Dampfmaschine

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Der Einsatz der Dampfmaschine bewirkte nicht nur eine industrielle Umwälzung, sondern für unsere Vorfahren, besonders in den Ballungsgebieten, eine Vielzahl von Veränderungen in Verwaltungsstrukturen der Kommunen und Kirchen, im Sozialwesen, Verkehrswesen, der Technik, Ortsveränderungen durch mehrfache Umzüge..... und verursacht damit in der Gegenwart Schwierigkeiten in der Familienforschung!

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Stehende Einzylinder-Bockdampfmaschine, Eisengiesserey u. Maschinenfabrik G. Egestorff (später Hanomag) Bj: 1864 (Museum Eslohe)
Dampfmaschine im Mühlenantrieb
Quelle: Krünitz, Oeconomischen Encyclopädie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

  • 1769 verbesserte James Watt die Dampfmaschine, die vorher von Thomas Newcomen erfunden worden war. Ihre Einführung in die Verfahrenstechnik veränderte diese in dreifacher Hinsicht enorm:
  1. In der Bereitstellung von Energie wurde sie unabhängig von Wasser- und Windkraft sowie von der Kraft von Mensch und Tier. Sie führte sowohl zur erheblichen Verbesserung der Förderung von Kohle als Energieträger als auch in deren Nutzung in der Produktion.
  2. Die Dampfmaschine ermöglichte die Entwicklung von Arbeitsmaschinen in den unterschiedlichsten Bereichen der Produktion (Transmissionen, Pumpen, Hämmer, Gebläse und Walzen wurden dadurch angetrieben).
  3. Die Dampfmaschine revolutionierte Transport und Verkehr durch die Entwicklung der Eisenbahn, Dampfstraßenbahn und des Dampfschiffes.

Dampfmaschinenbauer Dinnendahl

Beschreibung von 1872

Die lexikalische Beschreibung von 1872 wurde hier genommen, um eine frühmögliche Situation dieses technischen Mediums zeitnah darzustellen, dessen Einsatz nicht nur eine industrielle Umwälzung einläutete, sondern für unsere Vorfahren besonders in den Ballungsgebieten viel Veränderungen mit sich brachte oder bewirkte.

Technik

Dampfmaschine, jede Vorrichtung, inwelcher Dampf als bewegende Kraft wirkt. Bei der Kolbendampfmaschine tritt der Dampf aus dem Dampfkessel in einen hohlen Cylinder, in welchem sich ein luftdicht schliessender Kolben auf und ab bewegt.

Hochdruckmaschine

Bei der Hochdruckmaschine tritt Dampf von hoher Spannung abwechselnd auf die eine und die andere Seite des Kolbens, bewegt ihn jedesmal bis ans Ende des Cyliuders und entweicht.

Expansionsmaschine

Die Expansionsmaschine sperrt den Dampf ab, nachdem der Kolben einen Theil seines Weges vollendet hat, die blosse Expansion des Dampfes treibt dann den Kolben mit abnehmendem Druck bis aus Ende des Cylinders.

Stehende Dampfmaschinen

Die meisten stehenden Dampfmaschinen sind Hochdruckmaschinen mit Expansion. Die bewegende Kraft wird durch den Ueberschuss des Dampfdrucks über den Druck der Atmosphäre bestimmt.

Niederdruckmaschine

Die Dampfmaschinen mit Kondensation ist vorzugsweise Niederdruckmaschine und wird besonders als Schiffsmaschine benutzt. Hier wird der Dampf abwechselnd auf einer Seite des Kolbens durch Einspritzung von kaltem Wasser verdichtet, es entsteht ein luftverdünnter Raum und der auf die andere Seite des Kolbens in den Cylinder eintretende Dampf von gewöhnlicher Spannung treibt den Kolben nieder. Die Wirkung bestimmt sich durch den Unterschied des Volumens, welches der Dampf im Verhältniss zur Flüssigkeit einnimmt.

Woolfsche Dampfmaschine

Bei der woolfschen Dampfmaschine tritt der Dampf in einen kleinen Cylinder, dann, um sich zu expandiren, in einen grossen, welcher mit Kondensation verbunden ist.

Unterscheidungen

Man unterscheidet: stehende Dampfmaschinen mit vertikalem, liegende mit horizontalem und oscillirende mit um eine horizontale Axe schwingendem Cylinder.

Westfälisch adeliges Unternehmertum: Luisenhütte Wocklum(1758-1864), Zchng. nach E.Tull

Arbeitsgang

Die hin- und hergehende Bewegung des Kolbens mit der Kolbenstange genügt entweder zur Verrichtung der Arbeit oder wird durch Zwischenmaschinen in eine rotirende verwandelt.

Mit und ohne Balancier

Hierbei unterscheidet man Dampfmaschinen mit und ohne Balancier. Der wattsche Balancier ist ein doppelarmiger Hebel, auf dessen einen Endpunkt die Kolbenstange vermittelst des Parallelogramms wirkt, während der andere Endpunkt durch Kurbelstange und Krummzapfen die Welle des Schwungrades ir Rotation versetzt. Letzteres bedingt durch seine lebendige Kraft (Trägheit) den gleichmässigen Gang der Maschine. Der Balancier findet besonders bei Kondensationsmaschinen Anwendung, bei den übrigen (direkt wirkende Dampfmaschinen) wird durch Pleuelstange und Kurbel die Bewegung der Kolbenstange auf die Schwungradwelle übertragen.

Dampfschiffe beenden Treidel- und Segelschifffahrt

Leistungsfähige Dampfschiffe bewirken den Niedergang der Treidel- und Segelschifffahrt und deren Ende etwa ab 1850 (Rhein).

  • 1829 Bau von Raddampfern auf der Werft von Jacobi, Haniel und Huyssen in Ruhrort für den Kohletransport, 1899 geschlossen wegen holländischer Konkurrenz.

Dampfölmühle

  • 1824/25 Dampf-Ölmühle gegründet von Franz Haniel in Ruhrort, stillgelegt nach 13 Jahren.

Dampfturbienen

Bei einiger neueren (1872) Dampfmaschinen fehlt der Kolben und der Dampf wirkt z. B. auf die Schaufeln eines in einem Gehäuse befindlichen Rades (rotierende Dampfmaschinen), dadurch direkt eine rotirende Bewegung hervorbringend.

Nutzeffekt

Der Nutzeffekt der Dampfmaschinen lässt sich durch Rechnung und Beobachtung (mit Indikator am Cylinder, mit Dynamometer an der Schwungradwelle) bestimmen, der theoretisch abgeleitete Nutzeffekt wird (1872) in der Praxis nie auch nur annähernd erreicht.

Leistungsangaben

Die Leistungen der Dampfmaschinen werden nach altem Herkommen noch heute (1872) in Pferdekräften (Ps) angegeben.

Geschichte

Die erstes Anfänge der Dampfmaschinen reichen bis ins Alterthun (s. Aeolipile). Salomon de Gaus (1615) und im Anschluss an ihn der Marqüis von Worcester wussten Wasser durch Hülfe des Feuers zu heben. Papin beschrieb 1690 die durch Dampf bewirkte Bewegung eines Kolbens in einem Cylinder, Savery baute dann 1696 die erste praktisch verwendbare Dampfmaschine, Newcomen und Cowley verbesserten sie und Watt brachte sie bereits zu hoher Vollendung, er trennte den Kondensator vom Kolben (1769), baute 1774 die doppeltwirkende Dampfmaschine, bei welcher der Dampf abwechselnd auf beide Seiten des Kolbens tritt, erfand das Parallelogramm (1784), den Centrifugalregulator zur Erzielung gleichmässiger Arbeit der Maschine und die Expansionsmaschine.

  • Quelle: Meyers Handlexikon 1872.
Dampffeuerspritze von 1884 als Pferdekutsche mit Alarlmglocke v. Shand (GB)

Unterschiedliche Anwendungen von Dampfmaschinen:

Kindervers im Münsterland:
Waren Dampfmaschinen früher in Betrieb, war deren Rauch in der münsterländischen Parklandschaft schon von weither erkennbar. Spielende Kinder in den Nachbarschaften sangen dann den Reim:
" Dämpers Wilm hät de Piep ant schmülln! ". Diesr Reim wurde noch 1950 um Haltern am See gesungen, wenn der Lohndrescher mit Dreschkasten und dem Lanzbulldog auftauchte.

Dampfmaschinenbetriebe 1832

Beispiel im der Bürgermeisterei Hörde

  • Barop: Alte Weib & Forelle, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Hörde: Vereinigte Bickefeld, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Brünninghausen: Friedrich Wilhelm, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Hörde: Fündling & Dahlacker, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Schüren: Hellenbank, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Schüren: Schürbank & Charlottenburg, Kohlezeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschinen
  • Hörde: Trappen Spemann & Comp., Ölfabrik mittels einer Dampfmaschine u. hydrailischer Presse.

Dampfmaschine als Schmalspurbahn

Beispiele für Industrieeinsatz

  • 1803 Aufstellung einer „Wasserhaltungsmaschine" auf der Zeche Vollmond bei Langendreer.
  • 1808 Überlassung von Holz aus dem Schulte- Isingsbusch bei Steele an den Hofrat von Schmtiz und Halfmann am Neuenstein zu einer Dampfmaschine der Zeche Deimelsberg
  • 1822 – 1825 Bau einer Tretradkunst zur Soleförderung mittels einer Dampfmaschine zur Förderung, Hebung und Führung von Sole (1822, Bad Sassendorf)
  • 1824-1834 Transport und Aufstellung der Cockerillschen Hochdruckmaschine zur Wasserhaltung auf der Grube Schwalbach und Aufstellung der zu Düppenweiler stehenden Dampfmaschine zur Wasserhaltung auf der Grube Kronprinz Friedrich Wilhelm
  • 1832 Kohlenzeche mit Tiefbau mittels Dampfmaschine
  • 1847-1855 Wocklumer Hütte: Konzession zur Aufstellung einer Dampfmaschine (mit Plänen, auch eines Gebläse-Rades)
  • 1853-55 Verleihung einer Dampfmaschine an Schmiedemeister Tasche in Wehringhausen,
  • Dampfstraßenbahn
  • 1918 Lokomobile mit Transmissionsscheibe in Deutsch-Südwestafrika

Die historische Fördermaschine im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten:

Fördermaschine im LWL-Industriemuseum Witten

Die historische Fördermaschine im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten ist ein Schmuckstück des Dampfzeitalters. Vor über 120 Jahren drehten sich die gewaltigen Schwungräder im Maschinenhaus. Einst beförderte eine baugleiche Maschine auf der Zeche Nachtigall Bergleute und Gerät in die Tiefe und brachte dagegen die Kohle ans Tageslicht.

Die Wittener Dampfmaschine hat eine abwechslungsreiche Einsatzgeschichte: Gebaut wurde sie für eine Baumwollspinnerei in Gronau (Kreis Borken), wo sie 1887 in Betrieb ging. Nach mehr als 20 Jahren Arbeit in der Textilindustrie erfolgte 1911 ein Umbau für den Einsatz als Abteuf-Fördermaschine auf Zeche Jacobi in Oberhausen.

1921 bis 1973 tat die Dampfmaschine ihren Dienst auf der Zeche Franz-Haniel (später Prosper Haniel) in Bottrop. Nach der Stilllegung übernahm das LWL-Industriemuseum 1987 den Dinosaurier der Technik für seinen Standort in Witten.

Herst.; 1918 Ransomes, Sims & Jeffries Ld., Ipswich, England, Einfuhr in Namibia: Mangold Brothers, Engineers, Port Elizabeth

Zechentiefbau erhöhte Personalbedarf

Der Einsatz der Dampfmaschinen im Bergbau bei der Entwässerung der Strecken, zur Steigerung der Förderung von Lasten und Personen (Fahrkunst), bei der Grubenbewetterung oder bei der Zerkleinerung von Gesteinen in Pochwerken, förderte die Erschließung tiefer liegender Kohlefelder ungemein. In kürzester Zeit stieg der Personalbedarf bei den Zechengesellschaften zur Mitte 19. Jahrhunderts so stark, daß dieser zunächst nicht mehr durch das lokale und regionale Personalangebot aus dem umliegenden ländlichen Bereich gedeckt werden konnte. Mit der erhöhten Kohleproduktion einher ging die Ausweitung des Hüttenwesens zur Metallgewinnung und erhöhte ebenfalls in Konkurrenz die Personalnachfrage. Dies führte zwangsläufig zu Werbemaßnahmen und Einsatz von Personalwerbern bis hin in die slavischen Regionen, gleichzeitig setzte in der Mitte des 19. Jahrhundert die Auswanderung besonders nach Übersee ein. Die erfolgreichen Anwerbungen führten zu einer Bevölkerungsexplosion im Ruhrgebiet mit tiefgreifenden und nachhaltigen Konsequenzen in der Infrastruktur, im Städtebau, im Verkehrswesen, Hygiene und in der Dynamik des sozialen Umfeldes. So stieg z.B. in der Stadt Hörde die Zahl der Einwohner dramatisch von 1.333 im Jahre 1832 auf 18.698 im Jahre 1895.

Auswirkungen in der Familienforschung

Auf die Bevölkwerungsexplosion im Ruhrgiebiet und anderen späteren Ballungsräumen war die vohandene Verwaltung im kommunalen und kirchlichen Bereich nicht vorbereitet. Die verlässliche Datenerfassung, besonders des Gebutsortes und -datums bei Zuzügen, in Bevölkerungsverzeichnissen entwickelte sich erst allmählich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben den bekannten Aufschreibungen in Kirchenbüchern und Personenstandsregistern.

Bei der Familienforschung ist mit Ausdehnung der Industriealisierung in dieser Zeit der mögliche Wohnortwechsel zu neu gegründeten Firmen (Zechen, Hütten) und deren Filialen (Gruben) in anderen Orten zu beachten, was z.B. zu verschiedenen Geburtsorten bei den Kindern oder Zweitheiraten nach Wittwerschaft in anderen Orten führen kann. Bei diesen Wohnortwechseln wurden im 19. Jhdt. teilweise polizeiliche Führungszeugnisse bei den Kommunen verlangt und vorgelegt (Archiv). Ab 1841/45 wurden in Westfalen Zu- und Abgänge in der Bevölkerung in sogenannten Hauskatastern erfaßt, manchmal mit Adreßangabe im neuen Wohnort.

Familienforschung im Bahnbau

Zum Transport der steigenden Fördermengen bei der Kohle und der Eisenprodukte im Hüttenwesen mußten schnellstmöglichst Transportwege für den durch den Einsatz der Dampfmaschine ermöglichten Schienenverkehr erstellt werden. Hier finden wir begleitend ähnliche Phänomene in der Familienforschung wie im Bergbau Mitte des 19. Jahrhundert bei den Beschäftigten im weiterschreitenden Bahnbau und bei den neugegründeten Eisenbahnbetriegsgesellschaften. Es ergaben sich völlig neue Berufsbilder. Neue flexible Mitarbeiter wurden angeworben und ausgebildet und ausgebildete Mitarbeiter zum Anlernen und zur Aufsicht neuer Mitarbeiter an neue Einsatzorte versetzt, die ihre Familien mit auf die Reise nahmen, sogar bis nach Deutsch-Südwestafrika.

Archive

Wirtschaft in Westfalen und Lippe
Zur Lebensbeschreibung (Biografien) von Vofahren sind weitere Daten aus deren Lebensumfeld interessant. In Wirtschaftsarchiven findet man Quellen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, aber auch zur politischen Geschichte, Technik- und Rechtsgeschichte, Stadtgeschichte und Landeskunde, Mediengeschichte und in Einzelfällen auch zu Randbereichen wie Kunst- oder Architekturgeschichte.

Literatur

  • Emsmann: Die Dampfmaschine (1858)
  • Schmidt: Theorie der Dampfmaschine, Fortschritte in der Konstruktion der Dampfmaschine (1854 — 64)
  • die Handbücher von Rülelmann, Weisbach, Scholl zur Dampfmaschine.

Weblinks

Persönliche Werkzeuge