Schlesisches Namenbuch/020

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Schlesisches Namenbuch
Inhaltsverzeichnis  |  Literaturverzeichnis
Benutzte Adressbücher  |  Abkürzungen
I. Taufnamen: a) altdeutsche b) slawische

II. Herkunftsnamen  |  III. Berufsnamen
IV. Übernamen

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  • Namenerläuterungen und -nachweise werden mit einfachem Doppelpunkt (:) eingerückt.
  • Abkürzungen gemäß S. 13 (Benutzte Adreßbücher) werden aufgelöst und die Häufigkeitsangabe wird in eckigen Klammern wiedergegeben, also Lg33 = Liegnitz [33]
  • Außer Orts- und Familiennamen bleiben alle übrigen Abkürzungen unaufgelöst und werden, wenn nötig, gemäß ER zur Verhinderung des Zeilenumbruchs mit geschütztem Leerzeichen (&#160;) erfasst (also z. B. statt z.B.).
  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)

stehen die kirchlichen Namen: Hamann (= Hannemann) und Hentschelmann, Kloßmann und Nitschmann, Petermann und Pietschmann, Aßmann (Erasmus) und Zachmann (Zacharias). Aber auch die rein slawischen Koseformen bemächtigen sich vielfach dieser Endung und nehmen damit ein deutsches Gesicht an: so Bachmann von Bartholomäus, Jach- und Jochmann von Johannes, Pechmann von Petrus, Jockschmann von Jakob, Kittelmann von Christian, Kuschmann (Kuß-, Kutsch-) von Markus, Lachmann von Ladislaw, Littmann von Litomir, Rathmann von Radewan.

Direkt von altdeutschen Vollnamen unter Wegfall des zweiten Namengliedes sind abgeleitet die Familiennamen Volkmann (von Volkmar), Erdmann (von Ertmar), Gießmann (von Goswin), Guttmann (von Gutvvin), Wachsmann (von Wachsmut), eine Entwicklung, die sich an Hand der entsprechenden Ortsnamen wie Gießmannsdorf = Goswinsdorf anschaulich verfolgen läßt.

Eine schlesische Spezialität ist ferner die Gruppe Bertermann, Gundermann und Sündermann für altdeutsch Bertram, Gundram, Sindram, deren zweiter Bestandteil -ram = Rabe (nämlich Wodans) als ungewöhnlich empfunden wurde.

Kapitel II. Die Herkunftsnamen.

In ihnen spiegelt sich im allgemeinen wie im einzelnen die durch die Jahrhunderte dauernde große Ostbewegung deutscher Kolonisten, die Wiederinbesitznahme altgermanischen Bodens, aber auch die teilweise volkliche Verschmelzung mit den eingesessenen oder zugewanderten Polen, Böhmen und Wenden.

Sie kommt zunächst zum Ausdruck in den Stammesnamen, aus deren zahlenmäßiger Stärke sich zugleich ein Bild vom Anteil der alten deutschen Mutterlande ergibt. An der Spitze marschieren die Beier (ey) und Franke (selten jüd. Fränkel), es folgen die Reimann (die Rheinländer), dann mit Abstand die Dö(h)ring (die Thüringer) und die Meißner (auch Meichsner, d.s. die Obersachsen); den Schluß bildet die kleine Gruppe der Hess(e), Schwab(e) (Schwob), Sachs(e) und Friese. Hinzu tritt auf der anderen Seite die fremdvölkische Beimischung: Pohl, oberschlesischer Pollack, ist hier bei weitem der häufigste Name; er erinnert an die vordeutschen Zustände und Beziehungen des schlesischen Landes zu Polen, während Böhm (jünger Tschäche, Czech), das etwa halb so stark vertreten ist, die darauf folgende Epoche Schlesiens unter der böhmischen Krone im 14. Jh. widerspiegelt; vereinzeltes Me(h)rländer weist auf das früher nicht unbedeutende Markgraftum Mähren hin.

Der Name Deutsch(mann) (Deutschländer) kann seinen Ursprung nur in verhältnismäßig geschlossener fremdvölkischer Umgebung haben. – Während die genannten Slawenstämme nicht unwesentlich am Werden des schlesischen Stammes und Stammescharakters beteiligt waren, sind die sonst noch bezeugten Preuß, Unger (polnisch Wenger, im deutschen Munde Fenger) und Fluche (Flach) ziemlich unbedeutend an Zahl und dürften z.T. nicht auf direkte Herkunft aus dem betr. Lande, sondern auf Handelsbeziehungen dorthin deuten, so nachweislich bei Preußen; auch zu Ungarn sind die politischen und wirtschaftlichen Bindungen zeitweise (im 15. Jh. unter König Matthias Corvinus) beachtlich gewesen. Hinter dem Fluche oder Flach (d.i. Wallache) sind die italienischen Bergarbeiter, Händler und Wanderhirten des 15. Jh. verborgen (vgl. die schlesischen „Walenbücher“ und ON. Wallachisch-Meseritsch (Mähren). Der Schlesier selbst erscheint als Schlesi(n)ger, oberschlesisch Schlensog u.ä.

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