Der Feldzug von 1812 in Rußland (Clausewitz)/002

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Über Krieg und Kriegführung (Clausewitz)/Band 7
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aber den vornehmeren Personen der Hauptstadt und des Staates immer ein wenig fremd geblieben, und die Nützlichkeit seines Wirkens wurde damals meist noch als sehr zweifelhaft angesehen. Hätte er den Abschied ganz genommen, so ist es sehr die Frage, ob man ihn im Jahre 1813 wieder herbeigerufen hätte.

Der Major von Boyen, sein genauer Freund, welcher den Vortrag der persönlichen Militärangelegenheiten bei dem Könige gehabt hatte, nahm den Abschied, den er als Oberst mit der Gewährung einer kleinen Donation erhielt. Er hatte die Absicht, nach Rußland zu gehen. Der damals als Staatsrath angestellte Oberst v. Gneisenau verließ den Dienst gleichfalls iu dieser Absicht. Mehrere Andere, die zu den wärmsten Anhängern Scharn-horsts und seiner politischen Ansichten gehörten, aber keine Bedeutung im Staate hatten, unter denen auch der Verfasser war, thaten dasselbe.

Der König bewilligte Allen den Abschied.

Der Verfasser ging, mit ewigen Empfehlungsschreiben versehen, im April nach Wilna, wo sich das Hauptquartier des Kaisers Alexander und des General Barklay befand, der die erste Westarmee befehligte.

Als der Verfasser in Wilna ankam, fand er dort bereits mehrere preußische Offiziere versammelt. Unter die bedeutenden gehörten Gneisenau uud Graf Chasot, welche die Reise über Wien gemeinschaftlich gemacht hatten. Der erstere hatte aber bereits denEntschluß gefaßt, nach England zu gehen. Er war zwar vom Kaiser sehr wohl aufgenommen worden, hatte aber aus dem ganzen Wesen der Sache nicht mit Unrecht geschlossen, daß sich für ihn dort keine passende kriegerische Thätigkeit finden werde. Er verstand nicht Russisch, konnte also auch kein eigenes Kommando erhalten. Um sich, wie der Verfasser und die anderen Offiziere, bei irgend einem General oder in irgend ein Korps in einer untergeordneten Stellung einschieben zu lassen, dazu war er an Jahren.uud Rang schon zu weit vorgeschritten; er hätte also den Feldzug nur im Gefolge des Kaisers machen


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können. Was das sagen oder vielmehr nicht sagen will, war ihm deutlich vor Augen, und er fühlte, daß dabei nichts seiner Würdiges herauskommen könne. Das Hauptquartier des Kaisers strotzte ohnehin schon von vornehmen Müßiggängern; zwischen alle diese durch sich im Rathe bemerklich uud nützlich zu machen, hätte wenigstens das Talent einer gewandten Intrigue und eine vollkommene Geläufigkeit in der französischen Sprache erfordert. Beides ging dem Obersten Gneisenau ab. Es widerstand ihm also mit Recht dort ein Verhältniß zu suchen, uud er glaubte in England, wo er schon früher gewesen und vom Prinz-Regenten sehr wohl gelitten war, viel mehr für die gute Sache thun zu können.

Da er sich in Wilna sehr bald überzeugte, daß die russischen Anstalten nichts weniger als der Größe des Unternehmens entsprechend waren, so hatte er mit Recht die größten Besorgnisse für den Erfolg, und glaubte, daß die einzige Hoffnung noch in der Schwierigkeit des ganzen Unternehmens von Seiten der Franzosen liege, daß man aber alles thun müsse, um von Seiten Englands, Schwedens und Deutschlands eine Diversion im Rücken der Franzosen zu erwirken. Diese Ansicht bestimmte ihn noch mehr zu seiner Reise nach England, wohin er bald abging.

Die ganze russische Kriegsmacht au der westlichen Grenze des Reichs bestand aus der ersten und zweiten West- und einer Reservearmee. Die erste mochte 90,000, die zweite 50,000, die dritte 30,000 Mann stark sein, das Ganze also etwa 170,000 Mann, wozu noch 10,000 Kosacken zu rechnen sind.

Die erste Westarmee unter den Befehlen des General Barklay, der zu gleicher Zeit Kriegsminister war, stand längs dem Njemen, die zweite, welche der Fürst Bagration befehligte, im südlichen Littauen, die Reservearmee unter General Tormasof in Wolhynien. In zweiter Linie befanden sich am Dnjepr und an der Düna an Depots und Rekruten etwa 30,000 Mann. Den Oberbefehl über das Ganze wollte der Kaiser übernehmen. Der Kaiser hatte nie im Felde gedient, noch weniger

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