Geschichte der kleinen deutschen Höfe 1/148
aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
| GenWiki - Digitale Bibliothek | |
|---|---|
|
Geschichte der kleinen
deutschen Höfe Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 |
|
| <<<Vorherige
Seite [147] |
Nächste
Seite>>> [149] |
| unkorrigiert | |
| Dieser Text wurde noch nicht korrekturgelesen und kann somit Fehler enthalten. | |
am sächsischen und dänischen Hofe leben mußte. Christian war acht
Jahre alt, als der Vater durch die Waffen Gustav Adolf's restituirt
ward. Er erhielt die damals gewöhnliche lateinisch-pedantische
Erziehung, Prinzen-Reformator ward wieder ein Herr, der einen
curios lautenden Namen führte, ein Brandenburger, Joachim Schnobel
aus Salzwedel, der damals Conrector zu Rostock war, später wurde er
Rechtsprofessor an der Rostocker Universität und als Herzog
Christian zur Regierung kam, Direktor der Justiz-Kanzlei. Schnobel,
der für einen starken Redner galt, weshalb er auch zu
Gesandtschaftsposten gebraucht wurde, suchte auch seine Prinzen in
der Redekunst stark zu machen und stellte mit ihnen wiederholt
„actus oratorios" an. Wie diese beschaffen waren, erkennt
man aus einem derselben, welcher 1640 mit fürstlicher Erlaubniß
sogar gedruckt ward: er enthält die Berathschlagungen des Königs
Rehabeam, welche er mit seinen alten und jungen Räthen gehalten, da
das Volk über die schweren Auflagen klagte und um derselben
Linderung bat. 1641 ward abermals ein solcher Redeactus gehalten,
worin vom Frieden in Deutschland gehandelt ward: der Erbprinz
Christian hielt die erste Rede: „von der Nothwendigkeit des
deutschen Friedens."
Neunzehnjährig, im Jahre 1644 ward ihm vergönnt, aus dem kleinen Horizonte Mecklenburg in einen größeren zu treten; er trat die herkömmliche sogenannte große europäische Tour an, die über Holland nach Frankreich und Italien ging, in Begleitung seines jüngeren Bruders, des Prinzen Carl, seines Hofmeisters Dr. Abraham Kayser, der, wie erwähnt, als Gesandter später
