Gerberei

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Geschnürter Halbschuh 14. Jhdt., Material: Leder

Inhaltsverzeichnis

Handwerk

Die Gerberei ist auch noch in der „Frühen Neuzeit“ („Early Modern History“) von ca. 1500 bis ca. 1800 ein unverzichtbares Handwerk.

Anwendung

Leder wurde da benötigt für Kleidung, Schuhe, Handschuhe, Beutel und Taschen. Auch Pergament zur Anfertigung von Urkunden und Büchern bestand aus Tierhäuten.

Standorte

Leider war die Gerberei ein stinkendes Gewerbe und wurde daher meistens außerhalb der Stadtmauern betrieben.

Rohstoffe

Von den Fildern (Abdecker, oder Schindern, Knochenhauern oder Schlachtern wurden die Tierhäute mit Kopf und Fußknochen geliefert.

Rohstofftrennung

Nach kurzem Fäulnissprozeß konnten Haut und Knochen, beziehungsweise Horn voneinander getrennt werden.

  • Horn wurde an den Horn- und Knochenschnitzer weiter verkauft
  • Knochen gingen an eine Knochenmühle, in der die Tierknochen gemahlen oder in Stampfmühlen zu Knochenmehl verarbeitet wurden. Dieses wurde im beginnenden 19. Jahrhundert als organischer Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt.
  • Kalzinierte (weiß gebrannte) Knochen, konnten in Töpfereien mit reingeschlämmten Ton bei hohen Temperaturen zu Schmelztiegeln gebrannt werden, ähnlich wurde auch Porzellan erzeugt.
    • Beispielsweise Telgter Fabrici = Telgter Porzellannufaktur 1760, um 1845 noch Fayencefabrik genannt (Warenpalette: z. B. Porzellan für Apotheken) [1]

Weiterverarbeitung der Häute

Die zur Gerbung vorgesehenen Lederhäute wurden zunächst in Weichkästen der "Wasserwerkstatt" 1 bis 2 Wochen in Frischwasser (aus dem Mühlenbach) eingeweicht. Danach wurden sie mit Kalkmilch und Pottasche behandelt um die Haare von den Fellen zu lösen. So ließen sich die Häute leichter glatt schaben. Zwischendurch mußten die Häute immer wieder in fließendem Wasser gespült werden. Zu letzt wurden die geschabten Häute in Bottichen mit Harn und Eichenlohe eingelegt.

So wurde das Leder haltbar und geschmeidig. Der gesamte Gerbungsprozess konnte bis zu 2 Jahren dauern. Zur Sicherung eines regelmäßigen Einkommens mußten daher die Gerber möglichst viele Gerbgruben betreiben.

Handwerker

Zeitliche Einfärbung von Leder

17. Jahrhundert Rezeptur: "Schwartze Farbe, Schu zu Mahlen":

  • Nehmet von 2 Denar. Blau Brisieligen-Holtz vor 1 Denar Vietriol, zweÿ Galle Äpfel, stosset dieses beÿde letztre klein, nehme darnach einen neuen Topf, worinn ohngefehr der 6.te Theil eines Maasses gehet, und kochet diese 3 Sachen mit 2 Theilen Wasser und Theil Bier-Essig, darnach nehmet ein paar Löffel voll eÿserne Feilspähne und vor 3 Denar grün Spahn, thut diese beÿderleÿ in einen anderen neuen Topf, und giesset darauf ein oder anderthalb Bierglässer voll starken Weinessig und lasset es ein mahl aufsieden, letztens wenn diese beÿde gekochte Farben kalt geworden sind, so werden von den erster 2 Theile, von den aber nur 1 Theil genommen, und unter einander meliret, so ist die schwartze Farbe zum Gebrauch fertig, welche als dann gleich als die übrigen Farben, all in ein rein Glass kan abgegossen werden, und zum Gebrauch auf gehoben. Wann aber damit soll gemahlet werden, wird dann wieder ein kleines Glass abgegossen und selbiges über ein Kohl - Feuer warm gemacht, den sonst ziehet sich die Farbe nicht gut in das Leder ein und welches man beÿ denen andern Farben auch in acht nehmen muss. [1]

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Quelle: Stratmann, Bodo: Rezepturhandschrift eines westfälischen Spezereiwarenhändlers vom 16. bis zum 19. Jahrhundert (2017)
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