Hamm-Bossendorf/Vikariatsschule

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Elementarschulen im Fürstbistum Münster dienten dem Zweck, den Kindern nur soviel an Kulturtechniken zu vermitteln, dass sie über den Status gläubiger und gehorsamer Untertanen nicht hinauskamen. Mädchen und Frauen aus niedrigen Gesellschaftsschichten standen als einzige Bildungsmöglichkeit der Besuch der Volksschule offen.

Hierarchie:

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Lage der hist. Schule v. 1798 aus Nord-Ost-Sicht, im Hintergrund die "neue" Schule v. 1930.

Die Vikarieschule zu Hamm

Öffentliches Gebäude

Schulwesen im Vest Recklinghausen

Initiative des Landesherrn

Als der zuständige kölnische Landesherr und Schulreformer nach einer Schulvisitation im Vest Recklinghausen erhebliche Mängel im Schulsystem festgestellt hatte, beschloß er im Jahre 1797 den Neubau eines Vikar- und Schulhaus "auf dem Hassel" am Puppendahl in Hamm Bossendorf [3]. Im gleichen Jahr erfolgte die Kollation der Schulvikarie. Die Huldigungserinnerung, zum üblichen Gedenken an den Landesherrn, wurde als Inschrift am Türsturz des damaligen Neubaus angebracht und lautete: "Max Franz, Kurfürst von Köln (1784-1801) stiftete und bauete dieses Vic. u. Schulhaus. MIAR 1797". Als die Schule schließlich dann im Jahre 1802 ihren Betrieb aufnahm, war der Stifter schon verstorben.

Gemeinschaftsaufgabe

Trotz der Stiftung war der Schulneubau eine Gemeinschaftsaufgabe, an der sich alle Angehörigen der Gemeinde mit bestimmte Abgaben und Dienstleistungen zu beteiligen hatten. Alle? Alle, bis auf Einen. Im Jahre 1773 hatte Graf Clemens August von Merfeld zu Lembeck das aus der Konkursmasse des Hauses Ostendorf erworbenen Gut Große Hidding, dem die freiadeligen Gerechtigkeit im Kirchspiel Hamm und das Patronats- und Kollationsrechtes an der Kirche zu Hamm anklebte, an seinen Jagdaufseher Lefeken verpachtet. Dieser führte sich nun auf wie der Herr des Kirchspiels. Hatte Lefeken vor dem Schulneubau schon alle Steuern und Abgaben verweigert, ließ er sich nun auch nicht zu Dienstleistungen am Schulneubau anhalten. In allen Fällen führte er die absurde Begründung an, daß er als Bewohner des freiadeligen Rittersitzes von Hamm, von allen Abgaben und Lasten befreit sei. Damit scheiterte er später vor den Gerichten und flüchtete vor 1806 von dem damals ritterlichen Pachtgut in Sickingmühle.

Zu klein gebaut

Ein Jahr nach Aufnahme des Schulunterrichtes in der Vikarieschule zu Hamm berichtete der Pfarrer an die Landesregierung über die Schule: "Für erst ist sie gar zu klein für die große Zahl der Kinder; diese müssen äußerst gedrängt aufeinander und die Schreibschüler, wofür keine hinlänglichen Tische angebracht werden können, so sehr geschlossen sitzen, daß sie keine freie Hand zum Schreiben haben. Dann ist Erhöhung (Raumhöhe), die kaum 7 Fuß (2,10 Meter) haben mag, auch viel zu niedrig. Die Luft, die hier keinen Raum sich auszudehnen hat, verdicket sich so sehr, daß es oft für Schüler und Lehrer nicht auszuhalten ist." Ein Schulzimmer, wir haben es 1949 vermessen, war 36 qm groß. Anfänglich war auch die Lehrerdienstwohnung noch nicht erstellt. So begann man nach 1803 mit dem Erweiterungsbau.

Im Vordergrund (Bildergallerie oben 1) die 1798 erbaute und 1869 erweiterten Schule in Hamm, mit der 1810 angebauten Lehrerwohnung. Im Hintergrund Blick auf das Fenster des Klassenraums der neuen Schule "auf dem Hassel", oberhalb der alten Vikarienschule am Puppendahl, deren Grundsteinlegung am 25.10.1929 erfolgte.

Schulbesuch

Mit der Einstellung eines Geistlichen als Lehrer war auch das Gehalt von 2 Rt im Jahre 1740 auf nunmehr jährlich 62,50 Taler und zusätzlich 6,25 Taler Heizungsgeld aufgestockt worden. Dies war auch nur möglich, weil nun von den Kindern auch Schulgeld zu zahlen war, ob sie nun 3 oder 6 Tage in der Woche kamen. Anfangs erschienen die Kinder manchmal nur an zwei oder drei Tagen in der Woche zum Unterricht, bis sich die Erkenntnis der Vorteile des regelmäßigen Schulbesuchs bei den Eltern herausgestellt hatten. Allerdings hatten auch die jüngsten Kinder aus Sickingmühle einen Schulweg von 5 bis 6 km, bei äußerst schlechten Fuhrwegverhältnissen und Holzpantinen an den Füßen. Bei schlechtem Wetter wurden in der Patsche die Füße naß und im Winter verstauchte man sich die Knöchel, da sich Schneepolster unter den Holzschuhen bildeten, auf denen man dann häufig umknickte. Dies war bei mir zwischen 1946 – 1949 auch noch häufiger der Fall, da ich damals noch keine Schuhe trug. Das da Krankheiten der Kinder nicht ausblieben, wird leicht erklärlich.

An Sonntagen führte der Weg der Sickingmühler Kinder mit ihren Eltern dann noch 1 km weiter bis zur Kirche. Nachmittags war dann Christenlehre, auch noch in meiner Zeit um 1950. Von der Kirche zurück, mußten im Winter bald darauf schon die Kerzen und später die Petroleumleuchten (Steinölleuchten) angezündet werden, zum Spiel blieb da nur wenig Zeit. [4]

Lehrerwohnung

Die Vikare und später auch die Lehrer wohnten erst einige Jahre nach 1810 in der später angebauten Lehrerwohnung des niedrigen und anspruchlosen Schulgebäudes. Diese Wohnung hatte im unteren Teil eine Küche und drei Zimmer und im oberen Teil 4 Zimmer. Weiterhin gehörte im kleinen Hofraum ein Schuppen mit kleiner Stallung dazu. Hinter der Schulvikarie lag der Schulacker, welcher aus 2 Gärten und ein wenig Bauland bestand. Wegen der Spreu gehörten zur Schulvikarie auch noch 2 Flächen Heideboden.

Benotung

An den Benotungspunkten des im Bild (Bildergallerie) gezeigten Zeugnisses meines Großvaters wird erkennbar, daß der Schwerpunkt des Unterrichts zu 75 Prozent bei den staatsbürgerlichen Erziehungszielen lag und erst danach allgemein "Kenntnisse und Fähigkeiten" vermittelt wurden, worunter dann schreiben, lesen und rechnen zusammengefaßt waren. Dies erinnert an die immer wieder geforderte Wiedereinführung der sogenannten Kopfnoten, wobei um 1863, im Gegensatz zu heute, ein und der selbe Lehrer die Entwicklung des Kindes über 8 Jahre beurteilen mußte und kaum von seiner einmal gefassten Meinung zum Kindesverhalten abzubringen war. Allein dadurch bestand schon ein erheblicher Unterschied zu heute. Von daher stimmt der Satz: "Aus der Geschichte lernen und ........"

Vikare und Lehrer

In den ersten Jahren nach Aufnahme des Schulunterrichts in der neuen Schule wurden die Kinder in der Vikarieschule von Pater Romanus Plankermann unterrichtet. Er war im Jahre 1811 bereits 60 Jahre alt. Haushälterin war seine damals 18jährige Nichte Josepha Planckermann. Da die Wohnung im neuen Schulhaus noch nicht fertig war, wohnten beide zu diesem Zeitpunkt noch als Einwohner beim Bauern Fahnenstiege in Sickingmühle. Bis zur Unterrichtsstätte hatte er einen Fußweg von 5 1/2 Kilometern.

Wohl wegen dieser Beschwerlichkeiten und nicht zu letzt wegen der schlechten Besoldung legte Pater Plankermann jedoch kurz darauf sein Amt nieder und wurde Pfarrer in Mengede.

Populationsliste

1806 Hamm, Hs. Nr. 245,

  • Romanus Plankerman, Mieter, losledig, 55 Jahre alt, Frühmeßner
    • 2 Frauen im Haushalt [5]

Einwohnerliste

1811 Bevölkerungstabelle Municipalität Marl, Hamm Nr. 45:

Nachfolgende Vikare

Ihm folgt der Schulvikar Eick. Er ließ sich häufiger vertreten durch einen Lehrer Wiesmann aus Haltern und einen aus Lippramsdorf stammenden Lehrer welcher sich aber dem Trunke ergeben hatte und in seinem Heimatort bei einem Zechgelage den Erstickungstod fand. Nachgewiesen als einer der weiteren Vikare an dieser Schule ist Friedrich August Anton Tenhaven, geboren in Dorsten. Laut Protokoll der Bistumsverwaltung in Münster vom 31.10.1810 war er Lehrer an der Deutschen oberen Knabenschule und laut Protokoll vom 27.10.1820 an Schulvikar in Hamm bei Haltern. Ihm folgten Josef Jaspers (1823/31)

Schulwesen im Kreis Recklinghausen vor 1862

Jahr Schulort 1826 Name
Lehrer/in
Jährliches Totaleinkommen
inklusive Schulgeld 1816
Jährliches Totaleinkommen
inklusive Schulgeld 1826
Schulgeld
1816 jährl.
Schulgeld
1826 jährl.
Sommersemester
Kinderzahl
Wintersemester
Kinderzahl
1826 Gemeinde Hamm Jaspers 175 Taler 175 Taler 54 Taler 54 Taler 90 84[7]

Weitere Schulvikare

Franz Schade aus Warendorf von 1836 - 1838, Prengeling 1840, Heinrich Vogelpohl aus Oythe von 1845 - 1853

Hauskataster

19.12.1843 Liste sämmtlicher Civil-Einwohner Amt Marl, Gemeinde Hamm Hamm Nr. 37

  • (Henrich) Vogelpohl, Schulvikar 41 Jahre alt
    • Elisabeth Vogelpohl, Schwester, 43 Jahre
    • Josephine Vogelpohl, Nichte, 14 Jahre alt
      • Gertrud Nandorf, Magd, 28 Jahre alt[8]

Es folgten im Amt

Heinr. Brockman aus Harsewinkel 1854 - 1865, Philipp Varwick aus Ottmarsbocholt 1865 - 1875, dem schließlich der Vikar Scholbrock bis 1881 folgte, welcher zeitweilig Pfarrverwalter war und von einem Substituten vertreten wurde.

Schülerzahlen

Während im Jahr 1844, wohl wegen missliebiger Lehrervertretungen, nur insgesamt 72 Kinder Schulgeld zahlten, waren es unter dem neuen Lehrer im Sommer 1845 schon wieder 96 und 1852 sogar 90 Kinder. Wegen der steigenden Schülerzahl wird im Jahre 1869 das viel zu kleine "Schullokal" von 36 qm auf nun mehr 72 qm vergrößert, die Deckenhöhe aber mit rund 2,10 m gleich. Weiterhin kommen 10 neue eichene Schulbänke dazu. Zwischen 1867 bis 1890 schwankt dann die Schülerzahl knapp um 84 Kinder.

Vikarieauflösung

Nach zweijährigen zähen Verhandlungen wurde am 15.10. 1889 die Schulvikarie aufgelöst und die Schule, die weiterhin in Trägerschaft der Kirche verblieb, von Zivillehrern betreut. Dies führte wiederum zur Neuregelung des Gehaltes. Nun hatte die Gemeindekasse dem Lehrer jährlich 750 Mark und 75 Mark Heizungsgeld zu zahlen. Darin eingerechnet waren aber 30 Mark Reinigungszulage für den Klassenraum. Abgezogen wurden weiterhin für die Pacht des Landes an der Schule 30 Mark. Durch die Erhöhung war gerade die Inflationsrate aufgefangen.

Trägerschaft verblieb der Kirche

Mit der Veränderung der Schulorganisation trifft Ostern 1890 von der kgl. Regierung in Münster ein neuer Stundenplan ein. Demnach werden die Kinder in drei verschiedene Gruppen eingeteilt und erhalten so den Unterricht. So besuchen nur immer 2 Abteilungen gleichzeitig die Schule, während die dritte Abteilung zu Hause ist. Der frei Tag, bis dahin Donnerstag, wurde auf Mittwoch und Samstag nachmittag verlegt. In diesem Jahr steigt die Zahl der Schüler sprunghaft auf 115, 1896 insgesamt 136 (nämlich 59 Knaben und 77 Mädchen, 85 morgens und 51 nachmittags) und erreicht im Jahr 1899 wieder 135. Im Winter 1896 wahr der Schneefall so stark, daß einige weiter entfernt wohnen Kinder 2 bis 3 Wochen nicht zur Schule kommen konnten. Die weiterhin hohe Schülerzahl führt schließlich durch eine Regierungsverfügung vom 30.05.1899 zum Bau der ersten Tochterschule in Sickingmühle und Festlegung eines neuen Schulbezirks für zunächst 63 Kinder.

Schulwesen im Kreis Recklinghausen

Jahr Ortsteil Ort Schulart Geschlecht Schülerzahl Klassen Lehrperson Bemerkung
1893 -.- Hamm-Bossendorf Volksschule gemischt 111 1 Hubert Beerkotte *11.02.1868, Amtsantritt 01.09.1889 -.-[9]

Weltliche Lehrerschaft

Als erste weltliche Lehrer in Hamm finden wir von 1889 -96 Hubert Beerkotte (*11.02.1868, siehe Bildergallerie). Er betreute 1892 insgesamt 111 Schüler. 1896 - 1904 Franz Brambrink, 1904 - 05 Eduard Sattler, 1905 - 06 Heinrich Schulze, 1906 Bernhard Burgholz, 1906 - 13 Heinrich Hagedorn. Es war keine hochdotierte Planstelle im Bereich der Amtmänner und viel Freizeit, sondern eine Arbeit und Lebensaufgabe für Idealisten, mit Erfolgserlebnissen, Anerkennung überdurchschnittlicher Leistungen und Einbindung in das Gemeindeleben.

Handarbeitsunterricht

Dem Schulvorstand dieser katholischen Volksschule gehörten 1895 Hermann Gertz gnt. Kleine Schulte aus der Bauerschaft Hamm und der Bauer Schrankert aus Herne an. Sie erteilten am 13.11. d. J. dem Fräulein Friederika Evers, aus der Bauerschaft Bockolt bei Recklinghausen, die Erlaubnis, den Unterricht in weiblichen Handarbeiten in der Schule zu Hamm - Bossendorf zu erteilen (Siehe Bildergallerie).

Fräulein Friderika Gertrud Evers war damals 32 Jahre alt und war eine Schwester der Theodora Josepha Albers geb. Evers, bei der sie auch, unweit der Schule, bis zu ihrem Tode am 08.04.1899 wohnte. Die Schwester "Dora", meine Großmutter, hatte den Kötter, Schrankenwärter und Gastwirt Wilhelm Albers geheiratet. Sie wurde später Präfäktin des Müttervereins in Hamm Bossendorf und gehörte auch dem sogenannten "Dritten Orden" an. Mitglieder der Terziaren hatten sich nach einer dritten, nicht so streng bindenden Ordensregel verpflichtet. Danach konnten sich auch nicht in klösterlicher Gemeinschaft lebende Laien z. B. den Franziskanern, Dominikanern oder Karmelitern angliedern.

Die Wirtschaft und Colonialwarenhandlung des Wilhelm Albers lag in Hamm 44, am Bahnübergang der Landstraße zwischen Datteln und Marl. Die kreuzende Bahnstrecke zwischen Recklinghausen und Haltern war 1870 in Betrieb gegangen. So wurde nach der Fertigstellung der "Chaussee" im Teilstück zwischen Datteln und Marl - Ölde im Jahre 1903 neben der Gaststätte auch mit "Block Lippe" ein Schrankenwärterhaus errichtet, welches dann von Wilhelm Albers als Schrankenwärter bedient wurde. Dieser drehte die Schranken anfänglich nur bei Bedarf (Glückauf Schranken) hoch. Hier war zeitweilig ein wichtiger Haltepunkt, wo in schlechten Zeiten Anwohner ihren Bedarf an Kohle stillten.

Nach dem 2.Weltkrieg

Nach dem 2.Weltkrieg, bis um 1950/55, war einmal in der Woche Frl. Pfennig aus Marl als Handarbeitslehrerin stundenweise im Schulkeller zu Gast. Bei ihr lernten in dieser Zeit Jungen und Mädchen im 3./4. Schuljahr (im Alter von 9/10 Jahren) stopfen, häkeln und stricken (Socken), dabei mußte ein Topflappen gehäkelt und zwei Wollsocken gestrickt werden. Beim Nähen von Löchern in Strümpfen durften die Löcher wegen später möglicher Blasenbildung an den Füßen nicht zugezogen, sondern mußten durch Maschenbildung vernäht werden, für manch einen Jungen ein mühsames Geschäft. Die älteren Mädchen erhielten bei ihr im Keller der Schule Kochunterricht.

Erster Wetkrieg

1. Weltkrieg:am 22.01.1918 Johan Riemann (3. v. r.).

Vor Beginn des 1. Weltkrieges. aus dem Jahre 1910, existiert ein Foto (Gallerie oben) auf dem ansteigenden Gelände im Garten hinter der Schule mit 57 Kindern der Schulbelegschaft eines einzigen Klassenraums (Siehe obere Bildergallerie): Obere Reihe v.l.: Joh. Riemann, Franz Albers (sein Vetter), August Hüser, Bernh. Bönte, Clem. Thewes, Herm. Rohmann, Adolf Köster (im Feld), Josef Puppendahl, ?, Erich Kehrel, Josef Conrad.

2. Reihe: Josefine Kl. Puppendahl, Elis. Stevermür, Auguste Frevel,Gertrud Schneider, Elis. Gr. Schulte, Maria Riemann, Hedwig Gr. Bley, Maria Albers, Lisbeth Overhoff, Lisbeth Karsten, Anna Gr. Schulte, Johanna Balster, Mariechen Wiggerhaus, Gertrud Thiemann, dahinter Antonia Gr. Schulte u. Johanna Overhoff.

3. Reihe: Lehrer Hagedorn, Lisbeth Hagedorn, Maria Kl. Puppendahl, Lieschen Alfs, ?, Hedwig Frevel, Martha Overhoff, Hedwig Riemann, Anna Gr. Schulte, Traudchen Balster, Maria Korte, Toni Dresemann, Hedwig Thier.

4. Reihe: Josef Rohmann, Heinrich Albers, Hubert Wiethoff, Hannes Große Bley, ?, Heinrich Rohmann, Theo Overhoff, Wilhelm Köster (a.d.Straße).

Feldpost zur Aufmunterung der Heimgebliebenen.

Liegend: Schneider, Johann Gr. Schulte, Bernhard Balster, Heinrich Frevel, Johann Köster, Josef Albers (Bruder von Franz, Maria und Heinrich) Eugen Hagedorn, Johann Wiethoff, ?, Alfons Riemann.

1. Weltkrieg: Lehrer Damberg als Soldat.

Nachdem sich der Sickingmühler Lehrer Arns bei Kriegsbeginn 1914 zu den Fahnen gemeldet hatte und damit für den Schuldienst ausgefallen war, eilte auch der gerade erst 1913 zum Schulvorstand berufene Bossendorfer Lehrer Vollmer zu den Fahnen und fiel im Jahre 1916 auf dem Schlachtfeld. Aber auch ehemalige Schüler aus Hamm, darunter Brüder und Vettern aus dem Gasthof Albers, wurden im 1. Weltkrieg eingezogen.

Ein Teil der Jungen gehörte dann im 1. Weltkrieg schon zu den Kriegsteilnehmern. Nicht nur Lehrer, auch ehemalige Schüler wurden im 1. Weltkrieg" zu den Fahnen gerufen". Am 23.01.1918 auch Johan Riemann.

Johanns Vetter Wilhelm Albers, war früher eingezogen worden und wurde verwundet, dessen Bruder und Landvermesser Franz Albers wurde erst später eingezogen und erhielt unter anderem eine Gasvergiftung in Cambrai durch das heimtückische Gelbkreuz. Franz befasste sich auch mit der Malerei. An den Spätfolgen der Kriegsvergiftung verstarb er einige Jahre nach Kriegsende.

Von 1913-16 war dan Albert Glatz Lehrer in Hamm, 1916 wurde die Schule in Hamm bis 1917 geschlossen und die Kinder besuchten die Schulen in Bossendorf und Sickingmühle, da Albert Glatz den Unterricht in Sickingmühle in Vertretung des dort eingezogenen Lehrers übernehmen mußte. Mit Josef Cielebach (1919-21) fing in Hamm der Schulunterricht wieder an, 1921/22 unterrichtete Xaver Honervogt, 1922 ein Lehrer Elbers. Am 01.04.1922 übernahm Friederich Damberg die Schule in Hamm, er hatte als Soldat den Krieg überlebt.

Gründung der neuen Schule

Ansicht der "neuen" Schule v. 1930 aus Süd-Ost-Sicht, im Vordertei der Klassenraum, darunter Lehrküche.

Am 25.10.1929 erfolgte die Grundsteinlegung zur neuen Schule in Hamm am Puppendahl, welche am Berghang "auf dem Hassel", oberhalb der alten Vikarienschule errichtet wurde. Die Toiletten lagen bis zur Schließung der Schule außerhalb des Schulgebäudes. Schon am 15.05.1930 erfolgte die Einweihung. Lehrer Fritz Damberg in Hamm war schließlich auch als Dirigent und Chorleiter engagiert. Beim Einzug des des Kaplans Heele in die neue Kirche zu Sickingmühle am 20.08.1927 sang der Hammer Kirchenchor unter seiner Leitung. Als er während des 2. Weltkrieges 1940 wiederum eingezogen wird, werden seine Schüler auf Sickingmühle und Bossendorf aufgeteilt, bis schließlich auch das Bossendorfer Gebäude 1945 im ausgehenden Krieg abbrennt. Ab November 1945 werden 184 Kinder von 2 Lehrern in 1 Raum unterrichtet, bis 1946 in einer Soldatenbaracke in Bossendorf der Unterricht wieder aufgenommen wird. Der Unterricht in Bossendorf und Hamm wird bis 1949 teilweise auch Nachmittags erteilt, davon war auch ich betroffen.

Schulumfeld

Das auch Gasthöfe durch den Austausch von persönlichen Erfahrungen eine andere Art von "Volksbildungsstätten" waren, bewies die familiäre Art, in der die Familie Albers ihren Gasthof mit Poststelle und Kolonialwarenhandlung führte. Er war zeitweilig neben der Kirche ein weiterer Schwerpunkt für Kommunikation in der Gemeinde Hamm. Da lag es nahe, daß Lehrer aus der benachbarten Schule auch die Chance wahrnahmen, sich hier hin und wieder mit der Allgemeinheit auszutauschen oder auch ein Tänzchen zu wagen. Gern gesehen war bei Albers Lehrer Cielebach mit seiner Gattin, hier (Bildergallerie oben) wohl um 1921/22 im Garten des Gasthofes Albers. Ein Schwerpunkt der Lehrerarbeit, in der durch die plattdeutsche Mundart geprägten Schulgemeinschaft, war neben dem Deutschunterricht auch die Spracherziehung.

Dies führte zur Gründung einer Theatergruppe, welche das (Bildergallerie) Bild aus dem 1. Kriegsjahre 1915 zeigt. In der Mitte Rika Albers und rechts außen auf dem Bild, stehend Clementine Albers, Nichten der Handarbeitslehrerin Evers, aus der 1886 gegründeten Gaststätte Albers am Bahnübergang in Hamm - Herne, welche das damals sehr beliebte Schlegel Bier aus Recklinghausen im Ausschank führte. Clementine und ihre Schwester Maria standen noch bis 1939 bei ihrem Bruder Wilhelm Albers hinter der Theke.

1985 Schultreffen ehemaliger Schüler der geschlossenen Volksschule Hamm im Seestern zu Haltern

Heizen, Bienen und Kartoffelkäfer

Der Ofen im Klassenraum mußte von den älteren Schülern betreut werden, eine Heizanlage gab es noch nicht. Insgesamt war der Unterricht naturnah. Mangels Sportplatz fanden Sportunterricht und Wettläufe auch auf nahegelegenen Waldwegen statt. Da der aus dem Krieg heimgekehrte Lehrer Damberg einen Garten an der Schule unterhielt und dazu auch mehrere Bienenstöcke, wurde der Unterricht unterbrochen, wenn ein Schwarm ausschwärmte, dieser mußte erst wieder eingefangen werden, bevor der Unterricht weiter ging. Ich selber erinnere mich noch gut an das nach 1945 bis zur Währungsreform andauernde jährliche Kartoffelkäfersuchen aller Schüler in der Zeit nach Ostern bis Juni eines jeden Jahres. Für uns Jungen eine angenehme Abwechselung, während einige Mädchen davon weniger angetan waren.Das wir trotzdem gegenüber anderen Schulen nicht im Rückstand waren, lag an der Art des Unterrichtes. Alle 8 Jahrgänge wurden in Hamm teilweise gleichzeitig in einem Klassenraum unterrichtet. Dadurch bekam man schon früh den Stoff der nächst höheren Klassen mit und sah manches im Zusammenhang.

Klumpen oder Holzschuhe

Schulbusse gab es nach dem Krieg noch nicht und wir gingen in Holzschuhen (ndd. = Klumpen) zu Fuß längs der damals noch wenig befahrenen Straße, 2 mal die Woche erst zur Kirche und dann zur Schule und Sonntagnachmittag zur Christenlehre, welche vor der Andacht war. Teilnahme an der Messe und Christenlehre war Pflicht. Dies war im Winter besonders schwierig, da der Schnee unter den Holzschuhen klumpte und man leicht umknickte. Auch verletzte man sich öfters an den Innenseiten der Fußknöchel. Während beim Fußball ein Holzschuh nicht fiel aushielt, durch die Gegend flog oder zersplitterte, war er bei Auseinandersetzungen nach der Schule zwischen den Hammer und Bossendorfer Kindern praktisch. Man konnte den Holzschuh gegen größere Jungen als Schlaginstrument benutzen oder durch abstreifen schnell Fersengeld geben.

Schürzen zur Schonung der Kleidung

Etwa die Hälfte der Mädchen aller Altersgruppen trugen um 1950 noch bunte Schürzen zur Schonung der Kleidung. Das Tragen von Röcken war selbstverständlich, das Tragen von "Buxen" an Stelle der Röcke wurde nicht geduldet. An Sonntagen wurden weiße Schürzen getragen.

Proffpiepe

Im Herbst, wenn die Eicheln reif waren, beschoß man sich mit der "Proffpiepe". Dabei handelte es sich um ein ausgehöhltes, etwa 20 cm langes Holzrohr aus Holunder, an dessen Enden je eine halbe Eichel eingedrückt wurde. Mit einem durch Schälen angepaßtem Haselnußstock, welcher mit einem Holundergriff versehen war, wurde nun eine Eichel heftig in das Rohr gedrückt. Die Kompression der Luft im Zwischenraum trieb nun mit einem Knall die vordere Eichel über 10 - 20 Schritt mit hohem Druck hinaus, für uns Kinder damals eine spannende Sache.

Etwa 67 Schulkinder Kinder zeigten sich 1949 im Bild am Lehmberg vor der Schule in Hamm mit Lehrer Fritz Damberg (Fotogallerie unten). Nach der Währungsreform 1948 trugen schließlich kaum noch Kinder Holzschuhe, wie man auf dem obigen Bild sehen kann. Ich bekam die ersten Schuhe zur Feier der ersten hlg. Kommunion 1948. Die Schule am Puppendahl lag sozusagen im Hoheitsgebiet der Hammer Jungen, während der Weg zum Haarschneiden oder zum Kino nach Haltern "Bossendorfer Jungenlandrecht" tangierte. Da war es manchmal besser und weniger schmerzhaft, den Umweg zwischen Kanal und Lippe zu benutzen.

Sport und Strafen

Da keine Schule über einen Sportplatz verfügte, wurde nachmittags von uns Kindern auf dem Gelände der Pastorat in Hamm und später auch auf einem verwilderten Stück Land gegenüber dem Baugeschäft Herbig in Bossendorf Fußball gespielt. Auf gegnerischem Terrain zu gewinnen wurde dann schon mal mit Plaggenwürfen geahndet.

Aber auch in den Schulen wurde körperlich bestraft und zwar mit Kopfnüssen, ziehen an den Ohrläppchen und schlagen mit einer selbst aus der Hecke zu schneidenden Gerte. Manchmal erfüllten auch Zeigestock, Geigenbogen oder gar die Geige selber den gleichen Zweck. Eine beliebte Lehrerwaffe war zeitweilig der Wurf mit dem Schlüsselbund auf Schülerköpfe. Wir wuchsen zweisprachig auf, mit Hochdeutsch und Plattdeutsch, was häufiger zu Ärger in der Schule und weiterführenden Schulen führte oder für Gelächter sorgte.

In den Jahren 1962 / 63 wurde in Sickingmühle eine Gemeinschaftsgrundschule erbaut. Sie umfaßte 1968 mit den Kindern der aufgelösten Schulen aus Hamm und Bossendorf 5 Klassen, dazu kamen ab dem 01.08.1969 ein Schulkindergarten mit 2 Gruppen und ab 1970 1 Vorklasse mit 26 Kindern. Mit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 wurden die Kinder der Bauerschaften Bossendorf und Hamm nach Haltern am See eingeschult.[4]

Fußnoten

  1. Quelle: Stadtarchiv Marl - BMA. - 87
  2. Quelle: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, Bestand Vest Recklinghausen, Statthalter Nr. 120
  3. Literatur: Tekolf, Dr. Edith: Engelbert Kleinhanz (1758–1834), Baumeister aus Leidenschaft
  4. 4,0 4,1 Bearbeitung und Quelle: Bodo Stratmann
  5. Quelle: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, Hzgt. Arenberg B Nr.23, Jan. 1807
  6. Quelle: Stadtarchiv Marl, Akte BMA. 92
  7. Quelle: Börger, Dr. Wilh: Anton Wiggermann der Reformator des Schulwesens im Vest Recklinghausen (1937)
  8. Quelle: Stadtarchiv Marl, Akte AA.I-171
  9. Quelle: Statistische Übersicht der katholischen Schulen des Reg.bez. Münster (Schöningh, Münster 1893)

Schulwesen

Literatur

  • Tekolf, Dr. Edith: Engelbert Kleinhanz (1758–1834), Baumeister aus Leidenschaft ISBN: 978-3-7954-3767-1 (Verlag Schnell & Steiner, 2022)