Geschichte der Kirchen, Pfarren, geistlichen Stiftungen und Geistlichen des Lippischen Landes 1881/052
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| Geschichte der Kirchen, Pfarren, geistlichen Stiftungen und Geistlichen des Lippischen Landes 1881 | |
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[bearbeiten] Die lutherische Kirche zu Detmold.
Als Graf Simon VI. das lutherische Lippe um’s Jahr 1605 reformirt
gemacht hatte, verblieben die Stadt Lemgo, die meisten adligen
Geschlechter des Landes, mehrere Gutsbesitzer und einzelne
Einwohner der Residenz bei der Lutherischen Lehre, was ihnen, da
der regierende Landesherr keinen Gewissenszwang üben wollte, auch
nicht verwehrt wurde. Doch hatten die Lutheraner bei der Ausübung
ihres Gottesdienstes das 17. Jahrhundert hindurch mit großen
Schwierigkeiten zu kämpfen; sie mußten, wenn sie das heilige
Abendmahl feiern wollten, die Reise nach Lemgo machen, was bei den
damaligen schlechten Wegen oft große Beschwerde hatte. Später
fanden sie dadurch eine große Erleichterung, daß der lutherische
Gutsherr zu Brunbrock (Braunenbruch) auf seine Kosten eine Kapelle
zum Gottesdienste erbauen ließ, in welcher zu gewissen Zeiten ein
fremder Lutherischer Geistlicher predigte und die heiligen
Sakramente verwaltete. Als aber Graf Simon Heinrich Adolf sich am
6. October 1719 mit Johannette Wilhelmine, geb. Prinzessin von
Nassau-Idstein, vermählte, brachte sie ihren eigenen Lutherischen
Hofprediger Stein nach Detmold mit und erlaubte den Lutherischen
Einwohnern daselbst, an ihrem Gottesdienste, der wöchentlich
zweimal im Schlosse in ihren Zimmern gehalten wurde, Theil zu
nehmen. Als bald darauf die lutherische Gemeinde sich vermehrte, so
erwirkte die Fürstin bei ihrem Gemahl die Erlaubniß, daß
[bearbeiten] die Alte Klosterkirche
den Lutheranern zum Gottesdienste eingeräumt wurde. Nach einigen Jahren ward sie mit allen dazu gehörigen Pfründen und Rechten der lutherischen Gemeinde zum freien Besitz überwiesen, auch derselben mit Bewilligung der Landstände landesherrlich das volle Patronatsrecht „frei und ohne alle Beschwer“ nach der noch vorhandenen Urkunde vom 26. Juni 1725 ertheilt.
Wir unterbrechen hier die Geschichte der lutherischen Gemeinde Detmolds, um die Geschichte der leider unüberlegter Weise im Jahre 1832 abgebrochenen, schönen, gothischen Klosterkirche, „wodurch unsere Stadt zwecklos um ein schönes Denkmal des Alterthums ärmer gemacht ist“ (Preuß, Baul. Alterth. S. 16), darzustellen. Sie war die Kirche des Augustiner-Nonnenklosters Marienanger, welches, wie das gleiche zu Lemgo, in der Mitte des 15. Jahrhunderts von Eldagsen in der Hildesheim’schen Diöcese gegründet wurde und an der Judenstraße lag, die in Folge der Anlegung des Klosters Süstergasse hieß. (Lipp. Reg. IV., 2632.) „Es war wie jenes ein Convent von Jungfrauen, welche, ohne einer bestimmten Regel zu folgen oder
