Die Probstei in Wort und Bild/133
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Die Probstei in Wort und
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Im Sommer 1892 ist mit der Erneuerung des vielfach schadhaft gewordenen Schindeldaches der Kirche der Anfang gemacht. Fast der ganze Turm ist in diesem Sommer neu gedeckt.
Die Glocken unserer Kirche sind mehrfach gesprungen und infolge
dessen umgegossen worden. Zum ersten Mal ist dies mit der großen
Glocke im Jahre 1690 geschehen. Beide Glocken sind Anno 1703
umgegossen. Anno 1750 ist abermals eine Glocke infolge zu heftigen
Läutens gesprungen. Zur Bestreitung der Kosten für Erneuerung der
Glocken ist auf obrigkeitlichem Befehl und mit Einwilligung des
Herrn von Blome auf Hagen eine Kopfsteuer ausgeschrieben (5 β pro
Kopf). Dieselbe ergab: für die Probstei (1349 Personen) 421
9 β, für das Gut (197 Personen)
61
9 β, zusammen 483
2 β.
Die Glocke kostete 483
13 β. Daraus, um das Springen
der Glocken durch übermäßiges Läuten zu verhüten, sind die
sogenannten Straflatten angebracht und bestimmt worden, daß
derjenige, der eine Latte durch Läuten beschädige, eine Brüche an
die Kirchenkasse zu zahlen habe. Die Lutterbeker sind die ersten
gewesen, die 6
7 β Brüche erlegt haben.
Eine neue Glocke wurde noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts
(1794) angeschafft. Sie kostete 1189
9 β. Die Kopfsteuer, behufs
Aufbringung dieser Summe ausgeschrieben, betrug 11 β pro Kopf und
ergab 1188
.
Unsere jetzigen Glocken tragen die Inschrift: a) Die kleinere: Anno 1750 Laurentius Stahlborn me fudit Lübecae. Frau Catharina Benedica von Ahlefeldt, Priörin. Herr Friedrich von Buchwaldt, Probst. b) Die größere: Im Jahre 1794 den 31. Oktober ist diese Glocke von B. J. Beseler in Rendsburg umgegossen worden.
Die große Glocke ist in diesem Sommer beim Morgenläuten gesprungen (1892). Zunächst zeigte sich nur ein kleiner Riß. Es wurde beschlossen, denselben aussägen zu lassen, in der Hoffnung, daß der Klang der Glocke ein solcher bleiben werde, daß dieselbe brauchbar sei. Allein diese Hoffnung wurde nicht erfüllt, und beschloß deshalb das Kirchenkollegium die Glocke umgießen zu lassen.
Dem Glockengießer Carl Friedrich Ullrich in Apolda wurde der Guß der neuen Glocke übertragen. Für seine Arbeit erhielt er das Material der alten Glocke und 1750 Mk. Die neue Glocke trägt die Inschrift: „Friede sei ihr stet' Geläute“. Sie ist sehr schön und hat einen schönen vollen Klang, stimmt auch im Ton gut zu der anderen Glocke. Sie ist zum ersten Mal bei der Beerdigung des Hermann Christian Plön aus Laboe am 6. November 1893 gebraucht worden.
Weil die Kosten sowohl für die erste Anschaffung als auch für das Umgießen der Glocken stets durch eine außerordentliche Steuer, nämlich eine allgemeine Kopfsteuer aufgebracht sind, haben alle zur Hagener Kirche Eingepfarrten dem Inventar zufolge den Gebrauch der Glocken frei.
Für die Ausschmückung ihres schönen und freundlichen
Gotteshauses haben die Probsteihagener stets ein sehr löbliches
Interesse bewiesen und dafür in großer Opferwilligkeit viel Geld
gespendet. In der Zeit von 1637-59 ist fortwährend an der Kirche
gebaut worden. Obwohl es damals (im dreißigjährigen Kriege) eine
schwere Zeit für den Landbewohner war, so schwer, daß die
Kirchenjuraten bei Ablegung der Kirchenrechnung klagen, daß die
Zinsen für die Kirchen-Kapitalien nicht zur rechten Zeit eingehen,
ist doch für Reparaturen an der Kirche noch jährlich eine Umlage
ausgeschrieben worden. Wie in dieser Zeit, so ist auch von
1775-1787 (Turmbau) fortwährend an der Kirche gebaut worden. Das
Dach wurde fast vollständig erneuert; für 21 000 Schindeln zu hauen
und zu kochen (das Eichenholz wurde vom Kloster geliefert) wurden
650
8 β verausgabt; für
Ausschmückung der Kirche durch Gipsarbeit, verfertigt von dem
Stukateur Lindner in Kiel wurden 255
bezahlt, die Begräbniskapelle
restauriert und die ganze Südmauer der Kirche erneuert. In den
Jahren 1782-87 sind den Kirchenrechnungen zufolge ca. 400 Tonnen
Segeberger Kalk verbraucht.
