Nimmersatt

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Die deutsch-russische Grenze bei Nimmersatt (vor 1914)
So sieht es am Ostseestrand bei Nimmersatt heute aus (Foto 2009)

Hierarchie


Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Der deutsch-russische Grenzübergang bei Nimmersatt [1]
Das Kurhaus von Nimmersatt (vor 1914)
So sieht das Kurhaus von Nimmersatt heute aus (Foto 2008)
Rettungsschuppen am Strand von Nimmersatt, 2009

Nimmersatt, Kreis Memel gehörte bis 1919 zur preußischen Provinz Ostpreußen und war bis dahin als selbständige Gemeinde der nördlichste Ort des Deutschen Reiches.
Hieraus rührt der Reim „Nimmersatt, wo das Reich sein Ende hat“.
Nimmersatt lag zu preußisch-deutschen Zeiten an der Nordspitze eines ostpreußischen Landzipfels, der im Westen von der Ostsee und im Osten und Norden von Rußland umgeben war.


Hier verlief bis 1918 die damalige deutsch-russische Grenze. Von dem seinerzeit bestehenden Grenzübergang zur Stadt Polangen (Palanga), die zu Rußland gehörte, ist das ehemalige Zollhaus erhalten. Zum 1920 von Deutschland abgetrennten Memelland gehörig, wurde Nimmersatt 1923 mit diesem von Litauen annektiert, und 1939 wieder an Deutschland zurückgegeben. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gehört Nimmersatt wieder zu Litauen und wurde später nach Polangen (Palanga) eingemeindet.

Foto von der Grenze:
Auf dem linken Pfosten steht in kyrillischer Schrift "Russkaja Imperija" (Russ. Reich),
rechts der preußisch-deutsche Pfosten.


Name

Andere Namen und Schreibweisen

  • Immersatt ist um 1902 der Name der Posthalterei und des Lembkeschen Gartenrestaurants.

Namensdeutung

Kurischer Name Nimersata.

  • kurisch "niemirs" = Unfrieden + "sata" = Gehöft

Möglich auch Hinweis auf sumpfiges Areal.

  • kurisch "nemiršele": = Sumpfvergissmeinnicht + "sata": Gehöft


Nimmersatt - Immersatt

Immersatt ist um 1902 der Name der Posthalterei und des Lembkeschen Gartenrestaurants,
später stand an der Stelle von Immersatt das Kurhaus Nimmersatt.

Der Name Immersatt soll unter Friedrich Wilhelm III. entstanden sein.
Folgende Geschichte wird dazu erzählt:

Aus Rußland kommend, kehrte er in der unfruchtbaren Gegend beim Posthalter Mellien ein.
Der bat ihn: "Ich bin immer satt und bitte, meine Besitzung doch lieber so zu nennen."
Der König bewilligte den Namen für die Posthalterei.
Immersatt ist also lediglich der Name der Post und des Lembkeschen Gartenrestaurants, das den Goetheschen Hausspruch trägt: "Freundlich trete herein und froh entferne dich wieder."
Immersatt ist an der Straße der südlichste Teil der Verbandsgemeinde Nimmersatt (ab 1939), jenseits der Straße umschließen aber die anderen Häuser der eingemeindeten Dörfer das winzige Immersatt. [4]

Sembritzki schreibt im Kapitel über Nimmersatt folgendes:
Der der dortigen Posthalterei beigelegte Name Immersatt findet sich bereits im Jahre 1785; eine urkundliche Nachricht über etwaige Verleihung dieses Namens hat sich nicht ermitteln lassen. [5]

Allgemeine Information

Nimmersatt war bis 1945 der nördlichste Ort Deutschlands.

  • Dorf und Badeort an der Ostsee mit Zollhaus und Kurhaus, 19 km nördlich von Memel an der litauischen Grenze, gegründet vor 1434[6]

Politische Einteilung

1.5.1939: Name der neuen Gemeinde: Nimmersatt;
Die neue Gemeinde ist gebildet worden aus den bisherigen Landgemeinden : Nimmersatt, Ußaneiten, Grauduß-Bartel und Scheipen-Thoms [7]


Kirchliche Zugehörigkeit

Evangelische Kirche

Nimmersatt gehörte 1912 zum Kirchspiel Karkelbeck, vor 1904 allerdings zum Kirchspiel Deutsch Crottingen.

Katholische Kirche

Nimmersatt gehörte 1907 zum katholischen Kirchspiel Memel.


Standesamt

Ein Bauernhof in Nimmersatt (09.08.1930)

Nimmersatt gehörte 1888 und 1907 zum Standesamt Krottingen.

Bewohner

  • 1412 ist an der Universität Krakau ein Student Nicolaus Johannis Nemir de Litwania eingeschrieben.

Bewohner 1540

  • Barpant, Bottiger oder Jorge Becker, Darge, Dytter, Hoffmann, Kapst
  • Lyncke, Lypsch, Naude, Naugaut, Precoll, Reyße, Sybell

Bewohner 1939

lt. Volkszählung leben 236 Einwohner in Nimmersatt


Friedhof von Nimmersatt

Nicht viel blieb von Nimmersatt übrig und ein Teil des einstigen Ortes ist heute im Naturschutzpark Nemirseta integriert.

Das Schwarzweiß-Foto stellt exemplarisch den Friedhof dar.
(Anmerkung: Bisher konnte auf keiner Karte eindeutig ein Friedhof verortet werden. Das nachfolgende Foto könnte auch von einem der Karkelbecker Friedhöfe stammen. [8])

Auf dem Friedhof von Ußaneiten (lit. Anaičiai) sind noch alte Grabmale aus der deutschen Zeit erhalten. Ußaneiten wurde 1939 nach Nimmersatt eingemeindet. Der Ußaneiter Friedhof liegt östlich vom Kurhaus Nimmersatt, nur wenige Autominuten entfernt.

Simon und Johann Moors † Juni 1900] [9]
Alte Gräber auf dem Friedhof von Ußaneiten

Geschichte

  • 1504

Wilhelm von Melem erhält ein Haus in der Vorstadt mit einem Bauplatz für eine Badestube, einen Kohlengarten auf dem Holm, das Recht zum Handel mit bürgerlicher Nahrung, Haff-Fischerei und den Krug zu Nimmersatt zu Kulmischem Recht, [10]

  • 1800

Das königliche Amtsblatt von 1820 berichtet zu Nimmersatt, dass 20 Jahre vorher der Posthalter Lohmeier begann, sein eigenes Land mit Seedünger zu versehen und mit Strauchzäunen zu umgeben. Damit konnte er erfolgreich eine weitere Versandung verhindern. Er erweiterte seine Bemühungen um weitere 6 Hufen, ebenso erfolgreich. Sein Schwiegersohn Mellin führte diese Bemühungen weiter aus, auf eine 1/4 Meile Länge. Der Wald hat heute (1820) eine Ausdehnung von 80 Morgen [11] .

  • 1922

[12] Ansas Dumbries, 51 ha

  • 1929

Nimmersatt hat einen Männergesangsverein (Foto folgt).

  • 1944

Oktober 1944. Die Dorf- und Landbevölkerung muss vor dem einrückendem Russen fliehen. Rauch und Feuer begleiteten die Flüchtlinge, die viel zu spät den Befehl zur Räumung erhielten. Hier finden Sie einen detailierten Fluchtbericht dazu
von Johanne Moors, vom 05.11.1944

Nimmersatt heute

Einsames Gehöft in Nimmersatt (Foto 2008)

Nimmersatt (Nemirseta) liegt in einem Waldgebiet an einer Nebenstraße der A13 und besteht mittlerweile nur noch aus zwei Häusern: dem ehemaligen Zollhaus und der früher letzten Gaststätte (einst Kurhaus genannt) vor der Grenze, beide Gebäude wurden längst zu Wohnhäusern umgebaut.

Das große Haus mit der ehem. Gaststätte steht leer.
Der gesamte Gebäudekomplex wird als Steinbruch genutzt, tragende Innenwände sind teilweise, vor allem im OG, abgetragen, die Holzbalkendecken im OG deswegen in diesen Bereichen heruntergebrochen. Einzelne Sparren der Dachkonstruktion sind herausgesägt. Teile der Dachdeckung sind zerstört, eindringender Regen beschleunigt den Zerfall. Es ist eine Frage der Zeit, bis das Gebäude in sich zusammenbricht. Wohl gibt es noch weitere alte Gebäude, aber ähnlich wie in Karkelbeck wurde Nimmersatt zum militärischen Sperrbezirk erklärt und größtenteils abgetragen.

Besitzt man einen guten Leihwagen, kann man durchaus das Wagnis eingehen, die Feld- und Waldwege (die im Navi oft als normale Straßen angegeben werden) zu befahren. Hier findet man noch alte Höfe, die bewohnt sind. Auch wenn hier und da eine Latte in der Holzverkleidung fehlt - eine Satelitten Schüssel ist oft ein guter Hinweis auf die Bewohner. Der Sperrbezirk ist wie in Karkelbeck mittlerweile ein Landschaftsschutzgebiet. Es gibt einen Parkplatz gegenüber des Kurhauses.

August 2010 Peter Wallat [13]

V e r s c h i e d e n e s

Alte Ansichten

Lit.-russ. Grenzposten am Strand von Nimmersatt
Grenzstein in Nimmersatt
Der Grenzübergang Nimmersatt - Polangen

Ansichtskarten von Nimmersat

Ansichtskarte Nimmersatt um 1940:

1939-1944 waren die Inhaber
der Gaststätte Hans u. Hedwig Reimann.
Li. oben: Tochter Annemarie mit
ihrem Wegbegleiter.
Re. oben: Die Wendeschleife
für den Bus von Memel.
Das Lokal befand sich im ehem. Zollhaus.
Hans und Hedwig Reimann
haben vor 1939 das Lokal
"Zum Brückenkopf" in Tilsit und vorher
eine Gaststätte in Dawillen betrieben.


Bilder von H.G. Moors

Die Bilder wurden freundlicherweise von H.G. Moors zur Verfügung gestellt


Das Foto wurde freundlicherweise von B. Szillis Kappelhoff zur Verfügung gstellt

Das Foto wurde freundlicherweise von Peter Wallat zur Verfügung gestellt

F o t o s

Nimmersatt, Fußweg zum Ostseestrand
Blick auf die Ostsee bei Nimmersatt, 2009


K a r t e n

Nimmersat auf der Carte des terres devant le Curis H [affe] [de] cote du Memmel, ca. 1670, 1:55 000, Sign. N 11999/50
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz


Nimmersath auf der Schroetterkarte Blatt 1, (1796-1802) 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Nimmersath, Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160 000
Nimmersatt im Preußischen Urmesstischblatt Nr. 1, 1832
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Nimmersatt im Preußischen Urmesstischblatt Nr. 1, 1860
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Nimmersatt im Messtischblatt 0192 Nimmersatt (1912) mit den Gemeindegrenzen von 1938
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
Gemeinde Nimmersatt mit Eingemeindungen (1.5.1939) im Messtischblatt 0192 Nimmersatt (1912)
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie


Skizze aus der Gemeindeseelenliste von Nimmersatt aus den 50er Jahren, (c) Bundesarchiv
Nimmersatt
Nimmersatt in der Memellandkarte


Gedicht von Rhesa

Ludwig Rhesa singt über Nimmersatt:

Zu Nimmersatt am Baltenstrand
Rauscht früh und spät die Welle,
Da grünt kein Baum auf ödem Sand,
Kein Blümlein an der Quelle,
Und nimmer, nimmer wächst die Saat,
Wer hier auch ackert früh und spat.
Der Nachtigallen Lieder
Tönt Busch und Wald nicht wieder.

[15]
L. Rhesa [16]

Memeler Dampfboot

  • 11. Dezember 1933:
    Am Sonnabend abend zwischen 4 -5 Uhr brannte das 60 Meter lange und 13 Meter breite Stallgebäude des Besitzers Kühn - Nimmersatt bis auf die Grundmauern nieder. Verbrannt sind 45 Stück Geflügel, einschließlich Gänse und Enten, vier Schafe, 50 Fuder Klee und Heu, acht Fuder Stroh. In der anliegenden Wagenremise befand sich der größte Teil der Wirtschaftsgeräte, welche auch ein Raub der Flammen wurden.
    Es wird vermutet, daß das Feuer durch Ueberheizung des Kartoffeldämpfers im massiven Schweinestall, sowie durch Schadhaftigkeit des Schornsteins daselbst entstanden ist. Obwohl die Scheune in unmittelbarer Nähe steht, konnte sie durch tatkräftiges Eingreifen der hinzukommenden Nachbarn aus den umliegenden Ortschaften gerettet werden. Versichert war das Gebäude nur gering.


Internetlinks

Fotoalbum Nimmersatt

Familienforschung

Familiennamen: Moors, Szimkus, Szuiszellis, Kaulis, Kiekszta, Sauff, Szardenings,Reimann

p.wallat[at]t-online.de

ab 1939 gaststättenehepaar in nimmersatt.gaststätte zum dorsch.hans und hedwig reimann geb.gebenus-sowie tochter annemarie.die gaststätte war warscheinlich im ehemaligen alten zollhaus.es war die letzte vor der grenze.

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung NIMATTKO05MV
Name
  • Nimmersatt Quelle Landgemeinde 21.123 (deu)
  • Nemerzatė (lit)
Typ
  • Ort
w-Nummer
  • 66132
externe Kennung
  • geonames:596659
  • nima:-2617097
Karte

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Memel, Klaipėdos apskritis ( Kreis Landkreis ) Quelle


Quellen

  1. Ansichtskarte vor 1900
  2. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  3. GOV: http://gov.genealogy.net/
  4. Tetzner, Franz: Die Slawen in Deutschland, Braunschweig 1902, S.127
  5. Johannes Sembritzki, Geschichte des Kreises Memel, Memel, 1918
  6. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  7. Amtsblatt Gumbinnen 1939: Neugliederung der Gemeinden und Gutsbezirke im ehemaligen Memelland ab 1. Mai 1939, S. 64ff,
    http://www.memelland-adm.de/Archiv/13 Verwaltungsbezirke/index.htm
  8. P. Wallat
  9. Simon und Johann Moors (Vater und Sohn) die im Juni 1900 zusammen ertrunken sind. Das Bild wurde freundlicherweise von H.G. Moors zur Verfügung gestellt.
  10. Gerhard Willoweit, Die Wirtschaftsgeschichte des Memelgebiets, Marburg (Lahn) 1969
  11. Johannes Sembritzki, Geschichte des Kreises Memel, Memel, 1918
  12. Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch für die Provinz Ostpreußen mit Anhang Memelland, 4. Auflage, Leipzig 1922
  13. Mit Ergänzungen von Bernhard Waldmann, 09.01.2012
  14. Foto von Beate Szillis Kappelhoff|
  15. Tetzner, Franz: Die Slawen in Deutschland, Braunschweig 1902, S.127
  16. Die Büste von Ludwig Rhesa (* 9. Januar 1776 in Karwaiten; † 30. August 1840 in Königsberg) wurde auf einer hohen Säule vor dem Kurhaus von Schwarzort aufgestellt.
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