Alt-Reichenau

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Hierarchie:

Regional > Ehemalige deutsche Gebiete > Schlesien > Regierungsbezirk Breslau > Landkreis Waldenburg > Alt-Reichenau


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung aus dem Adressbuch Kreis Jauer 1911

1828 Einwohner, davon 848 männliche, 980 weibliche, 997 evangelisch, 318 katholisch. Nach der Personenstandsaufnahme vom Oktober 1910 betrug die Einwohnerzahl 1889.

Lage

Alt-Reichenau liegt 340 bis 400 Meter über dem Meere, am Nordabhange des Sattelwaldes in landschaftlich hervorragend schöner Gegend, eingebettet in ein tiefeinschneidendes Tal des Striegauer Wassers – auch „der Ziel“ genannt – zu beiden Seiten der Chaussee Landeshut – Freiburg. Die Chaussee BolkenhainSalzbrunn durchschneidet das Dorf in seinem unteren Drittel rechtwinklig. Es zieht sich in ziemlich gerader Richtung von Westen nach Osten, beginnend mit dem Kilometerstein 10,6 und endet bei Stein 15,2; seine Gesamtlänge beträgt also 4, 6 km. Nach einer alten Urkunde liegt das Dorf „unter dem Silbergebirge, zwischen kleinen Bergen, an der sogenannten kleinen Straße von Breslau nach Prag in einem Tale“. Im Jahre 1878 wurden mittels Barometer den hiesigen Ort betreffende Messungen vorgenommen. Nach diesen beträgt die Höhe des Dorfteiles um das Kriegerdenkmal „63,44 Meter über dem Amsterdamer Pegel“. Die Höhe des nur 1 ½ Stunden entfernten Sattelwaldes wurde mit 778,16 Metern ermittelt. Also überragt der Sattelwald Alt-Reichenau um 414,72 Meter. Eine herrliche Ahorn- und Eichenallee gibt dem ganzen Ort ein sehr charakteristisches, einzigartiges Gepräge; im Sommer geht es sich angenehm unter ihrem schattenspendenden Baldachin, und im Herbste erfreut sie das Auge durch die goldige Pracht der sich verfärbenden Blätter. Über die Gründung des Dorfes, welches früher Jerichenow hieß, sind keine Angaben vorhanden, und man weiß nur, dass es im Jahre 1352 vom Herzog Bolko II. von Schweidnitz dem Cisterzienser-Orden zu Grüssau geschenkt wurde. Zu Alt-Reichenau gehören noch 2 Kolonien, die nördlich gelegene Krähen- und die südlich gelegene Mühldörfel genannt, beide in romantischer Gegend. Fruchtbarer Boden begünstigt die in hoher Blüte stehende Landwirtschaft. Der Anbau von Samenklee, Gerste und Weizen hat sich für unsern Ort als besonders lohnend erwiesen. Der Ort zählt etwa 60 große Bauerngüter.

Verkehrsverhältnisse

Chausseen: (Die Entfernungen sind immer vom Dorfausgange ab gerechnet.)

  1. nach Bolkenhain (15 km).
  2. nach Freiburg_in_Schlesien (9 km).
  3. nach Hohenfriedeberg (8 km).
  4. nach Salzbrunn (6 km).
  5. nach Landeshut (12 km)

Alt-Reichenau ist ferner von Waldenburg 12 km, von Fürstenstein 10 km, von Striegau 19 km und von Schweidnitz 24 km entfernt.

Endstationen der Eisenbahnen sind: Freiburg 11 km, Ruhbank 12 km und Bad Salzbrunn 6 km. Zwischen Freiburg und Alt-Reichnau verkehrt eine Fahrpost mit Personenbeförderung, abgehend vom Postamt Freiburg täglich zweimal. Fahrzeit 1 ½ Stunde. In Freiburg und Bad Salzbrunn sind Wagen am Bahnhof zu haben.

Post: Wochentags zweimalige, Sonntags einmalige Bestellung. Die Postagentur mit öffentlicher Fernsprechstelle liegt in der Nähe des weithin sichtbaren großen Klostergutes etwas unterhalb der Dorfmitte.

Alt-Reichanau als Bad und Sommerfrische

Alt-Reichenau gilt jedem Kenner als eine Perle unter den Sommerfrischen des Waldenburger Berglandes. Es ist als waldreicher Höhenkurort anzusprechen, zugleich hat aber auch bekanntlich das „Deutsche Bäderbuch“ bearbeitet unter Mitwirkung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, unsern Ort in die Matrikel der Bäder aufgenommen. Am Ort sind nämlich drei Brunnen vorhanden, die St. Annaquelle, der Niederbrunnen und der Mittelbrunnen; erstere beiden sind Eigentum der Gemeinde, verpachtet an die Aktiengesellschaft „Altreichenauer Niederbrunnen und St. Annaquelle, G.m.b.H.“; letztere gehört dem Hausbesitzer Julius Lange hier und ist verpachtet an Fräulein Else Kloß (Vertreter Kaufmann Gruhn) in Freiburg. Alle drei Quellen liegen in der Nähe des Klostergutes am Fuße des Annaberges. Die genannte Aktiengesellschaft hat im Jahre 1909 sowohl die genannte St. Annaquelle als auch den Niederbrunnen neu fassen und beide Mineralquellen einer eingehenden chemischen Analyse durch Herrn Dr. E. Bischoff aus dem öffentlichen chemischen Laboratorium zu Berlin unterziehen lassen. Dr. Bischoff bezeichnet den Niederbrunnen als „Alkalische Quelle“ und die St. Annaquelle als „Alkali-Lithium-Mineralquelle“ oder „Alkalischen Säuerling“. Nach ihm sind beide Quellen vollständig frei von Bakterien, radioaktiv und reich an natürlicher Kohlensäure; sie enthalten nachweislich etwa 12 verschiedene Salze. Dr. Bischoff schreibt ferner:

„Ich kann nicht umhin, in ähnlicher Weise, wie dies schon bei der Beurteilung der einen dieser Quellen durch Herrn Berginspektor Dr. Koßmann geschehen ist, auf die Ähnlichkeit hinzuweisen, welche die Alt-Reichenauer Mineralquellen gegenüber einer Reihe von Brunnen von Salzbrunn zeigen. Von den Salzbrunner Quellen sind namentlich die Kronenquelle und die Marthaquelle nach den bekannt gewordenen Analysen von Herrn Prof. Th. Poleck für die erstere und Herrn Prof. Dr. H. Erdmann für die letztere den Altreichenauer Quellen, sowohl in der Zusammensetzung, wie im Charakter sehr ähnlich. Auch die Luisenquelle von Salzbrunn lässt sich noch in diesen Vergleich hineinziehen. Es liegen in diesen drei genannten Quellen Salzbrunns gleichfalls Mittelstufen zwischen den alkalischen Säuerlingen und den alkalisch-erdigen Säuerlingen vor, wie in der Alt-Reichenauer St. Annaquelle und dem Niederbrunnen. Man wird daher zu Alt-Reichenau mit beiden Quellen im wesentlichen die gleichen Erfolge erzielen, wie sie sich bei den Salzbrunner Quellen ergeben haben. Es ist somit nur dem Wunsche Ausdruck zu geben, dass den beiden Quellen zu Alt-Reichenau und zwar der St. Annaquelle wie auch dem Niederbrunnen sowohl vonseiten der ärztlichen Kreise, wie seitens des heilbedürftigen Publikums diejenige Aufmerksamkeit geschenkt werde, welche diese Quellen in reichem Maße verdienen. Ebenso wie die Quellen am Ort ihrer Entstehung sich erfolgreich für die Heilpraxis bewähren werden, ebenso ist man berechtigt, auch den Genuss derselben als Tafelwasser, sei es direkt, sei es, wenn man mehr Kohlensäure wünscht mit reinster Kohlensäure leicht angesäuert zu empfehlen. Nach beiden Richtungen wird man von den süffigen Schätzen, welche dem auch landschaftlich anmutig gelegenen Alt-Reichenau dem felsigen Untergrund als Mineralwasser entströmen, keine Enttäuschungen erfahren.“

Die Alt-Reichenauer St. Annaquelle ist als Natron-Lithion-Säuerling das beste und sicherste Heilmittel bei Erkrankungen des Kehlkopfes, der Lungen und des Magens, bei Nieren- und Blasenleiden und bei Steinbeschwerden; Während der Niederbrunnen, eine alkalische Quelle, ärztlich bei Gicht, Zuckerharnruhr, Blasenund Nierenträgheit empfohlen wird. Der Versand dieser beiden Mineralwässer als diätetisches Tafelgetränk und zu Kurzwecken hat sich im Jahre 1909 auf rund 100.000 Flaschen belaufen. Der Mittelbrunnen wird lediglich als Tafelgetränk unter dem Namen „Reichenauer Salzbrunnen“ versandt. Dieser Versandt erreicht jährlich etwa eine Höhe von 20.000 Flaschen. Die Badeanstalt befindet sich neben der Post und der St. Annaquelle und besteht aus vielen modern eingerichteten Badezellen mit Douche-Vorrichtungen, dem Brunnenhofe und der Trinkhalle. Eröffnung des Bades Mitte Mai, Schluss Ende September. Im Brunnenhause wird Annaquelle und Niederbrunnen glasweise ausgeschenkt und auf Wunsch mit heißer Milch gemischt. Der Arzt wohnt in unmittelbarer Nähe der St. Annaquelle. Mineral-, Kohlensäure-, Kiefernadel-, Moor- oder Schwefelbäder unterstützen und befördern die verschiedenen Kuren. Ganz besonders eignet sich Alt-Reichenau auch für die Erholungsbedürftigen, welche einen „billigen“ Urlaubs- und Ferienaufenthaltsort bevorzugen; denn es bietet an Naturschönheiten wirklich Seltenes. Die Anlagen bei der Annaquelle und die im Eichenhaine am Heinzenberge, sowie die kühlen, schattigen Buchenwälder, im Königlichen Forste mit den romantischen Felspartien, der ozonreichen Luft und ihrer köstlichen Stille müssen allen Sommerfrischlern und Kurgästen ein Jungbrunnen für Leib und Seele werden. Tische und Bänke zum Ausruhen sind überall angebracht. Beeren- und Pilzesucher werden immer reiche Ausbeute haben. Gelegenheit zu nahen Ausflügen bietet unter anderen: der Sattelwald, der schwarze Graben, die Heidelsteine, die Wassersteine, das Bild, die Bismarckhöhe und die Schickenbuche. Entferntere, etwa 6 Stunden in Anspruch nehmende Fußpartien, können nach Bad Salzbrunn, der Wilhelmshöhe, dem Fürstensteiner Grunde, dem Zeiskenschlosse, der Siegeshöhe bei Hohenfriedeberg, der Bolkoburg und der Burg Schweinhaus ausgeführt werden. Als Tagespartien unter Benützung von Fuhrwerk, elektrischer Straßenbahn oder Eisenbahn würden sich der Besuch des Hochwaldes, der Kolbebaude, der Heuscheuer, des Zobtens, der Schneekoppe, des Kapellenberges bei Trautenau, des Schlesiger- und Reimbachtales, sowie der Felsen von Adelsbach und Weckelsdorf empfehlen. Wohnungen für Sommerfrischler zu 6 – 15 Mark die Woche werden von der Brunnenverwaltung jederzeit nachgewiesen.

Sehenswertes am Orte

In der Nähe der Oberschule steht eine uralte steinerne Kirchenruine, welche dem heiligen Nikolaus geweiht war. Als Juwel unter den vielen schönen Aussichtspunkten Alt-Reichenaus verdient besonders die in etwa 20 Minuten vom Gasthofe „Goldener Anker“ aus zu erreichende gegen 600 Meter hohe, südlich der Dorfstraße liegende Bismarckhöhe hervorgehoben zu werden; von ihr aus übersieht man bei klarer Luft das Dorf Reichenau vom ersten bis zum letzten Hause, ferner einen großen Teil unseres lieben Schlesierlandes, z. B. die Schneekoppe mit beiden Gasthäusern, die Städte Jauer, Liegnitz, Striegau, das Fürstensteiner Schloss, den Zobten, das ganze Waldenburger Gebirge usw. – Auf dem Sattelwald befindet sich eine Baude mit Tanzsaal, Kinderspielplatz und Aussichtsturm. In der Baude wird vom 1. Mai bis 1. November eine Schankwirtschaft betrieben. Im Winter wohnt der Restaurateur Franz in Alt-Reichenau.

Wer die Höhenluft Alt-Reichenaus einige Wochen geatmet hat, wird körperlich gekräftigt und geistig erfrischt die Sorgen und Mühen der Alltäglichkeit wieder leichter ertragen.

Behörden und Institute

1 evangelische Schule, 1 evangelisches Pfarramt, 1 katholische Kirche und eine katholische Kapelle (Annakapelle), 1 katholisches Pfarramt, 2 evangelische Halbtagsschulen, 1 katholische dreiklassige Schule, 1 Schulverbandsvorstand, 1 Amtsvorstand, 1 Gutsvorstand, 1 Gemeindebüro, 1 Standesamt, 1 Schiedsamt, 1 Armenverband, 1 Spritzenverband, 1 Kaiserliche Postagentur mit öffentlicher Fernsprechstelle, 1 Annahmestelle der Kreis-Sparkasse, 1 Königliche Oberförsterei, 1 Königliche Forstkasse, 1 Kleinkinderschule, 2 Diakonissenstationen, 1 Apotheke, 1 Brunnenverwaltung.

Sommerwohnungen

M. Englers Gasthof „Goldener Anker“ mit 11 Fremdenzimmern, die Brauerei von Chille, der Gerichtskretscham von Richard Scholz, der Gasthof „Zum Kronprinzen“, von A. Roß, sowie sehr viele Privathäuser. Auskunft erteilt die Brunnenverwaltung.

Politische Einteilung

Gemeinde Alt-Reichenau mit 1812 Einwohnern, Gutsbezirk Alt-Reichenau, früheres Klostergut, jetzt Oberförsterei Reichenau mit 16 Einwohnern.

Die Ortschaften Giesmannsdorf, Neu-Reichenau, Alt-Reichenau und Quolsdorf bilden den Amtsbezirk Alt-Reichenau. Amtsvorsteher ist Zimmermeister Kuno Schubert, hier. Gemeindevorsteher ist Gutsbesitzer Gustav Engler. Gutsvorsteher ist Forstmeister Giehler.

Alt-Reichenau lag im Landkreis Jauer im Regierungsbezirk Liegnitz und wurde mit Wirkung vom 29. März 1934 dem Landkreis Waldenburg im Regierungsbezirk Breslau angegliedert.


Städte und Gemeinden im Landkreis Waldenburg im Regierungsbezirk Breslau in Schlesien (Stand 1939)

Städte: Friedland | Gottesberg | Waldenburg
Gemeinden: Adelsbach | Altfriedland | Althain | Altlässig | Alt-Reichenau | Bad Charlottenbrunn | Bad Salzbrunn | Bärengrund | Bärsdorf | Blumenau | Dittersbach | Dittmannsdorf | Donnerau | Dorfbach | Dörnhau | Erlenbusch | Fellhammer | Fellhammer West | Friedersdorf | Friedrichsberg | Fröhlichsdorf | Gaablau | Göhlenau | Görbersdorf | Großhain | Grund | Hartau | Hartebusch-Siedlung | Hausdorf | Heinrichau | Hermsdorf | Kaltwasser | Kohlau | Konradsthal | Kynau | Kynsburg | Langwaltersdorf | Lehmwasser | Liebersdorf | Liebichau | Lomnitz | Michelsdorf | Neudorf | Neudörfel | Neudörfel a. Hartenberge | Neudörfel a. Krähenbusch | Neugericht | Neuhaus, Gem. Dittersbach | Neu Hohendorf | Neu Weißstein | Nieder | Nieder Salzbrunn | Nieder Waltersdorf | Oberdorf | Ober Hermsdorf | Ober Wüstegiersdorf | Olbersdorf, eingegangen | Polsnitz | Quolsdorf | Raspenau | Reimsbach | Reimswaldau | Reußendorf | Rosenau | Rothenbach | Rudolfswaldau | Salzbrunn | Sandberg | Schenkendorf | Schmidtsdorf | Schönhut | Seitendorf | Sophienau | Steinau | Steingrund | Tannhausen | Wäldchen | Weißstein | Wüstegiersdorf | Wüstewaltersdorf | Zedlitzheide | Zeisberg, Gem. Fröhlichsdorf |


Zufallsfunde

Traubuch Wermelskirchen [Regierungsbez. Düsseldorf], Heirat am 17.10.1863, Johann Joseph August Hamel, 23 Jahre alt, * Alt -Reichenau, Regierungsbezirk Liegnitz, 1.10.1840, Schuhmacher, wohnhaft in Remscheid, Sohn von Joseph Hamel, Schuhmacher, wohnhaft zu Alt-Reichenau, u. Anna Margaretha Merkel, mit Anna Juliane Sülzer, 24 Jahre alt, * Wermelskirchen [Rheinprovinz] 22.4.1839, Tochter von Christian Sülzer, Tagelöhner, und Anna Catharina Urbahn.


Daten aus dem GOV

GOV-Kennung ALTNAUJO80CU
Name
  • Altreichenau (deu)
  • Stare Bogaczowice, (1945 -) (pol)
Typ
  • Dorf
externe Kennung
  • SIMC:0855316
Fläche (in km²)
Karte
   

TK25: 5163

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Altreichenau, Alt Reichenau (- 1945) ( Gemeinde )

Stare Bogaczowice (1999 -) ( Landgemeinde ) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Neudörfel am Krähenbusch, Wrony Kolonie Ortsteil object_188095 (1999 -)
Altreichenau (S. Joseph), Stare Bogaczowice (św. Józefa Oblubieńca) Kirche ALTEPHJO80CU
Neudörfel am Hartenberge, Podgórna Kolonie Ortsteil object_188078 (1999 -)
Persönliche Werkzeuge