Schlesisches Namenbuch/138

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Schlesisches Namenbuch
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  • Abkürzungen gemäß S. 13 (Benutzte Adreßbücher) werden aufgelöst und die Häufigkeitsangabe wird in eckigen Klammern wiedergegeben, also Lg33 = Liegnitz [33]
  • Außer Orts- und Familiennamen bleiben alle übrigen Abkürzungen unaufgelöst und werden, wenn nötig, gemäß ER zur Verhinderung des Zeilenumbruchs mit geschütztem Leerzeichen (&#160;) erfasst (also z. B. statt z.B.).
  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)


Sommer (Görlitz [34] Liegnitz [31] Grünberg [20] Neusalz [9] Sagan [11] Hirschberg [12] Neurode [10] Brieg [11] Neisse Ratibor Beuthen [7]).

Der Name wird verständlicher, wenn man ihn mit Winter zusammenhält. Schon 858 (Codex dipl. Alamanniae, v. Neugart) begegnet ein Willehelm mit 4 Söhnen namens Willehelm, Willihar, Sumar u. Wintar! Sicher ein Zwillingspaar u. sprachlich eine sog. „Zwillingsbildung“. - Auch die beliebte Volkssitte des Winteraustreibens durch die Gestalt des Sommers mag namengebend gewirkt haben (man denke an den Nachklang im schles. Sommersingen am Sonntag Lätare!). Öfter jedoch dürfte - wie bei den meisten Zeitnamen - berufliche Beziehung zur sommerlichen Jahreszeit vorliegen. Gibt es doch Erwerbszweige, die jährlich sehnsüchtig auf den Sommer warten, wie auch der ndd. Hopesomer verhochdeut. Hofsommer, Hoffsümmer) ausdrückt. Schon im Ags. begegnet ein Sommerschiffer: Sumerlida, im Ahd. ein Sumerwip (11. Jahrh.) u. urkundl. wissen wir von Sommer- und Winterbäckern, Winterhoken usw. (vgl. Carstens, Beitr. z. Gesch. d. brem. Familienname 1906). Zusammensetzungen wie Sommerkorn (Winterkorn), Sommerrock (Roggen), Sommerhafer erinnern an die bäuerl. Abgabenpflicht. Zusammensetzungen mit Ortsbegriffen meinen die Wohnstätte „auf der Sonnenseite“ (Süd): Sommerhalder (Winterhalder). - Belege: Nickel Som(m) 1440 Görlitz; Somir 14. Jahrh. Breslau; Niclas Somir 1451 Liegnitz.


Sperling (Görlitz [16] Liegnitz [8] Brieg [8] Neisse Ratibor Oppeln [6]), Sperlich (Görlitz [9] Liegnitz [4] Brieg [9] Neisse Ratibor Neustadt [21] Beuthen [7]).

Belege: Peczuld Sperling 1382 Liegnitz. Auch Herzog Heinrich VIII. von Grünberg, Freystadt u. Sprottau hatte den Beinamen Sperling (z. B. 1379: Codex dipl. Lus. sup. 3, 47). Vgl. Grotefend, Stammtafeln##, S. 5).


Starke (Görlitz [29] Liegnitz [11] Sagan [7]) Stark (Görlitz [7] Liegnitz [6] Sagan [7]), selten Starker (Neisse).

Die Häufigkeit des Namens in der Lausitz, sein Fehlen in Oberschlesien und der Mangel jeglicher Belege für appellativisches „stark“ dürften Stübler (S. 85) recht geben, der den „unter Wenden sehr häufig verbreiteten“ Namen zu slaw. stary „alt“ stellt u. unter Hinweis auf Starost (Gemeindevorsteher, Ältester) als „Richter“ deutet. Vgl. auch den Familiennamen Alt/Altmann. Daneben bleibt natürlich, jedenfalls für Starker, die Bedeutung „stark“ möglich. Vgl. auch Miklosich, F., Die Bildung d. slaw. Pers.-Name (Wiener Denkschr. 10, 1860), Wb. 322: sterk, stark. - Belege: Nickel Starcke pellifex 1436 Görlitz, u. ö. ebd. Vgl. auch Starkman (Reichert, H., Die deut. Familiennamen nach Breslauer Quellen. Breslau 1908, S. 137). Vgl. Starckh u. Stary als Familienname 1596 Kr. Ohlau u. Strehlen, neben Maly (-Malik) ebd.


Stehr (Habelschwerdt [7] Glatz [6] Schweidnitz [6] Neisse Neustadt [8] Beuthen [9] Görlitz [5]).

Mhd. ster „Widder“. Vgl. Bock! Bei Logau (I 4, 39) z. B. heißt es: „der Mann setzt Hörner auff vnd stellt sich wie ein Stehr“. Verbreitet in der Grafschaft u. Oberschlesien. Mathis Stöer 1438 Glatz.


Stelzer (Görlitz [20] Liegnitz [12] Bunzlau [8] Oberschlesien [00]!).

Der Krüppel: mit hölzernem Stelzfuß, wie aus folgender Gleichung ersichtlich: Peter uf der stelczen 1361 = Pecze stelczer 1359 in Breslau (Reichert, H., Die deut. Familiennamen nach Breslauer Quellen. Breslau 1908, 104). Ferner: Nikel u. Thicz Stelczer 1364 Bauern in Steine/Glatz; vgl. Nickel Stelczner in Brockwitz/Meißen (Zeschau, W. v., Die Germanisierung des ... Glatzer Landes (Vj.-Schrift d. Grafschaft Glatz, 7, l ff. 1887/88, S. 321).


Stiller (Görlitz [10] Sagan [14] Liegnitz [15] Glatz [10] Öls [5] Brieg [12] Neisse Neustadt [5] Beuthen [14] Oppeln [4]), Steller (Liegnitz [6] Neisse Neustadt [5] Oppeln [2]).

Ein stiller, besinnlicher Mensch. Es dürfte nicht Zufall sein, daß der Name gerade in Schlesien bodenständig ist. - Belege: Nicolaus Stille 1354 Liegnitz; Nic. Stillevoyt 1284 Breslau (Reichert, H., Die deut. Familiennamen nach Breslauer Quellen. Breslau 1908, S. 134); Nic. Stille 1307 Breslau; Hannus Stille 1417 Glatz; Hannus Stiller 1402 (1416) Habelschwerdt.


Stoll(e) (Liegnitz [11] Görlitz [9] Öls [5]).

Mhd. stolle „Gestell, Stütze“. Wahrscheinlich Übername für einen steifen Menschen. Schon 1241 in Süddeutschland: Werner der stolle (Bacmeister, A., Alte Familiennamen, in seinen "Germanistischen Kleinigkeiten", Stuttgart 1870). Auch ein (bürgerlicher) Minnesänger des 13. Jahrh. hieß Meister Stolle. - Belege: Conradus Stolo 1303 Kamenz, Heinrich gen. Stolle 1304 ebd.; Nitsche Stol 1372 Liegnitz; Franczko Stol 1372 Liegnitz; Stolle auch in Breslau (Reichert, H., Die deut. Familiennamen nach Breslauer Quellen. Breslau 1908, S. 119); Michil Stolle 1417 Görlitz, u. ö. ebd.

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