Schlesisches Namenbuch/068
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Mat(t)ern(e) (Liegnitz [14] Glatz [13] Hirschberg [10] Görlitz [7]).
Der legendäre Heilige Maternus („der Mütterliche“). - Belege: Matern Ca##aan 1372 Liegnitz; Maternus gruczenschryber 1380 Liegnitz; Matern, Franziskaner 1399 Glatz; noch 1532 Matern Weygker 1532 Liegnitz. Als Familienname: Jost Matern 1489 Glatz; Hans Matern 1522 Görlitz; Piter Materne 1532 Liegnitz.
Melcher (Brieg [4] Neisse Oppeln [5] Beuthen [7]), Melchior (Görlitz [14]).
Oberschles. Malcher (Beuthen [10]), Malchar(ek) zeugt von der Verehrung der heiligen drei Könige: Kaspar, Melchior und Balthasar (6. Januar), denen zu Ehren auch die Dreikönigsspiele veranstaltet wurden. Erst gegen Ende des 15. Jahrh. in Schlesien. - Belege: Malchior burger 1491 Liegnitz; Malchior creideler 1491 Liegnitz; Malchir Magnus 1498 (Codex dipl. Silesiae, Breslau 1857 ff., Band 4, 321); Melchi(o)r Fechener 1507 Freystadt.
Methner (Liegnitz [9] Glatz [6] Görlitz [4] Hirschberg [3]), Mettner (Liegnitz [7] Görlitz), Mettler (Görlitz).
Offenbar patronymische Ableitung von der sorbischen Form Mjet(o) für Martin, Mertin, woher auch der Familienname Mette, Meth in der Oberlausitz. So auch Bronisch S. 180. Vgl. Stammliste der Familie Methner in „Ztschr.“ 65, 593. - Belege: Meister Casper Mettner dem kürschner 1547 Liegnitz; Thomas Methe 1436 (Urkundenbuch## Lübben Bd. 3, 105).
Mertin (Görlitz [8] Liegnitz [7] Hirschberg [3], Beuthen = 00!), Martin (Glogau [18] Neusalz [12] Görlitz [29] Liegnitz [3] Beuthen [6]).
Der heilige Martinus, Bischof von Tours, gest. um 397, berühmt durch seinen Mantel, den er mit einem Bettler geteilt haben soll; Nationalheiliger der Franken. Näheres bei Linnartz S. 58. In Schlesien ursprünglich stets mit Umlaut: Mertin, einer der häufigsten ##TV. Vgl. oben. Methner! - Belege: Martinus Olecz 1347 Liegnitz; Mertin Grisow 1370 = Martinus Grünberg. 1367 Breslau; Mertin Polen (Polan) 1372 Liegnitz.
Mischke (Grünberg [12] Görlitz [17] Liegnitz [4]), Misch(e) (Beuthen [18] Oppeln [6]), Mischer (Hirschberg).
Mischak, -ok (Beuthen). Nach Miklosich (Nr. 223) Mischko, Mischa = slawische Kurz- od. Koseform von Michael, so auch Bronisch S. 181. Mitunter aber sicherlich = Mitschke, also Nikolaus, da neben Nitsch(ke) auch Nisch(ke) als Familienname begegnet.
Mitschke (Görlitz [7] Liegnitz [5], Neurode [5] Neustadt [7] Oppeln [5] Beuthen [4]), Mitschker.
Dasselbe wie Nitschke, mit slawischem Anlaut. Vgl. Nitsche Vngeroten 1383 Liegnitz (##Schöppenbuch. 14a) = Mitsche V. 1389 Liegnitz (Stdbch. I 32a). Als Familienname: Peter Mitschko 1427 Liegnitz.
Mücke (Görlitz [26] Sagan [14] Liegnitz [12] Schweidnitz Neisse Neustadt [5] Ratibor [9] Oppeln [14] Beuthen [11]), Micke, Mi(c)ka (Beuthen [26]).
Die allgemeine Verbreitung, besonders in der Lausitz und Oberschlesien, sowie die i-Form und die Suffixform Mückisch (Görlitz, Hirschberg) lassen keinen Zweifel daran, daß nicht das Insekt, sondern die Kurz- od. Koseform Mika von Mikolaj, der slawischen Form von Nikolaus, vorliegt, ebenso wie beim Ortsnamen Mücka (Kr. Rohenburg, OL!) Für Mückisch vgl. Mikusch vischer 1346 Breslau und Niclas Myckisch 1490/93 Görlitz.
Mühlbrett (Liegnitz [3]), -breth, -bradt,
eingedeutscht aus dem slawischen Taufnamen Milobrat (Miklosich, F., Die Bildung d. slaw. Pers.-Name (Wiener Denkschr. 10, 1860), S. 289), als Familienname auch Milbradt, von milu „lieb, barmherzig, mild“ und brat „Bruder“ (Miklosich, F., Die Bildung d. slaw. Pers.-Name (Wiener Denkschr. 10, 1860), Nr. 18). Der beliebte slawische Wortstamm mil wurde im deutschen Munde stets an „Mühle“ angelehnt, vgl. auch Mühlichen und den Ortsnamen Mühlrädlitz. - Belege: Milobrat filius Nagos, Höriger des Klosters Trebnitz 1204. Vgl. Podiebrad.
Mühl(i)chen (Liegnitz [10] Haynau [2]), Mülchen (Liegnitz), Mielchen (Liegnitz [5] Haynau [5]).
NF. von Mielke, d. h. Kurz- od. Koseform von Milobrat und ähnliche (siehe oben!), bzw. Miluch, Milich und an-Suffix. Vgl. auch Kliemke (= Clemens) - Kliemchen, und den Ortsnamen Mülchen Kr. Namslau. - Belege: Milochen, Sohn des Domany, hospes zu Brukotschine 1204 (Urk. Öls S. 25).
