Hamm-Bossendorf/Kapelle zu Bossendorf

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Sogenannte "Ludgeruskapelle" im ummauerten Friedhof

Inhaltsverzeichnis

Ludgeruskapelle der hlg. Katharina

Kapelle St. Katharina vor Renovierung, Anf. 20. Jhdt.

Obgleich Liudger die sogenannte Ludgeruskapelle in Bossendorf (rk.) in Bossendorf auf einem karolingischen Königshof erbaut haben soll, weist das Patrozinium der hlg. Katharina von Alexandrien auf die Zeit der Kreuzzüge. Schon vor 1188 kam diese Grenzpfarre des Bistums Münster an Köln. Ihre Kapelle aus dem 12. Jahrh. gilt als der älteste Steinbau des Vestes. Sie ist einschiffig und im romanischem Stil aus Bruchsteinen (Sandstein der Haard) erbaut und steht direkt am Südufer des Lippe-Seitenkanals. Um 1630 besaß die Kapelle einen hölzernen Turm. Die Innenmaße sind 14,20 m mal 6,20 m. Es wird vermutet, dass der Chor die ursprünglich aus dem 11. oder 12. Jhdt. stammende darstellt, während das Schiff die spätere Erweiterung ist. Im Kreis oder Vest Recklinghausen ist diese Kapelle das älteste erhaltene Bauwerk.

30jähriger Krieg

Während des 30jährigen Krieges waren anscheinend die Kapelle, das dazugehörendes Pfarrhäuslein des Leutepriesters ("pleban"), die Küsterei und die direkt beistehenden wenigen Häuser in Brand gesetzt und erst nach und nach wieder aufgebaut worden.

Altar

Der Altar stammt nach einer Inschrift auf der Rückseite aus dem Jahr 1744. Die Inschrift lautet: Ao. 1744 hoc altare in honorem Sta. Catharinae et. Mart. Erigi et 1746 illuminari curavit Plrm. Rdus. D. Pastor Joes Richard Schröder. Sic testawr. Laurens De Vries et Groningen pictor.

Altar der Katharinenkapelle, mit Seitenfenster
Denkmalschild der Ludgeruskapelle

Renovierung 1958

Wegen Baufälligkeit der Gesamtanlage und Wurmstichigkeit der Decke wurde in den Jahren von 1958 - 1963 unter Leitung des Architekten Hans Ostermann aus Münster eine Renovierung durchgeführt. In diesem Rahmen erhielt die Kapelle einen Dachreiter, um sie aus der Umgebung hervorzuheben. Die früher unter dem Dach hängende Glocke stammt aus dem 13. Jhdt. Balken, Bohlenlagen und Decke aus alter Eiche stammten ursprünglich aus Nienberge bei Münster. Die Wände der Kapelle wurden wieder lotrecht gesetzt, verfugt und aufgemauert, ebenso die Einfriedung der Kapelle.

Einkünfte 1313

Das Register der Kircheneinkünfte des "Archidiakonats vicedomoni" im Stift Münster weist am 11.04.1313 um Haltern folgende Einkünfte aus:

Hullern: 2 marcas, Hervost: XXX solidos, Lembeke: V markas, Wulfen: II marcas, Lypperamsdorf: XXX solidos, Halteren: XVI markas.

Bossendorf zählte zu Haltern und Hamm gehörte zu Köln. Das Registrum annorum redditum im Bistum Münster vom 28.06.1318 weist folgerichtig Gerlach Lodike, custos in Dülmen nur mit 1 Florin und Rottger Brinkhoff in Halteren (Matthaei), mit 2 Florin aus, da er vermutlich wohl zugleich auch als Leuteküster für Bossendorf zuständig war.

Kollationsrecht an der Kapelle

Ritter Tydericus de Letene (Leta, van der Leithen) überträgt am 10.09.1317 dem münsterschen Bischof Ludwig, Landgraf v. Hessen, das ererbte Kollationsrecht über die Kapelle zu Bossendorf (WUB Nr. 1188). Ihm war zwischenzeitlich auch der "hoff to Bosseneppe" gegen ein Darlehen, verpfändet worden. Die Urkunde besagt weiter, daß der Ritter den Bischof bittet, dem Priester Everhardus von Haltern dieselbe anzuvertrauen. Der Ritter erhielt das Kollationsrecht als Lehen zurück.

Diese Familie hatte auch Werdener Lehen im Kirchspiel Hamm im Besitz:

14.11.1440 Mit Zustimmung des Abtes von Werden, Johan Stecke in der Molenbroich, verkaufen die Geschwister Dietrich, Grete und Katherine van der Leyten an Aleff Grave und seine Frau Gerde (zu Buer) die Werdener Lehnsgüter Batenberg, Markgrafengut zu Hamm und auf dem Welsenberge.

ter Leyte zu Haltern

  • 1498 Telman ter Leyte, Bewoner der Stadt Haltern
  • 1499 Tijllman ter Leyte, Bewoner der Stadt Haltern

Geistliche

  • 27.10.1567 M. Georgien Boeße, Pastor zu Bossendorf u. Vikar d. Vikarie S.Catarinae zu Haltern.
  • 21.01.1576 Thomas Ringenberg, Pastor zu Bossendorf

Kollationen

Im Domarchiv Münster (IX A 4 f. 13), die Kollationen der Kapelle Hamm-Bossendorf betreffend, liegt die Akte des Thomas Ringenberg von 1568, betreff die Kollation des (N.) Boesen, dessen Nachfolger er wohl wurde. Der vorgenannte Thomas Ringenberg war Vikar in Haltern an der Sixtuskirche und 1569 als Geistlicher in Flaesheim auch für das Kirchsprengel Bossendorf und für Flaesheim zuständig. Er klagte bei der Vestischen Visitation im Jahre 1569, daß er in Flaesheim nur eine Art Kaplan (Sekretär) sei und daß ein Wink der Aebtissin und der Stiftsdamen genüge, um ihn aus seinem Amt zu entfernen. Sein Einkommen gegenüber dem des Geistlichen von Hamm war so hoch, daß man seine Ängste verstehen kann.

Thomas Ringe(l)nberg, von dem man sagte, daß er wie die Geistlichen von Oer und Henrichenburg, verheiratet sei, konnte den Lebensunterhalt seiner Familie nur aus dem Einkommen mehrerer Pfarreien fristen.

Visitation 1572

Bei einer Visitation der Pfarreien im Hochstift Münster traf die Kommission am 09.05.1572 auf Haus Dülmen ein. Dort erschienen nacheinander Johann Westhaus als Pastor zu Haltern und die Vikare Thomas Ringe(l)nberg, Henricus Tegeder in Hullern, Johan Smitholt in Hervest und Christopherus Wagenerus in Lippramsdorf respektive Pastöre, Johann Mollenkamp als Vizekuratus und Gerhard Preckel als Vikar in Dülmen. Übrigens konnte damals der Küster in Lippramsdorf den Choral nicht singen und ein Lehrer war in Lippramsdorf nicht vorhanden.

Hagelprozession nach Recklinghausen

Altes Taufbecken mit neuem Einsatz

Neben den Überflutungen der Lippe sind immer wieder große Ernteschäden durch Hagelschauer bezeugt. Deswegen wurden betroffenen Eigenbehörigen manchmal über Jahre Abgaben erlassen. In der Not wurden die Menschen angehalten, gegen die schädigenden Naturereignisse den Himmel anzurufen. So fand auch im Jahre 1569 eine gemeinsame Bittprozession der Flaesheimer und Bossendorfer Pfarrangehörigen zur Hagelfeier am Christi Himmelfahrtstag nach Recklinghausen statt. Doch die Teilnahme folgte unter Strafandrohung der Mutterkirche und war daher ohne Frömmigkeit und die Teilnehmer streiften ohne Andacht durch Wald und Feld hinter dem voranschreitenden Trommelschläger her.

Berufung des von Raesfeld

Am 24.10.1581 übertrug Johan Wilhelm Herzog von Jülich und Cleve, als Coadjutor des Hochstiftes Münster dem Geistlichen Adolph von Raesfeld aus Lippramsdorf die Katharinen Capelle von Bosnippe, die durch den Tod des Thomas Ringenberg frei geworden war.

Visitationsprotokoll von 1630

Ein späteres lateinisches Visitationsprotokoll von 1630 ergibt übersetzt die folgenden Informationen: „Bossendorf , am 3. Juli. Patronin der Kirche ist die hl. Catharina. Der Vize – Pastor heißt Daniel Eickel: er war nicht anwesend und wurde vom Kommissar Pastor Darl (aus Westerholt) zitiert. Er pflegt oft in der Kirche zu Haltern zu sein. Das Allerheiligste wird hier nicht verwahrt. Der Altar hat kein Antependium (herunterhängender Altarteppich), auch ist er beschädigt und hat kein Portabile (Türaufsatz). Eine Decke liegt zwar darauf, ist aber total verschlissen. Der Fuß des Altars besteht aus rohem Eisen; er ist aus fortgeworfenen Steinen so unordentlich gebaut, daß er absichtlich so errichtet zu sein scheint. Der Altartisch der Kirche ist eine Ruine und total zerbrochen. Am Pfingstfeste ist das Taufbecken nicht geweiht worden. Das Taufwasser wird in einem wertlosen Topf aufbewahrt, der in das Becken hineingestellt ist. Der hölzerne Turm ist total zerfallen. Eine Glocke ist vorhanden. Ein Beinhaus gibt es nicht, vielmehr lagen die Gebeine auf dem Friedhof unter dem Laubwerk ganz durcheinander über den Friedhof zerstreut, dazwischen auch Knochen von Tieren. Der Friedhof ist hinreichend verschlossen."

Kircheneinkünfte

Einkünften ließen sich auch später ausschließlich für die Katharinen- oder sogenannte Ludgeruskapelle in Bossendorf nachweisen:

Registra der Kirche zu Bossendorf, Ratione Habrina 04.07.1630

 Hofesname:

Rog.

Malter

Rog.

Scheffel

Haver

Malter

Gerste

Vat

Rader

Albus

Schilg.

Item der Koch zu Herne, von unserer lieben Frauen Hove (Stift Essen), der Kirche zuständig

1

         
Item Johan Knüver, Erbrente aus seinem Hove    

1

     
Noch gemelter Knüver, wg. Geld, so sein Vorvadern getan uff der Capelle, vermög er invendig 30 Jahren nicht geven ..... ???  

 

       
Hämgen (Hamische Hove) in Lembeck        

4

 
Steven Thyr (an) Holzgeld          

4

Kempich in Datteln (Halter Maeß)  

3

       



Empfang der Bossendorfer Kirche, Intraden pro Martini 1735

 Name:

Rt

St

(den ?)

Henrich Steffen Bossendorf  

4

3

Twinger zu Leven  

6 1/2

 
Herman Gyse Bossendorf

1

   
Korste oder Heitmann (Wilh. Korste gezahlt)

2

   
Johan Strohman uff dem Weddemhof Bossendorf  

30

 
Koch zu Herne

2

   
Kemman zu Closteren

1

   
Knüver Bossendorf

1

   
Bredeck  

45

 
Everhard Heuthausen auf der (Lem-) Beck

1

   
(Meister) Henrich Asbeck, Schuster zu Hamm  

30

 
Schulte Bossendorf

1

   
Henrich Steffen Bossendorf   4

3

Twinger zu Leven   6  1/2  
Herman Gyse Bossendorf 1    
Korste oder Heitmann (Wilh. Korste gezahlt) 2    
Johan Strohman uff dem Weddemhof Bossendorf   30  
Koch zu Herne 2    
Kemman zu Closteren

1

   
Knüver Bossendorf 1    
Bredeck   45  
Everhard Corthausen auf der (Lem-)Beck 1    
(Meister) Henrich Asbeck, Schuster zu Hamm   30  
Schulte Bossendorf 1    



1737 Acta betr. Leistungen der Parochianen zur Befestigung der Lippeufer und zur Rettung von Kirche und Kirchhof in Hamm und Bossendorf.

Die Teilung beider Kapellenbezirke zeigte Nachwirkungen. Während die Kapellenpflichtigen zu Hamm treu und brav ihre Kirchenabgaben (das Missaticum) zahlten, sonstige Abgaben und die erforderlichen Hand- und Spanndienste dem Pastor leisteten, konnte weder Pfarrer Middeldorf noch seine Vorgänger das Missaticum von den Bossendorfern verbuchen. So stellte Pfarrer Schröder noch 1741 den Bossendorfern das wenig schmeichelhafte Zeugnis aus: "Die Boßendorfer, ein gahr hartneckiges Volck, recusieren (weigern sich) ihrem Pastor das missaticum zu geben!"

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