Melatenhaus

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Name

Der Name "Melaten" basiert auf dem französischen Begriff für krank sein, "malade".

Leprakranke

Vom 10. bis 15. Jahrhundert war Lepra eine Volksseuche, auch in Städten und Dörfern Westfalens (z.B. um 1550 in Lippramsdorf an der Lippe) und am Niederrhein.

Die Lepra wird in der Bibel, in Hunderte Jahre alten indischen und chinesischen Überlieferungen und auf ägyptischen Papyri erwähnt. Lepra ist eine Infektionskrankheit und wird durch ein Bakterium ausgelöst. Schon im Mittelalter wurden die "armen Kinder Gottes" in Melatenhäusern ausgesondert. Der einzige Schutz für die Gesunden.

Weltweit wird die Zahl der Leprakranken um 2008 auf 12 bis 15 Millionen geschätzt. Ist ein Mensch infiziert, dauert es lange, bis die Krankheit ausbricht. Die Inkubationszeit beträgt drei bis fünf, mitunter aber auch 20 Jahre. In den Spätstadien werden Nerven zerstört, vor allem an Händen und Füßen. Die Kranken entwickeln oft entstellende Schwellungen und Knoten.

Lepramuseum Münster

Früherkennung hilft Eindämmung

Wenn man Lepra früh genug vorbeugt, kann man sie eindämmen oder deutlich lindern. Armut und schlechte hygienische Bedingungen fördern sie aber.

Aussatzschau: Melatenhäuser

Um das Jahr 1450 herum gibt es überall am Niederrhein immer wieder Fälle von dieser schrecklichen Krankheit. Zu dieser Zeit sind am Rande der Städte oder einzelstehenden Häusern in Dörfern auf dem Lande Melatenhäuser entstanden, in denen die Aussätzigen abgeschirmt von der Außenwelt ihr Dasein fristen. Lepra ist nicht heilbar und ansteckend.

Lepra verläuft selten tödlich, aber lässt langes Siechtum erwarten. In der Aussatzschau wurde entschieden: rein oder unrein.

Weihwasser zeigt Hilflosigkeit

Bei Unreinheit war Schicksal Betroffener besiegelt. Zurück von der Aussatzschau erwartet Betroffene eine grausame Zeremonie. Sie werden unter Glockenläuten und Vorantragen des Kruzifixes in die Kirche geleitet, man liest ihnen die Totenmesse, während sie wie Verstorbene auf einer mit Lichtern umstellten Bahre liegen. Erde wird auf ihre Brust gestreut, sie werden zu Lebzeiten für tot erklärt. Die Aussätzigen erhalten einen grauen Siechenumhang übergestreift, einen Bettelsack in die Hand gedrückt, dazu eine Klapper als hörbares Warnzeichen wegen der Ansteckungsgefahr. Der Priester besprengt die Aussätzigen mit Weihwasser und den Rest ihres Lebens verbringen sie im Melatenhaus und sind auf milde Gaben angewiesen.

Plötzlich ist der Spuk vorbei

Im Stadtarchiv Goch wurden Unterlagen und Dokumente über das Leben Aussätziger zusammengetragen. „Überall zwischen Kleve und Krefeld entstanden zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert Melatenhäuser", erzählt Stadtarchivar. Im Xantener Dom gab es für Menschen, die ansteckende Krankheiten hatten, einen besonderen Eingang. In Kleve erhielten die Siechen 1560 gar eine Leprosenordnung und es bildete sich eine Gilde mit Brüdermeistern. In Goch wurde für 1421 ein Melatenhaus um 1550 nachgewiesen. Am weitesten zurückverfolgen lässt sich am Niederrhein das Melatenhaus in Wesel, das wird schon 1372 erwähnt.

Mitte des 17. Jahrhunderts ist der Spuk auch am Niederrhein und in Westfalen vorbei. Medikamente waren nicht der Grund. Aber bessere Hygiene, bessere Ernährung, bessere Lebensverhältnisse. Das Melatenhaus in Dinslaken blieb jedoch bis Ende 18. Jhdt.

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