Geld und Kaufkraft ab 1450

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Einer der frühen Taler - Guldengroschen

Inhaltsverzeichnis

Geld und Kaufkraft ab 1450

Buchdruck beschleunigt Informationen

Voraussetzung für die gleichmäßige Verbreitung von Informationen wurde 1450 durch Johannes Gensfleischs vom Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks geschaffen.

Maßstab für Wohlstand

Nicht die Anhäufung von Naturalien als Tausch- und Zahlungmittel sondern der Besitz von Edelmetallen sind auch schon vor 1500 weiterhin Maßstab des Wohlstandes. Die Ansammlung von Edelmetallen zur Vermögensbildung entzieht dem Markt dringend erforderliche Umlaufmünzen. Da es mit den damaligen Mitteln nicht gelingt, die Goldausbeute zu steigern, werden von nun an anstelle von Goldmünzen mehr und mehr große Silbermünzen geprägt. Daran ändert sich auch nichts bei der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus und dem dadurch ermöglichten Raub der dort vorkommenden Edelmetalle Gold und besonders Silber, welches nun in größeren Mengen auf den Markt nach Europa kommt.

Auftrieb des Silbers

Um 1500 werden daher anstelle von Goldmünzen mehr und mehr große Silbermünzen geprägt. Die fürstlichen Landesherren und ihre Münzvasallen, welche im Besitz von Münzrechten sind, verbessern die Methoden der Silbergewinnung und vermünzen verstärkt das Silber zu Talern.

Oberbegriff „Taler“

Die umgangssprachliche Abkürzung „Taler" für „Joachimstaler Guldengroschen“ setzt sich als Bezeichnung für alle großen Silberstücke durch.

Münze zum Fernhandel

Als anerkannte Fernhandelsmünze setzt sich der Taler um 1500 als Ersatz für den Goldgulden allmählich durch.

In dieser Zeit sind Großmünzen mit höherem Feingehalt an Silber und zusätzlich stärker mit Kupfer legierte Kleinmünzen in Umlauf.

Münzgeographie

Die Ausprägung solch großer Silbermünzen hatte ihren Ausgang von Sachsen, Tirol und Böhmen.

  • Die sächsischen Silbermünzen wurden aus den Silbervorkommen des Erzgebirges geprägt.
  • Die unter Erzherzog Sigismund in Tirol geprägten Silbermünzen wurden aus dem Silber der Schwazer Bergwerke hergestellt.
  • Für die Prägungen der Braunschweiger Landesherren wird das Silber im Harz gewonnen.
  • Die sogenannten Joachimstaler stammen aus dem böhmischen Joachimsthal mit seiner Silbergrube.

Münzsystem

Der noch nicht im Reich vereinheitlichte Taler zeigt in seiner Entwicklung einen Silbergehalt von etwa 30 g. Diese Silbermenge hatte einen zeitlichen Wert wie die 3,5 g Gold, die in den zeitlichen Goldgulden und Dukaten enthalten waren. Das zeitliche Wertverhältnis zwischen Gold und Silber betrug also demnach ungefähr zehn zu eins.

Wertabweichungen

Der 1551 festgelegte Feingehalt des Talers wird jedoch von vielen Landesherren nicht eingehalten um zunächst einen hohen Münzgewinn zu erzielen.

Münzstückelungen

Münzwerte, die sich vom Taler ableiten, sind der Doppeltaler der Halbtaler der Vierteltaler der Achteltaler.

Sinkende Kaufkraft

Der kleinste Teil eines Talers ist jedoch der Kreuzer. Ursprünglich war 1 Taler = 72 Kreuzer.

Reichsmünzedikt 1566

Durch das Münzedikt von 1566 sollte letztlich die Gegensätze zwischen den Anhängern der Goldwährung und den silberfördernden Ländern einerseits sowie zwischen den süddeutschen Kreuzer- und den mitteldeutschen Groschenrechnrechnungen andererseits zu überbrücken

  • Aus der Kölnischen Mark mit dem Basisgewicht von 234 g Feinsilber werden 9 Reichstaler geschlagen.
    • 1 Reichstaler = 24 Groschen

Kipper- und Wipperinflation

Da die kleinen Münzen im Laufe der Zeit zur Erzielung höherer Münzgewinne jedoch mit immer geringerem Silbergehalt ausgeprägt werden, sinkt ihr Wert ständig und das platte Land wird mit Kleinmünzen überflutet. Analog kommt es zu enormen Preissteigerungen. Allerdings hatten die Landesherren als Inhaber zu kurz gedacht und die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die schlechte Landesmünze floß in Form von Steuern und Abgaben allmählich in die eigene Kasse zurück und fraß die vorherigen Münzgewinne wieder auf. Dabei stieg der Silbertaler bis auf das 12 ½ fache seines ursprünglichen Wertes gegenüber den Kleinmünzen.

Münzfuß von Zinna 1667/68

Geltungsbereich 1667: Kursachsen, Kurbrandenburg und 1668 dazu Braunschweig- Lüneburg:

  • 1 Mark (234 g) Feinsilber = 9 Speziesreichstaler
    • 1 Speziesreichstaler = 28 Groschen = 1 1/6 Kuranttaler

Leipziger-, Torgauer- oder Guldenfuß 1690

Geltungsbereich 1690: Kursachsen, Kurbrandenburg, Braunschweig- Lüneburg

  • 1 Mark (234 g) Feinsilber = 9 Speziesreichstaler = 18 Gulden (2/3 Kuranttaler)
    • 1 Speziesreichstaler = 32 Groschen = 1 1/3 Kuranttaler

Münzbild

Die Macht der absolut herrschenden Landesherren spiegeln auch die Münzbilder des 15. bis 17. Jahrhunderts wider. Sie zeigen fast ausschließlich die Bildnisse der in Harnische oder kostbare Pelze gekleideten Herrscher. Meist werden sie gekrönt dargestellt. Ein Helm auf dem Haupt des Fürsten weist darauf hin, daß er nicht nur oberster Landesherr, sondern auch oberster Kriegsherr ist. Die Buchstaben D. G., die dem Namen des Herrschers oft nachgestellt werden, sind die Abkürzung von DEI GRATIA, das heißt „von Gottes Gnaden".

Auf der Rückseite der von den Fürsten geprägten Taler ist oft eine Vielzahl von Wappen abgebildet. Es sind die Wappen der Besitzungen, die zum zeitlichen Herrschaftsbereich des Fürsten gehören oder worauf er Ansprüche stellt. Neu ist, daß auf den meisten Münzen von jetzt an das Prägejahr genannt wird.

Löhne und Preise

Punktuelle Einkommensbeispiele 1446 Dresden

  • Wochenlohn eines Bergmeisters: 24 Groschen
  • Wochenlohn eines Steigers: 17 Groschen
  • Wochenlohn eines Bergknappen: 16 Groschen
  • Tagelohn eines Zimmermanns: 3 Groschen
  • Tagelohn eines Maurers: 3 Groschen
  • Tagelohn eines Ungelernten: 12 Pfennige

Beispiele von Lebenshaltungskosten 1446 Dresden

  • 1 Kanne Bier (0,9 1): 2 Pfennige
  • 1 Pfund Fleisch (0,467 kg) : 4 Pfennige
  • 1 Huhn: 8 Pfennige
  • 1 Elle Barchent (56,6 cm) : 18 Pfennige
  • 1 Schock Eier: 2 Groschen 6 Pfennige
  • 1 Paar Schuhe: 8 Groschen
  • 1 Scheffel Roggen (103 l) : 11 Groschen
  • 1 Scheffel Weizen : 15 Groschen
  • 1 Elle Tuch: 32 Groschen

Punktuelle Schneiderlöhne 1469 Dresden

  • 1 Joppe: 3 Groschen 6 Pfennige
  • 1 Mantel: 3 Groschen
  • 1 Rock: 3 Groschen
  • 1 Hose: 1 Groschen 6 Pfennige

Löhne beim Bau der Albrechtsburg in Meißen 1477

  • Wochenlohn eines Poliers: 15 Groschen 4 Pfennige
  • Wochenlohn eines Steinmetzen: 14 Groschen

Punktuelle Einkommensbeispiele 1540 Dresden

  • Tagelohn eines Zimmermanns: 3 Groschen
  • Tagelohn eines Maurers: 3 Groschen

Beispiele von Lebenshaltungskosten 1540 Dresden

  • 1 Huhn: 8 Pfennige
  • 1 Schock Eier: 2 Groschen 6 Pfennige
  • 1 Scheffel Hafer: 5 Groschen
  • 1 Scheffel Gerste: 12 Groschen
  • 1 Scheffel Roggen: 12 Groschen

Beispiele von Lebenshaltungskosten 1552 Dresden

  • 1 Elle gelbes Futtertuch: 2 Groschen
  • 1 Elle schwarzer Barchent: 22 Groschen
  • 1 Ries Dresdner Schreibpapier (480 Bogen) : 1 Taler
  • 1 Elle schwarzes Tuch: 1 Taler 1 Groschen

Punktuelle Einkommensbeispiele 1625 Dresden

  • Tagelohn eines Zimmerergesellen: 3 Groschen 6 Pfennige
  • Tagelohn eines Maurergesellen: 4 Groschen 6 Pfennige

Beispiele von Lebenshaltungskosten 1625 Dresden

  • 1 Pfund Rindfleisch: 10 Pfennige
  • 1 Kanne Pirnaisches Bier: 10 Pfennige
  • 1 Pfund Butter: 2 Groschen
  • 1 Scheffel Korn: 2 Taler

Löhne im Fürstbistum Münster zwischen 1650-1678 . Berechnet für einen Arbeitstag.

  • Schneiderknecht: 3½ Schillinge
  • Landarbeiter: 4 Schillinge
  • Schweinehirt: 4 Schillinge
  • Zimmermannsknecht: 6¼ bis 7 Schillinge (In Kriegsjaren 5½ Schillinge)
  • Schneidermeister(13 Stunden): 7 Schillinge
  • Bauarbeiter und Maurer: 7 Schillinge
  • Schäfer: 7 Schillinge
  • Dachdecker: 8 Schillinge
  • Schreinemeister: 9 Schillinge
  • Baumeister PICTORIUS: ca. 27 Schillinge
  • Pfennigmeister = oberster bischöflicher Finanzbeamter: ca. 27 Schillinge
  • WILHELM VON FÜRSTENBERG, Geheimer Rat= Oberster Diplomat: ca. 45 Schillinge

Punktuelle Einkommensbeispiele 1671 des Bistumes Münster für das Militär

  • Kopfprämie für einen Werbeoffizier variierte, je nach Angebot und Nachfrage eines Soldaten, von 3 bis 12 Taler
  • Monatssold für einen Gemeinen (=einfachen Soldaten) 14 Schilling (=1/2 Taler, Jahressold 6 Taler)
  • Monatssold für einen Korporal 21 Schilling (=3/4 Taler, Jahressold 9 Taler)
  • Monatssold für einen Feldwebel 5 Taler (Jahressold 60 Taler)
  • Monatssold für einen Fähnrich 10 Taler (Jahressold 120 Taler)
  • Monatssold für einen Leutnant 13 Taler (Jahressold 156 Taler)
  • Monatssold für einen Hauptmann (gleiche Ränge = Rittmeister & Kapitän) 25 Taler(Jahressold 300 Taler)
  • Monatssold für einen Obristen 50 Taler (Jahressold 600 Taler)

Beispiele von Lebenserhaltungskosten im Bistum Münster zwischen 1650-1678

  • 1 Pfund Käse: 1 Schilling
  • 1 Kanne Wein: 7 Schillinge
  • 1 Schinken: 14 Schillinge
  • 1 Huhn: 1½ bis 2 Schillinge
  • 1 Kalb: 28 Schillinge
  • 1 Ferkel: 14 Schillinge
  • 1 fettes Schwein: 140 Schillinge
  • 1 Ochse: 84 Schillinge
  • 1 milchgebende Kuh: 280 Schillinge
  • 1 Mutterpferd: 280 Schillinge
  • 1 Holzeimer: 4 Schillinge
  • 1 Paar neue Leinenhosen: 3 Schillinge

Punktuelle Einkommensbeispiele 1600 bis 1695

  • Für die Reparatur von 6 Paar Schuhen erhält ein Schuster: 1 Taler
  • Jahreslohn für eine Köchin: 10 Taler
  • Jahreslohn eines Dieners, der zugleich Schneider ist: 24 Taler
  • Jahreseinkommen eines Ratsherrn: 1.200 Taler
  • Jahreseinkommen eines Schöffen: 1.500 Taler

Beispiele von Lebenshaltungskosten 1600 bis 1695

  • 1 Zitrone: 5 Kreuzer
  • 1 Pfund Rindfleisch: 6 Kreuzer
  • 1 Pfund Butter: 7 Kreuzer
  • 1 Feldhuhn: 8 Kreuzer
  • 1 Pfund Hechte: 15 Kreuzer
  • 1 Pfund lebende Forellen: 20 Kreuzer
  • 1 Pfund Hutzucker: 25 Kreuzer
  • 1 Gans: 32 Kreuzer
  • Bluse mit kurzen Armeln: 20 Kreuzer
  • Rock: 20 Kreuzer
  • Wams: 24 Kreuzer
  • 1 Paar Frauenschuhe: 68 Kreuzer
  • Arztkosten für den ersten Krankenbesuch ½ Taler
  • ... und für jeden weiteren ¼ Taler
  • Jährliches Schulgeld für den Schüler einer Lateinschule: 2 Taler

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