Notgeld

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Begriffe rund um`s Notgeld

Inhaltsverzeichnis

Finanzwesen

1914 Mangel an Zahlungsmitteln

Obwohl auf Plakaten Aufrufe gegen das Hamstern von Kleingeld erschienen und bereits im ersten Kriegsjahr ein gewisser Mangel an Zahlungsmitteln spürbar wurde, kam es in den meisten Gebieten des Deutschen Reiches zu keiner richtigen Notlage. Nur in Grenzgebieten, die unmittelbar vom Feind bedroht waren, und in ausgesprochenen Industriegebieten mußte einem Kleingeldmangel durch die Ausgabe von Notgeldscheinen abgeholfen werden. Die meisten dieser primitiv gestalteten Ausgaben stammen von Gemeinden, aber auch Firmen gaben solche „Gutscheine", „Anweisungen" oder „Wechselscheine" aus. Auf das unpopuläre Wort „Notgeld" für die nichtstaatlichen Scheine verzichtete man lieber.

1916 bis 1922 Kleingeldscheine

Im Herbst 1916 begann jetzt überall in Deutschland, das Kleingeld knapp zu werden, da unter anderem die Nickel- und Kupfermünzen als kriegswichtiges Material eingeschmolzen wurden und die staatlichen Ersatzgepräge aus Zink und Eisen nicht schnell genug zur Verfügung standen. Die Bevölkerung wurde wieder aufgerufen, Hartgeld nicht zu horten und die Spardosen und Münzautomaten häufiger zu leeren. Da dies nicht viel nutzte, wandten sich seit dem Oktober 1916 viele Städte und Gemeinden an den Finanzminister mit der Bitte um Genehmigung zur Ausgabe eigenen Notgeldes. Die ersten Kleingeldscheine lauteten meist auf Beträge zwischen 10 und 50 Pfennig, ihr Erscheinen wurde in den lokalen Zeitungen angekündigt.

Notgeld des Kreises Prüm 1920

Schon nach kurzer Zeit erkannten die Behörden, wie sich gerade dieses Geld mit einem begrenzten Umlaufgebiet dazu eignete, die Gemeinde, ihre Sehenswürdigkeiten, ihre Geschichte und Persönlichkeiten in Bildern darzustellen.

1918 bis 1919 Großgeldscheine

Zwischen 1918-1919 war es jedoch für einige Monate zur Ausgabe eines anderen Typs von Notgeld gekommen, es wurde zum ersten Mal sogar von der Reichsbank gewünscht und von den Landesregierungen genehmigt.

Großgeld auf Wild- oder Glaceleder 1921 Osterwieck/Harz

Im Herbst 1918 hatte sich das Geldwesen im besiegten Deutschen Reich katastrophal verschlechtert. Durch den Krieg hatte sich der Umlauf der Reichsbanknoten mehr als verdoppelt und stieg noch weiter an; parallel dazu sank international der Kurs der Mark. Dazu kamen Bargeldhamsterei, Teuerung und Erhöhung der Löhne und Gehälter. Dies zwang die Reichsbank, die umlaufende Geldsumme immer weiter zu erhöhen. Die Reichsdruckerei in Berlin arbeitete auf Hochtouren, war aber aufgrund von Heeresdienst und Krankheiten ihrer Mitarbeiter außerstande, ihre Aufträge auch nur annähernd zu erfüllen. Deshalb erklärte sich die Reichsbank bereit, den ausgebenden Stellen - Städten, Kreis- und Landesbehörden, Banken und Industriebetrieben -sogar die Hälfte der Druckkosten für Notgeldscheine zu erstatten. Bei der Dringlichkeit der Ausgaben kam es zu mancherlei Notbehelfen, wie dem Druck auf alten Scheckformularen, Sparkarten oder alten Kleingeldscheinen. Es wurden meist Scheine mit Nennwerten von 5 bis 100 Mark ausgegeben; für 10 Mark erhielt man zu dieser Zeit etwa 50 kg Kartoffeln oder 2 kg Butter.

1919 aus dem Verkehr gezogen

Nach dem 27. Februar 1919 wurden diese „Großgeldscheine", an deren Ausgabe sich inzwischen 550 Stellen beteiligt hatten, aus dem Verkehr gezogen.

Ausgabe von Notgeld verboten

Seit 1918 brach ein wahres Sammelfieber aus. Bald wurden die Scheine in Serien zu 6 oder mehr mit kräftigem Aufgeld („Gebühren") an die Sammler verkauft. Der Verdienst für die Gemeinden, aber auch für Händler und Spekulanten, war enorm. Die Gemeinden brauchten kaum zu befürchten, daß dieses „Geld" wieder in den Zahlungsverkehr zurückfloß. Am 17. Juli 1922, als die fortschreitende Inflation die Herstellung der kleinen Noten sowieso längst „ad absurdum“ geführt hatte, wurde die weitere Ausgabe von Notgeld verboten.

Inflationsgeld

Die Inflation wuchs, der Dollar, der 1917 auf 7 Mark gestiegen war, kostete 1920 schon 100 Mark; 1922 stieg er von 500 auf 1.725 Mark. Die Zeit des Inflationsgeldes begann.

Notgeld als biografische Methode

Damit sind das lokale Notgeld und das Inflationsgeld durchaus als biografischen Methoden in der Regionalgeschichte geeignet, um den einzelnen Menschen als den persönlichen Vorfahren in seinen Zeitverhältnissen und Lebensräumen darzustellen. Über die vorgenannten Geldarten läßt sich der ermittelte Vorfahre zeitlich in seinem historisch/lokalem Kontext zu bestimmten Umfeldbedingungen biografisch verorten.

Quellen

  • "Das Fenster" in der Kreissparkasse Köln, Thema 155, März 1998

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