helusch 1397 in Liegnitz; Nicklos Hilsscher schultes zu Frolichsdorff 1408, George Helischer 1437/38 Görlitz; Elisabeth Hylischerynne 1491 Liegnitz. Wie die Endung -usch ist der ganze Name nur aus dem Slavischen erklärbar, da deutsch Hille = Hildegund (so Gräbisch) sich mit der Stammsilbe (e bzw. i) nicht verträgt und der Häufigkeit auch ein beliebter Taufname entsprechen muß. Es ist wendisch Hylza = Else, Ilse, also Elisabeth (nächst Margareta und Katharina damals der häufigste Name); Vollform wendisch Halzbjeta, deren tschech. KF. Bjetka der in Alt-Breslau belegten Betke zugrundeliegt. (Vgl. Bronisch, S. 179). Die Endung -er drückt die Zugehörigkeit aus, also Hielscher etwa: Sohn der Elisabeth, wie Alscher: Sohn der Adelheid, Thielscher: Sohn des Thielusch.


Hosemann (Neustadt [9] Görlitz [3] Neisse, Breslau oft), Hose, Hoose (Neustadt [13] Neisse).

Offenbar auf die Gegend von Neustadt/Oberschlesien u. Neiße beschränkt, in alter Zeit aber auch in meißnisch-sächs. Quellen belegbar. – Belege: Hose u. Hoseman
1349/51 Brgr. v. Meißen; Mat Hose (Hoze) 1416 ff. in Freiberg/Sachsen (UB. Frbg. Bd. 3); Mich. Hose 1472 ff. ebd. Pet. Hosche 1390 Brieg.


Hylla siehe Hille!


Ilgner, Illgner, Illner (Liegnitz [23] Hirschberg [9] Görlitz [5] Landeck [6] Sagan [4]).

Gleichbedeutend mit Tilgner (siehe dies!), also Angehöriger der Ottilie. Auch einfach Ilge und Ilgen (Görlitz), ferner Ilgenfritz (Neisse), Illig (Görlitz [3]), Il(li)gmann (Illichmann) (Görlitz [10]). Als Rufname begegnet Ilge neben Ottilia um die Wende des 15. Jh., z. B. in den Landbüchern des Fürstentums Schweidnitz-Jauer (Staatsarchiv Breslau Rep. 39 F III 17e): Fraw Ilge Schindelin, Fraw Ilge Zettrassin (1480/94), Fraw Ilge von der Heyde (1495/1506), Fraw Ilge Nimptschin (1507/19) neben Fraw Ottilia Logawin, Fraw Ottilia Monawin (1507/19). Zum Abwurf des Silbenanlauts vgl. Aßmann neben Raßmann (von Erasmus). Ottilie bocvelinne 1348 Breslau; weitere Belege unter Tilgner! Ha. Ilgener 1444 Freiberg; Bartel u. Michel Ilgen 1483 ebd.


Jäckel (Görlitz [56] Liegnitz [31] Hirschberg [25] Sagan [7]).

Beliebte deutsche KF. vom Hl.N. Jakob (s. auch diesen!). Jekil Bewgentancz 1383 Liegnitz erscheint auch (1381) als Jacobus B.; Jekil Wasserman 1372 Liegnitz = Jocob W. 1384 ebd. Als FN.: Jocoff Jeckil 1484 Görlitz, u. ö. ebd. Vgl. unter Jockisch!


Jander (Liegnitz [16] Görlitz [5], Oberschlesien-[00]!]), Janders (Görlitz [3]).

Polnische Form des Hl.-N. Andreas. Jander Bowlcze von Grunaw 1437 Liegnitz; mit k-Suffix: Jandirke, Mykno, Staniko, Brüder des Pauwel Hamycz 1394 Liegnitz.


Jänsch, Jentsch (Liegnitz [54] Görlitz [23] Hirschberg [18] Sagan [5]).

Slaw. KF. von Johannes. Schon 1285–1316 in Breslau: Jenscho (de) Gorlicz (Rcht. S. 17).


Jäschke (Liegnitz [25] Görlitz [22] Glatz [10] Habelschwerdt [7] Hirschberg [4]), Jeschke (Görlitz [35] Liegnitz [9] Hirschberg [2]), Jeske, Jesche, Jäsche, Jescheck.

Oberschles.: Jaschke (Neustadt [7] Neisse oft, Neurode [4] Landeck [3]), Jaschek, Jaschik, Jasche (a: mdal); Patron.: Jeschner (Görlitz). Vgl. ON. Jeschkendorf b. Liegnitz. Slaw. KF. Jesco = Johannes. – Belege: Jesco Cerstani 1324 Liegnitz; Jesco Beme (!) 1372 Liegnitz; Jeschke anezele 1345 Breslau; Andrebis (Andreas) Jeske (Jeschke) 1384–97 Liegnitz; Jaschke, Bruder des D(e)rschke Laskowsky 1457 Ratibor (Cod 2,63); Jeschke Horschicz 1380 Glatz.


Jenke (Liegnitz [11] Görlitz [7] Neustadt [3]), Jänke, mit der patron. Abl. Jenkner, Jänkner.

Slaw. KF. von Johannes. Auch in ON. wie Jenkewicz (Rcht. 81). – Belege: Jenko furman 1472 Görlitz (Jecht 30); Jenco Pelca 1316 (Cod. 1).


Jochmann (Görlitz [14] Liegnitz [2]), seltener Jachmann (Grünberg [8] Görlitz [2]).

Auch einfach Jache, Joch, mit Suffix Jachan (Liegnitz). Typisch schles. Namensform von dem allbeliebten Johannes, beruhend auf der tschech. KF. Jach(a); vgl. Johannes alias Jacha 1377 Prag (Schubert, Reg. S. 113). Parallele tschechische Bildungen sind Stach = Stanislaw, Mach = Matthias, Bach, Pach = Bartholomäus, Pech = Peter u. a. Vgl. auch Lach(mann), Loch(mann)! – Belege ferner: Jacha in Alt-Breslau (Rcht. 57); Nicclos Jachman 1380 Liegnitz; Merten Jache 1465 (Freiberg UB. 3, 263).


Jokisch, Jockisch (Liegnitz [4] Görlitz [3] Brieg [5] Neustadt [7]), Jocksch, Jockschmannn (Görlitz) eigentl. Jackisch (Görlitz [36] Liegnitz [5] Brieg [6]), Jacksch (Görlitz [6]), Jäcksch.

KF. vom Hl.N. Jakob(us) mit isch-Suffix, die a-Form besonders in der Lausitz. Als TN. z. B.: Jokusch Redliz 1467 (Urk. Öls S. 171). Als FN.: ... Jakusch 1380 Liegnitz; Lorencz Jokisch 1435 Liegnitz = L. Jokussch 1433 ebd.; Niclas Jackisch gerber 1500 Görlitz, u. ö. ebd.


John (Görlitz [45] Liegnitz [43] Sagan [12] Hirschberg [14] Beuthen [11]), seltener Jahn (Görlitz [10] Liegnitz [10] Neustadt [8] Neisse).

Mit slaw. k-Suffix: Johnke (selten), Janke, Jahnke (Görlitz [11] Liegnitz [9]). D. i. Johannes. Ferner Jähne (Görlitz [14]), Jänicke, Jähnicke, Jähnchen (Görlitz [2]), Jähnichen (Beuthen [5]), Jähnel (Brieg [4] Neisse), Jahnel (Neisse oft, Neustadt [3]), Johnel (Görlitz [3]) auch Jähndel, Jahndel (Neisse), mit Gleitlaut d, vgl. Händel, Hähndel! Jähner (Görlitz [6]), Jahner (Görlitz [6]).

John nebst Hanke, Jänisch und Jäschke sind die häufigsten Sproßformen slawischer Prägung von Johannes, während von den deutschen Formen Hentschel (Hensel) und Hä(h)nel alle anderen überragen. – Belege: Jone de Borsnicz 1351 = Johannes de B. 1356 Breslau (Rcht. 17); Petir Jone 1404 Liegnitz; Jano de Beckern 1342 = Johannes de B. 1321 Liegnitz (UB.); Janko de Glogovia 1372; Janchin Wernheri 1382; Jenchin von Czockelow 1369 (Rcht. 17); Jenechin von dem rode (um 1330) = Jone v. d. r. (um 1327 Görlitz); Jecht 5; Jenchyn Heyntschuld 1383 Liegnitz; Hannus Jenchin 1397 Liegnitz. Vgl. unter Jän(i)sch!


Joppich (Liegnitz [11] Görlitz [2] Neisse), Jopke, Jobke (Görlitz [3]).

Eingedeutscht aus Jobek, der slaw. Form von Jakob. - Belege: Jobek Smyt 1424 in Sillein/Slowakei = Joklynus Faber 1417 = Jakel Smyd 1416 = Jacob Smyt 1403 (Weinelt S. 104). Aber Joppe und Juppe siehe unter: Übernamen!


Jordan (Görlitz [9] Liegnitz [8]).

Unter dem Einfluß der Kreuzzüge kam seit dem 12. Jh. der Name des heiligen Flusses als christlicher TN. in Gebrauch (Edw. Schröder). Schon 1147 in Ölser Urkunden ein Graf Jordanus, 1306 in Liegnitz ein Schöffe J., 1377 in Breslau ein J. genannt v. Gandirsem. Auch Judenname in Alt-Breslau und -Glatz. Als FN.: Jekil Jordan 1382 Liegnitz (Schöpp., 25b).


Just (Liegnitz [15] Görlitz [10] Grünberg [6] Neurode [8] Glatz [4] Brieg [7] Beuthen [6] Oppeln [4]).

Mundartliche Form von Jost, der alten KF. des Hl.N. Jodocus (vgl. franz. St. Josse). So schon 1433 in Glatz: Just Wetwe = Jost Wytber 1440; Just Brunnar 1491 = Jost Br. 1493 (Gl. Geschqu. II); ebd. als FN.: Jorge Just 1500; in Görlitz 1565: Hans Just. Im Kr. Grünberg 1414: Marquert Jost (Cod. 24). Erinnert sei an Luthers Freund: Justus Jonas, der eigentl. Jobst Koch hieß. Für Jost = Jodocus: Jost Hosebendil 1346 Liegnitz = Jodocus dictus Hozebendil 1348 ebd. (UB, S. 113); Jost Czebenicz 1416 = Jodocus Zebenicz 1415 Liegnitz (Bw. S. 110); Meister Jodokus (Jost) Tauchen, 1457 ff. Steinmetz in Breslau, gewöhnlich „Meister Jost“ genannt. Vgl. auch Markgraf Jost (Jodocus) von Mähren um 1400 und die Erwähnung der Wallfahrt nach der Benediktinerabtei St. Jodek (St. Josse) bei Calais, im Glatzer Stadtbuch 1371: eyne vart czu zende Just! Vgl. Jost Trier, der hl. Jodocus (1924)!


Jüttner (Liegnitz [31] Görlitz [17] Brieg [9] Neisse oft, Oppeln [9]).

Sohn oder Angehöriger der Jutta, d. i. Juditha (Schles. Regesten 2, S. 13, a. 1252). Gebildet wie Eitner, Leuschner usw. vom Genitiv mit metronym. -er. – Belege: Jutta tunc meretrix 1341 Liegnitz; Jutte, Hannos apthekers tochtir 1346 Breslau; Hannus Jutten(er) 1438 Liegnitz; Niclas Jüttener 1435 Rüstern (Tschersich 312); Paul Jotener 1476 Neisse; Hanns Jewtener 1445/46 Görlitz. Zum FN. Jütte vgl. Petir Jütte 1381 Sorau Land, Hanns Jewte 1463 Görlitz.


Kasper (Görlitz [19] Glatz [10] Neurode [10] Neustadt [14] Liegnitz [5]), Kasperek (Oppeln [8]).

Als einer der heil. drei Könige (Kaspar, Melchior u. Balthasar) (Festtag 6. Jan.), beliebt, in Schlesien erst im 15. Jh. – Belege: Caspar Czadilmait, consul 1398 Breslau (Rcht. 18); Caspar poschil 1491 Liegnitz, u. ö. ebd.


Kirsch (Liegnitz [24] Görlitz [16] Grünberg [7] Sagan [5] Neisse oft, Neustadt [6] Oppeln [6] Beuthen [10]) Kirschke (Glogau [7] Sagan [5] Grünberg [4] Neusalz [4] Görlitz [5] Beuthen [4]), selten Kirscht(e), Kirschmann.

Man könnte in Kirsch den mittelbaren Berufsnamen für einen Obsthändler vermuten (mhd. kerse, kirse, „Kirsche“). Aber die Häufigkeit und die aufs Slawische deutende Form Kirschke (bes. im Neiderland!) dürften Mucke recht geben,
der darin die wendische KF. Kirst zu Christian erblickt, die auch den ON. Kirsch Kr. Bunzlau und Kirschau b. Bautzen (!) zu Grunde liegt. (So auch Heintze-Cascorbi). Vgl. Kirstanus (Kristanus) de Kanth 1328 Breslau; Hensil Kirstan 1377 Liegnitz.


Kirschner (Oppeln [7] Neisse Liegnitz) gehört offenbar als patron. Ableitung zu Kirsch, wie Kittner zu Kittan (Christian), Methner zu Mieto (Mertin) u. a. z. T. mag auch entrundetes Kürschner vorliegen (s. dies!).


Kittel (Neustadt [7] Neisse, Ratibor, Beuthen [9] Liegnitz [3] Görlitz [2]). Kittelmann (Hirschberg [8] Görlitz [7] Liegnitz [6]), Kittler (Görlitz [3] Beuthen [2]).

Zu Grunde liegt die slaw. (-wend.) KF. Kito (mit an-Suffix: Kitan) vom kirchl. TN. Christian, wie auch in den ON. Kittlau Kr. Guhrau, Kittelau Kr. Nimptsch, Kittelwitz Kr. Loebschütz. Kittlitz b. Löbau. Das deutsche Wort Kittel in Übernamen wird stets mit e geschrieben: Czerenketil, Rysenketil! – Belege: Joh. Kytil 1330 Schweidnitz; Pawil Kittel 1433 Liegnitz; Jocoff u. Lorencz Kyttel 1482/83 Görlitz; Hanns Borisch alias Kittelman 1460/61 Görlitz; Chitolo miles (UB. Hochstift Meißen I 36). Für den TN. Kitan: Kethan von Gerhardsdorf 1374 Görlitz; Christophel und Kytan (von Gersdorf) 1399 Görlitz; Kitanus de Landescron 1342 (UB. Liegnitz S. 92). Von dieser Suffixform leitet sich auch Kittner her (Liegnitz [13] Öls [11]). Eine erweiterte slaw. KF. ist ferner


Kitschelt (Neustadt [4]), Kittschler (Neustadt), Kitzler (Neustadt [6]), Ketzler (Ratibor [6] Hirschberg [5] Görlitz [3]), Kätzler (Liegnitz [5]), Ketzlar, Kitzlar (Oppeln) gebildet wie Petzold-Petzler (von Peter) mit Hilfe des bekannten -old bzw. der patronym. Endung -er, von der KF. Kycze. – Belege: Kiczold von Hoeberch 1336 Schweidnitz; Kiczold, Kitscholt 1351 Glatz; Kiczolt de Wezen 1380 Görlitz; Kytschuld (v.) Alczenaw 1415 Liegnitz. FN. Kitzold, Kiczschold(i) in Alt-Breslau (Rcht. 53); N. Kyczler 1511 Leipzig (Cod. dipl. Sax 12, 466). Vgl. Kycze Stoer 14. Jh. i. Böhmen (Lippert 2, 205). Hanco Ceczler institor 1349 Liegnitz (UB. S. 121); Keczil bader 1393 Görlitz.


Klar (Glatz [14] Habelschwerdt [10] Neisse oft, Ratibor [10] Görlitz [9]), Klare, Klahr.

Sohn (oder Angehöriger) einer Klara. Dieser TN., nach der heil. Klara, der Stifterin des Clarissenordens, war z. B. in Liegnitz im 14. Jh. sehr gebräuchlich (Bw, Diss. S. 114). Ein St. Klaren-Kloster in Breslau! – Belege: Niclos Claren 1349 Breslau, Peczco der Claren 1369 (Cod. 36, 1 Nr, 46); Nicze mit der Claren 1387 Görlitz; Jorge der Schulmeister ... Nitsche Claren son 1384 Liegnitz = meistir Jorge Clare 1403 ebd. Vgl. Paul Clareman 1435 (UB. Hochstift Meißen Bd. 3).


Klemt, Klemmt (Görlitz [26] Liegnitz [7] Hirschberg [6]), Klemm (Liegnitz [12] Görlitz [8] Hirschberg [4]), Klämt, Klämbt,

Klamt, Klammt (Görlitz [7] Liegnitz Beuthen [9]), Klamet, Klammet, Klammeth, Klameth (Neustadt [6] Neisse), Klamp, Klampt, Klampke,

Kliem, Kliemt (Görlitz [15] Liegnitz [9]), Klimke, Kliemke, Klinke (Neustadt [16] Neisse), Kliemchen, oberschl. Klimek (Oppeln [23] Beuthen [28]).

Alles Sproßformen von Clemens (Liegnitz [6]), Klemen(t)z (Beuthen [11]); das End-t beruht auf der slaw. Grundform Klement, bzw. Kliment; die a-Formen bezeugen den mdal. Wandel von (mhd.) e zu a (vgl. Unwerth § 8), der schon im 14. Jh. belegbar ist; vgl. Clament um 1400 (Jungandreas, zur schles. Mda. S. 71). Zur Palatalisierung von m vor k = n (Klinke = Klimke) vgl. Klemke = Klenke. – Belege: Clement der snyder 1397 Liegnitz; Clemet Schubart 1532 ff. Liegnitz (Zinsbuch); Hans Clement 1484 (Cod. 4, 305); Tomas Clem(e)t 1558/64 Liegnitz (KiBch. 2, 17.57). Clymke Suir (Burdach Bd. 9.); Clymke Kobeliczky 1457 (Cod. 2, 64/65); Albertus Climke 1352 Liegnitz (Bbch. 41). Vgl auch Klette, Klatte, Kliche u. Kli(e)sch!


Klett, Klette (Görlitz [8] Liegnitz [6] Trebnitz [4]), mdal. Klatte (Hirschberg [3] Trebnitz [3]).

Wegen der Sproßformen Kletke, Kletsch und Klettner (Sagan) nicht zu mhd. klette „Klette“, sondern höchstwahrscheinlich (als slaw. KF.) zu Clemens gehörig. – Belege: Henslinus Clette 1349 Liegnitz; Jacob Klette 1389 Schweidnitz; Pawel Clette 1450 Görlitz.

Kliche (Grünberg [22] Neusalz [6] Liegnitz [10] Görlitz [4]), Klich, Klicher, Kliesch/Klisch (Breslau oft, Beuthen [7]), Klietsch/Klitsch, Klitscher (Neusalz [6] Sagan [4); Klesch.

Zweifellos Sproßformen slaw. Prägung von Kliment = Clemens, gebildet auf -ch wie Mach von Matthias, Pech von Petrus, Stach von Stanislaus usw. Auch die Parellele Klicher – Klitscher und die Verbreitung im Neiderland deuten darauf hin. – Belege: Klych und Bernhart von Thawraw 1456 (Cod. 4, 161); Hensil Kletsch 1369/72 Liegnitz. Vgl. Klitschdorf b. Bunzlau.


Klose (Liegnitz [102] Görlitz [46] Hirschberg [44] Bunzlau [14] Freystadt [7] Sagan [12] Glatz [8] Öls [15] Neisse oft, Neustadt [8], R 1 Sp., Oppeln 1 ein Viertel Sp., Beuthen [36]) auch Kloss/Klos (Görlitz [28] Sagan [17] Freystadt [7] Liegnitz [5] Ratibor [7] Oppeln [12]), selten Klösel, Kloßmann, Oberschlesisch auch Klosa (Oppeln [11]), Klossek (Ratibor Oppeln Beuthen [8]), Kloska, -e.

Die in Schlesien heimische, volkstümliche Kurzform vom Hl.N. Nikolaus, seit dem 14. Jh. nachweisbar, während die urkdl. Quellen meist Nicclos schreiben; vgl. auch unter Nickel und Nitsche! Nicolaus alias Klose Posser, consul 1444, Nicolaus alias Close Czatach, senior 1444 Weidenau, Fürstent. Neiße (Grünhagen, Lehnsurkunden). – Belege: Close Reychloff 1406 Wildschütz (UB. Liegnitz 272); Close Synnengebil 1388 Breslau; Close Korsner 1421 Oppeln (Cod. 6, 48); Cloze Schaffroth 1399 Habelschwerdt; Close wassirman 1415 Liegnitz; Closo Cunczmann 1414 Kr. Grottkau; Clos Czygenholz 1456 Krzemienica; Nyclosil 1391 Görlitz; Closelo Werusch 1415 Neisse; Clösel Sohn des Henel um 1400 Sillein; Klosil Epfeler 1373 Glatz. Als FN.: Niclas Close 1413 Liegnitz; Gregor Klosse 1453 Liegnitz; Sifert Clos 1390 Görlitz; Niclas kloseman 1423 Liegnitz; Nikil Klösel 1344 Glatz; Niclos Clos 1416 Brgmstr. Freystadt (Cod. 24).


Krätzig (Liegnit [6] Görlitz [2] Glatz [1] Beuthen [4]).

KF. vom Hl.N. Pankratius (einer der 3 Eisheiligen). – Belege: Nickel, Jorge, Cretczing gnand gebruder (von Czedelicz) 1429 Liegnitz; Creczing seyling 1416 Liegnitz; Pancratius Kretczing/Kretczig 1453 Liegnitz; Bartel Kretzigk 1493 Wünschelburg; Wenczel Kraitzig 1490/93 Görlitz. Vgl. Hannus Cratcz 1415 Liegnitz; Niclas Kratczman 1435 Liegnitz.


Kriebel (Görlitz [20] Liegnitz [17] Haynau [9] Sagan [7] Hirschberg [4]), Kriebler.

Ein vorläufig nicht deutbarer Name slawischer Wurzel, der auch in ON. wie Krieblowitz Kr. Breslau (alt Crebilwicz) und Kreblitz Kr. Lukau begegnet. Mit dem altdt. PN. Krebolt (Fm. 986), wie Rcht. S. 53 meint, hat er natürlich nichts zu tun. – Belege: Hanmis Crebil 1372 Liegnitz; Nicclos Crebil 1393 Liegnitz (UB.); Pet. Crebil 1469 Brieg (Cod. 9); Nicol. Crebil 1494 ebd.; Michael Cribel 1484 O./S. (Codex dipl. Silesiae, Breslau 1857 ff., Band 6). Vgl. FN. Krebisch 1392/93 Görlitz.


Kriesten (nur Grafschaft: Landeck [10] Neurode [7] Reinerz [6] Habelschwerdt [5] Glatz [4]), vgl. Krista (Kudowa [3]), Kristen (Landeck [5]) d. i. Christian.

Der kirchliche TN. Christianus „ein Christ“ (noch mhd. christen), nach Apostelgeschichte 11, 26; das Wort wurde schon früh als Appellativum wie als Eigenname gebraucht. Vgl. Nickil Uncristen 1355 in Breslau. Christ (Neustadt [17] Oppeln [9] Ratibor [5] Liegnitz [5] Görlitz [8]) ist dazu die mehr oberschlesisch verbreitete Kürzung. Vgl. auch unter Kirsch und Kittel! – Belege: Kirstanus de Kanth 1328, auch Kristanus de K., Schöffe in Breslau (Rcht. 18); Kirstan und Cristian auch in Alt-Liegnitz (Bw S. 107); Crisanus comes 1149 (UB Liegnitz S. 2); Kirstanus Hamme. 1332–50 Liegnitz; Hanns Cristan 1399 Habelschwerdt; Peter Crisc 1451 Glatz.


Krusch, Krusche (Liegnitz [10] Görlitz [8] Grünberg [6]), selten Kruschke, Kruschel. Vgl. S. 131!

Z. T. mag der ON. Krauscha nö. Görlitz (alt: Crusche) zugrundeliegen. – Belege: Spittelhannus alias Peter von der Crussche 1427 Görlitz; Peter Crussche 1459 ca.

Schweidnitz; Nickel Crusche der hütter 1508 Liegnitz. Vgl. Hinko Cruschina (Crusche) von Lichtenburg 1440 u. ö., Hauptmann von Glatz. Aber Francze Crowschaw 1376 Liegnitz.


Kube (Grünberg [18] Freystadt [5] Liegnitz [10] Görlitz [7] Neisse), Kuba

mit Suffix: Kubisch, Gubisch, Kubis (Beuthen), Kubek, Kubik, Kubick (Beuthen [18] Ratibor), Kuban, Kubon (Görlitz [10]), Kubatz, Kubasch (Grünberg) u. ä. Slaw.-poln. KF. von Jakob (Jokub). Siehe auch Kupke! – Belege: Kuba Gomolka de Brethenaw (Mon. Lubensia S. 59); Heincze und Kuba v. Craykaw 1456 in Tschechnitz (Cod. 4, 161); noch 1596 Kuba Jersickhe Bauer in Tschepelwitz/Brieg; Michel Kube 1596 Bauer ebd. (Stadtarch. Breslau B. 83); Heinrich Kuba 1428 Görlitz; auch in Breslau: Kube, Cuba (Rcht. 58, 85); Kuba 1386 (Cod. 3, 115).


Kupke (Grünberg [19] Görlitz [5] Öls [11]), Kupka (Beuthen [27] Oppeln [21] Ratibor 1 Sp.).

Dasselbe wie Kube (mit k-Suffix), s. dies! Vgl. auch Jopke, Joppich!


Lachmann (Görlitz [63] Liegnitz [12] Bunzlau [7] Grünberg [7] Trebnitz [13] Ratibor [7] Neisse oft), Lochmann (Liegnitz [5]) seltener Lach, Lache, Loch/Loche (oberschles.: Oppeln [10] Beuthen [7]).

Wie Jachmann, Jochmann, Jache von der slaw. KF. Jacha = Johannes, so ist Lachmann nebst Lach/Lache zweifellos von der slaw. KF. Lach/Lacha = Ladislaw gebildet, desgl. die o-Formen (beachte die oberschlesische Heimat!), obwohl vereinzelt Ableitung vom Örtlichkeitsnamen „Loch“ denkbar ist; vgl. in Breslau: Pecze im loche 1352 = Peter loch (Rcht. 68), nebst hof der do heisit in dem loche (Rcht. 68). Zahlreich bes. in der Oberlausitz (vgl. Karl Lachmanns Heimat!). – Belege: Merten Lache von Grune bey der Schweidnitz 1549 Görlitz; Hans Lache von Grunaw 1534 Görlitz; Hans Lachman 1482/83 Görlitz; Benedictus Lachman 1565 Liegnitz, auch Lochman geschrieben! Peter Lochman 1489/90 Görlitz, und viele andere ebd.! Nicclos Lochman (Rcht. 68); Matz/Matzeck Loch vom Dombsell (Domslau) 1555 (Cod. 4, 88, 89.).


Lanksch, Lankisch (Liegnitz)

KF. mit isch-(usch-) Suffix vom poln. PN. Lankomir (Mickl. Nr. 211). Vgl. auch die ON. Ober- und Nieder-Lanken Kr. Guhrau u. Lankau Kr. Namslau. Die Deutungen Reicherts (S. 123 u. S. 53) sind völlig unmöglich. – Belege: Lankusch 1408 Görlitz; Niclos Langkesch 1420 Habelschwerdt; Nikil Lankusch vnd Stephan Lankisch gebrudere 1437 Liegnitz; Paszko filius Lankomiri de Negolewo 1396 Kosten (Grodbücher 2, 246).


Laske (Oppeln [5] Neustadt Breslau oft), Laschke (Glatz Habelschwerdt), Laska, Lassak, Lassek (Oppeln Ratibor Neustadt Beuthen) Lasker (Breslau), Lasse, Lassmann (Neisse Ratibor Görlitz). Nur oberschlesisch.

Alles Sproßformen von slaw. Ladislaw (Laslaw), eigtl. Vladislav, bzw. Vladimir (Mikl. Nr. 40). Desgl. die FN. Latte (Glatz), Latta, Lattka, Latton (Ratibor oft) = Vlado, Vladko, Vladon (Mikl. Nr. 40). – Belege: Laske 1347 Breslau (Rcht. 20); Lasla der arczt 1399 Breslau (Rcht. 20); kunig Laslaw (von Böhmen) 1452 (UB. Liegnitz S. 453); Lasslaw Brawn 1511 (Cod. 4, 322); Laslaw von Sternberg 1517 Görlitz.


Laube (Sagan [13] Grünberg [11] Neusalz [7] Görlitz [11] Liegnitz [13] Hirschberg [8]), mit isch-Suffix: Laub(i)sch (Grünberg [6] Görlitz [4] Liegnitz [2] Öls [2] Ratibor [2]).

KF. von Lubislaw, Lubomir u. ä. (Mucke S. 65), bes. im Neiderland und in der Lausitz. Für Laube kommt auch der ON. Lauba Krs. Bautzen, bzw. Laube/Posen u. Böhmen in Betracht. Slaw. lubu/ljubu = lieb, geliebt (Mikl. Nr. 207). Vgl. unter Liebe! – Belege: Lubislav/Lubischlav 1381 Sorau Land; Lubezlaus cellerarius noster de Lukkowe 1276 (d. h. des Markgrafen Heinrich v. Meißen), UB. Kloster Dobrilugk S. 59. Petir Lubisch 1381 ebd. Georg Lubisch jun. 1598 Görlitz; Georg Laubisch 1593 Görlitz; Baltazar Laube 1562 Görlitz.


Lauber, Laubert (Liegnitz [9] Sagan [4]) aber ist Ableitung von ON. wie Lauba/Bautzen u. ä., vgl. Lieber/Liebert!


Leuschner (Liegnitz [47] Görlitz [22] Bunzlau [6] Hirschberg [9] Trebnitz [10] Grünberg [3] Oppeln [3], aber Neustadt-Neisse-Glatz = 00!), auch Leischner; Lauschner (Hirschberg [1]).

Da die Ausgangsform des bisher unerklärten Namens Luschener lautet und Lusche in Schlesien mehrfach bezeugter weibl. TN. war, handelt es sich um den Angehörigen der Lusche, d. i. der Lucia, vgl. Wernher (mit) der Lucien (1362 Glatz). Die einmalige Gleichung Lusche = Gerusch (d. i. Gertrud) in Breslau (Rcht. 33) muß auf einem Irrtum beruhen. Vgl. auch die Parallele Czusche = Czuschener = Tscheuschner. – Belege: Luscha mater fr. Thylonis de Welleberc, Kamenz (Jungandreas 201); Lucza, Fr. des Martin v. Haynau, gen. Budziwoy (Damroth 220). Lucie steinkelrinne 1351 Breslau. Als FN.: Nic. Lussche scabinus 1361 Ratibor (Cod. 2, 162); Heynricus Lüschener 1340 Freiberg; Henschel L. 1378 ebd.; Niccil Luschener 1381 Sorau Land; Mertin Luschener 1461 Görlitz; Hans Leusschener 1449 Görlitz; Steffan Lewschener 1508 Liegnitz. Kürzung aus Alusch, Hielusch ist möglich!


Liebig (Hirschberg [35] Görlitz [46] Liegnitz [24] Grünberg [12] Sagan [9] Ratibor [8] Oppeln [6]).

Durchaus bodenständig, besonders in der Hirschberger Gegend. Daher nicht aus altdt. Liubinc (Socin Sp. 126) erklärbar, sondern nur aus dem beliebten schles.-altslawischen ljubu, tschech. lib, „lieb, geliebt“ (Mikl. 207), das in TN. wie Ljuboslaw (Liboslaw), Ljubomir (Libomir) u. ä. vorliegt. Die ältesten Belege (des 14. Jh.) lauten stets Libing, dessen (eingedeutschte) Endung erfahrungsgemäß auf (tschech.) Libnik zurückweist. Nach jahrelangen Bemühungen ist mir jetzt der Nachweis hierfür mit folgendem Beleg geglückt: Libniko iudex de Stephandorff 1275 = Libincko iudex de St. 1280 (Cod. dipl. Moraviae 4, S. 167, 241). Ebd. 1, 126 ein Lubinik! Petrus Libnik vasallus (des Herzogs Johann von Steinau) 1337 (Lehns- u. Besitzurkdn. Schl's., hrsg. v. Grünhagen u. Markgraf, I S. 150). Zu dtsch. -ing = slaw. -nik vgl. Lessing = Lesnik, ferner Fricze Melink 1358 = F. Melnik 1361 Glatz, nebst ON. Melling = Melnik; Jachnig von Popschicz 1393 = Jaching P. 1413 = Jasching P. 1405 (Kr. Grünberg: Cod. 24) - Belege: Liwing (Sohn des) Rudolf 1311 Neisse; Lybinc 1318 Schweidnitz; Libingus Landiskroner 1353 = Lywinck L. 1360 Glatz; Libingus de Glacz, ca. 1350 Münsterberg. Als FN.: Francz Lybing 1372 Neisse; Jakob Libink 1375 Glatz; Nicclos Lybing 1392 Liegnitz; Hanke Lybing 1403 Freystadt; Niclas Libing 1416 Schweidnitz; Mattis Libing 1440 Görlitz; George Libigk 1528 Görlitz. Vgl. auch die u-Formen: Petir Lubik 1426 in Steinkirche, u. a. Lubig(k), -ick öfter im Lübbener UB., Bd. 2.


Liebsch, Liebisch (Görlitz [10] Breslau [10]), Liebscher (Görlitz [4]), Liebschner (Liegnitz).

Libuscha war eine (sagenhafte) Herzogin der Tschechen im 9. Jh. Zur metron. er-Ableitung vgl. Al(i)scher, Hielscher usw. Zugrunde liegt der slaw. Wortstamm ljub „lieb“ (poln. lub, tschech. lib); auch in männlichen Rufnamen beliebt (Liboslav, Libomir usw.); daher auch die FN. Lieban, Liebchen; Liebe (Görlitz [10]) kann auch der alte in Görlitz bezeugte deutsche Frauenname Libe = Liebeste = Liphilt sein (vgl. Jecht S. 7, Rcht. S. 33). - Belege: Libusch cromerinne 1357 Breslau (Rcht. 33); Libushe um 1320 Görlitz (Jecht 7); Petrus Lybusch 1367 Neisse; Vgl. auch Mucke S. 64/65! Bemerkenswert ist, daß fast alle schles. ON. mit Lieb- urspr. die u-Formen hatten: Liebau = Lubavia 1301 usw.


Liebel, Liebelt (Görlitz [16] Bunzlau [5] Grünberg [3] Liegnitz [2] Hirschberg [5] Breslau), Liepeit (Sagan [7] Liegnitz [2] Görlitz [2]), Lieboit (Liegnitz [8] Sagan [1]).

Siehe die Erklärung unter Liewald! Auch der ON. Liebel Kr. Rothenburg ist zu vergleichen.


Liebner (Öls [3]) läßt an den ON. Liebenau denken, vgl. Langner = Langenau u. a. Vgl. Jost Libenaw 1387 Liegnitz.


Liewald[GWR 15] (Görlitz [21]).

Sein Vorkommen nur im ehemals wendischen Gebiet der Oberlausitz, u. zwar erst


seit dem 16. Jh., weist auf Entstehung aus der älteren mehrfach dort bezeugten Form Libald, Libolt und stellt damit eine interessante Parallele zu dem FN. Gottwald = Gotebold dar (siehe diesen!). – Belege: Lyboltus, Sohn der Sbyzlava 1208 (Cod. 7, S. 97); Petrus Liboldi 1346 Ratibor (Cod. 2, S. 243); Lybolt FN. 14. Jh. Breslau (Rcht. 54); Hanns Libolt 1453/54 Görlitz; Simon Libald 1526 Görlitz; Merten Libalt (von Glogau!) 1558 Görlitz; Mats Liwaltt 1565 Görlitz! Beachte insbesondere die Gleichung Wenczl Liboldt 1538 = Wenczil Liwold 1538 im Zwittauer Stadtbuch! Ferner Christof Liebaldt, bittner 1619 in Nischwitz.


Littmann (Liegnitz [8] Görlitz [6] Sagan [3]).

Sproßform von tschech. Namen wie Litomir (= Ljutomir), Litobor (= Ljutobor) usw. (vgl. Mikl. 209), zu altslaw. ljutu „grimmig, wild“. Erst seit den Hussiteneinfällen nachweisbar. Vgl. auch die N. unter Lieb(e): lib- = ljub-! - Belege: Hannus Litman 1427 Liegnitz; Jacob Littman 1429 Liegnitz; Jeorge Littman 1571 Görlitz. Auch ein Litman Jude 1472 Glatz. Ferner Mathis Litte 1491 Liegnitz.


Lorenz (Görlitz [58] Liegnitz [33] Sagan [5] Neisse oft, Neustadt [6] Öls [5] Beuthen [14]).

Der hl. Laurentius, nächst Petrus und Paulus Roms berühmtester Märtyrer. Sand Lorentztag 1491 Liegnitz, schon 1252 in Liegnitz als TN. - Belege: Laurencius Rymer 1381 = Lorencz Rymer 1384 Liegnitz; Laurencius alias Loryncz 1491 (Cod. 2, XIX); Lorencz prawser 1491 Liegnitz.
KF. mit slaw. k-Suffix, nur oberschles.; Lorke, Lorcke (Beuthen [4] Oppeln [3] Breslau oft), Lorek, Loreck (Beuthen [9] Oppeln [5] Ratibor Breslau). Vgl. in Görlitz 1510/11: Lorx Meissener, 1518/19: Lorx Mauerman.
KF. mit isch-Suffix, oberschlesisch; Larisch (Ratibor [14] Beuthen [11] Oppeln [6] Neisse Görlitz [6]), Larsch. Vgl. auch Laurisch (Görlitz [2]). - Belege: Georg Larisch 1538 Brieg.


Lux (Görlitz [10] Liegnitz [17] Glatz [9] Landeck [9] Neisse oft, Neustadt [6] Ratibor Beuthen [15] Oppeln [5]), Luchs.

Die übliche zsgz. Form von Lukas (Liegnitz [3] Neisse Beuthen [9] Oppeln [4]), Lucas (Görlitz [14]) KF. mit slaw. k-Suffix, von der Endsilbe gebildet: Kaske (Breslau oft), Kaschke (Neusalz [2] Grünberg [2]). Oberschles. Formen: Lukasch, Lukaschek, Lukoschek (Ratibor 2 Spalten!) u. ä. Patron. Sproßform: Kaßner (Liegnitz [10] Görlitz Neusalz [6] Neisse oft, Neustadt Ratibor Oppeln [10]), Kaschner (Liegnitz [6] Görlitz [3] Öls [5]). Der Name des Evangelisten Lukas (vgl. auch Markus: Marx) ist erst im Laufe des 15. Jh. in Mode gekommen. – Belege: Markus unde Lukas 1369 Breslau (Rcht. 18); Lucas Schypelynne 1316 Liegnitz; Lucas opicz 1491 Liegnitz; Herman Lucas 1422 Liegnitz; Valten Luxs 1555 Görlitz.


Mach, Mache (Breslau), Macha (Ratibor [7] Beuthen [6]).

Tschech. KF. zum HlN. Matthias (Mickl. S. 287), vgl. die Parallelen Jach(e) = Johannes, Pech = Peter, Stach(e) = Stanislaw, Lach(e) = Ladislaw u. a. Sproßformen sind: Machner (Breslau), Machnik (Ratibor [8]); Machura (Beuthen [9]), vgl. Pachura (= Bartholomäus), Machol(la), Machold (Neisse), Machule (Oppeln, Neusalz), Machate (Neisse), Machotta (Beuthen [8]), Machon (Beuthen [5] Oppeln), Machoi (Glogau [10]), Machui (Glogau [6]). - Belege: Macho ist im MA. gebräuchlicher TN. in Böhmen. In Schlesien Macho Snyder 1432 Glatz; Mach, Ratmann in Czarnowanz 1431 (Cod. 1, 117); Als FN.: Heynrich Mache 1370 Glatz. Ein ON. Machendorf im Bez. Reichenberg (Sudet. ON.Buch 1, 36). KF. mit k-Suffix: Matzke (Liegnitz [7]), Matschke (Liegnitz [4]), Metzke, Metschke, Metzig; Matzel(t). Vgl. Rcht. 18 u. C. Metschcaw 1383 Liegnitz. Maczke czydeler 1387 Liegnitz.


Marx (Liegnitz [13] Görlitz [10] Sagan [8] Glogau [6] Glatz [10] Habelschwerdt [10] Neustadt [7] Beuthen [10])

Der Evangelist Markus. Wie Lukas (Lux!) u. a. biblische Namen erst im Reformationszeitalter zur eigentlichen Blüte gelangt. Vgl. auch unter Kusch! – Belege: Marx Elsener = Marcus E. 1558/64 Liegnitz (KiBch. 2, S. 4 u. 286); Marx Heynicke 1538 Görlitz; Marcus Gultberg 1403 Liegnitz; Marcus, Abt des Vinzenz-Klosters in Breslau 1380; bruder Marcus prior des Carthavser ordens 1451 (UB. Liegnitz).


Matern, Materne, Mattern, Matterne (Liegnitz [14] Glatz [13] Hirschberg [10] Görlitz [7]).

Der legendäre Heilige Maternus („der Mütterliche“). – Belege: Matern Cadan 1372 Liegnitz; Maternus gruczenschryber 1380 Liegnitz; Matern, Franziskaner 1399 Glatz; noch 1532 Matern Weygker 1532 Liegnitz. Als FN.: Jost Matern 1489 Glatz; Hans Matern 1522 Görlitz; Piter Materne 1532 Liegnitz.


Melcher (Brieg [4] Neisse Oppeln [5] Beuthen [7]), Melchior (Görlitz [14]).

Oberschles. Malcher (Beuthen [10]), Malchar(ek) zeugt von der Verehrung der heiligen drei Könige: Kaspar, Melchior und Balthasar (6. Januar), denen zu Ehren auch die Dreikönigsspiele veranstaltet wurden. Erst gegen Ende des 15. Jh. in Schlesien. – Belege: Malchior burger 1491 Liegnitz; Malchior creideler 1491 Liegnitz; Malchir Magnus 1498 (Cod. 4, 321); Melchi(o)r Fechener 1507 Freystadt.


Methner (Liegnitz [9] Glogau [6] Görlitz [4] Hirschberg [3]), Mettner (Liegnitz [7] Görlitz), Mettler (Görlitz).

Offenbar patronymische Ableitung von der sorbischen Form Mjet(o) für Martin, Mertin, woher auch der FN. Mette, Meth in der Oberlausitz. So auch Bronisch S. 180. Vgl. Stammliste der Familie Methner in „Ztschr.“ 65, 593. – Belege: Meister Casper Mettner dem kürschner 1547 Liegnitz; Thomas Methe 1436 (UB. Lübben Bd. 3, 105).


Mertin (Görlitz [8] Liegnitz [7] Hirschberg [3], Beuthen = 00!), Martin (Glogau [18] Neusalz [12] Görlitz [29] Liegnitz [3] Beuthen [6]).

Der heilige Martinus, Bischof von Tours, † um 397, berühmt durch seinen Mantel, den er mit einem Bettler geteilt haben soll; Nationalheiliger der Franken. Näheres bei Linnartz S. 58. In Schlesien urspr. stets mit Umlaut: Mertin, einer der häufigsten TV. Vgl. oben. Methner! – Belege: Martinus Olecz 1347 Liegnitz; Mertin Grisow 1370 = Martinus Gr. 1367 Breslau; Mertin Polen (Polan) 1372 Liegnitz.


Mischke (Grünberg [12] Görlitz [17] Liegnitz [4]), Misch, Mische (Beuthen [18] Oppeln [6]), Mischer (Hirschberg).

Mischak, -ok (Beuthen). Nach Miklosich (Nr. 223) Mischko, Mischa = slaw. KF. von Michael, so auch Bronisch S. 181. Mitunter aber sicherlich = Mitschke, also Nikolaus, da neben Nitsch(ke) auch Nisch(ke) als FN. begegnet.


Mitschke (Görlitz [7] Liegnitz [5], Neurode [5] Neustadt [7] Oppeln [5] Beuthen [4]), Mitschker.

Dasselbe wie Nitschke, mit slaw. Anlaut. Vgl. Nitsche Vngeroten 1383 Liegnitz (Schöpp. 14a) = Mitsche V. 1389 Liegnitz (Stdbch. I 32a). Als FN.: Peter Mitschko 1427 Liegnitz.


Mücke (Görlitz [26] Sagan [14] Liegnitz [12] Schweidnitz Neisse Neustadt [5] Ratibor [9] Oppeln [14] Beuthen [11]), Micke, Mika, Micka (Beuthen [26]).

Die allgemeine Verbreitung, bes. in der Lausitz und Oberschlesien, sowie die i-Form und die Suffixform Mückisch (Görlitz, Hirschberg) lassen keinen Zweifel daran, daß nicht das Insekt, sondern die KF. Mika von Mikolaj, der slaw. Form von Nikolaus, vorliegt, ebenso wie beim ON. Mücka (Kr. Rohenburg, OL!) Für Mückisch vgl. Mikusch vischer 1346 Breslau und Niclas Myckisch 1490/93 Görlitz.


Mühlbrett (Liegnitz [3]), Mühlbreth, Mühlbradt,

eingedeutscht aus dem slaw. TN. Milobrat (Mikl. S. 289), als FN. auch Milbradt, von milu „lieb, barmherzig, mild“ und brat „Bruder“ (Mikl. Nr. 18). Der beliebte slaw. Wortstamm mil wurde im deutschen Munde stets an „Mühle“ angelehnt, vgl. auch Mühlichen und den ON. Mühlrädlitz. – Belege: Milobrat filius Nagos, Höriger des Klosters Trebnitz 1204. Vgl. Podiebrad.


Mühlchen, Mühlichen[GWR 16] (Liegnitz [10] Haynau [2]), Mülchen (Liegnitz), Mielchen[GWR 17] (Liegnitz [5] Haynau [5]).

NF. von Mielke, d. h. KF. von Milobrat u. ä. (s. oben!), bzw. Miluch, Milich und an-Suffix. Vgl. auch Kliemke (= Clemens) - Kliemchen, u. den ON. Mülchen Kr. Namslau. – Belege: Milochen, Sohn des Domany, hospes zu Brukotschine 1204 (Urk. Öls S. 25).


Mühle (Görlitz [56] Grünberg [8]), Mühl (Görlitz [19] Sagan [5).

mit an-Suffix: Mühlan (Landeck [4] Görlitz), Mühlhan; Mihlan (Glatz [4]), Mehlan (Liegnitz). Eingedeutscht aus Milo, der KF. zu slaw. Miloslav, Milobrat usw., vor allem lausitzisch-wendisch. Erklärung unter: Mühlbrett!


Nitsche (Görlitz [43] Liegnitz [8] Schweidnitz [13] Neustadt [9] Oppeln [17] Beuthen [18]), Nitschke (Görlitz [40] Liegnitz [40] Öls [21] Neustadt [4] Oppeln [6] Beuthen [5]), Nitschker.

Schles.-ostmd. KF. von Nikolaus. Nächst Johannes war N. im Spätmittelalter der volkstümlichste Heilige, Patron der Schiffer, Auswanderer, Kaufleute und Kinder. (K. Meisen, Nikolauskult u. N.brauch im Abendlande 1931). Vgl. unter Nickel und Mi(t)schke! - Belege: Nitsche ym keler 1384 = Nickel ym keler 1382 Liegnitz; Nicze von Oche 1352 = Nickil von Ache 1349 Breslau.


Nickel (Beuthen [16] Neustadt [12] Ratibor [6] Öls [4] Liegnitz [6] Sagan [6]), Nickelmann.

Obwohl im 14./15. Jh. in Niederschlesien sehr gebräuchliche KF. von Nikolaus, tritt sie als FN. doch hinter der anderen KF. Nitsche, Nitschke zurück. Vgl. die Belege bei Bahlow, S. 110. Nickelman 1374 Glatz.


Noske (Ratibor [7] Oppeln [3] Neustadt [3] Neisse Breslau), Nossek (Neustadt [3] Beuthen [8]).

Kürzung von Hannoske = Johannes; nicht, wie Rcht. will, von slaw. nos „Nase“. Vgl. auch unter Nusche! - Belege: Mikolass Nosske 1451 in Sillein/Slowakei.


Nusche (Liegnitz [4]).

Es gibt zwar mhd. nusche „Spange, Schnalle, die den Mantel um den Hals festhält“ (Lexer), aber wahrscheinlich liegt Kürzung von Janusch(e), slaw. KF. von Johannes, vor, zumal im Hinblick auf die wend. FN. Nuscha, Nusche (vgl. Mucke S. 79). Janusch(e) bei Mikl. Nr. 154 als tschechisch und polnisch. Vgl. unter Noske!


Pätzold (Liegnitz [81] Görlitz [52] Schweidnitz [24] Öls [7] Oppeln [5] Ratibor [5] Beuthen [7]), Petzold (Görlitz [24] Liegnitz [3] Neusalz [5] Hirschberg [4] Neustadt [4] Ratibor [5] Neisse Oppeln [3]). Auch Pätzel, Pätzelt, Petschelt, mdal. Patzelt (Grafschaft: Glatz [8] Habelschwerdt Landeck Neisse).

KF. von Peter (Apostel Petrus) mit der beliebten Ableitungssilbe -old, wie in Hensolt, Nitschold u. a. - Belege: Peczoldus Kolbil consul 1347 = Pecz K. 1350 Liegnitz; Peczuld Gründeler 1383 = Paczult Gr. 1397 Liegnitz (Schöpp., 10 b), Jacob Patzelt 1631 Glatz Geschqu. III. Hans Patzler beutler 1528/29 Görlitz. Vgl. u. Pessler!


Paschke (Liegnitz [13] Görlitz [7] Grünberg [5] Neustadt [4] Öls [3]); oberschles. Paschek (Beuthen [16] Ratibor oft), Paschka (Beuthen [13]).

Slaw. KF. von Paulus. (So auch Rcht. S. 18 und Damroth S. 226). Vgl. Haschke! - Belege: Paschke Hamycz 1394 = Pauwel H. 1394 Liegnitz; Paschke Wynter 1437 = Paulus Wynther 1439 (Posener Stadtbuch S. 16); Paschke vischer 1352 Breslau. Als FN.: Paul Paschko 1421 (Cod. 6, 48). Daneben findet sich Pasko = Paschalis 1327 bzw. 1318 (UB. Liegnitz S. 42, 54). Paschasius (Paske) von Rosenow 1385 Deutschritter. Pasco Constantinus, Sohn: Joh. Pasco und Joh. Constantini 1400 Breslau (Rcht. 152).
Die deutsche Vollform Paul ist häufig: Görlitz [31] Liegnitz [32] Neustadt [11] Oppeln [6] Beuthen [12], mit den Sproßformen: Pawel; Pavel(t) (Grünberg [6]); glätzisch Pabel (Glatz [5] Habelschwerdt [3]), vgl. Habel = Havel = Gallus; oberschles. Pawlik (Beuthen [34] Ratibor [1] Sp., Oppeln oft) u. a.; Grünberg: Paulke (5), Paulig (3), Paulisch (3), -usch. Vgl. „Pawel u. Gawel“ = „Hinz u. Kunz“!
Auch Palaske, Pallaske (Liegnitz [6] Sagan [3]), Palleske, Pallesche (Schweidnitz) muß zu Paulus gehören, wie die Parallelen Kiaßke = Christian (Mucke S. 50), Kollas(ch)ke = Nikolaus (ebd. S. 53) und Juraske = Georg (z. B. in Görlitz) lehren; vgl. auch Pallus(ch)ek, wie Jannuschek (Johannes). Nicolaske Hirsberger 1441 Freiberg (UB. 3, 231).


Pechmann (Görlitz [5] Breslau Schweidnitz Neisse), Pech, Pecht, Peche, Pächt (Görlitz [5] Grünberg [3] Neusalz [3] Beuthen [8]), vgl. Jecht (Görlitz), wohl = Jacha = Johannes, mit slaw. an-Suffix: Pechan (Breslau Neisse).

Tschech. KF. von Petrus, gebildet wie Pach(mann) = Bartholomäus; Jach(mann) = Johannes; Stach = Stanislaw, Mach = Matthias u. a. – Belege: Pecho v.
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Schlesisches Namenbuch
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  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)


Nogabczicz 1404 (Cod. 2, 93 (94); Pech, Bauer in Chrosczina 1410 (Cod. 1, 92), Pech, kmet Gemilnic 1463 (Cod. 2, 100). Als FN.: Wernerus Pechman 1347 Liegnitz (Bbch 34); Hensil P. 1346 (1369) Breslau; Myczko P. 1409 Görlitz; Niclos Pechman 1483 Glatz; Wenczel P. 1491 ca. Schweidnitz.


Peipe (Breslau [5] Liegnitz Haynau), Peiper, Peipert (Liegnitz [4] Haynau Oppeln), Peibst (Liegnitz [5] Oppeln [2]).

Die Seltenheit des Namens deutet auf slaw. Ursprung: es dürfte wendisch Pipo (Mucke S. 84) = Philippus sein, also ein Lallname. – Belege: Pype, PN. in Ziltendorf Kr. Guben (Lausitzer Gebiet!), UB. Neuzelle. Hans Beippe von Michelsdorff 1570 Liegnitz.


Pelka (Beuthen [21] Oppeln [12] Ratibor [9] Neustadt [6]), Pelke (Oppeln Neisse), Pielka (Ratibor Hirschberg), patron. Pelkner (Hirschberg Schweidnitz).

Oberschlesische KF., von Swentopelk (Swantopolk); so auch Mikl. Nr. 287. – Belege: Sue(n)topelc comes 1279 (Cod. 1, 9); Clemente Swenthopelkonis 1316 (Cod. 2, 128), dom. Stephanus Swentopelkonis 1361 (Cod. 2, 90). Pelka von der Belczincz 1430 (Cod. 2, 56), Pelka von Weschow 1456 (Cod. 1, 130). Jenco Pelca 1316 (Cod. 1, 26), Krzysstek Pelka 1480 (Cod. 2, 202).


Perschke (oberschles.: Oppeln [9] Breslau Neisse), Perske, Persicke (Öls), Persich (Ratibor [3]), Persian.

Slaw. KF. von Petrus. Schon Miklosich weist auf die Silbe Per = Petrus hin, u. Stübler (S. 81) hat Piersig = Petrus. Vgl. die entsprechenden Formen Tschersich für Georg und Wiersich, Werschke für Wirchoslaw. - Belege: Nikel Persk 1342 Liegnitz. Wahrscheinlich gehören hierher auch Porsch(ke) und Purschke (Liegnitz [9] Glatz [4] Ratibor [13] Beuthen [5]), Borschke und Burschke (Mucke S. 16), u. zwar als Ablautformen, desgl. Bursian. Vgl. hierzu die Parallele Jerschko = Jorsch(ik) = Jursch = Georg (Stübler S. 80). Vgl. auch die ON. Purschau/Böhmen, Purschwitz/Sachsen, Pürschkau b./Glogau.


Peschel (Liegnitz [36] Görlitz [7] Öls [5] Ratibor [3] Oppeln [5]), Peschelt, auch Pischel (Oppeln [4] Neisse) und Pöschel. Siehe auch Püschel!

Slawische KF. von Peter (nicht von Paul, Rcht. S. 18), mit Unterdrückung des t-Lautes, vgl. FN. Petschel(t), Pötschel, wie auch Peschke neben Petschke und Peschmann neben Pietschmann, aber mit deutschem l-Suffix statt des slaw. -k in Peschek (s. unter Peschke!). – Belege: Peschil Muchener 1369 Breslau (Rcht. 18), Peschil Osan 1389/92 (Cod. d. Sax. 2, 14), Peschil Horn 1407 ff (ebd.). Als FN.: Mertin Peschil 1421/22 Görlitz. Vgl. in Alt-Breslau: Peczil teppilwode 1370 = Pecz t. 1360.


Peschke (Neustadt [12] Ratibor [13] Beuthen [16] Liegnitz [9] Görlitz [7]).

Slaw. KF. mit k-Suffix von Peter, bes. oberschlesisch; mit t-Verlust = Petschke. – Belege: Peschko de Gebez 1357 (Cod. 4, 21).


Peschmann (Sagan [12] Glogau Görlitz Hirschberg).

KF. von Peter, mit t-Verlust wie Peschel und Peschke. Vgl. unter Pietsch(mann)!


Peßler:

zu Pätzold ist urkundlich eine Nebenform Pesolt, Peselt (Görlitz) belegt, vgl. Pesolt Newpawr = Petrus N. 1372, gebildet von der slaw. KF. Pess (= Peter); dazu die deutsche l-Form Pessl und patron. er! Pessek = Pessel wie Possek = Possel = Püschel. – Belege: Joh. Pezeler alias Kenthener 1369 Breslau; ebd. mundartl. FN. Pazeler (von Rcht. 85 falsch als Basler erklärt). Nicclos Pezeler 1390/92 Liegnitz; Hannos Peseler 1408 Breslau; Erasmus P. 1434 Glatz; Hannsen Peseler 1536 Schweidnitz; Jorge Peseler (Peßler) von Seydenberg 1541 ff. Görlitz. Vgl. Peßl Kewczer Chrudim/Böhmen 1399 (Schwarz, dt. Nforschg. I). Zu Pazeler vgl. Patzler unter Pätzold! Peß Algart = Pecze A. 1369 Glatz.


Philipp (Görlitz [12] Liegnitz [10] Schweidnitz Neustadt [5] Ratibor oft Beuthen [5]).

Der Apostel Philippus kommt vielleicht weniger in Frage als der Vater Alexanders des Großen, König Philipp von Mazedonien! Schon im Altertum, im hellenistischen


Kartenskizze:

Die schlesischen Heimatorte

der Liegnitzer Bürger vor 1400

(auf Grund der alten Herkunftsnamen)

Entw.: H. Bahlow



Anmerkungen

  1. Ein Beispiel für die Benennung von Vater und Sohn nach der Gattin und Mutter haben wir im Wetzlarer Urkundenbuch, wo 1246 ff. ein Schöffe Godefridus Engelmudis maritus und sein Sohn Gotfridus domine Engelmudis filius begegnen.
  2. Die Vollform Irmintrud ihrerseits lebt heute als FN. Ehrentraut fort so wie Irminfried als Ehrenfried. Vgl. 1660 in Reichenberg Matz Ermtrautt neben Irmtrautt.
  3. Vgl. H. Bahlow: Der Zug nach dem Osten im Spiegel der niederdeutschen Namenforschung: „Teuthonista“ 9, 1933
  4. Vgl. mein Deutsches Namenbuch (1933) und den Artikel „Germanisches Erbgut in unseren Familiennamen?“ in „Geistige Arbeit“ (1936). Die statist. Aufstellungen von Hohlfeld in den Familiengeschichtl. Bl. 1944 sind demgegenüber unbewiesene Behauptungen.
  5. Vgl. meine Ausführungen in „Teuthonista“ 3 (1926), 33–37 nebst Prof. Teucherts Anm. S. 34.
  6. Vgl. Carstens, Beiträge zur Geschichte der bremischen Familiennamen. Marburg 1906.
  7. Näheres in meinen "Beiträgen zur Geschichte d. dt. FN." (Zeitschrift für Mundartforschung „Teuthonista“ 3, 1926, S. 33 ff.)
  8. Vgl. Schmidt-Ewald in „Genealogie und Heraldik“ Jg. 1951.
  9. Der Ausdruck „mittelbare Berufsnamen“ (so A. Götze in der John Meier-Festschrift „Volkskdl. Gaben“ 1934) dürfte sich weniger empfehlen, weil er der Umgangssprache fremd ist und manche dieser Namen (wie die von Kleidungsstücken) auch als eigentliche Übernamen deutbar sind.
  10. Vgl. F. Bahlow, Die Reformation in Liegnitz, Liegnitz 1918. S. 45 ff.

Anmerkungen der GenWiki-Redaktion

  1. (handschriftlich) D 501
  2. Werke eines Autors werden eingerückt untereinander aufgeführt, ohne den Autorennamen zu wiederholen.
  3. In den Namensbeschreibungen wird auch die Schreibung »Neiße« verwendet.
  4. Die „kleinen Zahlen“ sind im Original hochgestellt, werden hier jedoch in eckigen Klammern wiedergegeben.
  5. Die hier aufgeführten Adressbücher finden sich im Text, fehlen aber im ursprünglichen Verzeichnis der Adressbücher.
  6. Die hier aufgeführten Abkürzungen finden sich im Text, fehlen aber im urprünglichen Verzeichnis der Abkürzungen.
  7. Gemeint ist wohl eine Kohlmeise.
  8. Vgl. Erdmann (Familienname)
  9.  »Belege:« ergänzt
  10. 10,0 10,1 Abkürzung »Sgl« nicht unter den benutzten Adressbüchern aufgeführt.
  11. Abkürzung »G« nicht unter den benutzten Adressbüchern aufgeführt.
  12. Druckfehler in Textvorlage: Seldler (muss nach vorhergehendem Eintrag Seidler gemeint sein)
  13. Druckfehler in Textvorlage: Slegel (muss nach alphabetischer Reihenfolge Siegel gemeint sein)
  14. 14,0 14,1 Abkürzung »T« nicht unter den benutzten Adressbüchern aufgeführt.
  15. Druckfehler in Textvorlage: Liewaid (soll wohl Liewald gemeint sein)
  16. Druckfehler in Textvorlage: Mühllchen
  17. Druckfehler in Textvorlage: Mlelchen
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