Schlesisches Namenbuch/015

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Schlesisches Namenbuch
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I. Taufnamen: a) altdeutsche b) slawische

II. Herkunftsnamen  |  III. Berufsnamen
IV. Übernamen

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  • Namenerläuterungen und -nachweise werden mit einfachem Doppelpunkt (:) eingerückt.
  • Abkürzungen gemäß S. 13 (Benutzte Adreßbücher) werden aufgelöst und die Häufigkeitsangabe wird in eckigen Klammern wiedergegeben, also Lg33 = Liegnitz [33]
  • Außer Orts- und Familiennamen bleiben alle übrigen Abkürzungen unaufgelöst und werden, wenn nötig, gemäß ER zur Verhinderung des Zeilenumbruchs mit geschütztem Leerzeichen (&#160;) erfasst (also z. B. statt z.B.).
  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)

Die schlesische Namenlandschaft.

Es dürfte kaum eine deutsche Landschaft geben, deren Namenwelt so ausgeprägte Eigenheiten und so starke Abwandlungen ihrer Formen aufweist wie Schlesien. Deutsches Volkstum und deutsche Sprache haben hier inmitten der slawischen Umwelt so mannigfache Sonderformen hervorgebracht, daß ihr Verständnis sich nur dem erschließt, der unvoreingenommen in dem Ringen dieser beiden Kräfte, der vordringenden Mundarten der deutschen Siedler und der Nachhut des weichenden oder sich anpassenden Slawentums die Ursprünge jener bunten Erscheinungen zu erkennen vermag. Welche Fülle von Problemen bis heute ihrer Lösung harrte, wird daraus deutlich, daß gerade die bekanntesten bodenständigen Familiennamen in ihrem Wesen völlig dunkel waren. Die Kraft, mit der die deutsche Sprache des hohen Mittelalters fremdes Wortgut einzudeutschen vermochte, spricht beispielsweise aus den uns geläufigen Namenformen Hielscher, Liebig, Jochmann, Kittel, Starke und dgl. Wer könnte in ihnen noch den Angehörigen der Elisabeth, des Libomir, des Johannes, des Christian oder auch den Altmann oder Richter erkennen? Und ähnlich sehen wir die Gestaltungskraft der deutschen Mundart ständig am Werke: sie schuf den Albrecht zum Ulbrich und Opitz um, den Gottfried zum Geppert, den Wi(g)nand zum Weinhold, den Thomas zum Dehmel, den Clemens zum Klammt, - sie ließ durch ihre Zauberkraft den Sohn der Grete zum Grüttner, den der Ottilie zum Ilgner und Tilgner werden, verwandelte den Spörer (Sporenmacher) in einen Speer, den Krakauer in Krocker, den Zuwanderer aus Hohburg oder Hochberg in Hubrich und so fort.

Kapitel I: Die einstigen Taufnamen.

Das Bild der heutigen Familiennamen dieser Gruppe ist ein getreues Spiegelbild der Rufnamenwelt des 14. und 15. Jahrhunderts, d.h. der großen Auseinandersetzung zwischen den altererbten, langsam im Schwinden begriffenen germanischen Personennamen und den in stetem Vordringen befindlichen kirchlichen Heiligennamen in deutschem oder slawischem Gewande, hin und wieder durchsetzt auch von rein slawischen „Findlingen“.

1) Die altdeutschen Rufnamen.

Der von den deutschen Kolonisten aus dem Mutterlande, d.h. vornehmlich aus den mitteldeutschen (thüringischen, fränkisch-hessischen) und oberdeutschen (bairisch-österreichischen) Stammesgebieten mitgebrachte Rufnamenschatz belief sich z.B. in Alt-Liegnitz um 1350 auf etwa 50 Vollnamen, die Sproßformen nicht gerechnet. Wieviele in den vorhergehenden Jahrzehnten verdrängt worden waren, ergibt sich aus der gleichzeitig doppelt so großen Zahl der Erbnamen dieser Gruppe, unter denen sie nun fortleben durften.

An der Spitze der deutschen Rufnamen Schlesiens marschierten die Kaisernamen des deutschen Mittelalters: Heinrich und Konrad (Hinz und Kunz!), an die nebst vielen anderen Sproßnamen vor allem Heintze und Kuhnert (Kühne, Kuhnt) erinnern. Es folgen mit größerem Abstand Dietrich, Albrecht und Hermann, deren Vertreter unkenntlich als Thiel (Tietze), Opitz und Menzel unter uns weilen. Wie alle beliebten Namen verdanken auch

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