Sankt Arnold/Clemenshafen
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[bearbeiten] Die Geschichte von Clemenshafen
Kanalhafen
Mit dem Ausbau des Max-Clemens-Kanals wurde 1729 das Hafen- und
Speditionsgebäude Clemenshafen errichtet. Hier wohnte ab 1731 nach
Inbetriebnahme des Schiffsverkehrs auf dem Kanal ein Spediteur und
Posthalter. Als 1771 der Kanal bis zur heutigen Bundesstraße
zwischen Neuenkirchen und Wettringen ausgebaut war und dort der
Endhafen Maxhafen entstand, wurde Clemenshafen als Hafen- und
Speditionsgebäude nicht mehr genutzt.
Vom Hafen zum Gut
Im Jahre 1815 schreibt der Feldvermesser Zurbrüggen in seinem
Markenbericht über Clemenshafen als ein landesherrliches
Etablissement, das in den letzten 60 Jahren verschiedene Zuschläge
(Grundstücke) aus den Marken erhalten habe. Demnach wurde
Clemenshafen nach 1871 eine landwirtschaftliche Hofstelle. Bis 1803
dürfte Clemenshafen der bischöflichen Hofkammer unterstellt gewesen
sein. Es war also ein sogenannter Kammerkotten. Nach der
Säkularisierung 1803 kam Clemenshafen in den Besitz des Herzogs von
Looz-Corswarem. Bei der Aufteilung der großen Mark 1842, wird lt.
Dorfchronik, erstmalig von einem Gut Clemenshafen gesprochen, das
auch in der Großen Mark Nutzungsrechte besaß. Besitzer von Gut
Clemenshafen war 1842 der Stadtrat und Bankier Heinrich von Olfers
aus Münster. In einem Liegenschaftsbuch von 1830 wird der Herzog
von Looz-Bentlage (um 1810 Looz-Corswarem) noch als Besitzer von
Clemenshafen ausgewiesen. Das Besitztum Clemenshafen hatte 1830,
laut dem erwähnten Liegenschaftsbuch, eine Größe von 96 Morgen.
Zwischen 1830 und 1842 müsste dann von Olfers, wahrscheinlich durch
Kauf, Besitzer von Clemenshafen geworden sein. In einer
Einwohnerliste der Gemeinde Neuenkirchen von 1896 wird eine Helene
von Olfers noch als Besitzerin geführt. Dies entspricht aber nicht
ganz den Tatsachen, denn im Jahre 1892 wird in mehreren Dokumenten
über einen Wald- und Flächenbrand in Clemenshafen ein Graf von
Galen zu Hohenfeld bei Roxel als Besitzer genannt. Dieser Clemens
Graf von Galen heiratete um 1890 die Besitzerin Helene (Hella) von
Olfers (lt. Stadtarchiv Münster). Es muss eine Einheirat gewesen
sein, denn Gut Hohenfeld in Roxel gehörte der Familie von Olfers.
Im Jahr 1917 geht das fast 1000 Morgen große Gut (244 ha lt.
Liegenschaftsbuch) in den Besitz der Freifrau Franziska Magdalena
von Kerckering zu Borg bei Rinkerode über. Drei Jahr später
verkauft die Freifrau das Gut an die Siedlungsgesellschaft Rote
Erde.
Die Pächter von Gut Clemenshafen
In der so genannten Weddige-Hausnummern-Liste von 1780 taucht ein
Holtwiesch als Pächter bzw. Verwalter von Clemenshafen Offlum 51
auf. Demnach könnte Holtwiesch nach der Aufgabe des Post- und
Speditionsgebäudes 1771 der erste Pächter von Clemenshafen gewesen
sein. Holtwiesch besaß auch ein Heuerhaus. Als Heuermann wird 1805
Hermann Fischer erwähnt, der es mit einem Löcke bewohnte. Als 1804
Holtwiesch starb, gab seine Frau noch im selben Jahr die Pachtung
auf. Neuer Pächter von Clemenshafen wurde Joan Henrich Köning aus
Borghorst. Um 1835 heiratete Bernard Hermann Kiewe aus Neuenkirchen
eine Tochter von Köning und wurde nach dem Tode seines
Schwiegervaters Pächter von Clemenshafen. Nach dem Tode ihres
Mannes 1853 heiratete die Witwe in zweiter Ehe Joan Albert Hügemann
aus Roxel. Da beide, Kiewe und Hügemann, in die Pächterfamilie
Köning einheirateten, führten sie in ihrem Namen den Zusatz genannt
Köning. Um 1880 heiratete Hubert Theiselmann aus Emsdetten eine
Tochter von Hügemann und wurde anschließend Pächter. Auch bei
Theiselmann hieß es, genannt Köning. Theiselmann starb 1897 und
seine Frau führte als Witwe den Pachthof weiter bis 1908.
Hundertjährige Schankwirtschaft
Die Witwe Theiselmann (geb. Hügemann) stellte 1898 einen Antrag auf
eine Wirtschaftskonzession (Schankerlaubnis) auf ihren Namen.
Bisherige Inhaberin der Schankkonzession war ihre Mutter im Alter
von 87 Jahren. Aus diesem Grunde musste ein Antrag auf Übertragung
der Konzession gestellt werden. In diesem Antrag erwähnt die Witwe
Theiselmann, dass Clemenshafen schon seit mehr als 100 Jahren eine
Schankwirtschaft gewesen sei. Demnach könnte der Pächter Holtwiesch
schon vor 1800 auf Clemenshafen eine Gastwirtschaft betrieben
haben. Die Schankkonzession auf ihren Namen wurde der Witwe
gewährt. Die Betreiber der Gastwirtschaft Clemenshafen besaßen
allerdings nur eine eingeschränkte Konzession. Das heißt, sie
durften keinen Branntwein ausschenken. Die volle Konzession mit
Branntweinausschank erhielt erst der spätere Besitzer Ostermann. Im
Jahre 1908 kündigte die damalige Besitzerin Witwe Gräfin von Galen
den Pachtvertrag für die 52- jährige Ww. Theiselmann. Die Witwe
versuchte kurz danach ein Grundstück ganz in der Nähe von
Clemenshafen zu erwerben und in dem noch zu errichtenden Haus die
Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft zu erhalten. Dies wurde
aber vom zuständigen Landratsamt abgelehnt und der Grundstückskauf
wurde nicht getätigt.
Clemenshafen nach 1900
Neuer Pächter von Clemenshafen Dorfbauerschaft 38 (bis 1896 Offlum
51) wurde ein Bernhard Drügemöller aus Versmold. Die Gräfin
beantragte für ihren neuen Pächter gleichzeitig eine
Wirtschaftskonzession, die aber vom Landratsamt abgelehnt wurde.
Erwähnt wird in diesem Antrag, dass in der Vergangenheit einige
zwielichtige Leute, die der Wilddieberei nicht fern standen in
Clemenshafen Unterschlupf gefunden hätten. Der neue Pächter aber
verpflichte sich in Zukunft nur anständige Personen, die einen
guten Leumund hätten zu bewirten und unterzubringen. Vielleicht
waren diese negativen Vorkommnisse in der Vergangenheit ein
Hauptgrund für die Ablehnung. Hinzu kam das Heckmann im Jahre 1908
die Schankerlaubnis erhielt. Drügemöller stellte dann bis 1910
persönlich mehrmals neue Anträge, die aber immer wieder abgelehnt
wurden. Als dann das Verwaltungsgericht in Münster über seinen
letzten Antrag entscheiden sollte und man ihm zu verstehen gab,
dass er keine Chance hätte und mit hohen Prozesskosten rechnen
müsste, zog er seinen Antrag zurück. Somit dürfte Clemenshafen von
1908 bis 1926 (Ostermann) keine Gastwirtschaft gewesen sein.
Drügemöller war mindestens bis 1919 Pächter von Clemenshafen. Ab
1919 bzw. 1920 war angeblich, laut mündlicher Überlieferung, ein
König Pächter von Clemenshafen. Dieser kam gebürtig aus Ladbergen,
wohnte vorher in Wettringen und bewirtschaftete anschließend
Clemenshafen bis September 1922. Besitzer von dem Gut Clemenshafen
war ab 1920 die Siedlungsgesellschaft Rote Erde mit Sitz in
Münster.
Ostermann wird Besitzer von Clemenshafen
Im Oktober 1922 pachtete Alfons Ostermann Clemenshafen von der
Siedlungsgesellschaft Roten Erde. Alfons Ostermann, gebürtig aus
Nordkirchen, war verheiratet mit Josefia Arens aus Bälksen. Er war
bis Herbst 1922 Pächter eines Kottens in der Nähe von Hattingen.
Ostermann erhielt 1926 die Schankerlaubnis. Die Brauerei Rolinck
lieferte Ostermann im Jahre 1926 einen Kühlschrank für 50 Flaschen
Bier (lt. Archiv Fa. Rolinck). Im Jahre 1927 kaufte Ostermann dann
Clemenshafen von der Siedlungsgesellschaft Rote Erde und wurde
Besitzer. Das Gut hatte 1927 nur noch eine Größe von 117 Morgen.
Die übrigen Flächen, im Volksmund Olfers Tannen genannt, waren
vorher schon von der Roten Erde an Siedlungswillige verkauft
worden. Um den Hof halten zu können, hat Ostermann schon früh einen
Teil der Flächen verkaufen müssen. Die heutige Besitzfläche ist
etwa 60 Morgen groß und an die umliegenden Nachbarn verpachtet.
