Alt Lubönen

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Wappen der Stadt Ragnit

Alt Lubönen

Bauerndorf am Memelstrom
Kreis Tilsit-Ragnit, O s t p r e u ß e n
_________________________________________________________

Die Memelwiesen bei Alt Lubönen


Hierarchie


Inhaltsverzeichnis

Ansichtskarte von Alt Lubönen um 1900
oben ist das Elternhaus von Hans Gudjons zu sehen, (vgl. Brief weiter unten).

Einleitung

Alt Lubönen, Kreis Ragnit, Ostpreußen, ist ein kleines Dorf auf dem südlichen
Hochufer der Memel. Gegenüber auf dem nördlichen Memelufer liegt der Gutsbzirk
Kassigkehmen. Alt Lubönnen ist heute eine Wüstung, das letzte Wohnhaus wurde 1992
abgerissen.

Namensdeutung

Der Name leitet sich prußisch ab und weist auf Holzbearbeitung.

  • prußisch "lub" = Rinde abziehen, Bast schälen und zupfen
  • "luba, lubbo" = Dielenbretter, Deckendiele
  • "lubbe" = laubenartiger Vorbau an den typisch prußischen Häusern

Andere Namen und Schreibweisen

Links geht es nach Alt Lubönen, geradeaus nach Schillehnen

Allgemeine Informationen

  • Ein paar kleine Höfe, 29 km östlich von Tilsit, 1939: 179 Einwohner [5]
  • Die Ortschaft Alt Lubönen grenzt im Westen an Neu Lubönen, im Osten liegt
    der Grenzort Schillehnen (mit einer Wagenfähre nach Schmalleningken).
    Die drei Memeldörfer sind vom großen Neuluböner Forst umgeben.


Umgebungskarte von Alt Lubönen hier klicken !

Politische Einteilung / Zugehörigkeit

  • Alt Lubönen gehörte bis zum 1. Juli 1922 zum Kreis Ragnit
  • Alt Lubönen gehörte von 1922 bis 1945 zum Landkreis Tilsit-Ragnit
  • Alt Lubönen / Озёрное [6] gehört seit 1946 zum neugebildeten
    Kreis Lasdehnen, wahrscheinlich nach 1980 aufgelassen
Hier war einmal die Ortsmitte von Alt Lubönen, 1995 [7]

Kirchliche Zugehörigkeit

Teich am Ortsrand von Alt Lubönen

Evangelische Kirche

Alt Lubönen gehörte bis 1902 zum Kirchspiel Wischwill, danach zum Kirchspiel Trappönen.

Das Kirchspiel Trappönen wurde im Jahre 1902 durch Abzweigungen von Wischwill und Lasdehnen gebildet; 1904 wurde die bis dahin noch bestehende pfarramtliche Verbindung zwischen Wischwill und Trappönen endgültig aufgehoben.

Die meisten Kinder aus Alt Lubönen und Schillehnen besuchten den Konfirmandenunterricht im nähergelegenen Schmalleningken. Dazu mußten sie mit einer Wagenfähre bei Schillehnen die Memel überqueren.

Alt Lubönen gehörte ab 1874 zum Amtsbezirk Schillehnen (Nr. 31).

Standesamt

Alt Lubönen gehörte 1888 zum Standesamt Schillehnen.

Friedhof

In Alt Lubönen gab es einen Friedhof, der sich im Westen des Dorfes am Waldweg nach Neu Lubönen befand. Heute ist es sehr schwierig, die geringen Überreste der Grabmale im dichten Unterholz des Neuluböner Forstes zu finden.

Waldweg zum Friedhof von Alt Lubönen,1993)

Grabumrandungen auf dem Friedhof in Alt Lubönen

Bewohner

Einwohnerliste und Dorfskizze von Alt Lubönen hier klicken !


Auf dem Foto (unten) sieht man die Familie Grischkat aus Alt Lubönen

V.l.n.r.: Emma Grischkat, geb. Baczun, Tochter Helene, Sohn Franz,
Tochter Herta und Besitzer Georg Grischkat.
Franz Grischkat war vor dem Krieg Kreisbauernführer.

Auf dem rechten Foto sieht man die Familie Radtke aus Alt Lubönen
(später wohnhaft in Schillenöhlen).
V.l.n.r.: Tochter Anna, Mutter Marie Radtke, geb. Gudjons, auf dem Tisch
sitzt Tochter Hildegard, daneben Bauer Georg Radtke mit Tochter Martha.
Das Familienfoto wurde 1914 in Tilsit aufgenommen, weil der Bauer
Georg Radtke zum Militär einrücken mußte.

Familie Grischkat (Bild: B. Waldmann)
Familie Radtke 1914 (Bild: B. Waldmann)

Räumung

Schon im Sommer 1944 sind Bewohner aus Alt Lubönen in den Westen gefahren, obwohl ein striktes Bleibegebot galt. Im Oktober 1944 mußten dann alle ihr Heimatdorf verlassen.

Steffi Kaschubat (geb. Dodszuweit) ist nach der Räumung noch einmal in Alt Lubönen gewesen. Sie hat als Schifferjunge verkleidet die Nachkriegswirren überstanden. Im Spätherbst 1945 ist sie vom Memelkahn aus noch einmal in das Heimatdorf gegangen. Die Häuser standen noch, waren aber unbewohnt und ausgeplündert. Bei Grischkats wehten die Vorhänge aus den leeren Fensterhöhlen. Steffis Mutter Anna Dodszuweit war eine Nachbarin der Grischkats. Sie hat in Hamburg-Bramfeld eine neue Bleibe gefunden. Auf den Ämtern gab es oft Probleme, wenn „Tante Anna“ nach ihrem Namen gefragt wurde. „Und wie wird das geschrieben?“ bekam sie sofort zu hören. „Mein Name wird so jeschrieben, wie er jesprochen wird,“ erklärte sie stets.

Geschichte

Nachweislich wurde Alt - Lubönen erstmalig im Jahre 1722 in der topo-
graphischen Karte des Amtes Ragnit geführt und gehörte zum Kirchspiel Wischwill.
Der Ort wurde als Königliches Bauerndorf bezeichnet und im Amt Kassigkehmen
erfaßt.
Nur sehr zögernd konnten die Bewohner Fuß fassen (12 Feuerstellen am Anfang),
denn das Gebiet ließ eine Erweiterung nicht zu. Der Verkauf landwirtschaftlicher
Erzeugnisse sowie zusätzliche Erwerbseinnahmen aus der Forstwirtschaft trugen
zum Lebensunterhalt der Bewohner bei.
Die Gemeindeverwaltung wurde selbständig durch einen Bürgermeister betrieben.
Der letzte Gemeindevorsteher war Karl Jucknat. Vorher wurden die Dorf-
schulzen meist von der Familie Szagarus gestellt.

In einer zweiklassigen Volksschule in Alt Lubönen wurden zusätzlich auch die
Kinder aus dem Nachbarort Neu Lubönen (Memelwalde) unterrichtet.
Es gab drei Lehrer und eine Lehrerin. Der letzte Schulleiter war Edgar Wittkamp.
Lehrer Wittkamp gilt ab 1944/45 als gefallen, bzw. vermißt. Die Schule stand am
westlichen Ortseingang am Waldweg nach Neu Lubönen.

Durch die Staatsforsten im Osten und im Süden war eine Ortserweiterung nicht
möglich. Mit ca. 180 Einwohner war der Ort sehr klein und hatte 30 bebaute
Grundstücke. Der größte Besitzer in Alt Lubönen war Franz Grischkat
mit einer landwirtschaftlichen Fläche von 72 ha. Im Dorf gab es auch eine Mühle,
die Marta Neumann gehörte.

Ansichtskarte von der Schule in Alt Lubönen ~ 1930 [8]
Lehrer Jost vor der Schule in Alt Lubönen ~ 1935 [8]

Amtsbezirk Schillehnen

Am 15.04.1874 wurde der Amtsbezirk Schillehnen (Nr. 31 im Kreis Ragnit) aus den Landgemeinden
Alt Lubönen, Dirrehlen, Neu Lubönen und Schillehnen und dem Gutsbezirk Königswald, Forst
(5 Gemeinden/Gutsbezirke) gebildet. Der Amtsbezirk wurde vom Amtsvorsteher in Schillehnen
verwaltet.

Am 03. 06.1938 fand die Umbenennung folgender Gemeinden statt:

Christoph I, die letzte Bastion (Fortsetzung aus Nr. 27, Seite 26 - 30) von Walter Broszeit [9]
Unter dem Deckmantel einer Druschkolonne und in abgetragenem Zivil wurde das ganze
Südufer der Memel von Hartigsberg über Trappen, Memelwalde, Friedenswalde bis Waldheide
erkundet, um sich für die große vaterländische Aufgabe vorzubereiten.
Die Tagesmahlzeiten wurden ...
Der ganze Bericht ist hier zu finden: „Zwischen Memelstrom und Ostfluß (Szeszuppe)"

Ehem. Hoflage Franz Grischkat in Alt Lubönen, Sommer 1994

Dorfleben in früherer Zeit

..hier klicken..

Heutige Situation

Letztes Wohnhaus in Alt Lubönrn (es wurde 1992 abgerissen)

1992 konnte man in Alt Lubönen am Waldrand noch ein Wohnhaus sehen, das gerade abgerissen wurde. Seitdem gibt es in der Gemarkung keine Gebäude mehr. Ein Litauer, der kurz nach dem Krieg nach Neu Lubönen gekommen war, erzählte 1995, daß in Alt Lubönen noch lange Zeit schöne Häuser gestanden hätten. Das Dorf erhielt sogar einen russischen Namen, nämlich Озёрное / Ozërnoe. Aber nach und nach hätten die neuen Bewohner das abgelegene Dorf wieder verlassen. Die meisten Holzhäuser verfielen, einige wurden mutwillig zerstört. Alles Verwertbare wurde abtransportiert. Irgendwann wurden die verbliebenen Reste, die nicht vom Unterholz des Neuluböner Forstes überwuchert waren, beseitigt.

Dort, wo einst die Dorfstraße von Alt Lubönen verlief, breitet sich heute eine weite Wiesenfläche aus, auf der Kühe grasen. Nur einige Obstbäume am Waldrand weisen darauf hin, daß hier einmal Wohnhäuser gestanden haben. Vereinzelt findet man Ziegelsteine und div. Haushaltsutensilien. Den ehemaligen Standort der zweitklassigen Dorfschule kann man bis heute gut erkennen. Der Napoleonsweg am oberen Rand der Memelwiesen ist noch vorhanden. Der Blick über die Memel nach Kassigkehmen ist sehr schön. Auch einige Wiesenteiche gibt es noch.

Auf dieser Lichtung befand sich einst das Dorf Alt Lubönen, 1994

Ehemalige Hofstelle Karl Jucknat in Alt Lubönen
Am Ufer der Memel in Alt Lubönen

H.-G. Grischkat (links) und Hans und Dora Kairies am Memelufer in Alt Lubönen

Verschiedenes

Internetlink

Fotos aus Alt Lubönen, Neu Lubönen und Schillehnen von Bernhard Waldmann

Karte

Karte von Alt Lubönen / Friedenswalde (Messtischblatt, Stand 1938, mit russ. Ortsnamen)


Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung FRILDEKO15GA
Name
  • Alt Lubönen (- 1938-06-02) Quelle Quelle Wohnplatz 31.9 (deu)
  • Friedenswalde (1938-06-03 -) Quelle (deu)
  • Альт Лубёнен (1945) Quelle (rus)
  • Озёрное (1946 -) Quelle S. 9 - ab Jahr geschätzt (rus)
Typ
  • Wohnplatz (- 1945) Quelle S. 9 - wahrscheinlich aufgelassen nach 1980 - da keine PLZ bekannt
w-Nummer
  • 50239
externe Kennung
  • geonames:866202
Karte
   
   
Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Schmalleningken (1907) ( Kirchspiel ) Quelle S.248/249

Wischwill, Viešvilė (1907) ( Pfarrei ) Quelle S.248/249

Chlebnikowskij Dorfsowjet, Хлебниковский сельский Совет (1993) ( Dorfrat ) Quelle

Alt Lubönen, Friedenswalde (- 1945) ( Landgemeinde Gemeinde ) Quelle Quelle


Quellen

  1. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  2. Gemeindelexikon Königreich Preußen I, Heft I Ostpreußen, Aufgrund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905
  3. http://www.territorial.de, Titel: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten, Autor: Rolf Jehke
  4. E. Weber, Ortsnamenverzeichnis Gebiet Kaliningrad (Nördliches Ostpreußen). Deutsch-Russisch. Russisch-Deutsch. Verlag „Nachtigall“ Kaliningrad/Königsberg 1993
  5. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  6. Озёрное / Ozërnoe bedeutet wörtlich übersetzt „am Seeufer gelegen", was sich vermutlich auf den großen Wiesenteich bezieht.
  7. >Vorn: Rafael Franguljan, hinten: Rosel Bachmann u. Theodor Waldmann
  8. 8,0 8,1 Bild: Bernhard Waldmann
  9. Dieser Bericht ist aus dem Museum von Jurij Userzow in Breitenstein.
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