Ludwig Carl Wilhelm von Baumbach-Kirchheim – Erinnerungen aus dem Leben eines hochbetagten Mannes (1799 – 1883)/26
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| Ludwig Carl Wilhelm von Baumbach-Kirchheim – Erinnerungen aus dem Leben eines hochbetagten Mannes (1799 – 1883) | |
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Im Frühjahr bezogen wir dann die Farm, wohin auch Ernst uns folgte,
auch engagierte ich neben einem Knecht den früher Trott'schen
Verwalter Strüver, der ebenfalls ausgewandert war. Moritz blieb
noch kurze Zeit in Elyria, ging dann nach Cleveland, wo er bald
dann in New Pork einen Platz fand. Wilhelm fand einen solchen bei
einem Schreiner in unserer Nachbarschaft. Bald überzeugte ich mich,
daß die Farm viel zu klein sei, um mit irgendwelchem Nutzen
Ackerbau zu treiben. Eine angelegte Fabrik, um aus Branntwein Essig
zu bereiten, bewährte sich nicht, da zu viel Obstessig auf den
Markt kam. Da kaufte ich eine angrenzende kleine Farm und später
noch eine weitere zu allerdings kleinen Preisen. Leider fand zu
dieser Zeit gerade ein großer Insektenschaden an dem Weizen statt.
Daneben waren alle Getreidepreise so niedrig, daß die Farm
offenbaren Schaden brachte. Erst nachdem ich meinen Viehstand durch
ZuKauf und Nachzucht vermehrt und sich auch die Fruchtpreise zu
heben begannen, wurden die Aussichten besser. Da sah ich mich aber
gezwungen, die Farm zu verlassen. Selbst schon im ersten Jahr
traten in der Familie Wechselfieberanfälle auf, sowohl bei meiner
lieben Frau, als auch bei den Kindern, die sich später noch
vermehrten, ich allein nur blieb davon verschont. Im dritten Jahr
starb an wiederholten Anfall mein lieber jüngster Sohn Reinhard,
und auch meine in Black River geborene Tochter Clotilde wurde davon
ergriffen, sowie die Konstitution meiner Frau immer mehr
angegriffen. In diesen Krankheitsfällen hatte ich den Beistand
unseres ebenfalls aus Niederaula ausgewanderten Hausarztes Dr.
Scheur, der sein Urteil abgab, die Fieberanfälle würden sich bei
längerem Verweilen auf der Farm noch stets vermehren und immer
nachteiligere Folgen haben, Dabei hatten wir bei der feuchten Lage
furchtbar unter Moskitos zu leiden, die im Sommer keine Nachtruhe
gestatteten, so daß oft schon nach wenigen Stunden die ganzen
Hausgenossen sich nach und nach auf der Treppe einfanden.
Da mußte ich mich schweren Herzens bei nach und nach abgenommenem Kapitalvermögen entschließen, einen anderen Wohnort aufzusuchen. Ich fand solche in einem schön gelegenen Haus in Elyria in gesunder Lage und einen ca. 3 Acres großen Garten und schloß den Ankauf zu 3.000 Talern ab. Die Farm versuchte ich zu verkaufen, was jedoch nicht gelingen wollte. Hierauf ergab sich Gelegenheit, dieselbe dem Anschein nach nicht schlecht zu verpachten an einen aus Schweden eingewanderten Mann, der nicht ohne Mittel zu sein schien. Wir hatten einen Vertrag abgeschlossen, daß der Pächter mein sehr gutes Viehinventar nach Taxatur übernehmen solle, und wo jeder Teil einen Taxator zu bestellen hatte. Ich tat dies in Person eines Amerikaners, der als tüchtiger Farmer bekannt war. Gerade dieser taxierte das damals zu guten Preis stehende Vieh weit unter Wert, so daß ich großen Schaden erlitt. Vielleicht aus dem bei Pankees nicht selten platzgreifenden Grund, ich sei vermögend, der Pächter aber nicht, deshalb müßte letzterer begünstigt werden, vielleicht hatte aber auch Bestechung stattgefunden. Mein Ernst wohnte dem Taxatum bei und verkündeter mir in tiefster Entrüstung von Zeit zu Zeit das Resultat mit tränenden Augen. Aber auch schon nach Ablauf des ersten Pachtjahres zeigte sich der Pächter als ein Lump, und ich war froh, ihm die Pacht abnehmen und an einen Nachbarn, natürlich mit Verlust verpachten zu können.
