Computergenealogie/2001/08

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.

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Inhaltsverzeichnis

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Familienforschung, Ahnenforschung, Genealogie: das klingt nach Wissenschaft, auch die Methoden der Recherche und Quellenverwaltung entsprechen denen der Forschung - aber das mag vielen Familienforschern gar nicht so bewusst sein.

Meist gilt die Genealogie als historische Hilfswissenschaft, ihre Verquickung mit der ideologischen Pseudo-Wissenschaft "Rassenkunde" ist berüchtigt und belastet die Familienforschung bis heute - aber dass sie auch bei der Klärung einer medizinischen Frage helfen kann, ist neu.

Über beides berichtet diese Sommer-Ausgabe der Computergenealogie. Und weil wir annehmen, dass Sie um diese Jahreszeit lieber im Liegestuhl ein gutes Buch lesen (wir empfehlen Ihnen eines) als vor dem Computer zu sitzen, haben wir den nächsten großen Software-Test für den September aufgespart... (re)

Internet

Schwarze Bretter mit Langzeitgedächtnis

Neue Messageboards bei Rootsweb

Seitdem sich die engagierten Freiwilligen von Rootsweb mit den finanzkräftigen Leuten von Ancestry (MyFamily.com Inc.) zusammengetan haben, hat es bereits einige Neuerungen auf Rootsweb gegeben. Das neueste Projekt dieser Zusammenarbeit sind die neuen "Schwarzen Bretter" ( = Messageboards), die jetzt einige zusätzliche Funktionen bieten. Diese Messageboards - man findet sie unter http://boards.rootsweb.com - vereinen die bisherigen Boards von Rootsweb und Ancestry (auf http://www.familyhistory.com/). Das durchsuchbare Archiv enthält mehr als 15 Millionen Nachrichten aus den Jahren seit 1987.

Vor der Neugestaltung gab es auf beiden Seiten Boards mit ähnlichen Themen. Nutzer konnten oder mussten in beiden Systemen posten oder suchen, denn hier wie da gab es Boards zu Tausenden von Nachnamen und zu ähnlichen Themen, zum Beispiel regionale Forschung. Nun findet man alles unter einem Dach.

Egal, ob man von Rootsweb oder Ancestry kommt, man hat immer die gleiche Startseite vor sich. Registrierte Benutzer von Ancestry können sich mit ihrem Benutzernamen und Passwort einloggen und erweiterte Funktionen nutzen. Sie können Boards und Autoren zu den Favoriten hinzufügen um interessante Diskussionsforen schnell wiederzufinden.Sie können sich per E-Mail benachrichtigen lassen, wenn auf "Ihren" Boards neue Nachrichten geschrieben wurden.

Den umfangreichen Datenbestand kann man durchsuchen und dazu entweder die einfache oder die erweiterte Form der Suche benutzen. Nach interessanten Boards, zum Beispiel für den eigenen Familiennamen oder die Namen, nach denen man forscht, kann man per Suchformular suchen oder aber sich durch die einzelnen Ordner durchklicken. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre dieser Informationspool gar nicht so umfangreich, aber Klicks auf "Browse all Localities" bzw. "Browse all Topics" zeigen, dass sehr viele Diskussionsforen vorhanden sind.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die Nachrichten der Boards anzeigen zu lassen: entweder nach Thread oder nach Datum, und entweder "collapsed" (was bedeutet, dass zunächst nur die Betreffzeilen angezeigt werden) oder "expanded" (was bedeutet, dass auch gleich die gesamte Nachricht zu lesen ist). Klickt man die Namen der Autoren an, kann man sehen, wie viele Nachrichten sie wann und auf welchen Boards geschrieben haben.

Wenn man sich auf einem Board befindet, sieht man immer sehr gut, wo man innerhalb der Hierarchie ist und kann bei Bedarf jeweils in höhere Ebenen gelangen. Kategorien und Boards können zu den Favoriten hinzugefügt werden. In den Kategorien scheinen Erweiterungen in Form weiterer Unterkategorien geplant zu sein. Begibt man sich in eine Kategorie wie z.B. Ostfriesland, kann man dort bisher nur auf "General" (allgemeine Diskussionsthemen) klicken.. Möglicherweise wird hier später einmal erweitert.

Ganz wichtig ist die Tatsache, dass mit den Nachrichten aus den früheren Jahren ein wertvolles Archiv zur Verfügung steht. Wenn man die Nachrichten der vergangenen Jahre (und natürlich die aktuellen!) durchsucht, werden die Ergebnisse nun nach Relevanz sortiert. Weiter kann man für die Suche auch Wildcards verwenden und spezielle Suchoperationen durchführen: Bei der Wildcard-Suche müssen mindestens drei Buchstaben eingegeben werden. So bringt eine Suche nach Wen* Ergebnisse auch zu den Namen Wenck, Wend, Wende, Wendeln, Wendtlandt etc. Ferner kann mit Plus- und Minuszeichen das Vorkommen von Begriffen erzwungen bzw. ausgeschlossen werden. Man kann die Nachrichten nach Kategorien filtern. Innerhalb von Messageboards sind erweiterte Suchen möglich. Dazu klickt man auf "Advanced Search".

Die Vorteile von Nachrichten auf den Messageboards gegenüber Nachrichten in Mailinglisten ohne durchsuchbares Archiv sind: Andere Forscher können auch noch nach Jahren feststellen, dass Sie (ja, SIE sind gemeint!) etwas Interessantes geschrieben haben, dass da eventuell Anknüpfungspunkte bestehen. Wenn denn nun Ihre E-Mail-Adresse von damals immer noch stimmt ... Die Boards laufen stabil und schnell, man kann entweder als Gast schreiben oder als registrierter Nutzer von Ancestry. Sogar Anhänge an Nachrichten sind möglich, beispielsweise eingescannte Dokumente, Familienfotos, Gedcom-Dateien. Überlegen Sie aber gut, was Sie dort veröffentlichen wollen. Das Archiv wird auch von Suchmachinen indexiert. Dadurch wird eine breite Öffentlichkeit erreicht. Achtung also: Erst nachdenken, dann schreiben! Zwar können Nachrichten notfalls auch nachträglich noch gelöscht werden, diese Möglichkeit sollte aber wirklich nur im Notfall in Anspruch genommen werden.

Viele, aber nicht alle Boards werden von Freiwilligen verwaltet und beaufsichtigt. Kontaktinformationen der Verwalter sind jeweils unter "Links & Announcements" zu finden. Unten auf jeder Seiten gibt es Links zu den Regeln, zu den FAQs, und zur Hilfe. Einmal kurz drüberlesen ist in jedem Fall empfehlenswert.

Auch wenn die Umstellung noch eine Weile dauern wird und noch nicht alle geplanten neuen Funktionen aktiv sind, die neuen Messageboards sind in jedem Fall einen Besuch wert. (bw)


Online-Ortsfamilienbücher

Wieder zwei neue OFBs online

Mitglieder der MAUS zwei weitere Ortsfamilienbücher online veröffentlicht: Stuhr und Meyenburg.

Das Kirchspiel Stuhr, südwestlich von Bremen am Rande von Bremen-Huchting und Delmenhorst gelegen, ist identisch mit der bis 1974 dem Landkreis Oldenburg angehörenden Gemeinde Stuhr und ihren Ortsteilen Stuhr (Stuhr, Stuhrreihe, Stuhrbaum, Brinkumer Moor), Kladdingen (Kladdingen, Kuhlen, Gehrden) Moordeich (Moordeich, Barken, Königshof), Varrel (Varrel, Tölkenbrück, Barkendamm) und Obernheide (Obernheide, Blocken, Ströhen, Zur Landwehr). In der Online-Datenbank "Stuhr und Umgebung" hat der Bearbeiter Volkmar Häseker bis heute insgesamt 20749 Personen in 6014 Familien erfasst. Meyenburg ist ein kleiner Ort am Rande der Geest und der Osterstader Marsch, nördlich von Bremen gelegen. Johann Wellmann hat in der Online-Datenbank bisher ca. 7700 erfasst und dabei die Original Kirchenbücher aus den Jahren 1694 - 1907 ausgewertet.

Beide OFB´s wurden mit dem Programm GenProfi erfasst. Die Umsetzung in die Online OFBs basiert auf einer Gedcom-Datei und wurde von Herbert Juling in die inwischen schon fast zum Standard gewordene Form der Online OFBs gebracht. Der Verein für Computergenealogie stellt die Infrastruktur zur Verfügung.

Die technischen Ressourcen für die Online-Veröffentlichung weiterer Ortsfamilienbücher werden vom Verein für Computergenealogie e. V. zur Verfügung gestellt. Über die Adressen http://db.genealogy.net/ofb/ und http://www.ortsfamilienbuecher.de können die Online OFBs abgefragt werden. Wer die vorstehende Liste um die Kirchenbücher seines Heimatortes erweitert sehen will ist aufgerufen, sich mit dem Verein für Computergenealogie e. V. - compgen@genealogy.net oder direkt mit Dr. Herbert Juling - juling@lesum.de in Verbindung zu setzen. (hjw, kpw)


Deutsch-schwedische Familienforschung

Ein schwedischer Verein für Familienforschung hat eine deutschsprachige Seite mit vielen Informationen zur Familienforschung in Schweden ins Netz gestellt. In den so genannten "G-Gruppen" haben sich schwedische Familienforscher mit deutschen Ahnen zusammengeschlossen. Jeder fünfte heute lebende Schwede soll Vorfahren deutscher Herkunft haben. Auf der Webseite http://www.g-gruppen.net/schwede.htm findet man umfangreiche Informationen über Kirchenbücher in Schweden, Archive und ihre Organisation, Literatur und Bibliotheken, Vereine für Familienforschung, schwedische Computergenealogie, Forscherhilfe und Auftragsforschung für den Schwedenforscher. (bw)


Traueranzeigen aus Hamburg

Die Genealogischen Gesellschaft, Sitz Hamburg, e.V. (http://gghh.genealogy.net) hat eine Datenbank mit den Traueranzeigen aus Hamburger Tageszeitungen unter dem URL http://db.genealogy.net/GGHH/anzeigen.htm online gestellt. Zur Zeit sind die Daten aus dem Hamburger Abendblatt des Jahres 2000 mit rund 3600 Datensätzen abrufbar. Die Datenbank soll mit den Daten des laufenden Jahres und einiger anderer lokalen Zeitungen ergänzt werden.

Software

Entwarnung und Warnung

Spionage-Software in Genealogie- und anderen Programmen

Im Heft 8 (S. 120) der com!online wurde unter der Überschrift Spion im Computer gemeldet: Bedenklich ist das Vorgehen des Kinder- und Lern-Software-Herstellers The Learning Company. Die US-Firma setzt in einigen Programmen die Spionage-Software DSS-Agent ein. Das Spähtool ist beispielsweise in der Stammbaum-Software Family Tree Maker enthalten - und treibt es bunt: Es verändert die Registry, verkleidet sich als Systemdatei, versteckt sich im Windows-Verzeichnis und leitet verschlüsselte Informationen an The Learning Company weiter. ... Die Computergenealogie-Redaktion der hat The Learning Company mit diesem Vorwurf konfrontiert und umgehend folgende Stellungnahme erhalten:

Oberhaching, 26. Juli 2001 - ... Die hier erwähnte Spionagesoftware DSS-Agent war nie in der deutschen Version enthalten und ist auch aus der US-Version mittlerweile entfernt worden. Die deutsche Software kann also bedenkenlos angewendet werden.

Nichts desto trotz ist das Thema Spionagesoftware im Computer aktuell. Werbefinanzierte Programme greifen oft auf solche Hilfsmittel zurück, um über die so gewonnen Informationen den "Kunden" mit interessengerechter Werbung zu versorgen. Jeder kann dagegen Vorsorge treffen. Auf den nachfolgend genannten Websites (eine Auswahl) finden sich Infos und Schutzprogramme: http://www.spychecker.com/, http://support.learningco.com/brodcastpatch.asp, http://www.lavasoftUSA.com. (vn, dr)


Globales Suchen und Ersetzen in GedTool

Im letzten Newsletter berichteten wir über das Programm GedTool. Die seit kurzem erhältliche Version 1.3 bietet folgende Neuigkeit: Mit der Funktion "globales Suchen und Ersetzen" können die Inhalte einer oder mehrerer beliebiger Spalten der ersten Gedcom-Datei durch einen neuen Inhalt geändert werden. Im ersten Schritt muss man die Spalten, welche geändert werden sollen, rot markieren. Dies ist auch blätterübergreifend möglich. Nach Betätigung der Schaltfläche "Vorbereiten globales Suchen und Ersetzen" werden alle markierten Spalten analysiert und die gefundenen Feldinhalte sortiert in Listform in einem neuen Blatt ("Change") ausgegeben. In diesem Blatt können nun die neuen Inhalte in der Spalte "Ersetzen durch" eingegeben werden. Im zweiten Schritt werden nach Betätigen der Schaltfläche "Durchführen globales Suchen und Ersetzen" die Inhalte der markierten Spalten geändert. Auf diese Art und Weise ist es zum Beispiel möglich, alle Orte einer Genealogiedatei über mehrere Blätter hinweg (Personendaten, Familiendaten) zu ändern. (vn)


Einfachere Datenübertragung in Brother's Keeper

Für das beliebte Windows-Genealogie-Programm Brother's Keeper von John Steed gibt es seit kurzem das Zusatztool BK5Edit (32-Bit-Version für Windows 95, 98, NT) bzw. BKEdit16 (16-Bit-Version für Windows 3.1 und 3.11). Der Entwickler Günter Zerweck schreibt dazu: "Man möchte immer mal wieder Daten von einer Person kopieren und bei einer anderen (oder neuen) Person einfügen. Brother's Keeper läßt es nun leider nicht zu, gleichzeitig die "Person bearbeiten"-Fenster von zwei Personen zu öffnen, und dann mit den üblichen Windows- Befehlstasten für Kopieren und Einfügen Daten von einer Person zur anderen zu übertragen. Das Shareware-Zusatztool BK5Edit bzw. BKEdit16 bietet nun eine gleichwertige Möglichkeit. Dabei können "Quell-Person" und "Ziel-Person" sogar in verschiedenen Verzeichnissen stehen. Nach der Auswahl von Quell- und Ziel-Person (über Namen oder BK-#) öffnet sich zusammen mit dem "Person-bearbeiten"-Fenster von Brother's Keeper der Ziel-Person ein zusätzliches Dialogfenster mit den wesentlichen Daten der Quell-Person. So können alle gewünschten Daten einfach mit den üblichen Windows-Tastenbefehlen übertragen werden." Das Programm kann von der Seite http://guenter.zerweck.bei.t-online.de/ heruntergeladen werden. (bw)


Mailingliste für GFAHNEN

Seit kurzem können Anwender des Genealogieprogramms GFAHNEN sich über eine Mailingliste austauschen. Anmelden zur Mailingliste über die Listinfoseite: http://list.genealogy.net/mm/listinfo/gfahnen-L. GFAHNEN ist ein Genealogieprogramm, das dem privaten Familienforscher die Verwaltung seiner Forschungsergebnisse ermöglicht. Es kann nicht nur von Mitgliedern der GFF, sondern von jedermann erworben werden. Über eine Gedcom-Schnittstelle können Daten zwischen GFAHNEN und anderen Genealogieprogrammen ausgetauscht werden. Weitere Informationen über GFAHNEN erhalten Sie unter http://www.gfahnen.de. (kpw)

Wissen

Päpstliche Revolution

Wie unser Kalender entstand

Unsere heutige Zählung der Jahre, Monate und Tage gilt erst seit rund 420 Jahren. Papst Gregor XIII. (1572-1585) führte den nach ihm benannten Kalender ein, der in den meisten katholischen Staaten ab dem 4. Oktober 1582 des Julianischen Kalenders galt. Der nächste Tag war demzufolge der 15 Oktober des neuen Kalenders. Auf diese Weise wurde die Abweichung zwischen Julianischem Kalender und der Tagundnachtgleiche korrigiert, die bis dahin aufgetreten war.

Wenn man historische Daten vergleicht, muss man aufpassen, dass der Gregorianische Kalender, der heute in allen westlichen Ländern und auch im internationalen Handel verwendet wird, in vielen Staaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt wurde. Im Britischen Imperium wurde der Wechsel z.B. erst 1752 vollzogen, wo dann Donnerstag, 14. September auf Mittwoch, den 2. September folgte.

Der Gregorianische Kalender beseitigt ein paar kleine Fehler des Julianischen Kalenders. Im Julianischen Kalender findet alle 4 Jahre ein Schaltjahr statt - der Februar hat dann 29 statt 28 Tage. Im Gregorianischen Kalender fallen die Schaltjahre in allen durch 100 teilbaren Jahren aus, außer sie sind zusätzlich durch 400 teilbar. Wie beim Julianischen Kalender beginnt jeder Tag um Mitternacht.

Die durchschnittliche Länge eines Gregorianischen Kalenderjahres beträgt 365,2425, während das tatsächliche tropische Sonnenjahr (die Zeit zwischen zwei Tagundnachtgleichen) eigentlich 365,24219878 Tage hat. In circa 3.300 Jahren kommt so ein Fehler von einem Tag zum Sonnenjahr zustanden. Der Gregorianische Kalender ist ein reiner Sonnenkalender, so dass beim Beginn der Monate keine Rücksicht auf die Phasen des Mondes genommen werden muss.

Eigentlich kann man vor 1582 nicht vom "Gregorianischen Datum" sprechen, doch der Kalender kann auch über diesen Zeitpunkt hinaus extrapolieren. Dabei geht man meistens davon aus, dass vor dem Jahr 1 das Jahr 0 lag. Der Julianische Kalender kennt im Gegensatz dazu kein Jahr Null - hier folgenden die Jahre -1 und 1 direkt aufeinander. Demnach entspricht das Datum 30. Dezember 0 des Gregorianischen Kalenders dem 1. Januar 1 des Julianischen Kalenders. (jz)


Ichthyose durch Implex

Genealogie hilft Genforschern

In einer schwäbischen Familie leiden alle vier Kinder einer Familie unter einer seltenen, ererbten Hautkrankheit, der Ichthyose. Sie tritt nur auf, wenn beide Eltern einen bestimmten Chromosomen-Defekt vererben. Bei dieser Familie fanden die Forscher des Max-Delbrück-Centrums in Berlin-Buch, Abteilung Molekulare Genetik und Zentrum für Genkartierung, sogar absolut identische Abschnitte auf dem fraglichen Chromosom bei allen vier Kindern. Und das kann nur passieren, wenn die Eltern nicht nur beide die Krankheit übertragen, sondern aus derselben Familie stammen. Recherchen in Kirchenbüchern ergaben tatsächlich, dass zwei Vorfahren der Eltern 1679 geheiratet hatten - ein klassischer Implex, auch Ahnenschwund genannt. Mehr als dreihundert Jahre lang hatten Nachfahren dieses Paares den Gendefekt ohne Folgen für ihre Kinder vererbt, bis die beiden Kopien des veränderten Chromosoms wieder zusammentrafen als Cousin und Cousine achten Grades heirateten (American Journal of Human Genetics, Bd. 69, S. 216, 2001).

Die Forscher am Zentrum für Genkartierung befassen sich sowohl mit Krankheiten, die durch ein einzelnes Gen übertragen werden als auch solchen, die durch mehrere genetische Veränderungen ausgelöst werden. Genetik und Genealogie gehen da in Fällen wie dem obigen Hand in Hand. (re)

Vereine

Visitenkarte

Verein für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden e.V.

Der Verein wurde im Jahre 1920 als "Verein für Württembergische Familienkunde" in Stuttgart gegründet. Heute hat der Verein ca. 1370 Mitglieder. Das Forschungsgebiet des Vereins umfasst das ganze Land Baden-Württemberg. Neben der Geschäftsstelle in Stuttgart gibt es Regionalgruppen in Aalen, Freiburg, Pforzheim, Herrenberg und Biberach.

Die Bibliothek des Vereins mit einem Bestand von 420 lfd. Metern befindet sich in einem Nebengebäude der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart, Gaisburgstr. 4a. Die Geschäftsstelle und Bibliothek sind jeweils donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Neben der dort möglichen Beratung in genealogischen Fragen findet jeweils am letzten Freitag im Monat eine Vortragsveranstaltung in Stuttgart statt.

Die Regionalgruppen treffen sich regelmäßig zu Arbeitstreffen, wo man sich beraten lassen kann. Sie müssen also nicht unbedingt nach Stuttgart kommen, wenn Sie in Baden oder auf der Ostalb wohnen.

Neben der im Mitgliedsbeitrag von DM 40,- enthaltenen vierteljährlich erscheinenden Vereinszeitschrift Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde gibt der Verein Einzelveröffentlichungen und in unregelmäßigen Abständen die Reihen Südwestdeutsche Ahnenlisten und Ahnentafeln, Südwestdeutsche Quellen zur Familien- und Wappenkunde und Ortsfremde in württembergischen Kirchenbüchern heraus.

Kontaktadresse: Geschäftsstelle des Vereins für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden e.V., Postfach 10 54 41, 70047 Stuttgart, E-Mail: wappen@wlb-stuttgart.de, Homepage: http://vfwkwb.genealogy.net. (Albrecht Gühring, 1. Vorsitzender)


Genealoge mit Bundesverdienstkreuz

Nachruf auf Franz Schubert

Franz Schubert wandte sich 1976 der Familienforschung zu und veröffentlichte schon 1979 den ersten Faszikel von Anno 1704 - 300 mecklenburgische Pastoren berichten über ihre Kirchspiele, über ihre dienstlichen und persönlichen Verhältnisse und ihre 100 000 Beichtkinder im Selbstverlag. Damit legte er den Grundstein zu seinen Quellen zur Bevölkerungsgeschichte Norddeutschlands. Seine Quellen reichen von Beichtkinderverzeichnissen über Kopulationsregister, Volkszählungs-, Kontributions-, Grundbesitzer- und Steuerlisten bis zu Bürgeraufnahmen der großen Städte. Sie umfassen die Gebiete Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Vorpommern, Hinterpommern und Berlin.

In den Jahren 1985 bis 1994 leitete er als 1. Vorsitzender die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen, die in diesem Jahr ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Im Jahre 1990 erhielt er für seine Arbeit zur Pflege mecklenburgischer Tradition und Kultur die Friedrich-Lisch-Medaille der Stiftung Mecklenburg. Zwei Jahre später wurde er mit der Johann-Christoph-Gatterer-Medaille in Silber geehrt. Im Jahre 1997 wurde er Ehrenvorsitzender des Landesarbeitskreises Familien- und Personenforschung im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und ein Jahr später Ehrenmitglied des 1997 gegründeten Vereins für Mecklenburgische Familien- und Personengeschichte.

Beim Neujahrsempfang 1999 der Stadt Kitzingen wurde ihm dann aufgrund der Initiative der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Kitzingen war zu seinem letzten Aufenthaltsort geworden, nachdem er Göttingen verlassen hatte.

Bleibt zu hoffen, daß seine Tochter, die auch im Verlagswesen tätig ist, seine Arbeit fortsetzt. Es wäre schade, wenn die Bearbeiter der einzelnen Quellen keinen Ansprechpartner hätten, und aus diesem Grund dann vielleicht die bei ihnen teilweise schon vorliegenden Arbeiten liegenbleiben. Besonders bedauerlich wäre es, wenn deshalb einzelne Veröffentlichungen nicht zustande kommen.

Anfang Juli starb Franz Schubert im 85. Lebensjahr im Krankenhaus. Sein Wirken für die Genealogie wird unvergessen bleiben. (Bernd Wedekind)

Medien

Sieben Ur-Mütter

Erkenntnisse der "Gen-Archäologie"

Als Genealogin habe ich mich auf die Erforschung der weiblichen Linien spezialisiert. Deshalb fiel mir auch vor einigen Monaten ein Hinweis in einer Zeitschrift sofort ins Auge: Da hatte ein Professor der Oxford Universität entdeckt, dass man durch Analyse der Mitochondrien herausfinden kann, von welcher Vorfahrin man abstammt.

Mitochondrien sind die "Kraftwerke" in jeder Körperzelle, die nur von der Mutter an ihre Kinder weitervererbt werden. Durch diese Tatsache gelang es Professor Bryan Sykes (http://www.imm.ox.ac.uk/), die weiblichen Vorfahren aller heutigen Europäer zu ermitteln (mit wenigen Ausnahmen von etwa 1%). Alle heute lebenden 650 Millionen Europäer lassen sich auf nur sieben Stamm-Mütter zurückführen.

Der "Gen-Archäologe" hat ein Buch über seine Forschung geschrieben, das nun unter dem Titel "Die sieben Töchter Evas" auf Deutsch erschien. Es ist eine lohnende Lektüre für alle, die sich für Genforschung und auch Genealogie interessieren.

Sykes beschreibt auf den 335 Seiten, wie alles begann, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hatte, schreibt über seine Fehlschläge, über erneute Versuche, über die Aufregung und Freude nach einem gelungenen Versuch. Auch die Kämpfe der Wissenschaftler untereinander lässt er nicht aus, aber immer in seiner feinfühligen Art darauf bedacht, niemandem zu nahe zu treten. Mit Leichtigkeit führt er den Leser durch die gentechnischen Versuche bis hin zum Ende, zur wissenschaftlichen Anerkennung seiner Theorie.

Sykes gelingt dies durch seine lockere und humorvolle Sprache, die es dem Leser ungemein erleichtert, ihm folgen zu können. Nicht nur, dass der Leser verstehen lernt, weshalb und wie die Erbinformationen von Generation zu Generation unverfälscht durch die Mutter weitergegeben werden, sondern auch interessante Fälle aus der Jetztzeit werden behandelt.

Bryan Sykes hat z.B. aufklären können, ob es Überlebende der Zarenfamilie gab (Fall Anastasia/Anna Anderson). Er war auch maßgeblich daran beteiligt die Identität von"Ötzi" zu erforschen und er erbrachte den Beweis, dass er tatsächlich ein Europäer gewesen ist und nicht etwa, wie zuerst vermutet, eine Inka-Mumie, die man aus Jux in den Bergen abgelegt hatte, um die Wissenschaft zu täuschen. Seine Forschungen ergaben dann auch, dass es heute noch in England Personen gibt, die eine identische Mitochondrien-DNA mit "Ötzi" haben.

Zu den wichtigen Ergebnissen von Sykes' Forschung gehört auch die Klärung der Abstammung der Basken, sowie die hochinteressante Erläuterung, weshalb alle heutigen Nichtafrikaner auf eine afrikanische Vorfahrin zurückgehen. Auch Ausnahmefälle werden in dem Buch behandelt, wie z.B. der einer englischen Lehrerin, deren Familie seit Jahrhunderten in England lebt und die eine Mitochondrien-DNA besitzt, die mit denen von polynesischen Frauen identisch ist. Irgendwann und wo muß eine Polynesierin in dieser Familie ihr Erbgut hinterlassen haben...

Alles in allem eine spannende Spurensuche nach unseren Vorfahrinnen und gleichzeitig eine Beweisführung, dass es den Begriff "Rasse" eigentlich gar nicht geben darf. (Almuth Petersen-Roil)

Brian Sykes: Die sieben Töchter Evas, Lübbe Verlag, 2001, DM 39,80 Ein Artikel über Brian Sykes Forschungen mit dem Titel Genetische Völker" gibt es nicht ist auf http://www.morgenwelt.de/wissenschaft/010518-humangenetik.htm erschienen.


Geschlechterbuch - die Zweite

Weitere acht Bände auf einer CD

Das Deutsche Geschlechterbuch bekam kürzlich seinen zweiten CD-Ableger; er enthält die Bände 11 bis 18 der Buchreihe. Die Vorzüge und Funktionen des digitalen Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien (so der Untertitel) hat Günter Junkers in der CG 01/2001 erörtert, nachzulesen unter http://www.computergenealogie.de/2001/01_2001.html#400. Sein Fazit zur ersten CD der Geschlechterbuch-Reihe: "...Die CD erspart mir den Gang in die Universitätsbibliothek, die oft die Ausleihe auf den Lesesaal beschränkt und das Fotokopieren verbietet. Meine Ausdrucke sind besser (und farbig auf einem entsprechenden Farbdrucker). Ich freue mich schon auf die nächsten CDs, die mit Preisermässigung im Abonnement erhältlich sind. Sie sind es wert, in die CD-Sammlung jedes Anwenders von Computern in der Familienforschung zu kommen.."

Links zu den Listen der auf den CDs enthaltenen Namen findet man auf http://www.rolf-freytag.de. Man kann die CDs bei Rolf Freytag bestellen zum Preis von 89 Mark, ab sieben Stück im Abo 69 Mark. Er gibt die CD gemeinsam mit Heinrich Barth und dem C.A. Starke Verlag heraus. (re)

Kaleidoskop

Viel Lärm um nichts?

Das neue Informationsfreiheitsgesetz

Mit großen Worten kündigt die Bundesregierung in diesen Tagen den Entwurf eines Gesetzes an, das sich Informationsfreiheitsgesetz (IFG) nennen wird und "allen Bürgern Zugang zu Akten und Informationen der Bundesbehören verschaffen" soll (vgl. http://www.bmi.bund.de). Rosige Zeiten für Familienforscher in Ansehung eines kommenden deutschen "Freedom of Information Act", wie unlängst schon in genealogischen Mailinglisten gemutmaßt wurde?

Keinesfalls - abgesehen davon, dass es vergleichbare Gesetze auf Landesebene bereits in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein gibt, bringt dieses Gesetz der Familienforschung gar nichts. Die für Genealogen relevanten spezialgesetzlichen Regelungen (Personenstandsgesetz, Meldegesetz, Archivgesetz, Grundbuchordnung usw.) regeln das Recht auf Akteneinsicht und Auskunft auch weiterhin eigenständig und werden vom IFG überhaupt nicht berührt. Das IFG wird lediglich einen allgemeinen Auskunftsanspruch gegen staatliche Stellen begründen, für den nach bisher geltendem Recht die Darlegung eines berechtigten oder auch rechtlichen Interesses erforderlich war. Dies ist für deutsche Verhältnisse zwar auch ein Fortschritt, betrifft aber im Kern nur allgemeine (im Zuge eines Auskunftsbegehrens dann im übrigen noch weitgehend zu anonymisierende) Verwaltungsvorgänge, keinesfalls aber die den Genealogen primär interessierenden Register, Akten- und Archivbestände. Aus der Sicht des Genealogen bleibt als Fazit: populistisches Getöse - mehr nicht. (hjw)

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