Nidden/Kurenkahn

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Nachbau eines Kurenkahns vor Nidden, 1994

Inhaltsverzeichnis


Kurenkahn und Kurenwimpel

Kurenkahn

Kurenkahn (auch Keitelkahn) ist die Bezeichnung für einen Bootstyp, der bis Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Kurischen und auf dem Frischen Haff im ehemaligen Ostpreußen als Fischerboot eingesetzt wurde. Der Name bezieht sich auf den Volksstamm der Kuren, der unter anderem auch Namensgeber für die Nehrung und das Haff war.

Der Kurenkahn ist ein ca. 12 m langes Holzboot, typisch für seine Form sind der hochgezogene Bug und eine nach hinten abschwingende Seitenlinie. Besonderheit ist aber der flache Bootsboden, der mit einem Tiefgang von ca. 40 cm zum einen das Befahren seichter Stellen im Haff zum anderen auch das problemlose Transportieren zum Beispiel von Vieh, Holz und Heu und anderen Lasten ermöglichte.

Für den Kurenkahn wird auch der Begriff „Keitelkahn“ verwendet. Die unterschiedliche Bezeichnung weist jedoch auf die jeweils verwendete Fangart hin, die sich auch bei gleichem Bootstyp mit der Jahreszeit ändern konnte. Kurenkähne verwendeten das Kur(r)ennetz, ein dreiwandiges Zugnetz mit einer Länge von ca. 250 m, das von zwei Booten ausgebracht wurde. Keitelkähne fischten mit dem Keitel - einem trichterförmigen Schleppnetz - das unter Umständen größere und mit stärkerer Segelkraft ausgestattete Boote erforderte.
Heute gibt es auf dem Kurischen Haff im litauischen Teil einige wenige Kurenkähne als Ausflugsboote für Touristen. [1]

Kurenkahnwimpel

Wimpelschnitzer in Inse am Kurischen Haff

Im Jahre 1844 beschloß die Königsberger Regierung, „daß jeder Berechtigte bei Ausübung der Fischerei auf dem Kurischen Haff oder Frischen Haff auf der Spitze des Mastes seines Gefäßes eine wenigstens zwei Fuß lange und einen Fuß breite Flagge derjenigen Farbe, welche der Ortschaft, woselbst er seinen Wohnsitz hat,... führen soll...”

Die Haffischerei sollte kontrolliert werden, um der Verminderung des Bestandes entgegenzuwirken. Es war nun möglich, Fischer, die sich unerlaubter Fangmethoden bedienten, zu identifizieren. Ab etwa 1870 bekamen die kurischen Wimpel eine reiche Verzierung. An langen Winterabenden schnitzten die Fischer die Motive: Elche, Häuser, Kirchen, Wasser, Dünen, einen Leuchtturm oder auch die Sonne.

Der Wimpel, der um die Mastspitze drehbar ist, besteht aus Holz und Blech. Er diente zugleich als Windrichtungsanzeiger. Jeder Ort hatte verschiedene Symbole. Schon ab 1877 mußte der Heimatort weit sichtbar auf dem Segel angebracht werden. Doch die Kurenkahnwimpel bestanden weiter. 1929 gab es etwa 450 wimpelführende Fischerkähne auf dem Haff, 1945 fand dieser Brauch ein Ende.

In der Sowjetzeit setzte sich mit Gründung der Kolchosen die industrielle Fischerei durch. Außerdem konnten die neuen Bewohner der Nehrung mit den Kurenkähnen schwer umgehen. So senkten Motorkutter ihre Netze in das Haff, aus Japan führte man riesige Schleppnetze ein, mit denen man anfangs im fischreichen Haff große Beute machte. Doch damit begann der Raubbau. Obwohl heute das Fischen von April bis September verboten ist, gibt es auf der Nehrung überall - auch im Sommer - frischen Fisch zu kaufen.
Im Jahre 1994 gab es auf dem Haff noch zwei Kurenkähne, die für touristische Nostalgiefahrten eingesetzt wurden.
Heute werden auf der Nehrung wieder Kurenwimpel geschnitzt und als Souvenirs an die Touristen verkauft. [2]

Quellen

  1. Text übernommen von Wikipedia
  2. Ilze Gulens: „Baltikum“, Dumont 1994, ISBN 3-7701-3368-4


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