Lohgerber

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Gerber, Kupferstich von Joh. u. Caspaars Luiken (NL)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

  • Berufsbezeichnung, auch Gerber oder Lederer

Varianten der Gerber

Je nach Gerbstoff und -technik gliedern sich die Gerber in drei Hauptgruppen: Die Loh- oder Rotgerber, die Weißgerber und die Sämischgerber.

Die Lohe

Loh- oder Rotgerber bearbeiten Häute mit Eichenrinde, einem pflanzlichen Gerbstoff. Als Lohe wird die abgeschälte Rinde bezeichnet, die in Lohmühlen gemahlen wurde. Dazu wird die getrocknete Eichenrinde zunächst in einer Häcksellade auf dem Dachboden grob zerkleinert und danach in die Lohmühle hinein gegeben, die dann die wollweiche Lohe für das Gerbverfahren liefert.

Standort der Gerbereien

In der Regel lagen die Gerberhäuser am Fluss, Bach oder Kanal, da sie für ihre Arbeit große Wassermengen benötigten. Die starke Geruchsbelästigung führte zudem oftmals zur Ansiedlung der Gerber an den Rand des Stadtgebiets oder später in den Vorstädten.

Standortbildend für die Lohgerberei war vor der Industriealisierung jedoch neben dem Wasser sowohl das Vorkommen von Eichenwäldern für die Lohegewinnung als auch die Nähe von ausreichend entsprechenden landwirtschaftlichen Nutztieren.

links Lohebecken mit Eichenlohe, rechts abgehangene Häute

Aufschließung des Gerbstoffs in einer Lohmühle

Die zentrale Aufgabe der Lohemühle einer Gerberei war es, Eichenrinde zu Lohe zu mahlen. Nach einer groben Zerkleinerung der getrockneten Eichenrinde in einer Häcksellade wurde die gehäckselte Rinde über ein Rüttelsieb in das eigentliche Mahlwerk gegeben. Dort wurde sie erst "wollweich" gemahlen. So konnte der Gerbstoff dann im Wasser besonders gut aufgeschlossen werden.

Mahlen und Gerben

In der früher über ein Wasserrad angetriebenen Lohemühle wurde gemahlen und gegerbt. Im Inneren befanden sich meistens gemauerte Gerbgruben, in die Wasser, Lohe und die gereinigten und enthaarten Tierhäute gegeben wurden.

Gerberei

Die zur Gerbung vorgesehenen Lederhäute wurden zunächst in Weichkästen der "Wasserwerkstatt" 1 bis 2 Wochen in Frischwasser (aus dem Mühlenbach) eingeweicht. Danach wurden die unbearbeiteten Häute, wie im oberen Kupferstich gezeigt, von Hand grob von Hand gesäubert von den Haaren befreit und zugeschnitten, sowie das fertige Leder getrocknet. Die Lohebecken. in denen das Leder später in einer Brühe mit Lohe über mehrere Monate "garte", lagen dann in der näheren Umgebung der Lohgerberei. Dieser Gerbvorgang konnte bis zu 2 Jahren dauern. Zur Sicherung eines regelmäßigen Einkommens mußten daher die Gerber möglichst viele Gerbgruben betreiben.

Lohbecken

In den Lohbecken wurden die Häute mehrere Monate, bis zu 2 Jahre zum Gerben in einem Gemisch aus Wasser und gemahlener Eichenrinde eingeweicht. Man schichte immer abwechselnd Häute und das Mahlgut der Eichenrinde übereinander, stampfte die Schichten gut fest und übergoss alles mit Wasser.

Chamoiseur et Megissier (Diderot 1762):
Werkstatt eines Corduanmachers und Gerbers, abschaben der Fette und Haare

Die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe wurden vom Wasser ausgelaugt und dann von den Tierhäuten aufgenommen. Für einen Zentner dieses getrockneten Leders benötigte man ungefähr vier bis fünf Zentner gemahlener Eichenrinde.

Hautlieferanten

Zulieferanten der Häute waren u.a. Filder (Abdecker oder Schinder)

Umweltbelastung

Die Verunreinigung der Gewässer durch mineralische Stoffe wie Alaun, Arsenik und Salz belasteten die Umwelt nachhaltig.

Pelzgerber und Kürschner

Um aus Fellen Pelze und aus Pelzen wiederum wärmende Kleidungstücke oder auch Decken herzustellen, bedarf es der Arbeit der Pelzgerber und Kürschner.

Verweis

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