Plaschken/Evangelische Kirchengeschichte

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Kirche von Plaschken


Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Gründung


Vorgeschichte


Mit dem Übertritt des letzten Ordenshochmeisters, Herzog Albrecht von Preußen im Jahre 1525 zu Luthers Lehre fand die Reformation Weg und Raum in Ostpreußen. Zu der Zeit war Kaukehmen, ab 1938 Kuckerneese, schon eine Siedlung. Einem Jakob Borm wurde 1532 hier eine "Kruggerechtigkeit" verliehen, damit hatte er das Recht Alkohol auszuschenken und Handel zu treiben. Um das Jahr 1547 war Kaukehmen schon eine Kirchengemeinde und hatte bereits eine Kirche. Nach einem Register aus dem Jahre 1596 gehörten zum Kirchspiel 47 Ortschaften, darunter sind auch die Orte Schemaiten, Perwalkischken, Paschalteck, Uschpelck, Schauditten, Galgsdon, Berschtnicken, Plaschken, Hinter Plaschken, Piluarn, Kartzewischken aufgeführt.
Damit hat man einen Begriff von dem räumlichen Umfang des Kirchspiels. Die weiten Entfernungen waren für die Gemeindeglieder und den Pfarrer eine große Belastung. Man muss sich noch vergegenwärtigen, dass es damals kaum feste Straßen gab.

Im Frühjahr und nach Überschwemmungen waren die Wege aufgeweicht und grundlos. Damals waren weder die Gilge (Fluss) reguliert und eingedeicht noch hatte der Rußstrom einen Damm auf dem Südufer. Das Hochwasser überschwemmte daher fast die ganze Elchniederung. Unter diesen Umständen konnten Pfarrer und Gemeinde oft in Lebensgefahr geraten. Es wird berichtet, dass ein Brautpaar, das nach Kaukehmen zur Trauung unterwegs war mit den Gästen ins Wasser fiel und erst am nächsten Tage getraut werden konnte. Heute lächeln wir über solch ein Mißgeschick. Es ist aber verständlich, dass um der Sicherheit und Bequemlichkeit willen manche Dörfer Anschluß an andere Kirchengemeinden suchten. Im Laufe der Jahre wurden von Kaukehmen "abgewidmet" und selbständige Kirchengemeinden: Neukirch (Joneikischken) 1654, Lappienen 1676, Plaschken 1695 und Skören 1905.

Streit um kirchliche Zugehörigkeit und "Abwidmung"


Während des Hochwassers und des Schaktarps mussten die Plaschkener für kirchliche Amtshandlungen den Pfarrer von Coadjuthen heranziehen. Kann man es ihnen verübeln, wenn sie unter den gegebenen Umständen ganz den Anschluß an Coadjuthen suchten? Es entstand ein harter Kampf zwischen Pfarrer und Pfarrer und zwischen Pfarrer und Gemeindemitgliedern. Dieser Kampf erreichte seinen Höhepunkt in der Amtszeit von Pfarrer Klemm in Kaukehmen von 1667-99. Im Jahre 1693 richtete er einen Brief an das Tilsiter Amt in dem er Stellung zu den schon zehn Jahren dauernden Abtrennungsbestrebungen nahm. Rath von Müllenheims aus Berschtenicken und Plaschken habe mit einigen Neulingen ein Abwidmungsgesuch anhängig gemacht. In seinem Schreiben versuchte er u.a. klarzumachen, dass für die Plaschkener der Weg nach Kaukehmen viel näher als nach Coadjuthen sei. Auch brauchten sie nach Kaukehmen nur den Rußstrom zu überqueren, wozu sie gute Kähne besäßen. Der Weg nach Coadjuthen führe aber durch morastige Wälder und über drei Flüsse, nämlich Leite, Sziesze und Kamon (?). Diese träten im Jahre mehrmals über die Ufer und überschwemmten weite Landteile. Die Plaschkener hätten oft unterwegs übernachten müssen. Natürlich könne während des Hochwassers kein Gemeindeglied zur Kirche nach Kaukehmen ohne Kahn kommen. Selbst der Präzensor nicht, der doch nur hundert Schritte von der Kirche entfernt wohne. Immerhin musste er zugeben, dass die Wegeverhältnisse recht schwierig seien. das sei aber kein Grund, den Kern der Gemeinde abzuwidmen und Streit zwischen die Pfarrer zu bringen.
In einem ähnlichen Schreiben entwarf der Pfarrer von Coadjuthen dasselbe Bild, nur dass es für Kaukehmen noch ungünstiger ausfiel.
Die Wogen gingen hin und her. Höherenorts fand man dann eine bessere Lösung, Plaschken wurde 1695 selbständige Kirchengemeinde.
Pfarrer Potschka schreibt in seinem Buche "Die ostpreußische Kirchengemeinde Kuckerneese" wörtlich:

"Die Quellen geben darüber Auskunft, dass im Jahre 1696 Plaschken bereits eine selbständige Kirchengemeinde war, und dass im selben Jahre bereits der Grundstein zu einer Kirche gelegt wurde. Durch diese "Abwidmung" gingen der Kirchengemeinde Kaukehmen 150 "Huben" 9 Morgen verloren, das sind etwa 10 000 pr. Morgen. Andere Kirchengemeinden mussten jedoch auch Opfer bringen. So musste z.B. die lit. Gemeinde in Tilsit 61 "Huben" 3 Morgen, die Piktupöner Gemeinde 30 "Huben", die Coadjuther Gemeinde 25 "Huben" 27 Morgen und die Neukircher Gemeinde 3 "Huben" abgeben. (1"Hube" oder Hufe hatte damals etwa 66,5 heutige preußische Morgen.)"

Die Plaschkener Kirchengemeinde ist demnach etwa 18 000 pr. Morgen groß gewesen. Welche Ortschaften damals zu ihr gehörten, kann nicht gesagt werden.
Nach Goldbecks Topographie gehörten 1780 zum Kirchspiel Plaschken folgende Ortschaften: Plaschken, Pillwarren oder Schunellen, Gut Müllerischken, Pageldienen, Papplein, Karzewischken, Grigalischken, Galsdon Joneiten, Schauditten oder Schaudinnen, Gut Kupsteningken, Bruchhöfen oder Friedrichsthal, Jurg Szubin, Graudeningken, Uszpelken, Jakob Titzkus, Juschka Budwethen oder Strillen, Juschka Spötzen, Gut Heideberg, Neu Kawohlen, Werszenhof, Nelamischken, Pleine, Torfgenug, Ostradirwen, Lappnischken, Groß und Klein Bersteningken, Kowgirren, Lasdehnen (Ortsteil Szehlen), Deutsch Pillwarrren, Gut Pillwarren, Pillwarren oder Brautischken, Litauisch Pillwarren, Leitwarren, Warrischken, Gut Schwartzberg und Schudinnen.
Die Generalstabskarte des Kreises Tilsit von 1846 führt noch diese Orte auf: John Kugeleit, Alt und Neu Szemkehmen, Grünheide, Suitkaten und Kutzen. 1831 kommt das Kirchspiel Plaschken mit 42 Ortschaften zum Kreise Tilsit; so lange gehörte es zum Kreise Niederung. Einige Dörfer musste Plaschken an die neugegründeten Kirchengemeinden Wieszen (1857) und Rucken (1869) abgeben. Dafür kamen von der Pfarrei Coadjuthen die Orte Swareitkehmen, Szameitkehmen und Mädewald hinzu. Ende des letzten Jahrhunderts wurden viele kleine Orte, einige hatten nur ein paar Gehöfte, mit größeren zusammengeschlossen.
1920 gehörten dann zum Kirchspiel folgende Orte: Plaschken, Schunellen, Pageldienen, Alt und Klein Karzewischken, Galsdon Joneiten, Schauditten, Bruchhöfen, Gut Kubsteningken, Uszpelken, Werszenhof, Swareitkehmen, Szameitkehmen, Mädewald, Ostradirwen, Pleine, Pleikischken, Groß und Klein Bersteningken, Lasdehnen (Ortsteil: Szehlen), Perwalkischken, Deutsch und Gut Pillwarren, Leitwarren und Gut Warrischken. Das sind 25 Gemeinden.

Kirchen


Der Grundstein zu der ersten Kirche in Plaschken wurde 1696 gelegt und ist wohl im folgenden Jahr eingeweiht worden. Denn 1697 stifteten die Eheleute Erdmann und Anna Person, Krugbesitzer in Ruß, einen silbernen Kelch für die Plaschker Kirche.
Sie wurde aus Holz erbaut, da man sich den Holzreichtum der damals waldreichen Gegend zu Nutze machte. Sie soll nahe der Plaschker Chausee, auf dem späteren Grundstück von Klein, gestanden haben. Durch Blitzschlag wurde sie eingeäschert.
1736/37 bauten sich die Plaschker eine Steinkirche auf einer Erhöhung nahe der Jäge. Aus dem gleichen Jahre ist auch das Pfarrhaus. Über eineinhalb Jahrhunderte hat die Kirche der Gemeinde ihre Dienste geleistet. Sie hatte keinen Turm. Die Glocke hing in einem hölzernen Glockenstuhl, der abseits der Kirche stand. Sie war ein schmuckes Kirchlein. Der Innenraum war mit viel Zierat und Malerei geschmückt. Viele Figuren, Christus und Apostel darstellend, gruppierten sich um den Altar. 1757 haben russische Truppen die Kirche in Brand gesetzt. Sie konnte erst Jahre später wieder hergerichtet werden. Mit den Jahren wurde sie reparaturbedürfig. Inzwischen war sie auch für die größer gewordene Gemeinde viel zu klein geworden. Man entschloß sich zu einem Neubau. 1897 wurde sie abgebrochen.

Die Steine verwendete man für das Fundament, besonders für den Turm der neuen, im romanischen Stil gebauten Kirche. Da diese viel größer wurde, mussten viele Gräber auf dem Kirchhof umgebettet werden. Die Kirche wurde aus Ziegeln erbaut und außen mit roten Klinkersteinen verblendet. Die Ziegel kamen mit Schiffen nach Plaschken. Viele Bauern mussten Spanndienste leisten und die Ziegel von der Jäge zur Baustelle fahren. Die Bauzeit betrug fast drei Jahre. In dieser Zeit wurden die Gottesdienste in der Schule abgehalten. Es wurde ein schönes und stattliches Gotteshaus. Durch die vielen Fenster, vier hohe in der Südwand, acht kleinere in der Nordwand und drei im Altarrund, kamen genügend Licht und Sonne ins Innere. Deshalb verzichtete die Architektur wohl auf jeglichen Schmuck.
Betrat man die Kirche durch das Hauptportal im Turm, so erblickte man zuerst den höher stehenden Altar mit seinem hohen Kreuz. Den Altartisch schmückten das Kruzefix, vier große einarmige Leuchter und zwei dreiarmige Leuchter. Vor dem Altar hatte der Taufstein seinen Platz. Die Kanzel war südlich vom Altar und wurde von der Sakristei aus bestiegen. Der Kanzelfuß stand auf einer Grabplatte. Es war das Grab des verstorbenen Pfarrers Massalsky, der an der Mauer der Steinkirche seine letzte Ruhe gefunden hatte. Gegenüber der Kanzel stand der große 1935 errichtete Heißluftofen. Das Kirchenschiff wurde durch den Mittelgang in zwei Teile geteilt. An der Nord- und Westseite befand sich die Empore. Im Kirchenschiff hingen zwei Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen der Kriege 1866 und 1870/71. Die Orgel stand auf der Westempore. Von der Decke hingen zwei große Messingkronleuchter herab, deren Kerzen die Kirche während der Abendandachten erleuchteten.
Der Kirchenturm ragte 50 Meter hoch in den Himmel. Die Spitze krönte eine Kugel mit einem drei Meter hohem Kreuz. Der Turm war weit über die Memelwiesen sichtbar. Im Glockenstuhl hingen zwei Glocken. Die große Glocke war etwa 18 Zentner schwer. Die kleine Glocke wog etwa 10 Zentner und die Inschrift: Ein' feste Burg ist unser Gott. Das Geläut konnte im ganzen Kirchspiel gut gehört werden. In ihr fanden selbst an Feiertagen alle Besucher Platz.
Die Einweihung dieser dritten Kirche fand Anfang Juli 1900 statt. Die Gemeinde hat hierzu 72 000 Mark aufgebracht. Zum Pfarrland gehörten 71,33 ha Äcker und Wiesen, zum Pfarrwitwenland 20,08 ha.

Pfarrgehöft, Ländereien und Vermögen


Nach der Verordnung von König Friedrich I. wurde der 2. Pfarrer in Kaukehmen, Martin Forstenau, 1704 nach Plaschken versetzt. Auch die Gebäude der Kaplanei wurden dort abgebrochen und nach Plaschken gebracht. Das Wohnhaus war 1675 neuerbaut und hatte im Erdgeschoß drei große Stuben und mehrere Kammern. Auf dem Boden befand sich die Studierstube. Zur Wohnung gehörten als Wirtschaftsgebäude: eine Scheune, ein Stall und ein Schuppen. Wahrscheinlich stand dieses erste Pfarrgehöft auch auf dem Klein'schen Grundstück.
Wann die Pfarrer in die neue Pfarrei gezogen sind, ist unbekannt. Das Pfarrhaus ist jedenfalls ein sehr alter Bau und soll aus dem 18. Jahrhundert stammen. Mit den feuchten Wänden hatten die Pfarrer schon immer ihre Not. 1935 ließ man die alten Bäume im Garten fällen, damit mehr Sonne in die Wohnung kommen konnte. Doch auch das half nichts. Das Konsistorium in Memel genehmigte 1938 einen Neubau. Mit der Wiedervereinigung des Memellandes mit Ostpreußen am 22. März 1939 wurde der Regierungspräsident in Gumbinnen Patronatsherr der Plaschker Kirche. Er zog die erteilte Genehmigung zurück und stellte das Pfarrhaus unter Denkmalschutz. Es wurden aber Mittel für eine gründliche Renovierung bewilligt. Dabei trennte man die dicken Außen- und Innenwände stückweise vom Fundament; die entstandenen Lücken wurden mit Isolierplatten aufgefüllt. Nun konnte die aus dem Boden kommende Feuchtigkeit nicht mehr in die Wände dringen. Beim Abschlagen des Putzes stellte man an dem Ostgiebel Brandstllen fest, die wohl von einem Kirchenbrand herrührten. Der Umbau wurde am 1. Adventsonntag 1939 abgenommen. Es war nun zu einem der schönsten Pfarrhäuser der Umgebung geworden.
Die Scheune wurde 1902 erbaut. Das Baujahr des großen, massiven Stalls liegt einige Jahre davor. An der Westseite des Hofes stand noch ein Schuppen mit dem Speicher. Er wurde 1935 abgebrochen.
Das Pfarrland mit Pfarrwitwenland einschließlich Äcker und Wiesen war etwa 450 pr. Morgen groß. Es wurde überwiegend verpachtet. Früher bewirtschafteten einige Pfarrer etwa 100 Morgen selbst. Da die Wiesen gutes Viehfutter lieferten, hatten sie bis zu zehn Milchkühe. So kann man sich ein ungefähres Bild von der Größe der Wirtschaftsgebäude machen.
Außerdem hatte die Kirchengemeinde einige Hypotheken ausgeliehen. Über deren Höhe und Anlage sind keine Angaben zu erfahren. Die Plaschkener Pfarrei war unter den Pastoren als eine "fette Stelle" bekannt und begehrt.

Pfarrer, Präzentoren und Kirchendiener

Pfarrer

  • 1695-1697 Johann Daniel Reimann: War vorher Kantor in Tilsit, wurde am "Tage Thomae" 1695 für Plaschken ordiniert und 1696 eingeführt. Er starb am 25.12.1697
  • 1698-1704 Johann Ludovici: Ein Feldprediger, der 1698 als Pfarrer nach Plaschken kam. 1700 bewarb er sich um die freie Pfarrstelle in Werden. In seinem Bewerbungsschreiben ist der Satz bemerkenswert, "er müsse in dem elenden Plaschken krepieren". Wurde für Werden nicht gewählt. Starb 1704 in Plaschken.
  • 1704-1711 Martin Forstenau: Zunächst Präzentor in Willkischken. Am 1.5.1693 als Diakon für Kaukehmen ordiniert. Kam 1704 nach Plaschken und ging, weil die Stelle sehr dürftig war, 1711 als Pfarrer nach Werden. Starb dort im April 1712 (wohl an der Pest).
  • 1711-1724 Jakob Satorius: Am 23.11.1711 ordiniert, wurde 1724 seines Amtes enthoben.
  • 1724-1726 Friedrich Rosenberg: In Plaschken geboren, am 21.12.1724 ordiniert und 1725 eingeführt. Ging als Pfarrer nach Szirgupönen
  • 1726-1759 Wilhelm Mertins: Ein Insterburger, am 11.2.1726 ordiniert, am 10.3.1726 eingeführt, starb im September 1759
  • 1759-1799 Georg Fritz: Geboren am 11.8.1720 in Königsberg. War zuerst Präzentor in Kussen und Kaukehmen. Wurde 1759 eingeführt und starb am 8..6.1799.
  • 1799-1839 Georg Massalsky: Geboren am 24.3.1760 in Warßlauken bei Neukirch. War vier Jahre in Kallninken und neun Jahre in Werden Prazentor. Er wurde am 22.8.1799 zum Predigtamt in Plaschken berufen. Im selben Jahr ordiniert und am 4.5.1800 eingeführt. Er starb am 17.12.1839, nachdem er sich am 3. Advent von der Gemeinde verabschiedet hatte. Sein Grabstein befindet sich in der neuen Kirche unter der Kanzel.
  • 1840-1857 Johann Leopold Fleischmann: Geboren 1785 in Willuhnen, ordiniert für Berschkallen, in Plaschken am 5.4.1840 eingeführt. Er starb am 30.12.1857, nachdem er mehrere Jahre nur in großer Schwachheit sein Amt hatte ausüben können. So ging er mit zwei Krücken zur Kirche und verrichtete seine Lithurgie sitzend. In der Person des sehr schwerhörigen Predigers Strohmann war ihm eine Amtshilfe gegeben. Wie der Chronist berichtet gab es damals in Plaschken drei "Männer": Pfarrer Fleischmann, Prediger Strohmann und Präzentor Friedemann.
  • 1858-1860 Ludwig Johannisson: 1810 in Tilsit geboren, 1836 ordiniert, kam im selben Jahre als Hilfsprediger und Rektor nach Stallupönen, war seit 1845 Pfarrer in Pillupönen. Wurde im Juni 1858 in Plaschken eingeführt. Ging aber schon am 1.5.1860 als Superintendent nach Stallupönen.
  • 1860-1867 Rudolf Hermann Gross: Geboren am 27.4.1804 in Serrey (Litauen). Sohn des späteren Kreischirurgus in Ruß. Seit 29.5.1828 Präzento in Kaukehmen. 1849 als Pfarrer für Kinten ordiniert. Kam am 1.6.1860 nach Plaschken. Er starb am 24.11.1867, nachdem er sich noch auf dem Sterbebette mit seiner unversorgen Schwägerin trauen ließ. Die Trauung vollzog Superintendent Glogau, Tilsit.
  • 1867-1884 Abraham Friedrich Otto Hitzigrath: Er starb nach Heimkehr von einer zum Zwecke der Kalendenablösung angesetzten Verhandlung ganz plötzlich, wohl infolge der hierbei gehabten Aufregung.
  • 1884-1887 Gustav Otto Viktor Schulz: Kam im September 1884 nach Plaschken. Zu seiner Zeit griff das Sektenwesen, unter Laukandt und Kallweit, auch in Plaschken um sich und veranlasste viele Austritte aus der Landeskirche. Schulz starb 1887, erst 42 Jahre alt.
  • 1887-1891 Rudolf Dennukat: Geboren am 4.10.1847 in Pillau. Zunächst Kantor in Preußisch Eylau, dann Kantor in Werden. Am 5.10.1875 ordiniert für die Pfarrerstelle in Saugen, von 1881 bis 1887 Pfarrer in Kinten. Kam im Juli 1887 nach Plaschken. Er gewann die Separatisten zurück, beendete die Kalendeablösungsverhandlungen und leitete den Neubau der Kirche ein. Am 10.1.1892 wurde er in Kaukehmen eingeführt und erhielt am 4.10.1894 die Superintendentur übertragen. Gestorben am 4.1.1905 daselbst.
  • 1892-1911 August Jussas: Geboren am 17.7.1844. War erst Pfarrer und Lehrer in Nidden, dann 3. Prediger an der Landeskirche in Memel. Von 1882-1890 Pfarrer in Deutsch Crottingen und danach in Kussen. Kam am 1.5.1892 nach Plaschken. 1897 begann der Neubau der dritten Kirche, die im Juli 1900 eingeweiht wurde. Am 1.10.1911 ging Jussas in Pension.
  • 1911-1921 Moritz Scheduikat: Am 10.10.1864 geboren. 1893 ordiniert zum Hilfsprediger für Wischwill, war dann bis 1.10.1896 Pfarrverweser in Kinten. Von 1896 Pfarrer in Rautenberg, Kreis Ragnit und von 1909 Pfarrer in Schakuhnen. Trat am 1.12.1911 das Pfarramt in Plaschken an. Starb ganz plötzlich, nachdem er noch die Beichte für den Totensonntag gehalten hatte.
  • 1922-1933 Otto Obereigner: Geboren am 20.9.1884 in der Schloßkirche zu Königsberg, am 30.10.1910 ordiniert durch Gen.-Sup. D. Braun. Anschließend Vikar in Stallupönen. Pfarrer vom 1.2.1911 in Wedereitischken, Kreis Ragnit, und vom 1.4.1916 in Wieszen. In Plaschken vom 1.10.1922. Ihm wurde auch die Superintendentur für den neugegründeten Kirchenkreis Pogegen übertragen. Ab 1.7.1933 Generalsuperintendent für das Memelgebiet; zugleich Superintendent für den Kirchenkreis Memel und 1. Pfarrer an der St. Johanniskirche in Memel. Nach der Vertreibung im Oktober 1944 wirkte er noch einige Jahre in der Eutiner Landeskirche. Er wohnte im Ruhestand in Bad Schwartau. Er starb am 18.10.1971.
  • 1933-1935 Martin Lokies: Geboren am 14.2.1902 in Kukitoli, Indien, Sohn des Großner-Missionars Christoph Lokies. Zum Hilfsprediger ordiniert ging er zur Diasporagemeinde Godlevo (Litauen) von 1925-27. Pastor in Wirballen von 1927-31. Wegen des Kirchenkampfes (Prof. Gaigalat) musste er seine Gemeinde verlassen und zwei Jahre ohne Stelle auskommen. Kam im Oktober 1933 als Pfarrer nach Plaschken und ging am 5.11.1935 zur St. Jakobusgemeinde nach Memel. Starb dort am 27.8.1939.
  • 1935-1943 Bruno Doligkeit: Geboren am 13.6.1905. Nach seinem Studium wurde er 1933 für die 2. Pfarrstelle in Prökuls ordiniert. Kam am 6.11.1935 nach Plaschken. Im Sommer 1943 stellte er sein Amt zur Verfügung. Wurde anschließend zur Wehrmacht einberufen und ist im Osten vermißt.
  • 1943-1944 Hans Kuhrke: stand im Kriegsdienst, in seiner Vertretung:
  • 1943-1944 Martin Kibelka: Geboren am 30.12.1884 in Piaulen, Kreis Memel. Wurde nach seinem Studium von der Berliner Missionsgesellschaft 1909 als Missionar nach Tanganjika (Afrika) entsandt. Von 1909-11 in Daressalam, dort ordiniert am 25.6.1911, in Kiserawe von 1911-14. Während seines Heimaturlaubs brach der 1. Weltkrieg aus. 1914-16 Fronteinsatz. Pfarrverwalter in Piktupönen von 1917-1.2.1918. Dann Pfarrer in Sudargi (Litauen) bis 1925, anschließend in Georgenburg (Litauen). Zu dieser Zeit wurde er zum Senior (Konsistorialpräsident) der neu gegründeten Evangelischen Kirche Litauens gewählt. Wegen des Kirchenkampfes mit Prof. Gaigalat musste er Litauen verlassen. Die Berliner Mission rief ihn 1928 nach Königsberg und 1933 nach Berlin. 1943 evakuiert, wurde er auf die vakante Pfarrstelle Plaschken berufen. Nach seiner Flucht im Oktober 1944 betreute er das Pfarramt in Stojientin, Kreis Stolp, Pommern. Starb dort am 18.12.1945.

Präzentoren

Die Kantoren und Präzentoren hatten fast alle ein theologisches Studium absolviert. Nach einigen Dienstjahren konnten sie zum Pfarrer ordiniert werden. Wenn in der folgenden Liste Lücken entstehen, dann war das Organistenamt nicht unbesetzt, sondern dann wurde das Amt wohl durch einen Lehrer betreut.
Über die Präzentoren in Plaschken konnte folgendes ermittelt werden:

  • Bis 1747 Präzentoradjunkt Laurien wurde nach Coadjuthen berufen.
  • 1757-1764 Abraham Heinrich Safft ging als Kantor nach Kaukehmen.
  • 1783-1799 Johann Roloff wurde 1799 Pfarrer in Coadjuthen.
  • 1807-1835 Georg sen. Plonus
  • 1835-1839 Carl Copinus
  • 1839-1848 Georg jun. Plonus
  • 1849-1853 Gustav Hahn
  • 1853-1854 Johannes Sandt
  • 1854-1857 Moritz Friedemann, starb in Kraupischken Als Superintendent des Kirchenkreises Ragnit
  • 1857-1866 Gottlieb Schurgies, starb 1879 in Plaschken
  • 1866-1874 Schmiedeberg, ging als Kantor an die deutsche Kirche in Tilsit.
  • 1874-1900 Kaszemeck, wurde pensioniert.
  • 1900-1924 EmilReinecker, starb in Plaschken.
  • 1924-1937 Emil Kraemer, wurde pensioniert.
  • 1937-1944 Georg Walpuski, flüchtete.[1]


Die Lehrer der 2. Klasse wechselten oft, ihre Namen ließen sich nicht mehr ermitteln.

Kirchendiener

Auch die Kirchendiener seien nicht vergessen:

  • Georg Killat, von ?-1917
  • Georg Saunus, 1917-1944


Über das Gemeindeleben

Posaunenchor in Plaschken, Der Dirigent und Chorleiter ist Franz Kausch. Im Hintergrund die Kirche von Plaschken, ca Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre.



Generalsuperintendant Obereigner hat einmal ein allgemeingültiges Wort gesagt: ."Zum Bild der Heimat gehören nicht nur See und Haff, Wälder und Strom, Äcker und Wiesen, nicht nur das Vaterhaus, in dem unsere Wiege gestanden hat; zu dem Bild der Heimat gehört für jeden von uns auch ein Gotteshaus."
Damit hat er die schlichte Frömmigkeit, die den Memelländern eigen war dokumentiert.
Am Sonntagvormittag wurden die beiden Gottesdienste in deutscher und litauischer Sprache gehalten. Sie waren immer gut besucht. Um 13 Uhr fand der Kindergottesdienst statt. Nachmittags versammelten sich der Jungmädchen und Jünglingsbund. Erwähnt werden müssen noch der Posaunenchor, der Kirchenchor und der Frauenverein.

Kriegs- und Notjahre


Plaschken war zu Beginn eine kleine und dürftige Pfarrei. Fast die Hälfte des Landes bestand aus der Wüstenei Pleine, aus dichten Urwäldern und aus Überschwemmungsgebieten. Erst gegen Ausgang des letzten Jahrhunderts kam sie zu einem gewissen Wohlstand.
Die Kultivierung machte den Bewohnern große Mühe, bis der Boden einige Erträge lieferte. 1708 kam die Pest ins Land. Sie raffte die Menschen dahin. Die Ackerflächen wurden wieder wüst. das herrenlose Vieh lief hungernd umher und wurde zur beute der Wölfe. Nur mühsam schritt der Wiederaufbau voran.
Zur Kennzeichnung, wie König Friedrich Wilhelm I, sich um die fernsten Dörfer kümmerrte, sei die Order an die Lit. Kammer (später Regierungspräsident) in Gumbinnen vom 28.7.1739 angeführt:

"Nachdem S. M. angezeigt worden, wo das auf der Plaschker Heyde, diesseits Jametskehmen, desgl. auch auf der Heyde bey dem Heydekrug, an jedem Orte gar füglich und nützlich eine Schäferey anzulegen sey, also befehlen Sie der litauischen Kammer, hiermit allergnädigst, solches wohl zu examinieren, demnächst auch von beyden Schäfereien einen Überschlag zu machen und solchen nebst ihren Bericht zu fernerer allergnädigsten Resolution alleruntertänigst einzusenden." F. Wilhelm

Die Quellen geben leider keine Auskunft, ob diese Anordnung durchgeführt wurde und welchen Erfolg sie brachte.
Die russische Invasion von 1757-62 erreichte auch Plaschken. Die Kirche wurde geplündert und in Brand gesetzt. es war die Steinkirche, sie konnte wohl bald wieder in Stand gesetzt werden. Welche Not aber die Bewohner erlitten, geht aus einem Gesuch hervor, das Präzentor Safft an den König richtet:

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr! (Soll ad acta gelegt werden, bis sich die Vacance in Coadjuthen ereignen wird. Friedrich , Rex)
"Ewr. Königlichen Majestät werden zu höchsten Gnaden halten, wenn sich ein alleruntertänigster Vasall erkühnen darf, vor Allerhöchst Deroselben mit einer demütigsten Bitte zu erscheinen. Es werden bereits kommenden August Monat fünf daher sein, dass ich von einem Hochwürdigen Consistorio als Praezentor in Plaschken bin plaziert worden. Dieser Dienst, welchen ich dazumahlen als ein armer unbemittelter Studiosus gleich nach geschehener Verwüstung in der elendsten Zeit, da die Bewohner von Hab und Gütern entblöset waren, mithin samt ihnen Not leiden mußte, antrat, ist eines der kleinsten unter allen Praezentoraten in Lithauen, so daß mir auch bei jetzigen, schon in etwas sich bessernden Zeiten höchst schwer fällt, mich mit den Meinigen zu ernähren, zumahlen meine gesamten Einkünfte sich nicht höher als auf 60 Thaler betragen. Dannhero ist auch noch dem Beispiel meiner Antecessoren, welche nach Verfließung dreier Jahre in Verbesserungen geschickt worden, unter voriger Russisch-Kaiserlichen Regierung, bei entstandenen Vacancen, zu verschiedenen mahlen um eine Verbesserung beim Hochwürdigen Consistorio angesuchet habe: aber jedes mahl, weil ich zu spät erfahren, mithin auch mein Petitum zu spät gekommen, daß das an unserer Gemeinde angrenzende Praezentorat Coadjuthen vacant werden dürfte, so habe Ewr. Königliche Majestät mit gegenwärtigen, in tiefster Untertänigkeit anflehen wollen allergnädigst geruhen, nach allerhöchstem Hulde über mich armen, gegen fünf Jahren am Kummerbrot, im Dienste Gottes, nach Pflicht und Gewissen arbeitenden Menschen, allergnädigste Commißeration zu tragen, und wofern es mit gedachter zu entstehender Vacance seine Richtigkeit hätte, mir dieses Praezentorat in Coadjuthen als eine Verbesserung, aus allerhöchster Königlicher Gnade zu conferieren. Wie ich mich einer gnädigsten Erhöhung zu Ewr. Königlichen Majestät zuversichtlich verstehe, so erstrebe auch in tiefster Demut Allerdurchtigster, Großmächtigster König, Allergnädister König und Herr!
Ewr. Königlichen Majestät alleruntertänigster treugehorsamster Knecht
Abraham Heinrich Safft,
Praezentor in Plaschken bei Tilsit
Plaschken den 21. Mai 1763."


Safft kam 1764 als Kantor nach Kaukehmen. Sein Gesuch an den König hatte damit doch einen Erfolg. Er starb dort am 23.3.1783, 50 Jahre alt.
Der unglückliche Krieg brachte wieder Not und Elend unter die Bevölkerung. Beide Heere zogen durch die Dörfer und requirierten alles, was sie brauchten. den Bauern wurden Lieferungen von Getreide, Kartoffeln und Vieh auferlegt. Die Plaschker Kirche blieb verschont. Pfarrer Massalski konnte am 5.August 1807 dem Superintendenten in Tilsit berichten:

Ew. Hochwürden verfehle ich nicht, auf das mir unterm heutigen dato gefällist communicierte hohe Rescript der Königl. Kammer ganz gehorsamst zu erwidern, daß hier sowohl die vorrätigen Kirchenkassengelder als auch Schulkassen- in gleichem Witwenkassen und Armenkassen-Gelder, die im Kirchenkasten befindlichen Dokumente und Pfandbriefe, sowohl von den Feinden, den Franzosen, als auch von den sogenannten Freunden, den Russen, durch meine Sorgfalt und durch sorgfältige Maßregeln der hiesigen Kirchenvorsteher von aller Plünderung und Wegnahme gänzlich verschont geblieben sind.


Wie schon erwähnt wurden die Wiesendörfer zwischen Ruß und Jäge alljährlich überschwemmt. Ein besonders hohes Hochwasser gab es 1829. Nach einem langen harten Winter verwandelte der Aufbruch des Memelstromes und seiner Nebenflüsse die Gegend um Tilsit in ein weites Feld der Verwüstung. In Tilsit stand das Wasser am 13.4.1829 22 Fuß hoch. Die Deiche an der Memel, Ruß und Gilge brachen an 23 Stellen. Von ganzen Ortschaften waren nur noch Trümmer zurückgeblieben. Wie hoch der Wasserstand war, kann man daraus ersehen, dass Lastschiffe von Labiau aus, durch die Niederung über Felder und Gärten nach Tilsit gesegelt sind.
Sehr traurige Zeiten brachten die Jahre 1844 und 45. Ein ungewöhnlich kalter Sommer mit endlosen Regengüssen, machte alle Wege grundlos, die Getreide und die Kartoffeln verfaulten auf dem Felde. Noch im März 1845 fror es 25 Grad C. Um die Notlage noch zu erhöhen trat im Frühjahr eine ungewöhnlich große Überschwemmung auf.
Von hohen Wasserfluten wurde Plaschken auch 1888 heimgesucht. Das Wasser stand bis an der Schwelle der Kirche und drang ein Fuß hoch in das Pfarrhaus ein. Das zur Pfarre gehörende Insthaus stürzte ein.
Nach einer langen Zeit friedlichen Aufbaus brachte der erste Weltkrieg 1914/1918 Leid und Not. Im Herbst 1914 und Februar 1915 fielen russische Truppen in Ostpreußen ein. Plaschken und die meisten Kirchspielorte blieben verschont. Nur die Orte an der Landstraße Tilsit-Memel hatten zu leiden. In Pleikischken, Mädewald, Szameitkehmen und Swareitkehmen wurden viele Gehöfte in Brand gesetzt. Die Bewohner waren zum Teil geflüchtet. Sie verbargen sich im Pleiner Torfbruch oder fanden Unterkunft in den Dörfern am Strom. Ein Stützpunkt deutscher Soldaten lag in Plaschken. Bei Patrouillegefechten gab es Tote und Verwundete. Fünf deutsche Soldaten fanden auf dem Kirchhof ihre letzte Ruhestätte. Kaum 10 Meter von ihnen entfernt lag am Zaun ein Russengrab. Die Vorhalle im Turmeingang wurde zur Gedenkstätte der Gefallenen des Kirchspiels. Zwei große Tafeln trugen ihre Namen.
Am Morgen des 1.9.1939 verkündeten die Kirchglocken den Beginn eines furchtbaren Krieges. Sie erklangen noch oftmals den Gefallenen Gemeindemitgliedern zum letzten Gruße.
Von Oktober 1944 bis Januar 1945 lag Plaschken unter Beschuß. Ein besonderes Ziel war der Kirchturm, weil er als Beobachtungsstelle galt. Dabei gingen viele Dachziegel kaputt. Eine Granate traf die große Glocke und zerschlug sie. Die kleine Glocke wurde später von Litauern fortgeschafft. Kirche, Pfarrhaus und Wirtschaftsgebäude haben den Krieg überdauert.
Am 1.10.1944 hielt Pfarrer Kibelka den letzten Gottesdienst in der Kirche. Eine Woche später befanden sich die Plaschkener schon im großen Flüchtlingstreck nach Westen. Heute leben sie in allen Himmelsrichtungen verstreut. Die Zahl der Toten an der Front und auf der Flucht wird wohl niemals festzustellen sein.
Der 2. Weltkrieg 1939/45 war der furchtbarste aller Kriege. Er endete für viele mit dem Verlust ihrer Heimat.



Unter den Sowjets


Die Kirche ist zum Getreidespeicher der Sowchose gemacht worden. Geblieben sind im Inneren nur die Worte über der Altarwölbung: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. In der Schule wurden auch wieder Kinder unterrichtet.
In Plaschken blieben nur wenige evangelische Christen zurück. Von ihnen fand sich niemand, der die Gemeinde als Vorsteher in Wilna vertreten konnte. So blieb die Gemeinde unregistriert. Hier Gottesdienste zu halten war verboten und gefährlich. Doch Pfarrer Martin Klumbies, Heydekrug, besuchte turnusmäßig auch die Plaschker Gemeinde. Zunächst fanden die Gottesdienste in einem Privathause in Plaschken statt, später in Karzewischken. Fast zwei Drittel der Besucher waren Katholiken. Auch sie empfingen aus der Hand eines evangelischen Pfarrers das Heilige Abendmahl. Unter den Sowjets war der Hunger nach dem Worte Gottes so groß, dass selbst Glaubensunterschiede wegfielen. Nach der Ausreise von Pfarrer Klumbies wurde diese Arbeit von seinen Nachfolgern Pfarrer Gawehn und Preikschat fortgesetzt.


Quellen

  • Richard Taudien im Memeler Dampfboot Nr.18 vom 20.9.1961 u. Nr.14 vom 20.7.1964 u. Nr.5 vom Mai 1985
  • Pfarrer Stein, Tilsit: "Erinnerungen aus Litauen in Preußens Unglückszeit..." in "Mitteilungen der Lit.-Literarischen Gesellschaft", 19 Heft IV/1
  • Sembritzk und Bittens, "Geschichte des Kreises Heydekrug", Memel, 1920
  • Pfarrer Potschka: Die ostpreußische Kirchengemeinde Kuckerneese, Würzburg 1956

Einzelnachweise

  1. Georg Walpuski (* 28.12.1897 in Piasutten, Kreis Ortelsburg) war Volksschullehrer und seit 1921 im Memelgebiet tätig. Ab dem 1.11.1937 bis zur Flucht war er 1. Lehrer in Plaschken. Er floh nach Westdeutschland und starb nach Februar 1950. Angaben nach Lehrerkarteikarte Georg Walpuski in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung.
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