Niederländisch-Ostindien

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Allgemeine Einführung

Niederländisch Ostindien oder auch Niederländisch-Indien bestand bis zum 27. Dezember 1949 in seiner größten Ausdehnung im wesentlichen in den Grenzen des heutigen Indonesiens.

Das Land besteht aus einer Inselgruppe mit einer Ausdehnung von 5.120 km in west-östlicher Richtung und von 1.760 km in nord-südlicher Richtung. Es liegt zwischen 6° 08' nördlicher und 11° 15' südlicher Breite sowie 94° 15' und 141° 05' östlicher Länge. Der Archipel besteht aus mehr als 13.677 Inseln, von denen 6.044 bewohnt sind. Es unterteilt sich in die fünf größeren Inseln:

  • Java im Zentrum des Archipels mit der Hauptstadt Jakarta, unter niederländischer Kolonialherrschaft Batavia genannt,
  • Sumatra im Nordwesten,
  • Kalimantan, in der Kolonialzeit Borneo genannt, im Norden, wobei der nördliche Teil zu Malaysia und Brunei gehört,
  • Sulawesi oder auch Celebes, im Norden weiter östlich und
  • Irian Jaya, oder auch Neu Guinea im Nordosten, wobei der Ostteil der Insel zu Papua-Neuguinea gehört.

die beiden Inselgruppen:

  • Nusa Tenggara, auch Kleine Sudainseln genannt, und den
  • Molukken Inseln

sowie sechzig weiteren Inselgruppen.

Das Klima ist tropisch, heiß und feucht. Auf Sumatra, West-Java, Kalimantan, Sulawesi, den Molukken und Irian Jaya herrscht immerfeuchtes tropisches Klima. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 3.000 bis 4.000 mm, in den Gebirgen zum Teil über 6.000 mm, auf Mittel- und Ostjava, den Kleinen Sudainseln sowie im Gebiet bis zu den Aruinseln herrscht tropisch-monsunales Klima. Dort betragen die Niederschlagsmengen 2.000 bis 3.000 mm. Die Landschaft besteht überwiegend aus Küstenflachland; im Inneren der größeren Insel befinden sich Berge.

Das Land verfügt über reiche Bodenschätze: Erdöl und -gas auf Sumatra, Kalimantan und Irian Jaya, Nickel auf Sulawesi, Zinn auf Bangka und Belitung, Tropen-Edelhölzer in den tropischen Regenwäldern, Bauxit auf Bitan und Kalimantan, Kupfer auf Irian Jaya und Timor, Steinkohle auf Sumatra, Gold und Silber.

Auf den fruchtbaren Ackerböden wird überwiegend Reis angebaut und es gibt Plantagen für Kautschuk, Tee, Kaffee-, Ölpalmprodukte und Chinarinde. In der Kolonialzeit gab es viele Zuckerrohrplantagen.

Quelle: CIA -- The World Factbook 2000 -- Indonesia

Geschichte

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gab es mehrere islamische Sultanate auf dem Gebiet des heutigen Indonesiens. Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien 1498 stießen die Europäer in den südostasiatischen Raum vor, um den von Orientalen betriebenen Gewürzhandel zu übernehmen. 1596 kamen die ersten Niederländer nach Indonesien, dessen Gewürzhandel bereits von den Portugiesen kontrolliert wurde.

1602 gab das niederländische Parlament in einer Charta der Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) das Handelsmonopol für alle Gebiete östlich des Kaps der Guten Hoffnung. Die Charta, die der VOC die Rechte eines Souveräns zugestand, unternahm im gleichen Jahr ihre erste Handelsexpedition zu den "Gewürzinseln", den Molukken. Das Kerngeschäft der VOC bestand im Handel mit Pfeffer und Gewürzen.

1619 eroberte der niederländische Handelsgouverneur Jan Pieterszoon Coen Jayakarta (das heutige Jakarta) und gründete eine niederländische Kolonie, die er Batavia nannte. Am 31. Dezember 1799 löste die niederländische Regierung die Vereenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) auf, die wegen Misswirtschaft und Korruption in Konkurs gegangen war, und übernahm alle Gebiete, die unter Einfluss und Kontrolle der VOC standen, als Kolonien. 1828 richtete man Standesämter (De burgerlijke stand) ein. Ab 1830 wurde unter dem Generalgouverneur Johannes van den Bosch Niederländisch-Indien als leistungsfähige Kolonie ausgebaut. Ihren Machtanspruch mussten die Niederländer jedoch permanent gegen die Einheimischen als auch gegen die Engländer und Portugiesen in mehreren Kriegen verteidigen. Dabei wurde das Kolonialgebiet ständig erweitert. Im Vertrag von Sumatra verzichteten 1871 die Niederländer auf ihre Besitzungen an der Goldküste in Afrika und erhielten dafür von den Engländern die Herrschaft über Sumatra.

Mit dem japanischen Angriff auf die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbour (Hawaii) am 7. Dezember 1941 begann der 2. Weltkrieg auch im Pazifik.

Am 10. Januar 1942 griffen die Japaner Kalimantan, Sulawesi und Ambon an. In der Schlacht in der Java-See vom 27. Februar bis zum 1. März 1942 zerstörten die Japaner die alliierte Flotte, und die Invasion auf Java nahm ihren Anfang. Am 8. März 1942 mussten die Niederländer auf Java kapitulieren.

Mit der Kapitulation gingen die verbliebenen Soldaten der niederländischen Kolonialarmee K.N.I.L. (Koninklijk Nederlands-Indische Leger) in Kriegsgefangenschaft. Die japanische Armee errichtete sofort Kriegsgefangenen- und Internierungslager in Schulen, Gefängnissen, Bahnschuppen, Hüttenlagern und Klöstern für die alliierten Kriegsgefangenen und Bürger der Länder, mit denen sie sich im Krieg befanden. Männer wurden von ihren Familien separiert. Jungen ab 10 Jahren wurden von ihren Müttern getrennt und ins Männerlager gebracht. Die Lage in den Lagern war katastrophal, es fehlte an Nahrung und Medikamenten, und schließlich kam es zum Ausbruch von Seuchen. Die Behandlung durch die Japaner war brutal und die Zwangsarbeit mörderisch, so dass es sehr viele Todesfälle gab.

Am 15. August 1945 kapitulierten die Japaner in Indonesien, kontrollierten jedoch noch weite Teile des Landes.

Am 2. September 1945 unterzeichneten die Japaner die bedingungslose Kapitulation. Für viele Kriegsgefangenen bedeutete dies das Überleben, gab es doch einen Befehl des japanischen Oberkommandos an alle Truppen, alle alliierten Kriegsgefangenen zu töten, wenn der erste Alliierte seinen Fuß auf die japanischen Hauptinseln setzt. Am 17. August 1945 riefen Sukarno und Hatta die Unabhängigkeit der freien Republik Indonesien aus. Zwischen indonesischen Jugendlichen und den aus den Internierungslagern entlassenen Niederländern breiteten sich Gewalttätigkeiten aus.

Es kam zu blutigen Kämpfen zwischen organisierten indonesischen Unabhängigkeitskämpfern und niederländischen, englischen und australischen Truppen. Wegen der Auseinandersetzungen in Niederländisch-Indien wurden viele ehemalige KNIL-Soldaten, nachdem sie die japanischen Kriegsgefangenenlager überlebt hatten und teilweise bereits in die Niederlande gegangen waren, wieder nach Indonesien zurückgerufen, um an den Kämpfen teilzunehmen. Im April 1949 begannen die Niederländer sich dem internationalen Druck zu beugen und stimmten zu, Indonesien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Am 27. Dezember 1949 übergaben die Niederländer offiziell die Souveränität an die Republik Indonesien. Niederländisch-Indien hörte auf zu existieren. Viele niederländische Familien verließen die Kolonie und gingen in die Niederlande.

Deutsche Auswanderer sind bereits bei den ersten Siedlern in der Kolonie nachweisbar. Viele von ihnen sind nach Ende der Kolonialzeit in die Niederlande zurückgegangen.

Quellen

  • Payer, Margarete <1942 - >: HBI weltweit. -- 5.3. Zur Geschichte Indonesiens. -- Fassung vom 18. März 1997. --
  • Gimon, Charles A.: Sejarah Indonesien, An Online Time-Line of Indonesia (Englisch)
  • Gueinzius, Hans: Geschichte Niederländisch-Indiens (Auszug)

Genealogische Gesellschaften

  • De Indische Genealogische Vereniging (IGV), Niederländisch, beschäftigt sich mit der Genealogie europäischer Familien in den ehemaligen niederländischen Kolonien - Niederländisch-Indien, Karibik und Südafrika. Dabei liegt der Fokus auf Niederländisch-Indien. http://www.igv.nl/

Inhalt: Liste der Publikationen, Fragen & Antworten, Janssen's Indisch Repertorium mit 192.500 Quellnachweisen zu ca. 51.000 Familiennamen.

  • Nederlandse Genealogische Vereniging, Niederländisch und teilweise Englisch http://www.ngv.nl/

Genealogische und historische Quellen

Centraal Bureau voor Genealogie, Niederländisch und Englisch, Bibliothek mit über 100.000 Bänden zur Genealogie, Heraldik, regionaler und lokaler Geschichte. 60.000 Akten mit genealogischen Manuskripten und biografischen Daten von privaten und professionellen Genealogen gesammelt. Millionen von verfilmten Ausschnitten von Familienanzeigen, mikroverfilmte Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterberegister aus den Niederlanden, wie auch allen ehemaligen Kolonien.

Bibliographie und Literatur

Historische Literatur (auf Niederländisch)

  • Hovinga, Henk: Eindstation Pakan Baroe (1998), mit CD-Rom mit vielen Namen von Kriegsgefangenen dieses japanischen Sklavenprojektes im II. Weltkrieg.
  • Naeff, Frans: het aanzien NEDERLANDS INDIË herinneringen aan een koloniaal verleden, Haarlem (1978), mit vielen Fotos über die Geschichte Niderländisch-Indiens.

Archive und Bibliotheken

Archive

  • Rjiksarchivdienst, Niederländisch und Englisch, mit GenLias, dem elektronischen Katalog über alle Archive in den Niederlanden, insbesondere Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterberegister von 1811 bis 1942.
  • Stichting Indisch Familie Archief, Niederländisch, Informationszentrum für Genealogie und Biographie der Europäer aus dem ehemaligen Niederländisch-Indien und deren Nachkommen. http://www.xs4all.nl/~polleke/
  • Ancestors from the former Dutch East Indies, Englisch, Hinweise auf Archive in den Niederlanden und in Indonesien.

Bibliotheken

  • Pica Verbund in den Niederlanden, Niederländisch, Englisch, mit kostenlosem Gastzugang für Recherchen. http://ourworld.compuserve.com/homepages/paulvanV/eastindi.htm
  • Koninklijke bibliothek Den Haag, Niederländisch, Englisch, mit Online-Recherche. http://ourworld.compuserve.com/homepages/paulvanV/eastindi.htm
  • Bibliothek des Südasien-Institut der Universität Heidelberg, Adresse: Im Neuenheimer Feld 330, 69120 Heidelberg, Telefon: allgemein: (06221)54-8902 Auskunft: (06221)56-2937.
  • Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Ausländisches Öffentliches Recht und Völkerrecht Adresse: Im Neuenheimer Feld 535 69120 Heidelberg, Telefon: allgemein: (06221)482-217, Auskunft: (06221)482-432, Ortsleihe: (06221)482-432, Fernleihe: (06221)482-546.
  • Bibliothek des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen an der Universität Heidelberg, Adresse: Plöck 57 a, 69117 Heidelberg Telefon: allgemein: (06221)54-7564, Auskunft: (06221)54-7254.

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