Literatur zu Thüringen

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Herzogtum Sachsen-Gotha

Brückner, Johann Georg: geb. 12. März 1701 zu Coburg, † im Jahre 1771 zu Gotha, studirte zu Halle seit 1719 Theologie, dann 1720 zu Jena. Er wurde erst Informator bei Privatleuten, dann 1728 Pagenhofmeister bei der verwittweten Herzogin von Sachsen-Coburg-Meiningen, 1733 Cabinetsprediger, 1735 Hofprediger zu Gotha und 1745 Oberhofprediger und Oberconsistorialrath. Von ihm ist die sehr brauchbare „Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibung des Kirchen- und Schulenstaates im Herzogthum Gotha“, 3 Theile, Gotha 1753–1764. 4°.[1]

Galletti, Johann Georg August: geb. 19. August 1750 zu Altenburg, gest. am 25. März 1828 zu Gotha, war der Sohn des gothaischen Opernsängers Johann Andreas G.[2], der aus dem Toskanischen stammte, und wurde geboren, als die herzogliche Capelle dem Hofe auf einen Landtag nach Altenburg gefolgt war. G. erhielt seine erste Bildung zu Gotha von einem wissenschaftlich beschränkten Privatlehrer. Seine Eltern brachten ihm frühzeitig Liebe zur Tonkunst bei, aber jemehr er heranwuchs, desto mehr gewann er die Wissenschaft lieb, und Frau Oberbibliothekar Schläger[3], eine Dame von Geist und Bildung, vermittelte es, daß er die Universität Göttingen bezog, wozu sie ihm einen Freitisch verschaffte. Hier wurde er durch Pütter und Schlözer zum Studium der Geschichte angefeuert. Im Umgange mit Hölty wurde seine ästhetische Bildung gefördert. Nach Vollendung seiner Studien (1772) kam er in das Haus des Oberamtshauptmanns von Schlotheim[4], damals in Almenhausen, später in Tonna, als Hauslehrer. Schon hier fing er an, sich als Schriftsteller zu zeigen. Die kleinen von ihm geschriebenen Werke (eine lateinische Grammatik, eine Anweisung zur Geometrie, eine Geschichte und Beschreibung der Herrschaft Tonna), setzte und druckte er selbst mit Hülfe seiner Schüler. In dieser Stellung blieb er, bis er am 28. Septbr. 1778 eine Anstellung als Collaborator am Gymnasium zu Gotha erhielt. Allmählig rückte er zum ersten Professor auf, und erhielt im J. 1816 das Prädicat „Hofrath und Historiograph gothaischen Landes.“ Wegen seines hohen Alters wurde er 1819 in den Ruhestand versetzt. Er war ein gutmüthiger wohlwollender Mann und fortwährend thätig als Schriftsteller. Seit dem J. 1804 machte er alljährlich eine Reise mit Freunden. Seine Liebe zur Musik blieb ihm bis in sein hohes Alter. Er wurde von Allen, die ihn kannten, hochgeachtet und war wegen seiner Heiterkeit [333] und seines Frohsinns überall beliebt. In den späteren Jahren vergaß er sich oft beim Unterricht und versprach sich oft. So z. B. gab er die Höhe des Chimborasso einmal nach Quadratmeilen an, sagte: „Gotha liegt an 2 Flüssen, nämlich an der Eisenachischen und Erfurtischen Chaussee.“ Namen konnte er nur schwer im Gedächtnisse behalten. Einst saßen Brehm und Bertram in der Secunda. Brehm konnte er nicht merken. Deshalb sagte er zu ihm: „Ich will Sie Bertram I und den wahren Bertram Bertram II nennen; ist die Frage, die ich thue, schwer, so antwortet Bertram I, ist sie leicht, so soll Bertram II sprechen.“ Ein anderes Mal sagte er: „Es gibt in Paris Spiegel, die ohne Glas und Rahmen 10000 Franken kosten.“ Oder: „Als ich Sie von weitem kommen sah, dachte ich, Sie wären Ihr Bruder; als Sie aber näher kamen, glaubte ich, Sie seien es; als Sie aber ganz nahe waren, sah ich, daß Sie doch Ihr Bruder sind.“ Solche Mängel wurden aber durch den Adel seines Geistes verdeckt. – Seine Schriften sind sehr zahlreich, seine Lehrbücher der Geschichte und Geographie die besten ihrer Zeit, daher sie oft aufgelegt worden sind. Zu seinen werthvollsten Schriften gehören: „Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha“ (5 Bände), die „Geschichte Thüringens“ (6 Bände), die „Kleine Weltgeschichte“ (28 Theile). Zuletzt noch arbeitete er an einer „Geographie für Damen“. Neuer Nekrolog der Deutschen, 1828, Bd. I. 224.[5]

Gelbke, Johann Heinrich G., gothaischer Historiker, geb. zu Beneckenstein in der ehemaligen hannoverschen Grafschaft Hohnstein am 15. Juni 1746 (nach der Angabe seines Leichensteines), † zu Gotha am 26. Aug. 1822, wurde, nachdem er Instructor des Erbprinzen Ernst von Sachsen-Koburg-Saalfeld gewesen, am 13. Dec. 1779 Consistorialassessor in Gotha und am 8. Dec. 1783 Oberconsistorialrath; zuletzt war er Vicepräsident des Oberconsistoriums. Sein Hauptwerk ist die „Kirchen- und Schulenverfassung des Herzogthums Gotha“ (3 Thle. in gr. 4°, 1790–99), eine vollständige actenmäßige Umarbeitung des vom Oberhofprediger Brückner herausgegebenen „Kirchen- und Schulen-Staates des Herzogthums Gotha“. Dieses mit großem Fleiße ausgeführte Unternehmen (der 1. Thl. enthält 318 Seiten Text, der 2. Thl. 733 und der 3. Thl. 824) war um so verdienstlicher, als die von Ernst dem Frommen herrührende sachsen-gothaische Kirchen- und Schulverfassung, wie G. in der Vorrede mit Recht bemerkt, von jeher fast in ganz Deutschland für musterhaft galt. Ueber ihren Urheber hat G. auch eine gute, ausführliche Biographie verfaßt: „Herzog Ernst, genannt der Fromme, zu Gotha, als Mensch und Regent; eine historische Darstellung, aus Acten und bewährten Druckschriften gezogen und mit einem Urkundenbuche herausgegeben“ (3 Bde. 1810). Außerdem ist von ihm veröffentlicht worden: „Der Naumburgische Fürstentag, oder wichtige Urkunden und Acten, den wegen erneuerter Unterschrift der Augsburger Confession und Beschickung des Concilii zu Trident von den protestantischen Fürsten und Ständen in Teutschland 1561 zu Naumburg an der Saale gehaltenen Convent betreffend“ (1793). [6]

Anmerkungen und Quellenangaben

  1. Artikel „Brückner, Johann Georg“ von August Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 399, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Br%C3%BCckner,_Johann_Georg&oldid=2489784 (Version vom 22. Juli 2017, 04:58 Uhr UTC)
  2. Giovanni Andrea Galletti (um 1710–1784), Bariton.
  3. Die Ehefrau Julius Karl Schlägers.
  4. Ernst Heinrich Ludwig Freiherr von Schlotheim (1736–1797), Regierungsrat in Gotha, dann Gerichtsherr in Almenhausen, ab 1776 Oberamtshauptmann in Gräfen-Tonna. Die zwei von Galletti unterrichteten Söhne waren Ernst Friedrich und dessen jüngerer Bruder.
  5. Artikel „Galletti, Johann Georg August“ von August Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 332–333, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Galletti,_Johann_Georg_August&oldid=2496351 (Version vom 22. Juli 2017, 05:04 Uhr UTC)
  6. Artikel „Gelbke, Johann Heinrich“ von Hugo Schramm-Macdonald in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 530, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gelbke,_Johann_Heinrich&oldid=2496543 (Version vom 22. Juli 2017, 04:51 Uhr UTC)
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