Aulowönen

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Wappen des Landkreises Insterburg

A u l o w ö n e n

Kirchspiel Aulenbach ( Aulowönen )
Landkreis Insterburg, O s t p r e u ß e n
_________________________________


Hierachie: Regional > Deutsches Reich > Ostpreußen > Regierungsbezirk Gumbinnen > Landkreis Insterburg > Kirchspiel Aulowönen / Aulenbach (Ostp.) >Aulowönen


Gemeinde und Kirchdorf
Aulowönen
Kirchspiel Aulenbach (Ostp.)
Provinz : Ostpreußen (nördliches)
Regierungsbezirk : Gumbinnen
Landkreis : Insterburg [4] [5]
Amtsbezirk : Aulowöhnen [6]
Gegründet : nach 1376
Frühere Name : Auluwöhnen (nach 1376)
Auloweinen (nach 1619)
Rinkohnen (vor 1730)
Groß Aulowehnen (nach 1736)
Aulowehlen (nach 1777)
Groß Aulowöhnen (nach 1785)
Groß Auluwöhnen (nach 1815)
Groß Auluwönen (nach 1912)
Aulowönen (bis16.07.1938)
Einwohner (1939) : 1.049 [7]
Orts-ID : 49795 (nach D. Lange)
Geographische Lage
Koordinaten : N 54° 80′ 37″ - O 21° 77′ 80″
Lage Kreis Insterburg
Lage Kirchspiel Aulenbach in Ostp.
Lage der Gemeinde Aulenbach im Ksp. Aulenbach 1939


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kirchdorf, Scharwerksdorf und G e m e i n d e. Evangelische Kirche: Kirche Aulowöhnen, Schule am Ort, Amt, Standesamt & Gendarmerie: Aulowöhnen, Ostfoliant 14711/N . .

Am 16.07.1938 umbenannt in Aulenbach.(Weitere Informationen aus der Zeit nach der Umbenennung siehe dort)

Poststempel ca.1860
Poststempel Aulowöhnen 1862
Poststempel 1912


Allgemeine Information

Ortsbeschreibung

Groß Aulowönen D.(orf), Pr.(eußen), Ostpr.(eußen), RB. (Regierungsbezirk) Gumbinnen, Lkr. (Landkreis), AG (Amtsgericht), Bkdo (Bezirkskommando) Insterburg, 341 Einwohner, TP (Post, Fernsprecher und Telegraph) E.(isenbahn) : Klbn. (Kleinbahn) (Insterburg-) Juckeln-Skaisgirren; StdA. (Standesamt), A.(Amtsbezirk), ev.(angelisches) Pft.(Pfarrkirche); SpDrl. (Spar- und Darlehnskassenverein); Molk.(erei), Käsefbr. (Käsefabrikation), Mln. (Mühlennebenstelle) [1]

Das Dorf Aulowöhnen (Aulowönen) lag in ”Klein Litauen (Lithuania minor)"[2] oder ”Preußisch Litauen”, dem nordöstlichen Teil des alten Ostpreußen. Seine Einwohner waren nach der Reformation überwiegend evangelisch, eine eigene Kirche ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt.

Das nördlichste Kirchdorf des Kreises Insterburg , Aulowönen [3], erreichte man über Georgenburg, Pagelienen, Reckeitschen und Mittel Warkau auf der Reichsstraße 137. Es lag ungefähr 20 Kilometer von Insterburg entfernt. Ende der 1920iger Jahre wurden zwei selbständige, dicht aneinander grenzende Gemeinden Groß Aulowönen und Ußupönen, zu der Gemeinde Groß Aulowönen vereinigt, schließlich kamen auch noch 24 Bauernhöfe dazu, als das Rittergut Alt Lappönen, dessen letzter Besitzer Herr Ornhorst war, aufgesiedelt wurde. Vor der Vertreibung zählte Aulowönen über 1000 Einwohner.

Gr. Aulowöhnen auf der Schroetterkarte (1796-1802), Maßstab 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Besonders reizvoll war die Gegend nicht, in der Aulowönen lag. Wald und Wasser fehlten fast völlig. Das Flüßchen Aula, Uszupp genannt, das sein Wasser zur Parwe führte, war in heißen Sommermonaten meistens ausgetrocknet.

Der Ort war jedoch der Mittelpunkt einer ertragreichen, fortschrittlich bewirtschafteten Landwirtschaft. Zahlreiche Bauernhöfe, mittlere und größere Güter des Kirchspiels waren Träger einer namhaften Vieh- und Pferdezucht. Die Herdbuchherde Dalheimers in Kiaunischken und die Trakehner Pferdezucht Franz Scharffetters in Kallwischken (Ostp.) waren z. B. weit über die Grenzen Ostpreußen hinaus bekannt.

Sehr günstig war die Verkehrslage des Ortes. Von der viel befahrenen Hauptdurchgangsstraße Insterburg-Groß Skaisgirren-Tilsit zweigten in Aulowönen drei weitere wichtige Straßen ab. Noch Osten gelangte man über Alt Lappönen-Pillwogallen zu der acht Kilometer entfernten Reichsbahnstation Grünheide und von hier weiter noch Seßlacken und Kraupischken. Nach Nordosten führte eine Straße zwischen Kirche und Pfarrgehöft hindurch über Rudlauken nach Schillen, und noch Westen stellte eine Straße über Klein Aulowönen-Kallwischken-Paringen-Spannegeln-Popelken eine weitere wichtige Verbindung zu der großen Reichsstraße Königsberg-Tilsit her. Ein Straßenbau zwischen Aulowönen und Berschkallen war geplant. So waren alle Voraussetzungen dafür gegeben, daß sich in Aulowönen ein reges Geschäftsleben entwickeln konnte.

Am Ortseingang von Insterburg her stand die Ziegelei Teufel, am entgegen gesetzten Ende des Ortes die Ziegelei Guddat, sie lieferten Ziegel, Pfannen und die für die Landwirtschaft so wichtigen Dränageröhren. Die Mahlmühle Schiemann betrieb nicht nur eine große Lohnmüllerei, sondern belieferte auch viele Bäckereien in der weiteren Umgebung, sogar bis noch Insterburg hinein. Drei Reparaturwerkstätten für Landmaschinen waren über den Rahmen eines Handwerkbetriebes hinausgewachsen und trieben regen Handel mit Landmaschinen. Karl Hertzigkeit lieferte sogar Pflüge aus eigener Fabrikation, und Schwarznecker & Reck hatten eine für die damalige Zeit sehr beachtliche Autowerkstatt mit einem Autohandel ihrer Reparaturwerkstatt angegliedert. Mit der Buchdruckerei Curt Stamm war auch die „Schwarze Kunst“ in Aulowönen vertreten. Eine große neuzeitlich ausgebaute Molkerei verarbeitete die von Jahr zu Jahr anwachsenden Milchmengen des weiteren Einzugsgebietes. Zwei Bäckereien, zwei Fleischereien, zwei Manufakturwarengeschäfte, ein Elektrohandel und zwei Gärtnereien seien hier noch erwähnt, aber auch alle anderen Handwerkerstände ernährten gut ihren Mann.

Poststempel Aulowöhnen 1902

Dr. Epha nahm sich als Arzt der kranken Menschen an, während Tierarzt Jaeckel sich um die kranken Tiere kümmerte; Das was sie ihren Patienten verschrieben, lieferte Apotheker Barkow, der natürlich auch andere, nicht rezeptpflichtige Heilmittel, Tees und was sonst noch in einer Apotheke zu haben ist, verkaufte.

Den Umschlag der landwirtschaftlichen Produkte, Düngemittel usw. besorgte die Nebenstelle der An- und Verkaufsgenossenschaft Insterburg (kurz „An und Ver“ genannt) und auch die Mahlmühle Schiemann. Die große Raiffeisenkasse und eine Nebenstelle der Volksbank Insterburg nahmen die Spargroschen der Aulowöner entgegen und führten alle anderen Bankgeschäfte aus.

Fünf Gastwirtschaften mit angeschlossenen Kolonialwarengeschäften (von denen zwei auch noch mit Kohlen und Eisen handelten) sorgten für das leibliche Wohl ihrer Gäste und erfüllten die Wünsche ihrer Kunden soweit sie in ihre Branche fielen.

Den Güter- und Personenverkehr bewältigte im großen Umfang die Insterburger Kleinbahn (IKB). Sie wurde in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts (1904) gebaut und berührte auf ihrer Streckenführung Insterburg-Groß Skaisgirren unser Aulowönen. Sie wurde später von den Sowjets abgebaut und soll, wie ein aus russischer Kriegsgefangenschaft Heimgekehrter berichtete, in Chatura, 130 km südostwärts von Moskau, wieder in Betrieb sein (jedenfalls der IKB-Wagenpark, wahrscheinlich auch die Gleise).

Eine besondere Erwähnung verdient das Moorbad Waldfrieden, das nahe bei Aulowönen lag. Die Heilkraft seines Moores stand der anderer bekannter Moorbäder wie Polzin usw. nicht nach, allenfalls im Kurpreis. Bei dem zunehmenden Kurbedarf unserer Zeit wäre diesem Bad ein großer Aufstieg sichergewesen (dann sicher auch im Preis).

In acht weltlichen Vereinen blühte natürlich auch das Vereinsleben in Aulowönen. Feste fanden fast ausschließlich im Saal und den Räumen des gastlichen Hauses Rautenberg statt. Die Blütenfeste der Jugendgruppe des Vaterländischen Frauenvereins waren immer besonders stark besucht. Auch die Feste des Kriegervereins und des Sängervereins fanden stets großen Anklang. Unvergeßlich sind auch die schönen Schlittenpartien, die der Landwirtschaftliche Verein veranstaltete. So kam auch das gesellige Leben als Ausgleich für die tägliche, oft schwere Arbeit nicht zu kurz. Es ließ sich jedenfalls in Aulowönen zufrieden und glücklich leben.

Gr. Aulowöhnen auf der Karte des Deutschen Reichs (1893), Maßstab 1:100 000
© David Rumsey Map Collections


Ortsnamen

Am 16.07.1938 umbenannt in Gemeinde Aulenbach / Ostp.

Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. (Dorfstraße, Mühle (Schiermann) und Kirche) 1895
© Sammlung Thomas G. Schulz


  • deutsche Ortsbezeichnung (Stand 1.9.1939): Gemeinde Aulenbach
  • vorletzte deutsche Ortsbezeichnung (vor der Umbenennung 1938) : Aulowöhnen


  • Wegfall der Zusatzbezeichnung nach 1912 : Groß Auluwönen
  • Feststellung der Schreibweise nach 1815 : Groß Auluwöhnen
  • Feststellung der Schreibweise nach 1785 : Groß Aulowöhnen
  • Namensänderung nach 1777 : Aulowehlen
  • Namensänderung nach 1736 : Groß Aulowehnen
  • Namensänderung nach 1730 : Rinkohnen
  • Namensänderung vor 1730 : Auloweinen
  • Feststellung der Schreibweise nach 1376 : Auluwöhnen


  • weitere (alte) Ortsnamen : Aulenbach, Aulowönen, Auloweinen, Auluwönen, Groß Aulowöhnen, Groß Aulowönen


Der Ortsname Aulowönen ist wohl dem Flüßchen Aula angelehnt, litauisch = Anwohner des Talmuldenbaches.

1928 wird das Bauerndorf Uszupönen unter Fortfall seines Ortsnamens in Groß Aulowöhnen eingegliedert, ebenfalls 1925 wurde Alt Lappönen als Ortsteil von Groß Aulowöhnen bei Fortbestand des Ortsnamen, integriert. Aulowöhnen existiert heute unter dem Namen Kalinovka (Russland). Weitere Ortsinformationen aus der Zeit nach der Umbenennung (1938) siehe unter Aulenbach.

Der Ort existiert heute unter dem Namen Kalinovka (Russland).

Wirtschaft

1920

  • Friedrich Bleyer : PT Klb Aulowönen, 60ha, davon 40 Acker, 2 Wiesen, 16 Weiden, 2 Hofstellen, 13 Pferde, 28 Rinder, davon 14 Rühe, 4 Schafe, 6 Schweine;
  • Wilhelm Gruber : 56 ha.


Im Firmenhandbuch 1927

Apotheke Gustav Barkow; Meierei Barnautzki; Material- und Schankgeschäfte Wilhelm Götz und August Rautenberg; Ziegelei Ewald Guddat; Material- und Eisenwaren Gustav Knackstädt; Manufakturwaren Artur Meyer und Otto Wilhelm; Spar- und Darlehnskassenverein; Pferde- und Viehmärkte mit Krammärkte (1937: 6.4. und 5.10. - 1938: 25.3. und 23.9.)


Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. (Adler Apotheke, Kirche, Schule, Kolonialwaren) 1905
Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. (Hotel Günther, Schule, Apotheke Adler, Kirche) 1905


Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp.
(Apotheke, Kirche, Hotel Adolf Radtke) 1909
© Sammlung Thomas G. Schulz
Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp.
(Dorfstraße mit Haus Seidler, Bäckerei Stamm und Post) 1921
© Sammlung Thomas G. Schulz


Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp.
(Kaufhaus Rautenberg, Kriegerdenkmal, Dorfstraße mit Mühle Schiemann) 1938
© Sammlung Thomas G. Schulz
Ansichtskarte Aulowönen / Ostp.
(Kirche und Gasthof Adolf Günther) 1904
© Sammlung Thomas G. Schulz


In Niekammer’s landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher der Domänen, Rittergüter und Höfe in der Provinz Ostpreußen , (Band III) 1932 Seite 154 [8]

PTE Aulowönen,

  • Gut Arthur Bleyer: 70 ha, davon 44 Acker, 2 Wiesen, 22 Weiden, 2 Hofstelle, 13 Pferde, 40 Rinder, davon 20 Kühe, 20 Schweine;
  • Gut Hans Ehmer: 195 ha, davon 135 Acker, 20 Wiesen, 33 Weiden, 5 Holzungen, 1 Hof, 1 Wasser, 35 Pferde, 120 Rinder, davon 55 Kühe, 60 Schweine; Anerkannte Saatgutwirtschaft, Zuchtviehverkauf; Telefon: Aulowönen Nr. 8
  • Gut Karl Grubert: 76 ha, davon 53 Acker, 7 Wiesen, 15 Weiden, 1 Hof, 13 Pferde, 40 Rinder, davon 20 Kühe, 25 Schweine;
  • Abbau Karl Grubert: 70 ha, davon 52 Acker, 15 Wiesen, 2 Hofstelle, 8 Pferde, 35 Rinder, davon 17 Kühe, 15 Schweine; Telefon: Aulowönen Nr. 45
  • Gut Ewald Guddat: 34 ha, davon 24 Acker, 7,5 Weiden, 2,5 Hofstelle, 6 Pferde, 20 Rinder, davon 10 Kühe, 15 Schweine; Mühle, Dampfziegelei, Telefon: Aulowönen Nr. 30
  • Gut Kirchengemeinde Aulowönen - Verwalter Paul Bernecker: 75 ha (von denen 64ha verpachtet sind), davon 36 Acker, 3 Wiese, 39 Weiden, 1 Hof, 2 Pferde, 6 Rinder, davon 5 Kühe, 4 Schafe
  • Gut Emma Teufel: 87,5 ha, davon 63 Acker, 22,5 Weiden, 2 Hofstelle, 13 Pferde, 45 Rinder, davon 20 Kühe, 24 Schweine; Ziegelei Teufel - Mauersteine, Dachpfannen, Dränagerohre; Telefon: Aulowönen Nr. 14
  • Gut Alt Lappönen / Ostpreußische Bau- und Siedlungsges. m.b.H : 467 ha, wird gesieselt! [4]


Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. (Hotel Obersteller, Schule und Kirche) 1914
© Sammlung Thomas G. Schulz
Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. (Dorfstraße, Mühle (Schiermann) und Kirche) 1920
© Sammlung Thomas G. Schulz


Ansichtskarte Aulowöhnen / Ostp. Königsberger Str. (Gasthaus Knackstedt, im Hintergrund der Kleinbahnhof der IKB) 1925
© Sammlung Thomas G. Schulz
Ort Aulowöhnen / Ostp. (Werkstatt Schwarznecker & Reck) 10.06.1928


Wohngebäude

(* einschließlich Uszupönen und Alt-Lappönen

  • 25 (1871) [4]
  • 32 (1905) [4]
  • 77 (1925) (* [4]


Haushalte

  • 56 (1871) [4]
  • 84 (1905) [4]
  • 187 (1925) (* [4]


Einwohner

  • 326 (1867) [4]
  • 322 (1871) davon männlich 157 [4]
  • 340 (1905) davon männlich 160 [4]
  • 855 (1925) davon männlich 420 (* [4]
  • 1026 (1933) (* [9]
  • 1049 (1939) (* [10]


1871 sind von 322 Einwohner alle preußisch und evangelisch, 130 ortsgebürtig, 42 unter 10 Jahren, 176 können lesen und schreiben, 40 ohne Angaben, 64 Analphabethen, 3 blöd- oder irrsinnig, 1 ortsabwesend. 1925 sind es 322 evangelische, 1 katholisch, 12 andere Christen, 5 jüdisch; als Muttersprache nennen 399 deutsch, 1 deutsch und eine andere; 1925(* gibt es 819 evangelische, 4 katholische, 7 jüdische Einwohner und 2 ohne Bekenntnis

Ausschnitt Ortsschafts- und Adressverzeichnis Landkreis Insterburg Seite 10 (1927)


Folgende Einwohner sind im Ortschafts- und Adreßverzeichnis des Landkreises Insterburg (1927) unter Aulowönen genannt : Post Aulowönen, 20 km,

  • Gutsbesitzer : Hans Ehmer,
  • Gutspächter : Ernst Senkpiehl,
  • Besitzer : Emil Haasler, Adolf Seidler, Fritz Meyer, Artur Bleyer, Herm.(ann) Eschmann, Fritz Hunsalz, Karl Grubert, Gustav Laskowski, Emil Matschuck, Emil Naujoks, Ida Sennowitz, Karl Struwe, Adolf Stepputat, Heinr.(ich) Flötke,
  • Pfarrer : Julius Alexi,
  • Postmeister : Franz Preuß,
  • Mühlenbesitzer : Otto Schiemann,
  • Präzentor : Bernhard Klein,
  • Lehrer : Erich Singer, Franz Geisendorf,
  • Arzt : Dr. Franz Froese, Jurkschat,
  • Dentist : Kwidor,
  • Apothekenbesitzerin : Louise Barkow,
  • Tierarzt : Ernst Jaekel,
  • Meiereibesitzer : Michael Barnautzki,
  • Maschinenbaumstr (-meister) : Franz Schwarznecker,
  • Ziegeleibesitzer : Ewald Guddat, Emma Teufel,
  • Pflugzeugfabrikant : Karl Hertzigkeit,
  • Amtsvorsteher : Friedr.(ich) Bleyer,
  • Oberlandjäger : Christian Stepeneit,
  • Kaufmann : Max Nathansohn, Margarete Lengwenus, Kurt Stamm, Arth.(ur) Meyer, Wilh.(elm) Goetz, Otto Wilhelm, Ad.(olf) Günther, Gustav Knackstädt, Ewald Leonhardt, Aug.(ust) Rautenberg,
  • Hausbesitzer : Otto Joswig, Hugo Pierags,
  • Fleischermeister : Jul.(ius) Gefeller, Franz Nasner,
  • Bäckermeister : Otto Eschmann, Leo Stamm
  • Schmiedemeister : Max Jöttkandt,
  • Schneidermeister : Emil Kairies, Elise Meyer, Gustav Kuprat, Ed.(uard) Paskarbeit, Albert Haak
  • Schneider : Adolf Klutke, Mathilde Hermann,
  • Schuhmachermeister : Gottlieb Barkowski,
  • Stellmacher : Otto Krohn, Otto Laschinski,
  • Photograph : Ernst Holz,
  • Klempner : Emil Haasler,
  • Maler : Willi Rieser, Fritz Hohlwein,
  • Friseur : Willy Meyer,
  • Landschaftsgärtner : Willi Sachs,
  • Oberpostschaffner : Otto Meyer, Hermann Welsch, Franz Ennulat
  • Postaushelfer : Johann Loseit,
  • Telegr. Leitungsaufseher : Eduard Heigel,
  • Händler : Herm.(ann) Pierags, Max Broscheit,
  • Gemeindeschwester : Emma Endruweit,
  • Krankenschwester : Anna Loseit
  • Tischler : Max Paducks, Emil Schwark, August Oschecker, Gust.(av) Parakenings,
  • Hebamme : Maria Laußat,
  • Oberstraßenmeister : Karl Knochendöppel,
  • Postschaffner : Julius Stirkat, Eduard Meyer,
  • Filialleiter : Albert Knackstädt,
  • Kastrierer : Franz Durdack,
  • Buchhalter : Helmuth Kleffke,
  • Ziegelmeister : Fritz Thaleiser,
  • Chauffeur : Wilh.(elm) Engel, Hermann Sudau,
  • Agenturen : Franziska Lindenau,
  • Postassistentin : Frieda Perkun
  • Postgehilfin : Maria Schwarzin
  • Präzentorwitwe : Marie Annies
  • Straßenmeister a.D. : Karl Waschkahn
  • Oberpostschaffner a.D. Johann Guttmann
  • Altsitzer : August Seidler, Friedrich Rieck,
  • Glöckner : Karl Barkowski,
  • Maurer : Otto Leuchner, Gustav Winter,
  • Melker : Otto Loseries, Gustav Broscheit
  • Bahnarbeiter : Friedrich Leidigkeit, Emil Thiel, Albert Barkowski, Frd. (Friedrich) Pakulat
  • Chausseearbeiter : August Naujokat
  • Kriegswitwe : Johanne Hohnwald
  • Witwe : Karoline Sternberg
  • Witwe : Wilhelmine Broscheit, Joh.(anna) Packwitz, Henriette Kaulitzki, Amalie Jablonski, Amalie Nickel, Karol.(ine) Goerke, Minna Wieprecht, Anna Kerinnus
  • Deputant : Otto Endrigat, Albert Szabang, Georg Tomescheit, Ewald Kuprat, Wilh.(elm) Goerke, Karl Weber, Wilh.(elm) Paape, Gust.(av) Bertram, Karl Jöttkandt, Alb.(ert) Schwarz,
  • Kutscher : Julius Donath, Emil Weber,
  • Arbeiter : Hellmut Tümmler, Adolf Jenescheit, Fritz Zwillus, Henriette Kohse, Ed.(uard) Nasner , Lydia Hunsalz, Amalie Schukat, Elise Strugat, Ferd.(inand) Meletzke, Emil Leuchner, Fritz Walter, Otto Neujokat, Albert Baumgart, Emil Ettig, Franz Jonescheit, Otto Buchholz, Gustav Kaschubs, Herm.(ann) Pichler, Emil Kieselbach, Wilh.(elm) Rieser, Fritz Weber, Karl Werner, Herm.(ann) Laskowski, Michael Burbat, Adolf Stepputat, Karl Bolz, Fr. Kühn, Karl Ohlendorf, Emil Wieprecht, Frd.(Ferdinand ?) Abrat, Willi Spelz, August Troschke
  • Rentenempfänger : Martin Endrigat, August Tomescheit, Ed.(uard) Kuprat, Henriette Hubert, Wilh.(elm) Loseit, Otto Ettig, Hugo Schulz, Auguste Schulz, Friedrich Schulz, Henriette Weber, Ferd.(inand) Seidenberg, Emilie Gossing, Jul.(ius) Jonath, Gottf.(ried) Scheibe, Georg Rastell, Julius Hubert, Fried.(rich) Schneidereit, Wilhelm Grätsch, Eduard Wolf


Zahl und Größe der landwirtschaftlichen Betriebe

  • siehe unter Wirtschaft


Ortsgrundfläche

  • 1905 : 364,3 ha, Grundsteuer Reinertrag 10,53 je ha -- 1925 (* : 1215,8 ha, Grundsteuer Reinertrag 9,94 je ha


Politische Einteilung

Provinz  : Ostpreußen
Regierungsbezirk  : Gumbinnen

Landkreis  : Insterburg [11]
Amtsbezirk  : Aulowöhnen [12]
Gemeinde  : Groß Aulowöhnen
Kirchspiel  : Aulowöhnen

im/in  : östlich des Aule-Bach
bei  : 19,5 km nördl. v. Insterburg


Weitere Informationen

Orts-ID : 49795

Fremdsprachliche Ortsbezeichnung : Калиновка
Fremdsprachliche Ortsbezeichnung (Lautschrift):

russischer Name : Kalinovka / Kalinowka
Kreiszugehörigkeit nach 1945 : Черняховский р-н (Tschernjachowskij Rayon, Insterburg)
Bemerkungen aus der Zeit nach 1945 :
weitere Hinweise :
Staatszugehörigkeit : Russisch

Ortsinformationen nach D. LANGE, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) -- [13]


Kirchliche Einteilung/Zugehörigkeit

Evangelische Kirche [4]

Evang. Kirche Aulowönen (später Aulenbach) (ca. 1900)


Zugehörigkeit :

  • Kirchspiel Aulowönen --> Kirchenkreis Insterburg --> Kirchenprovinz Ostpreußen --> Kirchenbund Evangelische Kirchen der altpreußischen Union


Kirchenstempel Evangelische Kirche Aulowoenen (Ostp.) ca. 1930


Die Kirche soll im Jahr 1610 - 1622 gegründet worden sein, Patron ist der König. 1619 erhielt Pfarrer Joh. Neander vom Kurfürsten Sigismund zu den 4 Widedehufen weitere 3 Hufen Übermaß in Aulowönen, im Salauschen, zuvor war die Urkunde hierfür für den Schulmeister Loth Krause ausgefertigt worden. Die erste Kirche war ein unansehlicher Bau, teilweise aus Ziegelm teils aus Holz.

Evang. Kirche Aulowönen (ca. 1914)

Ein Bauer, Danny Szaknys (zu Deutsch Daniel Würfel), der im Jahre 1731 im gesegneten Alter von 116 Jahren starb, erzählte, daß er beim Bau der ersten Kirche im Aulowönen, der 1622 begann und drei Jahre dauerte, zuletzt als Handlanger Ziegel herantrug. Der erste Aulowöner Pfarrer habe ihm in den ersten Jahren seines Dienstes getauft und zwar in der zunächst in Naggen bei Aulowönen auf Pfählen in Form einer Scheune errichteten Notkirche. Die Pest in den Jahren 1653 und 1688 habe in der Gemeinde sehr viele Menschen hingerafft. Noch höhere Opfer gab es in den 1709/10.

Im Jahre 1709 brannte diese Kirche vollständig ab. In den folgenden 8 Jahren wurde auf den alten Grundmauern ein hölzerner Notbau errichtet. der aber bereits im Jahre 1727 wieder baufällig wurde.

Ein Entwurf des Landbaumeisters Fischer für einen neuen Kirchenbau aus dem Jahre 1727 "zeigte einen geschmackvollen Still bei sparsamsten Mitteln". Nach ihm wurde dann im Jahre 1728 ein einfacher Feldsteinbau mit späterem Holzturm erbaut und 1730 fertiggestellt. Zum Bau dieser Kirche schickte der Amtmann Mühlpfort aus Georgenburg, 10.000 Ziegel, andere Ämter taten ähnliches. In der Kirchenrechnung vom Jahre 1747 heißt es "dem Meister Logien für Reparierung der Bälge an der Orgel 2 Taler, 45 Silbergroschen bezahlt". Zu der Zeit muß in der Kirche somit bereits eine Orgel gewesen sein.

Pfarrer Bernecker nennt für die mit sehr starken Mauern erbaute letzte Kirche das Jahr 1773. Ein abgeputzter Feldsteinbau mit stichbogigen Fenstern, ungefähr 33 m lang, 13 m breit mit einen hölzernen Dachreiter von 1813 mit welscher Haube, welche eine Wetterfahne mit der Jahreszahl 1813 trägt. Ein Eckstein an der Nordseite der Kirche trägt die Jahreszahl 1622. Im Dachreiter hängen zwei Glocken, sie sind 1735 und 1779 gegossen.

Evang. Kirche Aulowöhnen (ca. 1925)


Das Innere dieser Kirche ist einfach, der Innenraum hat eine flache niedrige Decke. Die Emporen ziehen sich um das ganze Schiff herum. Der Kanzelaltar entstand zur Zeot des Kirchenbaues. Die Orgel wurde 1859 von Scherweit (Königsberg), erneuert und schließlich 1932 durch einen Neubau mit 20 Register von Furtwängler (Hannover), ersetzt. Gestühl und Bänke sind weiß und gold gestrichen, was dem Inneren ein festliches Gepräge gibt - zwei große Messingleuchter auf dem Altar wurden 1640 von dem damaligen Dorfschulzen Egidius Strützel gestiftet, ein bleiernes Pulpet vom Jahr 1683, ein Bibelbuch aus dem Jahre 1565 mit verbleiten Zinndeckeln, ware kostbare Reliquien der Kirche.

Das Vermieten der Kirchstände und Sitze war wohl immer ein sehr einträgliches Geschäft für die Gemeinde. Eine Liste aus dem Jahr 1799 nennt die Namen derjenigen, die sich so einen Platz in der Kircher erworben haben, fast die Hälfte der dort aufgeführten Namen sind Salzburger Nachkommen.

Im Jahre 1807 verwüsteten die Franzosen Kirche und Pfarrhaus, raubten die Abendmahlsgeräte und verbrannten Kirchenbücher. In der Kirchenrechnung von 1806/07 heißt es dazu : "Da durch die öfteren und mehr als hundertfachen Plünderung, auch durch gewaltiges Erbrechen der Schranken, welche die hiesigen Widdem in 3 Wochen, besonders den 18., 19, und 20. Juny hatte erdulden müssen und wobei Pfarrer an Geld, Silber, Vieh, Pferde, Wagen und Getreide gegen 3000 Reichsthaler wenigsten verlohren hat und unter anderem zwey beutel von 100 Groschen grob Courant und ein beutel wenigstens von 80 Groschen mit Schulgeld verlohren gegangen, so sind wenigsten hundert und achtzig Groschen hier in Rest gebrachtworden".

1925 wurden noch vereinzelt Gottesdienste in litauischer Sprache abgehalten, obwohl weniger als 50 Mitglieder der Gemeinde litauisch als Muttersprache angaben - um 1900 wurde die Pfarre Aulowönen als Muster hingestellt, "wo es möglich war, daß binnen kurzer Zeit aus einer verwahrlosten eine mustergültige Gemeinde entstand". 1932 gehörten der Kirchengemeinde 79 ha Pfarrland, wovon 64 ha verpachtet waren, den Rest bewirtschaftete damals Pfarrer Bernecker, als Verwalter der Kirchengemeinde.

Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahre 1720, es umschloss 13 große Zimmer und den Konfirmandensaal, es lag in einem 4 Morgen großen Obstgarten mit einem Teich, einer großen Scheune und geräumigen Stallungen, sowie zahlreichen anderen Nutzräumen

Dem letzten Gemeinde-Kirchenrat gehörten folgende Personen an :

  • Scharfetter (aus Kallwischken)
  • Dalheimer (aus Kiaunischken)
  • Scharfetter (aus Ernstwalde)
  • Forstreuter (aus Lindicken)
  • Lehrer Rege (aus Neu-Lappönen)

Die nach dem Krieg vollkommen intakte Kirche und das Pfarrgebäude wurde zerstört und existieren heute nicht mehr. Der Friedhof ist heute betoniert und dienst als Lagerplatz.

Die Pfarrer der Kirche

Johann Neander (1610-1638 ?) - Johann Fuchs( - 1654) - Jacob Albrecht Pusch (1647-1667) - Christoph d.Ä. Voigt (1667-1682) - Christoph d.J. Voigt (1682-1709) - Johann Christoph Voigt (1710-1746) (Chr. Voigt d.Ä. kam aus Norköping in Norwegen nach Aulowönen, ihm folgte sein Sohn der 1709 an der Pest starb, dann dessen Sohn bis 1746, die Pfarrstelle war also 3 Generationen in einer Familie) - Jonas Christoph Pusch (1746-1771), Johan Friedrich Roscius (1772-1808) - Johan Friedrich Hertell (1808-1825 ?) - Ed. Alexander Hundertmark (1841-1845) - Julius Hermann Schulz (1845- ) - August Friedrich Schulz (1853-1882) - Carl Hch. Bernhard Moeller (1882-1919) - Julius Jacob Alexy (1919-1926) - Paul Bernecker (1927-1936), unbesetzt (1937) - Gerhard Matern (1938 - 1944 ?) - 01.01.1945 unbesetzt


Allgemeines :

Gerda Milbrecht geb. Baltruweit aus Klein Schunkern, ebenfalls im Kirchspiel Aulenbach, berichtet in einem Brief [5] über die Aulenbacher Kirche :
"... in Aulenbach bin ich getauft, konfirmiert und getraut worden, jeweils von Pastor Bernecker. Später bin ich zum Jungmädelverein gegangen. Im Konfirmandensaal hielt Pastor Bernecker eine kleine Andacht, dann haben wir in dem schönen, großen Garten viel gespielt und Volkstänze gemacht und gesungen."

(Bilder im "Insterburger Brief" (Jahrgang/Seite) 11/7 "Die Aulowöner Kirche" , 14/176 "Das Dorf mit der Kirche" , 28/144 "Blick ins Dorf mit Kirchturm"


Katholische Kirchen

zur Zeit keine Informationen


Sportvereine

Im Reichs-Adressbuch-Leibesübungen (Übungsstätten / Jugendherbergen / Jugendheime) Ausgabe 1929/30 sind in Aulowönen 4 Vereine eingetragen. Aulowönen verfügt über einen Turn-, Spiel- und Sportplatz mit insgesamt 4.200 qm. Ältester Verein ist der Sportverein (SV) Aulowönen, der bereits 1920 gegründet wurde.

  • Sportverein Aulowönen : (Turnen, Wandern, später Fußball) 36 männliche Jugendliche (Mitglieder) - Vereinsleiter : Alfred Rautenberg, 1920 gegründet
  • Reiterverein Aulowönen : 17 männliche Mitglieder, 2 Jugendliche - Vereinsleiter : Alfred Rautenberg, 1924 gegründet
  • Jungsturmtrupp Aulowönen : (Wandern, Turnen) 22 männliche Mitglieder, davon 2 Jugendliche - Vereinsleiter : Alfred Rautenberg, 1925 gegründet
  • Evangelischer Jungmädchenbund : (Wandern, Turnen) 33 weibliche jugendliche Mitglieder - Vereinsleiter : Pfarrer Bernecker, 1928 gegründet


Titelplatt Reichs-Adressbuch für Leibesübungen (1929/30)
Verzeichnis der Sportvereine in Aulowönen (1929)
Fußballmannschaft des Sportvereins Aulowönen ca. 1928
vordere Reihe 1. v.r. : Benno Teufel



An- und Verkaufsgenossenschaft / Kleinbahnhof

Die An- und Verkaufsgenossenschaft ........ (Informationen folgen)''"


An- und Verkaufsgenossenschaft Insterburg
Zeitungswerbung 1922


Kontobuch (Benno Teufel) der
An- und Verkaufsgenossenschaft Insterburg
(Zweigniederlassung Aulowönen (Aulenbach)
Einband (1938-1944)
Kontobuch (Benno Teufel) der
An- und Verkaufsgenossenschaft Insterburg
(Zweigniederlassung Aulowönen (Aulenbach)
Seite 28-29 (1941)


Kleinbahnhof Aulowönen (Insterburger Kleinbahn)

lag an der Strecke Insterburg - Skaisgirren mit Waggons. Links die Gebäude der An- und Verkaufsgenossenschaft, rechts das Bahnhofsgebäude. (1936)
An- und Verkaufsgenossenschaft

Reste des Kleinbahnhofs im heutigen Kalinovka. Die Schiene der Kleinbahnstrecke wurde nach 1945 abmontiert. (1991)


Kleinbahnhof Aulowönen (Insterburger Kleinbahn)

Die letzten Reste der An- und Verkaufsgenossenschaft (2002)
Wohnhaus in Kalinovka

Das ehemalige Bahnhofsgebäude (2007) als Wohnhaus. Die Gebäude und Gleise der An- und Verkaufsgenossenschaft sind verschwunden



Adler Apotheke

Adler Apotheke
(Lage in Aulenbach)
Adler Apotheke Kreutzinger Straße (1930)
Blick Richtung Skaisgirren
Bürgermeisteramt, ehemalige Adler Apotheke (2015)
Blick Richtung Skaisgirren (analog 1930)

Die Adler Apotheke gehört zu einem Gebäudekomplex an der Kreuzingerstr. 2-3 (früher Königsberger Str.) welcher von Karl Hertzigkeit 1919 erworben wurde. Auf dem Grundstück befand sich neben der Apotheke eine Werkstatt mit Lager (später Karl Hertzigkeit, Eggen- und Pflugfabrik), mehrere Hinterhäuser sowie ein Betsaal der neuapostolischen Kirche von Aulenbach.

Das Gebäude lag in unmittelbare Nähe des Marktplatzes, des Tuchgeschäftes Wilhelm sowie den Gaststätten Rautenberg und Götz. Die Kirchstraße mündete direkt auf dieses Gebäude.

In den Mietunterlagen von Karl Hertzigkeit wird die Apotheke wie folgt beschrieben: 30 qm Laden, 15 qm Büro, 12 qm Lager und 4-Zimmerwohnung. Die Jahresmiete 1935 betrug RM 1200,-.

Durch Dritte ist das Apothekenschild aus Emaile (Adler Apotheke G.Barkow) gerettet worden und befindet sich wieder in Familienbesitz Hertzigkeit. Im Firmenverzeichnis (1927) ist die Apotheke Gustav Barkow eingetragen, der Name Louise Barkow, Apothekenbesitzerin ist im Ortschafts- und Adressverzeichnis (1927) des Landkreises Insterburg aufgeführt (Besitzer war früher nicht unbedingt identisch mit Eigentümer, der Pächter von Land oder einer Immobilie wurde auch Besitzer genannt).

Im Seelenverzeichnis von 1941 ist Marta Böttcher, Apotheke vermutlich als letzte Pächterin gelistet. In der Mieterliste von Karl Hertzigkeit steht „Diekmann gestorben“ als Mieter der Apotheke.

Das Gebäude hat als einziges des Gesamtkomplexes die Kriegswirren überstanden. Heute ist es das Bürgermeisteramt von Kalinovka.

Erinnerungen von Wilfried Hertzigkeit, Partenheim (Rheinhessen) (2015)


Adler Apotheke (1904)
Apothekenschild G. Barkow. (1927)


Bürgermeisteramt Kalinovka (1996)
ehemalige Adler Apotheke
Bürgermeisteramt Kalinovka (1996)
Amtsschild


Bürgermeisteramt Kalinovka (2007
ehemalige Adler Apotheke
Ehemalige Adler Apotheke , Blick aus der Kirchstraße (2007)


Fleischerei Gefeller (Insterburger Straße)

Fleischerei Gefellerer
(Lage in Aulowönen)
Fleischerei Gefeller (ca. 1925)
Ehemaliger Fleischerei Gefeller (Kalinovka 2016)

Im Ortschafts- und Adressverzeichnis (1927) des Landkreises Insterburg sind in Aulowönen zwei Fleischerein eingetragen. Mitten im Ort, an der Hauptstraße, (Insterburger Str.), der L 137, gelegen, seitlich begrenzt von der Flötkestraße und dem Fluß Aula, unserer Uschupp, lag der Hof des Fleischers Gefeller. Der Hof hatte die Form eines spitzen Dreiecks.

Im Hauptgebäude an der Straße befindet sich rechts der Laden. Auf einem Bild aus dem Jahr 1925 ist daneben eine Frühstücksstube zu sehen die zur Fleischerei gehörte - "Restauration". Beschriftung am linken Giebel: Viehgeschäft. Der Vater von Gefeller handelte früher mit Vieh.

Links das Hamburger Kaffeehaus. Als wir 1935 nach Aulowönen zogen, gab es nur den Fleischerladen. Links zog ein Kolonialwarengeschäft ein. Betreiber könnte Tamms und Garfs gewesen sein. Dazu gehörte, wie auf den Dörfern üblich, eine Gastwirtschaft, die in den Frühstücksräumen ihren Platz erhielt. Pächter war Schlagowski. Vor Beginn des Krieges 1939 war das Geschäft bereits geschlossen. In den Räumen wurde ein Kindergarten eingerichtet.

Familie Gefeller bewohnte das Dachgeschoss. Zur Wohnung und zum Laden (privat) gelangte man durch einen Seiteneingang an der rechten Giebelseite. Von der Straße führte zwischen dem Haus und dem Nebenhaus ein gepflasteter Weg abschüssig auf den Hof. Dieser lag etwas 3,5 bis 4 m tiefer als die Straße. Dadurch besaß das Haupthaus ein Kellergeschoss, das nur von der Hofseite zu sehen war. Hier befand sich die Schlachterei. Auf der Giebelseite, unter dem Kindergarten, gab es 2 Zimmer. Dort wohnte ein Obdachloser, ab Herbst 1939 Witold, ein polnischer Kriegsgefangener (Fleischer), später kam ein Zweiter dazu. Die Wiese wurde Spielplatz für den Kindergarten. Von der Straße führte eine steile Treppe zur Wiese.

Im Nebenhaus an der Ecke L 137 und Flötkestraße wohnte rechts Gemeindeschwester Schwitzer. Auf der linken Seite hatte bis ~1934 Curt Stamm einen Papierladen, dann zog Schuhmacher Tuleweit dort ein. Ab ungefähr 1939 war es eine Wohnung. Das Dachgeschoss bewohnte Schneider Kludtke mit Familie.

Den Hof und das hintere Wohnhaus erreichte man auch von der Flötkestr. Rechts unten wohnte Stellmacher Laschinski, er war Witwer und der Großvater von Professor Salmon. Links wohnten wir. Mein Stiefvater Gutzeit war Postbeamter. Oben links Familie Jettkandt und rechts die Witwe Wieprecht, die vom Fenster die Flötkestraße beobachten konnte.

Der Stall an der Flötkestraße wurde früher für das Vieh benötigt, das Gefeller als Händler eingekauft hatte. Zu meiner Zeit wurde er für die Schlachttiere benötigt, der Rest stand leer. Am Giebel waren 4 Boxen, die uns 4 Bewohnern zu Verfügung standen. Oben im Stall stand eine Wäschemangel. In dem Schuppen an der Aula hatte jeder Bewohner ein Abteil. Daneben stand ein Toilettenhäuschen mit 3 "Kabinen".


Schmiede Jöttkandt (links) und ehemaliges Gebäude Fleischerei Gefeller (rechts)
im Hintergrund rechts das Gebäude von Juwelier Meyer, Dr. Epha und Zahnarzt Kwidor (2016)

Das Leben auf dem Hof und Drumherum

Den abschüssigen Weg herunter, vorbei am Eingang zur Wohnung von Gefeller, gelangte man auf den Hof. Auf der Rückseite des Hauses liegt die Schlachterei, ein Kellergeschoss. Das Schlachten von Geflügel, auch eines Schafes, kannte ich vom Hof meiner Großeltern. Hier ging es um größere Tiere, um Rinder, Schweine. Der Blick auf das Töten war nicht "schön". Ich konnte zuschauen, die Gesellen haben mich nicht daran gehindert. Schweine wurden abgestochen, Rinder mit einem Schussgerät auf die Stirn getötet. Jede Schlachterei benötigt viel Wasser. Wie im ganzen Dorf, so gab es auch hier keine Wasserleitung (glaube ich). Das Wasser musste mit Eimern von einer Handpumpe, die vor der Schlachterei stand, getragen werden. Diese Pumpe wurde von allen Bewohnern genutzt. Im Winter, oft fiel das Thermometer weit unter 0°C, gab es Probleme, sie fror ein. Da die Schlachterei immer Wasser benötigte, mussten die Gesellen sie auftauen.


Fleischerei Gefeller Umgebungsplan (ca. 1943)
Alle existierende Gebäude (schwarz)
Fleischerei Gefeller Umgebungsplan (2016)
Nicht mehr existierende Gebäude in grau, existierende in schwarz

Im Nebenhaus saß Schneider Kludtke im Schneidersitz am Giebelfenster. Darüber war noch ein kleines rundes Fenster und gegenüber bei Schmied Jöttkandt ein Kastanienbaum. Das runde Fenster lud zum Zielschießen mit Kastanien ein. Mir war das zu gefährlich, ich hatte mich nicht daran beteiligt. Kludtke hatte mich erkannt und "verpetzt", die damals übliche Strafe folgte trotzdem.


Das Hinterhaus

Unsere Wohnung war vielleicht 60qm groß. 1939 waren wir 7 Personen, zur Nacht wurde es eng. Im Winter wurde bei strengem Frost auch mit Steinkohle geheizt. Oft wurde die Küche zum gemütlichen Aufenthalt. Wie schon beschrieben, es gab keinen Wasseranschluss. Das Wasser mit Eimern von der Pumpe holen, im Winter ein Problem. Es bewirkte sicher auch einen Spareffekt.

Ein besonderes Patent stellte unser Wasserabfluss dar. Ein Rohr führte durch die Küchenwand nach außen, das Schmutzwasser lief an der Hauswand entlang die etwa 10m in die Aula. Den Lebewesen tat es scheinbar nicht geschadet. Im Winter versagte das Patent.

Um den ganzen Körper zu reinigen gab es ab und zu Badetage. Das Ganze spielte sich in der Küche ab. Für eine große Zinkwanne musste das Wasser auf dem Herd erhitzt werden. Dafür gab es einen großen Kessel, der auch für die Kochwäsche gebraucht wurde. Wer der Reihe nach in der Wanne steigen musste, weiss ich nicht. Auch nicht, ob nach jeder "Säuberung" das Wasser gewechselt wurde. Der "Spareffekt"! Zum Glück gab es auch bei uns den Sommer.

Neben uns Stellmacher Laschinski. Am Giebel des Hauses zur Flötkestraße stapelte sich das Material, mit dem der Meister alles herstellte, was für die Wagen der Bauern gebraucht wurde, überwiegend Wagenräder. Seine Werkstatt war ein Zimmer im Haus. Die Eichenholzspäne verbreiteten einen frischen Geruch. Eine kleine Drechselbank benötigte der Meister, doch alles andere war Handarbeit. Bei der schweren Handarbeit konnte ich ihm zuschauen. Die Eisenbereifung kam aus der Schmiede. Dafür machte er auf dem Sommerweg der Flötkestraße ein Feuer. Nur eine kurze Beschreibung der Leistung des Meisters.

Der Stall

Unten stand er fast leer. Nur auf der Stirnseite waren 4 Boxen. Auf dem Stallboden stand eine Wäschemangel, ein Ungetüm aus Holz. Der Mittelkasten war mit schweren Feldsteinen gefüllt, unter dem Kasten nahmen 2 Rollen die Wäsche auf. Der Kasten musste hin und her gezogen werden, eine schwere und zeitraubende Arbeit, besonders für meine Mutter, langweilig für mich. Später besaßen wir eine kleine Wäschemangel mit Handbetrieb.

1937 wurden wir Besitzer eines Radios! Marke Saba, ich glaube es kostete fast ein Monatsgehalt meines Stiefvaters. Es gab auch Volksempfänger - Goebelsschreier genannt - für 35 bis 70 RM. Ich drehte auf der Skala rauf und runter, es machte Spaß viele fremde Sprachen zu hören, obwohl ich keine verstand. Musik der Kapelle Erich Börschel vom Reichssender Königberg war oft "live". Während des Krieges war das "Wunschkonzert" eine beliebte Sendung, "Lilly Marlen" vom Soldatensender Belgrad wurde auch von unseren Gegnern gehört.

Mein Stiefvater, Leiter des Postamtes, hatte eine kurze Zusatzausbildung als Entstörungsmechaniker gemacht. Wegen der Erreichbarkeit tat er den Dienst nur im Ort. Dafür durfte er bei jedem Wetter, ob Sommer oder Winter, mit Steigeisen auf die Masten klettern und Leitungen flicken. Am Sonntagmorgen waren die Batterien im Postkeller zu überprüfen, wohin ich ihn mitunter begleitete. Wir hatten kein Telefon, aber eine Alarmanlage, die sich schon mal zu unpassender Zeit meldete. Ab zur Post. Klagen habe ich von ihm nie gehört, obwohl eine 50 Stundenwoche fast normal war. Ein vereinbartes Klingelzeichen zeigte mir, ein Telegramm war auszutragen.

Der Schuppen

Der Schuppen, direkt an der Aula. Das 2. Abteil von rechts benutzten wir zur Lagerung des Brennmaterials, Holz, Brikett und Kohle, sowie unserer Fahrräder. Mein Stiefvater war ein überaus korrekter Mensch, alles wurde maßgerecht auf Länge gebracht und gestapelt. Für mich war das eine langweilige Beschäftigung. Für die Roten Soldaten reichte der Vorrat über den Winter. Mein Fahrrad konnten sie auch gebrauchen.

Rechts daneben das Knochenlager der Schlachterei, es gehörte gleichzeitig einer großen Ratenfamilie. Da war immer Hochbetrieb, die sprangen quietschvergnügt herum und ließen sich dabei nicht stören. Mitunter bedauerte ich es, kein Gewehr zu haben, die Tiere blieben nicht nur im Lager. In unserem Abteil und im Haus hatten wir aber kein Problem mit diesem für mich bis heute scheußlichen Tieren. Die kleinen niedlichen Mäuschen tauchten schon mal auf.

Das Häuschen

Auch auf dem Dorf müssen alle Menschen mal. Die Bezeichnung "WC" wäre für unser "Häuschen" auf dem Hof schmeichelhaft. nenne wir es Toilette. Unser Ausdruck war natürlich wesentlich drastischer. 3 abgeteilte "Kabinen", wir benutzten die linke, die wie die anderen abgeschlossen war. Nach unten war alles offen, das "Ergebnis" fiel in eine Grube, ein Plumpsklo. Es musste bei Wind und Wetter benutzt werden, für die Belüftung war damit gesorgt. Im Winter konnte man das Ziel oft erst erreichen, wenn der Schnee weggeschaufelt war. Beleuchtung gab es nicht. Das "Toiletten" -papier lieferte das "Ostpreußische Tagesblatt" , von uns genau auf Größe zugeschnitten. Unsere "Kleinen" mussten nachts schon mal - dafür gab es ein Nachttöpfchen mit Henkel.

In anderen Häusern wird es genauso oder ähnlich gewesen sein. Vereinzelt gab es Toilettenbecken mit Spülung. Wohin der Abfluss führte? Eine Kläranlage gab es in Aulenbach jedenfalls nicht. Wie man sonst im Dorf mit dieser Sache umgegangen ist, weiß ich nicht.


Aufgeschrieben von Lothar Kuprat, Bremen, Januar 2017


Ehemalige Fleischerei Gefeller - Originalschriftzug "Viehgeschäft J. Gefeller" ist noch vorhanden (1996)
Ehemalige Fleischerei Gefeller - Blick von der Straße nach Streudorf (2016)


Die Aula

Flötkestraße, Holzbrücke über die Uszup (Aula )
Gärtnerrei Fritz Meyer
Flötkestr., direkt an der Aula.

unsere Uschupp, im Sommer ein ruhig dahinfließendes kleine Rinnsal, 30 bis 40 cm. tief, knapp 1m breit. In den ersten Jahren war das Wasser so klar und sauber, dass unsere Fleischergesellen darin Hechte gefangen haben. Irgendwann hat die Molkerei Abwasser eingeleitet, der Fluss bekam eine milchige Farbe. Nicht nur die Fische verschwanden, das Flüsschen änderte auch seinen "Geruch".

Mit der Schneeschmelze konnte das Flüsschen ein gefährlicher Fluss werde, bis 2,5m tief und 4m breit. Unser Keller, in dem die Kartoffeln lagerten, stand dann fast immer unter Wasser. Stiefvater hatte eine Stellage eingebaut und so blieben sie trocken. Viele Mäuse überlebten allerdings nicht.

Auf der Oberfläche trieben Eisschollen, die wir an der Holzbrücke bestiegen und bis zur Brücke an der Hauptstraße mitfuhren. Das war nicht ungefährlich, auch trocken kam man nie nachhause. Zum Glück ist nie etwas Ernsthaftes passiert.


Aufgeschrieben von Lothar Kuprat, Bremen, Januar 2017


Die Flötkestraße

Die ehemalige Flötkestraße
Blick aus Richtung Gärtnerei Meyer auf die
ehemalige Fleischerei Nasner und Molkerei (08/2016)

Von der Insterburger Straße, an der Schmiede, der Schlachterei Gefeller und der Feuerwehr vorbei, über die Aula, den "Sturgelberg" hinauf, reichte sie bis an die Grünheider Str. Bis zur Aula war sie gepflastert, daneben bis zur Feuerwehr ein Sommerweg (Sand). Sommerwege waren auf vielen Nebenstraßen angelegt, um die Hufe der Pferde zu schonen. Von der Schmiede bis zur Feuerwehr ein kleiner Graben bis zur Aula. Meist war es trocken, außer wenn die Schmiede Wasser abließ.

Über die Aula eine Holzbrücke. Von hier ging es den "Sturgelberg", wie wir ihn nannte, hinauf bis zur Grünheider Straße. In diesem Teil lag auch das Geschäft der Gärtnerei Meyer sowie die 2. Schlachter, Nassner. Dieser Teilabschnitt der Straße war befestigt.

Im Jahre 2016 ist die Befestigung nur noch teilweise, vereinzeltn als Teerdecke vorhanden. Die ehemalige Pflasterung istverschwunden, die Flötkestraße überweigend ein Sandweg.



Fleischerei Nasner (Flötkestraße)

Fleischerei Nasner
(Lage in Aulowönen)
Fleischermeister Franz Nasner Aulowönen (ca. 1940)

Im Ortschafts- und Adressverzeichnis (1927) des Landkreises Insterburg sind in Aulowönen zwei Fleischerein eingetragen. Fleischerei Gefeller lag an der Hauptstraße, direkt am Fluß Usza (Aula).

Der Fleischermeister Franz Nasner wohnte mit seiner Ehefrau Paula Nasner und ihren Töchtern Erna und Herta in der Flötkestraße Nr. 13, wo auch ihre Fleischerei war.

Vermutlich hat Franz Nasner die Fleischerei vor dem Krieg aufgegeben und diese wurde von der Familie Grigoleit weitergeführt (ob das Geschäft verkauft oder verpachtet wurde ist nicht bekannt). Im Krieg war dort eine Versorungseinheit der Wehrmacht (Feldküche) untergebracht.

Information von Torsten Schimmer, Bonn

Fleischermeister Franz Nasner
mit Ehefrau Pauline und den Kindern
Herta und Erna (ca. 1916)

Fleischerei Nasner Firmenauto der Marke Brennabor (ca. Winter 1930)


Familie von Fleischermeister Franz Nasner vor ihrer Haustür, (ca. 1930)

Herta und Erna Nasner
Töchter von Franz Nasner (ca. 1930)


Fleischermeister Franz Nasner vor der Schlachterei
(ca. 1930)

Fleischermeister Franz Nasner
(ca. 1930)


Fleischermeister Franz Nasner mit Ehefrau Pauline (ca. 1943)

Links Ehepaar Grigoleit (Pächter od. Nachmieter der Fleischerei Nasner) (1942)


Fleischerei Nasner mit Wohnbereich
in der Flötkestr. 13 (ca. 1990)

Die Häuser daneben haben die Kampfhandlungen 1945
Fleischerei Nasner mit Wohnbereich
in der Flötkestr. 13 (ca. 1990)

wohl teils nicht überstanden, so dass es nun relativ alleine dasteht (Rückseite)


Blick in die Flötkestraße von Südosten
auf das ehemalige Gebäude der Fleischerei Nasner (08/2016)
Fleischerei Nasner im aktuellen Zustand
(August 2016)



Freiwillige Feuerwehr (Flötkestraße)

Sie hatte, wie die meisten der Landfeuerwehren, sich viele Verdienste erworben. Ihr vorletzter - selbstverständlich ehrenamtlicher - Brandmeister war ein großer Freund von Schnupftabak. Als die Feuerwehr in einer Nacht ausrücken mußte, läutete er unterwegs plötzlich wie wild die Glocke. Der pferdebespannte Wagen hielt, und erschreckt fragten die Männer nach dem Grund hierfür- "Eck heb mien Schniefkedos´verlore", erklärte der Brandmeister, "un dat wär hier, wo eck mien letzte Schniefke genomme häb!"

aufgeschreiben von Alfred Rautenberg, Bonn

Freiwillige Feuerwehr Aulowöhnen / Aulenbach (Ostp.) Gruppenbild (ca. 1925)

Obere Reihe v.l. : Emil Mattschuk, Franz (?) Anbuhl, Max Götz, Georg Pringel, Fritz Urbigkeit, Paul Gettkandt, Arthur Bleyer - mittlere Reihe v.l. : Heinz Wollert, Otto Krohm, Kurt Stamm, Fritz Sternberg, August Steputat, Paul Gefeller, Karl Herzigkeit, Emil Thiel - untere Reihe v.l. : Franz Durdack, Kr. Brandstätter, (?) Landrat, Leo Stamm, Kurt Meyer, ?, (?) Meyer senior.
Freiwillige Feuerwehr Aulowöhnen / Aulenbach (Ostp.) Gruppenbild im alten Feuerwehrauto (ca. 1930)

Hintere Reihe v.l. : Otto Krohm, Georg Pingel, August Steputat - 2. Reihe von vorn stehend v.l. : Fritz Urbigkeit, Richard Bajorat - Fahrersitz von vorn : Emil Reck, Leo Stamm, Paul Gefeller - Rechts stehend von vorn : Paul Gettkandt, Kurt Stamm // Leo Stamm war damals Brandmeister der freiwilligen Feuerwehr. Stammlokal war die Gastwirtschaft Goetz in Aulenbach



Gasthaus Goetz (Obersteller)

Hotel Adolf Günther
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (ca. 1905)
Hotel Max Obersteller
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (um 1915)

Die Gastwirtschaft Goetz lag am Marktplatz von Aulowönen, gegenüber der Gaststätte Rautenberg und der Kfz-Werkstatt Schwarznecker & Reck an der Dorfstraße (R137) / Straße nach Budwethen (Streudorf). Vorbesitzer war Anton Dalheimer (vermutlich verkaufte er bereits 1890, weil er in einen Hof in Kiaunischken einheiratete. Im Jahr 1905 existierte diese Haus bereits unter dem Namen Hotel Adolf Günther. Vermutlich vor 1914 ging der Gast- und Hotelbetrieb über an die Familie Obersteller, die an der gleichen Stelle das Hotel Max Obersteller betrieben.

Wilhelm Goetz, 1887 im Kreis Elchniederungen geboren, trat 1902 in die kaufmännische Lehre bei seinem Verwandten Johann Friedrich Goetz in Skaisgirren (Kreuzingen) ein, der ein Geschäft für Colonial Material Leder Eisenkurzwaren Mehl inclusive einer Schankwirtschaft betrieb. Anschließend ging er als Geselle für 2 Jahre nach Tilsit. Von 1909-1914 war er, damals 23jährig, bereits als Geschäftsführer in Tilsit bei Carl Stillger (Kaufmann) Colonial, Material, Eisenspezial und Schankwirtschaft tätig. Während des 1. Weltkrieges geriet er in russische Gefangenschaft und kehrte im Juli 1918 nach Aulowönen zurück.

Am 26. Juli 1919 kaufte er die Gastwirtschaft "Obersteller" mit 5 ha Land, Aulowönen Nr.17. Ab 1. Oktober 1919 übernahm er die Gastwirtschaft. Die Geschäftstätigkeit umfasste Colonial, Material, Eisenkurzwaren, Schankwirtschaft Hotel und Gastgartenbetrieb. In späteren Jahren kam noch eine Tankstelle auf der Mitte des Marktplatzes hinzu, hier wurde Markenbenzin von Aral verkauft. Sein Nachbar Schwarznecker & Reck betrieb gegenüber eine Shell Vertretung. Der Tanzbetrieb im Garten war seinerzeit legendär.

Das Gebäude war in vier Bereiche eingeteilt. Links der Laden für Eisen- und Colonialwaren, in der Mitte der Schankbetrieb,rechts ein Friseur (in den 1940igern Friseur Wollat). Ganz rechts war noch ein Raum in denen später Segelflug Modellbau stattfand ( siehe Bericht)

Der Name "Max Obersteller (Nachfolger)" blieb noch lange erhalten, wie ein Handelsregisterauszug von 1937 belegt. In den 1930iger und 1940iger war der Betrieb unter GOETZ bekannt.

Im April 1945 flüchtete die Familie nach Lauenburg (Elbe), das Gebäude wurde zerstört und existiert heute nicht mehr.

Gasthaus Goetz
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) mit Marktplatz (1925)
Blick vom Gasthof Rautenberg


Lebenslauf von Wilhelm Goetz
Kaufmann in Aulowönen (erstellt 1950)
Gasthaus Goetz Schankkonzession
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (1920)


Gastbetrieb Goetz Einheitswertbescheid 1931
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (1931)
Gastbetrieb Goetz Einheitswertbescheid 1935
Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (1935)



Gastbetrieb Goetz Feuerversicherungspolice (Seite 1)
der Allianzversicherung für den Betrieb Goetz incl. verschiedener Nebengebäude.
Die Police war gültig vom 10.10.1937 - 10.10.1947
Gastbetrieb Goetz Feuerversicherungspolice (Seite 2)
der Allianzversicherung für den Betrieb Goetz incl. verschiedener Nebengebäude.
Die Police war gültig vom 10.10.1937 - 10.10.1947


Handelsregister Auszug AG Insterburg HRA 1234
Firma Max Obersteller Nachfolger (1937)
Umschreibung von HRA 18) Deckblatt
Handelsregister Auszug AG Insterburg HRA 1234
Firma Max Obersteller Nachfolger (1937)
Umschreibung von HRA 18) Abteilung A


Firma Wilhelm Goetz Aulenbach
Telefonrechnung für Anschluß Aulenbach 202 vom 19.7.1944
(hier ist erstmalig eine Postleitzahl für Aulenbach sichtbar : 5b)
Wilhelm Goetz mit Ehefrau Selma
Käufer des Gasthauses Obersteller (1919)
Foto:ca. 1960



Gaststätte und Kolonialwarengeschäft Rautenberg

(vormals Hotel Adolf Radtke)


Gaststätte Adolf Radtke Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Gesamtansicht ohne Saalvorbau (um 1909)


Gaststätte Rautenberg Aulenbach - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Gesamtansicht (um 1938)


Bis ca. 1910 wurden die Gastwirtschaft von von Adolf Radtke betrieben, er ist auch im Adressbuch von 1907 als Kaufmann vermerkt. Auf einer Postkarte von 1920 ist der Übergang auf August Rautenberg (Etablissement Rautenberg) bereits vollzogen. Der Saalvorbau ist vermutlich kurz nach dem 1. Weltkrieg, zwischen 1918-1920 angebaut worden. Im 1. Weltkrieg kam es zu russischen Übergriffen im Kirchspiel Aulowönen. Aus dieser Zeit ist eine Geschichte zu August Rautenberg von Pfarrer Leipacher überliefert :

" .... auch Gastwirt Rautenberg sollte von den Russen verschleppt werden, da schrien sein Weib und seine 6 Kinder um Erbarmen, die Russen ließen sich erweichen und er durfte zurückbleiben."

Das Gebäude brannte im Januar 1945, wurde zerstört und existiert heute nicht mehr. Ungefähr an gleicher Stelle steht heute ein russisches Kulturhaus.


Beim August Rautenberg in Aulowönen

Kurt Müllerbuchhof vom Rittergut Buchhof widmete August Rautenberg 1962 im Insterburger Brief (14. Jahrgang Seite 179) folgende Geschicht :

Das war der August Rautenberg,
der rief: "Daß Gott mir helf,
trinkt niemand mehr ´nen Tropfen Wein
mittags um halber zwölf?"
August Rautenberg Aulenbach, Ksp. Aulenbach (1940)
Da fuhr der Müllerbuchhof vor
und sprach: "Ich habe Durst.
auch Hunger hab´ich, möchte gern
von Ottchens Leberwurst."
Da stieg der August Rautenberg
hinab in seinen Keller
und holte eine Flasch´herauf,
die schwarze Katz´, die Zeller.
Und als wur uns kaum hingesetzt
da kam herein der Ehmer
Er sagte: "Das paßt ja ganz famos,
ich denk´, das Fläschchen nehm´n war!"
Und als dann noch der Jaeckel kam
da saßen vier im Zimmer
Na, wenn der ganze Schnee verbrennt,
die Asche bleibt uns immer!
Sie spielten Skat und tranken Wein
Manch´Lied stieg in der Runde,
und eh´man auseinanderging,
Verann noch manche Stunde.
So war es einst und wird es sein
solang´die Welt besteht
und wer das nicht recht glauben will,
der ist etwas verdreht
Meinem lieben, treuen Freund August Rautenberg und seinem lieben Ottchen zur Erinnerung an längst vergangene Zeiten.


Bei Kriegsende (2. Weltkrieg) war die Gastwirtschaft Rautenberg das erste Gebäude, welches am 19. Januar 1945 den vorrückenden russischen Panzern zum Opfer fiel :

14 Uhr : Sowjetpanzer ist vorgerückt bis Spitzinn (bewaldeter Hügel), nimmt Aulenbach unter Feuer, die Kirche brennt! Als der Rauch sich verzogen hatte, berichtete er :"Die Kirche steht unversehrt, Haus Rautenberg brennt!"


Ottilie und August Rautenberg Gründer und Besitzer der Gaststätte (Hochzeitsfoto 23.09.1901)
Aulowönen, Ksp. Aulenbach (Ostp.) Blick auf den Marktplatz und die Gaststätte sowie das Kolonialwarengeschäft Rautenberg (1920)


Saal im Gasthaus Rautenberg Aulowönen, Ksp. Aulenbach (Ostp.) Aufführung um 1925
Elfriede Rautenberg am Klavier im Saal des Gasthaus Rautenberg - Aulowönen, Ksp. Aulenbach (Ostp.) um 1930



Sängerfest - Gruppenaufnahme im Garten der Gastwirtschaft Rautenberg Aulowönen, Ksp. Aulenbach (Ostp.) (um 1925)
Familie August Rautenberg (Aulowönen)
v.l. stehend : Alfred, Elfriede, Herbert, Hedwig, Leo, davor Mitte Paul - sitzend : Ottilie und August Rautenberg


Marktplatz von Kalinovka, mit dem russischen Kulturhaus. Blick Richtung Kreuzingen. Hier stand früher die Gastwirtschaft Rautenberg. Hinter den Bäumen lag die Kirche. (1996)


Gut Ehmer

Bullenreiten im Aulowöner Dorfteich (Schwemme)
Der Reiter ist der Oberschweizer Deluweit, ca. 1925
Bullenzucht auf Gut Ehmer
Oberschweizer (=Melker) mit Bulle, ca. 1930



Kfz-Werkstatt Schwarznecker & Reck

Scharznecker & Reck
Verkaufsraum und Tankstelle mit Zapfsäulen (1932)
Dapolin
Werbeschild (1920)
Standard Oil
Benzin Zapfsäule (1930)
Standard & Dapolin
Werbung am Haus von
Schwarzenecker & Reck (1928)

Seit ca. 1926 betrieben Franz Schwarznecker und Emil Reck in Aulowönen die örtlichen Kfz-Werkstatt incl. Tankstellenbetrieb. Später verkaufte sie Kraftfahrzeuge der Marken DKW und Mercedes, Landmaschinen, Fahrräder und Waschmaschinen der Marke Miele.

Die Werkstatt lag am Marktplatz von Aulowönen, neben der Gaststätte Rautenberg und schräg gegenüber der Gaststätte Götz (ehemals Obersteller) direkt an der Dorfstraße von Insterburg nach Skaisgirren (Kreuzingen). Die Tankstelle war lange Zeit die einzige im Ort, erst in den 1930iger Jahren entstand gegenüber der Werkstatt auf dem Marktplatz eine Aral "Gehweg Tankstelle", die von Wilhelm Goetz betrieben wurde.

In den 1920iger Jahren verkauften Schwarznecker & Reck Benzin der Marke "Dapolin" der Firma DAPG (Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft) [6] . Die DAPG wurde am 25. Februar 1890 in Bremen als gemeinsames Unternehmen von den deutschen Kaufleuten Franz Ernst Schütte, Carl Schütte und Wilhelm Anton Riedemann sowie dem US-Amerikaner John D. Rockefeller von Standard Oil gegründet, um das Petroleumgeschäft der Standard Oil in Deutschland zu betreiben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Petroleum unter der Marke DAPOL und das (amerikanische) Benzin unter DAPOLIN mit dem berühmten Indianerkopf verkauft. 1904 übernahm die Standard Oil Company 50 % der Anteile an der Gesellschaft und verlegte den Sitz des Unternehmens nach Hamburg.

Nachdem der Benzol-Verband 1924 durch Beimischung von Benzin zu seinem Benzol ein Super-Benzin (Bibo-Gemisch) entwickelt hatte, wurde durch Liefertauschabkommen mit der DAPG diese in die Lage versetzt, durch Beimischung von etwa 40 % Benzol ebenfalls ein klopffesteres Super-Benzin anzubieten: Duolin, das ab September 1928 als rot eingefärbtes Esso verkauft wurde. Und dem Dapolin wurden zur Klopffestigkeitserhöhung 10 % Benzol beigemischt.

1930 trat in Deutschland die Bezugsverordnung von Kartoffel-Spiritus zu Treibstoffzwecken für alle Treibstofffirmen in Kraft. Jeweils 2,5 Gewichtsprozente der produzierten oder eingeführten Treibstoffmenge waren von der Reichsmonopolverwaltung zu beziehen. Diese Quote erhöhte sich bis Oktober 1932 schrittweise auf 10 %.

1931 wurde DAPOLIN in Standard Benzin umbenannt. 1935 war die DAPG in Deutschland Marktführer unter den Großen Fünf Tankstellenketten mit 18.327 Zapfstellen (32,7 %) sowie gleichauf mit der Rhenania-Ossag mit einer Absatzquote von 20,9 %.

Um 1937/1938 erfolgte die Umfirmierung der Marke Standard auf die Marke ESSO. Schwarzenecker & Reck verkauften ab 1938 sämtlichen Kraftstoff unter der Marke Esso.

Im Jahre 1928 (siehe Bild) wurde sowohl mit der Marke Standard (Oil) als auch Dapolin geworben. Im Jahre 1932 hatte die Tankstelle 2 Zapfsäulen. Links eine mit der Marke Esso (für das Duolin, also das Super-Benzin) und rechts eine für das Standard Benzin (das ehemalige Dapolin), welches unter der Marke Standard verkauft wurde.

Das Verkaufsgebäude sowie dier Werkstadt wurde zerstört und existiert heute nicht mehr.


Erklärungsschreiben von Richard Bajorat über die Geschäftstätigkeiten der Firma Schwarznecker & Reck (1960)
Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Grundstücks- und Gebäudeplan der Werkstatt und des Wohnhauses (1932)


Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Werkstatt mit Tankstelle und Kfz (um 1925)
Motorradausflug Aulowönen nach Ober-Eisseln vor der Werkstatt Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) (10.06.1928)


2.v.r. Benno Teufel Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) mit seinem Motorrad D-Rad (Deutsche Industrie AG) Kennzeichen IC-13839
Zulassungsbescheinigung Motorrad D-Rad (Deutsche Industrie Werke) Kennzeichen IC-13839 Vorderseite
Zulassungsbescheinigung Motorrad D-Rad (Deutsche Industrie Werke) Kennzeichen IC-13839 Rückseite


Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Richtfest des Wohngebäudes. Franz Schwarznecker steht links von der Leiter (1930)
Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Wohngebäude und Verkaufsraum Werkstatt Schwarznecker & Reck (1932)


Emil Reck als Fahrer des Löschfahrzeuges der freiwilligen Feuerwehr Aulenbach
Teilhaber der Kfz-Werkstatt Schwarzenecker & Reck in Aulowönen (um 1930)
Schwarznecker & Reck Aulowönen - Ksp. Aulenbach (Ostp.) Werkstatt mit Tankstelle und Mercedes / DKW Vertretung (um 1934)



Mühle Schiemann

Mühle Otto Schiemann
Bauzeichnung Neubau einer Getreidereinigung, 1913
Mühle Otto Schiemann
Bauzeichnung Neubau einer Getreidereinigung, 1913


Mühle Otte Schiemann
Ortseingang Kalinowka (Aulenbach)
Im Hintergrund steht die Mühle Schiemann (links), 1992



Pflugfabrik Hertzigkeit

Karl Hertzigkeit (um 1940)
*15.01.1896 Tilsit †18.06.1965 Hannover

Karl Hertzigkeit und seine Ehefrau Gertrud geb. Behrendt , beide geboren in Tilsit, erwarben im Jahre 1919 (dem Jahr der Eheschließung in Birjohlen) den Gebäudekomplex Apotheke, Hinterhäuser und Werkstatt mit Lager einschließlich Gewerbebetrieb in der Kreuzingerstr. 2+3 (ehemallige Königsberger Str.) von Anna Kerinnus.

Das Grundstück hatte etwa eine Größe von 1.200 qm, die Hälfte der Fläche war bebaut. Der Kaufpreis ist mit 61.400 RM angegeben. Wieso jemand in Inflationszeiten Immobilien verkauft und womit der Kaufpreis bezahlt wurde (Fam. Hertzigkeit u. Behrendt kamen aus kleinen Verhältnissen - Carl Hugo Hertzigkeit war Bahnarbeiter, Friedrich Wilhelm Behrendt Maurer) bleibt rätselhaft.

'Karl Hertzigkeit, Eggen- und Pflugfabrik (1936)
Verkaufskatalog

Der Kaufpreis wird in RM angegeben, jedoch wurde die Reichs- oder Rentenmark (RM) erst nach 1923 eingeführt. Von Beginn des 1. Weltkriegs bis 1923 war die nicht mehr Gold gedeckte Mark, auch Papiermark genannt, gültig. Das Kaufdatum fällt mitten in die Zeit der Inflation von 1914 bis November 1923 in der es durch Kriegskosten und Reparationszahlungen zu erheblichen Geldentwertungen kam. Im Oktober 1921 wies die Mark noch ein Hundertstel ihres Wertes vom August 1914 auf, im Oktober 1922 nur mehr ein Tausendstel. Die Hyperinflation sorgte für einen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft und des Bankensystems. Zwei komplette Auflagen von 1000 Mark- und 5000 Mark-Banknoten konnten Anfang 1923 nicht mehr in Umlauf gebracht werden, sie mussten Ende 1923 mit "1 Milliarde" und "500 Milliarden"-Aufdrucken verwendet werden.

Dies bedeutet, das der Verkauferlös von Anna Kerinnus sich innerhalb weniger Jahre in nichts auflöste. Sie wird im Ortschafts- und Adressverzeichnis des Landkreises Insterburg (1927) (Aulowönen) als Witwe aufgeführt, im Verzeichnis „ Seelenliste der Gemeinde Aulenbach/Kr.Insterburg“ von 1941 ist sie nicht gelistet.

Für Karl Hertzigkeit war der Kauf Grundlage zukünftigen geschäftlichen Erfolgs seiner Manufaktur für landwirtschaftliche Ackergeräte. So betrugen die Reineinkünfte im Jahre 1939 ca. RM 7.000,- bei einem Umsatz von RM 80.000,- , erwirtschaftet mit 6 Angestellten, im Kriegsjahr 1944 reduziert auf RM 5.000,-, bei einem Umsatz von RM 65.000,- und mit 4 Angestellten. Ein Verkaufsprospekt (8 Seiten) von 1936 zeigt das breite Spektrum an Pflügen und Eggen, welche von der Fa. Hertzigkeit herstellt wurden. Die angegebenen Verkaufspreise (um die 100 RM) lassen abschätzen, dass pro Jahr ca. 400 Geräte hergestellt wurden, bei 50% Anteil des Warenverkaufs am Gesamtumsatz des Unternehmens.

Aus einer Geschäftsinventarliste geht hervor, daß ein PKW Marke Fiat 1100 vorhanden war. Dieser wurde einem Vertrag gemäß am 12.10.1944 an Pg. (Parteigenosse ?) Wilhelm Noellner, Königsberg (Produktionsbeauftragter für Druck des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion Bezirk Ostpreußen) verliehen (wahrscheinlich konfiziert).

Neben den Einnahmen aus der Manufaktur gab es noch Mieteinnahmen aus den nicht selbst genutzten Gebäuden. Das waren die Apotheke mit 3 Wohnungen und 2 vermieteten Mansarden sowie ein Betsaal der neuapostolischen Gemeinde (deren Mitglied Karl Hertzigkeit war) in einem der Hinterhäuser. In Summe waren das ca. RM 3.000,- pro Jahr.

Für die Apotheke mit 30 qm Laden, 15 qm Büro, 12 qm Lager und 4-Zimmerwohnung betrug die Jahresmiete 1935 RM 1200,-.

Ein Facharbeiter hatte 1935 einen Bruttostundenlohn von 78 Rpf. (Reichspfennig), davon konnte er ½ Pfund Butter kaufen. Aufs Jahr bezogen waren das ca. RM 2000,- . Die an den Drucker Podszun vermietete 2-Zimmer Wohnung kostete RM 420,- pro Jahr. Für die 3-Zimmer Wohnung musste die Familie der Hebamme Schlimmer RM 540,- zahlen. Für die Arbeiterin Schattauer mit 2 Kindern reichte es nur für ein Mansardenzimmer für 10 RM pro Monat. Die neuapostolische Gemeinde zahlte RM 25,- pro Monat für den ca. 100 qm großen Saal.

Erinnerungen von Wilfried Hertzigkeit, Partenheim (Rheinhessen) (2015)


Familie Hertzigkeit (1929)
Gertrud, Alfred Charlotte und Karl Hertzigkeit


Lageplan Besitz Hertzigkeit
(ca. 1940)

Mieterliste Hertzigkeit
(ca. 1940)
erstellt 1955


Maschinenbestandsliste Seite 1
(ca. 1944)
Maschinenbestandsliste Seite 2
(ca. 1944)


Volkschule


Schulgelände
(Lage in Aulowönen)
Das alte Schulgebäude (ca. 1904) in Aulowönen
später vermutlich Wohnhaus hinter der Schule


Blick auf die Kirche und dem neuen Schulgebäude in Aulowönen - Sicht von Streudorf kommend (ca. 1913)



Das neue Schulgebäude in Aulowönen - Raumaufteilungsplan (ab 1910)
Das neue Schulgebäude in Aulowönen - Sicht vom Schulhof / Straße nach Schillen (1925)


Volksschule Aulowönen Schulklasse (1921)
Volksschule Aulowönen Schulklasse (ca. 1940)


Ruine des ehemaligen Schulgebäudes (ca. 1992)
Das Gebäude verfiel und hatte keine Nutzung
Ehemaliges Schulgebäude Volksschule (1994)
Abrissarbeiten - Das Schulgebäude weicht einem Wohnhausneubau


Wohnhaus am Standort des alten Schulgebäudes (2016)
Blick auf den ehemaligen Schulhof
Ehemaliger Schulhof und Neubau Schulgebäude (2016)
Hinter dem Zaun befand sich früher die Kirche



Privatschule Aulenbach

Die Familienschule – Kleine Chronik und Internas

Privatschule Dalheimer
(Lage in Aulenbach)

Wie kommen 10-11jährige Kinder nach Abschluss der 4. Klasse einer Volksschule in einem Dorf, 20 oder mehr Kilometer entfernt nach Insterburg, auf eine höhere Schule? Kein Problem. Bahn oder Bus in 30 Minuten. Oder Mama schnell mit dem Auto. So wäre es heute sicher auch in unserer alten Heimat.

Blicken wir auf den Anfang des letzten Jahrhunderts zurück, nach Aulowönen und Umgebung. Einen Bus gab es nicht, Mama oder Papa im Besitz eines Autos? Eine Bahn gab es, die 1902 eröffnete Kleinbahnlinie von Insterburg nach Skaisgirren. Die war aber nicht für Schüler gebaut. Sie sollte hauptsächlich Dörfer mit Gütern versorgen und die erzeugnisse der Bauernhöfe abtransportieren. Sie schlängelte sich durch die Landschaft, um möglichst viele Dörfer zu erreichen. 20 Straßenkilometer von Insterburg nach Aulowönen wurden zu 26 Bahnkilometern und gut 1,5 Stunden Fahrzeit. Um 8 Uhr begann der Unterricht in Insterburg. Nun, die Kleinbahn hat eine eigene interessante Geschichte.

Eine tägliche Fahrt für die jungen Kinder war nicht zumutbar. Eine Pension auch kaum, außer wenn man Verwandte oder gute Freunde dort hatte. Manches begabte Kind musste auf eine bessere Schulausbildung verzichten. Einige etwas betuchte Bürger erkannten diesen Nachteil. Sie gründeten eine Privatschule. Leider ist über die Gründung der Schule wenig bekannt. Fest steht, dass eine Schule Ende des 1. Weltkrieges bei Bauer Gaidis in Kiaunischken, dem späteren Stierhof, den Unterricht aufgenommen hat.

Lehrerin war Fräulein Jockel. Die Zahl der Schüler ist nicht bekannt. Da die Schule mit einer Klasse, der Sexta begann, können es nicht mehr als eine Handvoll gewesen sein. Diese Schule soll bis ca. 1924 dort gewesen sein. Kiaunischken ist etwas 2,5 km von Aulowönen (Aulenbach) entfernt. Etwa zur gleichen Zeit ist auch bei Ziegeleibesitzer Teufel in Aulowönen Unterricht erteilt worden. Lehrerein war Fräulein Galowski. Auch hier sind Schülerzahlen nicht bekannt, lediglich die beiden Kinder der Familie Teufel, Benno (*1906) und Ilse (*1911) sind nachweislich bekannt.

Clara Dalheimer hat 1926 ihre Tätigkeit in Aulowönen begonnen. Seit dieser Zeit gibt es verlässliche Daten über die Standorte, nicht aber über die Zahl der Schüler. In ihrem Brief hat sie viele Namen genannt, doch es gibt nur wenige Berichte, Auskünfte oder Bilder von diesen ehemaligen Schülern. Die Schülerzahlen der einzelnen Jahrgänge, vor allem in den ersten Jahren sind nicht genau bekannt.

Nach dem Beginn des 2. Weltkrieges 1939 stieg diese Schülerzahl stark an. ein Hintergrund war der Stundenausfall an der Volksschule in Aulenbach. Die Lehrer Paulun und Lehmann wurden Soldat. So wechselten mehr Schüler zur Privatschule als sonst üblich, ich war dabei. In dieser Schule gabe es bis zum Ende im Sommer 1944 keine Stundenausfälle. Die Räume waren bis auf den letzten Platz besetzt. 1941 betrug die Schülerzahl aller 4 Klassen zusammen - 36, wobei die ersten Klassen stärker besetzt waren.

Die Privatschule war von der zuständigen Behörede zugelassen, doch vor Abschluss eines Schuljahres mussten alle Schüler nach Insterburg in die Oberschule für Jungen bzw. für Mädchen zu einer Überprüfung. Im 3. Reich sprach man offiziell nicht von Gymnasium oder Lyzeum, sondern von Oberschulen, nicht von Sexta, Quinta, Quarta ... -, sondern von Klasse 1 bis 8 der Oberschule.

Ausflug der Privatschulklasse zur Ziegelei Guddat (1940/41)
Frl. Friese mit 1.& 2.Klasse oben rechts stehend, Lothar Kuprat mit Matrossenanzug

Schüler aus den umliegenden Ortschaften kamen im Sommer mit dem Fahrrad, teilweise sogar mehrere Kilometer Zufuß. Vereinzelt spannte auch mal ein Bauer Pferde vor die Kutsche, oder im Winter vor den Schlitten. Schulbusse waren unbekannt. Der Winter konnte außer tiefen Frost auch tiefen Schnee bringen. Frau Dalheimer hat ein Beispiel dafür genannt. Auch über den Winter in unserer Heimat, verbunden mit positiven und negativen Erlebnissen nicht nur der Schüler, könnte man viele Geschichten schreiben.

Für die Privatschüler führte der Weg zum Sportplatz über den Schulhof der Volksschule. Die Begrüßung war nicht immer sehr freundlich. Mancher Privatschüler wird das als Spießrutenlaufen empfunden haben. Später gehörte ich auch dazu. Manche betrachteten die Privatschüler als eine Elite und etwas eingebildet. Als ich selbst dazu gehörte, musste ich feststellen, dass dieses nicht zutraf. Man spürte keine sozialen Unterschiede, obwohl es sie auf der Elternebene gab. Sicher war etwas Neid dabei.

Ich begann bei Frl. Friese, die erst 1939 aus Danzig gekommen war. Sie war in der Schule sehr beliebt. Da Erich Mattmüller und ich beim Wechsel in der Volksschule bereits weiter waren, durften wir die Klasse 1 und 2 in einem Jahr absolvieren. Dazu erteilte uns Frl. Friese am Nachmittag kostenlosen Unterricht in Englisch. Frau Dalheimer unterrichtete überwiegend die Klassen 3 und 4. Sie war eine pflichtbewusste und strenge Lehrerin. Man konnte bei Ihr sehr viel lernen, was bei mir nicht immer klappte. Meine außerschulischen Beschäftigungnen kosteten viel Zeit.

Ausflug der Privatschulklasse zur Ziegelei Guddat (1940/41)
Frl. Dalheimer mit der 3. und 4. Klasse - Mitte rechts stehend

1941 begann der Aufmarsch gegen die Sowjetunion. An manchen Tagen zogen Marschkolonnen direkt an unserer Schule vorbei in Richtung Tilsit. Frl. Friese erlaubte uns einen Blick aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Soldaten zu werfen. Frau Dalheimer war davon nicht begeistert. Wahrscheinlich erkannte sie bereits das aufziehende Unheil.

Was Frau Dalheimer geliestet hat kann man heute kaum glauben. Eine 6-Tage-Woche, Unterricht in allen Fächern der 4 Oberschulklassen mit der notwendigen Vorbereitung. Den Erfolg bei den jährlichen Überprüfungen hat sie im Brief erwähnt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie trotz dieser Belastung in all den Jahren auch nur einen Tag gefehlt hat. Als Pfarrer Matern Soldat wurde, war sie sehr aktiv in der Gemeindearbeit und erteilte auch Kindergottesdienst. Ihr Pflichtbewusstsein weurde später leider nicht belohnt.

Biologie gehörte nicht zu meinem Lieblingsfach. Doch irgendwann mussten alle Schulen Heilkräuter sammeln. Gänsefingerkraut, Hirtentäschel, Taube Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Scharfgarbe, Huflattich ..... Einige waren bei uns in Massen vorhanden. Problem, sie mussten getrocknet Frau Dalheimer übergeben werden. Zu dem Zweck brachte sie ihre Briefwaage mit. Für getrocknete taube Brennnesseln kann man keine andere Waage gebrauchen. Kümmel, die Lösung. Im Vorratskeller des Vater von Siegfried Goetz befand sich dieses Erzeugnis.

Nach den Sommerferien 1944 wurden alle Schulen geschlossen, auch in Insterburg. Bis zum Sommer war ich bereits täglich dorthin zur Schule gefahren. Nach den Ferien gab es für uns kein Wiedersehen. Im Herbst 1944 begann die Evakuierung von Aulenbach. Frl. Friese musste ebenfalls Aulenbach verlassen. Aus Furcht vor den Befreiern wählte sie den Freitod.

Frau Dalheimer trat ebenfalls die Flucht an, kehrte im Glauben an ein friedliches Ende in die Heimat zurück. Sie hatte sich in den Siegern getäuscht, wie die meisten "Heimkehrer". Über 3 Jahre hat sie in dem alten Aulenbach (siehe auch Berichte aus dieser Zeit) die schlimmsten Jahre durchmachen müssen. Auch dort hat sie sich für ihre Leidensgefährten aufgeopfert. Sie verstarb 92 jährig, am 21. Oktober 1989, nur wenige Tage vor dem historischen Mauerfall am 9. November 1989, in der DDR.

Es ist schade, dass sehr wenige Berichte und Bilder über das doch kurze Bestehen dieser Schule vorliegen. Aber auch persönliche Berichte oder Erlebniss in diesen Jahren.

Aufgeschrieben von Lothar Kuprat, Bremen, September 2015,


Erinnerungen von Clara Dalheimer

Clara Dalheimer
(um 1940)
*1888 †21.10.1989 Neumühle

Erwähnt ist sie schon in dieser Sammlung historischer Daten. Trotzdem sei ihr noch ein Extra-Abschnitt gewidmet, schliesslich war sie im Kirchspiel eine „gewisse Institution": Die Privatschule. Als Ende der 1980er Jahre ein ehemaliger Schüler, Lothar Kuprat sich anschickte, alte Schulkameraden zu einem Treffen einzuladen, hatte er auch die langjährige Leiterin dieser Schule, Frau Clara Dalheimer, eingeladen. Die 91 jährige Lehrerin trat die stapazöse Reise von Neumühle (DDR) nach Bremen nicht an. Als Entschuldigung schrieb sie: "Es tut mir leid, daß ich Ihren Wunsch nicht erfüllt habe. Aber mit meinen nun mehr als 90 Lebensjahren geht alles nicht mehr so, wie ich es möchte. Zudem bin ich wegen des großen Personalmangels und einer Reihe hilfsbedrüftiger Heimbewohner einigermaßen beschäftigt". Sie schickte aber Ihren ehemaligen Schülern einen Bericht über Ihre Schule, der Aufschluss gibt über Entstehung, Entwicklung, Ziele und gewisse Problematiken jener Jahre. Der handgeschriebene Brief – einige Zeilen sind nachfolgend eingescannt – nachfolgend im original Wortlaut:


Neumühle, den 30.IX.(19)88
Gott zum Gruss den Lieben allen, die sich zum Treffen ehemaliger Schüler der Privatschule Aulowönen in Bremen eingefunden haben, und ein angenehmes, erbauliches Beisammensein und lebhafter Austausch an Gedanken, Erinnerungen und Erlebnissen in der Zeit nach der Auflösung dieser Einrichtung unter dem Einfluss des Kriegsverlaufs, der seit dem 1. Sept. 1939 unser Vaterland heimsuchte.
Als ich im Oktober 1925 nach Aulowönen umzog, bestand dort eine Privatschule unter der Leitung einer jungen Lehrerin, die sich längere Zeit mit dem Plan zu studieren herumtrug und auf Ablösung wartete. Wir nahmen Verbindung auf und am 1. Mai 1926 übernahm ich ihren Dienst. Der Unterrichtsraum lag im Hause der Gastwirtschaft Goetz, daneben ein Zahnpraxis. Nach kurzer Zeit stellte es sich heraus, dass diese Nachbarschaft störend war und wir fanden Schulräume in den beiden Giebelstuben im Wohnhaus von Fräulein Gertrud Bleier. Der freie Bodenraum diente bei Regenwetter als Pausenplatz, die Bodenkammer zur Unterbringung von Lehrmitteln z.B. Landkarten, Wandtafel u.a.
Brief Clara Dalheimer an Ihre Schüler
(1988)
Ein Elternbeirat kümmerte sich um die wirtschaftlichen Belange der Schule: Schulgeld, Heizung, Säuberung… Der erste Vorsitzende war der Kaufmann Knackstädt, dessen 3 Kinder zu meinen Schülern gehörten, dann einige Jahre Pfarrer Bernecker bis zu dessen Versetzung nach Heiligenbeil.
Die Grundlage der Schularbeit waren die Lehrpläne der höheren Mädchenschule, später Lyzeum, die ich vom 10. -21. Lebensjahr besucht hatte, und die des Gymnasiums in Insterburg, unserer Kreisstadt. Meine Schule führte durch die Jahre Sexta – Untertertia. Alljährlich vor dem Schuljahresabschluss, einige Wochen vor den Osterferien, fuhr ich mit meinen Mädchen und Jungen zur Prüfung im Gymnasium nach Insterburg, um feststellen zu lassen, ob die Leistungen den Anforderungen der staatlichen Schule entsprachen. Bis auf einen Fall wurden die Leistungen alljährlich als gut befunden und anerkannt. Damit konnten wir zufrieden sein.
Da der Lehrplan 4 Klassen umfasste - Sexta, Quinta, Quarta und Untertertia – wurde Abteilungsunterricht durchgeführt. Fräulein Warlies, meine erste Mitarbeiterin, leitete die beiden unteren, ich die beiden oberen Stufen. Als 1. Fremdsprache begann Französisch auf Sexta, nach 2 Jahren Englisch auf Quarta. Wer von Ihnen deren Unterricht genossen hat, wird sich gern an sie erinnern. Die Nachfolgerin, Fräulein Schmidt aus Insterburg, unterrichtete die gleichen Stufen auch zur Zufriedenheit. Sie konnte die Wochenenden bei ihrer Mutter verbringen und hörte nach wenigen Jahren bei uns auf, weil die Mutter mehr ihrer Pflege bedurfte.
Klassenfoto Privatschule Aulowönen(Winter 1934)
Einschulung 1931/32
obere Reihe v.l. Waltraut Krüger, Brigitta Epha, Ursula Meyer, Margarete Welsch, Frl. Warlies (Lehrerin), Gerda Ohlendorf, Thea Meyer, Klara Götz
unter Reiche v.l. Alfred Meyer, Hildegard Wenghöfer, Alfred Hertzigkeit, Ursula Giese
Nach ihr kam Frau Basler aus Skaisgirren, später Kreuzingen, täglich früh mit der Kleinbahn zur Schule und fuhr ½ 3 nach Hause. Trotz dieser Anstrengung war sie eifrig im Dienst. - Während ihrer Tätigkeit brach sich der Nationalsozialismus Bahn. Hitler übernahm das Regime. Das wurde auch in unserer kleinen Schule spürbar. Während wir den Unterricht mit Gebet und einem Vers eines Chorals begannen, musste nun mein Morgengruss „Heil Hitler “ sein. Hans Ehmer hat zu Hause gesagt :“Frau Dalheimer standen Tränen in den Augen bei diesem Gruss“. Bald gingen wir wieder dazu über, den Unterricht mit einem von den Schülern ausgewählten Lied zu beginnen.
Ein zweiter Eingriff: Ende November 1938 wurden die Lehrer des Kirchspiels bei einer zu diesem Zweck einberufenen Konferenz aufgefordert, sich schriftlich für die Aufgabe des Religionsunterrichtes zu erklären. Nur 2 hatten es abgelehnt, eine war ich. Der Ortsgruppenleiter hatte daraufhin mit der Auflösung der Schule gedroht. Es kam nicht dazu. Ein Ereignis in Paris veranlasste Hitler, die Anordnung zu widerrufen und 14 Tage später wurde dieses bei einer Kreis-Lehrerkonferenz in Insterburg bestätigt[*). Beim Beginn des nächsten Schuljahres schickte Herr Kurt Stamm seine Tochter zur Privatschule.
Einige besondere kleine Vorkommen: Im Sommer wurde durch längere Dauerläufe Atmungs- und Ausdauertraing vorgenommen. Die Chaussee entlang, streng rechts, bis Jennen oder auch nach Kiaunischken zu, davor links ab Landweg zur Chaussee Jennen-Aulowönen zur Schule zurück. Wandertage nach Waldfrieden , links ab Mittel Warkau zur Chaussee nach Aulowönen. Im Winter gab es Schneeballschlachten. Leider mangelte es an Gelegenheiten zum Rodeln oder zum Eislauf. Erwähnen möchte ich noch vorbildliche Leistungen einiger auswärtigen Schülerinnen und Schüler die den Weg während des eiskaltem Winters 1928/29 und 1939/40 nicht scheuten. Anneliese Harpeng, mit ihr stehe ich noch in brieflicher Verbindung, kam durch tiefen Schnee zu Pferde die ca. 6 km von Wasserlauken. Das Pferd wurde bei Knackstädt eingestellt, und für einen Jungen noch weiterer Entfernung hinter Aßnaggern hatte der Vater ein Schlittchen gezimmert, auf dem er angesaust kam.
Bis zum Beginn der Kriegsvorbereitungen, etwa Einführung der Lebensmittelkarten, gab es Anfang Dezember einen Schulvormittag mit Kaffee und Kuchen. Letzteren hatte ich nachts vorher in meinem kleinen, schmalen Ofen bis früh ½ 4 Uhr fertiggestellt. Nach meiner Absage dieser Stunde, eben um der Karten willen, erschienen meine lieben Bauerkinder mit herrlichem Gebäck, und es blieb nichts anderes übrig, als zu feiern.
Durch das starke Bombardement von Berlin wurden viele Schulkinder nach dem Osten evakuiert. Die Zahl der Schulpflichtigen verdoppelte sich nahezu auch bei uns. Es war nicht von sehr langer Dauer, da die Front sich auch nach unserer Heimat verlagert. Nach einem Bombenangriff auf Königsberg gingen angebrannte Papierbogen bei Popelken, 11 km von Aulowönen, nieder im August 1944. … Zum Schluss gedenke ich meiner letzten treuen Mitarbeiterin, Fräulein Friese. Ein menschenfreundlicher, arbeitsfreudiger, charakterlich einwandfreier Weggefährte, der bis zum Ende unserer Schule unentwegt durchhielt. Sie nahm Zuflucht in Königsberg . Von ihr erfuhr ich als letzte Kunde, dass sie dort, um unseren jetzigen Freunden nicht in den Weg zu kommen, den Freitod gewählt hat.
So mögen Sie Ihr Zusammensein mit längeren, frohen Feierstunden begehen und ein wenig an Ihre jetzt steinalte Lehrerin denken. Da der Brief morgen abgehen soll, sage ich jetzt herzlich „gute Nacht“ und grüsse in treuem Gedenken mit viel guten Wünschen für Ihre weitere Zukunft
Clara Dalheimer.

Der Brief von Clara Dalheimer endet mit dem Satz:

Einige Fehler und Unebenheiten bitte ich zu entschuldigen. Da ich mich auch hier (Anmerkung: Altenheim!) noch reichlich betätige - wegen Mangel an Personal - bleibt mir verhältnismässig wenig Freizeit und die fällt in die Spätstunden.

[*) Gemeint ist sicherlich das Attentat eines polnischen Juden in Paris, dem ein Angehöriger der deutschen Botschaft zum Opfer fiel und zum Auslöser der „Kristallnacht“ wurde.- Dass der Religionsunterricht hinterher wieder freigegeben wurde, könnte das damalige Gerücht bestätigen, dass der Verlauf jener Nacht nicht allen NS-Dienststellen gefallen hat. Man erzählte sich – unter vorgehaltener Hand natürlich! - < Adolf hat Jupp ´nen Anschiss verpasst>. /Historisch Interessierte finden Näheres bei Wikipedia unter Grynspan."[7]]

Straßenansicht ehemalige Privatschule Aulowönen
Kalinovka 1990
Hofansicht ehemalige Privatschule Aulowönen , mittlerweile verputzt Kalinovka 1995


Geschichte

1917-1918: ... Gründung einer Privatschule bei Bauer Gaidis in Kiaunischken - Lehrerin: Frl. Jockel bis ca. 1924
1919-1924: ... Parallel wurde Unterricht bei Ziegeleibesitzer Teufel in Aulowönen erteilt. - Lehrerin: Frau Galowski
1924-1925: ... Umzug zu Kaufmann Rautenberg in Aulowönen - Lehrerinnen: Frl. Jockel, Frl. Schober, Frl. Weiß
1925-1926: ... 1 Jahr im Haus von Kaufmann Goetz - Lehrerin: Frl. Warlies
1926-1944: ... Im Wohnhaus von Frau Bleyer wurden 2 Räume für die Privatschule angemietet. Das Haus liegt gegenüber vom Kleinbahnhof. - Lehrerinnen: Frau Dahlheimer (01.05.1926 - 1944), Frl. Warlies ( -1932), Frl. Schmidt (1932-1934), Frau Basler (1934-1939), Frl. Friese (1939-1944)

Elternbeirat: Herr Knackstädt, Pfarrer Bernecker

Die Angeben stammen aus verschiedenen Quellen, deshalb können einzelne Daten etwas abweichen. Offiziel hieß die Schule Familienschule, man sprach aber nur von der Privatschule.


Ziegelei & Gut Teufel

Gründung

Gründer der Ziegelei, Friedrich Wilhelm mit Ehefau Helene Wilhelm geb. Giedigkeit, (1903)
Tonindustrie-Zeitung (1902)
Ziegelei Teufel (1902) Gründungseintrag
Ziegelei Teufel Uszupönen (Ksp. Aulowönen) (1914)

Der erste Eintrag über die Ziegelei nähmlich der Gründungseintrag, findet sich in der Tonindustrie-Zeitung. Friedrich Wilhelm wurde in Heinrichswalde (Kreis Elchniederungen) geboren und es verschlug Ihn vermutlich Ende der 1870iger Jahre nach Uszupönen (Kreis Insterburg). Seine Ehefrau Helene Giedigkeit wurde 1854 im Kirchspiel Aulowönen geboren. Seit 1880 waren beide bereits in Uszupönen ansäßig, als dort ihre erste Tochter Emma dort geboren wurde.

Adressbuch der Ziegeleien (1904)
Ziegelei Teufel (1904)

Die Ziegelei wurde 1902 von Friedrich Wilhelm gegründet und firmierte in Ihren ersten Jahren als Ziegelei Friedrich Wilhelm. Belegt ist dies durch eine Anzeige in der Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau von 1902, Band 26,Teil 2 :

Neueingetragene Firmen : Uszupönen b.(ei) Insterburg. F r i e d r i c h W i l h e l m (Ziegelei). Inhaber ist der Ziegeleibesitzer Friedrich Wilhelm in Uszupönen. E.

Die Ziegelei lag im Landkreis Insterburg (Ostpreußen), im Kirchspiel Aulowönen / Aulenbach (Ostp.), an der Chaussee (Reichsstraße 137) von Insterburg kommend am südlichen Ortseingang, also südlich vom Ortskern von Uszupönen, das später in Aulowönen eingegliedert wurde. Die Ziegelei befand sich auf der linken Straßenseite vor der Mühle Schiemann. In der alten Schroeterkarten von Uszupönen (1785) sind im Ort 2 Mühlen eingetragen, die Ziegelei befand sich auf einer leichten Anhöhe. Vermutlich stand auf dem Ziegeleigelände zu früheren Zeiten also eine Mühle. Die zweite Mühle (Schiemann) ist bis heute erhalten.

Im Januar 1904 heirat der Kaufmann Georg August Teufel (*20.12.1873) aus Wessolowen (Kreis Gerdauen), die 22-jährige Tochter des Firmengründers, Emma Helene Wilhelm (*24.02.1881) aus Uszupönen. Er wird im Februar 1912 zum Amtsvorsteher des Amtsbezirks Aulowönen (Ostpr.) gewählt, das Amt tritt er am 27.3.1912 an, vermerkt ist : Ziegeleibesitzer Georg Teufel in Ußupönen für 6 Jahre.

Im Adressbuch der Ziegeleien, Chamottefabriken und Tongruben Deutschlands 1904 findet sich nachfolgender Eintrag :
Uszupönen, Post Auluwönen, z.h. Wilhelm, F. (z.h. bedeutet Handziegelei).

Der Übergang von Friedrich Wilhelm auf Georg August Teufel ist also zwischen 1904 und 1912 erfolgt. Seit dieser Zeit wurde Firma stets Teufel´s Ziegelei genannt. Die Ziegelei war viele Jahre einer der größten Arbeitgeber im Ort.

Ziegeleibesitzer, Georg August Teufel und Emma Teufel (geb. Wilhelm) (29.01.1904)


Wirtschaftliche Entwicklung

Georg August Teufel verstarb 1 Tag vor Beginn des Weltkrieges 1914 (†30.07.1914) im Finanzamt Insterburg an einem Herzschlag. Zurück blieb seine 32-jährige Ehefrau Emma Helene Teufel geb. Wilhelm mit ihrem Sohn Benno Teufel 8 Jahre und Ihrer Tochter Ilse Teufel 3 Jahre (*14.05.1911). Emma Helene Teufel und Ihre Schwester Therese Wilhelm hatten bereits als junge Mädchen die Ziegelei mit aufbauen geholfen, dies in teilweise schwerster Arbeit und nun mußte Sie den Betrieb fortführen.

Ziegelei Teufel Aulowönwen (Ksp. Aulowönen)
Wechsel über 900 RM für Ziegellieferung Teufel Aulowönen / Loerchner Weidlauken (07.10.1930)
Adressbuch der Ziegeleien (1925)
Adressbucheintrag (1925)

Da die Eltern Friedrich Wilhelm, der Ziegeleigründer und seine Ehefrau Helene Wilhelm, geb. Giedigkeit (*1854 / †05.03.1936) noch lebten und relativ rüstig waren, konnten sie noch viel helfen. Die Hauptlast trug Emma, da Ihre Schwester Therese den Bauuntenehmer Eduard Bröker aus Gutschallen geheiratet hatte und mit Ihm dorthin zog.

Benno Teufel (*27.03.1906) stieg ca. 1920/22 nach Abschluß der Unterprima (8. Klasse) in den Betrieb ein. Seine Mutter Emma führte zusammen mit Ihm und unter Aufsicht seines Großvaters den Betrieb; Emma leitete die Ziegelei und später übernahm Benno den landwirtschaftlichen Betrieb. Die Ziegelei Teufgel florierte gut, nach dem 1. Weltkrieg arbeiteten 30 – 40 Russen dort, alles freundliche Männer, die "abends schöne russische Lieder sangen".

Am 1. 12. 1923 schlossen sich die Landgemeinden Groß Aulowönen und Uszupönen zur neuen Landgemeinde Aulowönen zusammen, der bisherige Name Uszupönen entfiel und war nunmehr Teil des Ortes Aulowönen.

Nachdem Friedrich Wilhelm starb (vermutlich vor 1925), übernahm Emma Teufel die alleinige Geschäftsführung, unterstützt von ihrem Sohn.

Im Adressbuch der Ziegelein 1925 ist folgendes vermerkt :
Uszupönen, P(ost) T(elegramm) Aulowönen, O-Pr. - E(isenbahn) Groß-Aulowönen. z.d. (=Dampfziegelei) Teufel, Wwe.(Wittwe) Emma, (Mz, Dz, Dr = Maschinenziegel (Mauerziegel), Dachziegel und Drainagerohre)

Sie wirtschaften gut und sparsam, führte das Geschäft allen Widrigkeiten zum Trotz und so besaßen Sie außer der Ziegelei geschätzte 400 Morgen (85 ha) und insgesamt 91 Stück Vieh mit Jungvieh und einem Zuchtbullen, 30 Schweine, aber nur etwa 10 Pferde. Darunter ein Kaltblüter, der Georg August Teufel mitsamt selbstgebautem Riesen–Rodelschlitten, mal durchgehen wollte, sowie Hühner, Enten, und Hunde.

Eine Zeitzeugin berichtete, das Ihr Vater Anfang der 1930iger Jahre bei Teufel in der Ziegelei arbeitete. Die Arbeitszeit dauerte von 06.00 am morgen bis 18.00 abends. Pro Stunde bezahlten Teufels 36 Pfennig an Lohn, Überstunden wurden mit 38 Pfennig vergütet (Ein Hering damalt 5 Pfenning)

Die Ziegelei wurde von Benno Teufel vermutlich ab dem 01.01.1940 übernommen und vermutlich im gleichen Jahr stillgelegt, als es nicht mehr genug Brennmaterial für die Befeuerung des Ringofens gab.


Der Ringofen

Ein historischer Ringofen (in Erkelenz)
©Harald Finster, Aachen (2013)
Vom Lehm zum Ziegel Herstellung von Ziegel in einem Ringofen
Prozessbeschreibung Fa. Grillrath, Erkelenz (2013)

Vom Ringofen der Teufelschen Ziegelei existieren heute keine Bilder mehr. Nach den Aussagen von Benno Teufel handelte es sich um einen Hoffmannschen Ringofen :

Friedrich Eduard Hoffmann (1818 - 1900) konstruierte als Erster einen Ringofen, der ununterbrochen in Betrieb sein konnte. 1859 erhielt er das Patent für seine Erfindung. Der erste Ringofen wurde im Jahre 1859 in Schwolin bei Stettin errichtet. In den nächsten Jahren setzte sich das Konstruktionsprinzip rasch durch, sodass 1870 bereits 1000 solcher Öfen existierten.
Der Ringofen nach Hoffmann hat um den Schornstein 10 bis 16 Brennkammern im Kreis oder Oval angeordnet. Bis auf die Kammer, in der die Luft zur Verbrennung eintritt, sind alle anderen Kammern zugemauert. Die Kammern werden von oben mit Kohle beschickt. Die Luft ströhmt von der offenen Kammer über die eigentliche Brennzone zur Rauchabzugsöffnung. Die Brennzone wandert in Richtung der strömenden Luft kontinuierlich über mehrere Tage durch die einzelnen Kammern und brennt das Ziegelmaterial nacheinander. Aus der bereits abgekühlten Kammer werden die fertig gebrannten Ziegel entnommen und durch getrocknete, ungebrannte ausgetauscht. Die heute noch vorhandenen Ringöfen sind technische Denkmale, da sie durch technisch modernere Tunnelöfen abgelöst wurden.
aus: Die Tonziegel, Tourismusverband Ruppiner Seenland e.V (http://www.deutschetonstrasse.de/), 2003

Der Brennprozess ist wie folgt beschrieben. Am 1. Tag wird der Lehm und der Ton abgebaut, anschließend zu Ziegel, Dach- oder Drainrohlinge gepresst. Vom 2.-5. Tag werden die gepressten Rohlinge durch die Ofen-Abluft getrocknet. Nun werden die Rohlinge in die Kammer eingesetzt (Foto) und die Kammer verschlosen. Der Brennvorgang wird gestartet (5.-9. Tag). Nach einem erfolgreichen Brennvorgang beginnt der Abkühlvorgang (10.14. Tag). Nach ca. 14 Tagen wird die Kammer wieder geöffnet und die fertigen Ziegek werden ausgehoben. Das Feuer wandert innerhalb von 12-15 Tagen einmal komplett durch den Ofen

aus: Prospekt Grillrath - Gebrannt für Generationen, Grillrather Ziegel und Klinkerwerk GmbH & Co. KG, Erkelenz (http://www.grillrather.de), 2013


Ansichten der Ziegelei


Ziegelei Teufel Uszupönen (Ksp. Aulowönen)
Blick auf das Ziegeleigebäude mit Ringofen
Helene Wilhelm mit Tochter Emma Helene Teufel und Enkel Benno Teufel (1908)
Ziegelei Teufel Uszupönen (Ksp. Aulowönen) -
Blick auf die Ziegelei Teufel von Osten gesehen (1914)


Ziegelei Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Arbeiter der Ziegelei Teufel
2.v.l Benno Teufel, 1.v.r Friedrich Wilhelm (ca. 1920)
Ziegelei Teufel Aulenbach (Ksp. Aulenbach)
Ziegeleigebäude der mit Schornstein.
Die Infanteriekompanie war während des Krieges gegenüber der Ziegelei einquartiert, die Pferde im Ringofen untergebracht (1941)


Teufels Landwirtschaft

Hof Teufel Bauzeichnung Neubau Scheune (1936)

Neben der der Ziegelei, die Mauersteine, Dachpfannen und Drainagerohre aus Ton herstellte, entstand in den Jahren 1905 bis 1920 auch ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb. In Niekammer’s landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band III) 1932 ist die Größe des Guts wie folgt vermerkt :

* Gut Emma Teufel: 87,5 ha, davon 63 Acker, 22,5 Weiden, 2 Hofstelle, 13 Pferde, 45 Rinder, davon 20 Kühe, 24 Schweine; Ziegelei - Mauersteine, Dachpfannen, Dränagerohre; Telefon: Aulowönen Nr. 14

Die Länderreien erschlossen sich hinter der Ziegelei, also im Dreieck R137 - Weg nach Waldfrieden - südlich Aulenbach, die Flurstrücke waren sowohl der Gemarkung Waldfrieden als auch Aulenbach zugeordnet, ein Auszug aus der Flurkarte vom 25.02.1944 gibt hierüber Auskunft.

Das Gut wurde seit 1920 von Benno Teufel bewirtschaftet. Im Jahre 1936 wurde eine neue Scheune mit den Maßen 57m x 27m im Auftrag von Emma Teufel geplant und gebaut. Die notwendigen Bauunterlagen wurden von Eduard Bröker, Guttschallen - Schwager von Emma Teufel erstellt dem auch die Bauplanung oblag.

Benno Teufel beschreibt seine Landwirtschaft wie folgt :

Meine Landwirtschaft hatte eine Größ von 86,4 ha, daneben wurde eine Ziegelei, Mauerziegel, Dachpfannen und Dränagerohre herstellte, betrieben.
Das Grundstück lag in Aulenbach, 20km nördlich insterburg an der Chaussee Insterburg -(Skaisgirren)- Kreuzingen.
Es wurde in Achtfelderfruchtfolge gwirtschaftet. Die Weideflächen waren 20ha groß. Zur Erweiterung der Futterbasis wurde ein Teil des Jungviehs auf die staatlichen Weiden in der Niederung gegeben und Heu und in großem Umfang Kraftfutter hinzugekauft.
Die Herdbuchherde bestand aus 30-35 Milchkühen und war teils auf eigenen, teils auf zugekauften Tieren aufgebaut. Jeder Jungviehjahrgang hatte etwas zwölf Sterken, die teils zur Ergänzung des eigenen Bestandes, zum größten Teil auf die Insterburger Auktionen gingen. Daneben wurden jährlich noch drei bis vier Jungbullen für die Auktionen gezüchtet. Der Milchertrag war sehr gut, auf den Herdendurchschnitt der einzelnen Jahre kann ich mich nicht mehr genau erinnern, weil ich bereits seit 16. August 1939 den ganzen Krieg über bei der Wehrmacht war. Pferde wurden nicht gezüchtet, der Bedarf wurde gekauft.
aus : Benno Teufel - Aulenbach (Aulowönen) :Ostpreußens Rinder und ihre Zuchtstätten I. Band, Seite 503 : Dr. Hans Bloech, Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 1. Auflage 1974


Deutz F2M 315 Kfz-Papiere (1942)
Benno Teufel (1930)

Benno Teufel wurde bereits am 16.08.1939, weil Reserve – Offizier, eingezogen, der 2. Weltkrieg begann am 1.09.39 und er blieb 6 Jahre von Polen über Norwegen, Finnland und der Westfront fort. Seine Ehefrau Elfriede Teufel, geb. Rautenberg, Tochter des Aulenbacher Gastwirtes August Rautenberg führte den Hof, nachdem Ihre Schwiegermutter Emma Teufel sich auf das Altenteil zurückgezogen hatte und zwischen 1940-1943 zeitweise Königsberg und Stuttgart weilte, unterstützt von Nachbarn und Kriegsgefangenen oder sie verpachtete teile des Landes.

So kaufte man noch 1942 einen neuen Deutz-Diesel–Trecker F2M 315, weil der alte Lanz–Bulldogg von 1928 nur noch zum reparieren da stand. Der Trecker kostete damals 6.000,-- Reichsmark, wurde bar bezahlt und der schrottreifen Lanz erlöste noch 2.000,-- RM. Einen ganzen Winter (vermutlich 1943/44) hatte man im Ringofen der Ziegelei, die ungefähr 1940 stillgelegt worden war, 30 Wehrmachtspferde unterbringen müssen, kassierte gut von der Wehrmacht ab (pro Pferd und Tag 3,-- (Reichsmark). Ende 1944 fielen 2 Bomben durch russische Bomber auch auf die Ziegelei. Diese, in Vorbereitung der russischen Offensive flogen jeden Nachmittag Punkt 5 Uhr mit "1 Mähmaschine" wie wir die russischen Flugzeuge nannten wurden, über die Ziegelei hinweg und hatten scheinbar Lust, ihre kleinen Bomben auf die Ziegelei abzuwerfen und Zielübungen durchzuführen.

Elfriede Teufel blieb, nachdem der Treck mit allem Vieh etc. bereits im Oktober 1944 fort mußte, nur mit polnischen Hilfsarbeitern auf dem Gut bis zum 19. Januar 1945, als die Russen 8 km von Aulenbach entfernt waren und der Himmel leuchtend rot war von den Kämpfen. Sie verbrachte den letzten Tag zuhause um dann nachts um 2 Uhr bei Eis, Schnee und 20° Kälte ab in ein ungewisses Dasein mit ihrem DKW-Meisterklasse zu flüchten. Der große Opel der Teufels war längst annektiert. Mit dem Vorderradantrieb des DKW schaffte sie es bis Berlin in 12 Tagen.

In Aulenbach auf dem Gut blieb nur noch fremdes Flüchtlingsvieh zurück, tüchtig brüllend, weil es gemolken werden wollte und (sonst) immer jemand zum melken da war.

aus : Aufzeichnungen von Elfriede Teufel, geb. Rautenberg im November 1999


Ansichten des Teufel´schen Hofes


Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Insterburger Str. Richtung Skaisgirren, Ortseingang auf Höhe der Ziegelei (1936)
Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Insterburger Str. Richtung Insterburg im Hintergrund der Schornstein der Ziegelei (1936)


Hof Teufel Uszupönen (Ksp. Aulowönen)
Blick über den Hof auf den Stall
Georg August Teufel mit seiner 2-jährigen Tochter Ilse Helene Teufel und SohnBenno Teufel (1913)
Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Wohnhaus, rechts die Reichsstraße 137 (Insterburger Str.) (1933)
v.l. Helene Wilhelm, geb. Giedigkeit (sitzend), Else Rogall (Tochter von E. Bröker 1. Ehe), Emma Teufel, geb. Wilhelm (stehend), Benno Teufel, Ilse Helene Teufel


Hof Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Lageplan 1:500
Gebäudeübersicht mit Wohnhaus, Stall und Scheine. Die Ziegelei befindet sich links (1936)
Wohnhaus Teufel Aulowönen
Eingang zum Wohnhaus (1935)


Wohnhaus Teufel Aulenbach (Ksp. Aulenbach)
Gartenansicht - Blick von der Ziegelei auf Wohnhaus und Stall (1938)
1v.l. Eduard Bröker, Therese Bröker, geb. Wilhelm, Benno Teufel, Emma Teufel, geb. Wilhelm, Else Rogall, geb. Bröker
Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Gartenansicht - Blick vom Holzstall, im Hintergrund die Insterburger Str. - Blick Richtung Alt-Lappönen (1929)
1.v.r. Ilse Helene Teufel, sitzend Benno Teufel


Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Innenansicht des sogenannten Herrenzimmers (1943)
Wohnhaus Teufel Aulowönen (Ksp. Aulowönen)
Innenansicht des Speisezimmers (1943)



Allgemeines

Im Jahr 2010 verfasste Horst Seidler einen Bericht "Meine Kindheit in Ostpreußen" in dem er u.a. über die Zieglei Teufel berichtet. Horst Seidler war der Neffe von Benno Teufel :

" Ein großer Anziehungspunkt für uns war die Ziegelei meines Onkels Benno Teufel. Heimlich schlichen wir uns auf das Gelände zum "Lehmstich", zu den Gruben, wo der Lehm gefördert wurde. Oder wir spielten mit den Lohren, mit denen der Lehm zur weiteren Verarbeitung ins Werk befördert wurde, was nicht ganz ungefährlich war. Ja, wir schoben die Lohren sogar die Schräge zum Brennofen hinauf, um dann mit ihnen wieder herunter zu fahren. Wir durften uns dabei natürlich nicht vom Ziegelmeister erwischen lassen. Den weichen, zur Weiterverarbeitung fertigen Lehm ergatterten wir gern zum "Schmugeln". Wir machten kleine Kügelchen, steckten diese auf einen dünnen, biegsamen Stock, und konnten diese dann über weite Entfernungen auf ein von uns anvisiertes Ziel befördert.

Für meinen Bruder Gerd (Seidler) und seinen Freund Gerhard Gronau, der mit seiner Familie über uns im ersten Stock unseres Hauses wohnte, dienten unter anderem die vielen kleinen Fensterscheiben der Ziegelei als Zielscheibe, allerdings zu einem Zeitpunkt, als kriegsbedingt in der Ziegelei (ca. 1941) nicht mehr gearbeitet wurde. Als meine Tante (Elfriede Teufel, geb. Rautenberg) von diesem Schießwettbewerb erfuhr (mein Onkel war Soldat), und auch wer daran beteiligt war, ließ sie die Sache auf sich beruhen. In der Ziegelei wurden Ziegelsteine, Dachpfannen und Drainagerohre gefertigt. Bevor diese gebrannt wurden, mußten sie für einige Tage in langen, luftigen Schuppen zum Trocknen gelagert werden. Hier hielten sich gern Eulen auf, die für uns Kinder von großem Interesse waren. In der Ziegelei fanden viele Mänger aus unserem Ort Arbeit ....."


Teufels Ländereien


Besitz Teufel in Aulenbach (Ostp.) auf dem Messtischblatt (1939)
Besitz Teufel auf der Flurkarte (Abschrift), Gemarkung Aulenbach und Waldfrieden (1944)


Was ist geworden ...

Neubau auf dem Teufelschen Grundstück - Kalinowka (früher Ksp. Aulenbach)
(2007)

Das Kirchdorf Aulowönen (ab 1938 Aulenbach) existiert heute unter Kalinowka / Калиновка), liegt knapp 20 Kilometer nördlich von Insterburg (heute Tschernjachowsk) an der Reichsstrasse R137 nach Gross Skaisgirren (Kreuzingen). Heute sind im Dorf noch eine Menge alter Häuser erhalten. Das Wohnhaus Teufel ist unmittelbar nach der Einnahme Aulenbach 1945 vermutlich einem Brand zum Opfer gefallen oder zerstört worden. Im Jahre 1991, also kurz nach Mauerfall und Peristroika besuchten einige ehemalige Aulenbacher Ihren alten Ort und berichteten :

.... weiter gings zum Anwesen Teufel. Von Hof und Ziegelei fndet man keine Spur. Im Garten zwischen der Ziegelei und dem Wohnhaus ist zugedeckt durch Bäume und Büsche der Russenfriedhof. Auf dem Ziegeleigelände bis hin zum Weg nach Waldfrieden entstehen große hohe Hallen. Ob da eine Fabrik oder Kolchose entsteht konnte ich nicht feststellen. Das Haus von Otto Schiemann in dem die Müllermeister wohnten ist auch nicht mehr. Der neue Friedhof (früher gegebüber der Ziegelei)ist ein kleiner Wald geworden.

aus: Reisebericht "Wir waren in Aulenbach", Erich Gettkandt (10.06.1991)

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Geländer des Teufelschen Besitzes ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb.

Heute russischer Friedhof. Früherer Eingang zu Teufels Garten - im Garten Treppenstufen sind noch erhalten. (1992)
Besitz Teufel
Kalinowka (früher Ksp. Aulenbach)
Ortsausgang Kalinowka Richtung Insterburg, ehemaliger Standort des Wohnhauses Teufel (1996)
Besitz Teufel
Kalinowka (früher Ksp. Aulenbach)
Blick von der Ziegelei zur Mühle Schiemann, ungefähriger Standort des ehemaligen Wohnhauses (1996)


Geschichte

  • 1376 verlieh Hochmeister Winnroch von Kniprode 14 Hufen zu Auluwöhnen an Albrecht König;
  • 1615 erhält Egidius Strützel 2 Hufen und Krugrecht, er wurde später Dorfschulze und stiftete der Kirche 1640 zwei große Messingleuchter "Aufem Altare".
  • Am 9.10.1619 erhält der Auloweiner Schulmeister Loth Krause 3 Hufen Übermaß, in der Nähe von Aulowönen;
  • 2.1.1623 die Verschreibung für Egidie Strützel, Schulzen und Krüger zu Aulowönen, 5 Hufen, 2 Morgen, 15 Ruthen zu Wenskeiten bei Aulowönen, da die vorherigen Besitzer die Hufen mehr zu Dieberei als des Ackerbaus und Scharwerks wegen besessen, da der Acker schlecht und "schlupisch", fast ohne Wiesenwuschs war.
  • 1619 Pfarrer Johann Neander in Aulowönen erhält zu den 4 Widdemhufen weitere 3 Hufen Übermaß.
  • 1680 Hans Fuchs, Inhaber des 2. Kruges in Aulowönen, vor ihm besaß diesen Faustin Klein; - das Dorf umfaßt jetzt 19 Hufen.
  • Am 18.4.1732 übersandte der Magistrat zu Burg bei Magdeburg für 3 Kolonistenmädchen, die Geschwister Lange in Aulowönen (Elisabeth, Anna-Christine und Blondine, 665 Reichsthaler.
  • 1757 als Lehrer an der Schule genannt, Präzentor Stein und Lehrer Regge;
  • Im 7-jährigen Krieg hat das Dorf beim Durchzug gewaltiger preußischer und russischer Heeresmassen zu Fuß und zu Pferde sehr gelitten, vor allem nach der Schlacht bei Groß Jägersdorf am 22.9.1757;
  • 1785 Aulowönen oder Rinkohnen, Königliches Scharwerksdorf mit lutherischer Kirche, 25, Feuerstellen, Landrätlicher Kreis Tapiau, Amt Lappönen - Die überwiegende Zahl der 18 Wirte in Aulowönen ist um 1800 Salzburger Abstammung.
  • 1815 Kirchdorf, 21 Feuerstellen, 148 Bewohner, bis 30.4.1815 zum Königsberger Departement gehörig, dann zum Regierungbezirk Gumbinnen geschlagen. -
  • Das Kreisjustizamt Saalau, wozu auch Aulowönen gehörte, leitete um 1826 der Justizamtmann Jorgens.
  • Aus der Russenzeit 1914 berichtet Laipacher, " .... auch Gastwirt Rautenberg sollte von den Russen verschleppt werden, da schrien sein Weib und seine 6 Kinder um Erbarmen, die Russen ließen sich erweichen und er durfte zurückbleiben." [4]



Geschichten & Anekdoten rund um Aulowönen

"Blütenfeste" in Aulowönen

Viele unserer Landsleute haben in den letzten Jahren miterleben können, wie im Rheinland oder in anderen Teilen der Bundesrepublik Karneval bzw. Fasching gefeiert wird. „Eingeborene“ Rheinländer wollen es uns häufig nicht glauben, daß auch wir in unserer Heimat lustige Faschingsfeste zu feiern verstanden. Solche Feste beschränkten sich keineswegs nur auf den „Verein der Rheinländer“, den es in manchen Städten gab.
Auch auf dem Lande konnte es ein vergnügtes Faschingstreiben geben. Ich denke da an die „Blütenfeste“, die von der Jugendgruppe des „Vaterländischen Frauenvereins Aulowönen“ alljährlich am Faschingsdienstag veranstaltet wurden. Nach monatelanger Vorbereitung wurden die Festräume in ein Meer von Blüten verwandelt. Die jungen Domen verstanden sich ausgezeichnet darauf, all die Tausende von Blüten eigenhändig herzustellen, lauschige Plätzchen und eine sagenhafte Bowle zu zaubern, die sie auch selbst ausschenkten und zugunsten des „Roten Kreuzes“ verkauften.
Im Laufe des Programms wurden entzückende Reigen 'vorgeführt und in launigen Versen Ereignisse und Persönlichkeiten Aulowönens und seiner Umgebung besungen. Bei schwungvoller Musik herrschte' stets eine ausgelassene Stimmung. Das hatte sich weit im Umkreis herumgesprochen 'und so kam es, daß zu diesen Festen die Gäste auch von weither angereist kamen und städtische Veranstaltungen im Stich ließen.
Die „knospenden Blüten“ in Aulowönen mit ihrem Blütenfest haben immer allen Festteilnehmern sehr viel Freude bereitet. Nur leider liegt das alles so lange zurück. Wird es jemals wieder so sein?

Aufgeschrieben von Elfriede Teufel, geb. Rautenberg (erschienen im Insterburger Brief (15. Jahrgang (1963) S. 19)



Ein Spaziergang durch mein altes Aulowönen

Der Bericht Ein Spaziergang durch mein altes Aulenbach (Ostp.) von Lothar Kuprat, (2013) 16 Seiten, ist als Dokument zum Downloaden verfügbar (siehe links)

Über 65 Jahre nach dem erzwungenen Exodus gehe ich noch einmal in Gedanken durch unser Dorf, mein altes Aulenbach (Aulowönen). Ich bin kein geborener Aulenbacher. Durch meinen Stiefvater, Postbeamter in Aulowönen, zogen meine Mutter und wir Kinder 1935 hierher. Mein Geburtsort, von dem ich mich schweren Herzens verabschieden musste, liegt am Rande Masurens. Aulowönen? Doch Kinder finden schnell neue Freunde und sind meist ebenso schnell integriert, wie man heute sagt. So wurde auch dieser Ort sehr bald zu meiner neuen Heimat.
Vieles ist im Gedächnis haften geblieben, gespeichert, manches in Vergessenheit geraten, einiges mit Kinderaugen oder als Jugendlicher gesehen. Für die Erwachsenen sah die Wirklichkeit sicher oft anders aus.
Auf der R (Reichsstraße) 137 von Insterburg kommend, stand 1935 nach 20 km auf dem Ortsschild AULOWÖNEN, ab 1938 AULENBACH. Dort beginnt die Insterburger Straße. Ja, das Dorf mit etwas über 1000 Einwohnern hat Straßennamen, auch wenn diese hauptsächlich für die Post und Ortsfremde von Bedeutung waren. Auch eine Häufung von gleichen Namen gibt es nicht. Für die Beschreibung meines Spaziergangs sind sie jedoch hilfreich.
Links das erste Wohnhaus, etwas weiter die Ziegelei Teufel. Mit Beginn des Krieges stellt sie den Betrieb ein. Für uns Jungen wird daraus ein großer Spielplatz. In den leeren Trockenschuppen springen wir von Regal zu Regal, der alte Ziegeleimeister schimpfend und drohend hinter uns her. Doch mit der Jugend konnte er nicht mithalten und gab es später auf. Die vielen Spatzen vermissten oft ihre Eier, doch auch deren Nachwuchs war gesichert. Ostpreußen !

Insterburger Straße (R137) von Insterburg kommend, auf Höhe der Ziegelel Teufel (links). Im Hintergrund links das Wohnhaus Teufel (ca. 1937)

Wohnhaus („Villa“) Teufel, an Insterburger Straße (R137) gelegen. Blick Richtung Insterburg. Im Hintergrund der Schornstein der Ziegelei Teufel(1937)
Ein sehr gefährliches Spielzeug dagegen waren die Loren. Wir zogen sie zur Formerei hoch, fuhren mit hoher Geschwindigkeit nach unten und sprangen ab. Viele kippten in die mit Wasser vollgelaufenen Gruben, wo sie bestimmt heute noch liegen. Für uns ist das „Spiel“ immer gut ausgegangen. Neben der Ziegelei das Wohnhaus von Teufel, die Villa Teufel.
Auf der anderen Straßenseite der neue Friedhof. Er war notwendig geworden, da der „Kirchhof“ nicht alle Verstorbenen aufnehmen konnte. Am Friedhof biege ich ab. Der Weg führt mich zum Schießstand, auf dem ich viele Stunden als Pimpf oder mit ihnen dort verbracht habe. Mit KK-Gewehren haben wir auf Scheiben geschossen.
Direkt an der Straße folgt die Landmaschinenwerkstatt von Richard Bajorat. Daneben der Feuerlöschteich, auf dem wir mit unseren selbst gefertigten Schlägern Eishockey spielten und nicht nur mit blauen Flecken nach Hause kamen. Bajorat hat uns die Schlittschuhe mitunter geschliffen. Hier führt ein Weg zu Ehmer, dem größten Bauernhof mit fast 200 ha. Ehmer war unser letzter Bürgermeister.
Landmaschinenwerkstatt Richard Bajorat, Insterburger Str. (R137) an der rechten Straßenseite gelegen. Aufgenommen von der Mühle Schiemann (ca. 1930)

Insterburger Straße (R137) von Insterburg kommend, Mühle Schieman (links) gegenüber hinter den Bäumen Bajorat (1992) Rechts das ehemalige Wohnhaus von Curt Stamm .

Gegenüber von Bajorat die Mühle Schiemann. Im Winter 1942/43 brennt sie teilweise ab. Die Aulenbacher Feuerwehr hat diesem Ereignis ein neues Fahrzeug zu verdanken. Sie bekommt ihr museeumsreifes Fahrzeug erst in Gang als die Insterburger Feuerwehr bereits beim Löschen ist.
Neben dem Wohnhaus Schiemann das große Haus von Schuhmacher Seidler. In ihm wohnt u.a. die Hebamme Gronau. Seidler betreibt, wie viele andere Geschäftsleute, nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Wahrscheinlich hielten die Schuhe länger oder die Menschen gingen schonender mit ihnen um. Mode? Wir Jungen trugen Holländer, "Gänserümpfe" sagten wir dazu. Die waren zwar laut, für die Eltern aber erschwinglicher und während der Kriegsjahre mehr als ein notwendiger Ersatz.

Insterburger Str. (Dorfstraße) von Insterburg kommend. Rechts das Wohnhaus Stamm, links Wohnhaus Schiemann, im Hintergrund das Wohnhaus Seidler (1930)

Wohnhaus Seidler an der Insterburger Str. Blick vom Garten Leo Stamm. Hintergrund links Teile von Wohnhaus Schiemann. (1938)
Weiter ein Wohnhaus, Stellmacher Krohm und Sattler Lempke. Krohm musste über 10 Kinder in seinem Haus unterbringen. Dabei hat keine Behörde geholfen. Gab es die überhaupt?
Vom Haus Seidler wechsele ich auf die andere Straßenseite zur Druckerei Curt Stamm, in dem Wohnhaus ein Papiergeschäft. Im Schaufenster mein Traum, eine Modelleisenbahn. Dieser Traum sollte sich erst 5 Jahrzehnte später erfüllen. Stamm druckte u.a. auch Lebensmittelkarten und Briefe von Gauleiter Koch an die ostpreußischen Soldaten. Wir haben die Briefe gefaltet und in die vorbereiteten Umschläge gesteckt. Bäckerei Leo Stamm, Vater von Curt, direkt daneben. Leo war ein Aulowöner "Original" und lange Jahre Feuerwehrhauptmann. Über ihn gibt es viele wahre oder am Stammtisch entstandene Geschichten.
Die Gebäude "unseres" Kaufmanns Kleinke (man sagte dazu auch Kolonialwarengeschäft) mit der dahinter liegenden Tischlerei Leonhardt schließen sich an. Mit den Söhnen durften wir hier basteln, fertigten u.a. einfache Schier (Ski) an, bis die Wehrmacht uns 1942 ihre ausgedienten überlassen hat. In der Werkstatt war es nicht so ganz ungefährlich. Viele Maschinen waren damals nicht so gesichert, z.B. Sägen, Antriebsriemen .... Auch Tischler Leonhardt brachte mehr als 10 Kinder unter. Kindergeld? Die Mütter erhielten Mutterkreuze. Meine Mutter eins in Bronze.
Im gleichen Gebäude das Elektrogeschäft Schiemann. Von hier stammt unser Radio, ein Saba. Etwa ein Monatsgehalt kostete es, soweit ich mich erinnere. Auf der Skala erschienen viele Sender, es machte Spaß zuzuhören, auch wenn ich die Sprachen nicht verstand. Wenn es überlebt hat, wird es auch weiter östlich einen guten Klang verbreitet haben. Allerdings war das nicht der übliche Ablauf. Die "Volksempfänger", auch Goebbelsschreier genannt, waren für 35 bis 70 RM (Reichsmark) zu haben.
Ich bin an einer Kreuzung angekommen. Nach links führt ein Weg nach Gründann, weiter nach Waldfrieden. An der Kreuzung Tierarzt Dr. Jäckel, danach mehrere Insthäuser. Starker Regen oder die Schneeschmelze machen diesen lehmigen Weg selbst für die Anwohner fast unpassierbar. Für uns Jungen wird er interessant. Die Luftwaffe hat ein Leuchtfeuer errichtet. Obwohl es verboten ist, den Holzturm zu besteigen, versuchen wir es mit Erfolg und haben einen wunderbaren Ausblick. Beim Bau fanden wir in dem Sand russische Infanteriemunition aus dem 1. Weltkrieg. Was machen Jungen damit? Noch heute bekomme ich Angst beim Gedanken an unsere „Experimente“.
Einige Meter weiter an der Hauptstraße das Haus mit dem Arzt Dr. Epha, Dentist Kwidor und dem Juweliergeschäft Meyer. Zu Dr. Epha brauchte ich nicht, zu Dentist Kwidor dafür umso öfter. Er erschien mir immer furchterregend, weil er groß und kräftig war. Das musste er auch sein, denn sein Gerät wurde durch Treten in Gang gebracht, nicht ganz geräuschlos. Dann wusste ich nicht mehr, welcher Zahn die Schmerzen verursacht hatte. Der Respekt vor einem Zahnarzt ist geblieben.

Gebäude der ehemaligen Druckerei Stamm (2007).

Die Fleischerei Gefeller an der Kreuzung Insterburger Str. / Flötkestraße. Links das Hamburger Kaffeehaus (später Kaufmann Schlagowski), rechts die Fleischerei. (ca. 1925)
Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, Fleischer Gefeller. Bis Kriegsbeginn noch Kaufmann Schlagowski, wie Kleinke mit Gaststätte. Danach wird hier ein Kindergarten eingerichtet. Im Nebenhaus Schuhmacher Tuleweit, die Gemeindeschwester, darüber Schneidermeister Kludke.
Von der Kreuzung nach rechts geht es in die Flötkestraße. Auf der rechten Seite die Hufschmiede Jöttkandt. Oft habe ich den Gesellen beim Beschlagen der Pferdehufe oder anderer, körperlich nicht immer leichter Arbeiten, zugeschaut. Nach Stunden im ostpreußischen Winter wurden die durchgefrorenen Glieder in der Schmiede zu neuem Leben erweckt.
Vor der Schmiede steht ein Kastanienbaum, gegenüber im oberen Stockwerk des Hauses sitzt Schneider Kludtke auf dem Tisch am Fenster. Darüber im Giebel ein kleines rundes Fenster. Zielschießen auf dieses. Es war nichts passiert, doch der Meister hat mich erkannt. Obwohl ich daran wirklich nicht beteiligt war, zuhause erhalte ich dafür die fällige Belohnung.
Weiter geht es in die Flötkestraße. Links ein Stall, dann das Haus, in dem ich meine Aulenbacher Jugendzeit verbracht habe. Unsere Wohnung ist nicht groß, vielleicht um die 60 m2, für eine Familie mit 5 Kindern. Wir Kinder haben uns wohlgefühlt und nie beklagt. 60 m2!
Unser Nachbar ist Stellmacher Laschinski, Großvater von Prof. Sallmon. Oft habe ich ihm zugeschaut, wenn er ein Wagenrad oder andere Teile für die Bauern erstellte. Neben der Fahrbahn, dem Sommerweg, macht er ein Feuer, um den Reifen aufzuziehen. Der Meister hat bis ins hohe Alter fast alles in Handarbeit hergestellt.
Der ganze Komplex gehört Fleischer Gefeller. In der Mitte ein Hof mit der Schlachterei. Ich beobachte das Töten der Tiere und im Knochenschuppen das Treiben der Ratten, auch das kein schöner Anblick. Hätte ich nur ein Gewehr!
Das alte Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Aulenbach mit Mannschaft (ca. 1920). Fahrer ist Reck, Mitinhaber der Firma Schwarznecker & Reck

Seitliche Ansicht des Spritzenhauses der Freiwilligen Feuerwehr Aulenbach an der Flötkestraße. Im Hintergrund Teile des Guts Ehmer(1939)

An unserem Haus vorbei, keine 100 m, das Spritzenhaus der Feuerwehr. Ein Vergnügen, wenn die Mannen mit dem alten Gefährt ihre Übung beginnen wollen. Anschieben ist oft gefragt. An der Stirnseite des Gebäudes 3 Zellen, die nach mancher Feier mit Kurzzeit-Gästen belegt ist.
Dann die Gärtnerei Meyer. Durch die Aula, die hier und dicht an unserem Haus vorbeifließt, wird der Ort etwas getrennt. Bei Meyer gehe ich über eine Holzbrücke die Flötkestraße, von uns Sturgelstraße genannt, hinauf. Warum Sturgel? Eigentlich ist das ein Holz zum Umrühren der Kochwäsche. Wir hatten so ein Holz, da stand Persil drauf.

Gärtnerrei Fritz Meyer, in der Flötkestr. Richtung Alt Lappönen. Vor dem Haus war die Holzbrücke über die Aula (links) (ca. 1930)

Flötkestraße, Holzbrücke über die Uszup (Aula ) . V.l. Benno Teufel, Kurt Knochendöppel.Im Hintergrund links das Haus der Gärtnerei Meyer. (Frühjahr 1930).
Für uns ist die Straße eine Rodelbahn, obwohl das nicht erlaubt ist. Manchmal streuen die Anwohner Asche, die wir am Abend mit Wasser wieder unschädlich machen. Unten an der Brücke Wachtmeister Gutwirth, der auf einen Rodler wartet. Wenn dieser seine Absicht nicht rechtzeitig erkennt, "konfisziert" Gutwirth den Schlitten, den man mit einer Ermahnung bei ihm abholen muss. Mit dem Versprechen sich an die Regeln zu halten, kann man wieder Rodeln. Wo denn? In unserem flachen Land sind andere Rodelmöglichkeiten kaum zu finden. Also vorsichtig ein neuer Versuch.
Auf beiden Seiten der Straße Wohnhäuser und die Fleischerei Grigoleit, die während des Krieges schließt. Oben angekommen zur linken Seite der Hof des Standesbeamten Flötke, rechts das Haus von Kastrierer Durdack. Hier stoße ich auf die Grünheider Straße.
Die Aula, unsere Uschupp. Etwa 1 m breit und knietief, leicht konnte ich sie überspringen. In den ersten Jahren schaue ich den Fleischergesellen beim Fangen von Hechten zu. Irgendwann läßt die Molkerei Abwasser, das die Fische nicht mögen, in den Fluß. Zeitweise wird die Aula ein weißer Fluß.
Nach der Schneeschmelze wird das Flüsschen zu einem reißende Bach, man erkennt es nicht wieder, 2 m tief und 3 m breit. Das Flußbett reicht gerade noch aus, um die Wassermassen zu bändigen, zumindest im Ort. Auf den Eisschollen lassen wir uns mittreiben. Ein sehr gefährliches "Spiel", das zum Glück immer gut ausging. Wiesen und Felder ringsum stehen unter Wasser, ebenso unser Keller. Im Frühjahr ist er vollgelaufen, mancher Maus wird das zum Verhängnis. Wiesen und Felder sind bereits vor Frosteintritt überflutet. Die darauf liegende Schneedecke schaffen wir beiseite und laufen Schlittschuh auf den großen Flächen.
Ich gehe die Flötkestraße zurück bis an die Kreuzung (Insterburger Str.). Über die Brücke der Aula hinter Gefeller komme ich nach ca. 100 m, rechts, an das erste Haus. Herbert Meyer, man sagte nur Jud Meyer, hatte hier bis 1938 sein Konfektionsgeschäft. Mein Spaziergang geht weiter, doch an das Haus komme ich zurück.
Werkstatt Schwarznecker & Reck links die Giebelwand vom Gasthof Rautenberg (1928)

Marktplatz. Gasthof & Kolonialwarengeschäft Rautenberg davor der Saal. Rechts Werkstatt Schwarznecker & Reck, ganz rechts Haus "Jud Meyer" (1930)

Etwas weiter die Autowerkstatt von Schwarznecker & Reck. Daneben das größte Kolonialwarengeschäft Rautenberg. Auf dem Land gehört dazu eine Gaststätte. Ebenso besitzt Rautenberg einen Saal. In ihm finden fast alle Veranstaltungen des Ortes statt. Einmal im Monat füllt die Kreisbildstelle den Saal. Auch für uns Jungen gibt es interessante Filme, unsere Wehrmacht zeigt ihre Stärken und Joseph Goebbels sorgt dafür, dass wir die Wochenschau nicht verpassen.
Ich wechsele auf die andere Straßenseite und stehe vor dem Kolonialwarengeschäft Goetz, ebenfalls mit einer Gaststätte. Mit Sohn Siegfried geht es an den Billardtisch, kostenlos natürlich, er besitzt dafür den Schlüssel. Da in dem Raum auch mit dem Luftgewehr geschossen wird, geht das genauso. Ab und zu entführen wir ein Gewehr um in einem Keller der Stallungen Ratten den Garaus zu machen.

Hotel Oberstaller am Marktplatz, links Bäckerei, in der Mitte das Wirtshaus und Hotel und rechts war der Friseur (ca. 1910)

Marktplatz gegenüberliegende Seite von Rautenberg. Gaststätte und Kolonialwaren Goetz (früher Hotel Max Oberstaller) (ca. 1925)
Im Haus hat Friseur Wollert seinen Laden. Ebenfalls bereiten sich junge Pimpfe in einem Nebenraum auf das Segelfliegen vor. Sie basteln zunächst an kleinen Modellen, werden weiter geschult und fahren zu Lehrgängen auf die Kurische Nehrung.
Ein großer Sommergarten, darin ein Tanzboden, gehört Goetz. Im Krieg ist die Tanzfläche verwaist. Am Ausschank im Garten haben Durstige mitunter nicht mehr ihr Geld so richtig in ihr Portmonee hineinbekommen. Für uns eine gute Einnahmequelle. In dem "Häuschen" mit dem Guckloch versuchen Siegfried und ich den Geschmack von Juno- oder Salem-Zigaretten zu testen. Allerdings wird uns dabei so schlecht, dass wir unser Experiment nie wiederholt haben. Das galt für unser ganzes Leben.
Neben Goetz führt eine Straße nach Streudorf (Budwethen). Links Stallungen von Goetz, Tischler Parakenings, dann unser strenger Wachtmeister Gutwirth der ein Pferd als Transportmittel besaß. Weiter die Post, gegenüber die Gärtnerei Sachs. Hier endet die Wohnbebauung, die Straße wird zum Weg. Kurz dahinter überquert die Kleinbahn die Straße.
Vor Rautenberg ein kleiner Platz. Hier findet der Wochenmarkt sowie der Jahrmarkt statt. So viel kann da nicht gewesen sein, ein Kettenkarussel, in das ich damals nicht gern gestiegen bin. Geld? Für eine Großfamilie waren 50Pfg. viel Geld.
Hinter Rautenberg ein größerer Hof und Stallungen, in denen die Bauern ihre Wagen abstellen und die Pferde versorgen wenn sie nach Aulenbach kommen. Die Bauern tun das Gleiche, oft mit einigen Meschkinnes oder anderem zu viel. Manche Pferde kennen den Nachhauseweg bereits.
Weiter auf der R137, der Kreuzinger Straße. Links die Apotheke direkt an der Straße, in dem Haus Hebamme Schlimmer. Ich gehe auf den Hof, dort befindet sich die Pflugschmiede Hertzigkeit. Sohn Heinz und ich sind ebenfalls Freunde. Hinter der Werkstatt hat die Neu-Apostolische Gemeinde ihren Gemeindesaal.
Ich steige die Stufen zur Apotheke hoch. Innen hohe dunkle Holzwände, in denen viele Schubladen zu sehen sind. Was da wohl drin ist? Auf einem Tisch einige Geräte, die ich noch nie gesehen habe. Eine kleine Waage erkenne ich, dann kleine und große Gläser und Flaschen, meist sehr dunkel. Ältere Leute nennen den Apotheker Provisor und machen darüber Witze. Nach dem kurzen Besuch geht mein Weg weiter Richtung Kreuzingen. Klempner Hasler, Bäcker Eschmann und Schneider Kuprat (nicht verwandt) folgen. In den Häusern befinden sich auch einige Wohnungen. Gegenüber das Kolonialwarengeschäft Knackstädt, ebenfalls mit einer Gaststätte.
Die Adler Apotheke an der Kreuzinger Straße Ecke Kirchstraße (1904)

Gaststätte Knackstädt (Königsbergerstraße). Später hieß sie Kreuzingerstr. Im Hintergrund links Verladestadtion der Insterburger Kleinbahn (IKB).(1910)

Etwas weiter der Hof von Amtsvorsteher Bleyer. Dazwischen liegt ein Haus, in dem sich unsere Privatschule befindet. Einige Jahre darf ich hier die Bank drücken. Gegenüber der Kleinbahnhof, die An- und Verkaufsgenossenschaft und die Raiffeisenkasse. Für die Güterabfertigung ist Kaufmann Knackstädt zuständig. In den Kriegsjahren werden Kohlen direkt vom Waggon verkauft. Auch um jede Mark zu sparen, holen sich viele Einwohner diese dort ab. Unsere Familie gehört dazu, mein Schlitten wird zum Kohlentransportmittel.
Mit langen Pfeiftönen überquert die Bahn die Straße in Richtung Kreuzingen. Im weiteren Straßenverlauf ein kleines Gehöft und die Ziegelei Guddat. Auch sie stellt ihren Betrieb ein.

Die Insterburger Kleinbahn, hier allerdings am Haltepunkt Waldfrieden (Ostp.) ca. 1939

Ziegelei Guddat auf der R137 Richtung Jennen. Ausflug der Privatschulklasse.(1941)
Zurück zum Marktplatz. Hier beginnt eine Straße, die weiter nach Schillen und Grünheide führt. Links das Tuchgeschäft Wilhelm, daneben die Hindenburg-Eiche und der Kirchhof. In dessen Mitte die evangelische Kirche. Der gesamte Kirchhof ist von einer Mauer umgeben. Diese Kirche, ein Feldsteinbau mit einem Holzturm, wurde 1730 neu errichtet. 1807 haben die Soldaten Napoleons die Kirche geplündert und Kirchenbücher verbrannt.
Die Evangelische Kirche Aulowöhnen - Sicht von der Molkerei (ca. 1925)

Molkerei Genossenschaft Aulowönen (gegenüber der Kirche an der Kreuzung Flötkestraße / Schillener Str / Grünheider Str. (1935)

Die Molkerei auf der anderen Straßenseite. Mit einer Milchkanne geht es oft in den kleinen Laden, Verpackungen waren unbekannt. Auch Butter und Tilsiter Käse - gab es überhaupt anderen? - kaufen wir dort. Im Krieg mussten wir etwas an der Heimatfront helfen, z.B. Heilkräuter sammeln uvm. Mit Pimpfen haben wir im Keller der Molkerei Kisten für den Versand der Käselaibe vorbereitet. Wenn der Keller 1945 noch so voll war, hätte das für die ganze Rote Armee gereicht.
Ich gehe nach links in die Schillener Straße. Links unsere Volksschule mit dem Schulhof, dahinter das Lehrergebäude, rechts neben der Schule ein Wohnhaus.

Die neue Schule in Aulowönen, gebaut um 1908. Ansicht von der Schillenerstr. Die lag direkt am Kirchhof nördlich der Kirche (1910)

Die Grünheider Straße ist leicht abschüssig und führt zu den sogenannte Kreishäusern. Die Straße führt nach Alt Lappönen (ca. 1928)
Auf der linken Seite mehrere kleine Gehöfte und Insthäuser. Rechts führt ein Weg zu dem Badeteich, der mit dem Wasser versorgt wird, das aus den Gräben kommt. In ihnen fühlen sich auch Frösche wohl, unsere Anwesenheit hat sie nie gestört. Das Wasser hat sich der jeweiligen Temperatur angepasst. Ein Sprungbrett (1-2 m hoch) war vorhanden.
Als Einstieg war eine "Rampe" aus Holzbohlen vorgesehen. Irgendwann ist sie aufgeschwommen und wird unsere Sprunginsel. Eine Umkleidekabine ist vorhanden. Zur Beobachtung des anderen Geschlechts haben Würmer darin im Laufe der Zeit kleine Löcher gebohrt. Trotz der spartanischen Einrichtung ist das "Bad" gut besucht. So mancher hat sich hier freigeschwommen. Eine Aufsicht gibt es nicht, Unfälle sind mir nicht bekannt. Im Winter wird aus dem Bad ein Freilufteisstadion.
Eine kurz vor dem 2.Weltkrieg gebaute Siedlung mit 15 Häusern steht am Ende der Schillener Straße.
Am Pfarrgebäude biege ich in die Grünheider Straße ein. Das Gebäude, es hat 13 Zimmer und einen Konfirmandensaal, liegt in einem sehr großen und schönen Garten. Man spricht von 2 ha. Die Kirchengemeinde besitzt fast 80 ha Land, deshalb gibt es einen Pfarrhof mit Stallungen.
Die Straße ist ein wenig abschüssig und führt über ein Bächlein, das auch den Badeteich mit Wasser versorgt. Nach etwa 200 m stehen links Wohnhäuser, die "Kreishäuser". Davor der Sportplatz. Der Bau einer Sporthalle wird mit Kriegsbeginn eingestellt und nicht mehr vollendet.
Gegenüber das Lager des weiblichen Arbeitsdienstes (RAD - Reichs Arbeitsdienst). Mit den Maiden gibt es so manche Schneeballschlacht, gegen die Übermacht ziehen wir Jungen meist den Kürzeren. Die Flächen hinter dem Kreishaus gehörten bis zur Aufsiedlung im Jahr 1927 zur Domäne Alt Lappönen (~600 ha). Am Sportplatz besteige ich mein Fahrrad, ein Fußmarsch dauert zu lange. In der Grünheider Straße zähle ich ca. 20 Häuser. Hinter dem ersten Haus steht das Kriegerdenkmal. Bis hierher und zurück bis zum Pfarrhaus laufe ich so oft es geht meine 1000 m. Am Ende der Siedlungen, abseits der Straße, wohnt mein Freund Fritz Friedrich. Nach einem Kurzbesuch geht es zurück.
Am Kreishaus biege ich nach links in den Birkenweg. Zu Fuß würde es besser gehen. Auch hier zähle ich ca. 20 Häuser. Am Weg liegen 2 kleine Hügel und Sandgruben, der Bambull und der Spitzin, über die es Sagen und gruselige Geschichten gibt. Man hat hier Menschenknochen gefunden, die während der Pest ohne Särge "verscharrt" wurden. Lehrer Gabriel hat hier geforscht. Von der Grünheider Straße zum Birkenweg führt der Kastanienweg, an dem 6 Siedlungen liegen. Dahinter liegt der Friedhof von Alt Lappönen. Ich besteige mein Fahrrad, zunächst geht es nachhause.

Blick ins Dorf, in der Mitte die Schule und rechts der Kirchturm (ca. 1915)
Damit endet mein Gedanken-Spaziergang. Bestimmt habe ich auf ihm einiges anders im Gedächtnis gespeichert, vergessen, einfach übersehen, nicht erwähnt ... Die Jahre!
Einige Ereignisse, Erlebnisse, Geschichten .... die mir beim Spaziergang wieder eingefallen sind, sollen jetzt folgen :
Ich gehe zurück an das Konfektionsgeschäft Herbert Meyer. Da meine Mutter hier einkauft, gehe ich ab und zu mit. Eigentlich soll sie hier nicht einkaufen. Das bekomme ich erst später mit. Mein Stiefvater ist Beamter. Irgendwann steht vor dem Haus ein Schaukasten, innen "Der Stürmer", dem Hetzblatt von Julius Streicher. Ich habe mir die Bilder angeschaut und über die Karikaturen gelacht.
Die Schaufenster werden 1938 eingeschlagen, einige Tage wird Meyer in die Zellen des Spritzenhauses eingesperrt. Ich sehe seine Frau mit dem kleinen Kind, wie sie ihrem Mann das Essen bringt. Bürgermeister Ehmer bemüht sich um die Ausreise und bringt die Familie persönlich nach Insterburg. Ob er Erfolg hatte, habe ich bis heute nicht eindeutig klären können.
In meinem Alter habe ich dieses Drama nicht verstanden. Der Vater war ein dekorierter Soldat des 1.Weltkrieges und im Ort beliebt und angesehen. Für den Ort ist es kein Ruhmesblatt, auch wenn der Einzelne sicher machtlos war.

Aufgeschrieben von Lothar Kuprat, März 2013


IKB - Insterburger Kleinbahn

Fahrplan der IKB um 1935


Am 25. Juni 1900 wurde die Insterburger Kleinbahn-AG gegründet, an der der Preußische Staat, die Provinz Ostpreußen, die Kreise Insterburg, Niederung, Ragnit und Tilsit sowie die Bahnbaugesellschaft Lenz & Co GmbH beteiligt waren.

Am 1. August 1902 wurden die ersten Teilstrecken in der Spurweite von 750 mm eröffnet. Ausgehend vom Kleinbahnhof Insterburg, der 1150 m westlich des Staatsbahnhofs lag, führte eine Strecke nach Süden. Die nördliche Strecke folgte im Stadtgebiet Insterburg zunächst der Staatsbahn in Richtung Tilsit. Dabei wurde der Haltepunkt Gumbinner Straße (früher: Bahnhofstraße) nahe dem „Hauptbahnhof“ bedient. Jenseits des Angerappflusses lag der Kleinbahnhof Luxenberg, wo die Strecke nach Osten abbog und entlang der Inster den Kopfbahnhof von Kraupischken (1938-1946 Breitenstein, 38 km) im Kreis Ragnit erreichte.

Eine Erweiterung des Netzes folgte am 12. November 1902 mit der in Luxenberg abzweigenden Strecke nach Skaisgirren (1938-1946 Kreuzingen, 36 km) im Kreis Niederung an der Staatsbahn Tilsit-Königsberg. Sie teilte sich in Juckeln (1938-1946 Buchhof), wo ein Strang über Mehlauken (1938-1946 Liebenfelde – ebenfalls an der Staatsbahn Tilsit-Königsberg – bis nach Piplin (1938-1946 Timberhafen, 28 km) im Landkreis Labiau abzweigte. Die Betriebsführung übernahm die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (ODEG). [8]

Die Insterburger Kleinbahn (IKB) verband also Insterburg mit Groß Skaisgirren (ab 1938 Kreuzingen). Die Fahrt von Insterburg nach Aulowönen (Aulenbach) dauerte damals 1 Stunde und 35 Minuten und die Streckenlänge betrug 26,2 km. Bis Aulowönen durchquerte die IKB im Kirchspiel die Gemeinden Buchhof, Waldfrieden (Ostp.) und Aulowönen, dann ging es weiter über die Gemeinden Eichhorn, Swainen und Birkenhausen.

Am 17.12.1932 eröffnete die IKB als Ergänzung zur Kleinbahn die Omnibuslinie Insterburg - Groß Skaisgirren. Statt der drei täglichen Zugpaare verkehrte nun nur noch eines. Dafür fuhr der Bus der Kleinbahn einmal am Tag das Moorbad Waldfrieden direkt an.



Lothar Kuprat erinnert sich in seinem Bericht "Erinnerungen an die Insterburger Kleinbahn (IKB)" (2013) 3 Seiten, dieser ist als Dokument zum Downloaden verfügbar (siehe links)

Böse Zungen behaupteten, dass diese Abkürzung "Ich komme bald" bedeutet. Bis auf einige Tage mit starken Schneeverwehungen kann ich dem nicht zustimmen.
IKB am Haltepunkt Waldfrieden
Die erste Fahrt hatte ich 1939. In den Sommerferien waren wir in meine alte Heimat gefahren. Auf der Rückfahrt in Insterburg, wie immer, in den Bus. Doch der war, wie viele Männer, zur Wehrmacht eingezogen, die Buslinie für immer eingestellt. Eine andere Überraschung, unser Busfahrer Breitmoser wurde Schaffner bei der IKB und blieb es bis zum bitteren Ende.
Die Strecke war eingleisig, hatte kaum gerade Führungen und schlängelte sich durch die überwiegend flache Landschaft, da sie möglichst viele Dörfer versorgen sollte.
Die Insterburger Kleinbahn (ca. 1930)
Kleinbahnbrücke über die Aula (1995)
Wenn sie aus dem Wäldchen bei Gründann, ca.3km, auftauchte, konnte man sie bereits fauchend und pfeifend erkennen.
Da die Bahn Straßen und viele Feldwege überquerte, aber keine Schranken vorhanden waren, hatte der Lokführer viel zu tun. Bei der Brücke über die Aula begann ein leichter Anstieg, da fauchte die Lok, sicher auch der Heizer. Irgendwann haben Jungen die Schienen mit Schmierseife versehen, nach mehreren Anläufen schaffte die Lok diesen Anstieg. Hinter der Post war ein Durchstich, der in schneereichen Wintern zugeweht war und die Lok kapitulierte.
Von Aulenbach konnte man neben den Gleisen auf einem Fußweg bis nach Waldfrieden (Ostp.) gehen.
Erlebnisreicher wurden die täglichen Fahrten zur Schule. Um etwa 6.30 Uhr ging es los. Im Wäldchen von Gründann der erste Halt, die Lok nahm jedes Mal Wasser auf. Im Sommer konnte man aussteigen und Blumen pflücken. In Buchhof wurde der Zug aus Liebenfelde angekoppelt. So dauerte die 20km lange Strecke ungefähr 75 Minuten.
Unfall der IKB bei Aulowönen (1920)
Wir Schüler hatten einen alten Gepäckwagen in Beschlag genommen. So störten wir die Erwachsenen nicht und sie uns nicht. Im Winter konnte der Wagen von der Lok nicht beheizt werden. Ein Schüler und ich waren in Aulenbach die ersten Fahrgäste dieses Wagens. Es wurde unsere Aufgabe, den Kanonnenofen in Gang zu halten. Bei uns war es fast immer wärmer als in den anderen Wagen.
Einmal hatten wir einen Schrankenwärter der Reichsbahn mit Schneekugeln beworfen. In Insterburg erwartete uns die Bahnpolizei, die Sache endete mit einer Ermahnung. Jugendlicher Übermut, wie manches andere auch. Schaffner Breitmoser war ein verständnisvoller Mann, der unseren Übermut zu bremsen verstand. Die Rückfahrt muss so um 13.30 Uhr begonnen haben. Ab Herbst 1944 fuhr die Bahn nur noch unregelmäßig, doch da waren die erlebnisreichen Schülerfahrten bereits beendet.

Aufgeschrieben von Lothar Kuprat, Bremen, März 2013,



Alfred Rautenberg verfasste für den Insterburger Brief (Ausgabe unbekannt) einen kurzen Bericht "Brave alte "IBK")" (ca. 1980) über seine Erlebnisse mit der Insterburger Kleinbahn

Diese Abkürzung für unsere Insterburger Kleinbahn legte es nahe, sie „lch Kippe Bald" zu nennen. In Wirklichkeit tat sie das aber nicht. Auch im kalten und schneereichen Winter stampfte sie eifrig auf der Strecke Insterburg-Kreuzingen daher, ein zwar langsames, aber gemütliches und verläßliches Verkehrsmittel.
Einer ihrer Hauptumschlagplätze war Aulenbach. Im Anfang der dreißiger Jahre wurde ihr Personenverkehr zum größten Teil auf den Omnibus umgelegt. Im Kriege allerdings mußte sie dann wieder vollen Dienst machen.
Wie gemütlich es auf dem Bähnchen zuging, bringt mir ein kurzes Erlebnis in Erinnerung. Ich besaß einen neuen, noch meinen Begriffen kostbaren Velourshut; für das damalige Gehalt eines jungen Assessors immerhin keine unwesentliche Ausgabe. Von einem Besuch bei meinen Eltern in Aulenbach wurde ich durch ein dienstliches Telegramm noch Königsberg Pr. gerufen. Mit dem Nachmittagszug dampfte ich also nach Insterburg ab, nur wenig Übergangszeit blieb für den Eilzug noch der Provinzhauptstadt. Der Schaffner unserer IKB, mit dem wir schon als Kinder gefahren und dem wir manchen Streich gespielt hatten, versicherte, daß ich den Anschlußzug erreichen würde.
Nicht weil mein Hut neu, sondern weil es kühl war, hatte ich ihn auf dem Kopfe behalten. In Buchhof stieg eine Dame zu, die offenbar die Tür nicht fest geschlossen hatte. Der Zug fuhr an, die Tür sprang auf. Ich eilte auf die Plattform, um die Tür zu schließen. Ein heftiger Frühjahrswindstoß trug meinen Hut im hohen Bogen davon. Spontan eilte ich zu unserem Schaffner und klagte ihm mein "Leid".
Er entgegnete in aller Seelenruhe: „Natürlich, wir fahren gleich zurück und suchen den Hut! Allerdings“ - so fuhr er noch einiger Überlegung fort – „erreichen Sie dann nicht Ihren Anschlußzug noch Königsberg.“
Das sah ich ein. Aber er wußte einen weiteren Rat. Von Reckeitschen telefonierte er nach Buchhof. Und siehe da, drei Tage später hatte ich meinen Hut wieder. Streckenarbeiter hatten ihn gesucht und gefunden.
Wie oft muß ich an diese, den Lebensstil unserer Heimat so charakterisierende kleine Geschichter denken! Und das um so mehr, als ich seit mehr als zwei Jahrzehnten im Verkehrswesen tätig bin.

Aufgeschrieben von Alfred Rautenberg, Bonn



Dokumente zu Aulowönen


Bericht : In "Telephon-Adressbuch des Deutschen Reiches" Ausgabe 23 aus 1907 : Ortsverzeichnis Auluwönen (Ostp.) (Seite 49)



Quelle : In Ortschafts- und Adreßverzeichniss des Landkreises - Insterburg, 1927 - Aulowönen [9]


Bericht : In "Niekammer´s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher Band III - Provinz Ostpreußen : Aulowönen (Ostp.) (Seite 154)



Bericht : In "Nadrauen" Nr. 46 / 1936 : Schulen und Lehrer im Kirchspiel Aulowönen



Bericht : Beschreibung und Fotos über das Kirchdorf Aulenbach (Ostp.) einst


Bildmaterial

Wir suchen noch Fotos von Aulowönen / Aulenbach für eine Veröffentlichung an dieser Stelle. Sollten Sie Bilder oder interessante Informationen haben, würden wír uns über eine Kontaktaufnahme freuen. Suchen Sie Personen anderer Wohnstätten der Gemeinde Ernstwalde, können Sie sich ebenfalls unter der nachfolgenden Email melden.

info@kirchspiel-aulenbach.de


Genealogische und historische Quellen

Quellen

  1. Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reiches, Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut (1912), 5. Auflage, Band I, Seite 629
  2. Artikel Kleinlitauen. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  3. Benno Georg Teufel: Das war unser Aulowönen [Insterburger Brief] o. J. [ca. 1977], unbekannte Ausgabe
  4. 4,00 4,01 4,02 4,03 4,04 4,05 4,06 4,07 4,08 4,09 4,10 4,11 4,12 Kurt Henning, Charlotte Henning: Der Landkreis Insterburg, Ostpreußen. Ein Ortsnamen-Lexikon. o. O. [Grasdorf-Laatzen] o. J. [1981], S. 74.
  5. Brief an Thomas Schulz, 2013, Steinhagen
  6. Artikel Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  7. Artikel Grynszpan. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  8. Wikipedia: Insterburger Kleinbahnen, Ostpreußen. [3]
  9. Ortschafts- und Adressverzeichnis Landkreis Insterburg, Buchdruckerei und Verlagsanstalt Ospreußisches Tageblatt G.m.b.H,Insterburg (1927) (Reprint der Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt u. Land e.V., Krefeld)


Genealogische Quellen

  • Kirchenbuchbestände :

Viele der Kirchenbücher sind in den Wirren der Zeit unwiderruflich vernichtet worden. Nachfolgend eine Übersicht der Bestände der Kirchenbücher der evangelischen Kirchengemeinde Aulenbach (Aulowönen) / Ostp. : [[14]]

  • Standesamtunterlagen :

Die Standesamtunterlagen "Groß Aulowönen" sind teilweise lückenhaft von 1874 bis 1945 erhalten. Sie wurden von den Ortsvorstehern geführt und anschließend zentral erfasst. Sie sind heute im Standesamt I in Berlin archiviert und wurden 2016 von den Mormonen digitalisiert und sind dort im Originalscan online verfügbar: Standesamt Groß Aulowönen [[15]]


Adressbücher


Bibliografie


Genealogische Bibliografie

  • z. Zt. kein Ortsfamilienbuch vorhanden


In der Digitalen Bibliothek



Verschiedenes

nach dem Ort: Aulowönen

Karten


Gr. Aulowöhnen oder Rinkohnen auf der Schroetterkarte (1796-1802), Maßstab 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Gr. Aulowöhnen auf der Schroetterkarte (1802-1812),


Gr. Aulowöhnen auf der Karte von F.A: von Witzleben (1846),
Aulowöhnen (ab 1938 Aulenbach) im Kirchspiel Aulenbach (1939), Maßstab 1:25 000




Weblinks

Offizielle Webseiten

GOV-Kennung  : AULACHKO04VT [16]
Messtischblatt  : 1196 (11096) [17] | Messtischblatt Jahr : 1939

Weitere Webseiten



Zufallsfunde

Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden. Bitte beim Erfassen der Seite mit den Zufallsfunden ggf. gleich die richtigen Kategorien zuordnen.



Private Informationsquellen- und Suchhilfeangebote

Auf der nachfolgenden Seite können sich private Familienforscher eintragen, die in diesem Ort Forschungen betreiben und/oder die bereit sind, anderen Familienforschern Informationen, Nachschau oder auch Scans bzw. Kopien passend zu diesem Ort anbieten. Nachfragen sind ausschließlich an den entsprechenden Forscher zu richten.


Die Datenbank FOKO sammelte und ermöglichte Forscherkontakte. Seit Frühjahr 2018 ist der Zugriff jedoch, aufgrund der unklaren Lage durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), vorerst deaktiviert.


Orte, Gemeinden und Gutsbezirke im Kirchspiel Aulowönen / Aulenbach (Ostp.), Landkreis Insterburg Regierungsbezirk Gumbinnen,

Kirchspiel Aulenbach (Ostp.) Gemeindegrenze 1939 - Kartenmaßstab 1:25.000


Achmincken | Ackmenienlauken | Ackmenischken | Alt Eichhorn | Alt Lappönen | Alt Lappöhnen | Angine | Aulenbach | Auloweinen | Aulowöhnen | Aulowönen | Auluwöhnen | Auschkinnen | Bambulen (Alt Lappönen) | Berlacken | Bernhardseck | Berszienen | Bersziubchen | Birkenhausen | Birkenhof | Buchhof (Rittergut) | Budszetszen | Budwethen | Budwethschen | Budwetschen | Carnetken | Eichhorn | Ernstwalde | Forst Grauden | Forst Papuschienen | Gaiden | Gayden | Gerlauken | Grammelischken | Groß Aulowönen | Groß Kriplauken | Groß Warkau | Gründann | Hengstenberg | Jemgstenberg, Gut | Jennen | Jodbamjen | Juckeln | Jukallen | Kallwischken | Kembsen | Kemsen | Keppurlauken | Kermen | Kermuszienen | Kermuschienen (Ostp.) | Kiauneitschen | Kiaunischken | Kiewinnen | Klein Aulowönen | Klein Kalkeningken | Klein Popelken | Klein Schunkern | Klein Warkau | Klingen | Laukogallen | Lieszlaiken | Lindenberg | Lindenberg, Forsthaus | Lindenhausen | Lindicken | Lindigken | Linskeiten | Milchfelde | Milszlauken | Milschlauken | Miltzlauken | Mittel Warkau | Moorbad Waldfrieden | Mureninken | Naggen | Neu Eichhorn | Neu Lappönen | Neu Warkau | Ossafurt | Padau | Paducken | Paleidszen | Papuszien | Papuszienen | Papuschienen | Papuschienen Forst | Paulaitschen | Pavoschinen | Pawarn | Plicken | Popelken | Popellen | Rauben | Rinkohnen | Roßberg | Rudlauken | Schäferey | Schattenau | Schemlauken | Schimlauken | Schiwinnen | Schraben | Schruben | Schuicken | Schunkarehlen | Schuppinnen | Skardupönen | Sommerfeld | Staggen | Steinacker | Stierhof | Streudorf | Streuhof | Suckeln | Swainen | Swainuchen | Szemlauken | Szindszen | Tabacken | Tannenfelde | Tarputschen | Tobacken | Tutten | Tuttulen | Uszinpöhnen | Usziupöhnen | Uszupönen | Uschupönen | Waldfrieden | Warglauken | Warkau (Rittergut) | Warkoy | Warserutschen | Wasserkehm | Wasserlacken | Wasserlaugken | Wasserlauken | Wasseruppen | Waydlauken | Weiden | Weidlauken | Wenskeiten | Wilkental | Willschicken | Wilpischen | Wirschlauken |

Aulenbach - ALT |


Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung AULACHKO04VT
Name
  • Groß Aulowönen (- 1923-12-01) Quelle Wohnplatz 14.50 Quelle (deu)
  • Aulowönen (1923-12-01 - 1938-06-02) Quelle (deu)
  • Aulenbach (Ostpr.) (1938-06-03 -) Quelle (deu)
  • Ауловёнен (1945) Quelle (rus)
  • Калиновка (1946 -) Quelle S. 10 - ab Jahr geschätzt (rus)
Typ
  • Wohnplatz
Postleitzahl
  • RUS-238114 (1993)
w-Nummer
  • 50237
externe Kennung
  • geonames:554106
Karte
   

TK25: 1196

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Groß Aulowönen, Aulowönen, Aulenbach (Ostpr.) (- 1945) ( Landgemeinde Gemeinde ) Quelle

Kalinowskij Dorfsowjet, Калиновский сельский Совет (1993) ( Dorfrat ) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Aulowönen, Aulenbach Kirche object_163918
Gründann Gutsbezirk Gut Dorf GRUANNKO04VS (1929-09-30 - 1945)


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