Belzig/St. d. Einheit 14

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Grundbuchblatt Blatt 26 [1]
Wohn- und Geschäftshaus Straße der Einheit 14
heute Straße der Einheit 14
Ein brauberechtigtes Wohnhaus mit Brauhaus, Ställen, Niederlage, Garten, :ein Budenhaus hinter der Mauer 211 und Durchgangsrecht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durch das Budenhaus.
Senator Friedrich August Dorno
1828 Witwe Christiane Wilhelmine geb. Leisenberg durch Erbrezess für 6487 Thaler(versichert für 4025)
Für 340 Thaler verkauft sie an die Schneiderleute Wricke das Budenhaus 1831.
1859 Kaufmann August Rosenstern
KB: + 12.01.1863 Kaufmann August Rosenstern
1863 Tuchmachermeister Ephraim Zimmermann
1896 Kaufmann Gustav Mentzel
1946 Erbschein für Ehefrau Gertrud Hanff geb. Mentzel, eingetragen 1950 Hollmann
Straße der Einheit 14 (Brandenburger Str. 56)
Barockes Wohn- und Geschäftshaus erbaut Johann Gottlob Serno Tuchhändler und damals Bürgermeister in Belzig. Der Schlussstein aus Sandstein des asymetrisch gesetzten Rundbogenportals trägt seine Initialen, *JGS*, und die Jahreszahl 1789. Ganz dem Stilempfinden des Barocks folgend, wendet das Gebäude dem Betrachter seine achtachsige doppeltragige Traufseite zu. Fünf kanneliert Kolossialpilaster, in ionischer Ordnung beide Stockwerke verbindend, gliedert die kraftvolle Barockfassade, die durch antike Vasen und geschwungene Fenstergiebel schmückend belebt wird. Das prachtvolle, mit zwei abgerundeten Gaupen, aufgelockerte Mansardendach schließt den Barockbau würdevoll ab. Doch die abgeknickte Dachkonstruktion ist nicht nur eine Augenweide, vielmehr erweist sie sich als recht nützliche Architekturleistung. Sie gibt drei weitgeräumigen Dachgeschossen halt und bietet umfangreichen Lagerraum. In der mittig in das Mansardengeschoss eingefügten Ladeluke befindet sich ein hölzerner Kranbalken, an dem die Waren, mit Hilfe eines Hanfseils in die Lagerräume transportiert wurden.
(1843) - 1849 besaß Rosenstern das Haus. Am 27. August 1849 übernachtete der preußische König Friedrich Wilhelm IV., anlässlich der Einweihung des Denkmals bei Hagelberg, in diesem Haus. 1896 ersteigerte Gustav Menzel das Haus aus einem Konkursverfahren des Tuchmachermeister Epfraim Zimmermann für 10. 000 Mark. Die beiden Seitenläden waren zu dieser Zeit noch Wohnräume, 1904 baute G. Menzel an das Wohngebäude anschließend eine Holzpantinenfabrik, welche heute als Tischlerei genutzt wird. Das Haus besitzt zwei originale flachbogige Ladenfenster und über der Hauseingangstür befindet sch ein altes Oberlicht. Das Haus ist mit einem sehr frühen Gewölbekeller teilunterkellert. Besitzer heute Familie Hollmann, davor Besitz Gustav Mentzel/ Walter Hanf. Die Familie Mentzel betrieb vom Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1940 in den Räumen der jetzigen Tischlerei, Hinterhof, eine Holzpantinenfabrik (gegründet 1865).
Am 01. Januar 1980 übernahm der Konsum das traditionelle Eisenwarengeschäft. Silvia Lüdicke hatte 1997 - 99 im linken Laden übergangsweise ihren Miederwarenladen, jetzt ist darin ein Tatoostudio. Mieter Erika Schulz. August 1904 brannte das Fabrikgebäude und der Stall. 08.04.1924 Spänebrand im Maschinenhaus.
Dreimaliges Einschlagen des Blitzes in dasselbe Haus;
aus einem Briefe an den Professor Gilbert [2] von Friedr. Aug. Serno, Kaufmann zu Belzig im Herzogtum Sachsen.
… Sie finden auf dem beiliegenden Blatte (Abb. 1) mein in der Stadt Belzig befindliches Wohnhaus, das dazu gehörige Seitengebäude und die Blitzableiter angedeutet, mit denen es im Jahr 1811 gegen die verheerenden Wirkungen des Blitzes geschützt worden ist.
Abb. 1 Abbildung des Wohnhauses


Es war im Jahre 1794, am 2. Juli, Vormittags 11 Uhr, als der Blitz das erste Mal in dasselbe einschlug. Das Gewitter kam aus Mittag, und zog bei starkem Abendwind gegen Mitternacht. Der Blitz traf den nach Mitternacht zu liegenden Giebel b, und stürzte ihn völlig herunter, zündete aber nicht. Er ging dann durch die Decke der Zimmer der zweiten Etage, welche gerohrt war, und deren Draht sich verbrannt fand, zermalmte die im Zimmer aufbewahrten und gestellten Porcellane und andere Geschirre zu kleinen Stücken, und fuhr nach einem im Fußboden befindlichen Anker, welcher im unteren Hause eine starke Waage hielt, zerschmetterte das um demselben befindliche Holz, und warf die ganze Waage herunter. Er drang von hier durch die Angeln der Thür, welche losgerissen wurde, in die 12 Fuß davon entfernte Wohnstube, wo mein Vater und mein Bruder arbeiteten. Mein Vater wurde von dem Blitz auf der linken Seite am Kopf getroffen, ein schwarzer Streif zeichnete ihn auf der ganzen Seite bis zum Knie; da er aber seidene Strümpfe trug, so war der Blitz hier abgesprungen. Der Getroffene war so betäubt, dass er einige Stunden ohne Besinnung lag und für todt gehalten wurde; die in seinen Locken befindlichen Haarnadeln hatte der Blitz gänzlich geschmelzt. Meinem Bruder wurde der Blitz nicht so schädlich, er bekam nur einige Lähmung in dem Füßen, welche roth und wie mit Ruthen gepeitscht aussahen, und die silbernen Schnallen in seinen Schuhen waren zusammen geschmelzt. Sechs Personen, die sich noch ausser diesen in der Stube befanden, spürten nur einen heftigen Druck auf dem Kopf. Aus der Wohnstune ging der Blitz durch die 2 ½ Fuß starke Mauer ins Freie und ließ an der Stelle, wo dies geschah, nur kleine wie mit Schroot durchschossene Löcher zurück. Die Hauptursache des Einschlagens war wohl, dass auf den über einander folgenden Böden 1000 Cntur. Schafwolle lagen, welche dort erst seit 4 Wochen aufbewahrt wurden, und eine starke Ausdünstung verursacht haben mögen. Denn es war von einem unserer Arbeitsleute, der in meinem hinter dem Garten gelegenen, über 100 Schritt entfernten Hintergebäude wohnte, schon 5 Minuten vor dem Einschlagen bemerkt worden, dass auf dem Dache eine ungeheure Menge blauer Flammen, Schlangenähnlich herumhüpften.
Im Jahre 1811 den 2. Juli, in nämlicher Stunde, ja fast zur selbigen Minute, als das erste Mal, hatte ich abermals das Unglück, dass der Blitz mein Haus traf und dieses Mal auch zündete. Das Gewitter war schon 8 Uhr des Morgens da, zog jedoch am ganzen Horizont herum, ohne näher zu kommen; gegen 11 Uhr aber erhob sich, bei einer entsetzlichen Schwüle, ein starker Mitternachts-Wind, der das ganze Gewitter gegen Mittag trieb, und hier nun auf ein Mal Wolke auf Wolke so aufeinander thürmet, dass man glauben muss, die unteren Wolken würden an den Häusern in der Stadt stossen. Es kam nun bei einem entsetzlichen Blitzen, vo starkem Platzregen begleitet, immer näher. Ich war in das Fenster getreten, um zu sehen, ob wohl das Gewitter eine andre Wendung nehmen würde. Es kam ein Blitz, der allen die in der Stube anwesend waren, auf der Mitte des Kopfes ein Empfindung, als wenn man mit einer Nadel gestochen werde, zurück liess. Ich bemerkte, dass von dem Hause des Posthalters, welches 50 Schritte von dem meinigen nach dem Abend zu entfernt ist und etwas hoch liegt, das an dem Giebel befindliche sogenannte Wetterbrett herumgeschmettert wurde; auch, dass von meinem Hause einige Dachziegel herunter kamen. Ohne den Meinigen etwas zu sagen, ergriff ich sie Schlüssel, und eilte auf den Boden.
Auf den dazu führenden Treppen herrschte ein sehr starker Schwefeldampf, so dass es mir nur durch Vorhalten eines Tuchs vor Mund und Nase möglich wurde, weiter zu kommen. Die Böden waren abermals dermassen mit Wolle überladen, dass nur auf den untern die Waage, und die nach den andern führenden Treppen zugänglich waren. Hier liess sich kein Schwefeldampf mehr spüren; auch konnte ich wegen der unter dem Dach liegenden Wolle nichts bemerken. Da sich das Gewitter noch nicht weiter entfernt hatte, und immer noch Schlag auf Schlag folgte, so kehrte ich wieder zu den Meinigen zurück. Der dampf auf den unteren Treppen hatte sich bereits mehr vertheilt.
Nach ungefähr zwei Minuten wird mir aus dem Fenster meines gegen über wohnenden Nachbars zugerufen: Feuer bei den Schornstein. Ich eilte abermals zum Boden, und es folgten mehrere, um zu helfen. Auf dem erstern Boden bemerkte man nichts; ich gehe zum zweiten heran, wo man zur dritten Treppe sehen kann; auch hier wurde man noch nichts gewahr. Als ich jedoch die dritte Treppe ersteigen will, kömmt die Flamme vom obern Boden auf ein Mal dermassen herunter geschlagen, dass ich von ihr umringt, zurück fiel. Das Feuer dauerte bei aller angewandten Mühe es zu löschen, 6 Stunden lang, und es brannte von oben und mehrentheils vom zweiten Boden herunter. Das Einschlagen wurde wohl, wie das erste Mal, durch die viele Wolle veranlasst. Das der Blitz in der zweiten Etage und im Parterre, dieses Mal keinen Schaden gethan hat, darüber habe ich folgende Vermuthung. Bei dem Abräumen des mittlern Bodens, auf welchem der obere gefallen war und dadurch dem Feuer ein Ziel gesetzt hatte, bemerkte ich in der noch darauf liegenden Wolle ein Trichterähnlich gebranntes Loch, und die Wolle mehr versengt als verbrannt. Bei näherer Untersuchung fand sich, dass dieses Loch nach dem Anker führte, welcher auf dem untersten Boden die Waage hielt, an der die Schalen hingen; der Blitz theilte sich also wahrscheinlich hier an den daran befestigten 8 Ketten, wodurch er die Macht mehr zu schaden verlor. [3] Noch in dem nämlichen Jahre ließ ich auf meinem Wohnhause und auf dem Seitengebäude durch den Hrn. Mechanikus Fuchs [4] , unter Leitung des Hrn. Professor Steinhäuser, der Zeit in Wittenberg, Wetterableiter auffstellte, wie man sie in Fig. 3 angegeben sieht.


Abb. 2 Darstellung des Blitzableiters


Am 2. September des vorigen Jahres (1819) hat sich die schützende Kraft dieses Ableiters bestens bewährt. Es war ein kühler Tag und ein ziemlich trüber Himmel, al sich gegen Mittag einige Gewitterwolken zeigten. Um halb 1 Uhr hörte man Donner, und es dauerte nicht lange, so war das nur, aus einigen Wolken geboldete Gewitter, von einem heftigen Mitternachtswind getrieben, über unserer Stadt. Ich war gerade nicht in meinem Haus, doch nur 150 Schritte davon entfernt. Niemand vermuthete Gefahr; auf einmal aber erfolgte ein heftiger Blitz und Schlag, nach welchem sich wohl berechnen liess, dass es in der ganzen Stadt müsse eingeschlagen haben. Ich sah das ganze Haus durch, fand jedoch nichts, welches darauf gedeutete hätte, dass der Blitz mein Haus getroffen habe, obgleich eine Menge Menschen zu mir und meinen Nachbarn herzuströmten, mit der Versicherung, es könne niergends anders als in dieser Gegend eingeschlagen haben. Man brachte sogar Spritzen herbei, konnte jedoch nirgends eine Spur des Blitzes finden. Bei meinem Nachbar wurde man endlich gewahr, dass sich die vergoldete Spitze der Leitstange d meines Gewitter-Ableiters gebogen hatte. Ein Dachdecker, der auf dem daneben befindlichen Stallgebäude, nicht 6 Schritte von der Leitstange, die hier zur Erde herabgeht, gearbeitet hatte, versicherte mir, er habe bei dem Blitz nur einen heftigen Druck und eine Bewegung der Luft bemerkt, könne aber nicht behaupten, dass der Blitz am Leiter herunter gegeangensey. Ich liess sogleich das Dach aufdecken. Auf der vergoldeten Spitze c fand sich eine schleimige zähe Masse, welche Schieferfarben, mitunter ganz grün aussah, und schwer abzulösen war, jedoch hatte sich nichts von der Vergoldung abgelöst; auch liess sich die Spitze ohne Hinderniss abnehmen, da die kleinen Schrauben, womit sie an der Leitstange befestigt, gesprungen waren; an der Leitstange selbst bemerkte man ungefähr 3 Zoll lang einen schmalen schwarzen Streifen. Die auf diesem Gebäude befindlichen beiden Böden waren auch zu der Zeit mit Wolle gefüllt. [5]
Belzig den 16. Februar 1820
Friedrich August Serno, Kaufmann.
Zauch - Belziger Kreisblatt vom 15. Mai 1906
Beim Aufbau der neuen Orgel, 1906, in St. Marienkirche fand man im Inneren eines alten Balges einen Zettel, zu dem ein Rechnungsblatt benutzt worden war, mit folgenden geschriebenen Text aufgeklebt.
Belzig, 9. August 1848
Ihr Freunde, wenn Ihr jetzt werdet lesen,
Wer vor der Zeit mal dort gewesen,
So seht Ihr meinen Namen an,
Ich war ja auch ein Ehrenmann.
Im Jahre 1830 und ein
Reichte ich als Neuchateller wieder hier ein;
Wurde darauf beim Schützenbataillion
Hauptmann im nächsten Jahr schon.
Drei Jahre später wurde ich Major
Ueber das berühmte Belziger Schützencorps.
Doch im Jahre 1840 und sieben
Bin ich durch Unannehmbarkeiten davon geblieben.
Zur Zeit der Märztage in Berlin
Trat ich als 1. Bürgerleutnant wieder ein,
Da wurde gerad die Orgel durch Turley gebaut
Die hab ich öfter mal angeschaut.
Da sprach er: Serno, zu Andenken,
Thun Sie mir Ihren Namen schenken,
Damit auch in später Zeit noch gelacht
und freundlichst unsrer Namen gedacht.
Der Kaufmann
Johannes Gustav Serno.
  1. Aus den geschlossenen Grundbuchakten im Landeshauptarchiv Potsdam
  2. Ludwig Wilhelm Gilbert wurde 1769 in Berlin geboren. Der promovierte Philosoph war seit 1795 Professor in Halle und ab 1811 bis zu seinem Tode im Jahre 1824 Professor für Physik an der Universität Leipzig und langjähriger Herausgeber der Annalen der Physik.
  3. Nur verhältnismässig schwache elektrische Schläge pflegen zu zünden, starke nicht; daher schon an sich der Blitz bei diesem zweiten Falle nicht so kräftig gewesen zu seyn scheint, als da er im Jahr 1794 das erste Mal in dieses Haus einschlug. G.
  4. Jetzt hier in Leipzig, und mein Gehülfe, der sich seitdem auch in diesen Gegenden durch Errichtung solider und im Preise billiger Gewitter – Ableiter empfohlen hat. Zur Leitung hatte er dort viereckige Stangen aus Schmiede-Eisen, ¼ Zoll im Quadrat genommen; die vergoldeten Spitzen waren 18 Zoll lang, konisch, und an, der Leitung mit 3 Schrauben befestigt, welche nach aussen kleine aufwärts gebogene Spitzen bildeten. Später nahm er zu Ableitern dreischneidig – lanzenförmige vergoldete Spitzen, und länglich - viereckige Stangen von einem noch mal so großen Querschnitt): Die an der Spitze d herabgeführte Leitung ging in die Mist-grube. Bei einem Gewitter, welches entstand, als noch das unterste Stück der Herableitung am Wohnhaus fehlte, schob er mit Hülfe eines Andern eine eiserne Stange heran; als sie mit dem Ableiter in Berührung kam, wurden sie, erzählt er, beide zu Boden geworfen. Gilb.
  5. Eine Anfrage von mir nach den merkwürdigen Vorfällen, von denen ich hatte reden hören, hat diese sehr genügende Erzählung veranlasst. Gilbert.
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