Kamswyken

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Hierarchie

Ostpreußenkarte um 1925
Prußische Stammesgebiete


Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Informationen

Kamswyken, oder Kamswiken liegt im prußischen Stammesgebiet Nadrauen, Ostpreußen. Der Ort liegt 2,9 km östlich von Insterburg und gehört zu zum Amt Erdmannsruh.

Der Ort Kamswyken hat bis auf den Namen nichts mit der ca. 4km weiter östlich an der Angerap gelegenen Nadrauerfeste Kamswykus oder Kameniswike/ Cameniswika gemeinsam. Diese Festung liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Tammowischken.

Alte Schriftstücke und Informationen sind deshalb stets kritisch zu betrachten, beide Informationen werden oft zusammengemischt!

Nadrauen wurde von den Ordensrittern von Wehlau aus erobert. 1275 wird die Nadarauerfeste Kamswykus oder Kameniswike/ Cameniswika an der Angerapp erobert. Durch die Einnahme von Kamswykus und Nadrauens erschloss sich der Deutsche Orden die "Große Wildnis" und damit den Zugang zu den feindlichen Litauern.

Urkundliche Erwähnungen:

Name

Der Name weist auf die Lage am Fluss.

  • prußisch "kamps, kampas, kampe" = kleine mit Gesträuch bewachsene Insel in einer Flussmündung, Werder, Ecke, Winkel
  • "wyka, wikt" = biegen, krümmen (prußisches Wasserwort, dass auch in anderen Ortsnamen vorkommt)

Politische Einteilung/Zugehörigkeit

  • 1785 königliches Bauerndorf an der Angerapp. 9 Feuerstellen (Haushalte). Landrätlicher Kreis Insterburg, Justizkreis Insterburg, Amtsbezirk Insterburg. Patron: der König. Ortsgrundfläche 197,5 Hektar, Grundsteuer-Reinertrag 10,69 je Hektar.


Kirchen

  • Eingepfarrt zu Insterburg

Kirchliche Zugehörigkeit

  • Kirchspiel Insterburg Land

Kirchhöfe/Friedhöfe

Es gab in Kamswiken an der nördlichen Strasse einen kleinen Friedhof, der aber in den 40er Jahren schon nicht mehr belegt wurde! Wahrscheinlich haben die Beerdigungen auf dem in direkter Nähe gelegenen "Neuen Friedhof" von Insterburg stattgefunden. Das alte Friedhofsgelände ist jetzt ein verwildertes,von einem hohen Zaun umgebenes Grundstück.

Geschichte

Prußenfeste Cameniswike-Tammowo. Quelle: Zeitschrift der Altertumsgeschichte Heft VI, Insterburg 1899
Garsowe, Kamswyken, Tammowischken, Romowe (Nadrauen) Königlich Preußische Landesaufnahmen 1900

Zur Vorgeschichte

  • "Im dreyzehnten Jahrhundert bewohnte dieses Schloß ein preußischer Herr und ... KriegsMann Kaminswißkis, dessen Tochter Gersowin das Schloß Garsowe, jetzt Georgenburg, welches vom Kamswykusberge zu sehen ist. Im Jahre 1276 verheerte der Landmeister Conrad von Tierberg das Land Nadrauen mit einem großen Heer, griff auch den Kaminswißkis in seiner Burg an und belagerte ihn lange vergebens, obgleich in der Burg nur 200 streitbare Männer waren. Endlich wurde es durch einen nächtlichen Überfall erobert, die darin befindlichen Männer niedergemacht.Weiber und Kinder aber gefangen, fortgeführt und das Schloß abgebrandt." [1]
  • "In den Jahren 1790 bis 1795 habe ich auf Verlangen der Königl. Deutschen Gesellschft in Koenigsberg diesen Schloßberg in seinen Ruinen untersucht, und die in seiner Umgebung nach aufgefundenen Alterthümer der gedachten Gesellschaft von Zeit zu Zeit eingesandt. Sie bestanden aus einer Menge Pfeilspitzen von verschiedener Form und Größe, zweyschneidige mit Wiederhaken, vierschneidige, theils kleine, theils auch faustgroße. Ein Messer, an dem ein steinerer schwarzer Wegstein an einer Kette hing. Viele Ringe von besonderer Form, daß sie auf jeden Finger getragen werden konnten. Auch vier in einander hängende Ringe und ein Theil von einer Todtenkrone, die wahrscheinlich aus einem Begräbniß ausgepflügt worden. Viele Hemdeschnallen oder sogenannte Prözchen, zwey durch einen Halbring an einander befestigte Knöpfe. Eine kleine sehr feine Schnalle. Eine über eine Elle lange und vier Finger breite messingne Kette, welche mir eine Panzerkette gewesen zu seyn schien. Ein ungeheuer großes Hufeisen, welches doch gebraucht seyn muß, weil sich noch in einem Loch ein krummgebogener Nagel befand. Ein alter Sporn, der statt des Rädchens bloß einen scharfen Stachel hatte. Ein Musketen Feuer Schloß von ungewöhnlicher Größe und von der Zeit, wie die Muskete noch mit der Lunte abgefeuert wurden. Drey kupferne Münzen, wie man sie den römischen Soldaten zum Solde gab, und zwar zwey Antoninenstükke und eines von Gordian dem dritten, und mehrere unbedeutende Stükke von Armatur. Daß diese Stükke nicht zu einer und derselben Zeit in die Erde und den Schloßberg gekommen sind, ist wohl anzunehmen. Der Schloßberg scheint viellmehr auch nach der Zerstörung gebraucht zu seyn. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts soll darauf auch eine Haubizze mit dem Elbingschen Stadtwappen gefunden und daraus die Gumbinnische Rathaus Glocke gegossen seyn. Des Kaminiswißkis findet man übrigens auch in den folgenden preußischen Geschichtsschreiber erwehnt: v.Dusburg Chron:p.263, Leo.p.110, Lucanus p.473, Werner S.203, FOL.Pr.I.2.p.272 und mehreren anderen."
  • "Einige Kilometer oberhalb Insterburgs liegt auf dem rechten Ufer der Angerapp der sagenreiche Kamswikusberg. Er besteht aus fast felsenhartem Erdreich, das von niedrigem Gestrüpp bedeckt ist. Hier zeigen sich Überbleibsel ehemaliger Befestigungsanlagen. Man hat die Reste von Fundamenten, auch Urnengräber gefunden. Vor Ankunft des Ordens hat hier höchstwahrscheinlich die alte Nadrauer Burg Kameniswike gestanden. Sie wurde vom Orden zerstört. An ihre Stelle trat dann vielleicht das "Wildhaus" Tammowo, das 1376 von den Litauern unter Swerdeyke eingenommen und verbrannt worden ist. Im Jahre 1824 wurde auf dem Kamswikusberge zum Andenken an die Schlacht bei Waterloo ein 4,3 m hohes eisernes Kreuz auf einer 20 m hohen Säule errichtet. Ringsherum legte man Terrassen und Rasenbänke an. Schon nach wenigen Jahren war davon alles verschwunden." [2]

Vorgeschichtliche Funde

An die Prussia Gesellschaft Königsberg übergeben:

  • 1869 der Gutsbesitzer Dirks aus Tammowischken 1 Broncering und eine russische Kupfermünze von 1755; der Geh. Justizrat Barnheim aus Insterburg 2 Fragmente Bronce Fibeln, 1 broncene Spirale, 1 eiserne runde Fibel, 1 Spindelstein aus gebranntem Ton
  • 1875 der Hotelier Braun aus Insterburg 1 broncenen federnden Ring, 2 broncene Plättchen mit ausgetriebenen Verzierungen, 2 kleine Gehänge

Sehenswürdigkeiten

  • Gaststätte "Zum hungrigen Wolf", Das älteste Haus im Kreis Insterburg, Blick auf die Angerapp, Angerappsteg nach Pieragienen (Angerlinde), Dorf und Angerapptal

Archive, Bibliotheken

Genealogische und historische Quellen

Kirchenbücher

Grundbücher, Steuerverzeichnisse, Gerichtsbücher u. Sonstiges

Zeitungsmeldungen

Königsberger Hartungsche Zeitung

Datum Schlagwort Meldung
10.10.1912 Besitzwechsel Das rund 1000 Morgen umfassende Gut Ernstfelde im Insterburger Kreise mit Ziegelei hat der bisherige Besitzer Gehrmann an den Oberamtmann Kopp mit dem gesamten Zubehör und Inventar verkauft. Der Kaufpreis beträgt 512 000 Mk.[3]


Bevölkerung

  • 1536: 6 Zinszahler; der Schulz Greger vom Georgischen oder Gregerschen Schulzenamt wohnt hier.
  • 1785: Bauerdorf an der Angerapp, 9 Feuerstellen, Landräthlicher Kreis Insterburg, Amt Insterburg, Patron der König
  • 1815: Alt-Kamswicken, meliertes Dorf, Amt Althof, 12 Feuerstellen, 69 Bewohner
  • 1871: zusammen mit Ernstfelde (Kamswyken) 15 Wohngebäude, 226 Einwohner, davon 93 männlich. Alle Beowhner prußisch und evangelisch, 103 ortsgebürtig, 66 unter 10 Jahren, 73 können lesen und schreiben, 7 ohne Angaben darüber, 80 Analphabeten, 1 blind
  • 1905: 20 Wohngebäude, 177 Einwohner, davon 85 männlich; 174 evangelisch, 3 katholisch, 176 geben deutsch als Muttersprache an, 1 andere
  • 1925: 16 Haushalte, 121 Einwohner, davon 62 männlich; 115 evangelisch, 6 katholisch
  • 1933: 119 Einwohner
  • 1939: 43 Haushalte, 149 Bewohner, 72 männlich, 24 unter 6 Jahren, 18 zwischen 6-14, 94 zwischen 14-65, 13 über 65; es waren tätig 56 in der Land- und Forstwirtschaft, 36 in Handwerk u. Industrie, 16 in Handel und Verkehr; mit angehörigen ohne eigenen Beruf waren 21 selbständig, 16 mithelfende Familienmitglieder, 14 Beamte und Angestellte, 72 Arbeiter; Anzahl und Größe der landwirtschaftlichen Betriebe: 5 zwischen 0,5-5 ha, 2 zwischen 5-10 ha, 1 zwischen 10-20 ha, 1 zwischen 20-100 ha, 1 über 100 ha.

Persönlichkeiten

  • Dide Camschwicke (1540), ein hochgestellter Nadrauer
  • "De Bur Lepinski ut Kamseed" und Berta Kuklinski

Vereine

Zufallsfunde

  • Franz Forstreuter, *18.11.1924, + 01.08.2010 in Lünne/ Emsland, (Traueranzeige "Lingener Tagespost" Anfang August 2010 (Beerdigung 5.8.2010, evangelisch-reformierte Kirche Lünne)

Literatur

  • Henning, Kurt und Charlotte: Der Landkreis Insterburg Ostpreußen, ein Ortsnamen-Lexikon, Grasdorf-Laatzen 1981, S. 506 ff
  • Peteraitis, Vilius: Mažosios Lietuvos ir Tvankstos Vietovardžiai, Ju kilme ir reikšme, Vilnius 1997, S.167
  • Preußische Chronik, Regierungsbibliothek Gumbinnen, Bd.5
  • Dusburg, Peter von, Lucanus, Werner, Pancritlus (Insterburger Justitiar) und mehrere Folianten des Deutschen Ordens (Fo.Pr.I.2,p.272)
  • Ortschafts- und Adressverzeichnis des Landkreises Insterburg 1927

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Loebell, M.: Ist Cameniswike als Vorgängerin von Tammow zu betrachten?, in Zeitschrift der Altertumsgeschichte Heft VI, Insterburg 1899
  2. Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen, ein Handbuch der Heimatkunde, 1912, Nachdruck Weidlich, Frankfurt a.M. 1978, S. 122f
  3. Verfasser: (unbekannt), Quelle: Königsberg Hartungsche Zeitung, 10.10.1912, Ausgabe 476, Morgenausgabe 1. Blatt, S. 3, bereitgestellt durch ZEFYS-Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz


Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung KAMKENKO04WP
Name
Typ
  • Landgemeinde (- 1935-03-31) Quelle
  • Gemeinde (1935-04-01 - 1945) Quelle aufgelassen zwischen 1945 und 1992 - kein russischer Name bekannt
Einwohner
w-Nummer
  • 50237
Karte
   

TK25: 1397

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Insterburg, Insterburg, Инстербург, Tschernjachowsk, Černjahovsk, Черняховск (1992) ( Stadt ) Quelle

Insterburg (- 1945) ( Kreis Landkreis ) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Ernstfelde Wohnplatz ERNLDEKO04WP (- 1945)
Persönliche Werkzeuge