Rossmühle

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Rossmühle, Diderots Enzyklopädie 1762/77

Einleitung

Roßmühle als Antrieb einer Ölmühle in Erve Kots:

Stallbox mit Trog u. Raufe

Man nennt sie Rossmühle, weil hier meist Pferdekraft als Antrieb diente, allerdings kamen auch Ochsen oder Kühe zum Einsatz. Eins oder mehrere Tiere wurden angespannt und unablässig um die Antriebswelle getrieben, deren Bewegungskraft auf Zahnräder und weitere Wellen übertragen werden konnte. Eine Roßmühle funktionierte wie ein Göpel mit Pferdeantrieb. Pferde oder Ochsen trieben anstelle von Wind- oder Wasserkraft eine Transmissionswelle an und machten damit unabhängig von deren zeitlichen Angeboten (Pausen bei Windstille oder Wassermangel im Mühlenteich).

Rossmühle in Machern von 1828

Auf diese Weise konnte durch die bei Roßmühlen eingesetzte Göpeltechnik die Kraftübertragung zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden, so zum Antrieb von:

  • Mahlwerken, die Korn zu Schrot und Mehl verarbeiteten.
  • einer unter dem Boden liegenden Transmissionswelle ein Mühlstein und einen Schleifstein angetrieben wird. Der Schleifer liegt auf einem schrägen Brett vor der Schleifscheibe (im Bild vorn rechts).
  • Solpumpen oder Landwirtschafts- und Fördermaschinen
  • Bokemühlen um gerötete und danach getrocknete Flachsbündel zu brechen.
Kupferstich von V. Zonca um 1600 (, Ausschnitt)

Nebenstehend das Schema einer Rossmühle mit einem Mahlgang aus den Unterlagen zum geplanten Bau der Rossmühle in Machern von 1828 (s. Bild): großes Kammrad (cl) an senkrechter Spindel (cl) mit Anspannwaage, Stockrad (b) an waagerechter Spindel (b) mit kleinem Kammrad (c) und Stockrad (g) in Verbindung mit den Mühlsteinen. Bei der Rossmühle mit zwei Mahlgängen überträgt anstelle von Kammrad (c) ein Stirnrad an der Spindel (b) die Drehungen rechts- und linksseitig jeweils auf ein Stockrad an kürzerer, aber ähnlicher Spindel wie (b) mit kleinem Kammrad wie (c), dann auf ein Stockrad wie (g) und weiter auf den jeweiligen Mühlstein.

Mit der in Diderots Enzyklopädie gezeigten Mühle wurde Flachs gebrochen (gebokt). Vier Stampfer wurden durch eine Kurbelwelle bewegt, die auf einer dicken Steinunterlage saßen. Unter diese Stampfer wurden die in der „Rötekuhle“ geröteten und danach getrockneten Flachsbündel geschoben, damit der Holzanteil der Flachsstängel zerbrach.

Literatur

  • Theißen, Peter: Mühlen im Münsterland. ISBN 3-89325-900-7 / ISSN 0724-4096
  • Beckmann, Johann: Beyträge zur Geschichte der Erfindungen, Verlag Kummer (Leipzig, 1780)
  • Diderots "Encyclopédie" (1762-1777)
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