Mittagsmahlzeiten in dürftigen Verhältnissen (1881)

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Die Lebensumstände im lokalen und regionalen Bereich mit den natürlichen und kulturellen zeitlichen Gegebenheiten geben Hinweise zur Anlage von Biografien unserer Vorfahren in der jeweiligen Generation. Land und Leute in ihrer Zeit, ihre Siedlung, Sprache, Kirche, und die Vernetzung ihres Lebensraumes. Kurzgefasste Informationen mit Grundlagen für notwendige Einblicke finden sich u.a. im Deutschen Städtebuch ...

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Inhaltsverzeichnis

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Dem Ehemann als Familienoberhaupt oblag es traditionell, die Kosten zur Aufrechterhaltung des Hausstandes an die Hand zu schaffen, also für das notwendige und notdürftige Einkommen Sorge zu tragen. Wenn aber der Familienvater nicht mehr im Leben war oder so verarmt, daß er den notdürftigen Unterhalt der Familie nicht mehr leisten konnte, so mußten früher dessen Vorfahren in aufsteigender Linie zunächst diese Last auf sich nehmen. Erst wenn dies nicht möglich war, fiel früher die Last der Mutter zu und nach ihr den mütterlichen Vorfahren.

Mit dem Gesetz zur öffentlichen Armenpflege vom 31.12.1842 sind bei eintretender Hilflosigkeit von Gemeindangehörigen zunächst die Armenverbände zuständig (Armenhäuser). Reichen hier die Mittel nicht aus, wird auf die Geldbestände der Gemeindkasse zugegriffen.

Lebenshaltung, Regelsatz

Arbeitseinkommen

Währungsumrechnung

  • Währung: 1838 - 1873 in Preußen: 1 Taler = 30 Silbergroschen = 360 Pfenni(n)g
  • Währung: 1871–1873 wurde in allen deutschen Ländern der Taler durch die Mark (= 1/3 Taler) zu je 130 Pfennig abgelöst

Löhne und Gehälter in Mark

Um 1871/1881 kennen wir folgende Verdienste:

  • Tagelöhner in der Landwirtschaft 1 .60 Mark pro Tag. ohne Kost und Logie
  • Eisenbahnarbeiter 1.37 Mark pro Tag.
  • ein Maurer 3.50 Mark pro Tag
  • Metzgergehilfe 5.80 Mark Pro Woche
  • ein Wagnergehilfe bei freiem Logis 13.76 Mark Pro Woche
  • Köchin in einem Haushalt (bei freier Kost und Logis) lag bei 124 Mark Jahresgehalt
  • ein Postbote 675 Mark Jahresgehalt
  • ein Brunnenwärter 850 Mark Jahresgehalt
  • ein Magistratsschreiber 1.190 Mark Jahresgehalt
  • ein Lehrer um 1 .375 Mark Jahresgehalt
  • ein Tierarzt 1 .950 Mark Jahresgehalt

Mittagsmahlzeit

Was kosteten aber zu dieser Zeit die Essenszubereitung ? Denn die Kenntnis der zeitlichen Einkommen und die Kosten für die Aufwändungen zum Lebensunterhalt hilft, die Lebensumstände annähernd bewerten zu können.

1881 War es üblich und notwendig Wintervorräte einzukellern. Üblich war damals für einen 4 Personen Haushalt

  • 2.000 Pfund Kartoffeln zu 46,00 Mark
  • 200 Pfund Kappus zum einmachen) zu 3,00 Mark
  • 60 Pfund Schnittbohnen zu 4,20
  • 1 Anker Rübstiel zu 3,00 Mark
    • (1 Anker = 30 Quart ≈ 4,350 Liter)
  • 200 Pfund Rüben zu 4,00 Mark))
  • Stück Kappus zum frisch essen zu 2,00 Mark
  • 20 Stück roter Kappus zu 2,00 Mark
  • 100 Pfund Möhren zu 3,00 Mark
  • 30 Pfund Zwiebeln zu 2,10 Mark
  • 50 Zentner Kohlen, 12 Mltr. zu 30 Mark
    • Wintervorräte zusammen 99,30 Mark
      • Berücksichtigt wurden die Preise vom Winter 1881, wie sie im Kleinhandel in Mönchengladbach verlangt wurden oder bei der Anlage der üblichen Wintervorräte dort erlegt werden mußten.


Wochentag Mittagsmahlzeit, Hauptgericht nach Rezept Für Winter und Frühjahr
Nahrungsmitteleinsatz
Gesamtpreis
Mark, Pfg.
Sonntag * Sauerkraut mit Speck 3 Pfund Sauerkraut zu 9 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
1/4 Pf. frischer Speck zu 20 Pfg.
0,44
Montag * Erbsensuppe mit Kartoffeln 1 1/2 Pfund Erbsen in Suppe zu 25 Pfg.
6 Pf. Kartoffeln zu 18 Pfg.
1 Pf. frische Schweineknochen 4 Pfg.
0,47
Dienstag * Gerstensuppe mit Kartoffeln und Buttermilchsuppe mit Gerste 1/2 Pfund Gerste in Suppe zu 10 Pfg.
6 Pf. Kartoffeln zu 18 Pfg.
Wurstbrühe oder Buttermilch zu 7 Pfg.
0,35
Mittwoch * Weiße Bohnensuppe mit Kartoffeln 1 1/2 Pfund weiße Bohnen in Suppe zu 24 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
Öl und Zwiebel 4 Pfg.
0,43
Donnerstag * Kartoffeln mit Zwiebelsoße und Panhas 7 Pf. Kartoffeln zu 21 Pfg.
Zwiebelsoße mit Öl 4 Pfg.
1 1/2 Pf. Panhas 20 Pfg.
0,45
Freitag * Kartoffelsuppe und Buchweizen Pfannkuchen 4 Pf. Kartoffeln in Suppe 12 Pfg.
1 Pf. Buchweizen in Pfannkuchen 20 Ffg.
Fett zur Suppe und Öl zu Kuchen 7 Pfg.
0,39
Samstag * Reissuppe mit Milch oder Fett 1/2 Pf. Reis in der Suppe 9 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
1 Liter Wurstbrühe 4 Pfg.
0,28
-.- -.- wöchentliche Kosten 2,81
Wochentag Hauptgericht nach Rezept Für Sommer und Herbst
Nahrungsmitteleinsatz
Gesamtpreis
Mark, Pfg.
Sonntag * Kappus (Weißkohl) mit gesalzenem Fleisch Frischer Kohl (Kappus) 10 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
Schweinspfoten 20 Pfg.
0,45
Montag * Junge Möhren und weiße Rüben Möhren oder Rüben 12 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
1/2 Pf. Blut- oder Leberwurst 20 Pfg.
Fett zum Gemüse 5 Pfg.
0,52
Dienstag * Schnittbohnen 2 Pf. grüne Bohnen in Suppe 14 Pfg.
5 Pf. Kartoffeln zu 15 Pfg.
2 Pf. frische Schweineknochen 4 Pfg.
0,33
Mittwoch * Reibekuchen und Kartoffeln mit Specksoße Feld- oder Kopfsalat 5 Pfg.
Mark, Pfg.
8 Pf. Kartoffeln zu 24 Pfg.
Specksoße 10 Pfg.
0,39
Donnerstag * Möhren mit weißen Bohnen und Kartoffeln 1 Pf. weiße Bohnen 16 Pfg.
4 Pf. Kartoffeln zu 12 Pfg.
Möhren 6 Pfg.
2 Pf. frische Schweineknochen 4 Pfg.
0,38
Freitag * Erbsensuppe mit Kartoffeln 1 1/2 Pf. Erbsen in der Suppe 25 Pfg.
6 Pf. Kartoffeln zu 18 Pfg.
in Öl gepratene Zwiebel 3 Pfg.
0,46
Samstag * Kartoffelsuppe mit Panhas 6 Pf. Kartoffeln in Suppe zu 15 Pfg.
1 Liter Wurstbrühe 3 Pfg.
1 1/2 Pf. Panhas 20 Pfg.
0,28
-.- -.- wöchentliche Kosten [1] 2,91

Abendmahlzeit

Fußnoten

  1. Quelle: Arbeiterwohl: Das häusliche Glück (Riffarth, M. Gladbach 1882)
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